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vom 26. Dec. trug viel zur Steigerung der Aeugstllch- keit das unbegreifliche Benehmen Lord Rcdcliffe's (deS Urhebers aller Uebel, die jetzt auf der Türkei lasten) und des Generals Baraguay d'Hillicrs bei, welche nach allen Richtungen Personen auSschickten, ihre Rationalen vor dem beginnenden Sturm zu warnen und sie einzu­laden, sich beim ersten Schuß ins Palais der betreffen­den Gesandtschaft oder auf die Flotte zu flüchten. Frhr. v. Bruck hingegen wurde jeden Tag allein, zu Fuß, ohne Begleitung, ohne die hier gebräuchliche Sicker- heitSwache in den Straßen gesehen und hat eben da­durch am meisten die christliche Bevölkerung beruhigt; nichts destoweniger traf der Anteruuntins die nöthigen Maßregeln, um im Falle einer ernstlichen Bewegung sowohl seine Rationalen als auch das PalaiS gesichert zu wiffen.

Der Lloyd-Korrespondent schreibt vom 26. Dccbr.: Die christliche Bevölkerung macht sich heute luftig über die Bewegung in Stambul, vor der sie so sehr gezittert. Aber die jetzigen Spässe sind so wenig berechtigt, wie die frühere Aengstlichkeit. Gegen die Christen war die Bewegung überhaupt nicht gerichtet, obgleich Manches zu besorgen wäre, wenn einmal die Leidenschaften auf den Straße toben sollten. Vorläufig zeigt es fich, daß die Dinge so gestaltet waren, wie ich sie Ihnen in mei­nem vorigen Briefe dargestellt habe. Der Seraskier hat eine Demonstration losgelaffen und den Zauberbe- fcn wieder in die Ecke gebannt, Nachdem er seine guten Dienste geleistet. Er und seine Partei sind obenauf geblieben und darauf wurde der Aufstand abbcstellt. Der Sultan hat es nicht gewagt, wie es am 22. hieß, sich am andern Tage nach der Pforte zu begeben, um dort energische Beschlüsse zu verkünden, er hat es nicht einmal gewagt, am 23. (Freitag), dem wöchentlichen Feiertag der Muselmänner, sich wie gewöhnlich unter dem Donner der Kanonen und unter dem Hurrah der fremden Kriegsschiffe in die Moschee von Tophana zu begeben, sondern verrichtete sein Gebet in tiefer Stille in der seiner Residenz nahen Moschee von Beschiktasch. Reschid Pascha wohnt noch immer in dem an die Resi- denz des Sultans anstoßenden PalaiS, wohin er sich aus seinem Palais in Stambul mit seiner Familie ge­flüchtet hatte. Der Inhalt der Berathungen beim Sc- raSkier und die Natur seines Sieges ist nun in dem „Journal de Constantinople" vom 24. als „Proclama- tion" zu lesen. Dieselbe gibt eine reducirende Erklä­rung über die Beschlüsse des Divans und über das Fetwa des Schcich-ul-JSlam, woraus hervorgeht, daß von einer Nachgiebigkeit durchaus keine Rede sei, und daß an einen Friedensschluß nicht gedacht werde, wenn damit nicht diejenigen Bürgschaften erlangt werden, de­rentwegen die Pforte den Krieg unternommen hatte. Man erfährt auch, daß der Scheich-ul-Jslam, anstatt den rebellischen Svfta's eine Zurechtweisung und Züch­tigung zu geben, sich zu einer anfklärcnden Unterredung Herbcigclassen hat. Wir haben eben dasselbe Spectakc'l 'durchlebt, wie in den Tagen des Dcyrams, wo die Kriegserklärung erpreßt wurde, nur mit dem bedenkli­chen Unterschiede, daß dieses Mal die Bewegung nicht unter den Ulemas, sondern in der tiefern Schichte der Schüler organifirt war. Vielleicht erleben wir cö noch, daß bei einer dritten Auflage der Demonstration schon die große Masse hineingezogen wird, wenn der Seras­kier wirklich die Absicht hat, die Dinge auf's Aeußerste zu treiben und nicht alle die Demonstrationen weniger aus der Leidenschaft der Kriegspartei als aus geheimen Rathschlägen der auswärtigen Revolntionspartei ent­springen in der Absicht, auf die Gemüther im Abend­land zu wirken.

3n ken herabkommenden Zeitungen wird öfters der Thätigkeit des diplomatischen Pforten -Kommissärs im Lager Omer Pascha's erwähnt. Fuad Effendi hat aber bisher Konstantinopel noch gar nicht verlassen.

Der Capitän des „Taif", des einzigen Schiffes, das sich bei Sinope gerettet, ist, jur Disposition gestellt unb durch einen andern Offizier im Commando ersetzt worden.

In der identisch lautenden Note, welche die Ver­

gierung und de- ReichSconstils, er begreift diejenigen oberen und unteren Beamten, die man Kalamiie (von der Feder) nennt. Die Beamten, die im Divan sitzen, zerfallen in fünf Rangklassen, deren höchste mit dem Ferik (Divistonsgeneral) rangirt. Divan ist also von dem türkischen Ministerium wohl zu unterscheiden. Er ist viel zahlreicher, regiert aber nicht, sondern ertheilt auf Befragen seine Rathschläge.

Das „Journal de Constantinople" und der „Im- partial bej Smyrne" theilen einige Einzelnheiten vom Kriegsschauplätze mit. An der Donau, heißt es, haben drei Treffen zwischen den Türken und Russen stattge­funden, welche selbstredend sämmtlich zu Gunsten der Türkeu ausfielen. 400 Wägen, welche unter Geleit von 300 Mann Infanterie und Kavallerie in der Nähe von Calafat mit Fourage versehen werden sollten, wur­den von einem Trupp Kosaken angegriffen. Der leb­hafte Kampf, der sich entspann, endete schnell durch die Niederlage des Feindes. — Im Angesichte von Sistow war ein Gefecht zwischen den Redifs,' welche die Dnnau überschritten hatten, und einem starken Pulk Kosaken; diese ergriffen die Flucht und ließen mehrere der Ihrigen auf dem Schlachtfelde und zehn Gefangene in den Hän­den der Türken zurück. — Ein russischer Dampfer, wel­cher mehrere Kanonenschaluppen geleitete, zeigte sich vor Jsaktscha. Der Festungscommaudaiit eröffnete das Feuèr gegen dieselben: zwei Schaluppen wurden in den Grund gebohrt und der übelzugerichtete Dampfer mußte die Flucht ergreifen. — Der neue Marineminister Riza Pascha entwickelt, wie das „Journal de Constantinople" meldet, bereits eine sehr große Thätigkeit. Am 22. versammelte er an Bord des Admiralschiffes „Mahmudie" den Generalstab. Er drückte in einer Ansprache an denselben seine Rührung über die Gnade des Sultan- aus, der ihn zum Großadmiral ernannte Er werde sich bemühen, sagte er, mit Hülfe des Allmächtigen und unter Mitwirkung der anwesenden Herren der Erwar­tung des Souveräns zu entsprechen. Er zweifle nicht, daß Alle, von denselben Wünschen beseelt, voll Eifer und Hingebung für den Dienst ihres glorreichen Sul­tans sein und die Sympathie so wie die Aufmerksam­keit aller Welt rechtfertigen würden. Er empfehle ihnen stets pünktlich auf ihren Posten zu sein, mit Lust die ihnen obliegenden Pflichten zu erfüllen und die Haltung der Mannschaft aufs strengste zu überwachen. Er werde nach seiner Gewohnheit immer dort erscheinen, wo man ihn am wenigsten erwartet und jede Nachlässigkeit im Dienst ohne Schonung ahnden.

Die aus Persien in Konstantinopel eingetrof« senen Nachrichten werden von dem Hofblatte als sehr wichtig bezeichnet. Denselben zufolge bestand die cwßèr- ordentliche russische Mission dahin Ns 'MVttt Kanikoff. Director der diplomatischen Canzlèi in TiflksjE einem General, einem Obersten, einem Oberstlieutenant, einem Kosakenhauptmann, sechs Lieutenants und einem Arzte. Diese Mission, „ähnlich jener des Fürsten Menczikoff", hatte Tiflis verlassen und befand sich aus dem Wege nach Teheran. — Dieselben Berichte bestä­tigen die bereits vor acht Tagen gemeldete Wiederauf­nahme der diplomatischen Beziehungen des britischen Gesandten zum persischen Hofe. Der „Vakai Jranie" (amtliche Zeitung) gibt als Grund der stattgehabten Spannung persischer Unterthanen der LandesgerichtSbarkeit zugehörig unter ihren Schutz nehmen wollte. In Folge eines Notenwechsels war ein Bruch zwischen den beidrü Regierungen entstanden, deren Verbindungen aber wie­der auf altem Fuße hergestellt seien.

Canea, 27. December. Ein türkischer Dampfer ist mit 80 erlitten Softa's hier eingetroffen. Von der Localbehörde sind strenge Maßregeln gegen den sich hin und wieder kundgebenden Fanatismus angeordnet worden.

Aegypten

Alexandrien, 22. De. Zehntausend Mann ägyp­tischer Truppen werden bei Cairo zum Behufe militä­rischer Uebungen unter dem Commando des Hamin Pascha zusammengezogen.

[ Verantwortlicher Redacteur: Dr. 3. Janek.

treter der vier Großmächte der Pforte beiläufig am 14. Dec. einzeln mittheilten, wurde dieselbe freundschaft­lichst aufgcfordcrt, die traurigen Folgen, welche aus ei­nem langem Kriege mit Rußland hervorgehen bürsten, sehr ernstlich zu überlegen, da eine beharrliche Fortfüh­rung desselben noch überdies die Mißbilligung der Schutzmächte nach sich ziehen würde; es wird darin, wie die „Tr. Z." berichtet, dem Divan der Vorschlag zur friedlichen Beendigung der Streitsache in folgender Weise gemacht: 1) Soll hierzu ein europäischer Kon­greß in Wien oder Berlin jufammentreten; 2) ha­ben die Feindseligkeiten von dem Momente der An­nahme dieser Note sowohl in Asien als an der Donau aufzuhörcn, Rußland müsse die Fürstenthümer, die Tür­kei habe die besetzten russischen Forts zu räumen; (welche?) — 3) sind alle alten Traetate zwischen den europäk schen Staaten und der Türkei annullirt, es soll nur ei­ner in Zukunft bestehen, welcher der politischen Stel­lung M türkischen Reiches günstig, dasselbe in den Kreis der übrigen Mächte stellen wird, da sich die Ver­träge vergangener Jahrhunderte nicht mehr mit dem jetzigen Zustande der Türkei vereinen lassen; — 4) wird der neue Tractat die Stellung der Christen in der Türkei regeln, deren Schutz alle europäischen Mächte zugleich über sich nehmen wollen, und der Kongreß wird nur die Mittel festsetzen müssen, um Rußland in Be­treff der verlangten Protection des orthodoxen Ritus zufrieden zu stellen; — 5) das türkische Reich wird und muß ungeschmälert in seinen Grenzen erhalten wer- den, sowie andererseits selbst beim günstigsten Resultate des Krieges mit Rußland dieselben nie zu erweitern wären; — 6) nimmt die Pforte diesen Vorschlag an, so werden alle vier Großmächte Rußland zur Annahme desselben zu bewegen suchen; weigert cs sich, so sind die­selben entschlossen, dasselbe durch die Macht der Waffen zu zwingen (?).

Die Puncte, auf Grundlage welcher die Großmächte die Pforte zu Fricdensunterhandlungen eingeladen haben, faßt die „A. Z.", wie folgt, zusammen: §. 1. Die mög­lichst rasche Räumung der Donaufürstenthümer; §. 2. Die Erneuerung,ber alten Verträge; §. 3. Eine Er­klärung bezüglich der Fermane zur Verleihung religiöser Privilegien seitens der Pforte an ihre nicht muselmän­nische Bevölkerung; diese Erklärung an die europäischen Mächte würde von passenden Zusicherungen für jede ein- zelne von ihnen begleitet sein. 8 4. Das bereits ge­troffene Ucbereinkommen über die heiligen Stätten und geistlichen Körperschaften in Jerusalem würde endgültig angenommen. Die Pforte erkläre dann den vier Mäch­ten, ihre Bereitwilligkeit, einen Bevollmächtigten zum Abschluß eines Waffenstillstandes und zu Unterhandlun­gen âüf der GrundlageAer oben angeführten Puncte unter Mitwirkung der Mächte und in einer ihr passend scheinenden neutralen Stadt zu ernennen. Die Erklä­rungen der europäischen Mächte im Eingang des Ver­trags vom 13. Juli 1841 würden von den nämlichen Mächten im Interesse der Unabhängigkeit und Unver­letzlichkeit des osmanischen Reiches, sowie des europäi­schen Friedens feierlich bekräftigt werden. Ihrerseits würde die Pforte aus denselben Rücksichten ihren festen Entschluß erklären, ihr Verwaltungssystem wirksamer zu entwickeln, und innere Verbesserungen eiutreten zu lassen, welche die Bedürfnisse und gerechten Erwartungen ihrer Unterthanen jeder Classe befriedigen könnten.

Als Beitrag zur Kenntniß der türkischen Militär zustände kaun die beglaubigte Nachricht dienen, daß der Sohn des Kriegsministers der H. Pforte, ein junger Mann von etwa 20 Jahren und in diesem Sommer mit ziemlich geringen Kenntnissen aus der Militärschule zu Pera entlassen, schon vor längerer Zeit als Brigade­general zur Balkanarmee übersetzt wurde. Omer Pa­scha, dessen militärischen Talenten auch von russischer Seite Anerkennung gezollt wild, ernannte den jungen General sogleich zu seinem Adjutanten, um demselben wenigstens nicht das Schicksal einer ganzen Brigade überlassen zu müssen.

Der Divan oder die Staatscanzlei (Menacybi- divanniie) steht außerhalb des Ministerraths, der Re­

Wiesbadener tägliche Posten.

Slbßanß von Wiesbaden. unsanft in Wiesbaden, ““.'"'i Srontfurt iEisenbahn.)

MoraenS 6, 10 U. 0 n A

Lours der Staatspapiere.

Frankfurt, 9. Januar 1854.

Gold und Silber.

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Wien, 7. Jan. 5pCt. Metall. 91-. - 4V,pCt. do. 807.. - 5pCt. L.-Ven. 100-. - Bankac ien 1345-. 250 fl. Loose 130-. — K.-F.-Nordbahn 2S0-. — Wechsel auf London 11 48 kr.

Paris, 6. Jan. 4'/-vCt. R. 99, 20. - 3pCt. R. 70, -. - Oester.--. -- Span, neue Diff. — | .— Innere Schuld--. — Darmst. Bankacticn-—.

^nrâ und Expedition von Wilhelm Friedrich in Wiesbaden, Langgaffe 48.