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übrigens auch der Kostenmehrbetrag nicht so groß. Abg. Knapp stimmte hierauf für das Gesetz.

* Wiesbaden, 2. Mai. In der heutigen Sitzung der Ständeversammlung unter dem Vorsitze des Abg. Wirth verlas v. Eck das Protocoll der gestrigen Sitzung.

Heydenreich: Ich sehe mich zunächst veranlaßt, auf das Protocoll der letzten Sitzung der Ständeversammlung vor der Vertagung zurückzukommen. Dieses Protocoll, welches nicht vorgelesen und genehmigt worden ist, aber gedruckt vor­liegt, enthält Seite 13 einen so unanständigen Ausdruck des Abg. Vogler, daß derselbe damals ohne Zweifel nur deß­halb ungerügt blieb, weil er nicht deutlich verstanden wurde. Ich will daher jetzt noch hierauf aufmerksam machen und, wenn es die Ständeversammlung nicht ihun sollte, wenigstens meiner Seils Verwahrung dagegen einlegen, als ob ähnliche Unanständigkeiten in der Ständeversammlung ganz ungerügt vorgebracht werden dürften.

Sodann bringe ich meine in der Sitzung der Stäudever- sammlung vom 8. Juli v. I. au die H. Reg.-Comm. gestell­ten und in der Sitzung vom 8. Febr. l. I. bereits erinner­ten Anfragen über Erbauung einer Trinkhalle zu Wiesbaden, sowie über Einführung einer Hunde- und einer Branntweinsteuer nochmals in Erinnerung und bitte um deren endliche Beantwortung, welche zwar zugesagt worden, aber bis heute nicht erfolgt ist.

Endlich will ich eine weitere Anfrage an die H. Reg.- Comm. richten:

Die bei der gegenwärtigen Theurung herrschende Noth ist zwar allgemein bekannt, aber in der That weit größer, als man sie nach dem, waS bis jetzt von Seilen des Staates dagegen geschehen ist, zu kennen scheint. Dieser Nothstand trifft nickt sowohl die ganz Armen, von welchen die Mehrzahl durch Wohlthätigkeit und Betteln einen hinreichenden Unter­halt erwirbt, als den geringeren Mittelstand, dessen kleiner Verdienst zum Ankauf des theuren Brodes nicht hinreicht und auf dessen Erleichterung gleichwohl bis jetzt so wenig Bedacht genommen worden ist. Ueber diese Zustände darf man sich nicht etwa mit dem Gedanken beruhigen, daß ja doch bei uns Niemand Hungers sterbe. Man muß die Wohnungen des Volkes täglich selbst besuchen, man muß die sowohl an Quan­tität als Qualität ungenügende Nahrung so vieler Menschen, ihre bleichen Gesichter und hohlen Wangen selbst sehen, man muß endlich als Arzt die nachtheilige Wirkung solcher Ver­hältnisse auf die verkommenden Krankheiten, insbesondere die daraus so allgemein hervorgegangene Blutarmuth richtig zu würdigen wissen, um eine wahre Vorstellung von dem Elende der geringeren Mittelklassen, zumal im Handwerkerstande , zu erhalten. Und jene traurigen Zustände, welche jedenfalls min­destens bis zur nächsten Ernte dauern werden, haben noch nicht einmal ihren Höhepunct erreicht, vielmehr wächst die Theuerung, seitdem der Weinstock, die ObstbMhe, die gesetz­ten Frühkartoffeln rc. erfroren und durch den schlechten Stand des Winterkornes, des Klee'Src., sowie durch die ungünstige Frühjahrswitterung Besorgnisse für eine nicht nur verspätete, sondern auch abermals mangelhafte Ernte erregt worden sind. Auch andere Verhältnisse wirken hierzu mit. So wird dem Vernehmen nach in der Umgegend von Wiesbaden Lurch Ju den Korn ausgekauft, welches sie sich erst aus den dasigen Markt liefern , aber von da sogleich wieder nach Mainz rc. abfahren lassen, weil die Sache so weniger auffallend wird. In Limburg kostet der 4pfündige Laib Brod jetzt gegen alle sonstige Gewohnheit mehr als in Wiesbaden, nämlich 22 kr, und man fürchtet noch ein weiteres Aufschlagen , während in den Aemtern Selters, Hachenburg rc. der Preis schon aus 30 kr. gestiegen ist. Gleichwohl ist die Meinung verbreitet und, wie ich glaube, wohl begründet, daß noch hinreichend große Fruchtvorrâthe in dem Lande vorhanden seien, daß da­her eine sofortige genaue Aufnahme der vorhandenen Früchte und alsbaldige Bekanntmachung des Resultates nicht nur ein ferneres Steigen der Brodpreise verhindern, sondern auch deren übermäßige Höhe herabdrücken werde. Zu demselben Zwecke, sowie insbesondere zur Linderung des Nothstandes der

gering bemittelten Volksclassen würde es auch dienen, wenn das noch vorhandene Drittel der T omanialfrüchte nicht öffent­lich an den Meistbietenden versteigen, sondern in kleinen Quan­titäten und zu ermäßigtem Preise an jene Classe zum Brod- backen abgegeben würde. Jedenfalls werden sich auf diesen zwei Wegen weit erheblichere und dem ganzen Volke oder doch einem weit größeren Theile desselben zu gut kommende Re­sultate erzielen lassen, als durch die in der gestrigen Sitzung von der Herzog!. Regierung wegen der Theuerungsverhältnisse verlangte Erweiterung des Credits des Landarmenfonds nebst der bis jetzt allein ausgeführten frühzeitigeren Vergebung der öffentlichen Bauarbeiten, obgleich auch diese Maßregeln unbe­zweifelt nützlich und nothwendig sind. Ich richte daher an die H. Regierungs-Commissäre die Anfrage:

ob die H. Regierung gesonnen sei, die Fruchtvorräthe des Landes sofort genau aufnehmen und das Resultat alsbald bekannt machen zu lassen? Ob sie ferner beabsichtige, für Abgabe der noch vorhandenen Domanialfrüchte in kleine­ren Quantitäten und zu ermäßigtem Preise an die gering be­mittelten Einwohner zu sorgen? Oder auf welche andere Weise sie endlich den außerordentlichen Nothstand dieser VolkSclasse zu lindern gedenke?

Zugleich erlaube ich mir die Bitte um möglichst baldige Beantwortung dieser Fragen.

Prâs. Wirth: Das Protocoll der letzten Sitzung der Ständeversammlnng vor einer Vertagung oder Schließung der Session sei bisher nie verlesen worden, weil dazu keine Gelegenheit mehr vorhanden sei. Den Vorsitzenden treffe also in dieser Hinsicht kein Vorwurf.

Rau: Ich kann der soeben von dem verehrlichen Prä- sidium vernommenen Erklärung nicht zustimmen. Mag es auch üblich gewesen sein, daß jedesmal das letzte sProtocoll der Ständeversammlung nicht mehr in öffentlicher Sitzung ver­lesen wurde; so ist doch ein solcher usus auf das vorletzte Protocoll nicht anzuwenden: denn dieses wurde nicht erst un­mittelbar vor dem Schluffe des 1853er Landtages, sondern schon mehrere Wochen zuvor ntedergeschrieben und hätte dem­nach ganz gut in einer öffentlichen Sitzung verlesen und ge­nehmigt werden können. So schreibt es die Geschäftsordnung vor. Soll das Protocoll überhaupt einen Werth haben, so muß es auch von der Kammer anerkannt sein.

Bezüglich der von dem Hrn. Abgeordneten für Idstein gestellten Interpellation ist zwar nach der Geschäftsordnung keine Discussion gestattet; ich erlaube mir jedoch daran zu erinnern, daß ich schon vor mehreren Wochen eine Anfrage in ähnlichem Betreff an dies Herzog!. Regierung gerichtet, aber noch keine befriedigende Antwort erhalten habe. Ich hoffe, daß meine Anfrage zugleich mit der Interpellation des Hrn. Abgeordneten für Idstein beantwortet werde.

Heydenreich: Er habe keinen Tadel gegen das ver- ehrl'che Präsidium beabsichtigt, sondern nur eine Rüge gegen den von Abg. Vogel gebrauchten unanständigen Ausdruck. Von dem so eben erwähnten ähnliche Anträge des Abgeordn. Rau habe er keine Kenntniß gehabt.

Reeg.-Comm. Vollp rächt: Die letzte Anfrage des Abg. Heydenreich werde er zur Kenntniß der Regierung brin­gen und die alsbaldige Beantwortung befürworten, womit denn auch der ähnliche Antrag des Abg. Rau werde erledigt werde». Bezüglich der früheren Interpellationen des Abg. Heydenreich bemerke er, wegen der Trinkhalle zu Wies­baden habe eine Antwort nicht früher erfolgen können, weil die Verhandlungen darüber noch nicht beendigt gewesen; jetzt sei die Anordnung getroffen, daß das Nöthige im In­teresse des Kurpublicums geschehe. Näheres darüber werde sich bei Verhandlung des vorgelegten Budgets ergeben. Die Branntweinsteuer werde von der Regierung fortwährend verfolgt undj es seien Verhandlungen darüber augenblicklich anhängig, über welche, wenn sie zu einem Resultat geführt haben würden^, der Ständeversammlung Mittheilung werde gemacht werden.

Bei der hierauf erfolgten Wahl der Ausschüsse wurden folgende Mitglieder gewählt:

l. in der Ausschuß für G e sa m in tin i n i st e ri u m ,

Justiz, Rechnungskammer und die Landesbank Abg. Bellinger, Braun, Go urdö, Halbey, Keim, Lang, Wilhelmi;

II. in den Ausschuß für das Innere: v. Bock, Gö­deke, Heydenreich, Höchst, Schäffer, Schlach­ter, Schrodt, Trombetta, Wirth;

III. in den Ausschuß für das Kriegswesen: Hoff, männ, v. Marschall, Möller, Rullmann Schel­lenberg, Schwickert, Vogler;

IV. in den Ausschuß für die Finanzen: v. Eck, Knapp, König, Marburg, Müller, Rau, Se­bastian; I

V. in den Ausschuß für die Rechnungsprüfung^ Diehl, Eigner, Kraus, Metzler, Münch, Reich- m an», Ulri ch.

v. Eck: Er beantrage Verlesung der gestern von der Re­gierung übergebenen Erklärung über die Bestreitung der Koste» des Herzoglichen Hauses, weil erst dann der nöthige Beschluß darüber gefaßt werden könne.

Reg. -Comm. Vollpracht: Er habe nichts gegen de« Antrag, müsse jedoch bemerken, daß die Erklärung nur im Zusammenhang mit der Budgetprüfung richtig verstanden wer­den könne.

v. Eck: Die Versammlung sei nur im Stande über die Erklärung zu entscheiden, wenn man wisse, was das Acten- stück enthalte.

Präs. Wi-rth: Wenn nichts erinnert werde, so nehme er die Zustimmung der Versammlung an.

v. Eck verlies't die Erklärung. (Wir habenden Wortlaut derselben in der gestrigen Nummer mitgetheilt.)

König: Die so eben vernommene Erklärung sei offenbar kein bloßer Gegenstand der Budgetprüfung; daher beantragt er die Wahl eines besondern aus fünf Personen bestehende» Ausschusses.

Reg.-Comm. Vollpracht: Er habe hiergegen nichts zu erinnern, müsse jedoch bemerken, daß die Erklärung nur im Zusammenhang mit dem Budget richtig aufzufassen sei, daher au den Finanzausschuß verwiesen werden könne; finde dieser einen Anstand bezüglich der Rechtsfrage, so könne diese immerhin erledigt werden. Er stelle dieses jedoch der Ver­sammlung ganz anheim und habe auch gegen die Wahl eines besondern Ausschusses nichts zu erinnern, wobei aber nur mehr Schwierigkeiten zu erwarten seien.

Rau: Er sei der Meinung, daß größere Schwierigkeiten und Verzögerungen entständen, wenn die verlesene Erklärung ; dem Finanzausschüsse überwiesen würde; denn dieser werde voraussichtlich erklären, daß er zur Prüfung des betreffenden Gegenstandes incompeteut sei und demnächst beantragen, daß eine besondere Commission zur Prüfung und Berichter­stattung gewählt werde. Die Budgetcommissionen seien nur zur Berichterstattung über die vorgelegten Exigeuzetats ge­wählt worden. In diesen komme aber der Gegenstand, aus welchen sich die erwähnte Crklänmss beziehe, : gar nicht vor; also könne sich hiermit auch die Finanzcommission nicht be­fassen. Die Erklärung selbst sei zudem von solcher Wichtig­keit, daß sie sachgemäß nur von einer besondern Commission geprüft werden dürfte. Er unterstütze daher den Antrag des Hrn. Abg. für Eltville.

Reg.-Comm. Vollpracht: Er lege gar kein besonderes Gewicht darauf, daß die Versammlung über diesen Gegen­stand einen besondern Ausschuß zu wählen beschließe. Ader die Erklärung der Regierung sei mit dem Budget eingebracht worden, daher auch mit diesem zu prüfen, was füglich durch Eine Commission geschehen könne; andern Falles würde die Regierung den Gegenstand nicht an die Ständeversammlung, sondern in einem besondern Gesetz an die einzelnen Kammern gebracht haben.

Der Antrag des Abg. König wird mit großer Majo­rität angenommen und auf Antrag R au's die Commission für denselben sogleich gewählt. (S. unser gestriges Blatt.)

Schließlich werden die bisherigen Beiräthe zur Landes­bank, Nämlich die Herren Christian Bertram zu Wies-

Fässer, auf einen Wagen geladen, repräkentirtcn den Keller, und Sa- lamikrämer und Bretzenbäcker sorgten für den Mundvorrath ; es gab sogar eine Art von fliegenden Traiteurien, nämlich Männer, die den Bierkrug in der einen, den brodelnden Kessel mit den geselchten Wür- steln in der andern Hand, von Stelle zu Stelle eilten; für die Kin­der, die bei keinem Wiener Feste fehlen können, sorgten Obst- und Kuchenständchen. Auch die Industrie hatte sich und das publicum nicht vergessen: Medaillenhändler, Bilderkrämer, Blumenmädchen boten ihre Waare feil.

An dieser Strecke fanden überdies alle Belustigungen statt, welche auf Kosten rer Gemeinde veranstaltet waren. Godard erhob sich zwar nicht, wie man es sich gegenseitig versprochen, dagegen stiegen von dem Wiesknplatze zunächst dem Kaisergarten luftige Gestalten in Form von riesigen Katzen, gewaltigen Fischen, colossalen Menschen auf, und erregten mehr Heiterkeit, als dies vielleicht Godard vermocht hätte; denn erstens haben die Wiener Godard bereits im verflossenen Jahre wiederholt gesehen, dann war es auch damals etwas ganz anderes; es war ein mühsam abgerungenes und kein freundlich ange- botenes Vergnügen wie heute, und dieses klare Bewußtsein nahm den halben Theil der Lust hinweg. Heute aber war Wien eigens zu die­ser Vorstellung zu Gast geladen, seder fühlte, daß die Ballone wie sie sich allmälig fühlten, schwankten, sich unter Trompetenschall kühn erhoben, räsch stiegen, endlich verschwanden, dies alles auch jedem Einzelnen zu Liebe gethan hatten, und jeder Einzelne war deshalb doppelt zufrieden gestellt, doppelt heiter gestimmt, wie die froh stau­nenden Augen, die allseitig ertönenden Ausrufe dies bekundeten.

Kaum waren die letzten Rufe verhallt, die letzten kritischen Bemer­kungen lobend und tadelnd ausgetauscht, als Fanfaren die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich, und die wogende Menge jener Richtung hin» zogen, in welcher die Rensische Kunstreitergesellschaft in feierlichem Umzuge dem Productionsorte auf dem Feuerwerksplatze nahte. In eilfertiger Hast überstürzend drängte dieser Alles erwartungsvoll nach; hatte doch der Zug so viel verheißen. Vorne, von vier Schecken ge­zogen, ein mit Laubgewinde geschmückter Wagen mit einer Musikbande, dann acht Amazonen hoch zu Roß, ein kleiner Genius auf einer Art von Triumphwagen, vier Ritter mit ihren Damen, in mittelalter­licher Tracht aus reich geschmückten Zeltern, abermals ein Genius, zehn Knappen, zwölf Musiker und zwölf Kämpen mit flatternden Ban­nern, sämmtlich in die österreichischen Farben gekleidet und mit tüchti­gen Pferden beritten gemacht; dazu die Damen alle so reich geputzt

und geziert, dabei so froh und freundlich lächelnd, als gälte cs einzig einem VcrgnügungSritt, die Herren in phantastisch reicher Kleidung mit einer Kühnheit und einem Unternehmungsgeiste um sich blickend, daß tausend weibliche Herzen banger pochten, dazu die schönen, mutbi- gen, reich geschmückten Pferde, bald stolz ausschreitend, bald über­müthig sich aufbäumend dies Alles hatte mehr als Neugierde er­weckt, oder wenigstens jede Neugierde entschuldigt; bald waren denn auch die bereits dicht umstandene» Schranken des Productionsplaßes mit einer hundertfachen Reihe von Köpfen umsäumt, ja selbst zum Theile durchbrochen, und als dann die Pferde in raschen Schwenkun­gen flogen, der Staub aufwirbelte im Turniere die kühnen Reiter das schöne Bild der Kraft und Gewandtheit im innigen Vereine bo­ten, da brach endlich lauter Jubel los und das Schauspiel war schon längst vorüber und die Schranken wieder geleert, als die Menge, gleichsam eine Fortsetzung in's Unendliche erwartend, diese noch immer umstand.

In der Nähe jener Stelle, von welcher sich die Ballons erhoben hatten, war außerdem eine zierliche-Tribune erbaut, auf welcher Equi­libristen und Jongleurs mehr oder weniger schwierige Künste einer dichtgedrängten schaulustigen Menge zu deren vornehmlichem Ergötzen zum Besten gaben.

Einstweilen hatte es begonnen, auf den Tanzplätzen lustig herzu­gehen; jene zierlichen Bögèn, die Dienstag die beiden Brunnen am Hof umkränzt hatten, waren herabgebracht, und einer derselben dem Feuerwerksplatze gegenüber, diesseits der Straße, der andere auf dem Wiesenplanc links im Beginne der Hauptallee aufgestellt worden, und dienten als Umsäumung zweier gedielten Tanzplätze, vor welchen von zierlich decorirten Orchestern herausfordernde Weisen aufgespielt wur­den, während sich auf denselben Alle drehten und wirbelten, die zum Drehen und Wirbeln Lust in sich verspürten, und deren waren nicht wenige, nachdem die Noth die Lehrmeisterin gemacht und in das anfänglich wirre Chaos einige Ordnung gebracht. Da war der ehr­same Handwerksmann im SonntagSrock mit der großgeblümtcn Weste, sein Weib mit der Feiertagshaube im Arme, während die Kinder von draußen zwischen der auseinander gepreßten Menge hereinlugten und sich gegenseitig in die Seite stießen. in die Hände klaschten und lachten und jubelten, daß Vater und Mutter gar so lustig seien; da war der Arbeiter mit dem sonnverbrannten Gesicht und den schwieli­gen Händen, die Kappe aus's Ohr gerückt, aufjauchzend vor Lust wäh­rend des Tanzes; der Soldat in netter Uniform und. blankem Czako,

seinen Theil von der allgemeinen Lust sich nehmend; da waren endlich all' die Unzähligen, von denen man nach ihrem Aeußcrn nicht recht weiß, wetz' Standes sie eigentlich sind, die aber wie die Pilze nach dem Regen allerorts auftauchen, wo eS eine Freude zn erhaschen gibt.

Da brach allmälig des Abends Dunkel herein, und mit diesem ein neues, ein anderes märchenhaftes Leben; zuerst tauchte hie und M vom Laub und Gewühle halb verdeckt, schüchtern ein Lichtchen auf, diesem folgten bald andere, wurden mehr und mehr; bald flimmerte und glitzerte es allüberall zwischen den mächtigen Baumstämmen hin­durch ; unzählige Lämpchen erglühten in den Häusern, die TanzpWe erglänzten vou tausend Lampen erleuchtet und zeichneten phantastuche Schatten in den Wald hinein. Am Praterstern strahlten die vier gewaltigen Gascandelaber, die von der Beleuchtung her stehen gebüd den, fünffache Flammenkränze aus, und die Hauptallee prangte eiW in magischem Schmucke. Während an der äußersten Umsäumung W Pratersterns über 2000 färbige Ballons in 70 Bögen getheilt, von 6 von Krone» getragenen Lustern mit den Wappen und II. MM. durchbrochen, über den ganzen weiten Halbkreis, in dem Mittelpunkt ein Orchester spielte, ein sanftes Licht verbreiteten, W sich über die dreifache, in ihrer Länge unübersehbaren Hauptalltt > 150 solcher Bögen hin, die in den Seitentheilen durchweg mit je - BallonS, in der Mitte abwechselnd mit Lustern erhellt durch Lampen, und mit weißrothen, weißblauen, weißen, rothen und broti gelben, im Ganzen mit wohl 14,000 Ballons behängt, zwischen d jungen Laub einen reizendmilden Schein auSströmtc» ; am aber, am Schlußpunkte der zauberhaften Linie, strahlte eine dreyen Sonne von zwei Klafter im Durchmesser, mit einem Kern von e^ trischem Lichte, aus 30, von hunderttausend enggereihten, Glaöprw gebildeten Strahlen weithin ein blendendes, in Brillantfeuer erg> zendeS Feuer, daß das Auge bald ermüdet sich abkchren mußte, doch wieder bald den unwiderstehlich reizenden, herrlichen Anvi * suchen. ,. -k-ner-

Doch daS Beste am Volksfeste sollte erst kommen: Stuwer s ü ^ werk, großartig wie jene Stuwer's zu fein vermögen, erlocrt mit seinem Abbrennen und verpufft nicht mit seinen Raketen; es 1 von allen Volksvergnügungen am längsten fort; es überlebt ^ und wie das Feuer der Bella, stets in der Erinnerung genâyn, . ^ es bei hundert Anlässen im alten Glanze wieder auf. <^1,

hat es für den Kanken gesehen, der zu Hause aus seinem ^3. § der Großvater für seine Enkel, die heute noch nicht geboren i »