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Bergverwaltun g (17,136 fl.) wurden verwilligt, letztere unter Annahme des Ansschußantrages die Staatsregierung zu ersuchen, das in Aussicht gestellte und als dringendes Bedürfniß erkannte Berggesetz im Zusammenhänge mit einem BergwerkSproducten - Le- steuerungsgesetz sobald als möglich zur Vorlage bringen zu wollen.

* Wiesbaden 31. Mai. (Assisen-Verhandlung gegen Wilhelm Schüler von Homberg wegen Körper­verletzung mit tödtlichemErfolg.) Wilhelm Schüler, 27 Jahre alt, Dienstknecht, ist angeklagt, am 26. De­cember v I. dem Peter Schoor zu Kemmenau in der ohne Vorbedacht tm Effect gefaßten und ausge­führten Absicht, denselben zu mißhandeln, mittelst eines Steinwurfs eine Verletzung am Kopfe zugefügt zu ha­ben, durch welche Peter Schoor des Lebens beraubt worden ist. Veranlassung zu dieser That gab ein Wort­wechsel, welchen der Angeklagte mit der Wittwe des Heinrich Schoor, der Großmutter seiner Geliebten, Ma­ria Schoor, hatte, welche er Abends mit seinem Kame­raden Diel besuchte. Schüler sang im Zimmer, was ihm die alte Frau, die krank im Bette lag, verwies, wobei sie äußerte, er brauche nicht mehr zu ihr zu kom­men, die Marie bekäme er doch nicht. Schüler war früher im Wirthshause genesen, man merkte ihm an, daß er getrunken habe; er kam durch die harten Reden der alten Frau in Wuth und mißhandelte die Ehe. frau des Christian Merz und den Phil. Ludwig Hch- ner und warf, schon auf der Straße angelangt, wo sich der Streit fortsetzte, mit einem Stein nach Peter- Schoor, der diesen zu Hilfe eilen wollte. Anfangs be­achtete Peter Schoor feine Wunde nicht, am 31. Dec. suchte er ärztliche Hilfe, am 13. März starb er. Nach dem ärztlichen Befund hatte die Verwundung zwei Ab- scesse im Gehirn veranlaßt und war die Ursache seines Todes. Die Verhandlung leitet Assisen-Präsident Flach, die Staatsbehörde vertritt Staatsprocurator-Substitut v. Reichenau, den Angeklagten vertheidigt Procura- tor v. Arnoldi.

Vom ganbe, 28. Mai. Unsere Hoffnungen auf Eisenbahnen in Nassau wollen immer noch keine Wahrheit werden. Es sind nun schon die verschieden­sten Projecte aufgetaucht; es wurden Linien über den Westerwald, am Rhein und an der Lahn ausgenommen, aber immer bleibt cs bei den Fähnchen, die uns einige Zeit höhnisch necken und dann auf immer verschwinden. Selbst die kleine Strecke durch das Dillthal von Sie­gen nach Wetzlar und Gießen will nicht aus dem Sta­dium des Projects heraustrelen und wir werden wohl für das Innere unseres Landes ganz auf dieses Ver­kehrsmittel verzichten müssen, wenn keine ernstlichen An­stalten getroffen werden, solche Spcculationen von uns abzuwenden, die unter dem Vorgeben, Eisenbahnbauten zu unternehmen, nur darauf berechnet sind, andere Un­ternehmungen aufzuhalten, die auf den Werth bestehen­der Geschäfte nachtheilig einwirken würden.

Frankfurt, 29. Mai. Wie wir aus sicherer Quelle erfahren, hat Se. kaiserl. Hoh. der Erzherzog Johann von Oesterreich, durch hiesige befreundete Vermittelung, der Familie des im vorigen Monat ver­storbenen Senator Cöster sein innigstes Beileid bezeu­gen lassen. In schlichten und biederen Worten gedachte er des Dahiugeschiedenen und seines Familienlebens, welches er in der bewegten Zeit seines Hierseins zu be­obachten Gelegenheit hatte und bekannte offen, wie hoch er ihn wegen seines graden vortrefflichen Charakters und seines unermüdlichen Fleißes stets geachtet habe.

Wie man vernimmt, ist das Capital der demnächst hier zu errichteten Bank vorerst auf 25 Millionen fest­gesetzt, kann jedoch nach den Statuten im Falle des Bedarfes auf das Doppelte erhöht werden. ES sollen Banknoten, welche bei Wechselzahlung giltig sind, emit- tirt werden, aber diese Emission muß gegen gehörige Deckung des Betrages des Notenumlaufes geschehen. — Der neue k. belgische Gesandte bei dem deutschen Bunde, Baron v. Dujardin, dessen Ernennung der Bundesver­sammlung bereits amtlich angezeigt worden ist, wird in einigen Tagen an seinem hiesigen Posten eintreffen.

München, 28. Mai. Mit Bezug auf die jüngst hier stattgehabte Besprechung zwischen Sr. Excellenz dem Ministerpräsidenten, Hrn. Dr. v. d. Pfordten, und dem sachsen-coburgischen Minister W. Secbach erfährt man, daß die Verträge über den Bau einer Eisen­bahn von Lichtenfels nach Eisenach abge­schlossen und bereits ratificirt sind.

Eisenach, 27. Mai. (F. I.) In der heutigen Sitzung wurde zunächst nach einer kurzen Discnssivn in Bezug auf das Verhältniß der Dresdener liturgischen Conferenz zu dieser allgemeinen, wozu das Protokoll Veranlassung gab, beschlossen, ein Danksagungsschreiben der Conferenz au Se. königl. Hoh. den Großhcrzvg v. Sachsen-Weimar ergehen zu lassen für die hohe Geneh­migung zur Abhaltung der Conferenz in Eisenach und für die gnädige Begrüßung, welche derselben durch den Oberhofprediger Dr. Dittenberger in höchstem Auftrag geworden sei. Ebenso ward ein schriftlicher Dank an die oberste Kirchenbehörde zu Weimar von Seilen des Präsidiums mitgetheilt für die Bereitwilligkeit /womit dieselbe die örtlichen Vorbereitungen zur Abhaltung der Conferenz getroffen habe. Hierauf kehrte die Discussion zu dem letzten Referate der gestrigen Sitzung : über die

Verhütung der wilden Ehen unter Auswanderern zurück und wurde beschlossen, daß die Abgeordneten bei ihren hohen Regierungen dahin wirken möchten, eine Erleich­terung der Eheschließung in solchen Fällen befördern zu wollen. — Die Tagesordnung führt zu dem Referat deS Dr. Harleß aus München über die „Anbahnung einer gleichförmigen Pchandlung der Secten" in der protestantischen Kirche. Das Correserat hatte Obercon- sistorialrath Geyer von Stuttgart. Es wurden eine Reihe von Sätzen als Anträge nach der formellen Seite Harleß, nach der materiellen von Geyer ausgestellt, welche zuerst gedruckt werden sollen; daher wurde bit Discus- flou darüber auf Morgen verschoben. Oberkirchenrath Dr. Klicfoth erstattete schließlich einen sehr umfassenden und geistvollen Bericht über die Organisation der Fest­cyklus in der evangelischen Kirche, namentlich in Be­zug auf die Feier der Bußtage, des Todtenfestes, Re« formationsfestes und einiger kleineren Fcstage.

28. Mai. In der heutigen dritten Sitzung der evangelischen Kirchenconferenz wurde zunächst zur Dis- cussion über das KliefothIche Referat, dem sich der Korreferent Consistorialrath Hoffmann von Kassel ganz anschloß, über die Organisation der kleineren Kirchen­feste in der evangelisch-protestantischen Kirche geschritten. Die Absicht des an sich trefflichen Referats von streng- lutherischem Standpuncte aus war ohne Zweifel, diese Feste alle dadurch, daß man sie zunächst überall von den Sonntagen auf die Wochentage zurückverlege, nach und nach in der evangelischen Kirche wieder, wie sie cs in der lutherischen Kirche des 17. Jahrhunderts waren, zu vollen Festen heranwachsen zu lassen und dadurch wieder zu einer der katholischen Kirche nicht um sehr viel nachstehenden Anzahl von Feiertagen zu gelangen. Oberconststorialrath Dr. Nitzsch von Berlin erörterte zuerst seine von dem Antragsteller divergirende Ansicht, vom Standpuncte der unkten Kirche und einer freieren liturgischen Richtung aus, wahrhaft meisterhaft, woran sich eine überaus lebhafte längere Verhandlung schloß, in der sich Union und Lutherthnm sehr entschieden und dennoch leidenschaftslos und brüderlich gegenübcrstanden. Man war darüber einverstanden, daß man bei etwaiger Entstehung neuer Feste den Sonntagen ihre eigenthüm­liche Bedeutung im Ganzen des Kirchenjahres nicht rauben und nicht zu viel Feste auf dieselben verlegen solle, aber gegen den Antrag, daß die jetzt auf Sonn­tage verlegten Feste: daö Erntefest, die Bußtage, das Reformationsfest, sowie Epiphanias, Johannis, Michae­lis, die Apvsteltage und drei noch da und dort übliche Marienfeste alle auf Werktage, wenn auch zunächst nur als Wochengottesdienste ohne Arbeitseinstellung zurück­verlegt werden sollten, erhoben sich einmüthig nach einer arisführUchereÜ, meist praktischen, gegen die lutherische Position gerichteten Deduction des Dr. Dittenberger die sämmtlichen thüringischen Abgeordneten, denen sich die von Baden, Braunschweig und Lippe-Detmold an- schlossen. Sie blieben jedoch in der Minorität und verlangten deshalb, daß ihre Abstimmung in dieser wich­tigen, selbst in das sociale Leben des Volks nach ihren Consequenzen tief eingreifenden Frage zu Protocoü ge­nommen werden möchten. Die Ansicht der Versamm­lung wendete sich aber durch dieses entschiedene Auftre­ten und die folgenden Anträge des Referenten fielen sämmtlich in ihrer ursprünglichen Gestalt. Die mannig­faltigen kleineren Feste wurden nur für solche Landes­kirchen, wo sie historischen Boden bereits haben, in fer­nere Aussicht genommen und im Einzelnen das Resor- mationsfest auf den 31. October, das Epiphaniasfest auf den 6. Januar, den Bußtag in der ersten Woche der Avents- oder Passionszeit, das Erntefest am ersten Sonntag nach vollbrachter Ernte in den verschiedenen Ländern soweit thunlich zu bestimmen, angerathen.

Braunschweig, 28. Mai. Die „Deutsche Reichs- Zeitung" macht über die Zeichnungen für diebraunschwei­gische Bank und die Acticnvertheilung folgende Anga­ben: „Die Zeichnungen für die Bank betragen 230 Million, die Depots für dieselben 23 Mill, in Werth- papieren. Rücksichtlich der Acticnvertheilung ist beschlos­sen , daß auf eine Zeichnung von 5000 Thlr. und da­rüber eine Actie, auf 15,000 Thlr. und darüber zwei Acticn, auf 51,000 Thlr. und darüber drei Actien, auf 101,000 Thlr. und darüber vier Acticn, auf 201,000 Thlr. und darüber fünf Actien , auf 451,000 Thlr. und darüber sechs Actien, aus 1 Mill. Thl. und darüber 10 Acticn fallen sollen."

Kiel, 27. Mai. Der Prinz von No er, welcher bekanntlich gegen die russische Erbfolge Protest eingelegt, that soeben in dieser Angelegenheit noch einen wich­tigeren Schritt. Er delegirte nämlich von England aus einen Privat - Gesandten nach Kopenhagen, um seinem Proteste Nachdruck zu verleihen. Der Abgesandte ist Hr. Urquhart, welcher früher Legations-Secretär bei der englischen Gesandtschaft in Konstantinopel war und gegenwärtig ein Mitglied des Unterhauses ist, als wel­ches er schon zum Oefteren über die russisch-dänische Politik interpellirte und Palmerston's Connivenz laut an­klagte. — Die hiesigen Advocaten, mit Ausnahme von Bargum, Wichmann, Hedde, und v. Reergard, haben die officielle Anzeige erhalten, daß sie nach Einsendung des Homagial-Eidcs die Bestätigung ihrer Bestallungen zu gewärtigen haben.

Berlin, 27. Mai. Es wird in den dem königli­

chen Hose näher stehenden Kreisen folgender Character* zug des Herzogs von Brabant erzählt. Der­selbe hatte bis jetzt noch nie einem Ballet beigewohnt. Zur Feier der Anwesenheit des Königs der Belgier wurde bekanntlich an einem Abende im hiesigen königli­chen Opernhause das Ballet „Satanella" mit außeror­dentlicher Pracht aufgeführt. Der junge Herzog von Brabant, welcher natürlich auch Ungeladen war und diese Einladung unter den hezcichncten Umständen nicht umgehen konnte, erschien zwar in der Loge des Opern­hauses, wendete indessen die ganze lange Vorstellung hindurch nicht ein einziges Mal seinen Blick nach der Bühne hin, sondern schaute stets in das Publicum hin­ein, so daß derselbe in der That von dem, was auf der Bühne vorging, nicht das Mindeste wahrgenommen ha­ben soll. — Die „Zeit" berichtigt heute ihre eigene gestrige Mittheilung über den viel besprochenen Bau der Rhein brücke bei Köln, indem sie vernimmt, daß bis jetzt im Handelsministerium irgend eine Bestimmung noch nicht getroffen, also vorläufig von einem Baue noch gar nicht die Rede sein kann. — Durch eine Verfügung vom 20. Mai hat der Minister von Raumer die Regierungen angewiesen, darauf zu hal­ten, daß ferner kein Schullehrer sich mit der Jagd be­schäftige.

Der Gemeinderath von Beilin hat die vom Magi­strate beantragte Betheiligung mit 25,000 Thlrn. aus städtischen Geldern an dem Aclienuuternehmen zur Er­richtung von Wasch- und Badeanstalten abgelehnt. Man schien bei diesem Beschlusse durch die Erwägungen ge­leitet zu werden, daß daö gedachte Unternehmen, dessen Nützlichkeit man übrigens nicht verkannte, mehr oder minder auf kaufmännischer Speculation beruhe und daß dem Bedürfniß , namentlich für die allerärmste Klasse der Bevölkerung, welche diese Anstalten dennoch nicht würde benutzen können, nur durch die Errichtung eige­ner städtischer Badeanstalten würde abgeholfen werden können. — Die „Zeit" berichtigt die Nachricht, daß eine Industrie-Ausstellung des Zollvereins beabsichtigt werde und daß Preußen auf der nächsten Zvllvereinsconfcrenz darauf hingehende Anträge stellen wolle. Bis jetzt fei noch nichts darüber bekannt geworden, daß dahin zielende officielle Schritte gethan seien. — Die Berliner Blätter melden, daß die preußische Diplomatie nun auch in der Schweizer Frage mit Oesterreich Hand in Hand gehen wolle.

Leipzig, 26. Mai. So weit die von den Kölner Assisen im Herbste v. I. zur Aburtheilung gekommene sogenannte Kommunisten Verschwörung ihre Ver­zweigungen nach Sachsen hatte, sind dieselben vor eini­gen Tagen nunmehr ebenfalls durch richterlichen Spruch in zweiter Instanz zur Vexurtheitung gekommen, und ist dem Hauptangeklagten / Schriftsetzer Gangloff, eine vierjährige Arbeitshausstrafe zuerkannt worden. Ein in dieselbe Angelegenheit verwickelter Commis eines hie­sigen Bankierhauses kam mit sechs Wochen Gefängniß davon.

Wien, 28. Mai. Der „Lloyd" enthält folgende Notiz: „Aus zuverlässiger Quelle geht uns die Nach­richt zu, daß der Domcapitular und geistliche Rath Beda Weber, gegenwärtig in Wien, sein Mandat, welches ihn als Stellvertreter des Bischofs von Lim­burg in die erste Kammer der Landständc zu Wiesbaden beschied, niedergelegt und den Bischof ersucht hat, für eine Ersetzung zu sorgen. Somit ist die, nach öffent­lichen Blättern von der ersten Kammer zur Prüfung seiner Vollmacht niedergesetzte Commission überflüssig ge­worden."

Ueber die österreichisch-schweizerische Dif­ferenz enthielt gestern die Oesterreichische Korrespondenz folgende officiöse Mittheilung: „Die bisher mit der Schweiz gepflogenen Verhandlungen, deren Zweck be­kanntlich darin bestand, befriedigende Garantien von Seite derselben bezüglich der Erfüllung ihrer völkerrecht­lichen Verbindlichkeiten, und namentlich zur wirksamen Verhinderung revolutionärer, von den Flüchtlingen auf ihrem Gebiete angesponnener Umtriebe zu erlangen, ha­ben bisher zu keinem erwünschten Ergebnisse geführt. Unter solchen Umständen gebrach eö an der Grundlage zur Wetterführung der Verhandlungen, und konnte auch im gegenwärtigen Augenblicke die Anwesenheit deS kais. österreichischen Geschäftsträgers, Grafen v. Karnicky, am Sitze der schweizerischen Bundesregierung nicht für zweckmäßig angesehen werden. Derselbe ist daher von der kais. Regierung aufgcfordert worden, sich einstweilen hierher zu verfügen. — Der Abhaltung der General­versammlung der katholischen Vereine Deutschlands steht nichts mehr im W ge. Die Versammlungen wer­den im k. k. Redoutensaale in der Kaiserburg staltfindcn. — Das Carrousel wird noch einmal muchmaßlich wäh­rend der Anwesenheit Sr. Majestät des Königs von Baiern in Wien wiederholt werden. — Vom Grafen von Rechberg sind bereits zwei vollständige Berichte ans Verona eingegangen, in welchen, wie verlautet , eine baldige günstige Lösung der Sequester-Angelegenheit in Aussicht gestellt ist. ES sind seitens mehrerer der lom­bardischen Flüchtlinge, welche reich begütert sind, die Unterwerfungs-Acte bereits eingegangen, und diese dürf­ten wohl auf Grund ihrer freiwilligen Unterwerfung von den Sequcster-Decreten eximirt werden. Es scheint auch Herr v. Revel werde Ende d. M. auf seinen Posten hierher zurückkehren.