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mentan durch Leidenschaft verdrängte besonnene Einsicht wieder die ihr gebührende Stelle einnimmt! *)

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Dem Frankfurter Journal schreibt man aus Darm­stadt vom 9. August: Mehrere Minister von Staaten, welche der Darmstädter Coalition augehören, verweilten, wie ich vernehme, in den letzten Tagen dahier. Es dürfte wohl keinem Zweifel unterliegen, daß diese Zu­sammenkunft sich auf die Hauptfrage des Tages bezog. Eine Ministerconfereiiz sämmtlicher Coalitionsstaaten steht in diesen Tagen bevor. Die Einladung ist von Bayern ansgegangen. Was die Pfälzer Zeitung über die Erklärung mittheilt, welche Württemberg in Kissin- gen gegeben habe, und auö welcher hervorgeht, daß man sich auf Seite der Gegner der Coalition allzura­schen Hoffnungen hingegeben, kann ich auf das Be­stimmteste bestätigen.

Nach der weiteren Ansicht des Correspondenten trägt eS ungemein viel zur Aufklärung bei, daß das Franks. Journal die Zollfrage als offene Frage (!) behandelt. Er meint aber, daß in Folge dessen sich das öffentliche Ur­theil zu Gunsten der Ansichten der Coalitionsstaaten gebildet habe.

Zu der in Stuttgart abzuhaltenden Konferenz der darmstädter Coalitionsstaaten sind einge- troffen: für Bayern Ministerpräsident v. d. Pfordten; für Sachsen Minister v. Beust; für Baden Minister Frhr. v. Rüdt; für Hessen-Darmstadt die Minister v. Dalwigk und von Schenk, für Kurhesien Minister von Baumbach ,itnb für Nassau Ministerpräsident Fürst von Wittgenstein. Württembergischer Seits nimmt der De­partementschef des, Auswärtigen / Staatsrath Freiherr V. Neurath daran Theil. Die erste Sitzung begann heute früh 9 Uhr endigte um 2 Uhr und Hauptge- gcnstand der Berathung war eine gemeinschaftliche Ant­wortsnote der Coalition auf die Erklärung, welche Preu­ßen in der letzten Sitzung der berliner Konferenzen vor der Vertagung abgegeben hat. Wie die Angs. Postz. meldet, hat Herr v. d. Pfordten einen Entwurf einer an Preußen abzugebenden Erklärung ausgearbeitet, der sich auf die Erhaltung des Zollvereins stützt, aber von Preußen die Eröffnung der Unterhandlungen mit Oester­reich über die Zolleinigung fordert, sobald die Zollvcr- einsconferenzen in ein bestimmtes Stadium getreten sind. Zugleich sollten bei der Ratification der Zollvereinsver­träge die Unterhandlungen mit Oesterreich bis zu einem gewissen Puncte gereift sein. Man gibt sich dort allge­mein der Hoffnung hin, es werde zu einer gemeinsamen Antwort die nöthige Uebereinstimmung erzielt werden, da Württembergs und Badens Enthaltung von der Kis­singer AntwortSnote keineswegs darin zu suchen sei, daß beide Staaten von der Coalition abfallen wollen, son­dern nur in einem formellen Bedenken gegen die Fassung der Kissinger Antwort.

Aus Darmstadt wird der „Kasseler Zeitung" vom 9. August geschrieben: Endlich wird also ernstlich An­stalt gemacht, die von Berlin geforderte Willensmeinung rund heraus zu erklären. Die Sache ist auch, wenn man die darauf verwendete Zeit allein zum Maßstabe nimmst auf gründlich deutsche Weise behandelt worden Eines ist mir nur immer unbegreiflich gewesen: daß man sich nämlich bei den in Berlin geführten Unter­handlungen eine Superiorität hat gefallen lassen, die weder in den Umständen noch in der diplomatischen Sitte begründet war. Von der Gleichberechtigung aller Vereinsstaaten war dort wenig zu merken. Eine ein­zelne Regierung hat die übrigen zu einer Konferenz convocirt und aus dieser den Berathungen ganz nach ihrem Gutdünken bald weitere, bald engere Grenzen gesteckt. Unzufrieden darüber, daß man ihre Ansichten nicht adoptirt, unterbricht sie die Berathungen, beurlaubt die versammelten Bevollmächtigten und setzt ihnen einen Termin zum Wiedererscheinen; gerade so, als ob ihr eine besondere Präeminenz zustände. Man muß anneh­men, daß Regierungen weniger empfindlich als Privat­personen sind, denn unter diesen hätte ein solches Ver­fahren nicht Platz greifen können, ohne zugleich zu ei­nem Bruche zu führen. Es war aber auch nur deshalb möglich, weil man nicht stets vor Augen behielt, daß Preußen es gewesen, welches gekündigt, welches seinen Platz außerhalb des Zollvereines genommen, und daß es ihm daher nicht zustand, den im Zollvereine behar­renden Staaten die Bedingungen vorzuschreiben, unter welchen der Zollverein fortdauern solle. Weil man aber Dieses übersah, so war man nahe daran, in die Si­tuation zu kommen, sich die Thüre von Demjenigen weisen zu lassen, der sich selbst nicht mehr innerhalb derselben befand. Wir sind überzeugt, daß die Erklä­rung, über welche man sich jetzt in Stuttgart eini­gen will, nicht minder als die früher abgegebene, so­wohl der eigenen Würde der beim Zollvereine verblei-

*) Nach Niedcrschreibunq vorstehender Zeilen kommen uns die beiden neuesten Nummern 190 und 191 ter Mtttelryeini- schen Zeitung zu, welche sich in, mit I und II numerirten „vom Main" resp. von Frankfurt rictirten Artikeln ebenfalls wieder sehr angelegentlich mit unserm neulichen Artikel beschäftigen. Dieser Eifer beweist uns, daß wir die wunde Stelle des Hrn. Verf. getroffen haben; und da sich auch die erwävnten zwei neueren Artikel mehr, als rie in Nro. 187 an der Sache hal­ten zu wollen scheinen, so sind wir sehr gerne bereit, den hm- gew'orfenen Handschuh aufzunehmen, und behalten uns die Er­widerung für eine der nächsten Nummern vor. 1

beuden Regierungen, als den Rücksichten auf die Inte­ressen ihrer Länder und auf die Zukunft von ganz Deutschland entspricht. Die einfachste und bündigste Erklärung würde freilich darin bestehen, wenn man den angelegten Termin nun verstreichen ließe, ohne s i ch i n B e r l i n w i e d e r e i n z u - finden.

Deutschland.

^ Wiesbaden, 10. August. Den Badeorten wird Heuer ungewöhnliche Aufmerksamkeit geschenkt. Ihr verdankt die Lesewelt jene Reihenfolge lockender Artikel, die von den Paradiesesfrenden, deren die Badegäste in einem oder dem anderen Curort theilhaftig werden kön­nen , die reizendesten Schilderungen macht. Wir be­zweifeln die Wirksamkeit solcher Anpreisungen und tadeln sie sogar als etwas unpassendes. Der Gastwirth cm- pfiehlt seinen Gasthof bei der Eröffnung, ein Kauf­mannsgeschäft verspricht gewohnte reelle Bedienung bei Todesfällen oder bei eintretender Aenderung der Firma; keinem fällt es ein, alljährlich sein Geschäft herauszn- streichen, jeder läßt den wohl oder übel erworbenen Ruf für sich sprechen — soll da ein Badeort sich wie ein Kräuterseifenhändler gebärden, seinen Ruf wie ein Pilleuvctkäufcr in die Welt hinaushollowayisiren, seine Heilquelle wie eau de Lob behandeln. Bis jetzt hat Wiesbaden dies und wahrlich nicht zu seinem Nachtheil unterlassen. An Aufforderungen, mit anderen an pomp­haften Ankündigungen zu rivalistren, hätte es nicht ge­fehlt, aber auch nicht an Gründen, die Aufforderungen abzulebnen. Vorigen Jahres lagen z. B. in den Warte- sälen der benachbarten Bahnhöfe, in den Kajüten der Dampfschiffe reich montirte Cahiers mit prachtvollen Stahlstichen, den Illustrationen der „tausend und einen Nacht" eines nahen Badeortes, die Blasedow der Schlachtenmaler nicht besser hätte schildern können. Heuer ging man weiter bei Beginn der Badesaison zeigten sich auf den nahen Eisenbahnen, auf den Dampf­schiffen ambulante Cahiers, die nebst der Anpreisung ihrer „tausend und einen Nacht" eine harmlose Be­schäftigung darin suchten, die Reisenden zu versichern, Wiesbaden, Ems, Schlangenbad — kurz alle Bade­orte hinter der Höhe seien mit Badegäste überfüllt und in keinem ein Unterkommen mehr zu finden. Man ließ sie gewähren. Hätte man Maßregeln gegen sie ergrif­fen, hätte man diese Cahiers beseitigt, eingesteckt, so wä­ren sie ihres Goldschnittes beraubt worden. 9ia$ den schon bei Beginn unserer Kur so erfreulichen Resultaten scheint Niemand durch .die Furcht vor Obdachlosigkeit vom Besuche unseres Badeortes abgeschreckt worden zu sein. Dieser erfreute sich seines gewöhnlichen zahlreichen Besuches, ohne daß die Bäder besuchende elegante Welt auf die Existenz Wiesbadens aufmerksam gemacht wer­den mußte.

Man versucht nun deßhalb ein anderes Manoeuvre. Man schildert nun den Besuch Wiesbadens als unbe­deutend, nennt unsere Kur eine mittelmäßige und sucht dieß aus einer Menge von Gründen zu erklären, und so für die Zukunft vorzuarbeiten. Das „Morgenblatt" bringt in seiner letzten Nummer einen Artikel unter der Rubrik: „Aus den Tannusbädern", der diese Dednc- tionen versucht und sämmtliche Taunusbäder einer Kritik unterzieht, vor welcher nur Homburg Gnade findet. Wie leicht begreiflich, wimmelt der Artikel von Unrich­tigkeiten, und versieht es, daß er in seinem Eifer un­liebsame Geständnisse macht und zu nicht sehr erbaulichen Schlußfolgerungen herausfordert. Wiesbaden's Bade­leben, meint er, nehme wie alle Bäder in dem Maße an Glanz ab, als sie wirklich der leidenden Menschheit dienen und aufhören, Luxusbäder zu sein. Daß Hom­burg stets an Glanz zunimmt, somit nur ein Bad für Gesunde ist und deßhalb alle Ansprüche auf den Namen eines Luxusbades hat, wollen wir nicht bestreiten. Wies­baden verzichtet gerne auf den Glanz, wenn ihm und der leidenden Menschheit der Segen seiner Quellen und mit ihm die Bürgschaft für fortwährendes Gedeihen bleibt. Modebäder unterliegen der Mode. Man nehme so manchem Luxusbade nur die grünen Tische oder ^er­richte in der Nähe Spielbanken, so werden diese Bäder gar bald Luxus geworden sein.

Wiesbaden bedarf keiner Anziehungsmittel und kann allerdings, wie uns der Homburger Enthusiast zugesteht, auf seine erprobte Heilkraft „pochen", aber dieser er­probten Heilkraft allein kann doch, wir wollen es der leidenden Menschheit wegen wünschen, der heuer unge­mein zahlreiche Besuch (wir zählten bis jetzt 13,360 Fremde) nicht zugeschrieben werden. Das. was die Kranken anzieht, muß denn doch auch die Gesunden nicht ver­scheuchen. Unser Badeort muß daher auch noch an­dere Reize besitzen. Daß Wiesbaden eine Residenz sei, hören wir durch unseren Taunusbädertopographen mit Verwunderung; daß eine „kleinliche" Residenz dem Auf­schwung des Badenlebens ungünstig sei, wollen wir aus sreundnackbarlicher Gesinnung nicht hoffen. Die An­nehmlichkeiten, welche andere Badeorte bieten, sind in gleicher Fülle in Wiesbaden zu finden. Nehmen wir z. B. Homburg, da jener Artikel uns die umfassendsten Details über das Eldorado vor der Höhe (für uns blos ein trasosniontes) bringt. Dort ist die Kur in diesem Jahre „zwar weniger stark, aber um so vorneh­

mer," daß man alle zehn Schritte auf „Herren mit ge­wählten Toiletten", auf „wirkliche (!) Fürsten", auf „Fürsten der Kunst", auf „Feldmarschälle" (!) rc. stößt! Wollen wir diesen komischen Wettstreit eingehen, so könnten wir fragen, ob denn Homburg, je gleich uns, ein einziges gekröntes Haupt anfznwcisen hatte. Ein Pferd für ein Königreich!! Wer durch gewählte Her­rentoiletten sich verblüffen läßt, kann sich leicht denselben Vorwurf zuziehen, wie Gutzkow, der über die täglich frische Leibwäsche des Fürsten Hohenberg Vater in Ex- tase geräth. Der Gentleman ist sich an Haltung und Aisance überall gleich, er ist aber nicht blos an der Kleidung, geschweige an der „Toilette" erkennbar, auch beginnt der Gentleman nicht erst bei jenen „wirklichen" Repräsentanten der höchsten Gesellschaft, bei jenen Wür­deträgern, die in Homburg auf Distanzen von 10 zu 10 Schritten vertheilt sind. Auch hier in Wiesba­den concentrirt sich die Summe der Erheiterungen und Zerstreuungen auf einen bestimmten Platz: auf das Kur­haus und dessen nächste Umgebung. Gegen jene Seite hin liegt der Kochbrunnen, die Promenade der Kur­gäste, liegen alle Badeetablissements und Gasthäuser, dort sind die geräumigsten Straßen, >die schönsten Häu­ser, die unmuthigsten Villen zusammengebränat, dort geben weitgestreckte reichbesctzte Bazars den Fremden Gelegenheit, für ihren Bedarf zu sorgen, wie die extrava­gantesten Launen zu befriedigen. Der störende Tages­verkehr, das lärmende Geschäftsleben, der „laute Markt" hat sieb in den inneren Theil der Stadt zurückgezogen. Der äußere Theil macht die Honneurs von Wiesbaden, der innere besorgt die Menage. Maria und Martha. Auch hier bildet das Kurhaus den Sammelplatz der eleganten Badewelt, auch hier bieten das Spiel, das Lesecabinet, die vortreffliche Musik gleiche Anziehungs­punkte , bieten herrliche Anlagen Erholung für Auge und Gemüth. Auch hier besitzt das Badeleben und zwar nicht blos „zu gewissen Stunden" reizende Eigen­thümlichkeiten ; auch hier bemüht sich der Kurgast, dem Kurleben, „Relief zu geben", auch hier bewegt sich der Kurfremde (sogar auch mancher Einheimische), wir schwö­ren es bei den „nonchalanten, jovialen, aristokratisch ge­färbten Großstädtern des Homburger Knrgarteu-Lebcns- bildes", als wäre jeder Einzelne Herr unseres Badeor­tes. Gute Concerte, reizende Bälle, luxuriöse Diners sind hier weit zahlreicher, wie auch Wiesbaden ungleich mehr schöne Ausflüge besitzt. Kurz, unserem Badeort fehlt nichts als ein banksprengender Haynau und ein Correspondeut mit gleicher Fantasie, der beide ausbeute. Dann käme doch auch unser Eldorado zur Geltung und Alles, was hier gethan wird, könnte gerechte Würdigung finden. Dann hätten die Verschönerungen in den Kur­hausanlagen aus diesen einen feenhaften Aufenthalt ge­schaffen, dann könnten wir vielleicht lesen, daßdieNa^ jade des See's mit dem klaren Auge sehnsüchtig nach den Dryaden hinanblickt, die an sanft sich hebenden und grazieus geschwungenen Anhöhen sich hinziehen und mit athemloser Verwunderung dem Winde lauschen, der in den Glocken des kühnen und luftigen Baues auf der Spitze des Rosenhügels spielt, den wir nüchterne Leute vielleicht den neuen Kiosk nennen würden. Dann kön- ten wir vielleicht von den Raffinements des exorbitan­testen Luxus, von der fürstlichen Pracht hören, die nun an den Wänden der neu decorirteu Säle des Kurhau­ses bauscht und rauscht; dann würden aber auch unsere Pointeurs lesen, wie viel Friedrichsd'or sie auf eine Karte gesetzt und mit welcher Miene sie jeder Bewe­gung der „rastlos arbeitenden" Harken folgen. Wir sind der Ansicht, daß nur kleinliche Verhältnisse kleinlich betrieben werden können und müssen und billigen es vollkommen, daß Wiesbaden es anderen Kurplätzen über­läßt, ihm nachzueifern und freuen uns, daß durch die anerkcnnenswerthen Bestrebungen des Kurcvmitös und der Spielunternehmer dieß alljährlich schwerer wird.

Wiesbaden, 11. Aug. In diesem Jahre wird der nassauische land- und forstwirthschaftliche Verein zum ersten Male Preise für Tabaksbau vertheilen und sind von dem Directorium desselben Ende vorigen Monats alle Tabakspflanzer im Herzogthum Nassau', welche sich um die Preise bewerben wollen, anfgefordert worden, sich zu melden, damit die ersorderliche Augenschein­nahme des Tabaks auf dem Felde vorgenommen wer­den kann.

d Dillenburg, 10. Aug. Assisenverhandlung gegen Joh. Betz aus Dorchheim und Joh. Mendl aus Bilkheim wegen Diebstähle.

Präsident: Hofgerichtsrath v. Reichenau, Staats­anwalt: Staatsprocurator Lantz, Vertheidiger: Pro- curator Keller und Procuratvr Schenck.

Joh. Betz aus Dorchheim, 43 Jahre alt, Müller von Gewerbe, und Joh. Meudt von Bilkheim, 43 Jahre alt, Taglöhner, sind angeklagt am Abende des 15. Januars d. J. aus dem Hofe des Wirthes Hart­mann in Hadamar, über eine Mauer in den Hof des Tünchers Bleuth gestiegen zu sein, und sich die in dem Holzschoppen des Bleuth hängenden Kleidungsstücke be­stehend in einem Paar Hosen unb Unterhosen, rechtswidrig zugeeignet zu haben, ferner an demselben Abend, zwei Säcke mit je neun Mesten Waizen, von dem, vor der Thüre der Wirthin Stahl in Oberzeuzheim stehenden Wagen des Fuhrmanns Theis von Ballersbach, durch Zerschneiden zweier zur Befestigung angebrachten Stränge