Einzelbild herunterladen
 

Nach einer dem Morning-Chronicle aus Wien tele- graphirten Depesche seines constantinopolitanischen Kor­respondenten vom 25. Oct. haben auch die Feindselig feiten in Asien begonnen und ein ernstes Treffen am 21. stattgefunden.

Die Arbeitseinstellungen in Wigan haben wie be­reits gemeldet, einen sehr bedrohlichen Charakter ange­nommen und zu Excessen geführt, die bei der besonnenen englischen Arbeiterklasse in der letzten Zeit sehr selten vorgekommen waren. Die Arbeiter der benachbarten Kohlengruben führten den Reigen, und wir sahen mit Bedauern, daß sich die Fabrikarbeiter des Bezirks ihnen angeschlossen haben. Es waren im Ganzen ihrer 11,000, darunter an 5000 Kohlenarbeiter, die schon mehr denn vier Wochen feiern, weil ihre Herren sich nicht dazu verstehen wollten, ihnen die geforderte 16'/2 Procent betragende Lohnerhöhung zu bewilligen. Sie waren auf den entschiedenen Widerstand ihrer Arbeitgeber diesmal nicht gefaßt, und, durch das lange Feiern demoralisirt, verwildert und in die größte Noth versetzt, rotteten sie sich am vergangenen Freitag zusammen, brachen in die Häuser ihrer Herren, zertrümmerten Fensterscheiben und Hausgerâthe , versuchten Feuer anzulegen, antworteten auf die Vorstellungen des Mayors mit Steinwürfen, machten einen Angriff auf das Hotel, wo ihre Herren zusammengekommcn waren, und wichen erst dann, als Militär zum Schutze der Stadt aus Preston requirirt worden war. Seitdem ist nun die Stadt ruhig; es wurden mehrere der Ruhestörer, zumeist Irländer, ver­haftet; die Polizcimannschast, die aus nur eilf Perso­nen bestand — zwei Offiziere und einen Invaliden mit eingerechnet — , hatte sich gleich beim Ausbruche des CravalleS vor der Uebermacht bescheiden zurückzie­hen müssen.

Uußland.

Petersburg, 28. Oct. Je länger sich die Lö­sung des russisch-türkischen Streites hinschleppt, desto zuversichtlicher sieht man dem Triumph der Politik des Petersburger Cabinets entgegen. Für Rußland können die politischen Constellationen sich nur günstiger gestal­ten. Die Allianz der Westmächte wird, nach hiesigen Ansichten, nicht von Dauer sein, sie ist, wie hiesige Zei­tungen sich ausdrücken, nur momentane Nothwendigkeit. Das ängstliche Suchen nach einem praktikablen Aus­wege wird Rußland schwerlich zur Nachgiebigkeit geneigt machen. Sein letztes Wort ist bis jetzt die Wiener Note, und es verlautet nichts darüber, daß man von derselben abzugehen gedächte. — An die Neutralität "Oesterreichs glaubt man dafür um so fester, und man will wissen, daß dieselbe auf Wunsch des russischen Ca- binets erklärt wurde, das eben nur wünschen kann, den Krieg in möglichst enge Grenzen einzuschließen. An Serbien und Montenegro sind Weisungen von Rußland zugegangen, sich friedlich zu halten, weil Rußlands Macht groß genug sei, um den Kampf allein durchzu­führen. — Die Nachricht in Wiener Blättern von der Zurückberufung beurlaubter russischer Offiziere ist unbe­gründet; des Lieutenants v. Meyendorff Abreise von Wien gab dazu Veranlassung. Anfangs dieses Jahres ist dieser Offizier bei seinem Regimente am Kaukasus schwer verwundet und darauf nach Petersburg gebracht worden. Nachdem er von seiner Wunde geheilt war, besuchte er seine Familie in Wien und begibt sich jetzt gänzlich hergestellt wieder zu seinem Regimente. — Die âllmälige Dislocation des Armeecorps in Polen — nicht aber der Abmarsch desselben nach dem Süden, wie an­derswo behauptet wurde — deutete man ebenfalls als Kriegsmaßregel; dies scheint sie aber vorderhand noch nicht zu sein, da Polen ein Aequivalent an Besatzung erhalten müßte. (H. N.)

Donaufürttenthümer

Bucharest, 27. Octbr. (F. P. 3 ) Die be­schlösse Abreise des Fürsten Stirbey von hier, sobald die Feindseligkeiten zwischen den Russen und Türken wirklich zum Ausbruche reif würden, ist lange kein Geheimniß mehr, und in der That mußte die Stellung desselben unter solchen Umständen zu einer Anomalie werden. Er traf daher schon längere Zeit Vorbereitungen dazu, indem er seine Effecten in ein Kloster an der siebenbürgischen Grenze, bringen ließ. Nun hat ihn vor einigen Tagen der Oberbefehlshaber Fürst Gortschakoff selber aufgefordert, einstweilen abzu­danken und sich aus der Walachei zu entfernen. Prinz Georg, ältester Sohn desselben und Oberst im wala- chischen Militär, ist in Folge davon schon heute nach Hermannstadt abgereist und hat den fürstlichen Privat­schatz mit sich genommen. Stirbey selbst dürfte morgen oder übermorgen folgen, und beide, so heißt es, werden sich nach Wien begeben. — In unserer Stadt ist theil­weise das Kriegsgesetz publicirt worden. In einer Bekanntmachung wird, zufolge einer Note des russischen ConsulatS, der Befehl ertheilt, 1) daß alle russische Kauffahrteischiffe, so wie jene unter moldau- walachischer Flagge von heute an aushören sollen, die Donau zu befahren, und auf jenen Puncten zu ver­bleiben haben, wo sie sich jetzt befinden; 2) daß jede Verbindung der beiden Donauufer aufhören und der Verkauf von Waizen, Salz und anderen Objecten an die Türken zu unterbleiben habe. Die Uebertreter die­ses Verbots fallen der kriegsgerichtlichen Behandlung anheim; 3) unterliegt den Kriegsgerichten gleichfalls

jedermann, der überwiesen wird, mit den Türken Corre- spondenzen oder andere Verbindungen zu pflegen. Man sieht selbst der Versetzung der Stadt in völligen Be­lagerungsstand entgegen, da sich unter der Bevölkerung häufig Sympathien für die türkische Sache zeigen. — Der hiesige Polizeiinspector, ein Schwager des Fürsten Stirbei, hat abgedankt. — Man will wissen, daß in der hierher gebrachten russischen Buchdruckei Reisepässe und Marschrouten nicht bloß für Offiziere, sondern auch für Privatparteien im Namen des Kaisers Nicolaus angefertigt werden.

Aus Bucharest, 24. Oct., wird der Brest. Z. geschrieben: „Nachdem die Türken vor einigen Tagen die Insel, Kalafat gegenüber besetzt und dort Schanzen aufzuwerfen angefangen haben, gehen heute Nachrichten ein, daß sie an mehreren anderen Puncten zugleich an- fangen, Schiffbrücken zu bauen, und daran denken, auch dort die Donau zu überschreiten. Diese Punkte sind, so viel man bis jetzt weiß, bei Giurgewo (Rustschuk), Kalafat, Turnusevenn und Kalarasch. Die Türken wollen wahrscheinlich durch dieses Manöver nur die russischen Streitkräfte trennen und ihre Hauptmacht dann auf einen Punkt werfen. Es dürfte dies auch wahrscheinlich eher auf einem der beiden Flügel, als im Centrum ge^ schchen, damit die Russen ihre Macht nicht so schnell wieder concentriren können. Omer Pascha ist so kampf­lustig, daß er es gewiß nicht aufschiebt, sich mit den Russen zu messen, sobald er es darf, und der Zeitpunct, es zu dürfen, ist ja da, seitdem der gesetzte Termin ab­gelaufen ist. — Nach der Besetzung der Donau-Insel bei Kalafat feuerten die Türken einige Kanonenschüsse ab, die aber von den Russen nicht erwiedert wurden. — Die Bestimmung der Bevölkerung ist hier eine sehr ge drückte, weil man fürchtet, daß Omer Pascha nicht ün Stande sein wird, die Rohheit seiner uudisciplinirten Truppen im Zaum zu halten.

Unterm 28. Oct. meldet die Brest. Z. aus Bu­cha re st: „Neulich landete bei Oltenitza in einer dun­keln Nacht ein Fahrzeug mit Türken. Dasselbe wurde von einem Kosakenposten angerufen. Die türkische Mann­schaft antwortete: „„Gränz-Soldaten"", in walachischer Sprache, ohne natürlich die Parole geben zu können. Ob hierauf der Kosak zuerst feuerte, ist mir nicht be­kannt. Die Türken aber gaben eine Salve und kehrten auf ihrem Fahrzeuge nach dem jenseitigen Ufer zurück."

Die dem wesentlichen Inhalt nach bereits erwähnte telegraphische Depesche der „Oest. Corr." vom 4. d. über die an der Donau vorgesallenen Gefechte lautet: Bukarest, 2. Nov. Nach einem, dem Fürsten Gort- schakoff heute zngekommenen Berichte sind gestern um die Mittagszeit 800 bis 1000 Mann Türken vor Gi- urgevo (gegenüber von der türkischen Festung Rustschuk) erschienen und haben diese StM Vèsch o s s è 'u. Es entspann sich ein Gefecht längs des Dammes, wobei einige Russen und mehrere Türke» gefallen, mib einige Civillisten von Giurgevo verwundet woide» sind. Die Türken zogen sich stromaufwärts, und russische leichte Kavallerie nebst einigen Geschützen zog ihnen in der­selben Richtung nach. — Bei Kalafat fallen täglich kleine Vorpvsteiigefechte vor; vorgestern Nachmittag wurde ein russisches Piquet von 50 türkische» Infan­teristen überfallen, wobei 2 Kosaken getödtet wurden. Nachdem die Russen Verstärkung erhalten hakten, zogen sich die Türken mit Hinterlassung von 4 Todten auf Kalafat zurück. Fremdes Eigenthum , unter Anderem Oesterreichische Getreidemagazinen, sollen von den Tür­ken verschont worden sein.

Ueber den Vorfall bei Jsaktscha bringt der Kron­städter Satellit" nach Privatmittheiluugen folgendes. Den 27 türkischen sollen 80 russische Kanonen erwie» dert haben, und wird überhaupt der Zusammenstoß als sehr heiß geschildert. Die Dauer der Kanonade wird abweichend zwischen 2 und 4 Stunden angegeben, eben so der Verlust der Russen, welcher sogar in einem Be- richte mit 30 Todten , worunter 3 Offiziere und 64 Verwundete angeführt erscheint. Die russische Flottille bestand aus 8 Kriegsschaluppen, wovon jede 3 große und 7 kleinere Kanonen an Bord hatte. Jsaktscha ist eingeâschert, und die türkische Batterie soll vernichtet worden sein. Die Türken haben sich landeinwärts ge­zogen ; ihr Verlust, der nicht unbedeutend sein dürfte, ist bekannt. Uebrigens haben auch die Türken brav geschossen; das eine Dampfboot, welches die Kanoncu- schaluppen remorquirte, hat viel gelitten und mußte mit den Kanonierbooten in Galatz bleiben, um reparirt zu werden. Ein zweites Dampfboot erhielt 7 Schüsse, kam aber mit seinen Schaluppen glücklich bis Dschurd- schu. E'n drittes Dampfboot kam arg zugerichtet in Braila an. Ein Bericht aus Galatz meint, die Russen hätten die Absicht gehabt, bei Jsaktscha einen Uebergang zu bewerkstelligen.

Man schreibt aus Belgrad vom 22. Oct., daß der neuernannte Militärgouverneur Hadschi Izzet Pa­scha, früher Gen. Gouverneur von Tripoli in der Ver­lieret, seine Amtswirksamkeit mit Anordnung neuer Be­festigungen Belgrads unter Aufwerfung von Schanzen, Errichtung von Pallisadcnwerkcn 2C. begonnen hat. An die Ausführung wird unverzüglich geschritten werden.

Türkei

Die der „Tr. Z." zngekommenen, bis zum 24. Oct. reichenden Berichte aus 'Konstantinopel, nähren zuver­

sichtliche Friedenshoffnungen, obgleich die englisch frein« zösische Flotte in der Dardanellenstraße liegt, die Frist zur Räumung der Fürstenthümer abgelaufen ist und allerlei Gerüchte von Zusammenstößen der feindlichen Armee, u. A. bei Batlum, im Umlaufe waren. Die veränderte Stellung der vereinigten Flotten hat kaum einen Eindruck gemacht; man war darauf vorbereitet, und die Schiffe mußten wegen der Witteruiigsverhält- nisse entweder zurück oder vorwärts gehen. Die Flotte wird vorläufig im HelleSpont Lawsaki, an der afia« tischen Küste, gegenüber von Gallipolis, verweilen, spä­ter bis Kutali im Marmorameer vorrücken, und nur aus besonderes Begehren der Pforte in Konstantinopel selbst einlaufen. — Die russische Flagge darf in den türkischen Gewässern nicht mehr aufgezogen werden, doch ist den russischen Schiffen der Seeweg durch die Meerenge noch nicht verschlossen.

Der Tumult, der vorige Woche in der Hauptstraße von Pera vorfiel, besteht nach der „Tr. Ztg." darin, daß eine Anzahl betrunkener italienischer Flüchtlinge und Vagabunden sich tumultuarisch in der Hauptstraße um» hertrieb und endlich gewaltsam in ein Haus erbringen wollte. Die Polizeibehörde war genöthigt, gegen sie mit den Waffen einzuschreiten, und es kam zu einem förmlichen Kampf, wobei es auf beiden Seiten Todte und Verwundete gab. Eine politische Seite hat der Vorfall nur insofern, als die Pforte nun «inzusehen be« ginnt, wie lästig ihr der verwilderte mit Stiletten be­waffnete Wespenschwarm des europäischen Auswurfes werden kann.

Die Antwort des Fürsten Gortschakoff, welche Tefik- Pascha nach Stambul überbrachte, lautete nach der Nat. Ztg. lakonisch so: „daß der Oberbefehlshaber der Occu- pationsarmee Befehl weder zum Vorgehen und Angrei­fen, noch zur Räumung der Fürsterthümer von seinem Monarchen habe". Wie diesem Blatt ferner gemeldet wird, hätte» die vereinigten Flotten nach dem jüngsten Bericht aus Konstantinopel Gallipoli am 21. pafftrt und Befehl erhalten, sich echelonnirt längs der asiatischen Küste von Terapia ab bis Laja« kos, Sultan ich u nd To buk atu aufzustellen.

Das russische Generalconsulat ist von Smyrna nach Athen verlegt worden.

In einem Privalschreiben aus Konstantinopel heißt es über die vier Hauptracen, welche das ottomannische Reich bewohnen: Eine einzige hat das Recht, Waffen zu tragen ; aber abgesehen hiervon, hängt sie in allen Dingen von den drei andern ab. Diese dominirende Race sind die Osmanlis oder Türken. Hierauf kommt die Griechische. Sie ist eifrig, thätig, gewandt, die Seele der Türkei. Ueberad und immer ist der Türke zwar der legale Chef, aber der Grieche schafft und thut Alles. Die dritte Race ist die der Armenier. Sparsam, wucherisch, geschmeidig, lieben sic die Türken, ihre Herren; sie borgen ihnen Geld, aber zu unglaublichen Zinsen. Sie sind sämmtlich Banquiers, (serafs), in ihre Hände laufen die Früchte der von den Paschas gemachten Erpressungen zusammen; wenn sie diesen Würdenträgern Vorschüsse machen, setzen sie ihnen einen der Ihrigen an die Seite, um die Finanzen des Paschalik zu leiten und den Lö- wen'Authil des Borgers in Beschlag zu nehmen. Fol­gen die Juden, welche sich zwar zu bereichern wissen, aber von der Verachtung der Türk.n erdrückt werden. In einer Krisis des Reiches wollte ein Sultan Nutzen aus den Juden ziehen; er organisirte ein Bataillon aus ihnen. Aber diese unglücklichen Soldaten konnten sich nicht auf der Gasse sehen lassen, ohne verhöhnt und mißhandelt zu werden. Also von vier Racen, welche die Türkei bewohnen, hat nur eine ben Wunsch und das Recht, sich zu vertheidigen. Von den andern ist die bedeutendste der herrschenden im Höchsten Grade feindlich; die beiden andern sind unmächtig.

America.

Bei einem am 14. Oct. zu Neuyork gehaltenen Meeting europäischer Flüchtlinge wurde der ehemalige Adjutant MieroslawSkis, der Major Leonhard I. Jerz- manowSki (auch Oberbefehlshaber der französischen Le­gion in Sicilien) fast einstimmig gewählt, um in den Vereinigten Staaten die Bildung eines Corps Freiwilliger zur Unterstützung der Pforte zu betreiben.

Die Weser-Zeitung Enthält folgende Veröffentlichung: Die Menge von Anfragen, welche mein Anerbieten, be­treffend die im Kriege 'der Vereinigten Staaten gegen Mexico gebliebenen Deutschen und deren Nachlaß, nach­dem dasselbe von allen Zeitungs - Redactionen ausge­nommen worden, aus allen Gauen Deutschlands — theilweise weit über den Gegenstand des Erbietens hinaus — hervorgerufen hat und fortwährend Hervorrufl, nöthigt mich zu der Erklärung, daß zwar alle Anfragen beantwortet werden sollen, daß aber die durchgängig beigefügten Gesuche auf „umgehend", „schleunig", „in ben nächsten Tagen" nicht berücksichtigt, sondern täglich nur zwölf Antworten ausgefertigt werden können, wo­bei ich für die noch folgenden Anfragen ersuchen muß, die Briefe „ganz frei, iiicl. des Bestellgeldes", zu frankiren. Sämmtliche deutsche Zeituugs-Redactiouen werden um Aufnahme dieses gebeten. Bremen, 1. Nov. 1853. Dr. Schilling._____________

Äcranllvoriücyer JiecaetfuruDr. A. Koczetr.