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des Vertrauens der Gemeinde, wir der Regierung wür­dige Person zu finden, als wenn cs sich nur um die Begutachtung eines bereits von der Gemeinde gewälten Mannes handelt; denn dort ruhe die ganze Verantwort­lichkeit auf den gocalbebörbcn, ihr Urtheil sei durch keine vorgängige Wahl beirrt oder befangen, während hier die Furcht vor unangenehmen Conflicten und die leider weit verbreitete Liebe zu einer falschen Popularität oft genug dahin führen würde, einmal gewählte Personen nicht zu beanstanden, die man nie vorgefchlagen hätte. Die, Regierung könne ihre Aufgabe nicht lösen durch halbe, verwirrende Maßregeln, sondern nur dadurch, daß sie von einem klaren, entschiedenen und festen Stand­punkte ausgeht; und verfahre insbesondere bei Ernen­nung des Bürgermeisters mit der erforderlichen Beson­nenheil und Klugheit, so würde in der Regel nicht et wa Haß, s oüderu warmer Dank ihr Lohn sein. Auf der andern Seite sei auch die Unabhängigkeit der Ge­meinde durch seinen Antrag hinlänglich gesichert, indem der Bürgermeister nur eine berathende Stimme haben soll, wenn er nicht zugleich als G^mcinderath gewählt ist. Die Besorgniß, das werde störend auf die Ge- memderathsvèrhandluugen wirken, werde durch die in Belgien gemachte Erfahrungen Widerlegt. Er sei daher für einfache Ernennung deS Bürgermeisters durch die Regierung, werde aber eventuell für möglich freie Wahl auf 6 Jahre stimmen, weil dieß das kleinere Uebèl sei. Nach einer kurzen Entgegnung des Abg. Schellen­berg kommt da die Anträge der Abgeordneten Heyden­reich und Schellenberg in dieser Beziehung übcrcinstim- men, folgender Antrag zur Abstimmung: „Der Burger- meister wird von der Regierung ernannt." Derselbe wird gegen 4 Stimmen abgelehnt. (Schluß der Sitzung.)

Z Schlattgenbad, 19. Juli. Gestern Nachmit­tag um 3 Uhr fuhr Se. Maj. der König von Würt­temberg nach Biebrich, um Sr. Hoh. dem Herzog von Nassau einen Besuch abznstatten und kehrte Abends 7 Uhr wieder zurück. Se. Maj. fährt zweispänutg und lenkt die Zügel selbst. Dem Wagen folgen zwei be­rittene Diener in rother und weißer Livroe, welche in dem Augenblicke, da stiügehalteu wird, vom Pferde springen, um Sr. Maj. beim Herabsteigen behilflich zu fein, während die abgcrichtctcn Reitpferde sich nähern und stillstehen.

Prinz Friedrich von Hessen machte Seiner erlauchten Schwiegermutter, der hier weilenden Prin­zessin K a r l von P r e u ß c n k. Hoh. gestern Nachmit­tag einen Besuch und wurde bei der Rückfahrt von Letzterer begleitet.

Eine große Anzahl der hier anwesenden Badegäste hat nunmehr die Cur vollendet und ist in der Abreise begriffen. Dieselben werden zum Theil von jenen Cur- fremden ersetzt werden, welche mittlerweile Schwalbach zum ihrem Aufenthaltsort gewählt hatten.

Frankfurt, 19. Juli. Mit dem heutigen Abend- zuge gebab sich der k. preußische Bundestagsgesandte, Hr. v. BiSmark-Schönhauscu, uach Kassel, wohin der­selbe von Sr. Maj. dem Könige von Preußen befohlen worden.

In Frankfurt soll (am 18.) die officielle Nachricht von der friedlichen Beilegung deS türkisch - russischen Conflictes ciiige- troffeu sein.

Darmstadt, 18. Juli. Se. K. Hoheit machte, wie das Mainzer Journal meldet, heute in Begleitung mehrerer technischen Beamten einen kurzen Ausflug nach j Gießen, wo eS sich um die endliche Feststellung des Bauplatzes für das dortige Eisenbahngebäude gehandelt haben durfte. — Die Reise nach Baiern wird Se. K. Hoheit schon bis Mittwoch antreten. — Se. Großh. Hoheit der Prinz Alexander ist vor seiner definitiven Abreise nach Petersburg beute nochmals nach Wien ab­gegangen, um dem kaiserlichen Hofe seinen Abschieds­besuch abzustatten. Gelegentlich der Rcactivirung des Prinzen hört man auch wieder häufig von einer That­sache sprechen, die zwar sein Geheimniß, doch aber nicht allgemein bekannt ist. Prinz Alexander, hat nämlich, so lange er im russischen Militärdienste gewesen, die Apanage, welche ihm als hessischem Prinzen zusteht, im Betrage von 16,000 fL zum größten Theile den militärischen Wohl- thätigkeilsanstalteu zuflicßen lassen. Man soll eigentlich solche Handlungen nicht an die Oeffentlichkeit bringen ; doch möchte ich mir hier eine Ausnahme gestatten, zur Beschämung aller jener Philister und Piepmcier seligen Andenkens, die in und außer der Kammer über Civil- listen und Apanagen räsomürcn, selbst aber kaum einen Groschen aus ihrer Tasche hergeben, wenn es sich dar­um handelt, das Elend ihre: Mitmenschen zu lindern. Von dem aber, was die Fürsten eben aus ihren Civil- listen und Apanage» zur Förderung gemeinnütziger Zwecke, zur Linderung der Noth und des Elends thun, ist kaum irgendwo die Rede. — Das heutige Regie rungsblatt bringt eine Verordnung, wodurch allen demo­kratischen Wiukeladvocaten in Rheinhessen der Garaus gemacht wird.

Karlsruhe, 16. Juli. Nach dem Schwab. Merk, soll der Regierungsbirector des Unterrheinkreiscs, Herr Böhme, als Director des grogh. Ministeriums des Innern nach Karlsruhe berufen werden.

Baden, 16. Juli. Gestern Nacht wurde, wie die „Bad. Ldsztg." meldet, die Spielbank von einem der

hier anwesenden vornehmen Russen gesprengt, mit einem Verluste von mehr als 16,000 fL, wie man sich erzählt.

Stuttgart, 17. Juli. Nach einer kürzlich erschicue- neu Verordnung sollen Sludireude mit burschenschaftli- chcn Abzeichen verhaftet werde»; diese Verordnung kommt daher, daß Studirende trotz der königlichen Verordnung über die Auflösung der Burschenschaft , doch öffentlich in der Vacanz diese Abzeichen!trugen und damit Osten- tation trieben.

Erfurt, 15. Juli. Künftigen Dienstag wird der König hier erwartet, da er den Grundstein zu dem für den Gcneralseldmarschaü von Müffling projectirten Denkmale legen will. Der König wird auf seiner Her­reise einen kurzen Besuch am Kasseler Hofe machen.

In Bremen ist von der für den Anschluß an den Zollverein kämpfenden Partei der Handelskammer eine Denkschrift überreicht worden, in welcher der Nachweis der Nothwendigkeit deS Anschlusses versucht wird. Die Weserzeitung nimmt bereits das Wort dagegen.

Berlin,i 15. Juli. Minister v. Westphalen wird nächste» Mittwoch eine fünfwöchentliche Urlaubsreise zum Gebrauch einer Cur nach Kreuth antreten. — Es soll noch nicht festlichen, ob der diesseitige Generalcon- sul in Mittclamerica, Geh.-Rath Hesse, auf seinen Po­sten zurückkehren werde.

Die Berufung des Herrn v. Wendland nach Berlin durch Se. Maj. den König von Bayern hat begreif­licherweise mehr als gewöhnliches Aufsehen gemacht. Daß sich daran bereits übertriebene Vermuthungen knüpfen, war nicht anders zu erwarten. Man wird der Anwesenheit des Herrn v. Wendland in der preußischen Hauptstadt weder ein zu großes noch ein zu geringes Gewicht bcizulegen haben. Zwischen dem preußischen und dem bayerischen Cabinetle cxistiren Differenzpnncte, die eine Ausgleichung wünschcuswerth machen und die­selben wohl auch finden werden. Daß darum keine der beiden Regierungen ihre bisher befolgte Politik grund­sätzlich ändern wird, braucht kaum erinnert zu werden. WaS die Zollconferciiz betrifft, so wird sie vor Septem­ber oder October schwerlich zu den Tarifberathungen übergehen.

Olmütz, 16. Juli. (Tel. D.) Se. k. f. Apostol. Majestät haben gestern Früh 6 Uhr in der Enveloppe eine militärische Revue abgehalten. Hierauf begaben sich Se. Maj. auf die Nimlauer Heide, wo militärische Exercitien von der concentrirtcn Kavallerie und Artille­rie im Feuer stattfanden. Nachmittags geruhten Se. Majestät einem militärischen Exercitium der Mineure beizuwohnen, wobei auch Minen gesprengt wurden.

Wien, 16. Juli. Der Herr Minister, Ritter v. Baumgartner wird morgen von seinem Urlaube zurück­kehren und dann wieder die oberste Leitung der beiden Ministerien des Handels und der Finanzen, so wie die Amtsgeschäfte im Reichsrathe wieder übernehmen — Die Uebernahme der Gloggnitzer Eisenbahn von Seite des Staates beginnt in einigen Tagen. Die Direction wird im October an die Staatsverwaltung übergehen. — Mit Hinsicht auf die schwebende orientalische Frage ist die zwischen Oesterreich und der Schweiz obwaltende Differenz vorerst gänzlich in den Hintergrund gedrängt worden. Die von Seite Oesterreichs verfügte Grenz­sperre dauert aber mit voller Strenge fort. Der Staats­rath des Cantons Tessin hat dem Vernehmen nach den Beschluß gefaßt,, die zwei erste Paragraphe des Gesetzes vom Jänner 1828, in Betreff des Aufenthaltes von Fremden zu rupubliciren. Dieses Gesetz lautet wörtlich: Folgenden Fremden ist künftig der Aufenhalt im Can­to» Tessin untersagt : 1) denen, die gegen ihren Sou­verän conspirirt haben; 2) denen, diè schwerer Verbre­chen beschuldigt sind. Der dritte Paragraph aber lautet: denen, die wegen eines Fehltrittes oder politischen Mei­nungen oder" wegeu Immoralität oder schlechter Auf­führung ihr Vaterland verlassen haben. — Die Stadt Gent wird der Herzogin von Brabant ein von den Zög­lingen der blauen Schulen aus den neu erfundenen Genter Spitzen gefertigtes Kleid als Hochzeitsgescheuk verehren.

Wenn die englischen Blätter versichern, Oesterreich habe sich sehr bestimmt für die Int grität der Türkei ausgesprochen, so mögen sie, sagt die „Ä. A. Z." Recht haben, und gewiß ist Hr. v. Bruck der letzte, der ei­nem weiteren' Umsichgreifen der Russen an der Donau und am schwarzen Meer hold wäre; aber die englischen Blätter irren, wenn sic glauben in der neuesten Zeit sei Oesterreich stärker in dieser Beziehung ausgetreten; es hat vielmehr Rußland sich um ein bedeutendes ge. nähert, sei's, daß bestimmte Versicherungen Rußlands cs über seine Zweifel beschwichtigt haben, sei's, daß die Vorfälle in Smyrna ihm zeigten wie die Mächte bei jedem Anlaß bereit sind Gift in die Wunde zu gie­ßen , die ihm die italienische und ungarische Revolution geschlagen. Und dich geschieht in dem Augenblick wo die westlichen Mächte und die Pforte erkennen, daß Oesterreich allein der Helfer in der Noth der Türken machen könnte! Oesterreich bleibt unter diesen Umstän­den nichts übrig als eine respccteinflößende bewaffnete Neutralität zu beobachten, und daß cs dazu entschlos­sen ist, beweist die Zusammenziehung einer Armee in Slavonien.

Hur Lösung der orientalische» Frage bestehen zwei

AusgkeichungSvorschläge; einer ist von den Repräsentan­ten der vier Großmächte mit Zustimmung der Pforte zu Constantinopel entworfen worden; der andere ist zwischen England und Frankreich vereinbart und wie wir hören, am 9. dem Kaiser von Rußland mitgetheilt- worden. Ehe dieß geschah, hatte derselbe wie die 914t. Ztg. angibt, schon seine Zustimmung diesem Entwürfe gegeben. Das Constantinopeler Projectl bezieht sich auf eine allen Großmächten ein für aHemas bezüglich der Christen zu ertheilende Garantie; daS zweite von London und Paris ansgegangcuc bedingt neben bedingter Annahme des russischen Begehrens ,im Wesentlichen durch die Pforte eine schriftlich zu ertheilende Versicherung Rußlands, daß es in die Souveränitäts­rechte deS Sultans keines.vegs einzugreifen beabsichtige. Wir haben bereits erwähnt, daß der Kaiser von Rußland dieses Project im Princip genehmigt habe, worüber Graf Ncsselrode Hr». v. Castelbajac (bem französischen Gesandten in Petersburg) bereits Mittheilung gemacht hat. Sollte das zu Constantinopel vereinbarte Projekt nicht annehmbar befunden werden, so wird sich das k. k. österreichische Cabinet bem London-Pariser Projecte bei- gesellen, und sowohl den Czar, als die Pforte zur An­nahme desselben zu bewegen suchen. -

In Folge des Zoll- und Handelsvertrags vom 19. Febr. b. I. hat die kaiserliche Regierung angeordnet, daß vom nächsten 1. August an im österreichischen Zoll­gebiete eine neue, -jener im Zollverein übliche» so viel wie möglich gleiche Form der Waaren elktärmigen in Wirksamkeit tritt.

Wiei», 17. Juli. Der „Wanderer" berichtet: daß die Russen nach den letzten Berichten bereits.al le fe­sten Plätze am walachischen Donauufer an- standlos besetzt haben. — Bekanntlich Mrdy vor Kur- zem der serbische Minister Garaschanin über Aufforderung Rußlands von seinem Amte entfernt. Wie man heute ans Belgrad schreibt, wäre Rußland mit neuen Fördcr- ungen ausgetreten, welche in ber Entfernung aller an* tirufsisch gesinnten Beamten ans den serbischen Diensten bestehen. — Briefen von derGränze der Do­il a u f ü r st e n th ü m e r von verschiedenem Ä' ent­nehmen wir folgende Notizen: Der Misserstand der Donau ist (7. Juli) sehr hoch, wodurch jedc OMation für einen allfälligen Uebergang beinahe unmöglich wird. Die russischen Avantgarden stehen (7. Juli) hart au der Donau und haben besonders die Hügelgegenden stark besetzt. Die Besetzung der Fürsteuthümer erfolgte mit einer bewunderungswürdigen Schnelligkeit. Vom Tage des Ueberschreitens des Pruth genügten sechs Tage, um russische Truppen an der Donau zu postiren. Im Jahre 1828 erforderte die Besetzung bis zu Buka­rest neun Tage. — Eine Correspondeiiz der „Ostd. Post" aus Constantinopel meldet: daß Lord Rcdcliffe zu größe- Maßhaltung einen ad latus in der Person des Lord Carlisle erhalten hat und daß man allgemein eine Rückberufung des Ersteren von seinem Posten erwartet.

Gestern trafen II. kk. HH. die Erzherzogin Sophie " und der Erzherzog Karl Ludwig in Begleitung Sr. Maj. des Kaisers, welcher an demselben Tage Ölmütz verlassen hatte, hier ein.

Wien, 17. Juli. Unstreitig die wichtigste Nach­richt, welche sich von hwr aus gegenwärtig melden läßt, ist die, daß man in Petersburg den österreichischen Vcr» mittlungsvorschlag angenommen hat. Gestern ist die bezügliche Mittheilung hier augelangt, und heute hatte der k. russische Gesandte, Frhr. v. Mayendorf die Ehre, Sr. Majestät dem Kaiser die dic^fällige Erklärung seines Monarch-» in besonderer Audienz vorzutragen. Auch aus ßonftantüiopel ist ein Bericht des Freiherrn v. B r u ck eingetroffen, welcher in der heute abgehalte­nen Minisiercouferenz vorgetragen wurde, und der in Betreff der russisch-türkischen Differenz die beruhigend­sten Mittheilungen enthalten soll, ja man versichert so* gar, daß die Pforte auf Grundlage des von dem k. f. Inter nuntius vorgelegten Vermittlüngsvorschlages bereits einen außerordentlichen Gesandten nach Pe­tersburg entsendet habe. — Frhr. v. Bourqucney hatte vorgestern, gestern und heute Confcreüzeu im Mi­nisterium des Auswärtigen, und man will bemerkt ha­ben, daß in letzterer Zeit in Betreff der orientalischen Frage eine gewisse Uebereinstimmung zwischen den bei­den kaiserlichen Cabinctten herrsche, welche nur einen einen günstigen Einfluß auf den Verlauf der Differenz ansüben kann. So heißt eS auch, daß der von Hru. de la Cour übergebene Vermittlungsvorschlag beinahe gleichlautend mit dem österreichischen sei.

Frankreich.

Paris, 18. Juli. Der Kaiser und die Kaiserin statteten gestern der Königin Christine einen Gegenbe­such in Malmaison ab. — Herzog von Guiche, der Ge­sandte Frankreichs am sardinischen Hofe, ist von Turin in Parks cingetroffen. — Der Kaiser und die Kaiserin werden bei dem eben gehonten Sohnes des Ministers des öffentlichen Unterrichts, Fortoul, Pathenstelle ver­treten und dem Kinde die Namen Napoleon Eugen Hy« polit beilegen. — Alle Berichte aus Berlin, Wien und St. Petersburg lauten durchaus friedlich und stimmen darin überein, daß der Kaiser von Rußland die neuen Vorschläge annehmen werde.

Die Vorbereitungen zum Napolconsfeste am 15. August haben heute Vormittag bereits begonnen. Auf