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nak gern zwischen den Nachbarländern weissagen, nicht annehmen läßt. — Persigny leidet zwar nicht an epi­leptischen Anfällen, aber seine Gesundheit ist sehr zer- rüttet. Er leidet an Magenschwäche und dürfte nicht lange seinem wichtigen Posten verstehen, wenn nicht eine baldige Besserung eintritt.

Bei der raschen Wandlung der provisorischen Zu­stände seit Febr. 1848 kann manche Jncorrectheit nicht Ausbleiben und man bemerkt z. B. jetzt unter dem im­perialistischen Senatsconsult 87 Unterschriften des Se­nats, während Tit. IV. Art. 19 der Constitution vom Januar über den Senat festsetzt, daß derselbe nicht mehr als 150 Mitglieder zählen solle, für das erste Jahr aber dieselben auf 80 beschränkt.

Der Polizeiminister v. Maupas hat zwei nächtliche Haussuchungen veranstalten lassen bei Madame Felicie, Hofschneiderin der Prinzessin Mathilde. Man sagte, daß Herr Schoelcher, früher Deputirter der äußersten Linken (der so eben ein sehr heftiges Pamphlet gegen Ludwig Napoleon veröffentlichte), sich im Hause jener Dame versteckt aufhalte. Allein man fand nichts, und die erzürnte Madame Feliue klagte der Prinzessin ihr Leid. Diese schrieb über die Angelegenheit an Herrn v. Maupas, der sich bei der Prinzessin entschuldigte, in­dem er ihr Briefe vorlegte, die ihm versicherten, daß Herr Schoelcher sich in Paris befinde.

Victor Hugo hat abermals einen Aufruf gegen Louis Napoleon erlassen. Er soll ein wahres Meister­stück von revolutionärer Beredsamkeit sein und wird ohne Zweifel in den Faubourgs und Ateliers gewaltigen Ein­druck machen. Erhält das Kaiserreich bei der nahen Abstimmung eine imposante Majorität in Paris, so wäre dar ein großer Sieg, (!) denn die Gegner lassen es wahr­lich an Bemühungen nicht fehlen, das Gegentheil her­beizuführen.

In der Nacht vom Sonntag auf Montag hat in Orleans ein Attentat auf eine Schildwache stattgefun­den, das dort die größte Aufregung erregte. Die bei der Thüre deS Generatcommandanten deS Loiret-De- partements ausgestellte Schildwache wurde nämlich des Morgens um 3 Uhr von einem Individuum gefragt, wie viel Uhr es sei? Dieselbe beantwortete die an sie gestellte Frage, forderte aber zugleich das Individuum auf, sich zu entfernen. Der Frager störte sich aber nicht daran, sondern näherte sich und fragte den Sol­daten, ob er den Präsident der Republik kenne und ihm einen Dienst leisten wolle? „Wenn Sie einen Dienst erwiesen haben wollen, war die Antwort, so wen­den Sic sich an den Posten; dort werden Sie Hilfe finden, wenn Sie deren bedürfen." Der Unbekannte ging aber nicht darauf ein, sondern sagte dem Soldaten, er könne ihm den Dienst selbst leisten und bat ihn, ihm gegen hundert Franken ein Paquet Patronen zu geben. Die erstaunte Schildwache ergriff das Indivi­duum sofort beim Kragen, um es gefangen zu halten, bis sie abgelöst werde. Der Unbekannte zog jedoch eine Pistole aus seiner Tasche, die er auf den Solda­ten abfeuerte, ohne ihn aber zu verwunden. Die Kugel ging durch den Tschako, indem sie dm Kopf des Adlers zerschmetterte und an den Haaren vorbeistreifte. Ein Kampf entspann sich zwischen dem Soldaten und seinem Angreifer. Aymes (so heißt der erstere) machte sich von seinem Gegner los und stieß ihm sein Bajonnett in den Leib. Das Individuum stürzte nieder; das Bajonnett war acht Zoll tief eingedrungen. Da stürzten plötzlich sechs Leute, die sich in der Nähe ausgehalten hatten, herbei, um dem Angreifer Hilfe zu leisten, ^iner derselben feuerte mit den Worten: „Du bist ein­mal dem Tode entgangen, dieses Mal mußt du d'ran!" eine Pistole auf den Soldaten ab, die jedoch ebenfalls ihr Ziel verfehlte. Hierauf begann der Kampf von Neuem zwischen der Schildwache und seinen neuen An greifern. Ein Messerstich, den Aymes erhielt, nöthigte ihn, einen Augenblick von dem Kampfe ahznlassen und gab seinen Angreifern Zeit, sich mit ihrem Verwundeten aus dem Staube zu machen. Aymes verfolgte sie meh­rere Schritte und feuerte sein Gewehr, das er inzwischen geladen hatte, auf sie ab, ohne jedoch einen seiner Gegner zu treffen. Ein in der Nähe wohnender Gens- d'armcric Officier, durch die Schüsse aufgeweckt, sand sich zuerst auf dem Kampfplatze ein: bald erschien der Oberst, der Platzcommandant und die gerichtlichen Be­hörden. Mehrere Personen wurden schon verhaftet, aber nach bestandenem Verhör wieder freigegeben. Die eingeleitete Untersuchung hat bis jetzt noch kein Resul­tat geliefert. Aymes wurde nach dem Hospitale gebracht, seine Wunde ist zwar ohne Bedeutung; der meuchle rische Angriff hat jedoch einen solchen Eindruck auf ihu gemacht, daß er an einer Hirnentzündung darnie­der liegt.

Hr. v. Berski, der Hofmaler von Preußen und von Holland, ist ermächtigt worden, die Portraits von Abd­el-Kader, und von seinen Begleitern Kara Mohamed vnd Sili Allan anzufertigen. Man sagt, daß die Ge­mälde ihrer Vollendung nahe sind und ganz ausgezeich­net ausfallen werden. Der Künstler will bei der Rück­kehr Abd-el-Kadcrs, der heute abgercist ist, die letzte Hand daran legen.

Schweiz.

Bern, 13. Nov. Verschiedene Mittheilungen stim­men überein, daß daS Grimselspital wahrscheinlich durch

absichtliche Brandstiftung vernichtet worden. Man fand nämlich unter dem Mist Fässer voll Wein, viele Kisten mit Flaschenweinen und Piqueuren rc. versteckt. Der eine Knecht, der bei dem Brande anwesend war, ent­fernte sich bei der Entdeckung dieser Gegenstände und ist nicht wiener zum Vorschein gekommen. Der Wirth Zybach, dessen Pachtzeit demnächst abgelaufen sein wird, hatte sein Mobilar sehr hoch versichert. Er ist verhaftet.

Großbritannien.

London, 10. Nov. In Frecmason's Hall hatte gestern der Deutsche Volksverein, an dessen Spitze Ar­nold Ruge steht, eine Todtenfeier für Robert Blum veranstaltet, dessen Bildniß zwischen zwei rothen Fahnen aufgehängt war. Vocal- nud Instrumentalmusik begann und schloß die Procedur. Es wurden wilde Reden ge­halten noch.ganz im Geschmack von 1848, als stände die Zeit still, Ruge ausgenommen, waren sämmtliche deutsche Redner Wiener Flüchtlinge. Tausenau ans Wien sprach Englisch und zwar sehr gutes Englisch und auch mehr in englischem Styl. Seine Rede bestand hauptsächlich aus einem Angriffe auf Macaulay, der neulich in seiner Rede in Edinburgh die Revolution von 1848 als versuchten Einbruch neuer Hunnen be­zeichnet bat. Robert Blum ward von sämmtlichen Red­nern als Jncarnation der Volksmasse hingestellt, die in seinem Namen die Nachelosung habe u. s. w. Am Schluß betrat ein Irländer Namens Lockhard die Red- nerbühnc, der sie Alle überbot. Als wahren Volks­helden, dessen Name der Lösungsruf der neuen Revo­lution werden würde, bezeichnete er — wen meinen Sie wohl? — Wat Tyler, den Dachdecker von Maidstone, und Jack Cade von Deptford! War das Ernst oder Ironie? Ruge, der erst gewaltig über die Communisten hergefahren war, rückte unruhig im Stuhle. Ein alter Pole las Namens der polnischen Gesellschaft eine lange französische Adresse vor, bei der das Meeting beinahe auseinandergelaufen wäre, das, etwa 600 Personen stark, größteuthcils ans neugierigen Eng­ländern bestand, die ihren Schilling bezahlt hatten. Auch Damen waren etwa 30 zugegen. Für die Accom- modation der Preffe war ganz formell gesorgt, und Einladungen waren sowohl an die englischen Zeitungen als die deutschen Berichterstatter geschickt worden. Nach dem Meeting fand ein Abendessen Statt.

Von den beiden im französischen Flüchtlings - Duell beteiligten Parteien ist in ihrer gegenseitigen Erbitte­rung die Reserve jetzt selbst mit solcher Rücksichtslosig­keit gebrochen worden, daß Rücksicht auch für Andere überflüssig geworden ist. Für den betreffenden geper^ krieg hat der „Morning-Herald" seine Spalten geöffnet. Es zeigt sich, daß im Schooße des französischen Fra­ternitäts-Bundes gegen Cournet die Anklage laut geworden, er sei ein Bonapartistischer Spion; allem Anschein nach dem bloßen Fractionshasse ihren Ursprung verdankend. Cournet und seine Freunde behandelten dafür ihre Gegner als Polizei-Agenten und Spione. Und diese haben denn den Barthelemy, dessen mar­tialischer Geist bekannt, wie es scheint, ausdrücklich nach London intriguirt, um eine alte Beleidigung an Conr- not zu rächen. Bei dem Zweikampf selbst scheint nichts außer Ordnung passirt zu sein, so groß ist aber die Schonungslosigkeit, die nach dem ersten Anlauf von Edelmuth jetzt gegen einander geübt wird, daß die .Briefe der Couruet'schcn Partei offen darauf angelegt sind, dem Angeklagten Barthelemy bei den Geschwornen zu schaden. Das Duell war Barriere-Duell mit zehn Schritt avanciren bei vierzig Schritt Mensur (gezogene Pistolen). Cournet avancirte und Barthelemy blieb stehen, was bei ihrer Abmachung, vollkommen sein Recht, aber allerdings die Avantage von der Abmachung neh­men hieß, und bei empfindsamerem Ehrgefühl nicht vor­gekommen sein würde. Er hielt dann Courncts Feuer auf dreißig Schritt aus, und konnte cs, vollkommen abgekühlt, auf zwanzig Sckritt erwiedern, wobei ihm das zweimalige Versagen seines Pistols noch zu Gute kam, so daß er, stehend, auf einen stehenden Gegner bei dreimaligem Zielen schoß. Es sieht beinahe aus wie Scheibenschießen. Aber, wie gesagt, er stand fest auf der Abmachung. Zu Gute scheint ihm zu kommen, daß er vor seinem Schuß sich bereit erklärte, denselben zu opfern, wenn der Gegner zu dem Degen greifen wolle. Dies wurde abgelehnt.

London, 12. Nov. Im Oberhause sowohl wie im Unterhause wurden gestern, wie schon mitgetheilt, die Entwürfe der Adresse auf die Thronrede angenom­men. Vorher wurde jedoch in beiden Häusern das Ministerium über seine Politik interpellirt, bei welcher Gelegenheit aus den unklaren schwankenden Charakter derselben in Bezug auf Freihandel und Kornzölle scharfe Hiebe fielen. Im Oberhause führte als Interpellant der Marquis v. Lanèdowne, im Unterhause Herr Vil liers das Wort; letzterer machte, von Lord John Russell, Lord Palmerston, Gladstone und Cobden unterstützt, die Anzeige, daß er den 22. d. einen Antrag einbrin- gen werde, des Inhaltes: das Ministerium zu einer klareren Darlegung feiner Handelspolitik zu nöthigen, als dieses in der Thronrede geschehen sei. Aus den Antworten der Minister ist nicht viel hervorzuheben. Graf Derby gab im Oberhause die merkwürdige Er­klärung, daß in der GreihandelSfrage das Mi­

nisterium sich der Entscheidung des Landes untetwerfen und das zur Geltung gelangte Prin­cip unparteiisch und loyal durchführen werde. Sonst hat das Ministerium die Politik in England gemacht. Diese Erklärung klingt wie ein Armuthszeuguiß, das sich das Ministerium selber ausstellt.

Das Urtheil der Presse über die Thronrede ist ein Echo der gestrigen Parteircden. Herald findet sie groß und entschieden; die liberalen Blätter nennen sie zwei­deutig, unbestimmt, unehrlich im Punkte der Finanz- Politik. Von den ministeriellen Blättern aber ist Post allein so aufrichtig, einzugestehen, daß die letzte Stunde der Schutzzöllner geschlagen hat, daß sie ins Lager der Gegner mit gesenkter Fahne übergegangen sind.

Die Königin begab sich gestern Nachmittags um 3 Uhr, als sie von der feierlichen Parlaments-Eröffnung zurückgekehrt war, nach Chelsea, um bas Paradebett des Herzogs von Wellington im dortigen Jnvalidenhause zu besichtigen, und kehrte Abends mit dem Prinzen,Akberl und Familie nach Windsor zurück.

Der „Globe" meldet, daß im Gedränge in Chelsea- Hospital im Saale deS WeUington-Paradebcttes 6 Men­schen umgekommen sind; man zählt außerdem noch so viele Verwundete, daß der Gegenstand im Parlament zur Sprache gebracht werden soll.

Birmingham wurde am 11. Nov. plötzlich von einer furchtbaren Uebcrschwemmur.g Heimgesucht. Das unbedeutende Flüßchen Rea, welches den unteren Theil der Stadt durchläuft, trat aus seinem Bette und die Niederungen auf dem Lande verwandelten sich in einen ungeheuren See. In einzelnen Straßen der Stadt mußten die Einwohner in die oberen Stockwerke flüch­ten und eine Reihe neuer Gebäude ist zum Theil zer­stört. In der Stacht begann das Wasser wieder zu fal­len und die Eisenbahnverbindung mit Bristol ward am folgenden Tage wieder hergestellt. Dagegen sind die Flüsse Wye, Severn und Sugg ausgetreten und haben in Gloucestershire, Herefordshire und Worcestershire große Verheerungen angerichtet. Bei Hereford wollte die Postkutsche im Dunkeln über eine Brücke fahren, die von der Fluth in der Mitte gesprengt worden war, und stürzte in'S Wasser. Einer der Passagiere ertrank, die andern wurden mit genauer Noth gerettet. In Leicester und Umgebung soll der Schaden an Fabriken, Maschinen und Gütern unberechenbar sein, abgesehen davon, daß mehrere Tausend Arbeiter in diesem Au­genblicke ohne Obdach und ohne Beschäftigung sind. Auch in London überschwemmte eine ungewöhnlich hohe Themsefluth eine große Anzahl niedrig gelegener Ufcr- I straßen ober- und unterhalb von London-Bridge.

London, 13. Nov. In der heutigen Sitzung des Oberhauses kündigte Graf Derby für nächsten Montag eine auf das Leichenbegängniß des Herzogs von Wel­lington bezügliche Motion an, dieselbe Erklärung gab im Unterhause Herr d'Jsraeli ab. Seinen Finanzplan wird der Schatzkanzler den 26. November vorlegen. — Lord Palmerston, in den sein böser Geist wieder ge­fahren scheint, will wissen, wie viel Neger Spanien in Cuba vertragswidrig einführe. — Endlich wiederholte der Scbatzkanzler die schon in der Thronrede gegebene Erklärung, daß der Fischereien-Streit mit Nordamerica eine ganz freundschaftliche Ausgleichung finden werde.

Türkei.

Aus Consiantinopel bringt die „Neue Preuß. Zeitung" uns eine Mittheilung , welche zwei preußische Unterthanen betrifft und zugleich ein so schönes Beispiel von Berufstreue und Hingebung eines Consular-Beam- ten dabietet, daß auch weitere Kreise Interesse daran finden dürften. Der Buchbinder Breitrück ans Merse­burg und der Schlosser und Büchsenmacher Glier aus Oppeln passirten auf ihrer Wanderschaft in der Türkei Sophia und ließen sich dort am 21. August ihre Pässe in Ermangelung einer preußischen Consular-Behörbe bei dem kaiserlich österreichischen Lice-Consul v. Martyrt zur Weiterreise nach Constantinopel vistren. Wenige Tage darauf verbreitete sich in Sophia das Gerücht, daß diese Leute in der Nähe von Jchtiman, in einer schon seit lange durch Räubereien berüchtigten Gegend beraubt und ermordet worden seien. Sofort sandte Hr. V. Mar­tyrt Boten an die benachbarten türkischen Behörden und erfuhr von denselben die theilweise Bestätigung dieses Gerüchtes. Die Reisenden waren in der That überfallen worden. Breitrück hatte sich durch Flucht in das Wald- dickicht zu retten vermocht. Glier hingegen war zu Bo­den geworfen und beraubt. Man fand den Unglücklichen noch an der Stelle der That in seinem Blute schwim­mend, mit vier Schuß- und sechszehn Hieb- und Stich­wunden, den linken Schenkel gebrochen. Indessen ge- ; lang es dem Hrn. v. Martyrt, den schon fast Enseelten nach dem 12 Stunden entfernten Sophia zu schaffen, woselbst er ihn in das Amtsgebäude ausnahm. Durch die liebevolle Pflege des Hrn. V. Martyrt und die sorg­fältige Behandlung des Dr. Zamcro schien der Unglück­liche anfangs sich zu erholen, so daß man seine Rettung hoffen durfte; doch wurde diese Hoffnung leider ge­täuscht, da die geharschten Wunden und der starke Blut­verlust die Heilung unmöglich machten. Nach sechs­wöchigem Leiden erfolgte der Tod. Die menschenfreund­lichen Bemühungen des Herrn v. Martyrt richteten sich nunmehr darauf, dem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen, und nachdem alle Schwierigkeiten, welche die