Kaiser keinerlei Art von Dotation für die Kaiserin; der desfallsige Vorschlag ist jedenfalls nicht von ihm ausgegangen und wird wohl zurückgezogen werden. — Dem letzten Tuilerieenballe wohnte Marschall Narvacz bei. — Dem Seine Präfecten unter Ludwig Philipp, de Ram- büteau, soll die Senator-Würde angeboten, von ihm jedoch abgelehnt worden sein. — Der noch immer zu Marseille weilende Kriegsminister ist wieder ziemlich leidend; er hatte sich zu früh anstrengenden geistigen Arbeiten hingegebcn. — Gravier de Cassagnac zieht heute gegen die Union und die Assemblee Nationale los, weil diese Blätter weniger als er von der englischen Friedensadresse begeistert sind. Doch zeigt er dadurch nur, daß er wiederum über die eigentliche Ansicht der Regierung übel unterrichtet sei. Dem Kaiser soll es unangenehm sein, daß jene Manifestation ohne alle Mitwirkung der englischen Regierung vor sich ging, und er soll Hrn. Drouin de l'Huys sogar Vorwürfe gemacht haben, sich nicht rechtzeitig mit dem englischen Botschafter über diese Angelegenheit benommen zu haben. — Briefe ans Vannes vom 6. April melden, daß sich Blangui beim Ucbersteigen einer Mauer leicht verletzt hatte. Blangui und Cazavan, welche die nämliche Zellc bewohnten, machten ihren Fluchtversuch in der Stacht vom 4. auf den 5. April. Sie sollen Puppen aus ihren Kleidern gemacht und so die Wächter, welche sich begnügten in die Zelle hineinzublicken, getäuscht haben. Mittels eines Strickes überstiegen sie eine Mauer und dann den Graben der Citadelle. Erst am andern Morgen wurde ihre Flucht bemerkt. Die Truppen der Garnison, die Gensd'armcrie und ein Theil der Kerkermeister begannen sofort ihre Verfolgung. Schon um 9 Uhr Morgens wurden sie im Dorfe Radence aufge- funden, wo sie sich in der Scheune eines Bauers versteckt hatten. Um 4 Uhr Nachmittags waren sie wieder im Palais, dem Hauptorte der Insel. Blangui saß wegen seiner Wunde auf einem Wagen, dem Cazavan zu Fuß folgte. Der erstere trug den Gefängnißanzug, letzterer einen schwarzen Frack. Sie hatten iOOO Frs. in Gold und mehre Juwelen bei sich, die in ihre Kleider eingenäht waren. — Fünf Journale von Paris, die Debatö, der Constitutionnel, das Pays, die Presse und der Sièclc, haben eine eigene Anordnung getroffen. Bis jetzt war es Mode, daß die Redactoren der finanziellen Bulletins darin von den industriellen und finanziellen Gesellschaften sprachen, die im Entstehen waren, oder die sich bilden wollten. In Zukunft wird dies nicht der Fall sein, da die betreffenden Redactoren Befehl erhalten haben, nur noch von solchen Gesellschaften zu sprechen, die sich in den genannten fünf Journalen haben ankündigen lassen. So darf jetzt nicht mehr von der Darmstädter Bank, von der Bayonne-Madrider Eisenbahn, von den algerischen Paketbooten und noch mehreren andern Unternehmen gesprochen werden, da dieselben den fünf genannten Journalen ihren Annoncentribut noch nicht dargcbracht haben. — Die Anleihe, welche Rothschild mit der päpstlichen Regierung abge- schlossen hat, beträgt 8 Millionen Scudi. Der Zinsfuß ist zu 4Proc. festgestellt, und der Preis 70 Scudi. Bekanntlich will die römische Regierung die Fonds, die sie dadurch erhält, zur Tilgung des römischeu Papiergeldes verwenden.
Ueber die Unpäßlichkeit des Kaisers erfährt die „A. 91 Ztg.", daß man schon bei dem Wettrennen am verflossenen Sonntag bemerkte, daß der Kaiser mit dem rechten Fuß schwer aufiritt, und auf dem porgestrigen Hofball sich des Tanzens enthielt. Sicherm Vernehmen nach, hat sich auf dem rechten Schenkel ein kleines Geschwür gebildet, welches eine leichte chirurgische Operation nothmendig machte, in Folge deren die Aerzte dem hohen Patienten riethen, den gestrigem Tag im Bette zuzubringen. — Herr v. Neurath, der württembergische Miüister der auswärtigen Angelegenheiten, ist von dem Kaiser zum Großoffzier der Ehrenlegion ernannt worden. ■— Der Fürst de la Moskowa schiffte sich am 8. zu Marseille nach Algerien ein, um das Commando über sein Regiment wieder zu übernehmen.
Das ministerielle Amtsblatt, die „Patric", widmet den Bewegungen der Flotte einige Bemerkungen. Dieselbe war am 28. März an Malta vorbeigesegelt, wo der Admiral Dundas sogleich an den Admiral de Las- susse ein Dampfschiff abgehen ließ, um ihm die letzten Nachrichten aus Constantinopel mitzutheilcn, welche durchaus friedlich und beruhigend sind. Am 4. April befand sich die Flotte im Golf von Karon, in der Nähe des Caps Matapan. Indem sie zwischen der Insel Cerigo und der Südspitze des Peloponneses durchfuhr, nahm sie wegen eines heftigen Nordwindes, ohne daß sie jedoch Schaden erlitten, die Richtung auf Milo, welches eine der geräumigsten und sichersten Rheden des Archipels besitzt, die aus einer Fläche von zwei Seemeilen Länge und zwei Seemeilen Breite, auf einem An- kergrund von sechs Klaftern bis zu 30, eine große Anzahl Schiffe bergen kann. Der Hafen von Milo, am Eingang des Archipels gelegen, hat längst das Vorrecht, den französischen Kriegsschiffen der levantischen Station die Lootsen zu liefern, die im allgemeinen sehr geschickt sind, und von denen mehrere der geleisteten Dienste wegen Ordenöauszeichnuugen erhalten haben, daher die französische Flagge in Milo sehr populär ist. Sowie man um Morea herum ist, gewahrt man den
St. Eliasberg, an dem man Milo erkennt, der Eingang der Rhede ist durch einen ungeheuern vulcanischen Felsen bezeichnet, unter dem Namen Anti-Milo bekannt, aus dem man wilde Ziegen findet. Von Milo nach Salamis, wohin sich die Flotte begibt, sind cs noch ungefähr 35 Seemeilen, und der Weg dahin führt westlich an den Cycladeu und östlich von Hydra, das noch heute eine der ansehnlichsten Seestädte Griechenlands ist. Der Ankerplatz von Salamis liegt etwa zwei Meilen nordwestlich vom Piräeus, er ist groß genug, um das zahlreichste Geschwader zu bergen. Von Salamis nach den Dardanellen zählt man gegen 80 Seemeilen. Die vom Mai bis September im Archipel vorherrschenden Winde sind von der Nordseite bedingt: sie wehen heftig bei Tag, gemildert bei der Nacht. Ein Geschwader, das sich von Salamis nach Tenedos, am Eingang der Darda- uelleu, begeben sollte, fände daher in dieser Jahreszeit einige Schwierigkeiten, ob es um das Cap Doro oder durch den Canal zwischen Tinos und Mikoni segeln wollte, wenn es keine Dampfschiffe zur Verfügung hätte, um sich an Schlepp nehmen zu lassen, wenn der 9iorb= wind schwach genug ist, dieses Manöver zu erlauben. Die nautische Entfernung von Toulon nach Constantinopel in der geradesten Richtung beträgt gegen 450 Seemeilen, einen Raum, den ein Segelschiff durchschnittlich in zwciuudzwauzig Tagen, eine Dampffregatte bei gewöhnlicher Geschwindigkeit in sieben Tagen durchläuft. Das Geschwader war nach elftägiger Fahrt beim Cap Mu a ton angckommen, eine schon günstige Reise da die Fahrt mehrerer Schiffe zusammen nicht so rasch ist, als die eines âzelnen.
Das „Journal des Debats" lenkt in einem längeren Artikel aus der Feder Saint-Marc Girardin's die Aufmerksamkeit auf die Stellung, welche gegenwärtig Deutschland in der orientalischen Frage einnimmt, eine Stellung, welche neu ist, und durch die thatsächlichen Gestaltungen der neuesten Zeit, vor Allem durch den Handelsvertrag zwischen Oesterreich und Preußen hervorgerufen wurde. „Dieser Vertrag," sagt Hr. Girardin, „wird einzig dastehen in der Geschichte; denn ein durch und durch theoretisches Volk, welches durch alle Versuche der Politik, der Philosophie und der Presse umsonst seine nationale Einheit anstrebte, hat sie jetzt im Handel und in der Industrie gefunden. Dieser allmächtige Einfluß beschränkt sich nicht darauf allein, er erstreckt sich unwillkürlich auf die Haltung, welche jetzt Deutschland gegenüber dem Orient behaupten muß. Bisher war Norddeutschland nach seiner Religion und Politik gänzlich von Süddeutschland getrennt, und wer weiß, ob es sich nicht zuweilen der Verlegenheit freute, welche für Oesterreich im Süden und Osten erwuchsen. Als die Türken Wien belagerten, da waren es nicht die Deutschen, da waren es die Polen unter Sobieski, welche zum Entsätze herbeikamen, und bis auf die neueste Zeit bemerkte man nie große Sympathien im Norden Deutschlands, wenn Ereignisse eintraten, die auf eine Schwächung der österreichischen Monarchie abzielten." — „Jetzt ist es anders, glücklicher Weise anders," ruft der französische Publicist aus, „wir erinnern an das Wort des Königs von Preußen: .„„Wohlan, so werden wir an den Ufern des Po die preußische Krone vertheidigen k"" Das ist keine Solidarität der Kronen mehr, siie ist fortan eine allgemeine deutsche und das macht ihre Stärke. Nichts kann von nun an in Oesterreich geschehen, was gleichgültig für Deutschland wäre, und jeder Bewegung Oesterreichs im Orient muß eine gleichförmige in Deutschland folgen. Deutschland hat nun sein Havre und Marseille in Hamburg und Triest, cs ist nur natürlich, wenn es nebst diesem einen deutschen Hafen in den Gewässern des mittelländischen Meeres, einen zweiten in Salonik zu besitzen wünschte. Wie dem sei," schließt hier der erste Theil dieses bemerkens- werthen Artikels,,, die neue commercielle Lage Deutschlands erklärt seine politische Stellung, und Oesterreich legt in Constantinopel das Gewicht feiner Vereinigung mit Deutschland in die Waagschale."
; Großbritannien.
London, 11. April. Gestern wurde ein günstig lautendes Bulletin über das Befinden der Königin aus- gegeben. Die Umgegend von Buckingham Palace ist noch immer sehr belebt durch die ab- und zufahrenden Equipagen der Edelleute und Gentlemen, welche über das Befinden der königlichen Wöchnerin Erkundigungen cinzichen.
Die Königen und der kleine Prinz erfreuen sich der besten Gesundheit. Der Neugeborne soll den Namen Georg erhalten und der Herzog von Cambridge sein Taufpathc werden. Wahrscheinlich wird die Taufe am 23. April, dcm Feste des H. Georg, den die Engländer noch immer für ihren Schutzpatron halten, mit den üblichen Feierlichkeiten stattfinden. — Auf dem Londoner Markte werden für zwei ausländische Eisenbahn-Unternehmungen Geld geworben. Für eine nord-spanische Bahn wird ein Capital von 6,300,000 8. gesucht; in Loudon sollen 2,520,000 L., in Paris eben so viel, und in Madrid 1,260,000 L. gezeichnet werden. — Das zweite auswärtige Unternehmen ist eine peruanische Bahn vom Hafen von Arica nach Tasua, eine Strecke von 40 Miles.
Unter den Passagieren, die mit dem „Dampfboot „Canada" zu Liverpool angelangt, befindet sich Harriett I
Beecher Stowe, die Verfasserin von „Onkel Tom'S Hütte."
Italien.
Mailand, 7. April. Unter dem Andrangè einet außerordentlich großen Menschenmenge und vom schönsten Wetter begünstigt, wurde vorgestern in unserer Stadt eine schöne militärische Feierlichkeit begangen, die Ver- theilung von Ehrenzeichen an jene Soldaten, welche am 6. Febr. in Mailands Straßen entschlossen den von Mazzini mit Dolchen bewaffneten Raubmördern ent- gegengetretcn. Die Zahl dieser Geschmückten beläuft -sich auf 37, worunter der Oberlieutenant Karl von Pohanka des Erzherzog Karl 3ten Linien -Infanterieregiments das Militär-Verdienstkreuz, 6 Soldaten die silberne Tapferkeitsmedaille Ister Classe und 12 jene 2ter Classe, 11 das silberne Verdienstkreuz mit der Krone und 7 dieselbe Auszeichnung ohne Krone erhielten. — In den letzten Tagen der vorigen Woche wurde in Mailand der im Jahre 1848 desertirte k. k' Oberlieute^ nant Anelli, jetzt, irre ich nicht, Hauptmann in piemon- tesischen Diensten, in effigie vom Henker an den Galgen ausgeknüpft.
Heute ist hier ein kaiserlicher Befehl eingegangen, durch welchen die Stadt Mailand mit dem 11 d. 'M der Kontribution enthoben wird, die ihr wegen der Vorgänge vom 6. Febr. als Buße auferlegt worden war. (Wir berichteten gestern, daß die Truppen blos auf die Bercitschastsgebühr gesetzt wurden.) Die Summe der Unkosten, welche unserer Stadt jenes verrichte Mazzini'- sche Bubenstück aufgebürdet, wird sich (vom 7 Fbr. bis V10 April gerechnet) ungefähr auf 2 Millionen Zwanziger belaufen. Der k. k. Stadthalter der Lombardei, Graf Strassoldo, hat in der Eigenschaft eines Präsidenten, der in Mailand rcsidirendeu internationalen Zollvereinscommission eine Geschäftsreise über Lodi in die dem Vereinsgebiet einverleibten italienischen Herzogthümer angetreten, und wird zu Anfang der nächsten Woche wieder auf seinen Posten in Mailand zurückkehren. Die An- .funft Sr. k. k. Maj. in Venedig wird bestimmten Nachrichten von Wien zufolge am 29 April erfolgen.
Turm, 10. April. Der französische Gesandte am tu rin er Hose, Herzog von Guiche, hat dem König von Sardinien heute sein Beglaubigungs - Schreiben überreicht.
Aus Florenz, vom 5. Avril, geht der A. A. 3* eine Berichtigung zu, nach welcher die früher gemeldete Ausweisung des Hr. Sabatier gänzlich auf Irrthum beruht. Auch wurde nicht in dem Hause der Frau Sabatier Ungher sondern nur in dem ihres Verwalters eine Haussuchung gehalten, ohne daß sie zu irgend einer Entdeckung geführt haben soll.
Ueber die neulich in Palermo vorgenommenen Verhaftungen berichtet der Couriere Mercantile svom 7. d., daß dieselben in den Tagen zwischen dem 22. u. 27. März stattfanden und sich über Personen, die den verschiedensten Volkselassen angehörten, erstreckten. Einige der Verhafteten wurden sofort nach der Citadelle von Messina gesandt. Als Grund der Maßregel gibt man die Entdeckung großer Waffenvorräthe an, die seit 1849 in verschiedenen Theilen der Insel verborgen gewesen sein sollen.
Türkei.
Ein Brief der Times aus Constantinopel vom 28. März enthält folgende Nachschrift: „Ich habe so eben aus bester Quelle gehört, daß die Sendung des Fürsten Meuczikoff nicht mehr und nicht weniger zum Zwecke hat, als den Abschluß eines Allianz-Vertrages, ähnlich dem von Unkiar Skelessi. Bisher ist dies ein tiefes Geheimniß gewesen, und ist es auch noch. Die Türken leisten Widerstand, bis sie den Rath Englands und Frankreichs erhalten haben werden."
In den Kohlenminen nahe bei Heraclin haben die dort arbeitenden Chorwaten und Montenegriner revol- tirt, die türkischen Beamten und ihre Familien zusam- mengcmetzclt, und nebstbei mehrere hülfeleistende Personen verwundet. Dieses Ereigniß brachte die ganze Umgegend auf die Beine, weil sich das absurde Gerücht verbreitete, daß sich Fürst Meuczikoff mit Truppen ausgeschifft habe und das ganze Land erobern werde. Die Regierung hat Truppen an Ort und Stelle abgesendett Mehrere von den Angeschuldigten find gefangen nach Constantinopel gebracht worden. Die Untersuchung über den Vorgang findet bereits statt.
America.
New-Aork, 20. März. Der Präsident, General Pierce, soll beabsichtigen, die Expedition nach Japan als zweck- und nutzlos abzucommandiren, da sie nicht stark geuug sei, die Japanesen zu zwingen, ihre Häfen zu öffnen, und UeberredungSversuche wohl keine Folgen hätten. — Man bedauert, daß dieFischercifrage vor Vertagung des CongresseS nicht vollständig erledigt worden ist, da man neue Verwickelungen entstehen zu sehen fürchtet.
Aus. Neuorleans wird auf telegraphischem Wege gemeldet, daß das mit Baumwolle und Korn nach Liverpool beladene englische Schiff „Abcona" in Brand gerathen ist.
