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Gleich nach dem Abschlusse des fraglichen Staatsvertrages schritt die Herzogliche Regierung zur Feststellung der BiS- thumsdotation im Allgemeinen, und zur Fundirung der stipu- lirten bischöflichen Capelle insbesondere. Man wecß, daß hier­bei dahin gestrebt wurde, von den % des Bisthnmsbedarses, deren Deckung nach dem erwähnten Staatsvertrag dem Do- mänenfiScus oblag, eine» Theil aus Localkirchenstiftungen zu gewinnen, und daß demgemäß die Pfarreien Eltville, Diet­kirchen und Limburg ihr ganzes' Pfarrvcrmögcn, letztere Ge­meinde außerdem auch noch das Vermögen der Stadtcap! anet und der Hospitalsvicarie als Beitrag zur Dotation des Bis- thums ungefragt hergehen mußten. In gleicher Weise suchte man es dahin zu bringe», daß die hiesige Gemeinde dem Do- mänenfiscus die vertragsmäßige Unterhaltung der bischöflichen Capelle abncbme. Die eigenthümliche Lage der Pfarrkirche bot hierzu einen sehr geeigneten Ausgangspunkt. Dieselbe liegt nämlich bekanntlich nicht in der Stadt, sondern auf einem Berge, zu welchem der Weg nicht nur höchst beschwerlich, son­dern im Winter bei Schnee und Eis geradezu gefährlich ist. Dagegen befindet sich in der Stadt die sehr freundliche und geräumige Kirche des Franziscaner Klosters, welches kurz vor den fraglichen Demarchen aufgehoben worden war.

Die Gemeinde iitubte nun begreiflicher Weise den größten Werth darauf legen, daß auch fernerhin in ^dieser Kirche Gottesdienst gefeiert uud die Nothwendigkeit, alltäglich den beschwerlichen Gangauf den Berg" (d. h. in den Dom) zu machen, abgcwandt bleibe. Dies benützte der Oberschul und Kirchenrath Koch, der bereits mit Frankfurt so geschickt unterhandelt hatte, und den Kirchen- und Gemcindevorstand dahin zu bringen, daß er die Last der baulchu n Unterhaltung der Franziscanerkirche übernehme, oder diese Kirche sich schenken lasse. Der Kirchen- um Gemeindevorstand erkannte nun zwar sehr gut, daß die Annahme des offerirten Ge­schenkes die Gemeinde mit einer großen Lâst beschwere, und machte Einwendungen. Aber der gewandte Commissarius wußte auf der einen Seite die Annehmlichkeiten der Forlcr Haltung der Franziskanerkirche durch das Projeck, dieselbe solle zur zweiten Pfarrkirche erklärt uud so der Gemeinde für allezeit die hergebrachte An­da ch ts pf l ege in derselben gesichert werden, so überaus verlockend zu machen, und aus der anderen Seite die Drohung, daß Limburg blos deßwegen als Sitz des künftigen Bischofs und Domkapitels ins Auge gefaßt worden, weil das Klostergebäude und die anstoßende Kirche, welche als bischöfliche Capelle dienen solle, sich bejon- ders zur Benützung für den Bischof und das Domcapitel eigneten, und daß, wenn nicht die Kirche gewünsch­ter Maßen erhalten werden könne, Limburg nicht weiter als Bischofssitz besondere Vorzüge habe, sondern Hoch­heim gewählt werden könne, so plausibel zu machen, daß der Kirchen- und Gemeindcoorstaud, denen natürlich die der freien Stadt Frankfurt gegenüber schon vorhandene Verpflich­tung des Fiscus nicht bâwnt-war, den erklärten Propositio- nen zugänglich wurden und sich bereit finden ließen, die Frauziscanerkirche als Eigenthum der Gemeinde anzunehmen, zumal den Eröffnungen des Herrn RcgieruuzscommissariuS durch verfügte Schließung der Kirche, welcher deren Abbruch nachfolgen sollte, in sehr gewichtiger Weise Nachdruck gegeben wurde.

Der Kirchenvorstand verlangte jedoch, daß wenigstens ein Theil jener Kosten vergütet werde, welche der Kirchenfonds in Folge des oclroyirten Geschenkes für die Zukunft übernehme, da derselbe viel zu gering dotirt sei, um die Baulast aus seinen Mitteln tragen zu können. Diese Forderung war so eminent billig, daß ne nicht ganz von der Hand gewiesen wer­den konnte, zumal die Kirche nicht blos für die Zukunft baulich zu unterhalten war, sondern schon sofort eine sehr kostspielige ; Herrichtung unumgänglich bedurfte. Auch war zu befürchten, : daß wenn man die Saiten all zu hoch spanne, der Bogen brechen - und die beharrliche Opposition des damaligen Stadtheißen Grimm gegen daS Regierungsproject den Gemeinde- u Kirchen Vorstand wieder umstimmen könne, da die Leute am Ende ; zu der Einsicht gelangt wären, daß es mit der angedrohten

Verlegung des Bischofsitzes nach Hochheim unmöglich ernst ge­meint sein könne, da ja alsdann der Domänenfiscus für das Biöthnm jährlich 45000 fl. selbst hätte bezahlen müssen, welche statt seiner die Pfarreien Limburg und Dietkirchen ent­richten sollte». Demgemäß wurde der Gemeinde aus dem Domänenfiscus eine Summe von 1500 fl. ein für alle Mal bewilligt und da das bei Weitem unzulänglich war, noch kl» weiterer Betrag von 1500 fl. für die Kosten der Herrichtung der Kirche und ein Capital von 3000 fl. für die Kosten der Unterhaltung derselben zugestandcn aber nicht aus dem Fiscus, um dessen Schuldigkeit es sich doch handelte, sondern aus dem Limburger Hospital-Armen- fouds!! Zwar stand Reckt und Gesetz (vgl. Edict vom 10. Octbr. 1816. 88 1, 11, 16 u. 18) einer solchen Be- uachtheiligung des Hospitalfonds im Wege: aber man wußte sich in der Art zu helfen, daß projectirk wurde, die hübsche Hospitalkirche (die noch heute im Gebrauche ist) solle in Ar- menwohuungen umgeschaffen und der stiftungsmäßige Gottes­dienst in die Frauziscanerkirche verlegt werden, welche Kirche dann natürlich auch billiger Weise auf Kosten des Hospital- fonds unterhalten werden müsse! Begreiflicher Weise kam es nie zur Ausführung dieses aller und jeder inneren Motivirniig entbehrenden Projectes. Daran lag aber auch für den be­absichtigten Zwecr nichts, nachdem die stipulirten 1500 fl. dem Hospitalfonds entnommen waren, um die Kosten der Her­richtung der Kirche zu bestreite«, und in Folge dessen die Kirchengemeinde die Kirche als Eigenthum angenommen hatte. (Die weiter stipulirten 3000 fl. sind bis heute nicht bezahlt, weil der Hospitalvorstand, ais dieselben später entnommen werden wollten, so nachdrücklich protcstirte, daß die Regierung die Zahlung nicht utgirtc und der Kirchengemeinde überlassen blieb, zu sehen, wer ihr die Baulast der übernommenen Kirche tragen helfe.)

Wir bedauern cS tief, diese Procedur erzählen zu müssen; sic kann aber nicht unerwähnt bleiben, weil ihre Kenntniß für das Verständniß der ganzen Sache, um die cs sich handelt, schlechterdings erfordert wird.

Im Jahre 1827 wurden Bischof und Domcapile! endlich eingesetzt und ihnen die an ihre Wohnung anstoßende Fran- ziScanerkirche zur Benutzung für ihren täglichen Gottesdienst überwiesen; das Gleiche geschah bald darauf zu Gunsten deS eröffneten Priesterseminars. Die nöthigen Paramente und Gesäße zum Meffelesen, wenngleich in sehr unzulänglicher Quantität und Qualität, hatte die Domänendirection von den bei der Sacularisation Vorgefundenen, bereits vorher zur Ver­fügung gestellt. Es handelte sich nun noch um die Bezahlung der verzehrbaren Kirchenbedürfnisse, Wein, Wachs u. dgl. Der hiesige Kirchenvorstand hatte sich zu derselben nicht verbind­lich gemacht, man konnte sie also der Gemeinde um so we­niger aufbürden, als derselben einerseits bereits so große Op­fer für das Bisthum durch Wegnahme der oben bezeichneten Fundationen und Ueberweisung (oder, um mit der Mittelrh. Ztg. zu reden, Schenkung) der Frauziscanerkirche auferlegt, andererseits aber die ausbedungenen 3000 Gulden nicht be­zahlt worden waren. Wer für die fraglichen Kosten einzustehen hatte, das war ja auch nicht die Gemeinde, welche wie keinen Nutzen, so keine Verpflichtung aus der Säkularisation über­kommen hatte, sondern der Domänenfiscus, sowohl an und für sich schon, weil er zufolge der Sacularisation für alle mit der Einrichtung eines Bistbums verknüpften Kosten, ins- besondere evident auch für die Kosten dcS bischöflichen und domcapitrbfchen Gottesdienstes zu sorgen hatte, als auch in Folge ausdrücklicher Bestimmung des mit Frankfurt abgescklos jenen Staatsvertrages, welcher als i n te gr i re n d e r : Theil d er Bisthumsdotations-Urkunde in aller fund jeder Beziehung erklärt ist. Statt nun aber die betreffenden Kosten auch wirklich aus -dem Domänenfiscus zu bestreiten, bezahlte man dieselben aus dem katholischen Centralkirchenfonds! Dies dauerte bis zum Jahre 1847, wo der jetzige Hochwürdigste Herr Bischof die nachdrücklichsten Rcclamationeu gegen diese Fondsbenachtheiligung erhob und auch die Genugthuung hatte, daß dieselben, wenn gleich erst nach sehr langer Zeitfrist, von der Domänendireetion als be«

gründet anerkannt wurden. Doch meinte diese Behörde ihr« allerdings constituirten Verbindlichkeit dadurch ledig geworden zu sein, daß sie der hiesigen Kirchengemeinde die Erfüllung derselben in den oben mitgctheilten Verabredungen zwischen dem Geh. Kirckenratb Kock und dem hiesigen Gemeinde- und Kirckcnvorstande übertragen habe. Es leuchtet ein, daß es lediglich Sache des Domänenfiscus ist, den fraglichen Punct ins Klare zu bringen, wenn überhaupt in dieser Beziehung irgend ein Dunkel obwalten sollte: dem bischöflichen Stuhle gegenüber bleibt bis-zu ausgemachter Sacke ohne alle Frage 1 der Fiscus und nur bi fcr verhaftet. Der Herr Bischof setzsi | daher die im Jahre 1847 begonnene Korrespondenz bis zu diesem Jahre in dem Vertrauen fort, bei der Evidenz der Sache zu der gewünschten Verständigung zu gelangen; zumei cs für den Fiscus gleichgültig zu sein scheint, ob er ein en- sprechendes Quantum mehr unter der Rubrik:CultuSkostu im Dom", die er sammt und fondersunbestritten bezahlt uni bezahlen muß, oder eben so viel unter der Rubrik:Cultus­kosten in der bischöflichen Kapelle" bezahlt. Im einen wie im ' andern Falle sind es aber die Kosten für den Gottesdienst des Bischofs und Domcapitels, denen sich der Fiscus weder i wird entziehen wollen noch können. Kürzlich haben nun dir [ vorgedachten Verhandlungen ihren Abschluß erreicht, ohne deß der Herr Bischof die Erfüllung des betreffenden Theiles der BisthnmS-Dotationsurkunde erlangt hätte, indem Seitens deS Ministeriums das früher ausgesprochene Anerkenntniß der Verpflichtung des FiscuS zur Tragung der Kosten für die bischöfliche Capelle einfach zurückgenommen wurde. Damit ist die Nothwendigkeit gegeben, auf dun Wege des Processes zu suchen, was auf dem Wege der Verhandlung nicht zu erzielen war. Der Proceß wird allerdings, wenn auch nicht sieben Jahre wie die Verhandlungen, so doch immerhin lange genug tvâfcren, um eine Zwischenmaßregel in Ansehung der Be­zahlung der Kosten für den Gottesdienst des Bischch und des Domcapitels nothwendig zu machen, welche eben darin besteht, daß dieser Gottesdienst nicht mehr in der von Herzoglicher Regierung bei Errichtung des Bisthuiiis al- bischöfliche Kapelle zur Verfügung gestellten Franciscanerkirche, sondern im Dom gefeiert wird. Offenbar kann nach dem Angeführten nickt die Rede davon sein, als weigere sich die Gemeinde, eine ihr obliegende Verpflichtung zu erfüllen; und es entbehrt die dießfällige Insinuation der Mittelrh. Ztg. allen und jeden Grundes. Die Mittelrh. Ztg. hätte besser gethan, statt derselben das wahre Sachverhältniß, welches hier jeder ältere Singer kennt, vor das Publicum zu bringen und zu melden, daß die Gemeinde allerdings nicht ohne große Unznfriedeuheit sich um alle die Vortheile gebracht sieht, wegen der sie feiner Zeit dem Fiscus die Franciskanerkirche abge- nommen und der jetzige Herr Bischof vor wenig Jahren zum Seiten der Gemeinde ans seinen Privatmitteln eine Summe von mehr als zweitausend Gulden auf die Restauration der Kirche verausgabt hat; aber diese ihre Unzufriedenheit keines­wegs gegen den Herrn Bischof und die Mitglieder des Dwm< capitels kehrt, zumal sie dieselben der gleichen Beschweriiiß ausgesetzt sieht wie sich selbst. Sind wir recht unterrichtet, so haben auch bereits der Gemeindcrath und der Kirchenvorstaod begonnen, die geeigneten Schritte in Erwägung zu ziehen, um das Interesse der katholischen Bürgerschaft an der Forterhal­tung der früheren Gottesdienstvertheilung zwischen der Dom- und Stadtkirche dort wahrzunchmen, wo dies allein von Be- dcutuiig und Erfolg sein kann.

§ Nauheim, Amtes Limburg, 9. Mai. Am 5. d. M sind 4 Knaben und 4 Mädchen, 3 Burschen und 4 Mädchkii, 3 Männer und 4 Weiber von hier über Koblenz nach Nord- america ausgewandcrt. Die Männer waren theils Leinweber, theils Leinweber und Maurer zugleich. In unserem guten Fruchtorte haben durch den Frost Korn und Flachs bebeutenb gelitten; Kohl noch mehr, besonders im Thäte , weniger auf den Höhen. Den Wallnüssen, den Tranbenstöcken und de« Walde hat der Frost ebenfalls bedeutend geschadet; nicht min­der den Pflanzenbeeten, den Frühbirnen und Frühâpscla. I Walzen, Erbsen, Linsen und Hafer stehen vortrefflich. Dn> Kartoffeln hat der Frost nichts geschadet so wie auch nicht

Die beiden Verschütteten in Ecully.

Lyon, 1. Mai. Vor vier;chn Tagen tourten (wie gestern er­wähnt) in unserer Nähe zu Ecully, beim Graben eines Brunnens durch herabstürzende Erdmassen die Arbeiter Ialler und Giraur, 24 Jahre alt, verschüttet; ersterer starb nach einigen Tagen an der Seite Girauds; zur Rettung des Letztern find vom hicfigen Geniewesen alle Anstalten getroffen worden, uns nach unsäglichm Müden und trotz wiederholten Ver hüttungen gibt man die Hoffnung noch immer nicht auf, den Giraud zu retten. Man ist mit den Rettnngsarbciten so weit gedirhen, daß nur noch wenige Meters die SapeurS von dem Gegenstand ihrer übermenschlichen Bemühungen trennen. Die Aus­dünstungen von Jallers Leiche, die an der Mündung des Rettungs- schachts deutlich zu spüren, belästigten Giraud nicht lehr. Er bat sich langsam daran gewöhnt, und man brauchte bis jetzt ihm noch nichts zukommen zu lassen, um deren entsetzliche Wirkungen zu neutralisiren. ES sind Apparate angefertigt worden, ihm sine Masse Lust zuzuführen, falls dies nöthig. Wenn er irgend etwas bedarf, so zieht er die Klingel, die an der Mündung des Schachts angebracht worden ist; man ließ dem lebendig Begrabenen durch, ein *bt iernes bis zu ihm hiiiabgetriebenes Rohr Grog, Malaga, Zwetschen und andere Nah­rungsstoffe zukommen, ein beständig anwesender Militärarzt bestimmt die Dosis und Quantitäten, damit der Magen des Gefangenen nicht darunter leide. Heute verlangte er etwas, um sich zu unterhalten. Um ihn aukzumuntern, frug man, ob er Karten wollte, er gab als­dann zu verstehen, daß er, um die Z it zu lösten, einige Bonbons zuckeln möchte; seinem Wunsche ward augenblicklich willfahrt.

Es würde uns zu weit führen, den allmäligen Fortschritt der ver­schiedenen Rettungsversuche, die auf das vorsichtigste betrieben wurden, so wie den Antheil, den der lebendig Begrabene nicht allein in Lyon, sondern in ganz Frankreich erweckte, nach den unâ vorliegenden Zei­tungsnachrichten genau zu verfolgen, genug es sei zu melden, daß der Hr. Cardinal Erzbischof von Lyon, der General Castellane sowie der Präfect des Departements dem Verunglückten ihre persönliche Theil­nahme schenkten und die Kaiserin der Franzosen sich nicht allein täglich zweimal den Erfolg der Älettungsarbeiten telegraphiren ließ, sondern auch für den Fall der Rettung demselben eine jährliche Pension von 600 Franken aussetzte. Ja, als am 4. Mai ter Polizcicommissar von Lyon in einem Zwischruacte der > Hugenotten" dem versammelten

Pubiicum den glücklichen Erfolg der 20tägigen Anstrengungen bekannt machte, da fiel eine Centnerlast von eines Jeglichen Herzen, unö stür­mischer Jubel durchtobte das HauS.

Wir lassen hier nun den letzten Bericht nach der bewerkstelligten Rettung wörtlich folgen:

Nachdem der Verunglückte vor der Berührung der Luft geschützt ward, trug man ihn in den Pavillon beâ Herrn Moyen, wo er bis zur völligen Herstellung verweilen wird. Girauds Körper bat keinen Knochenbruch, allein eins seiner Beine hat so schwere Verletzungen, daß man zweifelt, ob er sich je wieder desselben bedienen könne.

Heute ward Jallers Leiche herausgezogen; sie war in einem fürch­terlichen Zustande der Verwesung; am Kops war eine starke Quet­schung, durch einen herabfallenven Stein bewirkt, der auch aller Wahr­scheinlichkeit nach, seinen Tod veranlaßte.

Giraud hat schwere Wunden an den untern Gliedmassen. Der Bauch ist aufgedunsen. Die Planke, die auf seinen Füßen lag, hat sehr tief in die Fußbiege eingeschnitten; ein Kaie ist verrenkt, in den Seiten hat er schwarze Flecken, welche ernste Zufälle herbeiführcn ge­konnt, wenn der Dulder gestern nicht befreit worden.

Der Arzt des Hotel Dieu Spitals hat feine Wunden mit gepul­verten Kohlen verbunden; man zerschnitt seine Kleiber unv wusch ihn baun. Während dessen bedurfte man der Leinwand, um jeden Verzug vorzukommen, haben in der Nähe weilende Damen sich beeilt, sich ihres Weißzeugs zu entledigen uns es anzubieten; unter diesen zeichne­ten sich die berühmte Schauspielerin Dejazet auâ

Giraud ward soranu vollständig in Watte gewickelt und zu Bette gebracht Sein Aussehen ist gut und durch die ihm gewidmet wer­dende Sorgfalt, zählt man auf eine baldige Herstellung desselben.

Giraud ist von gewöhnlichem Wüchse; seine Züge verkünden Intel­ligenz, und Entschlossenheit; übrigens läßt nichts in feiner Organisa­tion auf eine ausnahmsweise Kraft wie Constitution schließen.

Zur Tagesgeschichte.

Wie die englische Ostseeflotto, so bat sich nunmehr auch das fran­zösische ÄriegsbainpfshiffAusterlitz" im Kattegat deS Besuchs der Go- thenburger zu erfreuen gehabt. Die französischen See-Offiziere boten in bekannter Galanterie den schwedischen Damen den Arm. Die Decke übertrafen an Eleganz und Sauberkeit die englischen Schiffe, wobei

jedoch bemerkt werden muß, daß letztere tägliche Uebungen mit Ek» ciren theils auf dem Decke, theils- aus den Schaluppen ansteUeii. 6 neu rührenden Anblick boten auf demAusterlitz" sechzig Schiffsjunge» dar, die in Gruppen von 6 oder 8 mit ihren Lehrern' herumsaßen uns im Lesen, Schreiben und Rechnen, in Geschichte, Geographie rc >«' terrichtet wurden. Die Knaben sind Kinder armer Seeleute, welche der Staat zu seinem Dienste erziehen läßt. Der Unterricht wir« all­abendlich von 8 bis 9 Uhr ertheilt, wenn die übrige Mannschaft Ruhe gegangen ist. Die Jungen waren munter und aufgeweckt, 111 Mannfchaft im Allgemeinen batte ein geordnetes, kräftiges, fr»«"- thiges Aussehen und schien besser ausgewählt zu sein alâ die BesaM auf den englischen Schiffen, welche in großer Eile zusammengera« wurde. Auf dem niedersten Zwischendecke' sah man eine große lichk-it, wo jeder Matrose einen abgesonderten Platz für fein hatte. Die Kost war auszczeichnet, namentlich fiel das vortrti6 Weizenbrod angenehm in die Augen. Die Kricgsauârüstung betret I so scheinen die englischen Kanonen den Vorzug vor den franzöM", zu verdienen. Dies läßt sich jedoch nach einem oberflächlichen AM« nicht beurtheilen. Sehr practifch fand man die ausgehängten Gewehr - mit ihren als Säbel hergerichteren Bajonneten, wie fie, so viel wissen , auch die Jäger von Vincennes haben. Die Besatzung ist > Gewehr - Ererci.-ien auch für die Landung eingeübt, so daß der ^11' sterlitz" 500 Mann geübte Soldaten an'â Land schicken kann. Speisesalon und die Gemächer der Offiziere waren behaglich und zi»' ; lich eingerichtet, doch vermißte man darin die reichen Brblotheken, , sich fast in der Cajüte eines jeden englischen OfstZers finden. 5 Aeußerc des Schiffes ist sehr zierlich, vorn glänzt ein schön vergoß I ter Napoleonskops und hinten hat der französische Adler seine wenn Schwingen anSgebreitet Im Salon fand eine Colation statt, , reichlich Champagner floß und ein Toast auf die glücklichen Erfolg der vereinigten englisch - französisch n Flaggen ansgebracht wurde.

In neuerer Zeit ist in Westphalen die Aufmerksamkeit der Hörden auf eine bis jetzt noch unenthüllt gebliebene Industrie der zosen gelenkt worden, zu deren Betriebe alljährlich Männer auâ Fran reich sich in den höheren Gebirgsgegenden der Provinz Westphalen, mentlich in den Kreisen Brilon nnv Meschede, einfinden, um dort Saubmooë (Poly'richum commune) während eines mehrmonatlichtM fenthalics zu sammeln, zu trocknen und zu reinige» und dasselbe nächst in ihre £eimatb. zu führen. Die Leute sind ihrer Angabe - aus Rivain unfern Eharleville im Ardennen Departement; fte w