Vergiftung- eines Kindes in Untersuchungshaft gewesene Dr. Schuchard ist gestern Morgen an der Wunde, welche er sich mittelst einer Scherbe beigebracht, verschieden. Er hatte sich eine Pulsader am Schenkel geöffnet. — Gestern Abend war das Hotel des hiesigen französischen Gesandten in Veranlassung des Geburtstags Napoleons glänzend erleuchtet.
Berlin, 15.' August. Die „Preuß. Wehrzeitung" bringt in ihrer heutigen Nummer einen interessanten Artikel. Sie erörtert die Bedeutung, welche die Eisenbahnen in künftigen Kriegen haben werden, und deducirt daraus die Nothwendigkeit, nicht allein, daß die Regierung bei Zeiten dafür sorge, dieselben in ihre Hände zu bekommen, sondern auch, daß sie diejenigen militärischen Maßregeln treffe, welche sowohl zum Schutz der Bahnen als zur Unterstützung der militäri-- schcn Operationen dienen können. Sie weist darauf hin, daß hierin die russische Regierung bereits mit gutem Beispiel vorangegangen und die meisten Bahnhöfe umwallt und verpallisadirt habe, und sagt dann: „In der That, jeder Bahnhof mit seinen massiven Empfangsund Restaurationsgcbändctt ist ein natürliches Reduit, jeder Schuppen ein fertiges Hütten- und Barackenlager, jede Werkstatt ein Magazin von Spaten, Arbeitsgeräts) und Handwerkszeng, jede Wasserpumpe mit ihrem reichen Wasservorrath eine breite und ergiebige Tränke für wer weiß wie viele Pferde — kurz, wohl eigentlich die „wahre Kunst und Art fürsorglicher Castramentation", um mit dem alten Frundsberg zu reden. Was der Generafftabsofsizier sich im Felde von nah und fern zusammensuchen muß, das hat ihm der Eisenbahningenieur in einem Bahnhof Alles schon handlich zurecht gelegt, so daß er eben nur zuzugreifen braucht, wenn er ein Castrum abstechen will. Künftige Kriege werden sich in ihren Operationsbasen nicht weit von den Eisenbahnen entfernen. Wer aber seine Operationsbasis fortistciren kann, der wird es schwerlich unterlassen, selbst auf die Gefahr hin, daß bei einem Rückzüge die aufgegebene Fortification den Feind fortistciren könnte." Es wird dann liachgcwieseii, daß es zur Durchführung dieser Vorsichtsmaßregel eben keiner großen Kosten und Anleihen, sondern nur mehr der Benutzung des bisher un- beiintzt Daliegeuden bedürfe. Und diese Rathschläge dürften nicht von der Hand zu weisen sein, sondern nur eine Ausgleichung herstellen , welche bis jetzt nicht vorhanden, sondern durch die Eisenbahnen in Bezug auf die Festungen aufgehoben ist. Nach den früheren Bestimmungen sollte keine Eisenbahn sich einer Festung auf Kanonensckußweite nähern dürfen; jetzt fährt sie in Danzig mitten hinein, in Magdeburg durchschneidet sie den Brückenkopf, bei Stettin sparten die großartigen massiven neuen Feuerfronten der Eisenbabngesellschaft die Kosten einer Bahnhofsmauer, und überall bohrt sich die Locomotive einen Weg in den Wallgürtel.
Der französische Gesandte, der, wie bereits mitgetheilt, die Festlichkeiten des heutigen Tages auf sein Hotel beschränkt, wird dasselbe am Abend glänzend illu- miniren.
/ranhiTtd),
Paris, 16. August. Das Ende des gestrigen Tages entsprach dem Anfänge desselben. Die Witterung wurde günstiger und gestattete der Beleuchtung von Paris und den Feuerwerken ihre ganze Wirkung. Der Prinz genoß diesen herrlichen Anblick vom Ministerium der Marine aus, wo ein prachtvoller Pavillon eigens für seine Person hergcrichtct war. So oft er nur auf dem Balkon erschien, wurde er von lautem Zurufen cm* pfangen.
Der Wind hat sämmtliche Zelte auf dem Markte des Innocents umgerissen, und es ist deßhalb der große Festball der „Damen der Halle", welcher gestern Abend ftattfinden sollte, auf morgen (Dienstag) Abend verlegt worden.
Der erste Liceprästdent des Senats und der Präsident am Cassationshofe, Herr Mesnard, ist zum Großoffizier, der Senator Graf Casabianca zum Offizier der Ehrenlegion ernannt. Außer dem Bischof von Cbalonö, Mgr. Prilly, der zum Offizier der Ehrenlegion befördert ist, haben der Bischof von Limoges, Mgr. Buissac, der von Carcassonne, Mgr. de Bonnechose und zwei Abbö's das Ritterkreuz erhalten. Der Divisionsgeneral Pelisier, gewesener Interims-Gouverneur von Algerien, Commandant der Division Oran, ist für die geleisteten Dienste während seines militärischen Gouvernements mit der militärischen Denkmünze decorirt worden. Bei Weiteur die meisten der Ordensbelohnungen und Beförderungen kommen auf die Land- und Seemacht. Die Liste ist so lang, daß der „Moniteur" die im Ministerium des Innern des Ackerbaues und Handels ausgetheilten Decorationen auf seine nächste Nummer verschieben muß.
Herr Proudhon ist mit seiner Gemahlin und seinen beiden kleinen Töchtern nach der Franche-Comtë, seinem Geburtslande, abgereist. Von da wird er eine Reise durch die südlichen Departcmcnte machen.
Wieder ein alter Soldat des Kaiserreichs, der General Petit, Untergouverneur der Invaliden, ist vorgestern Abend gestorben. Petit ist der General, den man gewöhnlich als denjenigen darstellt, der sich beim Abschiede in Fontainebleau dem Kaiser in die Arme warf.
Belgien
Brüssel, 14. August. (K. Z.) Die Königin Victoria traf heute Morgens 11 Uhr wieder in Antwerpen ein, wo eine ungeheure Menschenmenge ihrer harrte, um ihr gleichsam für diesen Besuch zu danken. Bald nach der Ankunft besuchte die Königin, begleitet von unserem Könige und seiner erlauchten Familie, die Ausstellung, wo sie sich besonders lange vor der prachtvollen Landschaft Ihres berühmten Landsmannes Andreas Achenbach aufhielt und sich über dessen geniale Kühnheit und große Naturwahrheit mehrmals gegen den König aussprach; sie begab sich dann nach den verschiedenen Museen und dem zoologischen Garten, dessen geschmackvolle Einrichtung und schöne Sammlung der Thiere ihren ganzen Beifall hatte; um 1 Uhr begaben sich die hohen Reisenden nach dem Palaste zum Dejeuner. Um 2 Uhr Nachmittags verließ die königliche Fregatte den Hafen unter dem Kanonendonner der Schiffe und der Citadelle. Der König Leopold und die Prinzen werden die erlauchten Gäste bis in die hohe See begleiten.
(SrußbrihHinien.
London, 14. August. „Wie der König niemals stirbt, so hat die Times niemals Unrecht. Ersteres ist eine Theorie, Letzteres sicherlich keine Thatsache". Das sind Worte des Herald, der nicht wenig über die Schwenkungen der Times in dem Fischereistreitc trium- phirt. „Die Times — bemerkt das ministerielle Blatt, — schlägt manchmal um, obgleich sie niemals irrt. Vor einigen Tagen hatten Ihrer Majestät Regierung eine flagrante Missethat begangen; daraus wurde zunächst eine Tactlostgkeit, und zuletzt eine kleine Barschheit. Zufällig aber hat die britische Regierung keinen anderen Fehler begangen, als daß sie die internationale Artigkeit gegen Bruder Jonathan zu weit trieb." Und diese Artigkeit sei falsch gedeutet worden. „Die Franzosen haben ihr Geschwader in Nordamerica verstärkt, ohne es in Washington anzumelden, und siehe da, America schwieg. Voriges Jahr hatte England ein stärkeres, obgleich minder zahlreiches Geschwader (wenige, aber größere Kriegsschiffe) in den streitigen Gewässern — und America schwieg. Diesmal ist Lord Malmesbury so rücksichtsvoll, die Absendung einiger kleinen (zur Ausübung der Polizei besser geeigneten) Schiffe am 7. Juli anzuzeigen, und America lärmt." Von den vier gekaperten americanischen Booten sagt der Herald nichts. Der Herald hat allerdings Recht. Die Times hat wirklich ihre Sprache allmälig ganz geändert. Das vertragsmäßige Recht der britischen Fischer hat sie von Anfang anerkannt, aber heute findet sie selbst für die früher getadelte „Grobheit" des Cabinets Derby eine Entschuldigung in der entsprechendes Grobheit des ame- ricanischerr Senates. Fest stehe, daß nach dem Vertrage von 1818 und unbeschadet der Concession von 1845, americanische Fischersegel nicht nur drei Meilen von der Küste, sondern bis auf drei Meilen von jeder Buchtmündung ausgeschlossen seien. Darum übrigens keine Feindschaft zwischen John Bull und Bruder Jonathan, sondern gütliche Unterhandlung, die hoffentlich der beste Erfolg krönen werde. Denn wer die Hyper- belsucht der Aankee's kenne, werde selbst über die pro- spectiven Kriegsbulletins des New - Aork Herald nicht erschrecken. Auch die übrigen Blätter, wie Globe, Daily News und Advertiser, beginnen die andere Seite des Bildes zu beleuchten und gestehen, daß für die britischen Fischereien etwas geschehen müsse.
Die Nachricht von der Sendung Th. B aring's nach America bestätigt sich; diese Mission bezieht sich nicht nur auf die Fischereien-Frage, sondern auch auf die Schuldforderungen englischer Bons-Besitzer an Mexico.
Italien.
Rom, 10. August. In einer gestern an die betreffende geistliche Congregation ergangene Weisung des heiligen Vaters wird dieselbe aufgesordert, den Abschluß aller im nächsten geheimen Konsistorium zur Berathung und Entscheidung vorzulegenden Acten möglichst zu beschleunigen. Der Tag seiner Einberufung ist noch nicht festgesetzt; doch dürfte dieselbe schwerlich noch im laufenden Monat erfolgen. Es ist mehr als ein Grund zur Hoffnung vorhanden, daß die Spannung zwischen Rom und Turin dann wenigstens ein principielles Uebereinkommen zulassen werde, welches man hier als sicheres Unterpfand für eine demnächst nicht mehr ferne Beilegung des Streites wegen Wiederbesetzung des erz- bischöflichen Sitzes in Turin wie der übrigen bekannten (Streitpuncte anzusehen geneigt wäre. Ich höre, Se. Heiligkeit wird, falls die Unterhandlung bis dahin dennoch nicht zu einem erträglichen Abkommen gediehen, alle bisher vom heiligen Stuhle des Friedens halber im nachgebenden Sinne gethanen Schritte in einer Al- locution der Oeffentlichkeit übergeben.
Rom, 14. Juli. „Gewiß seit Jahren ist kein deutscher Prälat mit solcher Auszeichnung hier empfangen worden, als es bei dem Herrn Erzbischof von München-Freising der Fall war. Die Audienzen beim heiligen Vater dauerten in der Regel mehrere Stunden, fast alle Cardinale traten zu ihm in nähere Beziehungen, und auch auszeichnende kirchliche Functionen wurden ihm übertragen". Um so auffallender, bemerkt die Kor- respondenz weiter, fei die Ankunft eines Abgesandten in
außerordentlicher Mission gewesen, der, wie man allgemein glaubte, in einer den Bestrebungen des Herrn Erzbischofs und der übrigen Bischöfe Bayerns entgegengesetzten Weise wirken sollte. Sei es nun schon an sich eine merkwürdige Erscheinung gewesen, daß, nachdem Seine päpstliche Heiligkeit den Herrn Erzbischof zu einem persönlich abzustattenden Bericht aufgefordert hatte, rasch ein weltlicher Berichterstatter nachgesendet worden sei, so habe die Wahl der Person noch mehr verletzen müssen. Denn es sei in Rom nicht unbekannt geblieben , daß Herr v. Berger als bayerischer Gesandter in der Schweiz dem Sonderbunde gegenüber eine nichts weniger als katholische Gesinnung bewiesen habe.
Nach einem Briefe aus Piacenza vom 9. August im Turiner „Risorgimento" hat die österreichische Regierung die Verwaltung des Herzogthums Parma dem gegenwärtigen Herzoge provisorisch aus den Händen genommen und an seiner Statt eine Regentschaft eingesetzt (?). Dieses auffallende Ereigniß, welches wir in keinem anderen Blatte erwähnt finden, stellt der Berichterstatter des „Risorgimento" als Folge eines ernsten Zwistes zwischen dem jungen Herzoge und seiner Gemahlin, der Tochter des verstorbenen Herzogs von Berry, dar. Dieser Zwist soll der Art gewesen sein, daß er die Herzogin von Berry veranlaßt hat, den Schutz der österreichischen Regierung nachzusuchen. Auf der anderen Seite wird behauptet, der Ex-Herzog Carl habe sich gleichfalls an das Cabiner von Wien gewandt, um den Beistand Oesterreichs gegen seinen Sohn zu verlangen, der ihm, wie es scheint, die bei seiner Abdankung festgesetzte Pension nicht verabfolgt. Dem erwähnten Briefe des „Risorgimento" zufolge befindet sich der Herzog gegenwärtig in' Wien.
America.
New Aork, 30. Juli. Aus der St. Laurence- Bav wird berichtet, daß die Briten von allen america» nischen Fischerfahrzeugen eine Ankergebühr von 6 D. per Tonne verlangen. Wieder sind zwei americanische Fischerschaluppen von englischen Kreuzern aufgebracht worden. Vierzehn englische Kriegsschiffe kreuzen in jenen Gewässern und vier andere werden in St. John's ausgerüstet. Ein Theil des japanischen Epeditionsge- schwaders ist nach den streitigen Gewässern beordert, und der Mississippi, Commodore Perry, nimmt hier Kohlen ein, um gleichfalls dorthin abzugehen. Nach dem New-Jork Herald ist der Präsident mit der von Webster in dieser Angelegenheit angenommenen Haltung keineswegs zufrieden, un^-trotz des drohenden Anschein- der Dinge erwartet man eine friedliche Beilegung des Zwistes.
Eine Correspondenz des „Morning Chrouicle" schildert den Staatsstreich Urquiza's mit sehr milden Farben, so daß man ihn kaum einen Staatsstreich nennen könnte. Die Opposition in den Kammern stieß nämlich den von dem Provinzgouvernenr geschloffenen „Accuerdo“ (Vertrag) um, durch welchen Urquiza zum „provisorischen Leiter der Konföderation" bis zum nächsten Con reß (im August) ernannt wurde. Die Minister reichten darauf ihre Entlassung ein, und es herrschte die größte Aufregung. Urquiza löste daher die Kammer auf, ordnete aber sogleich neue Wahlen an; er setzte den Gouverneur Lopez, sowie die alten Minister wieder ein, und verbannte fünf Oppositionsführer. Letztere Maßregel wurde auf die Vorstellungen des Gouverneurs Lopez wieder znrückgenommen. Dies Alles war das Werk von 24 Stunden.
Neueste Nachrichten.
Köln, 15. August. (Fr. I.) Das Hauptschiff der hiesigen Domkirche rückt jetzt rasch seiner Vollendung entgegen und alle Zeichen machen es wahrscheinlich, daß dieser Riesenbau, dessen Vollendung man vor wenigen Jahren noch für unmöglich hielt, schon während des nächsten Sommers vollendet dastehen wird.
Berlin, 16. August. Dem Vernehmen nach begibt sich der Ministerpräsident v. Manteuffel morgen nach Putbus, um Sr. Maj. dem Könige Vortrag zu halten.
Genf, 15. August. Die Frau Herzogin von Orleans verweilt seit dem 11. d. M. in Genf bei der Gattin des eidgenössischen Obersten v. Bontems.
t Turin, 12. August. Der Ministerpräsident d'Azeglio wird Ende dieses Monats zurückerwartet. Lebhaft erneuert sich das Gerücht, es werde der Graf von Cavour wieder in das Ministerium eintreten, die Herren C i b r a r i o und P c r » a t t i würden dagegen austreten. Die vom Senate zur Prüfung des Ehegesetzes niedergesetzte Commission ist vollkommen uneinig. Ein Theil will das Gesetz ganz und gar den Bestimmungen des französischen Code nachgebildet wissen; der andere will die Befuguiß der Civilbehörden lediglich auf die Registrirung des Trauungsactes beschränkt.
Cagliari, 9. August. Die französische Flotte, bestehend aus 6 Linienschiffen und 3 Dampfern, ist heute von der afrikanischen Küste hier eingelaufen.
Verantwortlicher Redacteur! Dr. Ji. Do^ek.
