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sehen hiervon jedenfalls durch die Acten constatut sei, daß die Betreffenden mit Mazzini und seinen Bestrebun­gen in der engsten Verbindung stehen.

Die zweite Abtheilung der deS Freiburger April- aufstandeS Angeschuldigten wird also nicht in Freiburg, sondern in Bulle vor die Assisen gestellt werden. Der Angeklagten sind eilf, sie waren flüchtig und haben sich, wahrscheinlich aufgemuntert durch den Ausgang der er­sten Assisen, freiwillig gestellt. Nun werden sie von einem anderen, vermuthlich radicaleren Geschwornenge- richte beurtheilt als die erste Abtheilung; es ist also möglich, daß sie in Bulle verurtheilt werden, während sie in Freiburg freigespkochen worden wären. Das Demoralisirende, daS in einer solchen zweifachen Elle liegt, ist entsetzlich, es liegt darin die förmliche Auf­forderung an die Parteien, jede amtliche Stellung zur Unterstützung der Meinungsgenossen zu verwenden. Wenn dieser Geist in unserem Volke anfkommcn würde, dann wäre die Jury das schrecklichste Zwingnri, das noch je den Boden eines freien Landes befleckt hätte.

Spanien.

Madrid, 5. Sept. Ueber die Art und Weise, wie der nordamericanische Gesandte, Mr. Svnlö, cnip. fangen werden soll, ist die Regierung noch immer in großer Verlegenheit. Man will die Ankunft des Hrn. Calberon de la Barca, der in den nächsten Tagen in Madrid eintréffen wird, abwarten. Calderon, unser früherer Gesandter in Washington, ist mit Soule schon bekannt, Niemand vermag besser als er der Regierung Aufschluß über das Betragen eines Mannes zu geben, der bei seinem Abschiede von New-Aork so feindselige Gesinnungen gegen Spanien an den Tag gelegt hat. Allein glaubt man hier, Soulë habe dies nur gethan, um seinen Freunden in America und der dortigen demo­kratischen Partei Sand in die Augen zu streuen, seine Sendung sei eine sehr friedliche, er sei ganz mit der Politik des Präsidenten der Vereinigten Staaten ein­verstanden, die in Bezug auf Spanien augenblicklich nichts zu wünschen übrig lasse.

Großbritannien.

London, 9. Sept. . Das anhaltende Weichen un­serer Course, namentlich der gestrige Fall in Consols, hat zu dem Gerüchte Veranlassung gegeben, man habe im auswärtigen Amte die telegraphische Meldung aus Wien erhalten, der Kaiser von Rußland habe die Ab- änderungsvorschläge der Türkei abgelehnt. Dieses Ge­rücht, daS gestern sofort nach Paris telegraphirt wurde, und seine Wiikung auf der dortigen Börse nicht ver­fehlte, ist falsch. Es war im auswärtigen Amte aller­dings eine telegraphische Depesche aus Wien eingetrof- feil, der Inhalt derselben ist jedoch nicht bekannt gc- worden. Die Stimmung ist mittlerweile in der City sehr gedrückt, und es wirkt eine große Menge von Um­ständen mit, diese Gedrücktheit hervorzubringen. Oben­an steht die Ungewißheit wegen deS Ausganges der russisch-türkischen Differenzen und der immer mehr um sich greifende Glaube, daß dieselben nicht befriedigend und nicht für die Dauer erledigt werden dürften. Je ungünstiger die politischen Verhältnisse im Osten sich gehalten, desto größer wird der Geldbedarf auf dem Kontinente und die Baarausfuhr aus England; dieses beweisen die Wechselcourse der letzten Wochen. Dazu kommen die großen Summen, die zum Getreideciukauf aus dem Lande wandern und andererseits durch den ge­steigerten Export nach den Colonien in Anspruch genom­men werden. DaS sind, wie schon vor Wochen bemerkt wurde, Moment'', die zum Theil nicht über Nacht und auch nicht in wenigen Tagen weggezanbert werden kön­nen. Die vermehrte Goldzufuhr aus Australien hält mit der Nachfrage nach Gold nicht Schritt, so bedeu­tend sie auch ist, und der Haarvorrath der Bank wird auch in dieser Woche eine weitere Abnahme Nachweisen. Er schmilzt jetzt schon seit neun Wochen um 90,000 bis 304,000 L., so daß das Minus im Juli und 91 u= gust 1^. Mill. Pfund betrug; und wir sind noch immer weit davon entfernt, auf eine Zunahme rechnen zu dür­fen. Unter diesen Verhältnissen müssen wir wieder dar­auf aufmerksam machen, daß, wofern nicht eine glückliche Wendung in den politischen Zuständen eintritt, wir ei­ner weiteren Erhöhung des B a n k d i s c o n» to's noch in diesem Monat entgegen sehen müssen.

Nach einer telegraphischen Depesche der „Kölnischen Zeitung" ist Elphinstone zum Gouverneur von Bombay, Thomasson zum Gouverneur von Madras ernannt.

Die „Times" bringt ebenfalls einen kriegerischen Artikel. Sie gesteht, daß England beim Frieden das Stärkste und Höchste aus dem Spiele stehen hat; sie fügt jedoch hinzu: Sind wir aber einmal provocirt und dabei fest überzeugt, daß die Ratio ualehre auf dem Spiele steht," so werden wir uns dem Kampfe mit Leidenschaft und Aus­dauer hingeben.

Das Wochenblatt „Economist" wirft einen traurigen Rückblick auf die sechs Monat langen russisch-europäisch,n Unterhandlungen, zu deren Resultat sich Rußland allein Glück wünschen könne. Der Czar habe jedenfalls seinen Zweck erreicht; denn sein Ziel war nicht die unmittel­bare Eroberung der Fürstenthümer, noch das Protecto- rat über 12 Millionen Griechen; er wollte für jetzt der Türkei eine neue Wunde beibringen, und die breite

Straße, die ihn eines Tags nach Constantinopel führen soll, ein paar Stationen weiter pflastern. Dieses Ziel habe er erreicht, und der Westen sei daher factisch ge­schlagen. Der „Economist" will damit, wie er sagt, weder der englischen noch der französischen Regierung einen Vorwurf machen. ES habe kaum anders kom­men können! Bei dem jetzigen Standpunkt der Civili­sation müsse der Kampf zwischen Rücksichtslosigkeit und Vorsicht, zwischen Kriegslust und Friedensliebe, Ehrgeiz und Humanität stets ein ungleicher sein! Ohne diese Philo­sophie deS Handelsblattes weiter zu kritisiren, geben wir seine ferneren Betrachtungen im Auszug wieder. Ange­nommen, daß Rußland die abgeänderte Conserenznote annimmt und die Fürstcnthümer sofort räumt, bleibt ihm folgender Gewinn. Es hat, erstens, der politischen slavisch-griechischen Bewegung an der Donau einen neuen Anstoß gegeben, indem cs den Moldauern, Wa­lachen, Serben u. s. w. die Schwäche der Türkei in Europa handgreiflich bewiesen hat. -Es hat, zweitens, die Organisation der Hospcdariatc zerrüttet, die Be­völkerung mit dem Gedanken an russische Herrschaft ver­traut gemacht, und sich Verbindungen gesichert, durch die es jeden Augenblick Unruhen erregen und Ver- chwörungen anzetteln kaun, die Vorwand zur Interven­tion geben werden. Es hat, drittens, die Türkei ge- zwungtn sich, finanziell zu entkräften, und dadurch den Grund zu künftigen Krisen zu legen. Endlich hat eS der Loyalität und dem patriotischen Eifer der OSmanen einen verhänguißvollen Stoß gegeben. Die fernsten Stämme des Reichs sind zur Vertheidigung des Halb­monds aufgeboten, und dann bcschieden worden, sich thatlos, ehrlos und muthlos zu unterwerfen. Ein nochmali­ger Waffenruf in späterer Zeit wird kaum Glauben fin­den kaum ein Echo wecken. Alles dieß hat Rußland mit Hülfe der Alliirtcn des Sultans gegen den Sultan auSgerichtct. In diesem Raisomment ist gar nichts neues. Es ist nur beachtenswerth, weil man cS in den Spalten eines angesehenen nationalökouomischen Blat­tes findet, welches bisher die Politik des Cabinets Aber­deen mit Wohlgefallen betrachtet und oft mit Wärme vertheidigt hat. Wahrscheinlich — schließt der Econo- mist bestand unser Fehler darin, daß wir nicht gleich, als der Pruth überschritten wurde, die Flotten in das schwarze Meer sandten, und die Dardanellen sowie den Pontus den Kriegsschiffen aller Nationen offen erklär­ten. Rußland hätte dann gern jede Bedingung ange­nommen, um ein Ercigniß abzuwcuden, das ihm furcht­barer als jedes andere scheint. Und, fragt der fried­fertige Nationalonom mit gesperter Schriftök: isteSdenn setzt zu spät zu diesem entscheidenden Schritt, falls Rußland die Räumung, unter irgend jenem Vorwand, um einen einzigen TuK-verzögern sollte?

Italien.

Mailand, 8. Sept. Die Gazz. di Mil. enthält heute das über 64 des Hochverraths, bei Gelegenheit des Aufstandes am 6. Februar d. I., augeklagte Indi­viduen gefällte Urtheil. Die über 20 derselben ver­hängte Todesstrafe ist in Einsperung in eine Festung verwandelt worden; die übrigen 44 wurden zu Zwangs- arbeit nnd anderen leichteren Strafen verurtheilt.

Verona, 7. Sept. Gestern überreichte die hie­sige Pvovinzialcongregation Se. Ex. dem F, M. Grafen Radetzky eine Glückwunschadresse aus Anlaß der Ver­lobung Sr. Maj. des Kaisers.

Man schreibt aus Florenz vom 2. September, daß in dem Kommando der österreichischen Truppen ein be­deutender Wechsel stattfinden wird. Der Fürst von Liechtenstein wird Florenz verlassen und den General Nobili, der nach Verona geht, in Bologna ersetzen. Ge­neral Crennevicke wird den Fürsten Liechenstein in Tos­cana ersetzen.

Rußland.

Kalisch, 7. Sept. (Lloyd.) Wenn man hier frägt, ob wohl der Kaiser von Rußland die Modifikationen der Türkei in dem Wiener Vergleichungsvorschlagc an­nehmen werde, so wird entschieden mit Nein geantwor­tet, und cs werden zur Begründung dieser Vorausge­setzten Antwort mehrere analoge Belege auS der bis- her vom Kaiser verfolgten Politik vorgebracht. ES ist auch gar nicht einzusehen, warum die hohe Pforte jene Modistcationen angebracht hat, wenn dieselben, wie es heißt, nur formell und fast nichtssagend seien. Ist dies geschehen, um den Schein der Nachgiebigkeit zu vermei­den, so wird gewiß in entgegengesetzter Weise der euer- gische Kaiser diese scheinbare Nachgiebigkeit noch weni­ger auf sich nehmen. Eben so verhält eS sich mit den türkischen Modistcationen , wenn denselben in St. Pe­tersburg einige Bedeutung beigelegt werden sollte, und wo dann die Annahme eine factische Nachgiebigkeit wäre, zu welcher sich dcr Kaiser gegenwärtig, wo die enormen Rüstungen mit der Aufstellung von Hundert­tausenden vollendet ist, nicht entschließen wird. Wenn sich nun die Sache so verhält, und dafür sprechen we­nigstens viele Gründe, so sind wir am Ende der orien­talischen Differenz noch lange nicht angelangt. Seiner­seits hatte der Kaiser schon seinen Friedenssinn und seine Neigung zu einer Vermittelung durch die Annahme des Wiener Vorschlags bekundet, und nur die Türkei hat abermals ihre Selbstüberschätzung und ihren hart­näckigen Sinn documentitt. * — Im Königreich Polen herrscht große Stille, aber an der moldauischen Grenze

haben die Truppenconcentrationen nicht aufgehört. Diese Truppenaufstellungen müssen schon deßhalb geschehen, weil Gleiches fortwährend von der Türkei geschieht und das türkische Heer an der Donau an numerischer Stärke das russische Jnvasionsheer bereits überbietet. ' Indessen mögen die Sachen stehen wie sie wollen, an einen Krieg glaubt man jetzt nicht mehr, denn solchen kann die Türkei unmöglich wagen, nachdem sie nach der gegen­wärtigen politischen Sachlage keine Bundesgenossen ha­ben kann. — Die Zeitungen bringen fortwährend die Nachricht, daß das zweite Jnfanteriecorps ausmarschi- ren werde, was aber nicht geschehen wird, und alle diese Nachrichten entstammen nur aus einer unlaute­ren Quelle.

St. Petersburg, 1. Sept. (H. N) Der Kai­ser hat an den Thronfolger ein allerh. Rescript gerich­tet, worin er die Borzüge, durch welche sich im Verlauf der stattgefundenen Jnspectionen, Manöver und Para­den das Garde- und das Grenadiercorps auszeichneten besonders hervorhebt und dem Cesarowitsch , als dem Urheber und Erhalter aller der Eigenschaften, durch welche sich diese Truppen so glänzend bewähren und der Armee zum Muster dienen, seinen herzlichsten Dank aus­spricht. — Vom Kaukasus wird gemeldet, die Gebirgs- Bewohner hätten zwei Forts Goztogajewsk und Ten- ginsk am 8., 9. u. 10. angegriffen, wären aber zurück« geschlagen worden; 8000 Tscherkessen, sagt der russische Bericht, hätten sich gegen die Station Nikolajewsk in Bewegung gesetzt, und von hier aus gegen Goztoga- jcwsk, das sie bis zur Krone der Brustwehr drei Mal berannten, dabei aber 800 Mann verloren. Die Rus- feil verloren den unausbleiblichen Iten Toden und hat­ten 1 schwer und 8 leicht Verwundete.

Die durch die Versandung der S u l i na m ü n d u ug am Auslaufen verhinderten Schiffscapitäue aller Natio­nen haben dem russischen Konsulate früher eine Denk­schrift und später einen Protest überreicht, in Folge des­sen am 25. v. Mts. die Baggerungsarbeiten begon­nen haben.!

* Petersburg, 2. Sept. Dem k. k. östr. F.-Z.-M. Grafen Giulay ist von Sr. Maj. dem Kaiser von Rußland der Alexander-NewSkyorden mit den diamantenen Insignien verliehen. — Der Bau einer Eisenbahn zwi­schen Riga und Dynaburg ist bewilligt und soll näch­stens beginnen.

Türkei.

Die am 6. d. Abends der „Triester Ztg." mittelst des Lloyddampfers „Jmperatrice" zugekommenen, bis 29. August reichenden Nachrichten aus Constantinopel enthalten nichts Thatsächliches von Belang über die türkisch-russisch Frage. Die am Wiener Notenentwurfe vorgenommenen Modifikationen haben, wie natürlich, die peinliche Ungewißheit, das Schwanken der Valuta, die Furcht der Gemüther und das Stocken aller Geschäfte nicht vermindert. Mit Spannring sieht man der An­kunft der Aeußerungen des russischen Cabinets entgegen. Daß unter solchen Umständen vielfache Gerüchte auf­tauchen, ist begreiflich, daß sie aber kaum eine reelle Grundlage haben können, da selbst durch Telegraph und Staffelte keine Erwiederung aus St. Petersburg angc- langt sein kann, ebenfalls. Es wird behauptet, daß das gegenwärtige Ministerium des Sultans kaum weitere Concessionen machen wird. Man wird sich aber endlich doch zu solchen verstehen müssen, und es liegt haupt­sächlich im Interesse der Pforte, dieselben so bald als möglich zu machen, denn ein Zustand der Dinge, wie der jetzige, wäre geeignet, auch ohne Schwertstreich den Untergang derselben langsam, aber sicher herbeizuführen. Uebrigens ist durchaus nicht zu befürchten, daß die am Wiener Notenentwurfe beliebten Aenderungen Veran­lassung eines Krieges werden könnten; die Haltung Frankreichs und Englands hat, besonders in letzterer Zeit, trotz drohender Noten und hitziger Parlaments- Debatten, zu. Genüge bewiesen, daß die beiden Mächte nichts weniger als den Krieg wünschten, ja, daß sie denselben, in richtiger Würdigung ihrer einigen In­teressen, eifrigst zu vermeiden suchen. Dafür sprichst be­sonders, daß sich Lord Redcliffc nunmehr darauf be­schränkt, seine Depeschen der Pforte einfach mitzutheilen, ohne seinen persönlichen Einfluß und seine besondere Meinung, die doch noch vor kurzer Zeit in der Wag- schale türkischer Politik so schwer wogen, geltend zu machen. Die Pforte ist jetzt, freilich etwas spät, zu der Einsicht gekommen, wie sehr die Rathschläge Oester­reichs uneigennützig und in ihrem eigenen Interesse sind, und es dient znr besonderen Beruhigung, zu erfahren, daß der kais. Jnternuntius der allein gehörte, hochge­schätzte Diplomat ist. — Der Redacteur des „Journ. de Constantinople," Hr. Nogues, wurde von der Pforte gewarnt, keiner Art bittere Artikel gegen Rußland mehr zu schreiben, da man ihm in diesem Fall das Blatt zu unterdrücken in Aussicht gestellt hatte.

Dießmal ist das russische Postschiff nicht angekom­men. Da das hier stationirte am gehörigen Tage, d. i. den 26. nach Odessa abgegangen, so ist für den Augen­blick der Bosporus von den Russen osficiell ganz geräumt worden. Vielleicht ist es nur Zufall. Man spricht, daß die russische Regierung den russischen Kaufleuten einen Wink gegeben sich nach und nach mit ihren Schiffen aufrussischem Gebiet einzufinden.

Verantwortlicher Revacteur: Dr. Aocrrk.