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Im Großen und Ganzen scheint die orientalische Diffe renz für jetzt beseitigt, und die noch übrigen Punkte derselben können von der Diplomatie binnen zwei bis drei Wochen pollständig in das Reine gebracht sein. Sind einmal die diplomatischen Beziehungen zwischen Rußland und der Pforte wieder hergestcllt, so wird cs wichtig sein, zu wissen, welcher Einfluß vorherrschend sein wird im Rathe des Sultans. Muthmaßlich wird es die Pforte in ihrem Interesse finden, sich möglichst innig an Oesterreich anzuschließen. Zahlreiche Symp­tome weisen hierauf hin. Der Einfluß Oesterreichs ist schon bedeutend und eS ist bereits bekannt, daß Frbr. v. Druck allein die Annahme der Wiener Vorschläge zu erzielen wußte, während die vereinten Bemühungen der Großmächte in mit Reschid Pascha wiederholt gehalte­nen Couferenzen erfolglos geblieben sind.

Wie der „Times" aus Paris vom 24. August ge­schrieben wird, erfolgte die Annahme der Pforte unter der unumgänglichen Bedingung, daß Rußland die Do­naufürstenthümer räume, bevor der neue Botschafter von Constantinopel abgeht. Nach der „R. Pr. Ztg." hat dw Pforte erklärt, sie fei bereit den DermittlungSvor- schlag der vier Mächte anzunehmen, indem sie vor- ansfetze, daß das russische Cabinct nach der Ratisi- cirung desselben den Abzug der Truppen auS der Moldau und Walachei sofort anordnen werde.

Wie man dem „Journal de Constantinople" vom 14. d. meldet, trafen in den Tagen vom 10. bis zum 12. Depeschen für die Gesandten von Oesterreich, Preu­ßen , England und Frankreich ein, welche von dem zu Wien 'äusgearbeiteten Vergleichsentwurf begleitet waren. Beinahe gleichzeitig mit den für den k. f. Juternuntius bestimmten Depeschen, somit am 10. d. M. traf die biö Semlin telegraphisch und von dort durch einen außer, ordentlichen Courier beförderte Nachricht von der An­nahme deS kaif. russischen Cabinets ein. Außerordent­liche Bewegung herrschte im diplomatischen Corps. Das Journal bezeichnet das Allerhöchste Schreiben Seiner Majestät deS Kaisers von Oesterreich als erfüllt von den edelsten und freundschaftlichsten Gefühlen für den Sultan. Dom 10. bis 14. fanden unablässig Bera­thungen über den Gegenstand bei der Pforte statt Ein großes Psortenconscil war zn demselben Behufe für den 16. d. M. ungesagt.

Dcntschlnnd.

* Wiesbaden, 31. August. Zu Anfang der nächsten Woche werden Sc. Hoheit der Herzog und I. H o h e i t die Frau Herzogin aus Norderney zurückerwartet.

Heute Morgen bcsnchtëH seit einigen'Willyen hier zur Kur anwesende Herzog von Northuniberland das städtische Hospital, dessen sämmtlicbc Räume und Einrichtungen er in sorgfältigen Augenschein nahm.

* Wiesbaden, 30. August. (Assisenverhandluug gegen Andreas Mohr von Münster, wegen ausge­zeichneten Diebstahls.) Der Angeklagte wurde von den Geschwornen für schuldig befunden und von dem Assi, senhofe zu einer Zuchthausstrafe von drei Jahren, so­wie in die UntcrsuchnngSkosten im Betrage von 210 fl. 6 fr., verurlheilk.

* Wiesbaden, 31. Aug. (Assiscnverhandlung gegen Erasmus Hieronimus von Oberliederbach, wegen Tödtung.) Erasmus Hieronimus, 29 Jahr alt, Landmann, ist angeklagt, am 19. Mai L I. seinen Schwiegervater, Wilhelm Jlmstadt von Oberliederbach, mit welchem er auf dem Felde beschäftigt war, in Folge eines entstandenen Streites mit der Hacke über den Schädel geschlagen zu haben, wodurch der Tod des Letzteren herbeigeführt wurde. Die Anklage lautet auf Tödtung im Affcct, eventuell auf Mißhandlung mit tödt- lichcm Erfolg. Hieronimus gab an, sein Schwiegervater sei in Folge eines ihm bcigebrachtcn Schlages mit der Hacke niedergestürzt und in die Zinken der Egge gefal­len. Der Schädel des Getödteten war gänzlich zer­schmettert und hat sich keine Wunde vorgefunden, die auf eine solche Veranlassung schließen ließe. Der An­geklagte will lange Zeit Haß gegen seinen Schwieger­vater genährt haben, weil dieser in unerlaubtem Ver­hältniß zu seiner eigenen Tochter gestanden habe, was jedoch von dieser in Abrede gestellt wird. Der Auge­klagte wurde stets alö ein ordentlicher fleißiger Mensch geschildert.

Die Verhandlung leitet Assisenvicepräsident Forst, als Staatsanwalt fungirt Staatsprocurator R e ijch m a n n, als Vertheidiger Procurator Geiger.

Nürnberg, 29. August. Nachdem Se. Maj. der König gestern tue Messe in der katholischen Kirche ge­hört, begab Allerhöchstdersclbe sich mit dem Frhrn. von Aufseß, dem Vorstände des Germanischen Museums, zur Besichtigung der Karthause, der Ruine eines inner­halb der Stadtmauern gelegenen Klosters mit vorzüg­lich schönen großen Kreuzgängen, die nebst den geräu­migen Gärten desselben zur Aufnahme des Germani­schen Museums und zur Errichtung neuer Gebäude für dasselbe in Vorschlag gebracht worden war. Hierauf besuchte Se. Majestät die permanente Ausstellung der „Bauhütte" im Katharinensaale und in Begleitung des Herrn Fabrikbesitzers Zeltncr das in der Nähe der Stadt gelegene landwirthschaftliche Institut Lichtenhof. Die Aeußerungen, welche hier Se. Majestät that, leg­

ten neuerdings Zeugniß ab von dem lebhaften Interesse, welches Allerböchstderselbe dem Gedeihen der Landwirth, schaff und der Industrie widmet, Nach der Tafel fuhr Se. Majestät nach dem Volksfestplatz auf dem Ludwigs- I selbe und von dort nach kurzem Aufenthalte in das I Schauspielhaus, wo Fcstvorstellung mit voransgehendem Festspiele stattfand. Hier wie überall, wo Se. Maj. sich öffentlich zeigte, wurde Allerhöchstderselbe von dem zahlreich versammelten Publikum mit dem herzlichsten Jubel begrüßt, und Jedermann erfreute sich des guten Aussehens des Monarchen. Nach cingcbrochcnem Dunkel erhellte wieder, wie bei Ankunft des Monarchen, eine ans freiem Antriebe der Bewohner veranstaltete Be­leuchtung, nicht weniger glänzend als die gestrige, die Straßen der Stadt. Bei der Zurückfahrt aus dem Theater waren, trotz des ziemlich heftigen Regens, dichte Volksmassen auf dem Wege, den Se. Majestät nahm, versammelt, welche ihre Freude durch lebhaften Zuruf zu erkennen gaben. Zn der heute eröffneten Ver­sammlung der Witschen Land- und Forstwirthe waren bis gestern Abend bereits über 500 Thcilnehmer eilige, zeichnet ; heute Morgen um 9 Uhr wurde deren erste Sitzung eröffnet, die jedoch etwas abgekürzt werden dürfte, da auf den Wunsch Sr. Majestät der heutige Volköfestzng statt um 2 Uhr, wie ursprünglich bestimmt war, bereits um 1 Uhr stattfindcu wird, indem nach der Rückkehr Seiner Majestät vom Ludwigsfelde, wo Allerhöchstdersclbe von der festlich geschmückten Tribüne aus den Zug vorüberziehen sehen wird, wieder große Tafel stattfinden ssoll. Se. Majestät gedenkt seinen Aufenthalt bis morgen zu verlängern.

Bamberg, 27. August. Der Beschluß des Stadt- Magistrats vom 10. Mai, wodurch die hiesige Schützen- gesellschaft für einen politischen Verein erklärt wurde, ist auf eingelegte Beschwerde der Schützenvorstände von der Regierung von Oberfranken bestätigt worden.

München, 28. August. Die Unterhandlungen, welche schon seit einiger Zeit wegen Verkauf's dcr her­zoglich Leuchtenberg'fchen Güter rc. re. in und bei Eich­stätt , dann des schönen herzoglich Leuchtcnberg'schen Pa­lais dahier eingeleitet waren, sollen nun zum Abschlusse gelangt und die sehr bedeutenden Besitzungen von ei­nem unserer königlichen Prinzen — man nennt Se. k. Hoheit Prinz Karl — erworben sein. — Unsere herzog­liche Familie mit J. k. Hoh. der Prinzessin Braut tor. Maj. des Kaisers von Oesterreich wird aus 'Ischl kom­menden Donnerstag wieder hier eintreffen und sich dann am Freitag nach Schloß Possenhofen am Slarnbergersee begeben. — Die Mneraldirecüon der königl. Vcrkehrs- anstaUen macht heute einen revidirten Taris für den Gü­tertransport auf den bayerischen Eisenbahnen bekannt, der am 1. September in Wirksamkeit tritt. — Heute wurde Nr. XVIII des VI. Bandes der „Düsseldorfer Monatshefte" auf Grund deS Art. 25 deS PreßgesetzeS mit Beschlag belegt. — Wie man vernimmt, soll der Laudtagöabgevrdncte Kolb, Duchdruckereibesitzer in Speyer die Absicht haben, aus Bayern auszuwandern und sich in der Schweiz niederzulassen; derselbe befindet sich zur Zeit auch bereits in Zürich und wird wahrscheinlich schon nicht mehr bei dem nächsten Landtage erscheinen. — In A ii g s b 11 r g soll eine Baumwollenspinnerei mit 20,880 Spindeln und einem Capital von 624,000 fl. in 1250 Aktien zu 500 fl. gegründet werden. Es handelt sich um eine Feinspiiinerei von 15,840 Spindeln (Nro. 60 bis 100 und höher), dazu 5040 Spindeln für niedere Nummern, die legern hauptsächlich zur Verarbeitung und vorthcilhasten Verwerthung des Abfalls bei den fei­nen Nummern. Da die Feinspiunerei im Zollverein noch so gut wie gar nicht existirt und dieser seinen Bedarf fast ausschließlich aus England und der Schweiz bezieht, so bietet sich dem Unternehmen ein großes Betriebsfflb. — Amtlichen Nachrichten zufolge wird die Eisenbahn­strecke von Jmmenstadt nach Oberstaufen am 1, Sept, eröffnet.

Von dem mit der Versteigerung der deutschen Flotte beauftragt gewesenen (oldenburgischen) Hrn. Staatsrath Fischer ist dieser Tage — bei Hoffmann in Leipzig — eine Schrift über die Jesuiten erschienen, von welcher die heutige Nr. 1 des hier erscheinenden Blatts: „Ka­tholischen Hausfreunds" sagt: daß die Jesuitensache in Hrn. Fischer den trefflichsten Anwalt der Neuzeit gesun­den habe. Herr Fischer ist Protestant.

Weimar, 27. August. Die Nachricht von der Gründung einer Bank wird durch die osficielle Staats­zeitung vom Mittwoch bestätigt. Diese Bank, heißt es nach den Statuten, wird mit einem Grund-Capital von 5 Mill. Thlrn., in 25,000 Actien zu 200 Thlrv. ein» getheilt, von einer Gesellschaft gegründet, deren Dauer auf 99 Jahre festgesetzt ist. Sobald eine Actiengesell- schaft von 17, Mill. Thlrn. nachgewiesen ist, tritt die Gesellschaft ins Leben.

Hannover, 27. August. (N. Pr. Z.) Der Mi­nister-Präsident Freiherr v. Schcle, dem ein Urlaub bis zum 8/ k. M. ertheilt worden war, ist von seiner Er­holungsreise nach dcr Schweiz gestern plötzlich hier wieder eingetroffen; wie wir aus guter Quelle verneh­men, in Folge einer an ihn vom Justizminister Wind- Horst adresstrten telegraphischen Depesche. Verschiedene politische Kreise schreiben diese unerwartet frühe Rück­kehr des Herrn v. Schele unserer Verfassungsfrage zu. Von glaubwürdiger Seite wird uns versichert, die Aus­

schreiben zur Neuwahl einer zweiten Kammer würden nunmehr in Kurzem erfolgen und den allgemeinen Stän­den demnächst die alten Verfassuugsgcsetze ganz unver­ändert zur Berathung und Abstimmung darüber vorge­legt werde». Finanzminister Bacmeister, welcher meh­rere Tage in Rothenkirchen (jetzt Residenz des Königs) verweilte, ist gleichfalls gestern wieder hier eingetroffen.

Kiel, 25. August. Prinz Christian zu Dänemark K. H. (wie jetzt der Thronfolger officiell genannt wird) weilt seit vorgestern in unserer Stadt. Er kam von Lonisenlund, wo er seinem Bruder einen Besuch ge­macht, und wird sich mit dem nächsten Schiffe nach der Dänischen Residenz zurückbegeben.

Magdeburg, 27. August. Wie verlautet, soll es nunmehr fest bestimmt sein, daß Se. Majestät der König zur Feier der Grundsteinlegung des Klosters St. Augustini im Monat October hierher kommen wird.

Berlin, 28. August. Die „Zeit schreibt: Der königl. württembergische Bevollmächtigte bei der Zoll- confercnz hat, dem Vernehmen nach, die ihm noch feh­lenden Instructionen erhalten. Die stattgefundene Ver­zögerung hatte, wie wir hören, ihren Grund lediglich in der Krankheit des betreffenden württembergische» De- partcmentschcfs gehabt. Zu den interessantesten Ver­handlungen' dcr Conferenz gehören jene in Betreff der UebergaNgSsteucr. Hauptsächlich in Betracht kamen die Ucbcrgaugssteuern von Wein und Weinmost, welche fol­gende Einnahmen geliefert haben: im Jahr 1847: 222,902 Thlr., 1848: 122,193 Tblr., 1849: 139,571 Tblr., 1850: 166,596 Thlr., 1851: 173,943 Thlr., 1852: 179,174 Thlr. Für einen Staat wie Preußen allerdings ganz unentbehrliche und auf keine andere Weise erschwingliche Einnahmen.

Wie die „Vofsische Zeitung" missen will, dürften zu dem im künftigen Monate hier stattfindenden evangeli­schen Kirchentag namentlich eine große Anzahl von evangelischen Predigern aus Mecklenburg eintreffen. Von'der Universität Rostock werden demselben Blatte zufolge die Professoren Philippi und Baumgart, und aus Schwerin der Superintendent Karsten dem Kirchentage beiwohnen. Zur Abhaltung der Abend- Gottesdienste , welche an jedem Abende der vier Ver­sammlungstage hier in eilf verschiedenen Kirchen statt­finden werden, hat das Comite an etwa 40 Geistliche aus Deutschland und dem Auslande Einladungen er­gehen lassen, und von den meisten bereits Zusagen er­halten. Wie das „C.-B." hört, hat auch unter Ande­ren Merle d'Aubignö in Genf seine Mitwirkung zugesagt.

Die Ztg. s. Ndtschl. läßt sich schreiben: Die kirch­lichen Angelegenheiten nehmen in nur sehr kleinen Kreisen das Interesse in Anspruch. Im Allge­meinen kümmert man sich wenig darum, daß die Be­deutung des Kirchentags noch dadurch erhöht werden soll, daß aus demselben auch ein Vertreter der englischen Methodisten-Congregation erscheinen wird. Von größerer Bedeutung ist es, daß die römische Curie durchgesetzt, die katholische Kirche in Preußen durch liegende Güter dotirt zu sehen. (Es handelt sich ja nur darum, die Einkünfte der Bisthümer auf den Domänenwaldungen sicher zu stellen.)

Gegen die Steigerung der Getreidepreise stehen ernst­hafte Maßnahmen in Aussicht. In den süddeutschen Staaten ist man bereits längst im Wege der Gesetz­gebung dagegen eingeschritten. Für Preußen wird es freilich schwer halten, gegen einen Theil allgemeinen Verkehrs hemmend einzuschreiten, ohne den Grundsatz der unbeschränkten VerkehrSfreiheit zu verletzen. Die Beschränkung würde zunâch die Lieserungsverträge treffen. Auch dürfte wenigstens zeitweise der Einfuhrzoll auf Roggen (einseitig?) aufgehoben werden.

Aus Berlin 24. August wird der „PfälzerZeitung" geschrieben: Der hiesige Professor der Geschichte, Herr Ranke, wird nun doch, wie ich als bestimmt melden kann, gegen einen jährlichen Gehalt von 7000 Thlrn. auf zwei Jahre an die Universität München gehen, nm während dieser Zeit in Baiern „eine historische Schule zu begründen." Baiern ist wirklich das Land der höchstmöglichen Toleranz, denn München ist eine katholische Universität und Herr Ranke entschiedener Protestant, welcher bekanntlich auch die Geschichte ganz aus dem Gesichtspunkte seines religiösen Bekenntnisses auffaßt. Ich weiß nicht, ob unsere protestantischen Uni­versitäten und ob vielleicht auch Erlangen sich besonders erkenntlich zeigen würden, wenn man katholischen Ge- schichtforschern, etwa einem Alzog, Döllinger, Gfrörer oderA. Lehrstühle an ihnen einräumenwürde. —• Nach Briefen aus der bayrischen Hauptstadt soll sich Herr v. Liebig dort mit jedem Tage umso heimischer fühlen, als er nach und nach alle feine näheren Ver­wandten im bayrischen Staatsdienste untergebracht haben wird. Sein Schwiegersohn ist bereits bei der Univer­sität München angestellt und sein Schwager soll nächstens Jnspcctor der dortigen k. Porzcllanmanufactur werden.

Oldenburg ist dem P aß karten-Ver t rage beigetreten.

Wien, 25. August. I. M. die Kaiserin Marie Anna wird auf ihrer Rückreise aus Italien am 8i Sep­tember einen Abstecher nach Froschdorf machen und einen Tag bei dem Grafen Chambord zubringen. Von dort wird sich Ihre Majestät direct über Wien und