Der kaiserliche Hof wird binnen Kurzem — man glaubt am 1, Januar — den letzten Rest bürgerlichen Anstrichs verlieren. Fürstliche, herzogliche, gräfliche nnd sreiherrliche Titel werden die bürgerlichen Namen verdrängen. Zwei neue Fürsten, Princes, in Frankreich ein höherer Titel als Duc, weil die Mitglieder der kaiserlichen Familie ebenfalls nur Princes si»d„ werden an der Spitze des neuen Abels des neuen Kaiserreichs ; stehen. Der eine ist Hr. Forild, der andere Hr. Trop- long. Der Erstere wird noch den Titel eines Erz- Schatzmeisters, der letztere den eines Erz-Kanzlers nebst einem Extra - Gehalt von 400,000 Franken erhalten. Unter den neuen Herzogen oder Ducs nennt man Laroche und auch Persigny. Letzterer scheint jedoch seinen Grafeu-Titel behalten zu wollen, weil er ihn von Alters- her haben soll. Die jetzigen Minister werden alle Grafen oder Freiherrn werden. Der Titel Monseigneur wurde neulich in einer Note im „Moniteur" gegen Mißbrauch in Schutz genommen. Dieses geschah nur, weil man diesem Prädicat, das mehrere hohe Staatsbeamte in Zukunft führen sollen, einen besondern Werth verleiben will. Gerüchtsweise spricht man auch von einem neuen Hofreglement für den 1. Januar, das sehr streng ausfallen soll. — Vom 1. Januar an soll den Bäckern keine Broddifferenz mehr bezahlt werden. Der Stadt kommt diese Ausgabe zu hoch, zumal da man für den nächsten Monat ein abermaliges Steigen der Frachtpreise erwartet. Der Sack Mehl kostet gegenwärtig 105 c. Die Differenz, die die Stadt decken muß, beträgt 30 c. Da der Sack nun nächsten Monat wahrscheinlich 115 c, also 10 c mehr kosten wird, so würde die von der Stadt zu zahlende Differenz 40 c betragen, wenn man das jetzige System fortbestehen lassen will. Die Stadt Paris, ohnehin ganz verschuldet, kann diese außerordentlichen Ausgaben nicht mehr aushalten. — Hr. Berryer wird den Ädvocaten Hubbart, der in den Prozeß Bra- tiano verwickelt ist, vertheidigen. — Der General Wysocki, der in den Jahren 1848 und 1849 in Ungarn die polnische Legion befehligte, hat am 21. in Begleitung mehrerer Offiziere Marseille verlassen, um sich nach Constantinopel zu begeben. — Man meldet den Tod des Gen. a. D. Hugo, Oheim des berühmten Dichters. — Die Verfasser des Vaudeville die Kosaken, bas auf dem Theater la Gaitè mit so großem Beifall gegeben wird, haben ein Exemplar prachtvoll drucken und einbinden lassen um es Sr. Maj. dem Sultan als eine antirussische Huldigung zu Füßen zu legen.
Der Duc de la Rochcfoucauld-Dondeauville erklärt heute in den öffentlichen Blättern, daß er eine Berufung in den Senat nicht erhalten habe und eine solche -obgleich er keine Opposition mache, auch nicht annehmen könne. — Gestern sollte zu Versailles die ehemals dem Prinzen von Joinville gehörige Domäne Raincy dem CönfiScationsdeerct gemäß versteigert werden. Da sich kein Mchrbietender cinfand, konnte der Verkauf jedoch nicht vollzogen werden.
Die Haltung der englischen Blätter wird immer entschiedener und der heutige Artikel der Times wäre von großer Bedeutung, wenn man zu der Consequenz dieses Blattes nach seinen so vielfältigen Schwankungen Vertrauen haben könnte. Die Times kommt aus ihren Artikel, worin sie nach Ankunft der Nachricht von dem Vorfall bei Sinope gegen Rußland donnerte, zurück, und behauptet, daß jetzt die Zeit gekommen ist, allem Zögern ein Ende zu machen, welches zu nichts ande- rem gedient hat, als die „Unverschämtheit" Rußlands zu vermehren.
Gestern hier eingetroffene Berichte aus Madrid melden, daß die Wunde, welche der französische Botschafter Marquis Turgott in seinem Pistolenduclle mit dem norb- americanischen Gesandten Hrn. Soule erhalten, durchaus nicht gefährlich ist.
Die heute hier eiugctroffenen Lyoner Journale theilen mit, daß daselbst vollkommene Ruhe berrschte, daß jedoch abermals mehrere Verhaftungen stattgefunben haben.
Man schreibt aus Erzerum, daß der Prinz Leon von Armenien, welcher im Jahre 1846 vom Kaiser von Rußland aus Erivan verbannt wurde, an der Spitze eines bedeutenden Corps Freiwilliger gegen diese Stadt marschire, worin bei seiner Annäherung bedeutende Unruhen ausgebrochen sein sollen.
Schweiz.
V«s der Schweiz, 24. December. Mit dem Hauenstein-Tunnell geht cs vorwärts Das südliche Portal wird in wenigen Tagen fertig sein. Im Tün- uell selbst sind die Gewölbe bis gegen 240 Fuß geschlossn , und der mittlere Stollen wird abgetragen. Aus der nördlichen Seite hat der Stollenbetrieb auch begonnen. Die Erde ist aber locker, mit Wasser ange- füllt. Nächstens sollen drei Dampfmaschinen von 10 Pserdekrast aulangen, um den Schachtbetrieb zu beginnen.
Velgien
Brüffèl, 24. Decemb. Die Abgeordnetenkammer hat gestern den Gesetzentwurf, welcher die Regierung ermächtigt, bis zum 1. Januar 1855 die Eingangszölle auf Steinkohlen nach Gutbefinden völlig zu suspendiren abzuändern oder wieder einzuführen, einstimmig angenommen.
Großbritannien
London 23. Dec. Aeußerm Vernehmen nach wird Sir James Graham das Ministerium des In
nern übernehmen und LordPcMmure (Foj Maule) wird erster Lord der Admiralität werden.
Mit dem Dampfboot „Baltic" sind Nachrichten aus Newyork vom 10. d. eingetroffen. Die wichtigste betrifft die Vorlage des Finanzministers über Abänderüu- gen des Zolltarifs der Union. Die Zahl der Artikel, welche zollfrei eingesührt werden, wird ansehnlich tret», mehrt, so daß etwa 8 Millionen Dollars aus den Zoll Einkünften schwinden werden. DaS System ad valorem soll in Bezug auf Eisen ohne Ausnahme beibehältcn werden.
Italien.
Turin, 18. Dec. (A. A. Z.) Heute war ein großer Festtag; die Eisenbahn nach Genua ward dem Publicum eröffnet. Auf einmal sind hier wieder alle Gasthöfe gefüllt, in denen sich wegen der dem Reisen nachtheiligen Jahreszeit sein einigen Wochen einige Leere eingestellt hatte. Nunmehr gelangt man vom mittel? ländischen Meer nach unserer Hauptstadt in vier Stunden! Wer aber von Genua nach dem Nolden reisen will, erreicht den Lago Maggiore in ein paar Stunden von Alessandria aus, wo er die Eisenbahn verläßt. Dort findet er täglich zweimal Dampsschfffc, welche ihn nach Bellinzona bringen. Von dort übersteigt man den Bernhardi» so bequem, daß ich noch vor ein paar Tagen zu Wagen, beinahe ohne Schnee zu sehen, diese Strecke in neun Stunden zurücklegte. Dieses Jahr ist der Reise durch die Schweiz ganz vorzüglich günstig. Obwohl dieser Alpenpaß der bequemste in der ganzen Schweiz ist, so muß er doch bisweilen schon im Octo- her zu Schlitten überstiegen werden. Die Eisenbahn von Chur nach dem Bodensee ist bereits dergestalt gesichert, daß im nächsten Frühjahr der Anfang gemacht werden wird. Ist man erst am Bodensee, dann bringen die bayerischen und württembergischen Bahnen den von dem mittelländischen Meer kommenden Reisenden im Flug durch ganz Deutschland an die Nord - und Ostsee. Auf diese Weise ist die heute eröffnete Bahn für das gesammte Süddeutschland von der höchsten Wichtigkeit schon jetzt; sie wird cs aber noch mehr werden, wenn die Lukmanierbahn beendet sein wird. Auch dazu ist das Geld, die Hauptsache, bereits vorhanden, und hat die hiesige Regierung 11 Millionen dazu für die Schweiz beigesteuert, um diese ungeheure Arbeit zu erleichtern. Daß die Sache möglich ist, hat die heutige Fahrt unter dem Gipfel der Apenninen hindurch gezeigt, denn dieß ist der längste Tunnel in ganz Europa, er ist über eine halbe deutsche Meile lang, und sind dazu mehr als vierzig Millionen Ziegel verbraucht worden.
Donaufürftenthümer.
Nach Berichten aus Bukarest halten die Türken die Mokaninsel besetzt. Am 14. d. Mts. wurden von Bukarest nach Krajova neue Truppen dirigirt, ebenso sind zwei Infanterieregimente!: auf der Straße nach Pitesti abmarschirt. Dieselben sollen die in Wadulat, Czono- lcsti, Florest, Gajest und Pitesti stehenden Truppen ab- löjen, welche letztere nach Krajova marschiren werden. Die in Russvede stehenden Truppen sind nach Giurgevo dirigirt, und cs ist dieser Ort dafür von einem Tbeile der aus Bukarest angekommenen frischen Truppen besetzt worden. Caracal ist ebenfalls von den russischen Truppen stark befestigt worden, da man besorgt, daß die Türke» von Calafat aus einen Ueberfall auf Caracal beabsichtigen. — Die Montürcommission in Cherson wurde neuerdings beauftragt für 1000 Mann Spi- talrequistten nach Bukarest zu senden.
Von der türkischen Grenze, 15. Dec. Bei Calafat haben, das dürfte die richtigste Version in. dieser hier viel verhandelten^ Angelegenheit sein, zwei Tage hinter einander sehr bedeutende Vorpostengcfechte stattgefunben, die zum Nachtbeile der Russen auSgegan. gen sind. Ihr Verlust ist nach den Berichten vonKra- jowa nicht unbedeutend, wenn auch lange nicht so groß- als die Alles vergrößernde Fama sie dargcstcllt hat, Je weniger von russischer Seite über Vorfälle bekannt gegeben wird, wenn sie nicht nach dem Wunsche der Russen ausgefallen, desto geringer muß auch die Verwunderung fein, daß Kämpfe, Vorpostengefechte oder wie man solche Zusammenstöße bezeichnen will, bei denen die Russen im Nachtheile bleiben , den in ungeheuersten Uebertreibungen im Publicum beingestellt werden. — Auch über die Streifzüge der Kosaken am rechten Do- naunfer ist hier nichts Näheres bekannt geworden. Erlauben Sic mir aus ein Gerücht znrückzukommen, welches in der letzten Zeit in der Presse oft wiederholt worden ist. Es wurde die Befürchtung ausgesprochen, als ob die Russen, im Falle Diner Pascha im Stande wäre, von Giurgewo aus bis gegen Bukarest vorzu. bringen, entschlossen wären, Bukarest das Schicksal von Moskau im Jahre 1812 theilen zu lassen. Ich glaube, es ist der Mühe werth, diese Absicht ein wenig zu prüfen. Die Hauptstadt der Walachei war bis zum Jahre 1698 Tergoviste, welches sich südlich an die Karpalben lehnt, und einst von wahrhaft strategischer Wichtigkeit war. Da aber Constantin Brancowanu, einer der besten Fürsten der Walachei, sowohl mit Oesterreich als auch mit Peter dem Großen in nähere Verbindung getreten war, und namentlich von Oesterreich den Titel prin- ceps imperii romani" angenommen hatte, so ließ ihn der Sultan nach der unglücklichen Schlacht am Pruth
gefangen nach Constantinopel bringen und sammt seinm vier Söhnen binriebten ; zugleich aber wurde die Verlegung der Residenz von Tergoviste nach Bukarest, d. h. in eine ganz freie und von gar keinem fortificatori- scheu Objecte beschützte Ebene anbefohlen. Bukurest ist daher seit 155 Jahren Hauptstadt der Walachei geworden. Diese von allen Seiten offene Stadt liegt am Flusse Dembowitza, hat einen größeren Umfang alS selbst Wien, indem die meisten Bojarenhäuser und Klöster nach orientalischer Art und auS Gesundheitsrücksichten große Gartenanlagen haben. Die Einwohnerzahl dürste wenig über 100,000 Seelen, d. b. 90,000 einheimische Romanen (Walachen) und 10,000 Fremde betragen. Dieselben bewohnen über 12 000 Häuser von verschiedener Form unb Größe ; übrigens hat die Stadt seit dem letzten furchtbaren Brande vom April 1847 durch die Neubauten von ganzen Gassen an Solidität und Geschmack sehr viel gewonnen. Die Ansicht derselben von Süd ost und Südwest ist prächtig, von Nordost und Nordwest dagegen monoton. Vier sehr lange Hauptstraßen: Mogosoia, Serbanu Voda oder ßeilueu, Tergula de afarâ und Caliti werden von unzähligen Keinen Gassen und Gäßchen durchschnitten. 130 Kirchen und Klöster ragen unter den Häusern hervor, aber im ganzen Umfange der Stadt erscheinen nur zwei Hügel als stragetisch wichtig, nämlich die Metropolie (wo die erzbischöfliche Residenz ist) und Curtea arsâ (der abgebrannte Fürstenbos), von diesen zwei Puncten aus könnte aber Bukurcsti blos beschossen aber keineswegs vertheidigt werden. Seit beinahe sechs Monaten ist Bukurcsti das Hauptquartier der russischen Armee geworden. Seit ihrer Gründung bis im Jahr 1853 hat die Stadt, deren tragische Erlebnisse zu ihrem Namen (Bukurcsti wird ins Deutsche am passendsten mit „Freudenstadt" übersetzt, daher die Aussprache Bukarest, Bucharest unrichtig ist) so schlecht passen, schon daS fünfte Mal die russischen Truppen in ihrer Mstie beherbergen müssen, nämlich von 1669 — 1774, von 1806—1812, von 1828—29 unb weiter bis 1851 und im gegenwärtigen Kriege. Wer Bukurest nie gesehen hat, kann daher wohl mit Recht fragen: Hal Bukurest eine so große strategische Wichtigkeit, daß demselben gerade im Kriege eine so bedeutende Rolle zugewiesen wird? Aber eine solche Annahme wäre dennoch verkehrt : Bukur:st mag in jeder andern, z. B. commer- cieller, politischer Beziehung, von Wichtigkeit sein, allein in strategischer Hinsicht ist die Stadt ohne alle Bedeutung. Die Gerüchte und Befürchtungen von einer möglichen Schlacht dicht bei und in Bukarest sind keineswegs gerecktsertiget. Es gibt zwar in Bukarest auch manches festungsarlig gebaute Kloster, aber kein Feldherr wird es sich beikommen lassen, seine Kräfte durch die Vertheidigung von Plätzen zu zersplittern, welche doch auf die Länge nicht zu halten wären.
E»r Kei
Briefe aus Bosnien und der Herzegowina melden übereinstimmend, daß die türk. Behörden darauf dringen, daß in den christlichen Belhäusern für den Sieg der türkischen Waffen Gebete verrichtet werden. Vielfach vorgekommene Weigerungen haben auch schon zu verschiedenen Beschwerden geführt.
Nach Nachrichten des „Univers" auS Jerusalem vom 29. Nov. dauern dort die kleinen Zänke zwischen Griechen und Lateinern fort, von denen man jetzt schon fast vergessen Hal, daß Rußland einzig und allem aus ihnen den Anlaß zu den gcgenwärligen Verwickelungen entnahm. Den türkischen Behörden wird von beiden Seiten zugemuthet, sich in diese unwürdigen Händel zu mischen, unb hätte Fürst Menczikoff seine Mlision nicht bereits erfüllt, so würde er sein Material auf angemessene Weise durch folgenden Vorgang haben vermebren können: Der lateinische Patriarch von Jerusalem, Msgr. Valerga, befand sich mit dem Missionär Abbö Mortain in Seit Djalla, wohin er diesen halte begleiten müssen, weil der griechische Clerus sich aus allen Kräften der Installation eines katholischen Geistlichen in diesem gleichwohl von einer Anzahl Katholiken (24 Familien) bewohnten Dorfe widersetzte. Der Patriarch war kaum zwei Stunden in Veit Djalla, als er vom Pascha den Befehl erhielt, den Missionär aus dem Dorfe zu ent- feriien. Der Pascha berief sich dabei auf einen vor drei Jahren von den Griechen ausgewirkten Firman, der den Katholiken verbietet: 1) zu Leit Djalla eine Kirche zu bauen, 2) dort zu predigen, 3) dort, unter welchem Vorwande es sei, zu verweilen. Mgr. Valerga wandte sofort ein, daß die Kapitulationen zwischen der Pforte und Frankreich den Franzosen das Recht geben, sich im ganzen ottomanischen Reiche zu etabliren, daß er nur von diesem Rechte Gebrauch mache, indem er zu Leit Djalla einen französischen Missionär einsetze, unb daß er ihn dort halten werde, bis man ihn mit Gewalt vertreibe. Der Pascha wagte es nicht weiter einzu- schrcilen und die Dinge stauben dergestalt noch am 29. November.
Nach einer Depesche aus Tiflis vom 2. Dec. find die westlichen Beglerbegliks (Districte) beauftragt worden, für die Unterkunft zahlreicher Truppen, welche an die Grenze marschiren werden unb bereits in Bewegung sind, Sorge zu tragen.
Verantwortlicher Revacteur: Dr. JL ^eculL
