Einzelbild herunterladen
 

Matischer Natur sein soll. Der Angeklagte, der alsbald nach Eröffnung der Sitzung von zwei GenSd'armen hereingeführt wurde, trug die große Uniform eines Ge- neralstabs-Capitäns. Er ist ein schöner Mann von seiner Haltung, groß und schlank gebaut. Seine Haare und Bart sind blond, in's Röthliche spielend. Obschon erst 30 Jahre alt, ist seine Stirn schon etwas kahl. Seine gedankenvolle und strenge Physiognomie scheint einen durch Studien und Erfahrungen gereiften Geist zu verrathen. Seine Augen sind nicht groß, lassen aber in ihrem etwas unsicheren Ausdruck gleichzeitig Ent- schlossenheit und Milbe lesen. Seine Stimme, als er auf die Fragen des Präsidenten antwortete, er heiße Theodor Albert de Laporte, sei 30 Jahre alt, habe auf der polytechnischen Schule studirt u. s. w., verrieth trotz seiner von Natur sicheren Haltung eine tiefe innerliche Bewegung. Was die beiden andern Hauptheldeu des tragischen Prozesses betrifft, so schildert man die Frau V. Neuilly, eine geborne Mademoiselle de Billoutray, als eine Frau, die in Cbalons mehr den Rnf einer geist­vollen, als den einer hübschen Frau halte. Sie hatte in Paris eine glänzende Erziehung genossen und war 19 Jahre alt, als sie im J. 1835 den damals 43 I. alten Grafen v. Neuilly heirathete. In Afrika, wohin sie ihm folgte, verlor sie zuerst ein Kind von 3 Jahren, und später in Chalous, wie bekannt, die einzig übrig gebliebene Tochter. Diese Verluste hatten sie tief er­schüttert, und man sah sie oft Stnndeu lang am Grabe ihrer Tochter in stumpfer Verzweiflung verweilen oder heiße Thränen vergießen. Diesen Schmerz empsanb nicht minder der General. Aber anstatt daß der gemeinschaftliche Kummer die beiden Gatten einander näher gebracht hätte, schienen sie sich vielmehr nur immer ferner zu stehen: der Graf wurde schwierig und streitsüchtig, die Gräfin düster und schwärmerisch. Der General seinerseits war ein Mann von schönem Aeußern, groß und von gebie­tender Haltung. Gegen seine Freunde und Dienerschaft war er wohlwollend und freundlich, dagegen gegen Fremde oft hochfahrend, wcßwegen man ihm in Chalon den Beinamen : „Le bellâtre de Neuilly" gegeben hatte. Aus seiner militärischen Laufbahn ist nur seine Bethei­ligung bei der Unterdrückung einer der blutigsten Pari­ser Aufstände zu erwähnen. Sowohl er, als seine Frau waren vermögend. Letztere lebt nicht, wie angegeben worden, in einem Kloster, sondern in Paris. — (Wie bereits erwähnt, hat das Kriegsgericht den Kapitän Laporte freigesprochen. Reb.)

. Großbritannien.

London, 17. Dec. Der greise Marquis v. Lauèdowne hat den Entschluß gefaßt, seinem Freunde Palmerston zu—folgen; ja, wie in gut unterrichteten Kreisen behauptet wird, ist der Marquis sct'on vor dem ViScount ausgetreten, so daß man in Downing-Street schon am Dienstag davon unterrichtet sein mußte. Aber die ganze Wahrheit auf einmal zu enthüllen, wäre un­praktisch gewesen. UcbrigenS treffen, so berichtet die lith. englische Correspondenz, alle nur erdenklichen Gründe' zusammen!, die es wahrscheinlich machen , daß Lord Palmerston durch auswärtige Ereignisse und durch einen vom Premier ohne Berathung seiner Kollegen gefaßten Entschluß von großer Wichtigkeit zum Austritt bestimmt wurde. An die Reformbill hat außer Lord John und Times in der letzten Zeit niemand mit be­sonderem Interesse gedacht. Von den zahllosen Ge­rüchten, die sich im Westend kreuzen, heben wir die plausibelsten hervor. Nicht nur Lord Lansdowne, heißt es, sondern auch Mr. Fitzroy (der Unter staatssecretär des Innern) wird ausscheiden. Das Gerücht, daß Lord John Russell dem Beispiel seines Nebenbuhlers folgen wolle, fand auch einige Gläubige. Aber gewiß ist, daß Lord John das Portefeuille Palmerstons er halten wird. TimcS erklärt sich heute sehr warm für diese Modification und wirft bei dieser Gelegenheit dem Ausgetretenen ein paar Bitterkeiten nach. Was den Eindruck betrifft, den der „zürnende Achill" durch seine Trennung von der Coalition Hervorgebracht hat, so war er anfangs vorwiegend peinlich und erschreckend. Als ein Symptom betrachtet, konnte die Nachricht nur be­täubend wirken. Sie schien Allen als das untrügliche Signal, daß England die Türkei im Stich läßt und vor Rußland die Flagge streicht. Darauf kam die Re­flexion, daß das Cabinet Lord Palmerstons Verlust nicht lang überleben könne. Der graue Jüngling, sagt man in den Clubs, bat den Jnstinct der Ratte, und verläßt ein sinkendes Schiff. Aus diesem Grunde wurde das Ereigniß in mehreren improvisirten Meetings und in vielen'öffentlichen Localen sogar bejubelt. Und mit Bestimmtheit prophezeiten viele Fachpvlitikcr, daß Lord Palmerston nur ausgeschieden sei, um nach wenigen Monaten, vielleicht Wochen, als Premier an die Spitze eines neuen „nationalgesinnten" Cabinets zu treten. Das Gerede von einer' Coalition zwischen Palmerston und Disraeli lassen wir auf-sich beruhen.

Für heute Nachmittag ist ein Cabinetsconseil beru­fen. Ein Courier wurde noch in der Nacht nach Schott­land abgeschickt, um Lord Panmure (Fox-Maule) nach Lon­don einzuladen und sich durch ihn die Gewißheit zu verschaf­fen, ob die Whigs gesonnen sind, den neuen Reformplan Lord John Russells zu unterstützen. Das Hauptprincip ( dieser neuen Reformbill besteht, wie eS jetzt heißt, darin,

i allen Flecken, die weniger als 500 Wähler haben, das RepräsentationSrecht zu nehmen und die dadurch er­ledigten Sitze auf die Grafschaften und Fabrikstädte zu vertheilen.

Rußland.

Nach einem Schreiben aus Odessa vom 8. d. M. lugt das türkische Kauffartheischiff „Mebari Tidjaret" abgetackelt im Hafen zu Sebastopol. Von Zurückstel­lung desselben war noch keine Rede. Die Gefangenen liegen in den Casematten, Osman Pascha wurde im Arsenale untergebracht; er kam am 5. Morgens an, und scheint am Kopfe eine schwere Wunde zu haben. Die übrigen gefangenen Türken tragen sämmtlich grö ßcrc und kleinere Brandwunden. Sebastopol und Odessa werden mit neuen Strandbatterien versehen, welche die See auf weiten Strecke hinaus kominiren.

Die Gefechte bei Azgur und Achalzik waren zwei verschiedene Gefechte. Bei Azgur erbeutete General- Major Brunner ein feindliches Geschütz, vier Fahnen, drei Feldzeichen, eine Menge Flinten, Gepäck und Mu­nition. Die Türken verloren 90 Todte ; die Zahl der Verwundeten ist unbekannt. Rufsischerseils wurden qe- tobtet 4 Gemeine, verwundet 3 Oberoffiziere und 26 Gemeine; von Milizen wurden 2 getöbtel und 4 ver­wundet. Dieses Gefecht deS General-Majors Brunner, welches am 18. November bei Azgur vorfiel, war nur der Anfang weiterer glänzender Erfolge der russischen Waffen. Jetzt ist der Bericht deS Statthalters im Kau­kasus, General Adjutanten Fürsten Woronzow, cingctrof- fen über einen entscheidenden Sieg, welchen 7'/, Batail­lone der 13. Jnfanterie-Divifio» nebst 14 Geschützen, 9 Ssotnien Kosaken und 17 Ssotnien Miliz am 26. November in der Nähe von Achalzik über das 18,000 Mann starke türkische Corps Ferik Pascha's davon ge­tragen haben. Die russischen Truppen befehligte in die­ser ruhmvollen Schlacht der General-Lieutenant Fürst Andronnikow. Der Rapport des General Lieutenants Für­sten Andronnikow an den Herrn Ober-Befehlshaber des abgesonderten Kaukasischen Corps, d. d. 27. November 1853 lautet: „Nachdem ich am 24. November in Achalzik angekommen war, stellte ich eine Recognoscirung der feindlichen Position an und überzeugte mich, daß der Feind in einer unzugänglichen Loclitat gelagert war, vom Dorfe Ab bis Ssupliß. Seine Position war außerdem durch viele Verhaue und Batterien, befestigt. Die Lage der Stadt und des Kreises Achalzik verlangte ein entschiedenes Handeln, um so mehr, da mir 9Lid? richten zukamen, daß der Feind Verstärkungen erhalten hätte und er noch dergleichen aus Arbagan, Adshar und KarS erwartete. Am 26. November mit Tagesanbruch entsandte ich eine Colonne von 4 Bataillonen Infan­terie nebst 14 Geschützen (unter diesen Geschützen be­fand sich eine Division der Garnison-Artillerie von Achal­zik, welche am Tage vorher gebildet worden und deren Bedienung aus den Regimentern genommen war, die Pferde, wo man sie her bekam, darunter auch Post- pferde), um den Feind in der Fronte beim untern Ssup­liß anzugreifen, und gegen den linken Flügel, am Flusse Pvs'chvw-Tschai, eine andere Coloune von 3% Batail­lonen nebst 3 Berggeschützen, 9 Ssotnien Kosaken, 12 Ssotnien Tiflisscher und Gorischer Milizen zu Fuß, 3 Ssotnien Ossetischer Miliz und Freiwilliger und 2 Sset- nien Freiwilliger vom adligen Corps. Der Kampf begann mit einem Artilleriefeuer und bauerte, ohne zu schweigen, bis 11'/, Uhr Morgens von beiden Seiten gleich heftig und ununterbrochen. Eine solche Hart­näckigkeit deS Feindes bei Vertheidigung seiner Position überzeugte mich, daß eö unvermeidlich sei, ungeachtet der bedeutenden Tiefe des PoS'chow-Tschai und des dem Feinde günstigen TerrainS, znm Sturme zu schreiten und der Affaire mit dem Bajounet ein Ende zu machen.

Der Feind wehrte sich verzweifelt in den Verhauen, Häusern, Gärten und auf jedem Fleckchen Erde, wo sol­ches möglich war. Unter dem nahen Kartätschenfeuer der ganzen feindlichen Artillerie und dem ununterbroche­nen Flinten-Bataillonfeuer ging unsere Infanterie durch den Fluß, bis zur Brust im Wasser, und stürzte sich mit solchem Ungestüm und so einmüthig zum Angriff, daß ber Feind, trotz seiner Hartnäckigkeit, zum Weichen genöthigt war. Der erste Schritt zum Rückzüge war auch der Anfang der Niederlage und gänzlichen Auflö­sung der Türken. Hier, in Ober- und Untcr-Ssupliß, wurden dem Feinde 9 Geschütze abgenommen, beim Dorfe Pamatsch 3 Geschütze, von denen 2 Berggeschütze. Die Straßen, Häuser und der ganze Raum bis zum Dorfe war mit Leichen bedeckt. Während bei der Haupt- Position, rechts vom Flusse PaS'chow Tschai, das ver­zweifelte Handgemenge wüthete, entspann sich links von demselben ein anderes Gefecht: hier bemerkte man seit 10 Uhr ein bedeutendes feindliches Detachement, aus Infanterie und Kavallerie bestehend, welches längs den Höhen der Abas-Tuman-Berge heraneilte, um sich mit den Seinen zu vereinigen. Gegen dieses Detachement wurden 6 Ssotnien Kosaken entsandt, und um 2 Uhr begann das Scharmützel mit demselben. Zur Unter­stützung der Kosaken wurde eine Abtheilung der ersten GebirgS-Batterie und zwei der dem Feinde abgenom­mene Geschütze von der rechten Seite des Pos'chow Tschai gegen daS türkische Hülfscorps gewandt; die 6 Kosaken-Ssotnien, nebst dem aus Ober-Ssupliß ihnen zugesandten adeligen Corps, griffen den Feind rasch an, '

schlugen ihn und warfen ihn in die Flucht. Mehr alt 200 Todte blieben auf dem Platze; die unversehrt Ge­bliebenen flohen und konnten, trotz aller Anstrengungen, sich nicht mit dem Haupt-Detachcment vereinigen. Beim Untergänge der Sonne hörte der Kampf auf, da keine Gegner mehr vorhanden waren. — Unser Verlust in diesem heißen und hartnäckigen Kampfe, welcher von TageS-Anbruch bis zum Untergange der Sonne bauerte, ist, soviel mir gegenwärtig bekannt, nachstehenbcr: ge- tödtet wurden 1 Offizier und 39 Gemeine; verwundet: der General-Major Freilag, zum Glück nicht gefähr­lich; der Oberst-Lieutenant Freygang, vom Generalstabe; der Oberst-Lieutenaut Birjukow, vom 21. Donischen Kosaken Regiment; 6 Stabs- und Oberoffiziere und 179 Gemeine; die Angabe über die Zahl der Getödte- len und Verwundeten bei den Kosaken, der Artillerie und den Milizen sind noch nicht eingegangen. Der Verlust auf Seilen deS Feindes muß außerordentlich groß sein; mehr als 1000 Leichen blieben auf dem Platze; in die Festung sind 120 Gefangene abgeliefert worden, von der Infanterie, der Kavallerie und Artil­lerie, darunter ein Mullah, ein Rentmeister und die Leute eines Pascha. Im Kampfe wurden genommen 10 Feld- und zwei Gebirgs-Geschütze, 2 Artillerie Parks, mehrere Fahnen, Standarten und eine Menge Feldzei­chen ; erbeutet ungeheuere Vorräthe von Proviant und Fouragc und das Lager.

Ionaufürttenlhümer.

Die Berichte vom Kriegsschauplätze an der Donau lauten widersprechend. Siebenbürgische Blätter mollen auS Crajova bestimmt wissen, daß am 4. Dec. eine große Schlacht bei Calasat statlgefundcn habe und die Türken in vollem Vorrücken auf die Hauptstadt der kleinen Walachei begriffen seien. Man hatte indessen in Wien telegraphische Nachrichten ans Bukarest bis zum 13. Dec., nach welchen die Waffenruhe überall ungestört fortbauerte, und cs müßte angenommen wer­den, daß alle Nachrichten aus Crajova nach dem russ. Hauptquartier systematisch verheimlicht werden.

Nach einer Depesche aus Bukarest vom 10. d. M hat Omer Pascha sein Hauptquartier, welches, wie ge’ meldet, von Schumla nach Rasgrad vorgeschoben wor­ben war, nun nach Rustschuk verlegt. Fuad Effeiidi ist mit Omer Pascha in Rustschuk angekommen. Man glaubt, daß die Türken dort einen Uebergang zu forci- ren beabsichtigen, da ein großer Theil der Truppen von Schumla nach Rustschuk gezogen worden ist. Tiefer Schnee bedeckt seit den letzten Tagen Novembers daS ganze Land, und jede Communication ist sehr erschwert. Auch Silistria ist mit Truppen überfüllt und erhält noch immer neue Zuzüge. So lange die Donau >o viel Treibeis führt wie jetzt, ist übrigens an einen Ue­bergang nicht zu denken.

Ein Bericht aus Bukarest vom 12. d. meldet, daß die neuesten Dispositionen der Russen der Ver­muthung Raum geben, daß am griechischen St. Nico« lauSfeste (morgen) die Ausführung eines gewaltigen Coups beabsichtigt sein dürfte, der die Säuberung der Walachei auch bei Calafat zum Zwecke hätte.

Am 13. Vormittag fuhren zwei russische Dampfer, wovon einer vier Kanoiicn^Schaluppen hatte, gegen Mat­schin, wobei sich eine sehr heftige Kanonade entspann, die bis Nachmittags dauerte.

Reisende, welche Orsowa am Samstag verlassen haben, sagen aus, die Türken hätten zum Theile das Lager bei Calafat verlassen und in den umliegenden Dörfern Winterquaticre bezogen. Die Donau ist mit Treibeis bedeckt, so daß Schiffe nicht mehr verkehren können, was die Stellung bei Calafat für kurze Zeit isolirt und nicht ungefährlich macht. Die Türken fürch­ten sehr einen Marsch der Russen durch Serbien (waS übrigens, so viel man in Wien weiß, unbegründet ist) und beobachten die serbische Grenze scharf.

Von dem Dannenberg'schen Corps stehen nach ganz verläßlichen Berichten in der kleinen Walachei unter General Anrep bereits 16,000 Mann Infanterie und 4 leichte Kavallerieregimenter mit 5120 Pferden.

Türkei.

In einem Schreiben der „Agr. Ztg." von der montenegrinischen Grenze wird ausgeführt, daß die gegen den SenatSpräfidenten Peter Petrovic erhobene Anklage, Theilnehmer an einer Verschwörung gegen den Fürsten Danilo gewesen zu sein, auf der Denunciation eines Dieners desselben beruhe, der sich damit von einer großen Geldstrafe habe befreien wol­len. Das Schreiben bestätigt zugleich, daß die Ver­haftung und Hinrichtung des Peter Petrovic und der mit ihm Angeschuldigten: des Senators Stephan Kuka, Serdars von Baice, Milim Martinovic und Wojwo- den von Berda Vid Boskovic vom Fürsten befohlen gewesen sei.

Semlin, 11. Dee. Nach officiellen Nachrichten, die in Belgrad angekommmen sind, haben die Russen den Angriff auf die türkischen Verschanzungen bei Kala- sat begonnen.

Bei dem Brande von Sinope soll auch das k. k. österreichische Consulatsgebäude von den Flammen er­griffen worden sein.

Verantwortlicher Redacteur- Dr. A. Maczek.