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Wien, 20. Febr. (Tel. N. d. R. Münch. Ztg.) In der verflossenen Nacht hat Se. Maj. der Kaiser einen zwar unterbrochenen, aber sanften Schlaf gehabt und war ohne Fieber. Die Erscheinungen der Gehirn- Erschütternng nehmen langsam ab.

Die Berichte über das Befinden Sr Majestät lau­ten höchst erfreulich. Se. Majestät der Kaiser wollte schon am 18. Abends in der Kirche öffentlich erscheinen und nur auf wiederholte Vorstellungen der Aerzte ging a. h. Derselbe von diesem Wunsche ab. Am 19. brachte der Monarch schon einige Stunden am Schreib­tische zu.

Eine telegraphische Depesche der „A. A. Z." lautet: „Sieben Bnllctius sind bis jetzt über den Zustand des Kaisers erschienen. Die Wunde ist mäßig entzündet, das Fieber seit gestern ausgeblieben. Im Ganzen ist das Befinden günstig.

Ihre k. k. Hoheit Frau Erzherzogin Sophie hat seit der Stunde des verübten Attentates das Krankenzimmer Sr. Maj. des Kaisers, mit Ausnahme der in der Kirche zugebrachten Zeit, nicht verlassen. Jede Arzenei, jede Labung reicht dem hohen Kranken die Hand der ^ârt' lich besorgten Mutter.

Aus den Kronländern langen im telegraphischen Wege Nachrichten ein, welche den allgemeinen Jubel über die glückliche Rettung Sr. f. k. Apost. Majestät, sowie die tiefe Entrüstung der Bevölkerung über das schändliche Attentat bestätigen; überall cher ertönt die Bitte um weitere Mittheilungen über das Befinden unseres Allergnädigsten Herrn — und in den entfern­testen Theilen der Monarchie wurde heute Vormittags gleichzeitig in den Tempeln des Herrn ein Dankfest ge­feiert. In Prag wurde die Nachricht gestern Abends während des Theaters verlautbar; sogleich verlangte das Publicum die Abspielung der Volkshymne, welche mit stürmischem Jubel ausgenommen wurde. In Pest war der Eindruck ein ganz gleicher.

Die Worte, welche Sc. k. k. Hoheit der durchlauch­tigste Hr. Erzherzog Franz Carl gestern zu einer De­putation des Gemeinderathes sprach: an diesen lebhaften Zeichen aufrichtiger und inniger Theilnahme habe Seine. Hoheit das alte und anhängliche Wien wieder erkannt und diese Wahrnehmung Sr. Majestät mit Thränen in den Augen berichtet, haben bereits tausendfältig jubeln­den Widerhall in der Residenz gefunden. Auch aus den Kronländern strömen ununterbrochen die Manifestationen herzlichster Rührung und innigster Ergebenheit.

Am 19. Abends war zur Feier der glücklichen Er­rettung Sr. Maj. die Stadt beleuchtet.

Die Verhaftung des Meuchelmörders Johann Libeny ist durch eine von dem Lieutenant Fidora, als dem KärnthNekkhvrwachecommaudanten am 18. Februar, ent­sendete Patrouille des Infanterieregiments Baron Hay- nau erfolgt.

Mathias Konstantin Wicken bürg erläßt in der Wiener Zeitung einen Aufruf zur Errichtung eines Denkmals der Treue, der Anhänglichkeit und des Danks an der Stelle, wo der Verrath das Leben des Kaisers bedrohte.

Se. Majestät der Kaiser hat die beschleunigte Aus­führung einer Telegraphenlinie von Agram nach Zara, anbefohlen, und soll das Unternehmen der Allerhöchsten Weisung gemäß bereits am 1. Mai d. J. zur Vollen­dung gediehen sein.

In einer an eine diplomatische Autorität hierher gelangten telegraphischen Depesche wird General Narvaez dem königlichen Befehl, sich nach Wien zu begeben, um die hiesigen Militäreinrichtungen zu studieren, nun doch Folge leisten und dürfte dessen Eintreffen gegen Ende April entgegen zu sehee sein.

Das Hamburger „Portfolio" meldet: Der aus sei­ner Betheiligung an der Wiener Revolution im Jahre 1848 bekannte M. E. Löbenstein, Mitredacteur des „Radikalen", ist am letzten Sonntage, durch einen Pisto­lenschuß entleibt, in seinem Belte gefunden worden. — Allem Anscheine nach war Subflsteuzlosigkeit die nächste Veranlassung des Selbstmordes, denn „Emanuel Lerma,,, unter welchem Namen ihn der „Korresp." erwähnt, hatte den größten Theil seiner Kleidungsstücke in den letzten Tagen verkaufen müssen, um sein Leben zu fristen, und der letzte Schilling, den er sein nannte, lag auf einem Tischchen neben dem Bette. Indeß vernehmen wir, daß an demselben Tage schon Ncclamationen be­treffs seiner Habhaftwerdung hier cingetroffen waren. L. soll sich bereits seit einigen Wochen in Hamburg aufgehalten haben.

Im „Württembergischen Staatsanzeiger" liest man: Währenddem übereinstimmend von verschiedenen Jour­nalen die Anwesenheit Mazzinis in der Schweiz gemel­det wird und man in England insoweit Kenntniß von dem Aufstandbversuche in Mailand hatte, daß die Pro- clamation Kossnths und Mazzinis gleichzeitig mit diesem Versuch von den Zeitungen abgedruckt wurden, leugnet man in London, wie uns unser Pariser Korrespondent vom 17. d. M. schreibt, daß Kossnth und Mazzini die Urheber derselben seien; vielmehr seien diese Schriftstücke von Agenten dieser Chefs wider Wissen der Letzteren in Genua niedergeschricben und gedruckt worden. Daö alte, von jeher von England geübte Maiinöver!

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Paris, 19. Februar. Die heute mit dem Tele­

graphen hier angelaugte telegraphische Depesche aus Wien über das gegen den Kaiser von Oesterreich ver- snchte Attentat hat hier ein bedeutendes Aussehen und zugleich große Entrüstung gegen die revolutionären Par­teien, die zu solchen Verbrechen ihre Zuflucht nehmen, verursacht. De erste Nachricht davon langte, hier gestern Abend um 10 Uhr ein.

Die gestern hier verbreitete Nachricht. Oesterreich habe gegen den Aufenthalt der Flüchtlinge in London protestirt, erklärt Galignani's Messenger für unwahr. — Das im köuigl. Gerichtshöfe zu Loudon aufbewahrte Testament Napoleons ist an unsere Regierung verabfolgt worden. — Der Bischof von Viviers hat in einem Rundschreiben den unter ihm stehenden Priestern angezeigt, daß er aufgehört habe, ein Abonnent des Univers zu sein, bis dieses Blatt wieder einen besseren Weg wandle. Zugleich fordert er dieselben auf, dieses Journal nicht mehr zu lesen, da cs keine gesunde Nah­rung für die Geistlichkeit enthalte.

Aus St. Petersburg ist die Nachricht eingegangen, daß der Admiral Fürst Mentschikoff, welcher das Marineministerium leitet, in besonderer Mission nach Constantinopel abgereist ist. Fürst Mentschikoff ist von Herrn Demetri von Nesselrode, einem Söhne des Staatskanzlers Grafen Nesselrode begleitet. — Es heißt jetzt wieder, daß die transatlantischen Verbindun­gen von Cherbourg aus ihren Weg nehmen werden und nicht auch in Nantes und andern Hafenstädten Ausläu­fer bekommen sollen. - In der Sitzung des Corps lé- gislatif vom 17. hat die Negierung zwei Gesetzentwürfe deponirt, deren einer die Interessen der Sparcassenbücher von 4% auf 4 pCt. herabgesetzt. Die Regierung will nämlich so viel wie möglich den Andrang der Capitalien zu den Sparcassen verhindern, damit die großen Kapi­talisten ihr Geld nicht den Staatseffecten und der gro­ßen Industrie entziehen. Der zweite Gesetzentwurf gibt der Regierung das Recht, die Actien zu den vier Canä­len zurückzukaufen. — Durch ein gestern im Moniteur erschienenes kaiserliches Decret ist die Direction der schönen Künste und der kaiserlichen Archive vom Minb sterium des Innern getrennt und dem Staatsministerium zugetheilt worden. Dem Vernehmen nach dürfte die Reorganisation des Ministeriums des Innern, von welcher vielfach die Rede gewesen, sich darauf beschrän- fen. — Der Minister des Innern Pat ein Reglement für die Pferderennen erlassen, welches sieben Abschnitte umfaßt und nicht weniger als vier Spalten des Moni­teur anfüllt.

Am Sonntag hatte Msgr. Garibaldi, der päpstliche Nuntius, eine Privataudienz beim Kaiser, um demselben ein Schreiben des heiligen Vaters zu überreichen. Auch Hr. v. Hübner, der Gesandte Oesterreichs, hatte eine Audienz, um das Schreiben zu überreichen, welches das Hinscheiden des Erzherzogs Rainer anzeigt. Der franzö­sische Hof hat aus Anlaß dieses Todesfalles für neun Tage Trauer angelegt. Endlich überreichte auch der würt- tembergische Gesandte, Frhr. v. Wächter, dem Kaiser das Antwortschreiben seines Königs auf Napoleons Ver- mählungsanzeige.

Großbritannien.

London, 19. Februar. (K. Z.) Disraeli stellte gestern Abend im Unterhause die angekündigte Interpel­lation [über die Beziehungen Englands zu Frankreich. Lord John Russell erwiderte, ein gutes Einverstandniß zwischen beiden Ländern sei nöthig; er billige, daß die Minister Derby und Malmesbury den neuen Kaiser der Franzosen unmittelbar anerkannt hätten; England müsse aber dennoch eine achtunggebietende Stellung sich erhal­ten. Cobden tadelte die Bewaffnungsmaßregeln. Die beantragte Verstärkung der Seemacht auf 45,000 Ma­trosen wurde vom Hause angenommen.

Italien

Turin, 15. Febr., Hier und in Genua dauern die Ausweisungen compromittirter Emigrirter fort. Der kleine Haufe von Emigrirten, welcher die piemontesisch- lombardische Grenze überschreiten wollte, um die Maz- zini'sche Conspiration zu unterstützen, soll auf Kosten Piemonts nach America eiugeschifft werden. Die meisten dieser Verführten befinden sich im Gefängnisse, wo sie jedoch nicht mit Härte behandelt werden und Besuche von Verwandten empfangen dürfen. Zu den bekanntesten unter den bisher Ausgewiesenen gehören Percantini, Mauro-Macchi und Maestri, weichere Letztere 1848 Mitglied der provisorischen Regierung von Mailand war.

Der Marquis d'Azeglio ist am 14. nach London abgereist, wo er einen zweimonatlichen Urlaub zubrin­gen wird. Wir werden wahrscheinlich Ursache haben, auf diese Reise zurück zu kommen.

Die Turiner Akademie der italienischen Philoso­phie hielt am 14. d. MtS. eine feierliche Sitzung zu Ehren des verstorbenen Gioberti.

Der Opinione zufolge sind in Florenz gleich nach dem Eintreffen der Kunde von dem Mailänder Auf­stande außerordentliche militärische Vorsichtsmaßregeln getroffen worden. Auch einige Haussuchungen haben stattgefunden.

In Fvrli haben nach Briefen aus Florenz an dem nämlichen Tage, wo die Jnsurrectiou in Mailand aus­brach, Unruhen, jedoch ohne ernstliche Folgen, Statt ge­habt. In Arezzo wurde die Ruhe ebenfalls in Folge eines patriotischen Diners gestört. Aus dem allem ist

wenigstens soviel ersichtlich, daß die geheimen Gesell­schaften in ganz Italien einen Ausbrnch erwarteten In den letzten Tagen ist das Urtheil gegen die ver­dächtig befundenen Anstifter des Attentats gegen Bal- dasferoni hcrausgekommeu. Nach dem „Parlament»" sind es vier, wovon der eine mit 3 Jahren Gefängniß, zwei mit einem Jahr Verbannung in die MareMma, der vierte als nicht Einheimischer mit gänzlicher Ver­bannung aus dem GroßherzogthNm bestraft wurden. Der eigentliche Thäter scheint entkommen.

Man schreibt aus Terracina vom 15. Februar: Die schändlichen Umtriebe der Um stürz Partei haben sich auf diese Stadt erstreckt. Die Mauern waren hin und wieder mit Aufschriften bedeckt. Eine Kundmachung des Militärcommandos befiehlt den Hauseigen Hümern dieselben ausznlöschen.

Bei der Abschiedsaudienz, welche General Gem ea u bei dem Papst hatte, sprach der heilige Vater sich auf's herzlichste aus, wie sehr er für die Dienste dankbar sei, welche die französische Armee, die ein lebendes Muster der Ehre und Mannszucht sei, ihm zu leisten nicht auf­höre. Der heilige Vater sprach sodann von den Sym- pathieen, welche ihm der Kaiser und seine Regierung einflößten, und äußerte, mit welchem Wohlgefallen er als Haupt der Kirche die vom Kaiser eingegangene Verbindung gesegnet habe.

America.

In Buenos-Ayres (Nachrichten bis zum 2. Januar) ist eine Revolution ausgebrochen; der Bürgerkrieg wüthete noch bei Abgang des Dampfers. Tägliche Scharmützel fanden in der nächsten Umgebung der Stadt und selbst in den Gassen der Vorstädte Statt: Die Gauchos belagern Buenos-Ayres. Geschäft stockt, »ud Rindfleisch, das Haupt-Nahrungsmittel der Bewoh­ner, ist 40 bis 50 Mal theurer, als sonst. Die Re­volution brach am Neujahrstage aus. Aus einem Pri- vat-Brief vom 2. Januar erfahren wir, daß der KriegS- Ministcr den Gouverneur Alsina zur freiwilligen Ab­dankung bewog, darauf aber die Stadt brandschatzen, sich der Regierung bemächtigen und im Noth falle mit Urquiza vereinigen wollte. Dagegen erhoben sich die Bürger. Buenos-Ayres hat in Folge davon wieder eine neue provisorische Regierung, deren Bestand (d. h. für den Augenblick) nur durch einen Rückzug der „Re­bellen" nach dem Norden und ihren Anschluß an Ur­quiza bedroht erscheint. Am 2. erschien eine Procla- mation des Inhalts, daß Oberst Pedro Rosas y Bek- grans mit 5000 Mann der provisorischen Regierung zu Hülse komme. Anfgemuntert dadurch, machte General Pacheco einen ziemlich glücklichen Ausfall gegen die Gauchos. Der britische und americanische Konsul ivanv ten durch öffentliche Kundmachung — bereits am 10. Dec. — ihre Landsleute von irgend einèr Betheiligung am Bürgerkriege.

Neueste Nachrichten.

Wien, 21. Febr. (Tel. Dep. deS Staats-Anzei­gers.) Im Verlaufe des gestrigen Tages und der er­sten Hälfte der Nacht ist das günstige Befinden deS Kaisers nicht gestört worden. Die zweite Hälfte haben S. Maj. einen ruhigen, wenig unterbrochenen Schlaf gehabt und befinden sich sehr erquickt.

In der Gegend von Kecskemet hat das Raub­unwesen so zugenommen, daß eine sehr bedeutende Ent­sendung von Kavallerie und Infanterie dahin nothwen­dig geworden ist.

In Cettinje hat sich am 4., Nachts, ein furchtbarer Unglücksfall zugetragen. Durch Unachtsamkeit entzünde­ten sich mehrere hundert Pfund Pulvers, als man eben damit umging neue Patronen anzufertigcn. Es gingen bei dieser Gelegenheit leider eilf Menschenleben zu Grunde.

Aus Damaskus vom 27. Jan. wird geschrieben: Die Nachricht, daß die friedliche Ausgleichung der Hau­ranfrage in Aussicht stände, gewinnt durch die reichli­chen Gctrcidesendungen aus dem Hauran und durch die Abreise des Häuptlings der Drusen, Said-Bey-Gin- Blat, der hier wegen Beilegung dieser Angelegenheiten unterhandelte, an Glaubwürdigkeit. — Eine Drusen- Horde, welche das Dorf Dimas ausgeraubt hatte, ist von der türkischen Kavallerie eingeholt und nachdrücklich gezüchtigt worden.

Von Madeira wird der am 4. Februar erfolgte Tod der Prinzessin Maria Amelia, einer Stief­schwester der Königin von Portugal und einer Tochter der Kaiserin Wittwe von Brasilien, gemeldet.

Mehrere Abonnenten der Nasi. allg. Zeitung aus Langen­schwalbach haben sich beschwert, daß sie seit geraumer Zeit um 8 — 9 Uhr Morgens erst die Nummer der Nass. A. Ztg. er­halten, welche den Datum des vorhergehenden Tages trägt, während sie früher zur selben Zeit das Blatt vom gleichen Dalum erhalten hätten. Die vcrehrl. Herrn Abonnenten schei­nen zu überscheu, daß wir seit einiger Zeit unser Blatt nicht mehr vor- sondern von demselben Tag datiren, an welchem es hier erscheint, daß sie daher nach den, leider für Langcnschwal- bach ungünstigen Postcours das am Tage zuvor hier erschienene und von demselben Tag datirte Blatt erst am nächstfolgenden Tag Morgens erhalten können. (Die Red. d. R. A. Z.)

Scrichtigung.

Bei der 18. Berloosung der großherzogl. hessischen 25 fl.« Loose fiel der Gewinn von 2000 fl. auf Nr. 46678 und nicht auf Nr. 46676, wie irrthüinlich in der Nr. 41 dieses Blattes angegeben wurde.

Verantwortlicher Redacteur Dr. A. Uocjtk.