Nassauische Allgemeine Zeitung.
JK 144. Dienstag den 22 Juni 1852.
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Die „Nassauische Allgemeine Zeitung" mit dem belletristischen Beiblatt „Der Wanderer" erscheint, Sonntags ausgenommen, täglich und beträgt der Pränumerationspreis für Wiesbaden und, nach dem neuen Po st regulativ nunmehr auch für den ganzen Umfang des Thurn- und Tarisscheu Verwaltungsgebietes mit Inbegriff des Postaufschlages 2 ft*, für die übrigen Länder des deutsch-österreichischen Postvereins, wie für das Ausland 2 ft* 24t Ek.
Durch den „amtlichen Theil" dieser Zeitung gelangen Kundmachungen der Regierung am frühesten zur Kenntniß des Publicums. Die Assisen und Landtagsverhandlungen werden mit möglichster Schnelligkeit und Ausführlichkeit mitgetheilt. Ueber die Vorfälle und Zustände im Lande sowie von außenher berichten zahlreiche und zuverlässige Correspondenten, während der für Wiesbaden äußerst günstige Postverkehr es ermöglicht, die Nachrichten aus Norddeutschland, Belgien, England, Frankreich, Italien k. früher, andere gleichzeitig mit den in der Umgegend erscheinenden Blättern zu bringen.
Die „Nassauische Allgemeine Zeitung" erfreut sich deßhalb einer bedeutenden, stets zunehmenden Verbreitung und eignet sich dadurch besonders zur Veröffentlichung von Anzeigen aller Art. Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet.
Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächstgelegenen Postämtern zu machen
Uebersicht.
Die österreichische Note vom 88. Mai.
Deutschland. Wiesbaden (Berichtigung). — Aus dem Justiz-Amt Hochheim (Koffuth's Invasion nach Deutschland). — S ch la ng enb ad (Die Kaiserin von Rußland). — Frankfurt (Eingabe an die Handelskammer). München (Eine Antwort der Coalition in Aussicht gestellt). — Coblenz (Herzog Bernhard. Recruten für den Kirchenstaat). — Aachen (Gen. Lamoriciere). — Berlin
Rückkehr des Königs. Die Unterhandlungen mit Oesterreich. Die Gemeindeordnung. Die Zeitungssteuer. Amnestie in Ungarn. Vermischtes). — Ste ttin (Commodore Schröder). — Swinemünde (Herzog von Leuchtenberg). — Wien (Daâ CommunicationSwesen. Gerstâcker. DieZoll- srage. Die Grenadierbataillone. Die Erbansprüche der Kinder Mehemed Aii'S. Verbrennung von Münzscheinen.
Ankunft des Kaisers in TemeSwar).
Belgien. Lüttich (HandelSnnterhandlungen mit Frankreich). Frankreich. Paris (Die Session des gesetzgebenden Körpers. DaS Schreiben des Oberst Charras. Entscheidung im Proceß Orleans. Vermischtes).
England. London (FearguS O'Connor. Vom La Plata).
Italien. Lu ri n,(AuS der Kammer. Thiers. Verm.).
Griechenlanv. Athen (Christophoros), Neueste Nachrichten.
Die österreichische Note vom 2 3. Mai.
Folgende Note des österreichischen Ministers der auswärtigen Angelegenheiten, Grafen von Buol- Schauenstein, an den außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister zu Berlin, Freiherrn von Prokesch-Osten, d. d. Wien 23. Mai, wird von der D. A. Z. veröffentlicht: „Hochwohlgeborener Freiherr! Der Gras v. Arnim hat mir mittelst einer EinbegleiiungSnote vom 19. Mai einen an ihn ergangenen Erlaß seiner Regierung mitgelheilt, welche alö eine Erwiderung auf die Eröffnungen gelten soll, die Ew. Excellenz dem königl. Cabinette in Folge einer Weisung vom 7. Mai gemacht haben. Beide oben erwähnte Aktenstücke liegen hier in Abschrift bei. Wir haben von dieser Rückäuße- rung der preußischen Regierung, bei deren Abgang von Berlin der Hr. Mlnistcrpräsident Frhr. v. Manteuffel bereits im Besitz meiner am 14. Mai an Ew. Erc. angefertigten Instruction gewesen sein muß, mit aufrichtigem Bedauern Kenntniß genommen, indem wir auS derselben ersehen, daß der zwischen beiden Cabinetten bisher stattgehabte Schriftenwechsel trotz von der einen wie von der andern Seite gleichmäßig anerkannten Nothwendigkeit und Dringlichkeit einer Verständigung und diesem Ziele nicht näher geführt hat. Der Grund der Erfolglosigkeit unserer redlichen Bemühungen ist wohl al- lein in dem Umstande zu suchen, daß das königliche Cabinet es alS eine innere Nothwendigkeit ansieht, unwandelbar an dem festzuhalten, was dasselbe den von ihm eingenommenen Standpunkt nennt. Nach seinen eigenen Erklärungen ist aber die Wahrung dieses Standpunktes nur gleichbedeutend mit dem Entschlüsse, Unterhandlungen mit Oesterreich erst dann eröffnen zu wollen, wenn jene über eine Neugestaltung und Erweiterung des Zollvereins zum Abschlusse gelangt sein werden. Im Grundsatz über daS Bedürfniß einer zeitgemäßen Verschmelzung der materiellen Interessen Oesterreichs und deS übrigen Deutschlands einverstanden, beschränkt sich nach dem Vorhergehenden die Verschiedenheit der Ansichten der königlichen Regierung und jener deS kaiserlichen CabinetS auf die Frage wegen Bestimmung deS Zeitpunkts, mit welchem die Verhandlungen über
die allseitig als nothwendig anerkannte Einigung zu beginnen hätten. Wir glauben zur Genüge dargethan zu haben, daß die den beiden deutschen Großmächten obliegende wichtige Aufgabe, diese Einigung zu erzielen, eine unlösbare werde, wenn der Zollverein über diese Umgestaltung verhandeln und zu dem Abschlusse schreiten will, ohne dabei die Vorschläge Oesterreichs zu berücksichtigen und der kais. Regierung auch nur die Gelegenheit zu bieten, dieselben bei den zu pflegenden Berathungen vertreten zu können. ES ist unS jedoch nicht gelungen, unsern Ueberzeugungen, welche von manchen Genossen deS Bundes getheilt werden, bei dem königl. Cabinet Eingang zu verschaffen; und da Preußen den von uns mit so triftigen Gründen empfohlenen Weg nicht einmal versuchsweise zu betreten sich geneigt zeigt, wir aber nichts neues mehr zur Unterstützung jener Gründe vorzubringen wüßten, so dürste die Fortsetzung des über diese Angelegenheit unterhaltenen schriftlichen Verkehrs fruchtlos sein, und wollen wir eS demnach der Erfahrung überlassen, darzu- thun , welcher von den beiden Wegen, derjenige nämlich, welchen Oesterreich beantragt und so warm bevorwortet hat, oder jener, den Preußen einge- schlagen, und auf welchem eS, aller Vorstellungen ungeachtet, beharren zu müssen glaubt, der natur- und sachgemäße, der auf einer innern Nothwendigkeit beruhende und somit allein zum Ziele führende sei. Ew. Excellenz wolle dem Herrn Ministerpräsidenten von gegenwärtiger Weisung durch Ueber# reichung einer Abschrift Mittheilung machen. Empfangen rc. Buol."
Deutschland.
* Wiesbaden, 20. Juni. Was wir in unserer gestrigen Nummer von dem Besuche I. M. der Kaiserin in der hiesigen Kapelle gemeldet haben, ist dahin zu berichtigen, daß J. M. nur von unserem durchlauchtigsten Herzog und Ihren Brüdern Königlichen Hoheiten begleitet war.
□ Schlangenbad, 20. Juni. Gestern früh ist I. M. die Kaiserin bis auf den „rothen Stein", wo sich die Schlangenbader Straße mit der Schwalbach- WieSbader verbindet, spazieren gefahren. Se. Hoheit der Herzog von Naffau hat gestern Nachmittag I. M. der Kaiserin und I. k. Hoheit dem Prinzen von Preußen einen Besuch abgestattet. Nach der Tafel sind sämmtliche Hoheiten auf daS ChausseehauS spazieren gefahren und haben von der großen Eiche am Hause, zwischen deren weitgebreiteten Aesten, auf einer bequemen Treppe erreichbar, ein Fußboden mit Balustraden ringsum gelegt ist, die reizende Aussicht über den Rhein und nach dem Main hin genossen.
Gestern Nachmittag ist der Gesandte, Fürst Gort, schakoff mit Gemahlin, hier angekommen.
Der Prinz von Preußen hatte bloß seine Gemahlin begleitet und ist an demselben Tage wieder ««gekommen.
^Aus dem Justizamt Hochheim, 17. Juni. AuS dem Dorfe Delkenheim zog im Anfang 1851 ein Mann NamenS „Andreas Kern" nach Amerika, welcher vor nicht langer Zeit einen mehrere Bogen langen Brief an seine Verwandten und Bekannten schrieb, in welchem er die dortigen Zustände alS überaus günstig darzustellen versucht, und zur Ueberstedelung auffordert; auch nebenbei seinen Verwandten den Rath ertheilt, dieS, je eher, je besser, in's Werk zu setzen, da Deutschland ein blutiger Krieg bevorstrhe. Waö der Mann unter die
sem Krieg versteht, ist in einer besonderen Beilage unter einem Aufwand von demokratischem Unsinn, näher bezeichnet.
Dem Einsender Dieses ist genanntes Musterbriefchen mit seiner Beilage zu Gesicht gekommen, und in letzterer heißt eS so ziemlich wörtlich, daß Kossuth im Jahre 1852 von Amerika aus einen bewaffneten Einfall in Deutschland machen werde, um die Deutschen von ihren Blutsaugern zu befreien. Am Ende der Extrabeilage ertheilt er seinen Verwandten noch den weisen Rath, ja mit derselben geheim zu thun, damit sie in keine Untersuchung kämen.
Die Meisten, welchen dieses Mährchen auS Tausend und einer Nacht zu Gesicht kam, haben recht herzlich darüber gelacht; doch, man sollte eS kaum glauben, fehlt eS auch nicht an Leuten, welche mit dem Kossuthfieber in unserm kalten Clima behaftet, an einen Einfall Koffuth's in Deutschland glauben und hoffen. Freilich, wer wird es einer gewissen Partei, welcher ihre 1848er Hoffnungen so schmählich zu Wasser geworden sind, verargen, wenn sie noch immer hofft, und sollte sich ihre Hoffnung auf Unsinn basiren.
Da nun schon einmal von einem ähnlichen ähnlichen Briefe auS einer anderen Gegend unseres HerzogthumS in diesen Blättern die Rede war, so scheint eS fast, als beschäftige sich der weiland ungarische Dictator in Amerika damit, den dortigen Deutschen durch leere Hirngespinste die Köpfe zu verrücken, denn eS ist kaum anzunehmen, daß er selbst eS mit diesem albernen Project ernstlich meint, und meinen kann, eS müßte denn der Fall sein, daß ihm die vielen Fest- und Zweckessen in England und Amerika den Magen und mit diesem zugleich den Kopf geschwächt und verdorben hätten.
Frankfurt, 18. Juni. Von einer großen Anzahl (ohngefähr 80) hiesiger Waarenhandlungen ist dieser Tage an die Handelskammer eine Eingabe gerichtet worden, worin die commerciellen Beziehungen des hiesigen Handels auSeinanbergefetzt und die Gefahr nachgewiesen wird, welche für sie auS einer Auflösung deS bisherigen Zollvereines und auS der dann eintretenden, durch die Lage Frankfurts gebotenen physischen Nothwendigkeit, mit den Staaten der Darmstädter Coalition eine Zollgruppe zu bilden, hervorgehen müssen. Schließlich wird an die Handelskammer das Ersuchen gestellt, diese Eingabe an den Senat zu übermitteln und ihren „ganzen Einfluß" geltend zu machen: 1) für die fernere Erhaltung deS bisherigen Zollvereines, eventuell inclusive deS Steuervereines; 2) feine Zustimmung zu einem stufenweise erfolgenden Anschlusse an Oesterreich zu geben; 3) nach allen Kräften aber dahin zu wirken, daß eine Theilung Deutschlands in zwei oder gar drei Zollgruppen nicht stallfinde. — DaS „Mainzer Journal" meint, die Herren hätten eine Eingabe an die preußische Gesandtschaft machen sollen, da mit Nr. 1) und 3) ihrer Darlegung alle Vernünftigen einverstanden find und die Erledigung von Nr. 2) einzig und allein in den Händen Preußens liegt!
München, 16. Juni. (K. v. u. f. D.) Die gestern von unS ausgesprochene Vermuthung, daß der Aufschub der Reise deS Hrn. Ministerpräsidenten mit dem Stand der ZollvereinSangelegenheiten in Verbindung stehe, hat sich bestätigt. Herr. v. d. Psordten, der nun diesen Mittag nach Kiffingen abgereist ist, war in den letzten Tagen mit dem Entwurf jener Antwort beschäftigt, die von Seite der in Darmstadt verbündeten Regierungen an
