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* AuS Baden, Ende März. Ein Artikel in der „A.A.Z." widmet dem badischen Landtag, der in der nächsten Zeit, wahrscheinlich im Anfang des nächsten Monats geschloffen werden soll, und insbesondere der zweiten Kammer, auticipando einen lobenden, mit In- sinuationen gegen die katholische Geistlichkeit untermisch­ten Nachruf. Jedem aufmerk amen Beobachter, heißt es dort, wird die ruhige, besonnene Haltung der zwei­ten Kammer nicht entgangen sein. Bei diesem Landtag hatten die Verhandlungen, mit wenigen Ausnahmen, bei einigen Gesetzgebungsfragen, einen so ruhigen Ver­lauf, wie ihn selbst die eifrigsten Anhänger der Regie, rung nicht erwartet hätten. Noch durch keinen Mißton ist die Eintracht zwischen Regierung und Ständen ge­stört worden, wiewohl es an Gelegenheiten und Veran» laffung zu Kämpfen und Herausfordernngcn nachgerade nicht fehlte, wie z. V. durch gewisse polizeiliche Maß­regeln, durch Überschreitungen des Etats für auswärtige Angelegenheiten, und dadurch, daß der Landtag nicht in gehöriger Zeit einberufen wurde. Ueber diese und an­dere Vorkommenheiten, worüber in frühern Jahren in der Ständeversammlung heiße Kämpfe, selbst die hef­tigsten Stürme entstanden wären, ist die Kammer mit Stillschweigen hinweggegangen, theils hat ste, wie z. B. den Ueberschâungen des Etats, unbedenklich die Zu- stimmung ertheilt. Der Grund dieses Verhaltens der Kammer ist nun freilich zunächst in der Zusammensetz, ung derselben zu suchen. Die demokratischen Elemente sind ganz ausgeschlossen, selbst die Gothaer sind theils freiwillig zurückgetreten, theils nicht mehr gewählt, so daß eine Opposition in der Kammer jetzt nicht besteht. Der Grund des Verhaltens der Kammer liegt aber auch noch anderwärts und zwar in dem eigenmächtigen Vorschreiten einer Partei, von welcher, wie früher von anderen Parteien, unser exponirteS Land zum Kampf­platz auserkoren wurde. Es galt daher gegen diese gut organisirte Partei Front zu machen und jeden Zwist und Hader zwischen Regierung und Ständen zu vermeiden, „wenn auch das Regierungösystem selbst im Schooße der Kammer nicht durchweg Billigung und Beifall gefunden hatte." Vor den Gefahren, welche durch die Uebergriffe von jener Partei drohen, mußte alle Differenz schwei­gen.— Ss viel uns bekannt, hat nur ein Abgeordneter, der Bürgermeister Wieser, den Muth, gegen die Re­gierung zu stimmen, alle Jene, bei welchen das Regie, rungssystem keine Billigung fand, und welche dennoch für die Regierung stimmten, erscheinen daher in einem höchst sonderbaren Licht, denn was drohen dem Staat für Gefahren, wenn die katholische Kirche ihre Geist lichen selbst prüft und nur die tauglich anerkannten an­stellt oder wenn sie so frei ist, ihr Eig e n thu m selber MLK â O WWE-K ist, so scheint das Haus Gotha doch noch eifrige An» Hänger in ihr zu zählen. Wir nehmen übrigens die naiven Zugeständnisse des Utilitätspolitikers zur Kenntniß.

Ueber die Abstellung der beabsichtigt gewesenen Sen­dung des Grafen von Leiningen nach Rom und den Stand der katholischen Kirchenfrage in den andern Staa ten der oberrheinischen Kirchenprovinz außer dem König­reich Würtemberg vernimmt das officielle „F. I." aus glaubwürdiger Quelle das Folgende: Die Ereignisse im Orient sind nicht ohne Einfluß auf die Behandlung der Frage geblieben, und es ist dem badischen Cabinet sowohl, wie den anderen kleineren Regierungen der Staaten, die zu dieser „Kirchenprovinz" gehören, von einer sehr einflußreichen deutschen Seite der Rath er­theilt worden, sich unter den gegenwärtigen Verhältnis­sen gar nicht in Unterhandlungen mit Rom einzulassen, bevor sich der päpstliche Stuhl definitiv über die Ver­einbarung der königl. würtembergjschen Regierung mit dem Bischof von Rottenburg erklärt habe. Genehmige, wie zu erwarten stehe, der päpstliche Stuhl diese Ver. einbarung, dann können die andern Regierungen der­selben einfach beitreten; Baden etwa mit dem Vorbe­halt, daß dem Erzbischof von Freiburg, der am weite­sten thatsächlich gegen die weltliche Gewalt sich aufge­lehnt habe, ein Coadjutor gesetzt werde. Die Verein­barung Würtembergs sei um so eher anzunehmen, als sie die Hoheitsrechte des StaatS wahre und doch der Kirche diejenige Freiheit gewähre, welche ihr jeden halt­baren Vorwand zu weitergehenden Forderungen benehme. Lasse sich aber die römische Curie auch auf die wür- tembergische Vereinbarung nicht ein, dann sei ferner mit Rom nicht zu unterhandeln, denn noch weiter, als Würtemberg gegangen sei, zu gehen, sei durchaus nicht räthlich. Um übrigens für die Zu­kunft besser in Rom wirken und von vornherein jeden etwaigen Uebergriffen der einzelnen Bischöfe geeigneten Orts entgegentreten zu können, soll in Rom ein diplo­matischer Agent sämmtlicher Staaten der oberrheinischen Kirchenprovinz aufgestellt werden, sobald die jetzigen Differenzen definitiv ausgeglichen sind. Man hätte also vor Allem der päpstlichen Erklärung über die Verein­barung Würtembergs mit dem Bischöfe von Rottenburg entgegenzusehen, ehe irgend welche entscheidende Schritte der übrigen Regierungen in der Epicopalangelegenheit erwartet werden dürfen.

Das Schriftchen von Hirscher; „ZurOrientirung im derzeitigen Kirchenstreit" hat bereits 'eine zweite Ent- Segnung hervorgerufen. Die erste „Staatshoheit und

Kirchengewalt" betitelt, ist, wie erwähnt, in Darmstadt bei Leske erschienen und hat wohl Herrn Prof. Schen­kel zum Verfasser. Die andere ist bei Braun in Karls­ruhe erschienen und heißt: „Auch zur Orienlirung ic.

Pfarrer Fr. Jos. Maier in Kreenheinstetten ist durch erzbischöflichen Ordinariatserlaß von seinem Amte suspendirt, weil er den Hirtenbrief vom II.Nov. v. J. nicht verlesen. Herr Pfarrer Maier, betont die „Bad. LdSz.", ist einer von den wenigen Geistlichen LeS Ober­landes, welche 1849 der provisorischen Regierung den Eid des Gehorsams verweigert hat, deshalb von dieser revolutionären Behörde seines Amtes entsetzt und aus dem Orte seiner damaligen Wirksamkeit (Möggingen) ausgewiesen worden war. Fast scheint cs, als mache die 'löbliche LandeSztg. dem Pfarrer Maier diese Eides­verweigerung zum Vorwurf. Liegt darin, wie doch nicht zu läugnen, ein Verdienst, warum hat dieselbe dies bei den in gleichem Fall befindlichen, aber ihrem kirchlichen Oberhirten getreuen Priestern nicht ebenfalls bervor- gehoben.

Das „Mannh. I." meldet: Bekanntlich wurde eine Inspektion der deutschen Bundestruppen durch besoudere Commissäre im vorigen Jahre abgehalten. Man ver, nimmt nun, daß der Bericht über die badischen Truppen in allen Beziehungen vortheilhaft und anerkennend aus­gefallen ist. Dagegen soll der Bericht über die königl. würtembergjschen Truppen nicht in gleicher Weise ge­lautet haben.

Stuttgart, 26. März. (Karlsr. Z.) Der Kö- nig hat dem Bau des zweiten Hafens zu Heilbronn die allerb. Genehmigung ertheilt, daher nunmehr dieser für die Neckarschifffahrt und den Handel von Heilbronn so wichtige Bau in Angriff genommen werden wird.

München, 27. März. Der griechische Gesandte am hiesigen Hofe, Herr v. SkhinaS, hat sich nach Wien begeben, und wird daselbst noch längere Zeit ver­weilen , um für jede Eventualität in den griechische» Angelegenheiten sofort bei der österreichischen Regierung die nöthigen Einleitungen persönlich treffen zu können.

Weimar, 25. März. (F. I.) Das erste Sta- dium, welche unsere Domänen frage beschritten, ist kein günstiges, da der betreffende Landtagsausschuß mit 8 gegen 1 Stimme sich dahin entschieden, daß die Re- gierungsvorlage, welche die sämmtlichen Kammergüter, nebst den Forsten, als fideicommiffarischeS Eigenthum des großherzoglichen Hauses, beansprucht, abzulehnen, und hingegen dem Landtage vorzuschlagcn, die Forsten dem Staatsgute beizuzählen.

Kassel, 27. März. Der k. preußische Bundestags- gesandte von Bismark Schönhausen, ist gestern Morgen von einem Besuche an dem k. hannoverschen Hof kom- meud. -hier ,eiuaetrofieu—Derselbe wirdheule um zwölf Uhr von Sr. f. Hoh. dem Kurfürsten in besonderer Audienz empfangen.

Aus Kurhessen, 23. März. Ein Erlaß an sämmtliche Postbehörden des Kurstaates benachrichtigt dieff, daß die Polizei befugt sein soll, Berichte über Reisende, Briefe und Brief-Empkänger einzuziehen.

Kiel, 28. März. (Fr. Bl.) Die ganze englische Kriegsflotte liegt vor dem Hafen, geht aber morgen früh wieder in See.

Bromberg, 24. März. Vorgestern kamen hier 1500 Centner Gewehre und andere Waffen an, welche in belgischen Fabriken angefertigt und nach Rußland bestimmt sind. Die hiesige Polizeibehörde hat in höhe­rem Auftrag die Weiterbeförderung derselben sistirt; man bringt diese Maßregel mit der neulich erlassenen Verordnung über den Transit von Waffen durch den preußischen Staat in Verbindung.

Danzig, 22. März. (D. D.) Ein Theil der Arbeiter, welche heute Morgen nach dem Durchstiche bei Fort Ncufähr geschafft sind, um an der Erweiterung desselben zu arbeiten, wurde in zwei Kähnen auf der Weichsel nach der entgegengesetzten Seite transportirt. Der zweite, mit neun Arbeitern und dem Fährmanne besetzt, machte einen zu kurzen Bogen vor der Aus­strömung (wahrscheinlich sicher gemacht durch die glück­liche Ankunft des ersten Fahrzeuges) und schlug plötzlich um. Drei Personen wurden gerettet, die übrigen sieben sind von der heftigen Strömung fortgeriffen worden und ertranken. Das Gerächt, daß bei Schönbaum der Damm der Nehrung am Sonntag durchbrochen sei und diese überfluthet habe, entbehrt bis jetzt der Bestätigung.

Glogau, 24. März. Generallieutenant «.Clau­sewitz, aus dem Freiheitskriege bekannt, ist im Alter von 83 Jahren mit Tode abgegangen.

Berlin, 27. März. Se. k. Hoh der Prinz von Preußen ist von Coblenz hier eingelroffen. — Aus An­laß der Nachricht, daß die kais. russische Regierung bei dem bevorstehenden Seekrieg Kaperbriefe an nord- amcricanische Kreuzer entheben wolle, bringt die Pr. C. die Grundsätze in Erinnerung, welche sowohl die Ver­einigten Staaten wie Rußland in Bezug auf diesen Ge­genstand ausgestellt haben. Sie findet es daher unwahr­scheinlich , daß die k. russische Regierung die Absichten hegt, welche ihr zugeschrieben werden, als daß dieselben, wenn sie vorhanden wären, in America auf Unterstützung zu rechnen hätten. — Das „C.-B." spricht von einer bevorstehenden Urlaubsreife deS russischen Gesandten, Hrn. v. Meyendorff in Wien, ohne derselben einen „tendenziösen Character" beizumessen.

DaS Befinden Sr. Maj. des Königs ist befriedigend. Die Rose, welche sich an den Rändern der Wunde ge» bildet, flößt keine Besorgnisse ein und das Fieber ist vollständig verschwunden.

Die Regierung hat die Gesetzentwürfe in Betreff der ländlichen Gemeindeverfassungen und der ländlichen Polizeiverfasiung in den sechs östlichen Provinzen, der Kreis- und Provinzialverfassung in sämmtlichen Provin­zen , so wie wegen Abänderung des Artikels 42 und Aushebung deS Artikels 114 der Verfassungsurkunde aus den Verhandlungen der Kammern während ihrer gegenwärtigen Session zurückgezogen.

Herr Wagener (Kreuzzeitung) ist jetzt definitiv in den Hafen der Ruhe eingelaufen. Er hat von dem Ertrag der ritterschaftlichen Subscription ein Rittergut in Pommern erworben, das Gut Eulenburg, in der Nähe der Stadt Bärwalde, im Kreise Neustettin, in demselben Kreise von welchem tr sein Mandat für die zweite Kammer ableitet.

In militärischen Kreisen erzählt man sich und er­wartet die officielle Bestätigung noch im Laufe der nächsten Woche, daß sechs bis acht Divisionen und un- gesähr zwölf Brigaden neue Commandeure erhalten werden. Unter Anderen nennt man den General von Hahn, gegenwärtig Commandanten von Mainz, unter denen, die eine Division erhalten sollen. Als seinen Nachfolger bezeichnet man den gegenwärtigen Oberbe­fehlshaber der Bundesgarnison in Frankfurt, General Herwarth v. Bittenfeld, mit dem Beifügen, daß an dessen Stelle der frühere Flügeladjutant Sr. Majestät und jetzige General â la suite, v. Branchitsch treten werde.

Das „Mannh. Journal" macht darauf aufmerksam, daß die Mittheilung dec „Preuß. Corr.", welche die königliche Genehmigung zu einer Reihe großartiger Un* ternehmungen zur Förderung des Wohlstandes der Rhein- lande und Westphalens verkündet, auch einen Schluß« satz enthält, welcher die Ausführung der Unternehmungen nur unter der Bedingung in Aussicht stellt, daß es der preußischen Regierung gelingen werde, bei den kriegerischen Verwickelungen, welche gegenwärtig Europa bedrohen, für sich und für Deutschland den Friedenszustand aufrecht z n erhalten!

Briefe aus dem Norden bestätigen, daß der botnische und finnische Meerbusen bis jetzt noch fest zugefroren sind; die bekannte Wette von Sir Charles Napier dürfte demnach noch eine geraume Zeil unentschieden bleiben, da an eine Eröffnung der Schifffahrt vor Ende April dort nicht zu denken ist. Dieselbe hat im Hafen von Kronstadt auch im verflossenen Jahre nicht früher begonnen, im Jahre 1852 fing sic am 12. Mai, im Jahre 1851 am AO April und im-Jahre ISEE' 30. April an.

Leipzig, 27. März. (D. A. 30 Wir erfahren soeben, daß heute Morgen an einem Schleppdampfschiff bei Riesa der Kessel gesprungen und in Folge davon das Schiff geborsten ist; der Capitän, welcher in die Luft geschleudert wurde und zurück auf das Wrack fiel, ist todt; ein Mann und ein Kind werden noch vermißt; vier Mann sind stark verletzt.

Wien, 25. März. Die Abreise des k. preußischen Flügeladjutanten v. Manteuffel, welche gestern mor­gen stattfinden sollte, wurde um einige Tage verschoben. Gestern ist ein preußischer Courier mit wichtigen De» Peschen für Hrn. v. Manteuffel aus Berlin hier einge- troffen. — Nach der „Med. Wochenschrift" hat das zweite Aufnahmsspital in diesen Tagen Wien verlassen. — Der General der Cavallerie, Graf Wratislaw, ist zum k. k. A r m e e - O b e r c o m m a n d a n t e n er­nannt. Bisher hat diese Würde Se. Majestät unmittel­bar selbst bekleidet. An die Stelle des Grafen ist Ge­neral Graf Schlick zum Commandanten der ersten Armee ernannt worden, welche in und nm Wien aus 120,000 Mann gebracht werden soll. — Der Krank­heitszustand des Erzherzogs Wilhelm (ein typhöses Leiden) hat sich heute so sehr verschlimmert, daß an der Wiederherstellung des Prinzen gezweifelt wird.

Die Veröffentlichung der geheimen Correspondenz zwischen Rußland und England konnte dem Lloyd nur erwünscht sein. Jedes Dokument liefert ihm einen neuen Beleg für die Richtigkeit der von ihm seit Mon­den vertretenen Ansichten. „Es gibt nichts lehrreicheres, sagt der Lloyd mit Behagen, nichts, was sich Deutsche, besonders aber deutsche Ritter so zu Herzen nehmen sollten, als die goldnen Worte Sr. Majestät des Kai­sers von Rußland an den englischen Gesandten Sey­mour, ausgesprochen am 14. Jänner 1853: „Ich wün­sche jetzt als Freund und Gentlemun mit Ihnen zu sprechen; wenn England und ich dazu gelangen, unS über diese Angelegenheiten zu verstehen, so liegt mir wenig an allen Uebrigen; ich halte für gleichgiltig, was die Andern thun und denken." Es muß dem Stolze der Mittelstaaten wohl thun , diese aufrichtige Versicherung nachzulesen. Im Jahre 1834 ließ das Ca- bintt von St. Petersburg eine Circular-Depesche an seine Gesandten in Deutschland abgehen, die später auf eine unangenehme Weise in die Oeffentlichkeit gelangte, worin nachgewiesen und erörtert ist, daß Rußland der natürliche Protektor des deutschen Bundes sei, desselben Bundes, zu welchem auch Oesterreich und Preußen ge­hören. ES scheint sich diese schmeichelhafte Ansicht un-