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Zeit rinAt die Hände nach Glauben, und ist doch zu schwach ihn zu ergreifen.

ES ist also allerdings richtig, nicht die materiellen Interessen sind es, die unsere Zeit bewegen, denn wo irgend wahre Bewegung in ihr ist, geht sie von Glau- bcnomtcressen aus — aber dabei sind unsere Zeitgenos­sen so schwammig, haben so baumwollene Herzen, daß alle edlere Triebkraft sofort von ihnen ausgesogen wild und nach kurzer Regung wider die phegmatische Masse der materiellen Ante ressen das Ucbcrgewicbt behält. Wir find wie ein Weib, was dann und wann Anfinge edle rcr Liebe sich durchziehen fühlt, und dann doch immer wider dem Eigensinn ihrer Bequemlichkeit, Luft und Laune verfällt, bis sie clidlich in eine Lage kommt, wo sie der Natur still halten und einiges über sich ergeben lassen muß in Schmerz und Todesangst, die ihr einen mächtigeren auruseu lehren — und so werden wir uns in impotenten Gelüsten und BeUeitäten verzehren, lm- dünnere Charactere prodnciren, immer herzensschwind, süchtigere Gemüther, bis wir den Herrn in seinen Wet- lern erkennen lernen. Diese Herzensschwindsucht au der wir leiden, schließt Prof. Leo, tritt überall zu Tage, im Staate wie im Hause, in der Politik wie in der Literatur — überall, überall — und schon mehr als einmal ist mir die Lust angekommen, diese Berichte nicht mehr geschichtliche Monatsberichte zu überschreiben, son­dern: „Büllctius aus dem Krankenzimmer der schwind­süchtigen Welt."

Deutschland

Wiesbaden, 2. Jan. Gestern traf den Kapell­meister des hiesigen Theaters, Herrn Hagen, ein bc- klageuswerther Unfall. Derselbe wurde nämlich auf dem Rückweg von dem Herrn Hofgerichthsrath v. L., wo er einen Ncujahrsbesuch abgestattet hatte, in der Nähe der Kurhausanlagen von einem Hunde in daS Bein gebis­sen. Borfichtöweise wurde die Wunde, die sich ^im Knie­gelenke befindet, ausgeschnitten und ausgebrannt. Der Hund soll jedoch schon entdeckt und es soll ermittelt sein, daß derselbe vollkommen gesund sei. — Borge­stern wurde der achtjährige Knabe des Schuhmachers S. in der oberen Webergasse von einem Pferde am Kopfe bedeutend verletzt. Der Knabe glitt auf dem Eise und war dem Pserde unter die Füße gefahren.

Rüdesheim, 30. Dec. In dem benachbarten Aßmannshausen ist gestern ein Brand ausgcbrochen, der vier Häuser in Asche legte.

Frankfurt, 31. Dec. Die Kölnische Ztg. läßt sich von hier schreiben, der verstorbene ehemalige Mit­redacteur der Frankfurter Postzeitung, Dr. Kutsch eil, sei von einer Reise nach Wien mit der Aussicht hierher zurückgekehrt, die Stelle eines k. k. Konsuls in Ulm zu erhalten. Der Werth dieser Mittheilung ergibt sich aus der einfachen Betrachtung, daß Ulm eine Bundesfestung ist und daß nach dem Reglement für Bundesfestungen weder diplomatische Posten noch Konsulate in Bundes- festuugen errichtet werden können.

* Aus Baden, 27. Dec. Gestern erschienen in der Behausung des Kaufmanns Franz Degen zu Ne­ckargemünd unvermuthet zwei Gensb'armen, ein Wacht­meister mit zwei Gemeinderälben, und nachdem alle Thüren des Hauses nnzugängig gemacht, wurde eine genaue Ha'iSuntersuchung nach kirchenfreundlicheu Scbnf- ten vorgeuommen, wobei aber, außer einem erzbischöf­lichen Hirtenbriefe, nichts Erhebliches gefunden worden sein soll. Wider Erwarten wurde jedoch derselbe heute gefänglich eingezogen. Es ist dieses derselbe Degen, welcher zur Freischärlerzeit wegen seiner entschieden con- servativen Gesinnung und durch die That bewährter Anbänglichkeil an den Großherzog den heftigsten Ber» folgungen ausgesetzt war und beim Einzuge der preu­ßischen Truppen als Bürgermeister von der Regierung eingesetzt wurde. Die Demokraten haben in Baden we- nigstcus den Triumph, ihre ärgsten Gegner nun auch von der Regierung heimgesucht zu sehen.

Nach dem Schwäbischen Merkur soll dem Staats­rath v. Wechmar, welcher bis jetzt das Präsidium des Ministeriums des Innern (provisorisch) und das der Justiz hatte, das Ministerium des Innern definitiv über­tragen werden und das der Justiz nach Einigen StaatS- rath Frhr. v. Stengel in Karlsruhe und nach Andern RegierungSdirertor Böhme in Mannheim erhalten. — Weiter wird versichert, Amtmann Wedekind von Stüh­lingen, welcher nach dem Regierungsblatt seines Die», stes enthoben ist, werde von dem Erzbischof als dessen Geheimsecretär angestellt.

Der Primas von Irland hat ein Schreiben voll Theilnahme an den Erzbischos von Freiburg gerichtet und ihm gleichzeitig die Anzeige gemacht, daß die iri­schen Bischöfe sich in wenigen Tagen in einer Synode versammeln werden, um in einer Collectiv - Zuschrift ihren Schmerz über die Verfolgung der katholischen Kirche in Baden auszusprechen.

Ulm, 29. Dec. (U. Scb.) Der durch den furcht­baren Brand verursachte Schaden ist ein sehr bedeuten­de». Nicht nur, daß das ganze Gebäude bis auf den Grund zusammenfiel, und daß dessen Bewohner nichts retteten als das bloße Leben: es lagen unter Anderem allein über 800 Gentner Kaffee, große Quantitäten Reis aufgelagert. Nur sehr wenig konnte gerettet werden.

Augsburg, 29. Dec. Herr Dr. Riehl, Re­dacteur der „AUg. Ztg." und bekannt durch seine cul- tur- und kunstgeschichtlichcn Studien, hat einen Ruf als Honorar-Professor an die Münchener Universität erhal­ten und denselben angenommen.

München, 30. Dec. St. Maj. der Kaiser von Oesterreich wird heute Nacbls 10 Uhr von hier über Nürnberg, Hof, u. s. f. nach Wien zurückkehren.

Erfurt, 27. Dec. Der N. P. Ztg. wird unter vorstedendem Datum geschrieben; Die Zeitungen brin­gen einen Artikel aus Thüringen, in welchem über ein Zerwürfuiß zwischen den schwarzburgischen Fürstenthu- meru berichtet wird, welches, durch die Chaussee - Ber» waltuug veranlaßt, sogar bis zu militärischer Grciizbc- setzuug geführt habe. Es ist hier sehr von Nöthen, die Wahrheit zu berichten. Mit gänzlicher Unkenntniß der Moralität spricht man von einer Chausse von Arnstadt nach Rudolstadt, welche sich Sondershausen gebaut, und von welcher das Rudolstädter Militär die Fuhrleute abhallen solle, um sie über die Rudolstädter Stadt Stadtilm zu dirigiren. Man wird schwerlich von Aru- stadt nach Rudolstadt einen näheren Weg finden, als über Stadtilm. Dagegen hat Schwarzburg-Sonders­hausen den am Thüringer Wald westlicher gelegenen Theil seiner Oberherrschaft mit Arnstadt, der Hauptstadt derselben, wohin der lebhafteste Berkehr dieser Wald­gegenden stallfittbet, durch eine Chaussee in nähere und directe Berbindung gebracht, welche von Arnstadt in ge­rader 9iicbtnng laufend, auf die Chaussee stößt, die von jener Waldgegend, von Amt Gehren herab, nach Stadt­ilm bin führt. Da nun diese neue Sondershaujeusche Chaussee noch unvollendet ist und jene noch nicht erreicht, so nehmen sich Die vom Walde berabfommeuDen Fracht- fuhrleute, um aus sie zu gelangen und um Chansseegeld zu ersparen, die Freiheit, einen dahin führenden B«ci- nalweg zu fahren, wobei es ohne bedeutende Beschäbi- gung der anliegenden Ackerfelder nicht abgehl. Um Die; jeé zu inhibiern , hat die Rudolstädter Regierung, ver- muthlich weil die Gcnsd'armerie nicht ausrcichtc, zwei Unleroffiziere in das benachbarte Köttendorf postirt, Das ist Die „militärische Besetzung der Grenze." Die Fuhr- leute zwingen zu wollen, nach Stadtilm zu fahren, kann diesen Militärs nicht entfallen; denn wenn erstere noch ein Stückchen weiter nach Köttendorf fahren, was sie freilich des CbausfeegeldeS wegen durch den Bielnalweg zu vermeiden suchen, so können sie von Köttendorf aus auf einer nach Ilmenau abgehenden Chaussee sofort auf die neue Sondershaujeusche Chaussee gelangen, welche jene durchschneidet, ohne gezwungen zu sein, nach dem weit abgelegenen- Stadtilm zu fahren. Nach dieser wahr­heitsgemäßen Auseinandersetzung soll jedoch nicht ge­leugnet werden, daß bei den in neuerer Zeit in diesen beiden Fürsteuthümern unternommenen Chausseebaulen mehrfach bedauerliche Weigerungen der Erlaubniß, durch das betreffende Gebiet fortzubauen, vorgekommen sind, und zwar hat allerdings Sondershausen bei zwei Rudol- städtischen Chausseen Den Anfang dieser Ungesälligkeit gemacht, wie freilich Rudolstadt nun auch so weit geht, daß eS nach Der Verweigerung durch ein größeres Stück seines Gebietes nun auch nom Anstand nimmt, Die neue Sondershausener Chaussee durch einen Strich von GO Schritt Breite au Die Stadtilmer Chaussee herankom­men zu lassen.

Berlin, 27. Dec. (A. A. Z.) Sie kennen be­reits das Hinscheiben des Generals v. Rabowitz. Die Hoffnungen auf seine Wicdergencsung, mit welchen man sich eine kurze Zeit hindurch tragen zu dürfen glaubte, haben sich als trügerisch erwiesen ; in den letzten Tagen nahmen seine Kräfte reißend schnell ab; Malzbäder mit CanuUen, welche die Aerzte verordneten, thaten keine Wirkung mehr, und am ersten jWeihnachtstagc schlum­merte er hinüber, mit allen Tröstungen der Kirche ver­sehen, welcher er bis zum Tode al ein Neues Mitglied angehörle. Der König soll tief ergriffen sein, denn er hat in dem Tobten Den einzigen Mann verloren, ber unter allen Umständen und in allen Lagen seinem Her­zen nahe stand, der ihm mehr als ein ergebener Diener, der ihm ein Freund war; ein letzter Händedruck, den er mit dem bereits hoffnungloS daliegenden Kranken tauschte, war ihr Abschied für diese Welt. Es ist die­ser Todesfall daS einzige Ereigniß, was in die Stille der Weihnachtslage hereingebrochen ist. — Gottlob, diese Weihnachtstage sind jetzt vorüber. Die glücklichen Familienväter haben so viel und wo möglich noch mehr Geld ausgegeben, als sie im Stande sind, und haben dafür von ihren zärtlichen Gattinnen und liebenswür­digen Töchtern eine neue Sammlung interessanter Ge­genstände eingetaufebt, die möglichst wenig kosten und gar keinen Nutzen haben. Auf Den Straßen tobt, so­weit das Glatteis cs gestattet, bandenweise Die männ­liche Jugend mit kriegerischen Trommeln und friedlichen aber eben so furchtbaren Waldteufeln, während die weiblichen Familienglieder zu Hause beschäftigt sind, wo möglich in Einem Tag die Berge von Zuckersachen zu verschlingen, die in gewöhnlichen Zeiten für Monate ausreicheu würden. Jetzt noch Neujahr mit seinen Glückwünschen und mit seinen — Rechnungen, und wir haben völlig wieder in den Trott des Alltagslebevs eingelenkt. Unmittelbar nachher treten die Kammern wie­der zusammen, uR> werden in ihren ersten Sitzungen aber­

mals 2 wichtige Vorlagen der Regierung entgegennehmen. Zunächst die Entwürfe einer neuen Provinzialordnung für die verschiedenen Provinzen, im wesentlichen aller­dings übereinstimmend mit Den Entwürfen, welche in der vorigen Session von einer Commission der ersten Kammer bereits berathen worden, aber doch in einzel­nen wichtigen Punkten auf Grundlage der Arbeiten die­ser Commission und der neuerdings eingczogenen Gut­achten Der Verwaltungsbehörden neu redigirt, wie sie denn namentlich die Abstimmung nach Curien auf den Provinziaüaiidtageu für Posen und die Rheinprovinz ganz ausheben und für die übrigen Provinzen auf wich­tigere Gegenstände beschränken. Dann die Regulirung der ländlichen Polizeiverwaltung in den sechs östlichen Provinzen. Bekanntlich hat Art. 42 Der Verfassung die gutsherrliche Polizeiverwaltung aufgehoben, factisch be­steht sie indeß, da das künftige Verhältniß noch nicht gesetzlich geordnet worden, in Gemäßheit der Ueber- gaugsbestimmungen der Verfassung einstweilen fort, und man Darf mit Recht gespannt darauf sein, ob Die Re­gierung die früheren Zustände einfach^gpieder herzustel­len , oder ob und welche Modificationen derselben sie vorzuschlagen beabsichtigt; das erstere dürfte das am wenigsten wahrscheinliche sein, und von Den Ritterguts­besitzern , da die Lasten und Kosten Der Potizeiverwal^ tung täglich größer werden, selbst kaim gewünscht wer­den. Und da wir einmal bei Der Polizei sind, so will ich nicht unterlassen, im Interesse Der öffentlichen Si­cherheit auf einen gefährlichen Verbrecher aufmerksam zu machen, einen TischlergcseUen, dessen Namen, polnischen Ursprungs, ich vergessen habe, den iber das königliche KreiSgericht Laucuburg (Pommern) stckbrieflich verfolgt und auf den zu vigiliren alle Civil- ind Militärbehör­den „bringend" aufgeforderl werden. DaS Ungeheuer ist inhaltlich des Steckbriefes „wegen kiabakrauchens auf öffentlicher Straße rechtskräftig verurteilt" und hat sich durch heimliche Entfernung der strafenden Gerechtigkeit zu entziehen gewußt.

Man wird in diesem Augenblicke ncht ohne Interesse das denkwürdige Schreiben wieder lesn, welches der König Friedrich Wilhelm IV. an Hrn.v. Rabowitz nach dessen Austritt aus dem Ministerium >es Auswärtigen gerichtet hat. Es lautet: „SauSsouc 5. Nov. 1850 nach 6 Uhr Abends. So eben gehen Sie zur Thüre hinaus, mein treuer und theuerster Fr und, und schon nehme ich die Feder, um Ihnen ein Wrt Der Trauer, der Treue und der Hoffnung nachzurfen. Ich habe Ihre Entlassung aus dem auswäctigenAmte gezeichnet, Gott weiß es, mit schwerem Herzen, 'ber ich habe, ja in Freundestreue noch mehr thun mssen. Ich habe Sie vor einem versammelten Rathe m Ihres Ent^ lassungsbegehrens willen gelobt. Dm sagt Alles und bezeichnet meine Lage schärfer, als es Mcher vermöch­ten. Ich danke Ihnen aus meinem tisten Herzen für Ihre Amtsführung. Sie war die meistchafte und- geist­reiche Ausführung meiner Gedanken iD meines Wil­lens. Und beide kräftigten und hob« sich an Ihrem Willen und Ihrem Gedanken, denn wihatten dieselben. Es war trotz aller Tribulationen ein schöne Zeit, ein schöner Moment meines Lebens, un ich werde dem Herrn (den wir Beide bekennen und <f den wir Beide hoffen), so lange ich athme, dankbar afür sein. Gott der Herr geleite Sie und führe in önaden bald un­sere Wege wieder zusammen. Seir Friede bewahre, umlagere und beselige Sie bis auf Lederseheu. Dieß zum Abschied von Ihrem ewig treuenZreunde Friedrich Wilhelm."

Berlin, 29. Dec. Nachdem vr Sr. Maj. dem Könige der Wittwe des dahingeschienen Generals v. Rabowitz die zartesten Beweise innig Theilnahme ge­worden sind, ist, wie wir hören, aud von Coblenz ein iheilnehmendes Schreiben Sr. k. Hdes Prinzen von Preußen eingegangen.

Ueber die preußisch-belgischen Unrhandlungen wird dem Nürnb. Corr. Folgendes „zuOrientirung" be­richtet: Ueber daS Aufhören deS rüheren Vertrages von 1844, dessen wesentliche Bestimmg der Art. 19, das Eisen betreffend, auch in deZollconferenz ange* sehen wurde, konnte seit der Conferzsitzung v. 8. Nov. und nach dem weiteren Gange r Unterhandlungen kein Zweifel mehr aufkommen, fit seiner Note vom 15. Dec. schien auch Belgien deiArt. 19 und mithin Den früheren Vertrag aufzugeben. Es konnte sich bei Den neuen Unterhandlungen nur u einen andern Ver­trag handeln, um einen Vertrag, welchen die wesent­lichen Bestimmungen des früher« nicht mehr anfge- nommen würden. Ob ein solchemun in den seit dem 23. Dec. eröffneten Conserenzen ,ch nur in der Form der ersten Grundlagen zu Stand« kommen wird, bleibt noch immer, wie Ihnen Dieß fdn vor einigen Tagen prognosticirt wurde, mindestens hr zweifelhaft. Ein sogenanntes Aequivalent für dasjollcartell von 1846, das Preußen anzubieten geneigt jien, soll Belgien als nicht genügend bezeichnet haben. Außer dem schon er­wähnten Artikel 19 des Vertrag« von 1844 hat dem Anscheine nach auch Der Artikel21 über die für bel­gischen Käse festgesetzte Begünsti,ng aus gewichtigen Gründen wenig Aussicht, in Del etwaigen neuen Ver­trag überzugehen. Ich melde hnen Dieß alles mit einigem Vorbehalt, muß aber Daiuf beharren, daß daS Zustandekommen irgend eines AringcmentS noch immer