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Nassauische Allgemeine Zeitung.

â F§L. Donnerstag den 28. Mi SS33.

Die „Naffa^lscke Allgemeine Zeitung" mit dem 6rlletriflisd>en Beiblntt „Der Wanderer" erscheint, Sonntag- auSstkuommen, täglich und beträgt der PräninuerationSpreis für Wiesbaden Und , nach dem neuen PoisregulUtiv nunmehr auch für den ganzen Umfang des Zturn^une Taris'schcn BerwattungSbezuks mit Inbegriff des Postaufschlags 2 fl., für die übrigen bänder des dentsch^österreichifchen Postvereins, wie für das Ausland 2 ft 24 fr. — Inserate werden die Vierfpaltiz Petitieile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. — Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung non W. Friedrich, iianggaffe 42, auâwärtS bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.

Lur xmentalifdjeH Fragen

* Nach beii neuesten über Triest in Wien am 26. eingelaufenen Nachrichten aus C v n st a n t i » o p c l vom 18. b. hat eine Konferenz der Gesandten Englands, Frankreichs, Oesterreichs dort stattgefunden. Diese be­stärkt die Hoffnungen für Erhaltung des Frie­dens. Der Fanatismus der Türken gegen die Christen ist indeß in steigender Belegung. Einzelne In­sulten haben sich erstere gegen letztere erlaubt. — So meldet eine relegraph. Depesche der Frankfurter Blät­ter. Man muß gestehen, daß die in ihrem ersten Theil' so beruhigend lautende Nachricht wenig Licht in das Chaos der widerstreitenden Nachrichten bringt. Es ist nicht mehr die Furcht vor dem Ausbruch eines Krieges, cs ist jetzt nur die Desorgniß vor der Verzögerung der Lösung, vor der Andauer deS seit der Abreise des Für­sten Menczikoff aus Konstantinopel allen Geschâftsver- kehr lähmenden, alle Zuversicht raubenden Zustandes, die jetzt die Gemüther beherrscht. Leider scheint diese Bc- sorgniß nur allzugegründet. Frankreichs und Englands Lust und Gewohnheit, die hervorragenden Rollen in der Diplomatie und im Volkerconcert zu spielen hat die Flotten der beiden Staaten voreilig nach der Besicabai geführt. -In Petersburg erblickt man in der Anwesen­heit der Flotten eine Art moralischen Zwanges und die °, erste und kategorische Forderung Rußlands ist: deren Zurückziehung. Die Diplomatie müht sich nun ab eine Formel zu finden, dieser Forderung gerecht zu werden, ohne die beiden westlichen Staaten in ihrem Ansehen zu gefährden, kurz das zu thun, was Herr Drouyn de Lhuys in seiner Antwort auf die zweite russische Circu- lardcpesche mit Glück versucht hat. Rußland dürfte nicht geneigt sein, den geschlagenen Feinden, die einen Krieg nicht wollen können und ohne Krieg einer mora­lischen Niederlage nicht entgehen, noch goldene Brücken zum Rückzug zu bauen. Rußland hat das Schicksal der beiden westlichen Seemächte in Händen. Es sieht zu und wartet, bis dieselben sich zur verlangten Zurück­ziehung der Flotten entschließen. Rußland wartet unb hält die Donanfürstenthümer besetzt, bis die rauhe Wit­terung die beiden Flotten zwingt, Schutz im Hellespont im Marmarameer oder in den Häfen von Toulon und Malta zu suchen, vorausgesetzt daß ihnen bis dahin noch eine Wahl bleibt und die Pforte es nod) ge­messen findet, den Paß.der Dardanellen zu öffnen. „Rußland kann Alles, was es will" so lautete jüngst der Refrain eines Leitartikels der „Zeit". Sie war am Ende ihres Weisheit und ihr Trost, ihre- FriedenShoffnung war nur, daß Rußland seine Macht nicht mißbrauchen werde. Man weiset nun auf den bc- kanulen Artikel der „Oest. Corr.", welcher erklärte, die Lösung der russisch-türkischen Differenz hänge' nunmehr von der Pforte ab (es war in jenem Artikel von der Aussicht auf Annahme des österreichischen Vermittlungs- Vorschlages in St. Petersburg die Rede) und legt einer von uns absichtlich übergangenen, weil mit den mittler­weile fortgeschrittenen Thatsachen nicht mehr in Er­klang stehenden Aeußerung des „Pays" großes Gewicht bei, nach welcher die Pforte erst dann zu einem Ver­gleich sich herbeilassen könne und werde, wenn die Donaufürstenthümer geräumt sein würden. Rußland hat sich bis jetzt in nichts gebunden; cs hat vielmehr den französisch - englischen Vermittelungsvorschlag zurückge- wieseu und Graf Kisseleff hat in Paris erklärt, es sei nicht Sitte mit den Secundanten des Duellanten zu unterhandeln und Rußland habe Oesterreich zu seinem Secundanten erwählt. Es dürfte somit an der Pforte sein, will sie einen Ausweg aus den ihr den Untergang drohenden Wirren finden, den ersten Schritt zu thun und dieser dürfte mit der AusgleichungSnote Reschid Pascha's, über deren Aufnahme in St. Petersburg eine österreichische Mittelsperson sondiren soll, gefunden und gethan sein. Die Eingangs erwähnte Nachricht besagt nicht, wann jene die Friedenshoffnungen neu- belebende Konferenz der Gesandten in Constaiilinvpel stattgesunden habe. Eine neuere Veranlassung zu derselben läßt sich nicht gut annehmen, dieselbe scheint sonach mit jener zusammenzufallen, in Folge welcher Reschid Pascha den versöhnenden Schritt gethan hat, dessen Beurtheilung in Petersburg über das Schicksal der ganzen Frage ent­schieden wird. An die votgeschlagene Lösung, daß die , Unterzeichnung bei türkischen Ausgleich ini g s- note und der Befehl zum A u f b r u ch e der russischen Truppenma sseu aus den Do­nauf ü r st e n t h ü in er n an eine m u n b iPe m- selben Tage erfolgen soll, glauben wir n i ch t. An beunruhigenden Gerüchten fehlt eS zwar

nicht. Die im Eingang erwähnte Depesche stellt Christenverfolgungen in Aussicht. Wir haben gestern erst nach ofsiciellen Berichten über die empörendsten Grau­samkeiten gegen die Christen berichtet und Hunderte von Mordthaten registrirt. Darin scheint uns der Kern der Frage und das zum Stniz deS türkischen Reiches end­lich führende Verhängniß zu liegen. Die „Presse" meint, man solle der zu fürchtenden Christenverfolgungen we­gen die Pforte nicht so sehr zur Nachgiebigkeit drängen. Wie der „Troppauer Ztg." aus Czernowitz vom 17. Juli geschrieben wird, zweifelt Niemand mehr, daß bei dem ersten Kanonenschüsse ein allgemeiner Aufstand der Christen in Numelien, Albanien, Macedonien und Thes­salien ausbrechen werde, dessen Bedeutung desto höher anzuschlagen ist, als in diesen Provinzen die Christen die Majorität der Bevölkerung ausmachen. Dieser Auf­stand ist unter den Griechen öffentliches Tagesgespräch.

Die von französischen Blättern gebrachten Nachrich­ten aus Coustantinopel reichen bis zum 14. Juli i.bn lauten bedenklich genug. Das Manifest des Kaisers Ni­colaus und die zweite Circularnote des Grafen Nessel- aode waren an diesem Tage in Konstantinopel bekannt geworden und der Eindruck, den die beiden Aetenstücke auf das Publicum wie auf das diplomatische CorpS machten, war der Art, daß man den Krieg für unver­meidlich hielt. Man erwartete jeden Augenblick, daß der Sultan einen neuen Aufruf an „seine Verbündeten" er­lassen und den Truppen Marschbefehl ertheilen werde. (Nach Briefen der „Presse" aus C o ii st an tiii op c l vom,14. Juli sollte die Fahne des Propheten i ii d e n u ä ch st e n Tagen i n C o n st a n t i n o p e l ausgest.eckt werden. Die ägyptische Flotte, 17 Kriegsschiffe mit 15,000 Mann Landtruppen sollen be­reits die Dardanellen passirt haben. Sie wird sich ne­ben der türkischen Flotte im Bosporus aufsteUen und ihre Truppen auf der asiatischen Küste absetzen, wo sie vorläufig ein abgeschlossenes Lager beziehen werden, um für die nöthige Zeit die entsprechende Quarantäne zu halten. Nach Ablauf der Quarantäne, die nur kurz sein wird, weil Aegypten vollkommen pestfrei ist, sollen diese Truppen zu der Hauptarmee bei Sch um la ge­bracht werden.) Die Protcstation der Pforte gegen die Besetzung der Donaufür stenthümtt durch die Russen war zwar redigirl und von dcu Gesandtschaften mehrfach ab­geändert, biö dorthin aber noch nicht veröffentlicht wor­den. Nach einer dem „Fr. I." über Berlin zugekom­mene. tel. Dep. aus Jassy vom 23. Juli ist die Ver­öffentlichung des Protestes erfolgt. Derselbe lautet nach dieser Mittheilung friedlich, die Pforte werde sich nur defensiv erhalten. Nach einer aus Marseille in Paris am 25. Juli eingetroffenen Depesche ist Admiral de La Suffe auf dem „Pluton" in Toulon eingekroffen und hat die Nachricht mitgcbracht, daß bie Orientalin seyen Wirren (am 14., als er aus der Besicabai abreiste) auf dem Punct standen, beigelegt zu werden. Erwähnen müssen wir noch, daß bei der Lordmayors­tafel in London am 23. d. von Lord Aberdeen und dem französischen Gesandten, Grafen W a lew Sky, die wärmsten Versicherungen über die Fortdauer der cnténte cordiale zwischen den Regierungen von Frankreich und England und der Bemühungen für die Erhaltung des Weltfriedens gegeben wurden.

Wir kommen auf unseren Ausspruch zurück, daß nicht der Ausgang der orientalischen Wirren, sondern nur die Verzögerung der Losung Besorgnisse erregt. Durch die Zögerung leidet die Pforte am meisten; an ihr ist cs, eine schleunige Lösung herbeiMühren. Der Rath, welchen ihr die „Oesterr. Corresp." ertheilt hat, wird hoffentlich nicht verloren sein; sie befreit sich und Frankreich und England auS einer immer bedenklicher werdenden Zwangslage.

Deutschlond.

* Wiesbaden, 28. Juli. Die neueste Kurliste vom 26. d. zählt 13,848 Fremde. Seit dem 22. sind 860' Personen hier cingctroffen. Im vorigen Jahr waren um dieselbe Zeit über 3000 Fremde weniger eiugctroffeu, während die Kurliste von Ende Juli des Jahres 1851 beiläufig nur die Hälfte der obenangegc- benen Anzabl enthielt.

Z ' Schlangenbad, 27. Juli. Gestern ist Sc. Maj. der K ö n i g von W ü r t e m berg nach Mainz abgereist; dem Vernehmen nach um dort mit Seiner Tochter, I. Majestät der regierenden Königin 'der Niederlande zusammenzutreffen.

L Montabaur, 25. Juli. Der Geburtstag Sr. Hoheit deS Herzogs wurde gestern nach An­ordnung des katholischen StadtpfarrerS und des Herz.

Schullehrerseminars hier in folgender Weise gefeiert: Den Festtag- kündigten am Vorabende Glockengeläute und Böllerschüsse an. Gestern Morgen antworteten die Böller vom Schloßberge (dem Seminargebäude) herab. Um 9 Uhr celebrirte der Stadtpfarrer, Decan Endres unter Affrstenz zweier Geistlichen — dabei der Religions- lehrcr des Seminars — ein feierliches Hochamt; wäh­rend desselben führten die SeminarzoLlinge mehrstimmige lateinische und deutsche Meßgesänge auf. Nach, been­digten Nachmittagsgottesdienste fand in dem festlich mit Blumen und Fahnen geschmückten Seminarsaale eine Feier statt, bei welcher Dcclamationen vaterländischer Gedichte, eben solche Gesänge und Musik mit einander abwechselten. Die Festrede hielt dießmal der Religions­lehrer Link. Sie verbreitete sich nach kurzer Einleitung, in der die Wichtigkeit der Tagesfeier gebüforent hervor- gehoben wurde, über den innigen Zusammenhang zwi­schen Schule und Kirche. Der Redner wies ge­schichtlich eben so gründlich, als überzeugend und wahr nach, daß die Schule nicht allein aus der Kirche hervorgegangen fei , sondern daß das ganze Werk der Erziehung auch nur dann recht gedeihen sönne-, wenn es durch einen entschieden kirchlichen und religiösen Sinn und Geist getragen werde, kurz, baß eine wahre Erziehung gar nicht möglich, wenn nicht die • Religion das leitende Princip sei und begründete eben dadurch die Verpflichtung zu der großen Dankbarkeit, die alle Nassauer dem durchlauchtigsten Lândesvater für die Verbesserung des Erziehnogs- und Ikuterrichtsivesens schuldig sind. Nach beendigter Feier brachte der Sè- mimv.birectcr, Professor Bellinger, int Schloßhofe ein Lebehoch auf den Gefeierten aus und forderte hierbei die Scminarzöglinge auf, Sr., Hoheit dem Herzoge zu jeder Zeit Treue zu wahren und dankbar zu sein für die vielen Wohlthaten, die Höchstdcrsclbe der Anstalt erwiesen. Darauf ging der Zug in ein hiesiges Garten­local ?ur geselligen Unterhaltung und um 8 Uhr Abend- bewegte sich derselbe-wieder nach der Stadt. Ehe die Seiniuarzöaliuge auseiuaudergiugen , sangen sie noch­mals auf dem Marktplatze das Baterlandslied und ein Zögling der ersten Klasse brachte einen Toast aus auf den Herzog, den Freund Md Gönner des Jugend- Unterrichts und den Schützer von Kunst und Wis­senschaft.

FrauVfurt, 24. Juli. Die Kornernte ist in un­seren Gegenden allenthalben im Gang und bereits zu großem Theil eingebracht. Nach übereinstimmenden Mit- theiliingcn entspricht ihr Ertrag den günstigen Erwar- tungen, welche man gehegt hatte, vollkommeii. Der Weizen steht vorzüglich und reift bei der anhaltenden Hitze sehr rasch. Der Stand der Kartoffelfelder läßt nichts zu wünschen übrig.

Froschhausen, bei Offenbach, 25. Juli. Ein furchtbarer Hagelschlag, wie sich eines'gleichen auch die ältesten Beute nicht erinnern können, hat heute in we­nigen Minuten unsere von Ueppigkeit prangenden Fel­der einer Einöde gleich gemacht. Eine Masse Bäume — Bäume, die ein ganzes Jabrhundert den Stürmen trotzten — sind entwurzelt und gleich dürren Reisern zerbrochen, die Fensterscheiben zertrümmert und die Früchte so zerschlagen, daß man kaum sieht, was es ei­gentlich war. Der Schaden ist unberechenbar, und trifft der Schlag unsere Gemeinde um so härter, da die ganze Erndte noch auSsteht und bie Gemeinde in ihrem Wohl­stand ohnedicß in de» letzten Jahren sehr herabgekom- men ist. Der Mittel der Existenz für ein ganzes Jahr beraubt, sehen wir der traurigsten Zukunft entgegen, wenn nicht Mildthätigkeit unsere Lage einigermaßen zu erleichtern sucht. ■. ' •

Stuttgart, 25. Juli. (F. I.) Der Prinz und die Prinzessin Hermann von Sachseu-Weimar sind von Weimar über Frankfurt zurück wieder hier angelangt. Während seiner Abwesenheit ist der Prinz vom Oberst- lienteiiant zum Obersten vorgerückt und ihm das feit einiger Zeit provisorisch inne gehabte Kommando der königl. Leibgarde zu Pferd definitiv übertragen worden. — Die Zahl der Badegäste ist im Wildbad bereits bis ans 1604 gestiegen und befindet sich unter den neuerdings daselbst angekonimenen auch Herr Engen Scribe, der bekannte dramatische Dichter, mit Familie.

Nürnberg, 23. Juli. Dem Vernehme» nach soll das hiesige ^Lotlo-Oberamt in den nächsten Monaten nach einer benachbarten größeren Stadt verlegt werden. Ueber das Schicksal bw baierische» Zahleii-Lottv'S selbst hört man nichts. Bekanntlich ist dessen Aiishebung schon längst von den SUimmernb als dringend bezeichnet nvrben, aber auf anderer Seite wurde diese Finaiiz- guellc als vorerst uiientbehrlich für den Staatshaushalt