desherrlichen und anderen herrschaftlichen Privat- Archive einer ordnenden Hand übergeèen werden, um sie für die Geschichte des Mr. Geschlechtes und der Umgegend nutzbar werden zu lassen. Ein Muster in dieser Hinsicht gibt „das Schloßarchiv zu Aufseß in Franken", dessen gegenwärtiger Besitzer, Freiherr Hans von und zu Aufseß, dasselbe geordnet und eine eigene Darstellung davon mit allerlei Bemerkungen in die „Zeitschrift für die Archive Deutschlands" eingerückt hat. Auch in unserem Lande gibt es theils zu Westerburg , theils an einigen Orten des Rheingaues solche Sammlungen alter Urkunden rc., welche näher bekannt zu werden verdienen.
Am Rheine haben mehrere kleine Städte, die vernichtende Wiederkehr kriegerischer Zeiten fürchtend, ihre Gemeinde-Archive ordnen und in dem Haupt- Archive der Provinz zu C o b l e u z niederlcgen lassen, um sie gegen Zerstörung oder Vernichtung jzu bewahren, mit Vorbehalt des Eigenthums und eines Verzeichnisses. Im Interesse des Ganzen bat die dortige Archiv-Behörde dieß gern gestattet und sogar ihre Beamten entgegenkommend an Ort und Stelle geschickt, um die Verzeichnung gehörig vorzunehmen. Auch bei uns läßt sich erwarten, daß die Archive für gleiche Begehren eine gleiche Bereitwilligkeit zeigen werden.
Frankfurt, 21. Februar. (Fr. Bl.) Der hochwürdigste Herr Bischof von Limburg hat veranlaßt, daß ein Hochamt abgehalten werde für die Rettung Sr. Majestät des Kaisers. von Oesterreich mit feierlichem Te Deum Laudamus. Dasselbe findet am kommenden Donnerstag den 24. d. MtS., um 10 Uhr Vormittags, im hiesigen Dome statt. — Nach dem in einem Extrablatt der Wiener Zeitung veröffentlichten „ärztlichen Befund" hat die Sr. Majestät meuchlerisch am Hinter- hauple zugefügte Stichwunde glücklicherweise keine gefahrdrohenden Theile betroffen. Die durch die Wunde zugleich bewirkte Erschütterung mit ihren Folgen ist in Abnahme begriffen und ist sonach das allgemeine Befinden Sr. Majestät ein beruhigendes. — Nach gestern hier eingetroffenen erfreulichen telegraphischen Mittheilungen aus Wien ist der Zustand Sr. Maj. des Kaisers ein völlig befriedigender. Der Kaiser hütet nicht das Zimmer und ist bereits wieder spazieren gegangen.
Aus der Pfalz, 19. Febr. (Pf. Z.) Durch allerhöchste Entschließung des Königs ist, dem Vernehmen nach, der Rücktritt des Advocat-Anwalts Fried. Justus Willich von Frankenthal von seinem Amte genehmigt, und die Suspcnsionsstrafc des Anwalts Spatz am Bezirksgerichte Frankenthal durch das königl. Justizministerium von 6 Monaten auf 9 Monate erhöht worden.
Heidelberg, 21. Februar. (Fr. Pztg.) Gestern traf die Entscheidung des Hofgerichts in Mannheim über den von Gervinus gegen die polizeiliche Beschlagnahme seines mehrerwähnten Werkes und deren oberamtliche Bestätigung ergriffenen Recurs hier ein. Das Hofgericht hat den Recours verworfen, das Verbot der Schrift bestätigt und den Verfasser zur Tragung der Gc- richtskosten verurtheilt.
Freiburg, 17. Febr. (D. V. - Bl.) Heute hat der Hofrath Dr. Buß eine Einladung von dem Vorstände des großh. Stadtamtes erhalten, um aus Auftrag des Ministeriums des Innern über seine neuesten Schriften, nämlich: 1) Nothwendige Reform des Unterrichts und der Erziehung der katholischen Weltgeiftlich- keit in Deutschland; 2) die Reform der katholischen Gelehrtenbildung in Deutschland an Gymnasien und Universitäten; 3) Reformen im Dienste der katholischen Geistlichkeit — vernommen zu werden.
Stuttgart, 19. Febr. (D. Vksbl.) Se. Maj. der König hat seinen Adjutanten, Oberst v. Wiederhold, nach Wien abgesandt, um Sr. Maj. dem Kaiser von Oesterreich zur Vereitelung des ruchlosen Attentats zu gratuliren.
München, 19. Febr. Heute haben sich die Gräfinnen Tascher de la Pagerie ebenfalls nach Paris begeben, woselbst die Familie nun ihren bleibenden Wohnsitz nehmen wird.
Kassel, 20. Febr. Der Generalmajor von Kaltenborn, in Begleitung des Adjutanten v. Eschwege, ist heute Morgen in einer außerordentlichen Mission von hier. nach Wien abgereift, um die Theilnahme des Kurfürsten für den Kaiser von Oesterreich wegen des gegen letzteren versuchten verbrecherischen Attentats auszusprechen.
Berlin, 19. Februar. Der eines Attentates auf den König von Preußen von dem besorgten Publicum als verdächtig bezeichnete Gerbergehilfe K. hat sich als politisch ganz unverdächtig ausgewiesen. Die bei dem Ergriffenen gefundene Pistole war unbrauchbar und soll der noch Gefangene mehr die Erscheinung eines einfältigen Knaben, als die eines Verbrechers darbieten.
Wie man erzählt, hätte der König sich durch den Telegraphen nach dem Befinden seines hohen Verwandten, des Kaisers von Oesterreich, erkundigen lassen und wären die bernhigsten Nachrichten eingegangem
In Folge der montenegrinischen Verwicklung ist die Abreise mehrerer preußischen Gcneralstabsosfiziere nach der Türkei, um in die Dienste der Pforte zu treten, aufgeschoben worden. Dieselben waren von der türkischen Regierung erbeten worden, um trigonometrische Messun
gen und Aufnahmen der ganzen Türkei allmählich zu bewirken. Unter ihnen befindet sich auch ein Sohn des Generals v. Wrangel.
Dresden, 17. Febr. Heute Nachmittag sind Prinz und Prinzessin Johann nebst den Prinzessinnen Sidonie und Anna und Gefolge von der am 10. Febr. unternommenen Reise von Brünn zurückgekehrt. Heute in den Morgenstunden starb nitrier nach längerm Kran- kenlaaer Fürst Heinrich LXXII.
Dresden, 19. Febr. (Fr. Pztg.) In Folge der gestern Abend aus Wien hier ciugcgangcnen telegraphischen Nachricht von dem stattgehabten Attentate auf das Leben Sr. Maj. des Kaisers von Oesterreich hat Se kön. Hoh. Prinz Albert, höchstwelcher gestern noch in Brünn weilte und heute Abend hier zurückerwartet wurde, von Sr. Maj. dem König unmittelbar nach Eingang jener Botschaft per Telegraph die Weisung erhalten, sich sofort von dort nach Wien zu begeben, um Sr. kaiserl. Majestät die Theilnahme deS hiesigen königlichen Hofes auszudrücken. Im Publicum hat das verruchte Attentat die tiefste Entrüstung, aber zugleich auch die innigste Theilnahme für den durch die Hand der Vorsehung der Gefahr glücklich entgangenen jugendlichen Herrscher hcr- vorgerufen. — Zuverlässige Hier cingctroffenc Berichte auö Wien vom 17. d. M. melden, daß die dortigen Zollconferenzen als beendigt anzusehcn sind und zu dem Abschlusse eines eventuellen vollständigen Zolleiuignngs- vcrlrags zwischen Oesterreich und den Darmstädter Verbündeten geführt haben.
Wien, IS. Febr. Die f. k. österr. Regierung hat mit Circularnote ihre Gesandtschaften bei den fremden Höfen von den Vorgängen in Mailand und den Ur- sachen.derselben, mit dem Auftrage der weitern Mittheilung verständigt. Gleichzeitig hat die österreichische Regierung ein gemeinschaftliches Vorgehen wegen Entfernung der bisherigen Leiter der Revolution von ihren Zufluchtsorten vorbereitet. — Die „Wiener Ztg." widerlegt in ihrem Localblatt: daß der Abschluß eines Eoncordals für Ungarn und Croatien mit dem heil. Stuhle vorbereitet werden. Es handle sich nur um ein Concordat zwischen Oesterreich und dem heil. Stühle. — Wie die Leipziger Zeitung versichert, wird die oster. Regierung auf Grundlage der in der Fremdcubill auf- genommenen Bestimmung, daß die britische Regierung berechtigt ist, Ausländer aus Großbritannien ausziiwci- sen, sobald dieselben erwiesenermassen die freundschaftlichen Verhältnisse'Englands zu fremden Staaten gefährden, an das englische Cabinet die Forderung stellen wird, dieser Bestimmung nachzukommen und den beiden Re- volutionshäuptlingcn Kossuth und Mazzini den ferneren Aufenthalt in Großbritannien nicht mehr zu gestatten. — Glaubhaftem Vernehmen nach haben die Absichten der österreichischen Regierung in Bezug auf Montenegro sowohl als die jüngsten Vorfälle in Mailand und Wien die Intention zu mehrfachen Veränderungen in den wichtigsten Commandeurstellen hervorgerufen und soll namentlich auch die Wiederanstellnng einer Anzahl zur Zeit nicht in Activität befindlichen Officiere vorzugsweise in den hohen Chargen bis zum Obersten abwärts bevorstehen. Ebenso sind die Plane, Wien zu einem immensen Waffenarsenale und somit zu einem Hauptpuncte aller militärischen Unternehmungen zu machen, von Neuem ausgenommen. — F.M.L. Frhr. v. Mertens, Vicegouverneur von Mainz, ist hier eingetroffeu und begibt sich zum Gouverneur dieser Festung, Erzherzog Albrecht nach Pesth. — Nach der Neuen Preußischen Zeitung dürfte die Mission des Grafen Lei »in« gen nach Konstantinopel an auswärtigen gewichtigen Einflüssen daselbst scheitern. Das genannte Blatt fügt hinzu, daß, da Oesterreich bei seinem billigen Verlangen aus's festeste beharren werde, schon die nächsten Tage die Entscheidung über Krieg oder Frieden bringen würden.
Die A. A. Z. schreibt: Erst morgen früh haben wir die traurigen Details über das furchtbare Attentat zu erwarten, das ein Zögling der Kossuth-Mazzinischen Morddoctrinen gegen den jungen Kaiser selbst gerichtet. Einstweilen ist der Telegraph mit der beruhigenden Kunde vorausgeeilt, daß die Vorsehung das Schrecklichste abgewendet, und ein Leben erhalten hat, das durch die Blüthe der Jugend, durch die Fülle der Kraft und Thätigkeit in allen Zeiten die Zierde jedes Thrones gewesen wäre, in diesem Augenblick für die Weltstellung der großen Monarchie, die Gott seiner Hand vertraut hat, ein unersetzliches ist. Hn welchem Vermichtungs- kämpfe die Nationalitäten, welche Ungarns Gräuzmarteu einschließen, sich unter sich zerfleischt hätten, wenn den fünf Millionen Magyaren der augenblickliche Sieg über die acht oder neun andern Millionen gelungen wäre, davon batten wir im Banat und in Siebenbürgen das gräßlichste Vorspiel erlebt. Aber nicht blos Deutsche, Nordslaven, Illyrier, Walachen protestirten und prote- stiren jetzt gegen Kossuth; heute haben wir erlebt, daß selbst alle magyarischen Häuptlinge, die damals um Kossuth sich gereiht, ihn verläugnen. Eben gestern ging uns von Paris ein Schreiben Szemere's zu, der einst Premierminister unter dem Dictator gewesen, und jetzt über ihn und seine jüngsten Mörder-Expeditionen dasselbe Verdammungsurtheil ausspricht, mit dem nicht die österreichische und die unendliche Mehrzahl der deutschen Presse allein, sondern selbst die schweizerische, die pie^
montesische und die englische die jüngsten Thaten der zwei großen Revolutionsspcculanteu trifft, die nie einen Tropfen des eigenen Blutes an die Sache gewagt, für das sie das Blut anderer in Strömen vergossen haben. Der Kaiser selbst hatte wochenlang in Italien, monatelang in Ungarn und Siebenbürgen alle Schauplätze des Kampfes und des Unglücks besucht, und die Wunden schiene» allmählig zu verharsche»; es geschah-, trotz der Finanzlage des Staats,' das unmöglich Scheinende, um in großartigen Bauten, in Oeffnung neuer Verkehrswege und Handelsbündnisse dem Wohlstand des Volks neue Wege zu öffnen; die Ruhe kehrte in die Gemüther zurück, in Mailand und Venedig wogte der fröhlichste Carneval, in Wien und Pesth zogen die ungarischen Regimenter jubelnd der großen Bestimmung entgegen, die ihnen der Kaiser gegeben: der Türkei gegenüber die lange vernachlässigten Rechte Oesterreichs zu wahren und der zu Boden getretenen Christcubevölkerung der Herzegowina) Bosniens und Albaniens wieder als derselbe mächtige Hort zu erscheinen, als der ihnen einst Kaiser Joseph und seine großen Vorgänger erschienen waren. Da fällt der Schlag in Mailand und — als gälte es, die bestürzen Gemüther nicht wieder zur, Besinnung kommen zu lassen — der Mordversuch auf der Bastei von Wien. Zwei Tage vorher hatte der Kaiser noch großmüthige Goldspenden nach Mailand zur Pflege der Verwundeten, nach Bosnien zum Wiederaufbau eingeäscherter christlicher Kirchen gemacht. Während das Auftreten seines Gesandten tn -Evnstantinopel die Pforte daran erinnerte, daß die Zeiten vorüber seien, wo man im göldncn Horn die österreichische Flagge mit Füßen trat, ohne dafür eine andere als ironische Genugthuung zu geben, während iir Bosnien die fanatische-' Paschas, in Montenegro der kecke Renegat an der Spitze der türkischen Heermacht, vor der neuen Machtentfaltung Oesterreichs scheu innehielten und die Unterdrückten und Bedrohten neu aufathmeten, dem Himmel dankend, daß in Wien ein Herz für ihre Sache, für die Sache des Christenthums und der europäischen Bildung erwacht sei, erhebt ein ehemaliger ungarischer Husar, sonst das Sinnbild der Treue und Tapferkeit, von den Kossnth- schen Vcrführungsmnsten wie mit Wahnsinn geschlagen, das Messer gegen seinen Herrn und Kaiser! Franz Joseph hat aus den Schlachtfeldern von Italien und Ungarn gelernt, den Tod nicht zu scheuen. Ob er auf eine solche Prüfung je auch nur in einer ahnungstrüben Stunde vorbereitet gewesen — wir wissen cs nicht. Aber alle seine Völker werden sich, da der Verlust eines so theuern Lebens ihnen so nahe gestanden, um so freudiger um den Geretteten schaaren, um ihm das Vertrauen zu sich selbst, das Vertrauen zu den in ihrer unendlichen Mehrzahl treuen Nationen seines Reichs zurückzugeben, das heitere, ruhige Vertrauen, das ihm unentbehrlich ist, um fest und unverrückt die Geschicke Oesterreichs nach Osten wie nach Westen zu wahren. Deutschland wird eben durch ein großes Band, das in Berlin zu Stande gekommen, neu an die Geschicke geknüpft. Treu zusammenhaltend werden sie der Zukunft gefaßt entgegensehen dürfen.
Der Mörder Ladislaus Lemenyi diente früher in der ungarischen Revolntionsarmee bei den Husaren. Als k. k. österreichischer Soldat hätte ihn nach den bestehende» Vorschriften die Reihe zur Beurlaubung noch nicht treffen können.
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Paris, 18. Februar. Nach dem heutigen Moniteur ist der Sold der Unteroffiziere um 10 Centimes täglich erhöht worden. Das Journal des Debats berechnet, daß diese Erhöhung, da sich die Zahl der letzteren auf 30,000 beläuft, eine jährliche Mehrausgabe von 1,095,000 Frs. veranlaßt. — Der geistliche Hofstaat des Kaisers ist in folgender Weist organisirt: Erster Anmonier der Bischof von Nancy; zweiter Aumonier der Aboö Timarche, Pfarrer von Hamm (mit dem Titel Bischof in partibus); Großvicar, Delalle; ferner vier Capläne, Mullors, Versini, Liabeuf und Laines. —■ Prinz Peter Bonaparte ist am 15. d. Mts. in Marseille angekommen niid hat sich daselbst nach Corsica- cin- gcschifst. — Der Moniteur enthält heute imMehende Mittheilung, die im legitimistischen Lager ohne Zweifel großes Aufsehen machen wird; „Der Marquis von Pastoret wurde im Jahre 1830 zum Großosfizier be? Ehrenlegion ernannt. Die Ereignisse jener Zeit verhinderten die AMühtU-g des darauf bezüglichen Decrctcs. Dieses ist nunmehr durch ein kaiserliches Decret vom heutigen Tagen in Kraft gesetzt". — Ein ministerielles Blatt weift auf das günstige Resultat hin, welches durch die bei der Modisicatiou der Verfassung dem gesetzgebenden Körper ertheilte Befngniß, die Präsidenten und Secretäre ihrer Bureaux selbst zu wählen, erzielt worden sei. Nach der ursprünglichen Bestimmung der Vcrfas- fu»0 war das älteste Mitglied eines jeden Bureaus der Präsident, das jüngste der Sccrctär desselben für die ganze Dauer einer Session. In Folge davon kam es, wie jenes Blatt bemerkt, daß mehrere Mitglieder der alten Parteien in den Besitz so wichtiger Stellungen gelangten. Nun aber, da nach der neuen Anordnung die freie Wahl stattgcsundcn, sind zu diesen Stellen nur die bewährtesten Anhänger der Regierung gewählt worden. Die Präsidcuteu der sieben Pureaux des gesetzgebenders Körpers sind die Herren Devinck, Delamarre, Reveil,
