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Josephs zu Gunsten deS Herzogs von Reichstadt nach der Julirevolution behandeln, endlich seine Korrespon­denz mit einer großen Anzahl bedeutender Personen bis zu seinem Tode 1844 enthalten.

Die Dampfcorvette Solon, auf welcher sich der ab­berufene französische Gesandte de la Conr zu Constan- tinopel eingeschifft, ist vorgestern in Tonlon eingetroffen. Wegen des heftigen Gegenwindes hatte der Genannte nebst seiner Familie schon im Piräeus die Colveite ver­lassen und die Reise über Triest foitgesetzt.

Der „Patrie" wird aus C o u sta u i i n o p el vom 20 Nov. berichtet, daß die französischen, englischen, tür­kischen und ägyptischen Seestrettkräfte sich an diesem Datum sämmtlich im Bosporus befanden. Die tür­kische Flotte, seit kurzem zurückgekehrt, sollte nicht wie­der auSlanfen. Einige einzelne Schiffe waren noch im schwarzen Meere; man versicherte aber, der Divan habe beschlossen, daß man nur nach Divisionen von drei oder vier Kriegsschiffen dahin abschicken solle, um den Kampf gegen die russischen Dampffregalten bestehen zu können, welche auf vielen Puncten kreuzen. (S. u. Türkei.)

Telegraphische Depeschen sollen aus Lissabon die Nachricht überbracht haben, daß der Kronprinz von Portugal ganz in Kurzem für majorenn erklärt und zum Könige ausgerufen werden solle. Eine zahlreiche und einflußreiche Partei soll gegen die Regentschait des Gemahls der verstorbenen Königin s-hr eingenommen sein. Von einer Sympathie für die Prätendentschaft Dom Miguel's scheinen übrigens bei der Bevölkerung noch keine Spuren hervorgctrcten zu sein.

Spanten.

Madrid, 28. Nov. Die Opposition dcè Senats ist etwas ruhiger geworden. Man glaubt, daß der­selbe der Regierungs-Botschaft bezüglich der Eisenbahn­frage seine Zustimmung geben wird.

Die Infantin Luisa Fernanda und ihr Gemahl, der Herzog von Montpcnsicr werden am 17. Dec. von Sevilla nach Madrid abreisen, um dcr Nicdelkuuft der Königin Isabella beiznwobnen.

Belgien.

Brüssel, 3. Dee. Der Herzog und die Herzogin von Nemours sind gestern Abend um 5 Ubr in Ostende eingetroffen und haben sich bald nachher nach Dover eingcschifft.

Niederlande.

Haaft, 1. Dec. 'Am verflossenen Mittwoch hat dcr Herr Erzbischof von Utrecht in d^r Seminarkirche zu Hoeven aus den Händen des Bischofs von Breda das Pallium entgegengenommen. Durch diesen feier­lichen Act (fügt die „D. Vocköhalle" dieser Nachricht bei) ist der Wiederherstellung der kirchlichen Hierarchie in den Niederlanden sozusagen die Krone aufgesetzt worden.

Sraßbritaunien.

London, 2. December. Ob ein paar englische Dampfer in das schwarze Meer ausgelaufen oder nicht, darüber weiß man hier noch immer nichts Bestimmtes; (die betreffende Nachricht wird von verschiedenen Seiten als unacgrüudet bezeichnet) für einstweilen begnügt man sich damit, dieser Kreuzfahrt, wenn sie wirklich stattgc- funden, eine friedliche Deutung su geben. — Der Dis­konto ist seit gestern wieder etwas gestiegen. Die Zu­rückziehung der 800,000 L. für russiiche Rechnung aus der Bank hat — wenn sich der englische Stolz auch nur widerstrebend bequemt, cs cinzugestehen — für den Augenblick einen sehr beengenden Kinsing auf den Geld­markt, und wären die Geschäfte des letzten Jahres nicht so überaus blühend gewesen, so hätten wir unffhlbar schon von zahlreichen Fallissements hören müssen. Glück­kicher Weise braucht man vor solchen (Eventualitäten noch immer nicht bange zu sein. Die Hoffnung auf eine friedliche Lösung der türkischen Differenz ist übri­gens seit einigen Tagen in den contmercieUeu Kreisen sehr hcrabgcstnumt, und alle russischen Export-Artikel sind in Folge dessen wieder bedeutend in die Höhe ge­gangen.

Der arme Lord Aberdeen, dessen Rücktritt der „Ad- vertiser" als eine ausgemachte Sache betrachtet, ist die Zielscheibe aller Witzbolde geworden. „The Press" er­zählt, wie er am letzten Nebeltage auf der Heimkehr vom Cabinets Conseil sich verirrte und statt nach Ar- gyll Place nach Nr. 24 Chcsham Place (der russischen Gesandtschaft) gerieth. Die (Überraschung des Verirr­ten sei jedoch eine angenehme gewesen, indem er erklärte, sich da ganz heimisch zu fühlen. Punch fragt, weßhalb, da der Geiandtschaftsposten in Kanton erledigt sei, man nicht den Premier Hinscnde. Das himmlische Reich würde ihn gewiß passend finden, da er einer chinesischen Theekiste gleiche: außen Firniß, innen Holz.

ßur Jahresfeier der polnischen Revolution fand" am 29. November ein Meeting im großen Con­certsaal von Hannoversquare statt. Sämmtliche Emi­grationen waren vertreten. Worcel präsidirte; im Na­men der russischen Emigration sprach Herzen; für die deutsche Dr. Ruge (Kinkel war zu einer Vorlesung über die neueste Geschichte Deutschlands vom litterarischen Institut in Greenwich für gestern Abend engagirl); für die französische Ledru-RoUin; für die ungarische Dr. Ronay; für die polnische Slaniewics und Darasz. Mazzini, der im Programm als Sprecher für die ita­lienische Emigration angekündigt war, entschuldigte sich

brieflich mit Unwohlsein, und Kofsuth, der eS sich zum Princip gemacht zu haben scheint, bei keinem Meeting mehr zu reden, war ebeüfalls nicht erschienen. Die Re- den können wir ihres revolutionären Inhaltes wegen nicht Wiedergaben; die von Herzen war noch die geist­reichste,, die von Ruge die abgeschmackteste; am revo- lutionäisten und derbsten war die des Engländers Lin­ton, der als Srcretâr des polnischen Centralausschus» scs fungirt. Der Saal war in allen seinen Räumen übervoll. — Der letzte Versuch zur Herstellung des un­terseeischen Telegraphen zwischen Irland und Schott­land ist eben so wie der erste mißlungen, obgleich zwei größere Negierungsdampfschiffe den Unternehmern bei ihrem Vorhaben behilflich waren.

Der wunde Fleck der jetzigen englischen Seerüstun­gen, wie mehr erwähnt, ist die Bemannung. Wie die „Plymouth Mail" meldet, sind in den letzten zehn Wochen nicht weniger als 500 Matrosen und Sersol- baten von Kriegsschiffen in den heimischen Häfen befer- tirt. — In den britischen Seehäfen stirb Placate an­geschlagen werden, nach welchen 10,000 Reservematro- seu, durch freiwillige Anwerbung aus den Reihen der Handelsmarine, für die königliche Marine in Dienst ge­nommen werden sollen; die Dienstzeit wird nicht über fünf Jahre reichen; es sind verschiedene günstige Wer- bcbcdnrgnngen augeboten.

Malta, 24. Nov. Sir E. Lyons ist auf der Dampfsregatte „Terrible" hier angekommen; er soll Dundas ablösen, der laut der „Malta Mail" zum er­sten Lord der Admiralität besignirt sei. Auch bas 8tiiien= schiff „Oucen" mit 110 Kanonen ist zur Verstärkung des Mtttelmccrgeschwaders hier eiügelaufen.

Rußland.

Kalisch, 30. Nov. (Lloyd.) Das Heraunahen deS Osten Sackcn'schcn Corps auf den Kriegsschauplatz beirrt uns keineswegs in unsern neulich ausgesprochenen erneuerten Friedcnshoffnungen, denn daS erwähnte Corps ist bald nach dem russiichcn KiiegSmanifcste in Marsch gesetzt worden , wie wir zu seiner Zeit berichtet-haben, unb nur die Ankunft der Vorhut dieses Corps in Jassy ist von mehreren Blättern verfrüht angegeben worden. Rußland ist noch nicht in der Lage um seinen in Be­wegung gesetzten Truppen Gegenbefehle zu ertheilen oder feine umfassenden Rüstungen einzustellen, denn cS ist der urgircude Theil, und das Nachgeben, resp, die Ausrechlhannug längst bestehender Beiträge, ist an der Türkei. Wir basiern unsere abermalige FriedenShoff- Nilugen eben nur auf die herabgestimmten Hoffnungen der Kriegsparlei in Konstantinopel, welche mit jedem neuen russischen Truppenzuge sinken müssen und auf die Verwickelungen unb Verlegeuhcffeu , welche der cu- eopäsichen Diplomatie aus einer siegreichen Offensive der Russen sich darbieten würden und die man gewiß gern zu vcimcibeu wünscht. Auch der Zuzug des Lü- beis'ichen Cvipö- Antheiles nach Galacz und Jbraiia ist in Folge mit der Kriegserklärung erfolgter Befehle geschehen, eben so wie die Anmärsche mehrere Reserve- Corps, welche erst in Wochen ihre Bestimmung errei­chen werden. Alle diese Trnppenzuzüge werden dazu beitragen, entweder bei der gegenwärtigen Lage der Dinge schon jetzt. ober bei fortgesetzten Feindseligkeiten schon narb der ersten Schlacht auf bulgarischem Boden den Frieden und die Haltung der Verträge von den Türken zu erzwingen. Bis jetzt sind die Türken nur durch Gefechte aus der großen Walachei vertrieben wor­den, es wurde dort gar keine Schlacht geschlagen, eine solche kann nur der Cvrrcspondent des „Morning Chivnicle" mit seinem Vergrößeruugsglase gesehen haben, weicher mit seinem Berichte eine würdiges Seitenstück zum „Journal de Constauliuople" liefert, welches mit vier türkischen Bataillonen die russische Armee (!) in die Flucht schlagen läßt. — In Polen und Rußland ist man ganz gegen den Frieden gestimmt, denn das Mi- liiär, das Volk und bie griechische Geistlichkeit sind be­geistert für den Krieg und wünschen sehnlichst eine Züch­tigung der Türken. Es ist daher nicht zu verkennen, daß der Kaiser eine große Selbstüberwindung zum Opfer bringt, indem er fortwährend auf die Vermittlungen und Vorschläge der europäischen Höfe zu Gunsten des Frie­dens cingeht, während derselbe alle Macht besitzt, wel­che zur Demüthigung türkischer Hartnäckigkeit führen würde.

St. Petersburg, 25. Nov. In Folge faiferL Ukases vom 15. Nov. Hat der StaatSsecretär Geheime- rath Graf Panin die Verwaltung des Justizministeriums wieder übernommen.

Die russischen Blätter bringen ein officielles Akten­stück über die Landung von 10,000 Mann russischer Truppen mit zwei Batterien und 827 Pferden auf der asiatischen Küste durch bie Flotte von Sebastopol. Die russische Flotte des schwarzen Meeres befehligte Nachi- moff, dessen Flagge auf dem Dreidecker Konstantin auf­gehißt war. Die Flotte, welche in Sebastopol stalio- »irt ist, bestand aus 14 Dreideckern, unter denen 4 mit 120 Kanonen, 10 mit 84 Kanonen, 2 Fregatten mit 54 Kanonen unb 2 mit 44 Kanonen, 2 Korvetten, 7 Dampfschiffen, unter welchen eines von 400, 3 von 200, 2 von 120 und 1 von 44 Pferdekraft und 11 Transportbalken. Der allerhöchste Befehl zur Trans- portilung kam am 13. September. Bis zum 17. war alles in Ordnung, so daß an diesem Tage in Anwesen»

beit des Fürsten Menczikoff die Einschiffung erfokgsck konnte. Der Generaladjntant Koruiivff dirigirte die Landung der Truppen. In' Suchum-Kale, wo ba» seichte Wasser eine Landung größerer Schiffe nicht zu lägt,- haben nur bie Dampfer unb Transportschiffe ihre Ladung a.nSgeschifft, während die größeren Schiffe mit der Mannschaft nach Anakria dirigirl wurden und da­selbst glücklich landeten. Am 24. war die Ausschiffung vollendet.

Dsna.lfürttenthümer.

In Berichten von der untern Donau, die bis zum 30. reichen, werden die Schanzen, welche die Türken bei Calafat erbauten, als großartig, sehr fest und sehr zweck­mäßig bezeichnet. Bei hundert Kanonen stehen auf den Wällen. Durch die Thatiache ivirb der theilweise Rück­zug der Türken nach 'Wibdin erklärlich, da dort bessere Unterkunft zu finden ist, die Eommunicalion jederzeit offen steht, und zur Vertheidigung der Schanzen bei Calafat 6 bis 8000 Mann genügen. Die gegenwärtige früh eingetretene strenge Kälte trifft besonders die Asi­aten sehr empfindlich. Die Erkraickungen unb Sterb- fälle werden täglich häufiger. Das österreichische Waf­fen Ausfuhrverbot wurde am 25. in Orsowa bekannt gemacht. Die Russen standen am 30., einige Streif­züge abgerechnet, noch immer in defensiver Stellung bei Krajowa.

Die letzte Bukarester Post hat der „Kronstädter Ztg." Nachrichten bis zum 24 Nov. gebracht. Außer den großen Bewegungen der kaiserl. russischen Armee war an der Donau alles in tiefster Ruhe. Die Tür­ken haben an seiner Stelle einen Versuch gemacht, auf das linke Donannfcr zu übersetzen. Das türkische Ar» meccorps, welches in Calafat steht, wurde, weil die Zeit zum Angriff noch nicht gekommen war, in Ruhe gelaff fcn. Aber bie Tage sind zu zählen, wo der Kampf aufs Neue beginnen wird! — Die Türken haben meh­rere siebenbürgische Scbafhccrde als Eigenthum öster­reichischer Staatsangehöriger ans Bulgarien, ohne es anzutasten über die Donau transporrird

Die Patrie schreibt: ,-Die letzten Nachrichten aus Bukarest melden die Ankunft des mit einer besondern Sendung betrauten Generals Abrainowitich. Dieser General ist der Oberbefehlshaber der Genöd'armerie des polnischen Heeres. Er ist kürzlich zum Chef deS Geueraistabs des Fürsten Paskewitsch ernannt worden, und seine Anwesenheit in den Donaufürsteuthümern wird als ein Vorbote des baldigen Erscheinens deS Fürsten PaSkiewitsch betrachtet."

Nach einem Haudelsschrciben ans Ginrgcwo vom 20. vorigen Monats, halten bis zu diesem Tage bei der Smurda fast täglich Plänkeleien staitgefunden. Die der Smurda gegenüber liegende Insel hießen die Tür­ken noch besetzt; rückwärts gegen das rechte Ufer zu ankerte die Kriegsfloiille, bestehend aus 1 Dampfer, 1 Goelette und 4 Kanonenböten. Die Russen hatten die Schiffbrücke über den Kanal bereits vollendet, dieselbe jedoch vorläufig in drei Theile zerlegt, die, wenn erfor­derlich, in einer Stunde zusammeugefügt werden können. Auch haben bie Russen 30 große Flnßkähne her gerichtet und in Bereitschaft gehalten. Mit Ruseuk ist natür­lich alle Commünication unterbrochen. Am 19. zeigte sich auf den Bergen von Ruscuk der erste Schnee.

^iirhet.

Confiantirlvpel, 21. Nev. Unter vorstehendem Datum läßt lich die Wiener Presse schreiben: Der neue französische Gesandte, General Baraguay d'Hilliers, hat 20,000 neue Gewehre, wie sie bereits die Scharf­schützen bei Ollenitza mit so gutem Erfolge angcwendet haben, mitgebracht. Ich weiß nicht, soll ich sagen, der Gesandte oder der General Paraguay hatte gestern auch eine vierstündige Berathung mit den Admiralen der vereinigten Flotten. WaS der Gegenstand derselben war, ist nicht bekannt geworden, aber noch an demsel­ben Abende gingen Couriere nach Frankreich und Eng­land ab. Der General hat gestern auch mit seiner Suite, in welcher sich ein vertrauter Freund des Kai­sers befinden soll, die BefestignngSwerkc und daS Ar- senal besucht uad am Abende noch eine Konferenz mit Lord Rcbcltffe «abgehalten, welche sich bis Mitternacht hinauszog. Der Sultan hat neuerdings allen Paschas und Ui'terbeamtkN in den Provinzen das brüderlichste und freundlichste Benehmen gegen die christlichen Unter­thanen der Pforte einschârfen lassem Von den mit General Baraguay nach Konstantinopel gekommenen französischen höheren Offizieren sind, nach der „K. Z.", zwei nach Battnm, zwei nach Widdin unb drei in das Hauptquartier nach Schumla zu Omer Pascha ab- gcgangen.

Die Triester Ztg. bringt noch folgendes aus Con­sta ntinop el vom 21. v. M. Seit mehreren Tagen wild von gewöhnlich gut unterrichteten Männern die Meinung ausgesprochen, daß es der Diplomatie im Laufe des Winters doch noch gelingen dürfte, die Dif­ferenz auszuFteichen. Man rechnet dabei auf die Nach- ! giebigkeit bes Czars. Hier ist eine angeblich« Procla- mation des Kaisers Nicolaus an seine Armee im Um­läufe, in der cS u. A. heißt: „Durch Gott bin ich Euer Anführer, mein Blut und daS meiner Kinder setze ich ein, um unsere ReligionSbrüder von dem barbarischen Drucke der Türken zu befreien, und mein Ha US wird nicht früher ruhen, als bis ihr Land unter Rußlands