die Dauer von 12 Jahren abgeschlossen. Wahrend die von den früheren Pächtern entrichtete Summe jährlich 2500 fl. betrug und denselben nach Aufhebung der Spielbank von Seiten dcS Staates noch eine Entschädigung war ausgeworfen worden, haben die neuen Unternehmer nun die jährliche Pachtsumme von 12,000 fl. zu erlegen.
Coburg, 30. Jan. (Dr. I.) Die Dislocation des germanischen Museums von Nürnberg auf die hiesige alte Lutherfeste wird im Laufe der nächsten Mo- nate von statten gehen, doch sind hierzu verschiedentlich bauliche Aenderungen nöthig, da in denjenigen Räumen, welche später hierzu verwendet werden sollen, zur Zeit Sträflinge und Correclionäre detinirt werden. Diese werden in andern hierzu sich eignenden Baulichkeiten des Herzogthums untergebracht werden und demnach eine Verschmelzung der gothaischen Strafanstalten mit den hiesigen nicht statlfinden, woraus man schließt, daß die früher beabsichtigte Organisation des Gerichtswesens mit ihren Konsequenzen , Schwurgerichte u. s. w., bis auf Weiteres wegen der Kostspieligkeit dieser Einrichtungen nicht in Ansfichrung gebracht werden wird.
Coblenz, 31. Jan. In hiesigen Kreisen unterhält man sich viel von der Rede, welche Se. k. H. der Prinz von Preußen bei seiner Abreise von hier nach Berlin an das versammelte Offiziercorps gehalten habe. Hiernach soll Se. L Hoheit geäußert haben, daß diesmal mit Gewißheit der Degen gezogen werde, wohin aber Front gemacht, werde der Herrn ihr König sagen. — Bekanntlich feiern II. kk. HH. der Prinz und die Prinzessin von Preußen im Juni d. I. ihre silberne Hochzeit, und ist man schon jetzt hier von verschiedenen^ Seiten thätig , bei diesem schönen Feste dem so hoch gefeierten fürstlichen Paare ganz besondere Beweise der Liebe und Hochverehrung zu bringen. Auch die Rheinprovinz als solche bereitet eine glänzende Verherrlichung dieses Festes vor. — Das Rhein eis hat sich bei der Lurley durchgekändelt und durch die ganze Eisdecke von da aufwärts hgt sich in der Mitte ein Kanal gebildet. Der Rhein ist seit gestern hier um 3 Fuß gewachsen, und man ist deßhalb jetzt damit beschäftigt, die Brückenschiffe zur hiesigen Rheinbrücke aus dem Hafen zu schaffen , so daß die Auftacketting der Joche ungesäumt vorgenommen und mit dem Auffahren der Brücke begonnen werden kann. In einigen Tagen wird sonach die Rheinbrücke wieder stehen. Auch die Schifffahrt auf unsern Strömen schickt sich an, ihre Thätigkeit zu beginnen.
Hannover, 31. Jan. (K. 3-) Das Amt eines Dircctorö der Haupt- und Residenzstadt, welches âm 10. Febr. hier durch Wahl des Magistrats und der Bürgervorstchcr zu besetzen ist, kann in den rechten Händen so stark an Macht und Einfluß werden, daß es häufig als das erste nach dem des Minister des In- nern geschätzt ist. Man erinnert sich vielleicht, daß König Ernst August mit seinen Guusterweisungen bei dem damaligen Chef der hauptstädtischen Verwaltung begann. Mit einem Minister-Gehalte ist der Posten auch ausgestattet, und gibt seinem Inhaber bei nur einigem Talent den fast unfehlbaren Anspruch auf die Vertretung der Hauptstadt in der Ständc-Versammlung. Unter solchen Umständen ist cs erklärlich, daß die Besetzung dieser Stelle als ein Act von besonderer Wichtigkeit angesehen und behandelt wird. Nur Personen, die schon eine hohe Stufe im Staatsdienste erreicht haben, sind mehr oder minder dircct als Bewerber ausgetreten, und von denen, welche diese Stelle zu vergeben haben, sind die angesehensten Namen des Landes, darunter die drei früheren Minister, in Vorschlag gebracht. Kurz vor der Entscheidung ist noch eine Name in Frage gekommen, der es zu rechtfertigen hat, daß ich Sie von dieser Ortsaugelegenheit etwas ausführlicher unterhalten habe; man hat bei Heinrich v. G a gern ungefragt und erwartet dessen Antwort.
Berliu, 2. Febr. (Köln. Ztg.) Es sollen zu- verlässige Nachrichten hier eingetroffen sein, daß die an den Höfen der deutschen Mittelstaate» beglaubigten russ. Gesandten zu gleicher Zeit eine Note ihres Eabinetes überreichten, die von Anfang bis zu Ende fein genug darauf berechnet ist, dem Selbstgefühle der betreffenden Regierungen zu schmeicheln und deren Einfluß wegen Berl. ■ innig einer neutralen Politik des Bundes für das .^ /eye Interesse zu gewinnen. Es ist dies die alte Politik, die in der „Peutarchie" des Staastrathes Krersch die Fäden so geschickt zu spinnen verstand und neuerdings die Auszeichnung höchster Orden den Hrn. o. Beust und v. d. Pfordten zu Theil werden ließ. Daß Oesterreich an die Fürsten Thüringens eine Note und in dieser die Einladung gerichtet habe, sich der österreichischen Neutralitäts-Politik näher anzuschließen, rd behauptet, ist aber nach dem, was man hier von m Absichicn des Wiener Cabinetes weiß, nicht sehr .wahrscheinlich. — Es heißt, für die durch den Tod deS Professors Gabler erledigte Professur an der hiesigen Universität.werde der durch die dänische Regierung ab- pesetzte Professor Chalybäus in Kiel von Seiten er Facultät dem Ministerium empfohlen werden.
Wir wissen nicht, bemerkt die N. P. 3, wann der gegenwärtig zu Wien in besonderer Mission verwei- ulde kaijerl. russische General der Kavallerie und Ge- rral-Adjutant Sr. Maj. des Kaisers, Graf Orloff
hierher kommen wird. Vorläufig ist der kaiscrl. russische Gesandte am königl. Hose, Baron v. Budberg, mit der Einleitung der Unterhandlungen, welche Gegenstand der Special - Mission des Grafen Orloff sind betraut.
Man meldet der „Hamb. Börsenh." von hier: Die G en er a l - Z o l l c on f ere n z hat in Betreff des freien Niederlagerechts nach darüber zu beschließen, ob nur zur See eingehende ausländische Waaren Aufnahme in diesen Niederlagen finden sollen, welche Ansicht von den Süddeutschen vertreten wird; sodann, ob die daselbst gelagerten Weine mit dem Rabatt von 20 pkt. oder dem kleinerem von 6% oder gar keinem versteuert werden sollen. Das Recht der freien Niederlagen soll nur Seeplätzen zu Theil werden. Der Haudelsstand in Stettin, Harburg und Leer scheint entschlossen, die Kosten aufzubringen, die zur Beschaffung der nöthigen AuSlade-Bassins und Baulichkeiten erforderlich sind.
Die „Hamb. Nachrichten enthalten die Notiz, daß mehrere thüringische Regierungen bereits den Gedanken verfolgen, im Jutereffe der dortigen Verkehrs - Verhältnisse mit Preußen in Unterhandlungen zu treten, die auf den Erwerb des Jah de-Buse ns Bezug haben und zu diesem Behufe einen Beitrag zu den Unterhaltungskosten proponiren sollen.
Wie die „Zeit" berichtet, gedenke die hannoversche Regierung ihren Gesandten beim Bundestag, General Jaco bl, zurückzuberufen und an dessen Stelle den Oberappellationsgerichtsrath Grafen zu Inn - und Klipphausen dorthin zu senden.
Frankreich.
t* Paris, 1. Febr. Der Moniteur enthält in seinem halbamtlichen Theile nachstehende Mittheilung: „Die Regierung hat mehreremal das Publicum wissen lassen, daß sie auf keine Weise die Verantwortlichkeit für die Nachrichten übernehme, welche von den telegraphischen Privatcorrespondenzen mitgctheill werden. Um diese wiederholten Benachrichtigungen zu vervollständigen, macht der Minister des Innern bekannt, daß den telegraphischen Mitcheilungen der größt möglich freie Spielraum gelassen worden ist; zur selben Zeit ist aber das Publicum in Kenntniß gesetzt, daß die strengsten Ordres ertheilt worden sind, um den gerichtlichen Behörden alle Depeschen zu signaUsircn, welche als fatsch er saunt werden, oder geeignet sind, die öffentliche Ruhe zu stören, oder auch unerlaubte Speculauonen ^u begünstigen. — Die Thronrede der Königin von England hat hier eine allgemeine Zufriedenheit erregt, diese innige Allianz zwischen Frankreich und England, die von vielen Seilen als eine unausführbare Chimäre betrach- Irl wurde, ist denn endlich eine constarirte Thatsache, die von der Königin von Großbritannien feierlichst vom Throne herab proclamirt worden ist. Die traditionelle Rivalität der beiden Mächte haben einem herzlichen Einverständniß Platz gemacht, welches die sicherste Ga- rantie gegen die Verletzung der bestehenden Verträge und gegen die Störung des europäischen Gleichgewichts von Seiten des nordischen Kolosses bietet. Die Thronrede wird hier allgemein, trotzdem daß sie einige Frie- benshoffnungen durchleuchten läßt, für entschieden kriegsdrohend betrachtet. Die angekündigte Vermehrung der Streitkräfte Englands zu Lande und zu Wasser ist eine Bestätigung von dem, was wir vor wenig Tagen über die Bildung einer vereinigten Flotte in der Ostsee gemeldet haben, und wenn der Graf Orloff keine andere Mission hat, als den Anschluß Oesterreichs an Rußland zu bewirken, oder alte Vorschläge zu wiederholen, welche schon als unannehmbar von den westlichen Mächten abgewiesen worden sind, so kann man sicher daraus rechnen, daß die Vorbereitungen zur Absendung von Truppen von Seiten Frankreichs nicht lange werden auf sich warten lassen. Frankreich und England vereinigt, werden wohl im Stande jein, dem Völkerrechte und den bestehenden Verträgen Achtung zu verschaffen, selbst wenn sie allein gegen Rußland handeln müßten. — Die bedeutenden Schwankungen, welche im Laufe des Monats die Rente erlitten hat, ließ eine sehr nachtheilige Liquidation vorauSsehen, weßhalb die Spe- clila Uten vor der Börje alle Anstrengungen gemacht haben, um die Kourse soviel,als möglich in die Höhe zu treiben. Indessen verbreiteten sich an der Börse neue Gerüchte von einer neuen Anleihe, welche diesmal etwas mehr begründet erscheint, und die Rente schloß zu dem fast niedrigsten CourS des ganzen Monats. 3% Pkt. 68. 25. 4 7, pkt. 97. 40. 3 7, Span. 36 Nordbahn 734. 25. Straßburg, 732. 50. London, 90%. — Der „Constitulivnel" versichert, daß der Prinz Napoleon von Brüssel nach Berlin reisen werde. Die heutigen Blätter geben eine behuUirte Beschreibung von dem ausgezeichneten Empfange, welcher dem Prinzen Napoleon in Brüssel zu Theil geworden ist. — Der Kriegsminister hat eine telegraphische Depesche auS Konstantinopel vom 24. datirt, erhalten, worin ein neuer Sieg des Si-Hamed-Bcl-Hadj gemeldet wird, den er bei Biskra über die Ouled-Sari und die Ouled-Sidi- Mohamed errungen hat. Alle Tribus im Süden von Algier unterwerfen sich nach und nach der französischen Oberherrschaft. Der Sheriff Mohamed-Ben-Abdallah hat sich in die Oasis der Oued - Sons geflüchtet, und sein Anhang ist auf 200 Zelte herabgeschmolzen. Ueber- Haupt laufen von allen ExpeditionScolonnen die günstigsten Berichte ein.
Man versichert, daß der Baron v. Brunnow gestern die Antwort der Regierung Ihrer großbritannischen Majestät auf die letzte von ihm eingereichte Note erhalten habe, und fügt hinzu, daß sie nicht den Erwartungen Rußlands entspreche. Den genauen Wortlaut dieser Antwort kennt man indessen noch nicht. — Der französische Gesandte, Marquis de Turgot, ist von.seiner im Zweikampf erhaltenen Wunde vollkommen wieder hergestellt.
In dem eclatanten Austausch gegenseitigen Vertrauens zwischen dem Hofe der Tuilerien und dem König der Belgier erblickt ein Corr, der F. P. Ztg. ein Zeichen der streng rechtlichen und gemäßigten Politik, welche Kaiser Napoleon III. gegen Rußland zu befolgen beabsichtigt. Es ist dem Fürsten Cbimay hier sehr leicht gemacht worden, seines Auftrags sich mit dem größtem Erfolg zu entledigen. König Leopold hatte den Wunsch ausgedrückt, den Prinzen Napoleon in Brüssel begrüß,.'n zu können. Sofort wurde der Prinz dahin abgeordnat, um dem König der Belgier die feierliche Versicherung zu überbringen, daß er in der Krise, deren Stürme ihn bedrohen konnten, auf den unbedingten und uneige«- nützigeii Schutz des französischen Kaisers rechnen könne. Der Herzog von Brabant soll schon für die nächste Z.«it in den Tuilerien als Gast angesagt sein. Mih wird versichert, seine Gemahlin werde ihn nach Paris begleiten. Es' dürfte daher kaum mehr bezweifelt werden können, daß Belgien der Allianz der Westmächte des» getreten ist oder sofort beitreten wird. Dasselbe wird hinsichtlich Sardiniens der Fall sein, sobald sein formeller Beitritt gewünscht werden wird. Das Hauptaugenmerk ist aus Berlin und Wien gerichtet. Ein Regierungsorgan sagt: „Die Neutralität Preußens und Oesterreichs macht den Krieg wahrscheinlich; ihr Anschluß an Frankreich und England den Frieden möglich." Ohne Zweifel werden noch Anstrengungen gemacht werden, um dieses Resultat herbeizuführen. Man versichert, Prinz Napoleon werde auch nach Berlin und Wien sich begeben. Wir möchten cs nicht verbürgen, halten jedoch die Reise nach Berlin nicht sür unwahrscheinlich. Der russische Gesandte, der gestern seine Pässe schon genommen hatte, und dessen Abreise von der Regierung an ihre Vertreter gemeldet worden' reist erst heute Nachmittag ab, nachdem er gestern Abend noch in der Oper gesehen wurde. (Unsere Pariser Corr, vom 1. Febr. meldet nichts von der Abreise des russischen Gesandten.)
Die Land- und Seerüstungen werden von Tag zu Tag mit immer größerem Eiser betrieben. In Toulon, Brest, Rochefort, Cherbourg rc. müssen die seil tz Wochen in Stand gesetzten Segel- und DampfschiffO^Ns zum 18., resp. 28. Februar zur Abfahrt bereit sein. In Toulon soll an ersterem Tage die Einschiffung von 22,000 Mann nach Algier beginnen. Divisionsgeneral Bousquet wird den Oberbefehl über dies ArmeecorpS erhalten. Man spricht viel von dem baldigen Erscheinen eines Regierungsmanifestes im Moniteur. Es soll, dem Vernehmen nach, eine genauere Darlegung der orientalischen Frage enthalten und die gefaßten Beschlüsse verkünden. Inzwischen hat der Minister des Innern die Weiterbeförderung einer Depesche verboten, welche einen feindlichen Zusammenstoß der russischen mit der englisch französischen Flotte meldete. — Es heißt, der Prinz Napoloy werde sich um die Hand der Prinzessin Charlotte, der einzigen Tochter des Königs Leopold, bewerben. — Kommt es wirklich zum Krieg, woran man immer noch zweifelt, so wird Fould aus dem Ministerium treten und Bankgouverneur werden; Persigny wird sodann seine Stelle als Staatsminister einnehmen. — Lamennais scheint entschlossen, in seiner Absonderung von der Kirche bis zum Tode zu beharren. Er hat sein Testament gemacht und den Vollstreckern deffelben vörgejchrieben, seine Leiche ohne irgend eine kirchliche Ceremonie auf dem allgemeinen Friedhof beerdigen zu lassen. Er hinterläßt seiner Nichte eine Rente von 15,000 Francs.
Wie die „Patrie" meldet, soll der Commandant von Sebastopol abgesetzt und als gemeiner Soldat nach Orenburg geschickt worden sein, weil er die „Retribution" nicht am Einlaufen in den Hafen hinderte.
Als in Madrid allgemein bekannte Ursache der Verbannung der fünf Generale gibt die Patrie eine noch rechtzeitig entdeckte Verschwörung an, welche die Absetzung Jsabella's bezweckte und deren Häupter jene Generale waren. *
Lyon, 27. Jan. (K. Z.) Die ausgedehntesten Vorbereitungen für einen Krieg dauern im ganzen Süd* frankreich fort. Man ist jeden Tag gewärtig , daß in Marseille Truppen eingeschifft werden, und man bezeichnet sogar schon die Generale, welche den Oberbefehl über dieses neue Expeditions-Corps übernehmen sollen. Es ist ausgefallen, daß Blätter, wie der Salut Public, welcher in der Regel als halb- officiellcs Organ gilt, offen davon sprachen und den General Canrobert als Chef dieser Truppen angaben. — Die Geschäftsverbindungen mit dem Orient sind fast gänzlich eingestellt. Dasselbe ist auch in Bezug aus Spanien der Fall. Man befürchtet nicht mit Unrecht, daß auch dort ein heftiges politisches Gewitter im Anzuge sei, das möglicherweise auch ein thätiges Einschreiten der Quadrupel-Allianz zur Folge haben könnte. Die französische
