Einzelbild herunterladen
 

kreis der Ständeversammümg keineswegs fremd. Im Gegen­theile ist es für sie von großem Interesse zu vernehmen, daß an ihrem Eigenthum ein Diebstahl nicht begangen worden, und daß ein Abgeordneter in erwähnter Angelegenheit nur von einem ihm zustcbendeii Rechte Gebrauch gemacht hat. Die Erklärung des Hrii. Abg Heydenreich ist allerdings we­der ein Antrag noch eine Interpellation, sondern eine Eiklä­rung, welche aber jedenfalls, sowohl nach dem Gesetze, wie nach dem Herkommen zulässig ist: und sie betrifft so wichtige Dinge, daß ich wünschen möchte, nie weniger Wichtiges in der Kammer hören zu müssen. Weit entfernt, den Borwurf darin vorkommender allgemeiner Ausdrücke" zu verdienen, ist sie vielmehr in so speciellen, bestimmten und entschiedenen Ausdrücken abgefaßt, daß wohl viele unter denselben Umstän­den eine solche Erklärung nicht abgeben würden.

DeulschletN-

8* Wiesbaden, 8. Mai. (Für Freunde der VolkS- erziedung.) England, daS in seinen Bestrebungen in Betreff der Um- und Höhergestaltung seines Schulwesens rasch vor­wärts schreitet, hat in dieser Beziehung ein Unternehmen ein« geleitet, das für alle Freunde des Unterrichts von höchstem Interesse sein muß. Die Society of Arts in London, unter der Präsidentschaft Sr. k. Hoheit des Prinzen Albert, hat eine Ausstellung von Gegenständen, welche sich auf. Schulun­terricht und Volsbildung beziehen, angeordnet und wird die­selbe, nach dem Muster dor großen Ausstellung von 1851 arran- girt, mit dem Monate Juli eröffnet. Angeuvinmcn werden

u. A 1. Pläne : Abbildungen von Scknlgcbänden-, Räumlich­keiten und Einrichtungen aller Art; 2. Möbel zum Gebrauche k r v _______

der Lehrer und Zösiliiige bis in die kleinsten Einzelheiten her Kanzel besannt gemacht, daß in der bischöflichen Kapelle

(Abbildung oder wenn nicht zu umfangreich Natur); 3. Studienmaterial, vom Spielzeug in Kinderbewahranstalten an bis zu den zusammengcsetztcften Apparaten höherer Schulen;

3. Bücher, Bilder, Landkarten, Musicalien rc.; 5. zuverlässige Muster von Schularbeiten, den Durchschnitte-Standpunct der Schulen und der Zöglinge bezeichnend; 5. Druck- und Hand­schriften zur Ersichtlichmachung der verschiedenen Lebrsysteme rc. In England selbst hat schon eine große von Schulmännern und Schuldircctoren die Betheilung zugesagt, und von Deut ch- land, daS insbesondere sich seines dermalige» Standpunctes nicht zu schämen braucht, wird eine recht lebhafte Betheiligung erwartet, sowie von der Schweiz, Dänemark und Schweden, Belgien 2C. Für Deutsche muß eS ein Ehrenpunct sein, sich dort gut vertreten zu sehen, und wir hoffen, daß eS nicht Zurückbleiben werde. Zwar ist der Termin für ein solches Unternehmen sehr kurz anberaumt, doch veNnag guter Wille bei Raschheit des Handelns sehr viel. Die näheren Einzel­heiten sind in einem Circular der Society of Arts, daS au alle Schuldirectionen Deutschlands rc. versandt und für Nassau der nächsten Nr. des Allg. Nass. SchulblattcS beigegeben wird, niedergklcgt; für Aussteller selbst gibt, wenn das Circular eine Frage übrig lassen sollte, Hr. Bouffier, Lehrer in Wiesbaden nähere Auskunft, der unter der geneigten und von der Society of Arts gewünschten Mitwirkung der Herren Geh. RegicrungSrath Dr. Seebode und Prof. Fresenius in Wiesbaden mit der resp. Führung dcr Geschäfte von der So­ciety of Arts betraut worden ist. Der schnelleren Verbrei­tung im Interesse der Sache wegen, wäre es wünschenswerth, wenn Redactionen anderweitiger Blätter zur Bekanntmachung der Sache durch Aufnahme dieser Notizen freundlichst beitra­gen wollten.

* Wiesbaden, 9. Mai. Nach dem Verordnungsblatt Num. 9 vom 6. Mai l. I. soll die Wahl eines Abgeordne­ten zur zweiten Kammer der Ständcversammlung im vierzehn­ten Wahlkreis an die Stelle deS Abgeordneten, Landobcrschul- theisen Dombois zu Braubach, welcher sein Mandat uicdcr- gelegt hat, S a m st a g den 20. M ai d. J. zu Di a stätten, unter dem Vorsitze des Bürgermeisters daselst, statt­finden. Das erwähnte Verordnungsblatt enthält ferner die Bekanntmachung des Resultats dcr Wahl zweier Abge0ldne- ten zur ersten Kammxr der Ständeversammlung, die Bck.innt- machung die Wahl der Beiräihr zur Laiidesbankdirection betr.

und die Anzeige, daß der zwischen Nassau und mehreren an­deren deutschen Regierungen wege: Berpflegnng erkrankter und Beerdigung verstorbener ^n^^^^^L n eines anderen contrahi- rendkn Staates abgeschlossenen Uebereinknnst nunmehr auch die grvßh. badische Regierung frei getreten ist.

* Wiesbaden, 9. Mai. In der Rede, mit welcher der Präsident Flach die Assisscuverhandlungen dieses Quartals eröffnete, hob derselbe namentlich hervor, daß seit Einführung deS Schwurgerichts und besonders seit den letzten Jahren die Zahl und Schwere der Verbrechen sich auffallend v c r in indert hatten, welche freudige Erscheinung cs den diesmaligen Ge schworencn ermögliche, schon am Freitag wieder ihres Amtes enthoben zu werden. Gegenstand der ersten Verhandlung war die Anklage gegen Mathias Plöcker von Höchst, 42 Jahre alt, Makler von Gewerbe, wegen Meineids. Die An­klage geht dahin, daß Plöcker wissentlich falsch geschworen habe, eS sei ihm von Christoph Will zu Nied in Folge d.r Verwickelung einer Wiese der Erben deS Peter D iss cl von Höchst die übliche Makelgebühr von 1 pCt. versprochen wor­den. Die Wiese wurde an Will für 2400 fl. verkauft, und erhielt der Angeklagte darauf von den Dissel'schen Erben, de. reu Makler er gewesen, 24 Gulden. Will behauptet in dem Prozesse, Plöcker sei sein Makler nicht gewesen, er habe ihn nicht beauftragt, und deßhalb sei er ihm auch nichts schuldig, er habe ihm aber aus freien Stücken drei Gulden geben wol­len, die er jeddch nicht angenommen und die gleiche Makel- gebüh, die er von Dissel's Erben erhalten, beansprucht habe. Der Angeklagte wurde von den Geschwornen für nicht schul­dig befunden und von dem Wssenbofe freigesprochen.

iLkmburg 7. Mai. In her heutigen Predigt wurde von

nicht mehr die Messen wie bisbcr gelesen werden könnten, weil die Regierung (Dvmäneâirection) sich nicht mehr zur Bestreitung der Cnltnskvsten verstehen wolle. Diese Messen werden nun in dem Tom gelesen, in welchem die Kosten (Wein, Wäsche rc.) ans dem Domänenvermögen bezahlt wer­den müssen. Die bischöfliche Capelle (Barfüßer Kirche) ist durch Schenkung Eigenthum der Stadt und diese sehr ver MZgenslos, daher zur Bestreitung dieser Cultuökosteii nicht geneigt. So berichtet dieMittelrh. Ztg."

^ Aus dem Maittgrunde, 6. Mai. Ueber den Schaden, welchen die neulichen Nachtfröste ungerichtet haben, habe ich bisher absichtlich geschwiegen, indem eine Beurthei­lung, namentlich bezüglich des Weinstocks noch nicht mit Er­folg gegeben werden konnte, aus dem Grunde, weil noch viele Augen nicht so weit vorgerückt waren, um ermessen zu fön; neu, in wie weit auch diese-gebilten hatten. Gegenwärtig stellt sich der Schaden nun schon klaret heraus. In den Weinber­gen von feuchten Lagen, den sogenannten Wasserwcinbergcn, sind die Knospen beinahe alle dahin und der Ertrag ans die­sen dürfte sich im laufenden Jahre leicht auf Null rcduciren, während höher gelegene Weinberge, in welchen dcr Wind die Stöcke stark bewegte, weniger gelitten haben; aber auch in diesen wird der;- Ertrag---ein geringer- sein. Das Laub der stèußbäume ist sch varz und geringelt und werden diese im lau­fenden Jahre wohl gar keinen Ertrag liefern. Verschiedenen Kleeäcker welchen der Frost hart zugesetzt hatte, erheben sich gegenwärtig bei der günstigen Witterung wieder. Das Steiii- obst hat zwar verblüht, indessen bemcrktman ein allzustarkes He- rabfaUcu der Vlüthenstiele und zweifelt deßhalb an einent reichlichen Ertrag. Die gleiche Bemerkung macht man an den Kernobstbäumen, deren Blüthenknospen bei dem Froste weit vorgerückt waren. Der Winterfrucht scheint der Frost nichts geschadet zu haben, und diese kann, wenn die günstige Witterung fortdauert, noch einen guten Ertrag liefern.

Frankfurt, 8. Mai. An unserer heutigen Börse ist der Prospcclns des neuen österreichischen Silberanlehens veröffent­licht worden. Dasselbe beläuft sich auf 35 Millionen Gulden Coiiventious-Silbcrmünze, in Beträgen von fl. 100, 500 und 1000 und zu 5 pCl. verzinslich. Hiervon werden 10 Millio­nen hier in Frankfurt bei dem Bankierhanse M. A. v. Roth schild und Söhne und 25 Millionen in Amsterdam bei dem Bankierhause Becker und Fuld zur Einzeichnuiig aufgelegt,

und zwar in Frankfurt zum Course von 75% pCl. (ft. 6 Vereinswährung für fl. 5 Conv.-M.) und in Amsterdam Course von 71% pCt. (fl. 5 Riederl. Cur. für fl. 4 C.-M. gerechnet) mit Zinsengrnnß vom 1. Juli d. I. Die Einzeich- 1111 n gen erfolgen mit 10 pCt. bei der Unterzeichnung, tOpCt. am 1. Juni, der Rest in acht monatlichen Raten von 10 pCt. bis 1. Februar 1855. Der Tilgungsfond beträgt jähr­lich 1 pCt. Die Zinsen werden in Frankfurt, Amsterdam und Paris ausbèzahlt. Die Subscription schließt am 11. Mai Abends 6 11 br. Der Prinz von Preußen traf heute Mor. gen 10% Uhr auf der Main Weserbahn hier ein und setzte seine Reise, ohne die Stadt zu berühren, mit dem 11 Uhr Zuge der Main-Neckarbahn nach Baden-Baden sogleich wej. ter fort.

Aus Baden, 6. Mai, schreibt man dem Mainz. Jour­nal : Trotz aller Gegenversicherungen des löblichen Frankfur­ter Journals steht cs fest, daß das Volk anfängt schwierig zu werden, die Katholiken, weil sie jetzt eingesehen, daß sie in ihren heiligsten Interessen gekränkt werden, und die Nichtkatholiken, weil sie diesen bedauerlichen Conflict beendigt wünschen und sehen, daß die Bureaukratie sich immer weiter verstrickt und jeden ehrenhaften Rückweg sich selber vergräbt. Wie ver. lautet, soll der greise Erzbischof im Laufe des Sommers in Karlsruhe, Heidelberg und Mannheim das Heilige Sacrament der Firmung ausspendcn. In Heidelberg soll das Auf. finden eines geheimen preußischen königlichen Cabinetssiegels durch einen Bedienten, der auf dem Schlosse Moos suchte, großes Aufsehen erregt bähen und ein gewisser Herr, der in' der Nähe des Schlosses wohnte, bereits verschwunden sein. Man raunt sich Allerlei gcheimnißvoll in die Obren; natür­lich, denn in Baden werden eben mehr Denkübungen vorge­nommen als Sprechübungen und die bedeutendsten Fort­schritte, welche wir eben machen, sind eben die in der Kunst deS Schweigens!

^beiblltß, 3. Mai. DerElberf. Ztg." wird geschrie­ben : Die in dem MünchenerVolksboten" mitgctbeilte Nach- richt, daß unser Erzbischof erklärt habe, mit der Regierung alle weiteren Unterhandlungen abzubrechen, ist dahin zu be­richtigen, daß dieser Prälat sich weigert, ferner über die strei­tigen Puncte zu unterhandeln. Da die Verhandlungen mit Rom zu keinem Zwecke gelangt, Graf Lein iiigey, wie sich der Volkswitz äußert, in Rom gewesen ohne den Papst ge­sehen zu haben, so ist die Regierung an dem Puncte ange« kommen, den kundige Staatsmänner längst vorausgeseben ha­ben. Sie muß entweder ganz sich zurückziehen, muß nach- gebcn, oder handeln, wie kräftige Cbaractere gehandelt habe», muß den Weg einschlagen, den Großherzog Ludwig von Ba­den vor drei Jahrzcnteu mit Entschlossenheit und Beifall ging. (Die Regierung wird wahrscheinlich genöthig sein den ersten Weg einzuschlagen.) In jedem Falle (?) dürfte für die Zu­kunft dem Lande die Wohlthat der Personcnstandsbuchführung gesichert werden, welche durch weltliche Beamte geleitet, in einer Richtung wenigstens eine feste Ordnung sichern könnte.

$)?üneben, 4. Mai. Gestern hielt Profesior Riehl vor etwa 50 Zuhörern seine erste Vorlesung. Er sprach mit kräftigem und deutlichem Organ meist frei, und erörterte den Gegenstand so lebendig und in so schöner Entwicklung, daß die Zuhör r mit größter Aufmerksamkeit folgten, und ihm nach dieser ersten Probe als Universitätslehrer derselbe Succeß vorhergesagt werden kann, den er als Schriftsteller sich er­rungen hat.

Berlin, 7. Mai. In Folge von Verhandlungen mit Rußland bat die kais Regierung einige Erleichterungen in Bezug auf die Goldausfubr cintreteu lassen.

DerA. A. Z." wird aus Berlin geschrieben': Die Verzögerung, welche in der Ratification des zwischen Preu­ßen und Oesterreich abgeschlossenen Schutz- und Trutzbnnd- nisses ein trat, rührte weniger aus dem Vertrag selbst, al§ aus der Art und Weise her wie der Beitritt der übrigen Bundes- Regierungen am besten und zweckmäßigsten zu erlangen wäre. Mir scheint cs, daß unsere Regierung sich in dieser Beziehung falschen Voraussetzungen überließ, und wie schon öfter die Be­rechtigung der übrigen Bundesstaaten bei Entscheidungen,

ein sauberes Corps. Als ich 1838 vorthin kam, hatten sich fünf ovcr sechs americanische Aerzte in wie weit sie den Namen verdienten, kann ich nicht sagen zu einer Preisliste vereinigt, die gedruckt aus gegeben war und auf der alle namhaften Sräntceitcu mit enormen Sätzen angegeben standen. Ich erinnere mich nur auf Eu>s ein­fachen Knochenbruch, weil mir der noch von Demschland frisch im Ge­dächtniß war. Einfacher Knochcubruch staub mit 150 Dollars für ren Arzt angezeichnet Ein deutscher Arzt kam später dorthin, wollte sich den Burschen nicht anschließen und billiger curiren und mußte fliehen, um sein Leben in Sicherheit zu bringen. Diese Zustände haben dort allerdings jetzt aufgehört oder sind vielmehr weiter nach Westen ge­drängt worden, denn in dem ungeheuren Reiche finden sich noch ziem­lich dieselben Berhältnisse wie vor zwanzig Jahren, nur nicht mehr auf denselben Stellen. Orte, die früher unv selbst zu der Zeit noch Wildniß waren, tragen jetzt blühende Städte mit Tausenden von Ein­wohnern ; aber Hunderte von Meilen weiter westlich erneuen sich immer wieder dieselben Scenen und werden bestehen, bis die Cultur von Westen oder Osten zusammenstößt und ein Eisenbahnnetz über das Ganze zieht.

Der Fluch der Kranken, diewandernden Aerzte", ziehen denn auch jetzt noch in der Wildniß umher und ruiniren, was sie erreichen kön­nen, mit ihrem entsetzlichen Calomel. Der Säugling und die Mut­ter , der Fieberkranke und der Unglückliche, dem rin Glied zerbrochen, der Schwindsüchtige unv.der Lcberleidenve es bleibt sich gleich, sie alle bekommen und nehmen ren wohl in vielen Fällen febr Heilsamen in solchen Massen gegeben aber nur zu oft verderblichen Mcrciir, und böse Augen, hohle angesressene Zähne, morsche Knochen, Speichelfluß und viele, viele anvere böse Folgen trifft der Wanderer in den ein­samen Hütten im Walve. Der Leidende gesteht denn auch wohl el», daß ihn Calomel gerate dahin gebracht hat, abercs hat mir ras Le­ben gerettet", setzt er gläubig hinzu, und beharrt dabei - bis er stirbt. Aber auch selbst in die größeren Städte wagen sie sich zuweilen mit irgend einer marktschreierischen Cur. So hielt sich, während ich in Cincinnati war, dort kurze Zeit ein Arzt auf, der, ob begründet oder nicht, vorgab, eine getrennte Achillessehne (die Haupll'ehne des Hackens) heilen zu können, unv er bot auf großen, an vie Ecken geklebten Zet­teln 100 Dollars Belohnung, ver sich von ihm würde die Achilles­sehne durchschneiden und dann wieder heilen lassen wolle. Die Amc- ritaner erperimentiren gern, aber er fand doch keinen, der darauf einging wollte das auch wahrscheinlich gar nicht, sondern nur eine auffallende Anzeige für seine anderen Mirturen.

Wo sich ein solcher Arzt für längere oder kürzere Zeit festzusetzcn gedenkt, stellt er gewöhnlich einen kleinen shop oder Laven auf, und wählt dazu meist die erst kürzlich angelegten Stauchen, wo sich zu. gleich der Sitz der Regierung für daScounty, in dein es gerade liegt, findet. Hier fomnicn zu den zu gewissen Seiten gehaltenen Ge­richts-Sitzungen die Farmer a> s dem county zusammen, und die ja einem derumzichenden Arzte bis dahin mißtraut haben, wenden sich, voll­kommen beruhigt schon durch daSAushängeschild" desDoctors", an den gelehrten Mann, um Heilung ihrer Gebrechen zu erhalten.

Zu einem solchenshop gehö t nicht viel. Im Fenster vor allm Dingen ein paar große Flaschen mit blau , grün und roth gefärbtem Wüff.r - das Zeichen aller Apotheken in America, wie die bemalte Stange raö der Barbiere ist und im Innern ein kleines Regal mit ctiquctiirten Fläschchen und Büchsen, von denen einige jekenfaUs Ea, lomcl, Glaubersalz, Laudannm, (Sarsaparillen und einige andere der­artige Meciriiicn für den täglichen Gebrauch enthalten müssen. Dann aber bleiben noch unumgänglich nöthig (und es wird in der That kei­nem solchen Arzte einfaUen , einen shop aufzusetzen, ehe er sich diese verschafft hat) ein paar autgckteUte Gerippe von irgend einem Hume oder einer Katze, da Menschen . Gerippe schwerer zu präpartren und daher kostspieliger, aber auch natürlich von so viel größerem Erfolge sind. Feiner ein foetus, wie einige Schlangen und Eidechsen in Spi- rituS unD wenn irgend vorhanden in einem Glaükästchen einige fremdartige Instrumente, Sägen und Schlüssel zürn Amputiren und ZahnauSbrechen. An den Wänden hangen dabei einige anatomische Zeichnungen Adern und Lunge roth gemalt und eine kleine Bib­liothek, in welcher ein paar lateinische Bücher (eS bleibt sich ziemlich gleich, über was sie handeln) unter seiner Bedingung fehlen dürfen, bildet im Hintergründe gewisser Maßen das schwere überzeigende Ge- schütz. Der Mann hat lateinische Bücher, also versteht er Lateinisch, Penn er würde sich sonst den Platz nicht damit verstellen, - also ist er ein Doctor!

Jever Arzt in den westlichen Distrikten muß natürlich feine eigenen Medicinen führen und thut das auch schon des doppelten Nutzens we­gen ; aber auch selbst in größeren Städten thun sie dieses manchmal, und die Apotheken selber werden häufig mit eben demselben Leichsin» einfach als Speculation aufgesetzt und gehalten. Jeder, ter sich dazu berufen fühlt, kann eine Apotheke anlegen, und die Ausgabe von ge- sährlichen Medicinen , ja, selbst Giften ist nicht verboten oder kann

doch, wo das wirklich an einzelnen Orten wäre, auf das leichteste be wirkt werden.

Auch zu anderen Zwecken müssen die Apotheken manchmal dienen. Als im Jahre 1836 oder 1837 in Boston durch die Mäßigkeils Aer- eine plötzlich allen Echenkhanser die Viren; entzogen wurde und nur Apotheken die Erlaubniß bekamen, an kranke Personen Spirituosen i" Gläsern auszuschenken, entstanden in einer Woche nahe an 12C0 Apotheken in der einen Stadt. Ein paar früher zu Candis und Con- fict benutzte Glaser wurden mit gefärbtem Wasser gefüllt ins Zensier gestellt, hinten in den Gefachen, standen in verschiedenen Geschirren Flaschen und Büchsen ein vaar st fund Kamillen - Thee , Wurzeln und Blätter mit den üblichen Quantitäten Glaubersalz und Calomel, und die Apotheke war fertig. Die Durstigen spielten dabei mit den Aus- schenkern Comodie, erklärten sich krank, wurden am Puls gefühlt und ihnen ein Glas Brandy oder Whiskey mit einigen blutreinigenden bis' teren Tropfen darin verordnet und auch gleich verabreicht.

Natürlich konnte das Unwesen nicht lange dauern, die Apotheke" brach-en überdies der Stadt nichts ein , renn sie zahlten kein VicrnV und die Schcnkhäuscr bekamen wieder die Erlaubniß , zu eristiren.

Wie aber in America vollständige Gewerbe- und HanvelSfreibeis herrscht, so beschränken sich die Apotheken dort auch nicht allein aul ihre Medicinen, sondern haben fast stets als zunächst dahin eiufchla- gende Artikel Zahnbürsten und Toilette-Gegenstände, kann Bürste» überhaupt, auch Wichse, zu der Wichse Schuhe und Stiefel; Pul' ver, zu dem Pulver nicht selten Gewehre, Pistolen und Messer, Ga­beln wie andere nützliche Dinge. Natürlich verschmähen große ordent­liche Apotheken in größeren Sävten solchen Nebenhandel.

Das americanische Pillen-Unwesen ist zu bekannt, um darüber noch etwas zu sagen; die Partie der fabricirten und verschluckten Pule» gränzt aber wirklich ans Fabelhafte, und Morrison allein soll zu neu blutreinigenden Pillen ganze Schooncr-iladungen von Sarsaparu- len bekommen haben, während man Dr. Brandrcth in New-Aork naw- sagt, daß er förmliche Furer Heu entführe, als Bestandtheil verbrauch zu werden. In Arkansas nannte sogar einmal einer dieser P'-"^ ' Doctoren, der übrigens ausgezeichnete Geschäfte damit gemacht un sich ein Stück Land dort gekauft hatte zur 'Besiedelung, die neu a gelegte Stadt nach seinen Pillen.