Hältnifsen den zweiten Theil der Operationen dieses an vorzüglichen Ergebnissen fruchtbaren Feldzuges beginnen konnte.
Freunde der Frau v. SolmS haben in London eine Flugschrift drucken lassen, welche in der hiesigen eleganten Well in einer Unzahl von Exemplaren circulirt. Das Ding liest sich ziemlich spaßhaft und ist gegen die Ausweisung der Frau von Solms aus Paris gerichtet. Außerdem enthält die Spottschrift eine Menge scandalö- ser Enthüllungen über gewisse Leute, die in der politischen Welt eine Rolle spielen, und selbst über Mitglieder der kaiserlichen Familie. Der Hauptsache nach aber ist das Büchlein ein Piedcstal, auf welchem Frau von Solms thront. Der Berfasser sagt von ihr, im Salon erinnere sie an die Anmuth, den freien Anstand und den Geist einer Frau von Staül, während ihr im vertrauten Umgänge die völlige Ungezwungenheit der Grisettc(!) eigen sei. Die Lisette Beranger's singe sie eben so gut, wie Dcmoiselle Dejazet und dabei seien ihre Sitten un- tadelhaft. — Gestern Abends ist hier der Moldo-Wa- lache Brassiano verhaftet worden, von dem gestern in der „Presse" ein sehr patriotischer Brief üuer die Lage der Donaufürstenthümer Rußland gegenüber zu lesen war. Die Verhaftung hatte übrigens mit diesem Briefe nichts zu thun. — Ueber die Krankheit des Kriegsministers circuliren schon lange Gerüchte, über welche Correspondenten nicht gern berichten mochten. Jetzt kann man aber auch in americanischen Blättern den eigentlichen Hergang (wohl nur dieselben Gerüchte, welche die deutschen Blätter zuerst brachten) lesen. Ge. ncral St. Arnaud erhielt eine Wunde im Unterlcibe in einem Duell, in welchem er das Unglück hatte, den General Cornemusc zu tödten. Die Ursache des Streites war, daß General Cornemuse in einer Erwiderung eine Anspielung machte auf die Spielsucht des Kriegsministers. St. Arnaud gerieth darüber in maßlosen Zorn, beleidigte General Cornemuse thätlich, und das Duell ward auf der Stelle, mit ein paar Stallknechten als Zeugen, mit der blanken Waffe abgemacht. Doch hat man die Details verschieden erzählt. — Nach der Patrie melden Depeschen, die aus Süd-America ange- langt sind, die Beilegung der zwischen Frankreich und der Republik deS Aequator entstandenen Zerwürfnisse. Die Fregatte Fort, das Flaggenschiff unseres Contre- Admirals, war in den Fluß von Guayaquil eingelaufen und hatte jede von Frankreich erheischte Genugthuung erlangt.
WaS bedeutet es, so fragt ein Pariser Correspon- dcnt der „Neuen Preußischen Zeitung", daß der Kaiser Napoleon den Degen gezogen hat? Man darf die Augen nicht vor den Thatsachen verschließen. Ich weiß nicht, was der Kaiser der Franzosen für Pläne in sich verschließt, ich weiß nicht, was seine Diener und seine Minister, der ganze Schweif seiner Getreuen und Ungetreuen, ich weiß nicht, was sie wollen, ich kenne sie nicht und weiß nichts von ihnen. Das aber ist klar, daß der herrschende Bonapartismus tagtäglich kriegerischer auftritt; das ist ein Sporengerassel und Sâbelgeklirr, in Wirklichkeit und mit Worten, in den Casernenstuben uud in den Violons, wo die Zeitungsschreiber sitzen; ja, das Kaiserthum ist nicht mehr der Frieden! Ich habe Sie schon früher auf das „Springende" aufmerksam gemacht, was in dem Wesen und in der Politik des neuen Kaisers der Franzosen liegt. Er macht Weltgeschichte in „Sprüngen" und hat er einen Sprung gethan, so liegt er eine ganze Weile still, stellt sich wohl auch todt, und dann macht er plötzlich wieder einen jähen Sprung, der ihn noch fast immer zum Ziele gebracht hat. Ich sage Ihnen, der Kaiser hat so eben wieder einen Sprung gethan und das einen tüchtigen, er hat den Degen gezogen auf dem Blachfelde von Satory, er hat statt sei- nes Staatsstreichs-Marschalls selbst commaudirt und er hat besser commaudirt, viel besser commaudirt als der, er hat gezeigt, was bis jetzt Wenige wußten und noch Wenigere glaubten, daß er ein geschickter Commandeur ist, und das ist mehr, viel mehr, als es auf den ersten Anblick scheint. Hören Sie nur, wie ganz anders man über den Kaiser spricht, seit man seinen Degen blitzen gesehen bei Satory! Der blanke Degen macht ihn populär selbst in Kreisen, in denen sich die Bewunderung eines Bonaparte ganz sonderbar ausnimmt. Wir Franzosen sind nun einmal so. Erinnern Sie sich, wie populär unsere Prinzen noch im Jahr 1820 in der französischen Armee waren, die ja an Napoleon wie an ihrer Fahne festhielt; kaum aber hatte der Herzog von Angoulöme den Degen gezogen, so verblich die Napoleonische Tradition wie ein Schatten vor dem neuen Degenblitz, der Herzog von Angoulème hatte eine bo- napartistisch gesinnte Armee nach Spanien geführt, — sie war so gut royalistisch und eifrig bourbonistisch alö sic zurückkehrte. Die königliche Armee Frankreichs wurde neu geschaffen bei dem Sturm auf den Trocadero, die königliche Armee Frankreichs, die Griechenland befreite und Algier eroberte. Hören Sie nur den Spießbürger, hören Sie den Vorstädter einerseits, hören Sie auf der andern Seite sehr legitimistisch gesinnte Offiziere, hören Sie selbst legitimistische Damen, — es ist Alles anders, seit der Kaiser den Degen gezogen hat. Diese Popularität aber ist es) die Louis Napoleon mit einem Sprunge und in einem Moment erreicht hat, da es Niemand glaubte. Ob diese Popularität Stich halten
wird, ferneren Ereignissen gegenüber, müssen wir abwarten; daß der Kaiser der Franzosen aber ein furchtbarer Gegner ist, wird kaum bezweifelt werden können.
Schweiz.
Bern, 21. Juni. (Tclegr. Bericht der Züricher Zeitung.) In Freiburg die Bürgerwehr auf's Piket gestellt. Abermals ein Aufstand erwartet. — In Bern die Feier herrlich.
Niederlande.
Haag, 21. Juni. Die erste Kämmet hat bei An- . nähme deS Abrcß-Eutwurfes ebenfalls mit 32 gegen 2 Stimmen ein Amendement des Herrn van Dam van Jssclt, welches der Adresse einen entschieden Ausdruck der Sympathie für den protestantischen Theil des Volkes zu geben bezweckte verworfen.
Großbritannien.
London, 21. Juni. Die Taufe des jüngsten Prinzen findet Montag den 27. Juni Statt. Die heilige Handlung wird der Erzbischof von Canterbury verrichten. Taufpathen sind der König von Hannover und die Prinzessinnen von Preußen und von Hohenlohe. Der junge Prinz erhält die Namen Leopold, Georg, Duncan, Albeit. — Der Marseiller „Semaphore" behauptet nach den Briefen die der „AegyptuS" mitgc- bracht hat, auch Griechenland setze sich in Bereitschaft und kaufe Kricgövorräthe an. Briefe aus Bucharest vom 24. Mai melden „sichere Anzeichen" eines baldigen Einrückens der Russen in die Donaufârüenthümer.
Auf eine Einladung von Sheffield an Kossuth, nach dieser Stadt zu kommen^ und auch dort ein Andenken in Empfang zu nehmen, hatte derselbe geantwortet: „Es ist keine Ziererei von meiner Seite, aber unter den jetzigen Umständen kann ich mich zu nichts verpflichten, nicht einmal zur Anwesenheit, in England (not even to being in England.) Wäre es wieder ruhig und erlaubten ,eS mit die Umstände, so würde ich mich geehrt fühlen, Ihrer Einladung nach Sheffield zu folgen." Der Sun bemerkt dazu: hiernach müsse die Angabe der Asfcmblèe Nationale, daß Kossuth bereits nach dem Kontinent gereist, irrig sein. — Die brcvi manu erfolgte Niederschlagung deS Proceßes gegen Herrn Hale hat überrascht. Indessen bemerkt Chro- nicle: Lord Palmerston habe Hale von vornherein nicht sehr drängen wollen, sondern, nur einen Versuch gemacht, von ihm herauszubringen, ob die Raketen für einen der fremden Flüchtlinge verfertigt worden. Jetzt fügt das Blatt bei, würde diese Erforschung um so schwieriger sein, als die beiden Hauptzeugen aus England abgereist seien.
Italien.
Die tu rin er Opinione vom 18. Juni erwähnt eines Manifestes, welches von einem revolutionären Comite in der Romagna als Antwort auf das Buch Mazzinis „Jl Partito d'Azione^, worin derselbe sein System einer italienischen Universal-Republik vertheidigt, veröffentlicht worden ist. Dieses Manifest betrachtet die Vorschläge Mazzini's als unpraktisch und erklärt, daß das Comite sich bemühen werde, sich durch jedes Mittel , selbst wenn es die Republik nicht als Ergebniß haben werde, auf die Freiheit und Einheit Italiens hinzuarbeiten.
Türkei.
Constantinopel, 9. Juni. Großen Eindruck hat eine heute hier eingetroffeue, bis zum 26. v. M. reichende, Post aus England gemacht, indem aus den mitgebrachten Nachrichten der bestimmte Schluß gezogen wurde, daß Großbritannien, hn Fall der Krieg mit Rußland zum Ausbruch kommen sollte, wohl ein ruhiger Zuschauer desselben sein würde. In demselben Sinn soll bereits vor acht Tagen durch Lord Stratford auf eine solche Eventualität hingedeutet, aber hinzugcsctzt worden sein: England werde die Pforte mit dem g n- zen Gewlckt seines moralischen Einflusses unterstützen, eine Mittheilung, welche unter den türkischen Staatsmännern mehr Bestürzung als Zuversicht erregt habe. Inzwischen betreibt die Pforte ihre Rüstungen seit dem 28. v. M. mit äußerster Anstrengung. Bei den etwaigen Operationen würden nur drei Armeecorps in Anschlag kommen, nämlich die Garde (Khassa), die Armee von Constantinopel und die Armee von Rumelien, welche thatsächlich in Albanien steht. Die andern drei Armeecorps, nämlich daS von Anadcki, von Irak und von Arabistau, sind noch nicht organisirt. Von den erstgenannten dreien sind auch nur zwei im Stande, im Felde aufzutretcn, indem die Garde zur Deckung von Stam- bul, des Bosporus und der Dardanellen Zurückbleiben muß. Es ist bemerkenswerth, daß Lord Stratford dem Seriasker unterderhand den Rath hat zugehe» lassen, er möge keine ernste Vertheidigung nördlich von Adrianopel vorbereitcu, und demgemäß die Armeekräfte bei Zeiten auf diesen Punkt zu- rücknehmen. Wie cs scheint, ist man hier Willens, ganz im entgegengesetzten Sinne zu handeln. Zur Stunde mag die C o n c e u t r a t i o n bei Varna noch nicht 7000 Mann übersteigen, (!) in acht Tagen indessen wird sie sich auf 12,000 Mann belaufen. Dazwischen nähert sich Omer Pascha mit etwa 17,000 Mann in Gewaltmärschen dem Ost-Balkan. Die Witterung ist heiß, im Handel klagt man über Mangel an Frachtgelegenheiten.
In Topchana legte eine Feuersbrunst sechzig Holz
häuser in Asche. Letzten Montgg verbrannte in Stam- bul die am linken Ufer des „goldnen Horns" nächst der „neuen Brücke" gelegene türkische Mauth. Ein unendlicher Schaden an den gelagerten Waaren (größten- theils Export) ist dadurch verursacht. Man schätzt den Schaden auf 40 Mill. Piaster. Wir leben, schreibt man ferner hm N. C. noch in Erwartung Dessen, was wir erwarten sollen; aber auch unsere ungläubigen Optimisten lassen nach gerade den Kopf hängen, denn die Rüstungen, die jedenfalls zu einem Staatsbankrott führen werden, gehen vor Aller Augen in immer größerem Maßstabe vorwärts. Nächsten Montag hoffe ich Ihnen mehr und Sicheres, berichten zu können. Doch mögen sie ihr Publicum damit trösten — für uns Nichtrussen fürchten wir daher nicht, den großen Schaden aüsge^ irommen, den ein Stocken oder besser Aufhören der Geschäfte bei diesen Verhältnissen theils bereits bewirkt hat, theils möglicherweise nochbewirken kann.
Der schon viel besprochene berüchtigte Räuberhaupt- mann Jani Katertschi, der mit seiner kleinen Bande schon mehrere Jahre hindurch Smyrna blokirt, d. h. die ganze Umgegend der Stadt so unsicher macht, daß fast Niemand mehr sich aus den Mauern wagt, hat kürzlich wieder einen neuen Streich ausgeführt. Er .hat der Deputation der Insel Samos den in 100,000 türkischen Piastern bestehenden Tribut abgenommen, den diese an die großhcrzogliche ^asse nach Smyrna abliefern wollte. Nicht genug an dem, er dielt zwei von den Deputaten gefangen und schickte die übrigen nach Hause mit dem Auftrage, zu berichten, daß die noch in den Händen der Räuber befindlichen zwei anderen Deputit- lcu nebst den zwei Matrosen ans Samos unfehlbar dem Tode verfallen würden, wenn nicht binnen drei Tagen an einem bezeichneten verlassenen Orte der Küste weitere 100,000 Piaster hinterlegt sein würden. . Die ganze Insel ist darüber in der äußersten Bestürzung. Wahrscheinlich wird jedoch nichts übrig bleiben, als die Räuber zu befriedigen.
Von SamoS hört man jetzt, daß Jani Katertschi sich bewegen ließ, gegen Erlegung von 50,000 Piastern die noch zurückbehaltenen Gefangenen frei zu geben. Die Samicr hatten zwar Ali Pascha von Smyrna um Hülfe ersucht, fanden aber, wie es scheint, doch gerathener für die Auslösung ihrer Angehörigen noch diese Summe hinzugeben, als deren Befreiung aus der Räuber Hand durch den Pascha abzuwarten!
Am 8. traf in Odessa das Dampfboot von Con- stantinopel mit dem ersten russischen Gesandtschaflssccre- tär (Herrn Balabine) ein, der sich sogleich auf ein anderes bereit stehendes Schiff begab, um wieder zurückzukehren — wie es heißt, als Ueberbringer eines Schreibens des Grafen Nesselrode an Reschid Pascha.
Die Tr. Z. meldet: Was die Friedcnsunterhandluii« gen mit den birmanischen Commissären betrifft, so sind über den Gang derselben und über die Personen der letzteren ausführlichere Mittheilungen eingetroffen, die manches Interessante enthalten. Die Herren kamen in zwölf vierzigrudrigen Booten, von denen drei vergoldet waren, das deS ersten Ministers aber auch vergoldete Ruder hatte, was, mit den vergoldeten Sonnenschirmen eine recht hübsche Wirkung hervorbrachte. Ein Officier vom „Sesostris" in einem besonderen Boote zeigte ihnen den Weg, und sie wurden am Landungsplätze, wo eine Ehrenwache ausgestellt war, mit Salven begrüßt. Der erste Minister war auf die geschmacklosest groteske Weise gekleidet und trug einen vergoldeten Hut, der einer Pagode glich und mit Schellen oder ähnlichem Klingklang behängt wär, während sein Rock aus lauter Flügeln zusammengesetzt schien, wobei scharlachrother und grüner Sammt mit Edelsteinen verschwenderisch angebracht war. Hand in Hand mit dem Minister ging ein Prinz, Onkel des gegenwärtigen Königs; voraus schritten vier Stabträger mit gelben Hüten, dann sechs Leibgardisten, welche prächtige Säbel trugen, deren Scheiben und Handgriffe mit Gold und Rubinen geschmückt waren. Hinter ihnen kamen die Sonnenschirm träger, dann zwei Beamte geringeren Ranges, Dienerschaft mit Bettelbüchsen u. f. w., und im Audienzsaale, der zu diesem Zwecke aus Bambusrohr errichtet worden war, wurden sie von den britischen Commissären begrüßt, wobei eine Salve von 19 Kanoneuschüffe abgefeuert, wurde. Am ersten Tage machte man wenig Geschäfte! und eS wurde ihnen bis zum 8. Zeit gelassen, sich über ' ihre Vorschläge zu besinnen. Auch dann hatten die Birmanen allerlei Vorwandt, um Verzögerungen hcrbeizu- ’ führen. Die Blokabe wurde deßhalb erneuert, und man glaubt kaum, daß der Generalgouverneur die verlangten Zugeständnisse bewilligen werde. Es handelt' sich wie cS scheint, hauptsächlich um einen Seehafen,^ den die Birmanen sich erhalten zu sehen wünschen, uud^ um die Provinz Tounghoo zwischen dem Jrawaddy und dem Flüsse Sitang, die allerdings nicht zu Pegu gehörte , allein prächtige Theakwälder enthält, nach denen ’ die Briten schon lange lüstern sind. Dieser Grenzstreit wird übrigens von mancher Seite als Vorwand betrachtet,' den die Birmanen benützen wollen, um Zeit zu gcwin-^ neu und inzwischen einen Guerillaskrieg zu orgaiiifircn,^ dem eine befestigte Stadt im Innern zum Stützpuncte dienen soll.___________________________________ ,
LcraruworMchcr Rcvactrur; Dr. A. Aocjtk.
