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begibt sich zunächst nach dem bayrischen und tyrolischeii Hochgebirge und von da nach Ischl. — Bekanntlich ist das gegen dens Schwestermördcr A. Bachmaier am 28. Mai d. I. gefällte Todesurthcil wegen eines Form­fehlers vom obersten Gerichtshöfe caftut worden. Heute kam die Sache vor dem Schwurgericht wiederholt zur Verhandlung, und zwar unter einem eben so großen Zudrange des Publikums, wie das Erstemal. Der An­geklagte, mehr Kalte als Neue zeigend, sucht das Ver­brechen in ein für ihn günstigeres Licht zu stellen, in­dem er namentlich leugnet, daß er schon längere Zeit den Vorsatz gehabt habe, seine Schwester zu ermorden. Die Geschwornen sprechen ihn dießmal schuldig deS doppelt qnalificirten Mordes an seiner Schwester, der Bierwirthswittwe Maier, und des Raubes 4ten Gra­des an der Dicustmagd Durschl (bei der ersten Ver- bandlung hatten die Geschworenen hier nur nächsten Versuch zum Mord angenommen). Das Urtheil lautete auch heute auf Todesstrafe, da hiermit schon jedes der beiden Verbrechen für sich allein bedroht ist.

Friedrichshafen, 21. August. S. M. der Kö­nig ist auf der Rückreise von Schlangenbad über Mün­chen in erwünschtestem Wohlsein gestern Abend im hie­sigen Schlosse ein getroffen.

Dessau, 20. August. Auf höchsten Befehl wird dieses Jahr der 17. October als der 300jâhrige Todes­tag des Fürsten Georg 111. gefeiert werden. Dieser Fürst spielte in der Reformation eine so bedeutende Rolle, daß Luther einmal von ihm sagte: „Wenn Fürst Georg nicht in den Himmel kommt, so kommt niemand hinein " Zwei Gemälde in der hiesigen Schloßkirche von Lucas Cranach stellen ihn in Lebensgröße und im geistlichen Ornate dar. Sein Arbeitszimmer in WarmSdorf, wo er gern weilte, wird jetzt wieder hergestellt.

"Altona, 21. August. Sehr bemerkenswertb ist es, daß laut den heute hier angelaugten dänischen Blät­tern, auch die holsteinische S t ä n d e v e r s a m m- l u n g zum 5. October in Itzehoe eiuberufcn ist. Vor 1848 haben die beide Ständeversammlungen von Schles­wig und Holstein nie zu gleicher Zeit getagt. Das königliche Patent, welches die Zusammcnbernfung be­fiehlt, ernennt den Kammerherrn v. Scheele, Land­vogt zu Pinneberg, zum königlichen Commissär. Die Dauer dieser Versammlung ist ebenfalls, gleich der schleswig'schen, auf zwei Monate ausgedehnt. — Laut officieller Bekanntmachung bestätigt es sich, daß die Cho­lera auch in Stockholm ausgebrochen ist.

Durch ein vom 14. d. M. datirtes Patent wird eine frühere Bestimmung, durch welche der Gebrauch der dänischen Sprache bei den Verhandlungen der Provinzialständeversammlung befohlen wurde, aufgehoben und den Rednern die Wahl der dänischen oder deut­schen Sprache gelassen. Die Protocolle, Vorlagen und Gesetzentwürfe werden in beiden Sprachen abgefaßt.

Berlin, 22. August. Wie das „C.-B. erfährt, sind gestern entscheidende Nachrichten in der orienta­lischen Frage im Ministerium eingetroffen. So viel bis jetzt über deren Inhalt verlautet, ist die Annahme des Ausgleichungsvorschlags nicht ohne allen Vor­behalt erfolgt, und es würde somit eine den Streit definitiv regelnde Wendung noch nicht erreicht sein. Als ein Resultat der gegenwärtigen Lage der Sache bezeich­net man an unterrichteter Stelle eine Revision der rus­sisch-türkischen Verträge; eine Maßregel, über welche nach vorhandenen Andeutungen eine Einigung unter den vier Mächten im Interesse deS europäischen Friedens nicht zweifelhaft sein soll. — In Betreff der in Ischl am 19. declarirtcn Verlobung des Kaisers erfährt man nachträglich, daß dieser Schritt keineswegs ganz unvor­bereitet erfolgt ist. Es soll an den dem Kaiserhause verwandten Höfen schon seit längerer Zeit Kenntniß von einer derartigen Absicht des Kaisers vorhanden gewesen sein, und mân brachte in den solchen Beziehungen nach­stehenden Regionen den seiner Zeit auch von den Zei­tungen betonten Umstand, daß die Königin von Sachsen bei ihrer Rückreise Ischl nicht berührt hat, mit dem nun­mehr ausgeführten Vcrlobuugsplauc in Verbindung. Bekanntlich war früher die Prinzessin Sidonie von Sachsen dem Kaiser zur Gemahlin bestimmt gewesen. — Gestern Mittag hatte der türkische Gesandte eine Besprechung mit Hrn. v. Manteuffel. — Zum Geburts­feste des Kaisers von Oesterreich ist von dem Könige von Preußen ein eigenhändiges Glückwunschschreiben nach Wien abgesandt worden.

Den Verhandlungendes evangelischen Kir­chentages wird hier mit großer Aufmerksamkeit und vielen Vorbereitungen entgegcngegangen, wobei die De­batten , die darüber gestern in der hiesigen Stadtverord­neten Versammlung gepflogen wurden, sehr charakteri­stisch in's Gewicht fielen. Es handelte sich um die Be­willigung einer Summe von 1500 Thalern, die der Ma­gistrat zur Unterstützung des für die gastliche Unter- bringung der Mitglieder des Kirchentages hier zusammen­getretenen Localcomite's beantragt hat. Diese Summe wurde von den Berliner Stadtverordneten zwar bewil­ligt, aber unter ungemein scharf ausgedrückter Opposi­tion einiger Mitglieder, welche in den Tendenzen des evangelischen Kirchentages nur das Bestreben sehen woll­ten die Union durch „Kryptokatholiciömus" und „luthe­risches Papstthum" zu untergraben und die politische Reaction durch Behinderung „der freien Forschung der

Schrift" maßlos zu stärken. Dieser sehr stürmische Vor­gang im Schlosse der Berliner Stadtverordneten-Ver- sammlung macht heute nicht geringes Aufsehen, da es seit den vormärzlichen lichtfreundlicheu Kundgebungen der hiesigen Stadtverwaltung das erste Mal ist, daß von dieser Seite her wieder eine scharfe principielle Be­ziehung auf die öffentlichen Interessen gewonnen wird. Die in der Stadtverordncten-Vcrsammlung ausgesproche­nen Befürchtungen haben aber auch bei einem nicht ge­ringen Theile der hiesigen Bevölkerung Naum gefunden, welche die Wahrung der eigentlichen protestantischen In­teressen durch den evangelischen Kirchentag nicht für weit­greifend und aufrichtig genug hält, um darin ein Er­folgreiches Gegengewicht gegen die gleichzeitig in Wien eingesetzte Hauptversammlung der römisch-katholischen Ver­eine Deutschlands zu erblicken. Wie aber auch immer die Resultate dieses diesmal in die Mitte der kirchlichen Organisation Preußens hiiieintretenden Kirchentages fal­len mögen, so ist eine thatsächliche Gefährdung der Union davon nicht zu erwarten, da an dem Entschlusse des Königs, dieselbe als ein Vermächtniß der Regierung sei­nes königlichen Vaters aufrecht zu erhalten, nicht zu zweifeln ist. Bei dem allgemeinen Fortbestände der Union wird eS sich aber doch künftig mehr als bisher um eine „specifische Ausgestaltung ihrer einzelnen kirchlichen For­men handeln, und dies ist die eigentliche Aufgabe, auf die es bei den nun bald in den Vordergrund tretenden Reorganisationen der kirchlichen Zustände Preußens an- komluen wird.

Von den 75 Geistlichen Berlins haben 8, bei denen das Localcomite um eine Unterstützung für den evan­gelischen Kirchentag uachgesucht hatte, eine verweigernde Erwiderung unterzeichnet. Diese 8 sind bekannt als Anhänger der Union, „oder vielmehr der Bekenntniß- losigkeit," sagt die Kreiszeitung und gibt die Namen derselben zum Besten.

Der französische Gesandte am diesseitigen Hofe, Mar- qn's de Moustier, ist nach Frankreich auf seine Güter in der Provence gereist, um von dort seine Gemahlin und Kinder abzuholen, mit denen er in diesen Tagen hier einzutreffen gedenkt.

Der Abgeordnete Ostcrrath, neben den Brüdern Reichensperger der hervorragendste Führer der katholi­schen Partei in der zweiten Kammer, hat sein Mandat niedergelegt. Man vermuthet, daß er seine parlamen­tarische Stellung mit der eines Beamten — er ist Obcrregierungèrath — nicht länger zu vereinigen ver­mochte.

Wien, 21. August. Das im Entwürfe vollendete neue Bürger wehr gesetz wird, wie die „Cop. Ztg. Corr." meldet, in Kürze auf Grund der zur Organi- sirung der Bürgerwehren erstatteten Anträge in die Schlugberathung genommen werden. Wie versichert wird, dürften die Wiener Bürgerregimenter mit den auf Er­fahrung gegründeten nothwendigen Abänderungen, nach ihren früheren zumeist verbrieften Satzungen wieder or- ganisirt werden. — Von Seiten unseres Hofes wurde bei einem hiesigen Künstler schon vor längerer Zeit eine Medaille auf den kaiserlichen Wahlspruch: „Viribus unilis“, bestellt und dieselbe in sehr gelungener Aus­führung vor Kurzem abgeliefert. Außerdem sind aber noch drei andere Medaillen zur Bestellung gelangt, die folgende Motive enthalten: Die Schlacht von Novara, die Vertheidigung der Festung Ofen und die Schlacht bei Temeswar. Mit diesen Medaillen 'gedenkt sodann der Kaiser den Souverainen mehrerer Höfe Geschenke zu machen.

Se. k. Hoh. der Prinz von Preußen wird nach den bisherigen Bestimmungen am 20. September in Olmütz erwartet. — Der jetzigen Anwesenheit des gewesenen serbischen Ministers Garaschanin in Wien liegt durch­aus keine politische Bedeutung zu Grund. Hr. Gara­schanin verkehrt nicht mit diplomatischen Personen und verläßt nächster Tage wieder unsere Stadt, um seine Erholungsreise fortzusetzen.

Ein Wiener Berichterstatter der „Köln. Z." schreibt unterm 19.: „So viel ich bis jetzt in Erfahrung bringen konnte, ist die Antwort der Pforte auf den Vergleichs­entwurf nicht ganz im Sinne der Wiener Conferenz ausgefallen und noch kein diplomatischer vollständiger Sieg errungen worden; denn die Pforte soll den Ent- wurf zwar angenommen, die Ratification sich aber für jenen Augenblick vorbehalten haben, wo die Russen die Donaufürstenthümer geräumt haben werden."

Der als Geschäftsträger des Vicekönigs von Egyp­ten eingctroffcne Nubar Bey, früher erster Dolmetsch und Secretär von AbbaS Pascha, hat vorzüglich die Aufgabe, die Einkäufe europäischer Jndustrieerzeugnisse für Rechnung der egyptischen Regierung zu vermitteln und Vcrkchrsbeziehungen in geeigneter Weise anzubahnen. — Der k. türkische Cabinetscourier Ali Efendi, welcher vorgestern über Belgrad aus Constantinopel hier ein- traf, hat Constantinopel am 11. August verlassen und verweilte einen Tag in Belgrad. Derselbe brachte De­peschen an den türkischen Botschafter Arif-Efendi und eine Depesche von Lord Redcliffe an den f. englischen Gesandten Lord Westmoreland in Wien und ist nach kaum 18stündigem Aufenthalte in Wien gestern (Freitag) mit Depeschen wieder nach Belgrad abgereist. — Nach einem Handelsschreiben aus Jbraila vom 29. d M. ist daS Getreide-Ausfuhr-Verbot auS den

Fürstenthümern bevorstehend. Bei dem Einmärsche Russen wurde der der Getreide - Ausfuhrzoll erhöht.

Frankreich.

Paris, 21. Aug. Die Reise des Kaisers und der Kaiserin nach Dieppe, so wie die von der Regierung gestern auSgegangenen Concessionen zu neuen Eisenbahnen gelten allgemein als Zeichen des Friedens. Schwerlich würde sich der Kaiser von hier entfernt haben, wenn in der nächsten Zeit ernstliche politische Verwickelungen zu besorgen wären und ebenso bekannt ist es, daß die Re­gierung zu so bedeutenden industriellen Unternehmungen wie die neuen Eisenbahnen sind, die Hand nicht geboten hätte, wenn ein Krieg und damit eine unheilvolle Krisis für alle Industrie zu besorgen wäre. — Die Abwesen­heit deS Kaisers von der Hauptstadt wird bis Mitte Septembers dauern.

Man beschäftigt sich heute viel mit einem Duelle, das gestern auf dem Marsfclde stattfand. Ein Reiter des Guidem Regiments, dessen Mitglieder sich durch ih­ren Uebermuth auSzeichnen, hatte einen Jäger von Vin­cennes beleidigt. Derselbe verlangte und erhielt von seinem Obersten die Erlaubniß, sich mit dem Guiden zu schlagen. Der Guide blieb todt auf dem Platze. — Der „Moniteur" enthält nichts über die Annahme des Vermittlungsvorschlages Seitens der Pforte, und die Hoffiiiingeii der Speculanten â la hausse sind, für heute wenigstens, getäuscht worden. Auch über die Ab­reise deS Kaisers und der Kaiserin nach Dieppe schweigt das amtliche Blatt. Man erfuhr dieselbe in Paris erst gestern Abends durch die Note der „Patrie", so ge­räuschlos und rasch war sie bewerkstelligt worden. — Die Mitglieder des diplomatischen Corps haben Paris gestern verlassen, um sich zu den Hochzeitsfeierlichkeiten nach Brüssel zu begeben. Die Prinzessin Mathilde wird morgen nach Dieppe reisen. — Die Rede, durch welche das englische Parlament prvrogirt worden ist, macht hier den Eindruck, daß man die orientalische Frage noch keineswegs als beendet betrachten darf, und daß die französische so wie die englische Negierung bis jetzt nur noch auf Hoffnungen beschränkt sind, deren Verwirklichung von dem Willen des Kaisers Nikolaus abhängt. — Alle Berichte ans Dieppe stimmen über, ein, daß in dieser Stadt ein entschiedener Enthusiasmus für den Kaiser und die Kaiserin herrscht. — Von Bor­deaux, wo der Minister der öffentlichen Arbeiten eben jetzt sich befindet, wird er die vorzüglichsten Häfen am atlantischen und Mittelmeer zu dem Zweck der Anlegung von Docks besuchen.

Paris ein Seehafen. Unter dieser etwas pomphaf­ten Ueberschrift melden die Pariser Blätter heute die Abfahrt deS Fahrzeugs: Die Schelle von Havre. Diese in Bordeaux gebaute Goelettc, von 150 Tonnen, ist nach Parist bestimmt. Der Spiegel ist breit und pfM- wie der Fisch, dessen Namen sie trägt, und ihre beson­dere Bauart macht sie zur Fahrt auf dcm Meere und auf Flüssen geeignet. Ihre Ankunft ist auf heute ange­sagt. — Verflossenen Sonntag fand ein Stiergefecht in Beaucaire statt. Es hatte bereits anderthalb Stun­den ohne irgend einen Unfall gedauert, als der Stier nach einander drei feiner Gegner verwundete. Einer darunter wurde von dem wüthenden Thiere in die Luft geworfen und bewußtlos weggetragen; indessen kam er mit einigen Quetschungen davon. Einem andern durch­bohrte der Stier den Schenkel und versetzte ihm eine Wunde, die sein Leben in Gefahr setzt.

Schweiz.

In den Felsen ob Felsberg soll in jüngster Zeit die Bewegung wieder hörbar und sichtbar geworden sein. Die Kluft, welche mit Stangen belegt ist, habe sich merklich erweitert.

Belgien.

Brüssel, 21. August. Man liest in der „Jude- pendance": „Im Augenblicke, wo wir zur Presse gehen, vernehmen wir mit größter Befriedigung, daß die Frau Herzogin von Brabant sich von dem leichten Unwohlsein, welches den Aufschub der Feier der bürger­lichen Trauung veranlaßt hatte, vollständig wiederher­gestellt befindet. Es wird diese Cermoiiie morgen Vor­mittag um 10% Uhr im Palaste statthaben. Se. Maj. und die erlauchten Gatten werden sich hierauf in die Kirche zur kirchlichen Einsegnung der Ehe begeben, in der Stunde, welche für diese Ceremonie in dem bereits bekannten Programme angesetzt war, nämlich um 11% Uhr. Ebenso ist auch keine Aenderung bezüglich des feierlichen Zuges nach der Kirche angeordnet."

Der Herzog von Brabant hat dem Bürgermeister von Brüssel 10,000 Franken zu Brodaustheilungen bei Gelegenheit seiner Vermählung übersandt. Der König hat alle gegen die Bürgerwehr verhängten Disciplinar­strafen nachgelassen.

Niederlande.

Aaag, 21. August. Die allgemeine Berathung über den kirchlichen Gesetzentwurf ist in der gestrigen Sitzung g e s ch l o ss e n worden. Ein Antrag auf Ver- tagung des Entwurfs wurde vorher noch zurückgenom­men. Die Berathung über die einzelnen Artikel wird morgen beginnen.

Italien.

Turin, 21. August. (Telegr. Dep.) Das „Journ. von Rom" meldet die Verhaftung römischer Emigranten, welche heimlich zu Civitavecchia gelandet wären, und