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Wie die amtliche London Gazette meldet, ist beschlossen die Schiffe welche unlängst mit Ablösungs- hupvcn für Malta und die jonischen Inseln ins Mittel­meer abgegangen, vorläufig dort zurnckzuhalten, anstatt die abgclösteu Regimenter sofort nach Brittisch - Nord- america einzuschiffc». Diese Zurückhaltung von Truppen und Transportschiffen im Mittelmeer scheint ans die, nun vorläufig gelösten, Wirren in der Türkei Bezug gehabt zu haben.

Am 26. v. M. wurden, wie der N. P. Z. berichtet, mehrere Beischläge mit Gewehren aus den St. Katha­rinen-Docks, wo sie sich zur Einschiffung seit einiger Zeit bereit fanden, durch einen magyarischen Insurgen­ten - Offizier, Namens Horvath — den man viel bei Kossuth aus- und eingeben sieht -^ nach einem Maga­zine der City transportirt, in welchem sie vorläufig bis zu einem neuen „völkerfreundlichen" Unternehmen de- pönirt bleiben dürften. — Auch Carlo Pisacane, ein römischer Jnjnrgentenchef, ist — aller Wahrscheinlichkeit nach ans dem Canto. Tessin — hier au gekommen, bei dessen Ankunft im Locale des sogenannten „Italienischen Natio- nalcomile'S" sofort eine Versammlung abgehalten wurde. — Derselbe Korrespondent erinnert daran, daß schon vor einem Jahre ein gewisser Pataky von London ausgesandt worden, um ein Attentat auf des Kaisers von Oesterreich Majestät zu voUführcii. In dem Urtheile des Kriegsgerichtes, welches jenen Pataky zum Strang verurtheilte, wurde dieses Mordanschlages ausdrücklich gedacht, und es gehört wirklich ein starker Aberglaube dazu,' den versuchten Kaisermord, der fast gleichzeitig mit dem großen Meuchelmord der Mailänder Freiheits- Banditen hervortrat, „für die Blutrache eines Einzel­nen" zu halten.

Wohin es führen kann, fährt derselbe fort, wenn diesen Leuten nicht energisch das Handwerk gelegt wird, ist nicht abzusehen, denn sie besitzen leider materielle Mittel genug um die tollsten Wagnisse zu unternehmen. Mazzini und seine Helfershelfer beziehen regelmäßige Zahlungen für die Revolutionscasse aus allen Theilen Italiens, und Kossuth hat bekanntlich aus America auch nicht unbedeutende Hülfsmittel mitgebracht, mit welchen Summen nun diese Menschen nach ihrer Art en Com­pagnie speculiren. Daß einer italienischen Bewegung die ungarische Revolution die Hand reichen sollte, ist in dem bombastischen Manifest Kossuth's klar ansge­sprochen. Er hat darin die „Verbrüderung" mit den Deutschen und Polen ignorirt, und zwar ans dem Grunde weil diese „Gesinnungsgenossen" dem Magya­ren und seinen Plänen nicht absonderlich Hold sind, ja in vieler Beziehung mit ihm geradezu in Opposition stehen. Die deutsche FlüchtlingSschaft, die mit vollen Segeln dem Socialismus und der Gütergemeinschaft znsteuert, will von Kossuth nichts wissen, denn sie be­trachtet ihn als einen Hackbe», der die „gründliche sociale Reform" seinem maßlosen Ehrgeiz und der Sucht den „Regenten" zu spielen aufopfere, wozu ihm nach den Erfahrungen in der letzten ungarischen Revolution jedwede Befähigung mangle. Die P ölen hingegen, von den Communisten bis zur sogenannten „consttlntio- nell conservativen (Czartoryski'scheu)" 'Partei, halten ein unabhängiges Magyarenreich für eine Chimär e. „Die Magyaren" — meinen sie — „haben kein Recht der österreichischen Regierung den Absolutismus und die Bedrückung vorznwerfen,' denn diese beiden Mittel, mit welchen man künstlich zusammengewürfelten Staaten das Leben friste, haben die Magyaren seit dem Bestehen ihres auf Kosten der Slave n errichteten Reichs mit der empörendsten Härte angewendet. Wenn die Magya­ren nun, nm die von ihnen projectirte Zerstörung Oester­reichs zu rechtfertigen, angeben daß dieser Staat keine nationale Berechtigung, keine Basis habe, und der Ita­liener, Ungar, Pole u. s. w. kein Oesterreicher sein wolle, so vergessen sie hierbei ganz und gar, daß der Serbe, Walache, Slowake, Croate n. s, w. auch fein Magyare sein will, was ein genügender Beweis ist, daß das geträumte I, Ungarreich" auch keine nationale Basis habe. Alte,. vergilbte Tractate und Pergamente geben der Sachlage keine andere Wendung, und die Gültigkeit derselben wird ja Oesterreich gegenüber gerade als „verbraucht bestritten. Endlich werden die Magya­ren von den Polen „Eindringliche auf slavischem Boden" genannt, und ihnen erklärt, daß die Thciln Hine der Polen an der letzten ungarischen Revolution nicht etwa zu Gunsten des Magyarenthnms, sondern bloß in der Absicht geschehen sei, einen momentanen Stützpunkt zur Befreiung ihres — des polnischen — Vaterlands zu gewinnen — ein Unternehmen, wozu von der nationalen Politik kein Mittel versäumt werden dürfe. Anders ge­stalten sich die Verhältnisse zwischen Ungarn und Italien. Dem letzter» kann es gleichgültig sein, wer an den Karpathen und der türkischen Gränze regiert: dann Italien ist durch seine geographische Lage bei der chi­märischen Constituirung eines Ungarreichs nicht weiter interessirt, wohl aber die Polen als die nächsten Nach- barn und Stammverwandten der in Ungarn bekannt­lich slavischen Majorität, auf welche den nachhaltigsten Einfluß — im Fall der Wiederherstellung Polens — auszuüben gleichfalls zu der „nationalen Politik" der Polen gehören dürfte. Das ist die Ursache, daß die letzten Schändlichkeiten zu Mailand und Wien von den Polen als Don Onixote'sche Unternehmen getadelt wer­

den. Ausdrücklich bemerkt aber will ich haben, daß sich hier kurz vor dem Ausbruch der Mailänder Jusurrec- tion Symptome genug zeigten. So wurde am Neu- jahrStag in einem Cafe von Kossuthianern und Mazzi- nisten eine Orgie gefeiert, wobei man mit geheimniß­vollem Mienenspiel das Jahr 1853 und das „Gute was es bringen müsse" bei Portwein und Champagner hoch leben ließ, und scklicsilich den Toast „auf baldiges Wiederfindeu im Vaterland" ausbrachte. Von größerer Wichtigkeit war jedoch der Umstand, daß schon seit längerer Zeit mehrere ungarische und italienische Ofstciere, die sich hier aufhielten, unsichtbar geworden sind. Klapka und Thaly sind im December abgereist, ohne ihr Ziel auch näherstehenden Bekannten mitzntheilen; Pulszky war auch einige Zeit unsichtbar, und die italienischen Jnsurgentenführer Pisacane und Saffi haben' sich eben­falls schon im December entfernt; Mazzini endlich ver­schwand gleichfalls im Monat December, und wenn mich meine Mittheilungen, die ich über diese geheim- nißvollen Reise» erhalten habe, nicht täuschen, so soll sich die ganze Gesellschaft auf verschiedenen Wegen mit falschen Pässen nach dem Kanton Tessin begeben haben, um dort, wenn das Verbrechen gelange, gleich bei der Hand zu sein.

London, 4. März. Heute interpcllirte Lord Lyu d- h urst im Oberhause die Regierung, ob zwischen Eng­land und dem Wiener Hof irgendwelche Mittheilung in Betreff des den Ausländern in England gewährten Asyls ausgetauscht worden sei. Es sei bekannt, sagte der Lord, daß eine Abtheilung österreichischer Polizei- mannschaft zum Schutze der englischen Reisenden requi- rirt werden mußte, so unpopulär seien die Engländer in diesem Theil des Continents. Es sei auch notorisch, daß eine Anzahl der in England wohnenden Flüchtlinge sich sehr schmählich gegen auswärtige Regierungen be- nommen hätten, die Englands Verbündete seien. Er wisse, daß die Regierung weder gleichgültig hierbei sei, noch auch geneigt, solches Benehmen, welches mit dem Völkerrecht durchaus im Widerspruch stehe, zu dulden. Lord Aberdeen erwiderte, cs sei in diesem Puncte von Oesterreich kein Verlangen an England gestellt worden, obgleich kein Zweifel bestehe, daß auf Sehe der Regierungen und des Volkes fremder Länder hin- sichttich der Flüchtlinge in England große Mißstimmung obwalte. Er halte jedoch das Gesetz für stark genug, jeden Versuch, welcher Englands frenndliche Beziehungen zu andern Mächten benachrheiligen könne, niederzuhalten, und wenn die Regierung den leisesten Grund zu der Annahme habe, daß irgendwelche Verschwörungen auge­zettelt würden, so würde sie für ihre Pflicht erachten, augenblicklich die Verfolgung der betreffenden Parteien zu'beginnen. Lord Brougham, der bei Abgang der Post noch sprach, meinte, das englische Gesetz sei stark genug. — Die Morningpost enthält in ihrer neuesten Nummer ein langes Schreiben Kossuth's an Mayne Reid, in welchem der Exdictator versucht, die zwischen seinen und Mazzini's Erklärungen über die jüngsten Revolutionsmanifeste entstandenen Widersprüche, so gut es gehen will, auszugleichen. Er habe durchaus die Wahrheit gesagt, als er erklärte, die ihm von den Jn- snrgenteu in Mailand und Mazzini beigelegte Procla- matwn sei nicht von ihm geschrieben; aber auch Mazzini habe nicht gelogen, wenn er behauptet, die Proelama tion sei Kossuth's Werk. Jeder ist getäuscht worden oder hat sich geirrt. Kossuth, Mazzini und die Mai­länder Revolutionäre werfen sich gegenseitig die gröb­sten Unwahrheiten vor, bleiben aber nichtsdestoweniger die besten Freunde von dcr Welt. Kossuth hat sich durch dieses neueste Product nur noch mehr compromittirt.

Im Hause der Gemeinen interpcllirte gestern Lord Dudley Stuart die Regierung über die Angelegenheiten von Montenegro und die Differenz zwischen Oesterreich und der Pforte. In der langen Rede, mit welcher Lord John Russell diese Anfragen erwiderte, gab er interessante Aufklärungen über die montenegrinische Frage und erklärte in bestimmtester Weise, daß Oesterreich ebenso sehr wie England selbst den Wunsch hege, die Integrität des türkischen Reiches zu erhalten, dessen Zerstückelung der edle Lord als eine der größten Cala- miräten charakterisirte, von welcher Europa gegenwärtig betroffen werden könne. Auch verurtheilte der Minister den Feldzug der Türkei gegen Montenegro, der die Er­oberung des ganzen Gebiets zum Zweck hatte, als un­klug, drückte aber zu gleicher Zeit seine starke Mißbilli­gung ans über das widergesetzliche und räuberische Treiben der Montenegriner. Alle Differenzen zwischen Oesterreich und der Türkei seien nunmehr durch die Mission des Grafen von Leiningen geschlichtet. Wenn aber ein erfolgreicher Vermittler zwischen beiden gefun­den werden könne, so sei es Lord Stratford, über wel­chen sich der Redner mit dem wärmsten Lobe aussprach. Lord John Russell schloß mit der Bemerkung, daß die britische Regierung bei den Vorstellungen, welche sie Oesterreich über diesen Gegenstand zu machen für ge­eignet gehalten habe, von Frankreich aufrichtig unterstützt worden sei. Lord Dudley Stuart hielt diese Aufklärungen für zufriedenstellend und zog seinen, bei der Interpellation gestellten Antrag, auf Niedcrlegung der betreffenden Aktenstücke, auf den Tisch des Hauses, wieder zurück. Hierauf entspann sich eine sehr lebhafte Diskussion aus Anlaß einer Rejhe von Resolutionen, welche Hume

behufs vollständiger Durchführung des Freihandelssystems beantragte und die auf Aufhebung der protektionistischen Eingangszölle auf ausländische Fabrikate lauteten. Die Motion wurde mit 159 gegen 101 Stimmen verworfen.

Jtauen.

Mailand, 1. März. Die Verfügung über die Sequestration der Güter der lombardischen Emigranten hat bei Bekanntmachung durch den Grafen Radetzky fofgenbeu Anhang erhalten: Wer einem Flüchtling irgend eine Capitals- oder Zinsenzahlnng oder eine sonstige Leistung machen sollte, hat bei der ersten Übertretung dieses Verbotes den gleichen Betrag ein zweites Mal zu entrichten oder den Werth des' ihm anvertranten Gegenstandes zu ersetzen. Notare, Advo- caten und andere mit einem öffentlichen Charakter be­kleidete Personen,, welche zur Umgebung oder doloser Vereitelung dieses Gesetzes beitragen oder überhaupt durch Rath oder That zur ganzen oder theilweisen Be­schränkung der Wirkungen der Scquestrationsmaßrcgel beigetragen haben, verfallen in die im vorhergehenden Paragraphen ausgesprochenen Geldstrafen und werden überdieß je nach den Einzelfällcn einem Crimiiialpro- zcsfe wegen Betrug oder Mißbrauch der Amtsgewalt unterzogen werden.

Turin, 27. Febr. Die Voce della veritg von ge- ' stern enthält Folgendes: „Gestern ging uns die Bestä­tigung der „peinlichen" Nachricht zu, daß ein Decret der österreichischen Regierung das ganze Vermögen bet lombardisch venetianischen Flüchtlinge, die nicht im Aus­lande naturalisirt sind, auf so lange sequestrire, bis die­selben ihre Nichtbctheiligung an der Erhebung vom 6. Februar bewiesen haben werden. Ein Ministerraly wurde hier abgehalten und nach Beendigung desselben in Eile ein Courier nach London gesandt."

Neueste Nachrichten.

* Aus Anlaß der Errettung Sr. Maj. des Kaisers von Oesterreich wurde in Mähren eine Stiftung zur Unterstützung 'hilfsbedürftiger Arbeiter gegründet.

Von der montenegrinischen Gränze berichtet die „Agram. Ztg.": Wir haben Originalnachrichten aus Montenegro vom 21. v. Mts. In der Sachlage fand keine wesentliche Veränderung statt. Reis Pascha forderte Daniel zur Unterwerfung auf, erhielt jedoch keine Antwort. Die vcrhältnißmäßig starken Verluste der Türken bet Godinje werden bestätigt. In Montenegro selbst beginnen, wie unser Correspondent meldet, sich Parteien zu bilden.

In Sarajewo verkündete Schamil Pascha das Verbot, Niemand habe in Zukunft mehr „Serbe" ge­nannt zu werden, sondern der Name sei nach der be­treffenden Religio» auzuuehmen, und zwar: Musloman (Muhamcdancr), Urum, (Grieche statt Serbe, wie man bisher alle Bosniaken orientalischen Glaubens nannte), und Katholik der abendländischen Kirche.

Der „Srb. Dn." erfährt von einem Griechen, der im Corps des Omer Pascha diente, von den Montene­grinern gefangen wurde, und dem es gelang, nach Bel­grad zu entkommen, Folgendes: Omer Pascha com* man bitte 80 Mann Fnßtruppen und drei Reiter, wie auch den gedachten Griechen, fünf Ladungen Schießbe­darf auf den zweiten türkischen Flügel zu tranSportiren. Kaum waren wir, erzählt dieser, eine Stunde von den Truppen Omer Pascha's entfernt, überfielen uns die Montenegriner und hieben Alles nieder, bis auf vier Mann, welche sich auf Gnade und Ungnade ergaben. Drei von ihnen wurden niedergemacht, und mich, den vierten, rettete nur das Zeichen des Kreuzes, das ich machte, und die Versicherung, ich wäre ein Grieche, vom Tode. Die Munition und die Waffen der Ge- tödteten fielen in die Hände der Montenegriner.

Madrid, 2. März. (Fr. I ) Die Regierung wird zum Behufe einer Redaction der schwebenden Schuld eine Anleihe im Betrage von einer Milliarde Reale in 3pCt. Renten contrahiren. Salamanca eht zu diesem Zwecke nach London.

Locales.

* Wiesbaden, 7. März. Es hat sich gestern Nachts der bedauerliche Fall ereignet, daß durch den Bruch einer gußeisernen Gasröhre auf der hiesigen Hochstätte das ansströmende Gas durch den Boden der Straße in das Erdgeschoß der benachbarten Häuser (an­geblich in die ■ Wohnungen des Nachtwächters Wanger und der Wittwe Grund) eingedrungen ist, wodurch eine Anzahl (angeblich 6) dort schlafender Personen in volle Betäubung versetzt und nur durch zeitliche Entdeckung vor dem Tod durch Erstickung bewahrt wurden. Die Direktion der Gasbelcnchtnngsgcsellschaft schreibt diesen Unfall dem Umstande zu, daß bei vielen ohne ihr Vor­wissen stattfindenden Aufgrabungen in den Straßen zu wenig Vorsicht angewendet und versäumt werde, bei dem Ausfüllen der Gräben die Gasröhren wieder gehörig zu unterstützen , was das Einsinke» derselben in dem aufgelockerten Boden und das Abbrechen derselben zur Folge habe und auch diesmal der Fall war. Wenn zu den Gaöröhren ein weniger sprödes Metall ver­wendet würde, wäre der Möglichkeit solcher Unfälle wohl noch wirksamer vorgebeugt__________ _______

Verantwortlicher Revacteur Dr. I. Koczek.