sich gestern bei Sr. Maj. dem Könige verabschiedet hat, macht heute oder morgen seine Abschieds-Visiten und verläßt dann Berlin. — Der Handisvertrag vom 19. Februar wird für den Absatz der schlesischen Mchwerks- und Hutten-Erzeugnisse von sehr großen Folgen sein, der Absatz der schlesischen Kohle» nach Oesterreich ist nach der Leipz. Ztg. jetzt schon so bedeutend, daß kaum alle Ansträge befriedigt werden können. Von Seiten des Handelsministeriums sind an alle Handelskammern und kaufmännische Corporatiouen des Landes Abdrücke des neuen österreichischen Handelsvertrags nebst den betreffenden Beilagen abgesaiM worden. — Die Betbmaim- Hollweg'sche Fraktion zählt jetzt 30 Mitglieder. Es sind derselben in letzter Zeit die Abgg. Oechelhänser, Prof. Perthes und Graf Fürstenberg--Stammbeim beigetreten. Mit dem Anträge, die bei der Fahne befindlichen Soldaten und Offiziere von dem activen und passiven Wahlrechte euSzuschließen soll sich die Regierung einverstanden erklären. — Die fünfte Commission der ersten Kammer hat ihren Bericht über die sechs Gesetzentwürfe zur Regelung des Gemeindcwcseus auf dem platten Lande der Provinzen Preußen, Pommern, Brandenburg, Posen, Sachsen und Schlesien erstattet. Die in allen sechs Gesetzentwürfen gleichlautend enthaltene Bestimmung: „Das Bekenntniß zur christlichen Religion ist eine Bedingung für die Zulassung zu Commu- nalämtern", wurde als im Wiederspruche zu dem Art. 12 der Verfassung bezeichnet und die Nothwendigkeit her- vorgehoben, denselben auf dem im Art. 197 festgcstellteu Wege abzuändern. Die Commision hat sich jedoch mit 6 gegen 4 Simmen dafür ausgesprochen, daß keine Verfassungsveränderung anzuuehmeu sei.
Berlin, 4. März/ Heute Nachmittags gegen 3 Uhr starb hier nach nur kurzem Krankenlager der berühmte Geologe Leopold v. Buch. Der gefeierte Gelehrte hatte die bei seinem vorgerückten Lebensalter stets gleich gebliebene körperliche und geistige Rüstigkeit sich bis zuletzt erhalten. (Noch im vorigen Jahre nahm er Theil an der hiesigen Naturforscher - Versammlung ) Er hinterläßt zahlreiche Güter und war nie verhei- rathet. Seit 1812 war er auch königlicher Kammcrherr.
Dresden, 2. März. Zur Berichtigung mehrfach verbreiteter ungenauer Angaben über die Zollsache bringt daS „Dresdner Journal" einen Artikel, aus dem wir Folgendes über den Sachvcrbält hervorhebeu: „Man will von gewisser Seite glauben machen, die Sachen ständen so, daß der Zoll- und Handelsvertrag zwischen Oesterreich und Preußen für sich allein bestehen könne, die CoalitionSstaaten möchten den Zollverein mit Preußen erneuern oder nicht, woraus folgen würde, daß letzternfalls den CoalitionSstaaten nichts übrig bliebe, als eine dritte Zollgruppe zu bilden, ohne Aussicht auf einen Anschluß an Oesterreich. Das ist aber gar meßt der Fall. Oesterreich hat, seiner wiederholten Erklärung treu, von HauS aus bei der Eröffnung der letzten Berliner Verhandlung vorangestellt, daß cs einen Zoll- und Handelsvertrag mit dem erneuerten und erweiterten Zollvereine, nicht mit Preußen allein, im Auge habe, wenngleich, infolge der Auflösung der Berliner Zollcou- fèrenz, die Unterhandlung und Abschließung des Vertrages nur mit der preußischen Regierung allein erfolgen konnte. Wenn nun die kaiserliche Regierung in loyaler Erfüllung der gegen die königlich preußische Regierung eingegangenen Verbindlichkeiten, sich bei den Coalilions- regierungen für die unveränderte Annahme des Zoll- und Handelsvertrags (nicht aber keS Seplembervertrags) verwendet hat, so hat sie dagegen gleichzeitig ihre eigene Ratification und also "bie Ausführung des Zoll- und Handelsvertrages davon abhängig gemacht, daß die CoalitionSstaaten den Zollverein mit Preußen erneuern.
Unwahr ist, daß die CoalitionSstaaten zum Anschluß an Preußen gewissermaßen gezwungen wären. Ihre Stellung ist vielmehr die, taß, wenn sic jetzt noch in die Lage kämen, den Zollverein mit Preußen nicht erneuern zu können, Nichts sie behindern würde, den Anschluß an Oesterreich auf Grund des verhandelten eventuellen Vertrags zu verlangen und zu bewerkstelligen."
Prag, 28. Febr. Es sind dieser Tage mehrere Personen in hiesigen Gasthäusern wegen »»vorbedachter politischer Aeußerungen verhaftet worden. Unter den in letzter Zeit Verhafteten befindet sich auch ein gewisser Rusic, der sich für einen Abkömmling des Pascha von Skutari, Czernojevic, ansgibt und sich für auserkoren hält, die Albanesen vom türkischen Joche zu befreien.
Wien, 3. März. Von heute an werden Büllctins über das Befinden des Kaisers nicht mehr auSgegeben, was als sicheres Zeichen der günstig vorschreitenden Genesung zu betrachten ist. — In Folge des Aufrufs des Erzherzogs Ferdinand Max zum Bau einer Kirche in Wien zum Angedenken an das Attentat auf den Kaiser sind nach einem ersten Verzeichnisse bereits 94,795 fl. C. M. gezeichnet worden. — Zu den von den gedungenen Mördern in Mailand verübten, schon bekannten Grausamkeiten werden der Kasseler Zeitung noch einige, leider nur allzu gewisse namhaft gemacht. Eine Schildwache wurde von den Unmenschen buchstäblich an das Schilderhaus angenagelt und daraus geblendet. Ein anderer Soldat wurde gefunden, dem die Mörder zuerst die Ohren abgeschnitten und dann die Hände abgehackt hatten, er verschied unter den fürchter
lichsten Schmerzen. Einem noch sehr jungen Kadetten wurde der Bauch angeschnitten. Und nun finde man es noch hart, daß die Tessiner aus der Lombardei ausgewiesen werden! Viele von ihnen haben an dem Äuf- stande Theil genommen, — die übrigen mögen sich bei ihrer Regierung bedanken, welche die Veranstaltungen zu demselben aus ihrem Gebiete ruhig mit angesehen hat. Die Strenge, welche F.-M. Radetzky ausübt, ist sicher nothwendig , und wenn er unerbittlich geworden ist, so verlasse man sich darauf, daß es äußerste Zeit dazu war. Die letzten Ereignisse haben in vielen No- bili's den aufrichtigen Wunsch erregt, sich der kaiserlichen Negierung zu nähern und Versöhnung zu suchen. Wenn Anderen noch der Muth fehlt, es öffentlich aus- züsprechen, so werden sie diesèn bald erlangen, wenn sie einmal sich vollkommen gesichert vor den lauernden Dolchen fühlen, bie sie bisher von den Mazzinisttn zu fürchten hatten. Den Maßregeln Radctzty's ist es zu danken, daß jetzt in Italien Ruhe herrscht. In zwei Dörfern bei Palmannova in Friaul haben die Bauern seine Proclamationen abzurcißen für gut befunden. Die sofortige Antwort auf diese Demonstration war bie Belegung jedes der beiden Dörfer mit einer Einquartirung von 400 Mann, denen sie Extrazulage bezahlen müssen. Diese Art von Medicin schlägt bei den Italienern immer gut an.
Der „D. Vh." wird aus Berlin vom 1. März Folgendes über die Verwundung des Kaisers geschrieben: „Da man sich in den höchsten Kreisen noch fortwährend über das Wiener Attentat unterhält, erfährt man noch nachträglich Einzelheiten, welche durch die directesten Berichte aus Wien und aus der nächsten Nähe des Kaisers hierher gelangt sind und selbst jetzt nicht ganz ohne Interesse sein können. Die Verwu» bung des Kaisers war eine dreifache, indem der Stich am Schädel des Hinterhauptes abprallte, dann das Instrument an einer äußerst gefährlichen Stelle des Halses eindrang und außerdem noch eine tiefe Fleischwunde in der Nähe der Achsel hcrbeiführte. Der Stoß gegen den Hinterkopf muß mit großer Heftigkeit geführt worden sein, denn er hatte sogar eine Gehirnerschütterung zur Folge und lähmte durch Contre-coup selbst auf mehrere Stunden die Thätigkeit der Gesichtsnerven. Die zweite Wunde am Halse war unbedingt lodttich gewesen, wenn das Messer nur eine Kleinigkeit tiefer cingebrungen wäre. Am 25. v. Mts. indeß war der Kaiser dem Tode nahe, indem sich starke Kongestionen zum Kopse, abnehmender Puls und Delirium entstellten, so daß die Aerzte der kaiserlichen Familie erklärten, sie könnten nicht mehr für die Nacht einstchen. Daher mochte ein am 26. vielfach hier verbreitetes Gerücht von dem bereits erfolgten Tode des Kaisers seine Ursache haben. Gestern fah-mân erwartungsvoll den Ab'end- blättern entgegen, um aus den telegraphischen Depeschen den Stand der Dinge zu erfahren, zumal die letzte Depesche vom 26. äußerst bedenklich lautete; cs scheint jedoch eine plötzliche günstige Veränderung im Zustande des erlauchten Kranken eingetreten und die Gefahr als beseitigt zu betrachten zu sein.
Diese Angaben der D. VH. stehen wenigstens, was die Wunde betrifft, mit den bisher bekannt gewordenen Daten und den ärztlichen Bulletins im Widerspruch. Ein Schreiben deS Erzherzogs Rainer an den Erzherzog Albrecht über den Mordanfall auf Se. Majestät, welches lithographirt in Pesth circulirt, lautet vollständig: „20. Februar 1853. Lieber Albert! Jetzt erst, und nur in der größten Eile, komme ich dazu, Dir ein Paar Zeilen über die hiesigen Begebenheiten zu schreiben. Ich saß den 18. um 12% Uhr au meinem Tische und las, als mein Jäger in das Zimmer stürzt und sagt: „Seine Majestät komme über die Stiege heraus und blute, er müsse wahrscheinlich gefallen sein." Ich befahl ihm, gleich Wäsche und kaltes Wasser zum Auflegen herzurichten , stürzte hinaus, als Seine Majestät in das Vorzimmer emtrat. Er sagte mir: „Jetzt hat man die Mailänder Geschichte auch an mir probirt." Ich war wie versteinert, als er mir sein ganz blutiges Schnupftuch zeigte, welches er am Hinterkopfe gehalten hatte. O'Donnell und ich legten gleich kaltes Wasser auf, was jener dann fonfetzte, während ich gleich entspannen ließ und um den nächsten Chirurg schickte. Die Wunde ist am Hinterkopf 1 Zoll lang, klaffte und blutete stark. Das Hemd hatte einen Blur- streifen bis an das Kreuz, dos Leibel einen Fleck wie 3—4 Thaler groß, die Uhlanka einen großen und mehrere Heine Blutflecken. Sein Sacktuch und das O'Donnell's waren voll Blut. Als Alles in Ordnung war, lief ich in die Burg, fand Seeburger unterwegs und kündete es Glünne an. Dieser war ganz weg, tburde schneeweiß und konnte kaum reden. Als ich zuriicklief, kam eben Karl in den Augustinergang, den Se. Majestät zu Sophie schickte. Wir brgchten dann Se. Majestät in den Wagen und führten ihn auf die Bellaria. Seine Majestät sagte mir während des Auflegens des kalten Wassers, er habe einen Schlag wie einen Pistolenschuß am Kopse bekommen, so daß es ihm vor den Augen blitzte, und habe, als er sich umsah, O'Donnell bereits mit dem Menschen auf bem Boden gesehen. O'Donnell sagte mir, als Seine Majestät, nachdem er über die Bastei hinabgeseheu hatte, bereits zehn bis zwölf Schritte gemacht hatte, sah er plötzlich einen
Kerl von rückwärts mit aufgehobenem Messer auf Seine Majestät losspringen, warf sich gleich auf ihn und riß ihn mit sich zu Boden. Seine Majestät sagte mir: „O'Donnell hat mir das Leben gerettet." Dieser hatte ihn bereits halb erdrosselt, als andere Leute zu Hülfe kamen. Diese wollten ihn auch erschlagen, bis Seine Majestät sagte, ihn auf die Wache zu führen. Gleich war Alles in Bewegung, Alles in der größten Entrüstung, die Linien wurden gesperrt, die Bahnhöfe besetzt, die Garnison consignirt, zwei Batterien bereit telegraphirt. Hier kommt cs aber zu nichts. Bei dem Te-Deum ungeheueres Gedränge und Jubel. Alles zeigte die größte Theilnahme. Ich hoffe, daß es in Ofen eben so gut geht. In Mailand wurden zwei Kos- snth'sche Emmissärs, Jeder mit 30,000 Fr. arretirt, als sie den Tag nach dem Rummel in die Stadt wollten. Das Befinden Sr. Maj. ist leidlich, die Wund ist heute zu, das Kopfweh hat nachgelassen, zeigt sich nur, wenn Se. Maj. hustet, beutet jedoch auf eine wenn auch nur leichte Gehirnerschütterung. Am rechten Auge sieht Se. Maj. ganz gut, am linken sieht er noch immer trübe, was auf Dasselbe hmdeutet. Um einer Entzündung vorzubeugcn, wird noch immer Eis aufgelegt, die Doctoren meinen dadurch diese ganz vermeiden zu können, wodurch jeder Gefahr vorgebeugt wird. Sie sind bisher zufrieden, allein 8 bis 10 Tage muß Se. Maj. vollkommen ruhig ohne Beschäftigung und ohne viel zu reden im Bette bleiben. Albert von Sachsen kam gestern Abends, Ernst war gestern hier auf ein Paar Stunden, Leopold kommt den 23. 2c. Erzh. Rainer in. p., Oberst."
Graf von Le in in gen hielt auf der Fahrt nach Triest gleich in Cattaro an, setzte daselbst den comman- direnden General von Mamula von dem Erfolg seiner Mission in Kenntniß und ließ durch denselben sofort dem Fürsten Daniclo bedeuten, daß dem Rückzug Omer Pascha's nichts in -den Weg gelegt werde und alle Feindseligkeiten sofort aufzuhören haben. — Der Beitritt Würtembcrgs zu dem im vorigen Jahre zwischen Oesterreich und Bayern abgeschlossenen Donau -Sckiff- fahrtsvertraK, dürfte noch im Laufe der diesjährigen Schifffahrtsperiode erfolgen. — Der König von Bayern bat von Neapel aus einen Adjutanten mit eiligen bau» digem Glückwunsch - und Conbolenzschreiben nach Wien abgesandt.
/runhicid)
Paris, 4. März. Der Graf von Camerata, Sohn der Fürstin Camerata - Bacciochi, hat sich heute erschossen! Nach einer Version soll er diese Handlung in einem gieberanfalle verübt haben; nach einer anderen wäre er durch unglückliche Liebe zu diesem verzweifelten Entschlusse gebracht worden. — Nach dem „Constitu- tionnèl" bezweckte die Mission des russischen Abgesandten Fürsten Menzikoff nach Constantinopel die Zahlungsforderung einer seit dem Jahre 1840 rückständigen Schuld von 9 Millionen (??)
Es bestätigt sich mehr und mehr, daß der Kaiser in diesem Jahre eine große Reise in den Norden Frankreichs unternehmen wird. Einer Deputation von Dünkirchen, die tott zu einem Besuche einladen sollte, hat er denselben zugesichert und gleichzeitig die Hoffnung ausgesprochen , daß auch die Kaiserin mitkouimcn werde. Auch aus Rennes schreibt man von einer Reise Ihrer Majestäten nach der Bretagne, die im Laufe dcs Mo- nats Mai statlfinden soll. Mau glaubt, daß der Kaiser bei dieser Gelegenheit das Dccret erlassen wird, wodurch der Hafen von Lorient in den Besitz des transatlantischen Packetboot-Dienstes gesetzt werden soll.
Durch kaiserliches Decret sind abermals 6 Brigade- Generale ans ihr Ansuchen aus dem Abschiedszustande in die Reserve (Aetivitäls-Section) zurück versetzt worden. — Sämmtliche aus dem Fort Lamalgue entsprungenen 37 Sträflinge sind wieder feftgenommen.
Herr Buscheck, für Europa der Director der New- Norker Weltausstellung, hatte gestern eine Audienz bei dem Kaiser, der ihm sein lebhaftestes Interesse an dem Unternehmen zu erkennen gab und die Zusicherung hinzufügte, daß die kaiserlichen Fabriken auf jener Ausstellung in geeignetster Weise vertreten sein sollten. — Einem Schreiben ans Macao zufolge hat der französische Geschäftsträger in China eine energische Verwahrung gegen die Verfolgungen eingeschickt, welchen die Ebristen in jenem Lande ausgesetzt sind. — Die „Patrie" widerspricht den Angaben, als seien auf Tahiti Ruhestörungen vorgefallen. Die Lage auf der Insel sei vortrefflich und zwischen den Eingeborucn und den französischen Behörden bestehe das beste Einvernehmen.
Bouhier de l'Ecluse ist wegen Verweigerung des verfassungsmäßigen Eides heute aus dem gesetzgebenden Körper ausgeschieden und den Wachen ist die Weisung geworden, ihm den Eintritt nicht zu gestatten.
Heute kam der Proceß der Gräfin Solms wieder vor das Civil - Tribunal Der kaiserliche Procurator verlangte die abermalige Vertagung, da man jetzt den Gemahl der Gräfin aufgefnuden habe. D^ö Gericht hat nämlich entschieden, daß der Mann allein die Nationalität seiner Frau darthun könne. — Gestern soll ein Duell zwischen einem deutschen Korrespondenten und dem Bluber deS Gemahls der Gräfin Svl.mS Statt gefunden haben, weil ersterer nach Deutschland berichtet, daß Herr Solms seinen Grafen-Titel usur- pirt habe.
