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«Machten erhalten, um im Wege weiterer Verhandlungen die von der Türkei gewährten Forderungen Oesterreichs durchzuführen. — Die Mehrzahl der sich in der türki­schen Armee befindlichen Flüchtlinge, welche in Folge des zwischen Oesterreich und der Pforte geschlossenen Vertrags internirt werden sollen, haben angesucht, aus- wandersizu dürfen, der Rest derselben soll den in BrUssa stationirten Truppen eingereiht werden. Diejenigen, welche höhere Militärchargen bekleiden, haben auch theil- weise- um Pensionen nachgesucht.-'— Im Dresdener Journal wird daraus aufmerksam gemacht, daß Graf O'Donnel ein Zögling des Dresdner Cadettenhauscs ist, aus welchem er in die k. k. Armee trat, der auch sein Vater, der Feldmarschalllicutenant Graf O'Donnel, angehört hatte. Ferner wird das Bedeutsame des Wap­pens hervorgchoben, welches der österreichische Zweig dieser alten irischen Familie führt: ein senkrecht mit der Spitze nach unten gekehrtes Schwert, in dessen Schneide die Hand eines seitwärts hereinrageuden Armes greift. Darunter die Devise: In hoc signo vinces.

Der Rnchsprimas von Ungarn ist gestern wieder nach Gran abgereist. Während seiner Abwesenheit in Wien wohnte er jeder Sitzung der hier versammelten bischöflichen Conferenz bei und bctheiligte sich lebhaft bei den aus den Abschluß des Concordats mit Rom Bezug habenden Verhandlungen. Die Reform der un­garischen Klöster wird als das nächste Ziel der Thätig­keit des Rcichsprimas betrachtet.

Wien, 12. März. Der Gesandtschaftsposten in Konstantinopel soll dem Vernehmen nach für den er­krankten Herrn Grafen von Rechberg dem Herrn Gra­fen von Leiningen verliehen werden. - - Nach einer tclegr. Meldung aus Berlin, soll die erste Sitzung der Zollvereinsconferenz am 12. d. stattfinden. — Wie man aus der Schweiz berichtet, hat der Bundesrath in der vsterr.-schweizerr. Differenz die Vermittlung Frankreichs angesucht. — Die Schilderung, welche ein Correspon- dent des „Osservatore dalmato" von dem türkischen Lager bei Grahovo entwirft, erinnert an den Zustand der französischen Armee beim Rückzüge aus Moskau. Eine weite schauerliche Schneeebene dehnt sich vor den Augen aus; mehr als 400 todte Pferde und Menschen- leichen liegen zerstreut auf derselben; die Gesichter der Lebenden sind bleich und abgezehrt; zerlumpte Gestalten waten im Schnee und Koth; einige haben in mit Stroh und dürren Aesten bedeckten Hütten Zuflucht genommen, andere lagern auf Ochsenhäuten, die meisten unter freiem Himmel. Ueberall ist Mangel an Brod, der Anblick der Hungrigen, Erfrorenen und Kranken erregt wahres Herzleid. Man braucht täglich, um alle zu ernähren, mindestens 10,000 Occa Mehl und nicht der fünfte Theil wird zugeführt. Dervies Pascha zahlt jeden Preis, woher aber Vorrälhe nehmen? Er ruht in einem Ge­häuse aus Stein und Holz einige Stunden, verbringt aber den übrigen Theil des Tages und der Nacht auf dem Pferde zu, stärkt sich mit Branntwein, von dem er täglich zwei bis drei Occa zu sich nimmt.

E' Wien, 12. März. Nachmittag. Die Stadt „Wien" hat wohl noch nie ein so schönes Fest gefeiert, als heute, an dem Tage, an welchem Se. Majestät zum ersten Male seit jenem vcrhängnißvollen 18. Febr. wieder in der Mitte seiner treuen Bürger erschien. Se. Majestät begab sich nämlich heute Nachmittags um drei Uhr in die Kirche nach St. Stephan, um dort Ihr Gebet für die glückliche Errettung zu verrichten, und den Heil. Segen zu empfangen. Alle Straßen, dnrch welche der Zug ging, waren auf das Festlichste ge schmückt; sie glichen einem Blumengarten, so sehr waren die Häuser mit grünen Reisern und natürlichen Blumen geziert. Fahnen flatterten aus den Fenstern und von den Giebeln der Häuser, und überall begegnete das Auge den Portraits und Büsten des Monarchen, welche ans die sinnigste Weise geschmückt waren. Auf dem Stephansplatze waren drei Bataillone Grenadiere unter dem Commando eines Generalmajors ausgestellt; sonst sah man auf den Straßen kein Militär, es machten nämlich die Bürger selbst, angethan mit ihren Festklei­dern die Spaliere von der Hosburg bis zur Kirche, vor deren Eingang die Geistlichkeit den Monarchen erwartete. Als Seine Majestät erschienen, begleitet von einer gro­ßen Anzahl von Celebritäteu aus dem Militär und dem Civile, erfüllte ein tausendstimmiger Jubelrus die Luft, der nur so lange schwieg, als Se. Majestät sich in der Kirche befanden, sogleich aber sich erneuerte, als Aller- höchstdicselbcn wieder erschienen. Es herrschte ein un­gemeiner Enthusiasmus, der sich kaum beschreiben läßt, alle Classen der Bevölkerung wetteiferten in den Loya­litätsbeweisen, und der Monarch war tief gerührt, so daß Thränen in seinen Augen glänzten. — Man hofft, daß Allerhöchstdieselbeu auch die heute Abend stattfin- dende Stadtbeleuchtung in Augenschein.nehmen werden und hat bereits die umfassendsten Vorbereitungen ge­troffen, um dieselbe so glänzend wie möglich zu machen. — Das diplomatische Corps war. ebenfalls vollständig versammelt, und begleitete Sc. Majestät sowohl auf dem Wege in die Kirche als auch auf den Rückweg. Außer diesem bemerkte man auch alle hier anwesenden Glieder des Allerhöchsten Kaiserhauses, eine sehr zahlreiche Ge­neralität, den Reichsrath und die Minister. — Der Kaiser steht zwar noch etwas blaß aus, ist aber voll­kommen hergestellt, und es macht sich durchaus keine

nachtheilige Folge der Verwundung bemerkbar, wofür man, in Hinblick auf die Gefährlichkeit der Letzteren dem Himmel nicht genug danken kann.

.grönkmd).

Paris, 12. März. Der „Moniteur" veröffentlicht als „ihm zugesandt" eine Sympathie- und Friedens- adreffe von Londoner Geschäftsreisenden, Banquiers und Kausleuten, welche die Franzosen vor der irrthümlichen Meinung bewahren wollen, als ob der alte National- Haß noch bestehe und als ob die englische Presse mit ihrer oft leidenschaftlichen Sprache die Gesinnungen der englischen Bevölkerung ausdrücke. — Man versichert, der Bey von Tunis werde in Kurzem in Frankreich erwartet-, um dem Kaiser einen Besuch abzustatten; er würde schon im Laufe des nächsten Monats in Paris eintreffen. — II. MM. besuchten gestern Nachmittags, vom Großkanzler der Ehrenlegion, General Ornano, und dienstthuendem Hofpersonal begleitet, das mit der Ehrenlegion verbundene Erziehungshaus zu St. Denis, so lpie den Dom daselbst. Der Kaiser theilte an die besten Schülerinnen Geschenke aus und nahm von ihnen Blumensträuße entgegen. Am Eingänge des Domes wurden II. MM. vom Capitel empfangen und vom Decan mit einer Lobrede auf Napoleon's 1. Verdienste um diese Kirche begrüßt, worauf das Domine salvum fac Napolconcm gesungen wurde. Die Denkmäler des Domes wurden sodann besichtigt. Gestern Abend be­suchten II. MM. das Theatre Franyais. — Wie cs heißt, soll für jedes Departement ein Jnspector des Buchhandels, im Ganzen also 86 derartige Beamten, mit sehr ausgedehnten Attributionen, ernannt werden. — Die Patric erklärt das Gerücht von einem Attentat auf den König von Neapel für unbegründet. — Der Telegraph meldet, daß der Kriegsminister heute Mittag zu Lyon eintraf. Er befand sich etwas besser und hatte die Reise gut ausgehalten. — Vor Niedcrlegung der Dircction der schönen Künste hat Hr. Romieu aus dem Zuschußfonds für das Theatre Franyais 25,000 Frs, unter die dramatischen Schriftsteller vertheilen lassen. — Der berühmte Toxikologe und Chemiker Orfila, Professor in der hiesigen medicinischen Facultät, ist heute früh gestorben. Mehrere Wohlthätigkeitsanstalten tragen seinen Namen. — Der Ex-Montagnard de Saint-Ferreol hat von der Regierung Erlaubniß erhalten, auf einen Monat nach Frankreich zu kommen, um Familienange­legenheiten zu ordnen, da ihm während seiner Verban­nung beide Eltern gestorben sind. — Der Gcmeinderath von Carguefou ist vom Präsecten aufgelös't worden, weil, als die Eidesleistung stattfinden sollte, eilf Mit­glieder gar nicht erschienen, neun den Eid verweigerten und nur Eines ihn leistete. — Herr de Lacour hat vom Ministerium des Auswärtigen seine Instructionen erhal­ten und wird bis Montag auf seinen Gesandtschaftspo­sten nach Constantinopel abreisen.— In Lyon haben in Folge der Entdeckung einer geheimen Gesellschaft Ver­haftungen stattgefunden. — Die gegèn den angeblichen Mörder des Erzbischofs Affre vorliegenden Verdachts­gründe sollen nicht der Art sein, daß eine Anklage ge­rechtfertigt wäre; man glaubt daher an eine baldige Freilassung. — Mlle. Marthe, eine Schauspielerin des Vaudeville-Theaters, welche in einer intimen Beziehung zu dem aus so unglückliche Weise verschiedenen Grafen Camerata gestanden hatte, hat sich heute durch Kohlen­dampf erstickt. Es heißt, daß die TestamcutSexecutoren des Verstorbenen ihr noch gestern einen Besuch abge­stattet und mehrere Papiere von ihr verlangt hätten. Sie ward heute von ihren Kunstgenossen feierlich be­stattet. — Der Marschall Jerome wird in vierzehn Ta­gen das Palais-Royal beziehen können, da die sehr luxuriös ausgeführten Verschönerungsarbeiten bis dahin beendigt sind. — Hrn. Goudchaux, ehemaligem Mit- gliede der provisorischen Regierung, welcher hier Bei­träge für die Londoner Flüchtlinge in Empfang nahm, die mitunter sehr beträchtlich waren, soll bedeutet wor­den sein, diese Mission aufzugebcn.

Der Erzbischof von Paris hat bekanntlich ein Scheiben an den Papst gerichtet, worin er sich über das Auftreten des Bischofs von Moulins beschwert, der sein Urtheil gegen das „Univers" nicht allein mißbilligt, sondern sich sogar in einem Hirtenbrief in einer'Art und Weise darüber ausgelassen hat, die ganz gegen die bischöfliche Hierarchie und für Monsgr. Sibour sehr be­leidigend war. Der Brief deS Erzbischofs ist ziemlich heftig abgefaßt; das Auftreten des Bischofs von Mou- linS, der den Gebräuchen zuwider seinen Brief mit sei­nem Familiennamen (Dreux Breze) unterzeichnet hat, was der Erzbischof besonders hervorhebt, wird in den schärssten Ausdrücken getadelt. Am Schluß deS Schrei­bens stellt der Monsgr. Sibour folgendes Gesuch an den Papst: „Ich übergebe daher, heiliger Vâter, dem Richterstuhl Ew. Heiligkeit das Rmrdschrciben des Mon­seigneur von Moulins und verlange Gerechtigkeit von Ihnen. Ich verlange Gerechtigkeit im Namen der durch die aufreizenden Diskussionen eines gewissen Journalis­mus gefährdeten Interessen, im Namen meiner ehrwür­digen Collegen, die in die Sache, für welche ich kämpfe und beleidigt werde, verwickelt sind, im Namen der auf unwürdige Weise verletzten kanonischen Rechte, im Na­men Ew. Heiligkeit selbst und der Rechte, die Sie mir übertragen haben, als Sie mich zum Erzbischof von Paris ernannten."

Es zeigt sich immer klarer daß man in den höhèrff Regionen auf ein inniges Bündniß mit England los­steuert. Der Kaiser selbst hat in dieser Beziehung die Initiative ergriffen- Dem guten Einverständnisse mit dem britischen Cabinet ist mitunter auch zu danken, daß sich die Beziehungen zu Belgièn gebessert haben. Man versichert noch, daß die Idee eines Diplomaten im Laufe des nächsten Sommers eine Zusammenkunft des Kaisers mit Ihrer britischen Majestät zu veranstalten in London sehr gut ausgenommen wurde, und daß sich deren Ver­wirklichung weder unser, noch das britische Cabinet wi­dersetzt.

Italien.

s Turin, 10. Mürz. Die königl. piemoti- tesische Regierung erklärte, keinen Mißbrauch der Gastfreundschaft von Seite der Flücht­linge, sei es durch feindliche Haltung derselben gegen die Verfassung, sei es gegen befreundete Re­gierungen dulden zu wollen.

Turin. Nach dem „Parlaments" vom 9. d. M ist die gegenwärtig zu Malta befindliche britische Mittel­meerflotte zwischen dem 20. und 25. d. zu Villafranca erwartet. Ein Theil dieser Flotte wird sich von da nach Spczzia begeben.

Parma, 5. März. (N. M. Z.) Ein herzogliches Dekret, vom 25. Februar schon datirt, verfügt, daß Diejenigen, welche gegen die Sicherheit eines auswär­tigen Sjaates conspiriren, mit 5 — 10 Jahren Zwangs­arbeit; jene die den Verschwörern eine Zufluchtsstätte gewähren, mit 3 — 5 Jahren Einsperrung bestraft, und jene, die durch Schriften oder Reden einem Attentats gegen die benachbarten Staaten Vorschub geleistet, mit der dem daraus erfolgten Verbrechen entsprechenden Strafe belegt werden sollen.

Vonaufürstenthümrr.

Ein Corresvondent der Triester Ztg. meldet über den Vorfall mit dem österreichischen Generalkonsul tu Sarajewo, Herrn Atanaskovich, weiter: Der Vezir hatte den Vorfall kaum erfahren, als er dem General- consul die strengste Genugthuung verbürgte und selbst die Tödtung des Frevlers am Platze veranlassen wollte. Der Generalkonsul erklärte, über diesen Punkt nicht entscheiden zu können und zu wollen, worauf Kiamil Pascha auf den glücklichen Gedanken verfiel, Nachforsch­ungen anzustellen, ob der Arnaute etwa Verwandte in Sarajewo habe, da bei den Arnauten die Blutrache üblich ist. Man fand einen Bruder desselben auf, der verhaftet ward um später entfernt zu werden. Sodann wurde beschlossen, den Frevler am Platze in Gegenwart aller österreichischen Consulatsbeamten zu peitschen, dann nach Konstantinopel als Sklaven zu senden und Alles dem Volke durch Telals (Ausrufer) besannt zu geben. Hurschid und Kiamil Pascha äußerten ihr tiefstes Be­dauern über den Vorfall, und das Gesagte bürgt für die vollkommenste Satisfaction. Der Arnaute soll sich zwar vor Gericht auf den Koran berufen haben, der ihm nicht gestatte, einem Christen auSzuweichen. Ob ihm dieser Vorwand wohl helfen wird? Freilich darf nach dem Sinn und Geiste des Korans kein Türke auch nur das geringste Gute einem Rajah erweisen! Wie wir vernehmen, hat dieser Arnaute bereits mehrere Mordthaten verübt; und auf solche Schandthaten hin werden dergleichen Menschen Zaptia's, d. h. Polizei­soldaten, Wachter der öffentlichen Ordnung und Sicherheit.

Neueste Nachrichten.

Bonn, 13. März. Professor Christian Friedrich Harleß, geboren am 11. Juni 1773, starb in den Morgenstunden des heutigen Tages nach kurzem Kran­kenlager.

Aus Breslau wird nun allseitig berichtet, daß die Wahl zum Fürstbischof wahrscheinlich auf den Dom­herrn Förster fallen «erde.

Wien, 14.März. General Hayn au und der Fürstbischof von Wien, Herr Milde, sind gestorben. — Se. Majestät der Kaiser besuchte gestern Abend das Bnrgtheatcr und wurde enthusiastisch empfangen.

Triest, 12. März. Die Türken haben Montene­gro geräumt. Omer Pascha hat sich nach Albanien, Reis Pascha nach Niksich, Dervis Pascha von Grabowo nach Kovienic zurückgezogen. Die gefangenen Graho- wianer/ darunter auch der Wojivode wurden initgeschlcppt; einer derselben Namens Samarich der todtkrank nicht fortkommen konnte, ward erschossen. Die Montenegriner dies erfahrend, beschlossen, seinen Tod zu rächen und braßten dem Dervis Pascha eine totale Niederlage bei, die Türken wurden gänzlich zersprengt, die Montenegri­ner machten eine Beute im Werthe von 6000 fl. C.-M.

* Nach der „Triester Zeitung" werden der Gene- raladjutant Sr. Maj. des Kaisers, Hr. General von Kellner und General Mamula in Cettinje erwartet.

Genna, 3. März. Die Nummern 22 und 23 der „Maga" wurden mit Beschlag belegt; in einer die­ser Nummern sollte — unglaublich und doch bezeichnen­der Weise! — der Name des Meuchelmörders Libcnyi mit Goldbuchstaben gedruckt sein.

Nach Berichten aus Lissabon vom 5. März steht die Auflösung des Cabinets Saldanha in sehr wahr­scheinlicher und naher Aussicht.

Verantwortlicher Rcvactcur A. Aonelr.