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klärt hatte, daß halbe Maßregeln sie nicht befriedigen würden, antwortete das Organ des Gouvernements: „Nun denn gar keine! Auflösung des Comite's von Positur, Beeidigung der Geistlichkeit aus die Con­stitution!" Inzwischen war Herr Schaller am 15. d. M., um sich Naths zu erholen, im Erbacher Hof zu Bern, wo ihm gesagt worden sein soll (?), daß die Zeit des Ausnahmsverfahrens größtentheils vorüber sei, und daß man der Stimme der Mehrheit der Kantonsbürger, wenn sie schon nicht ganz geläutert und selbstständig sei, einige Rechnung tragen müsse, schon des demokratischen Prurcipö wegen. Deßhalb brauche aber das Gouvernement nicht abzudanken, im Gegentheil, cs möge die Brücke zu einer Recon« slituirung des Kantons bilden. So erzählt man sich.

Aus Bern meldet man dem „Frankf. Journal" vom 16. Juni. Der gr. Rath in Freiburg ist gestern eröffnet wurden, ohne daß Unruhen vorsielen. Er hat folgende Anträge deS StaatSrathâ genehmigt: 1) Anhebung administrativer Untersuchungen über die Ursachen der Herrschenden Agitation und die Wünsche der Activbürger. 2) Wiedereröffnung deS Seminars und bezügliche Unterhandlungen mit den Behörden. 3) Einreichung von Petitionen an die Bundesversammlung für Erlassung der SonberbundS- kriegskosten und Errichtung einer eidgenössischen poly­technischen Anstalt in Freiburg. Der gr. Rath hat ferner beschlossen, den Wahleid aufzuheben, ein Ge­setz über Inkompatibilitäten zu erlassen und eine Commission zur Vereinfachung der Gesetzgebung aufzustellen. Endlich wurde mit 38 gegen 9 Stim« men ein Antrag zur Auflösung deö Comiteö von Posieur erheblich erklärt.

Frankreich.

t Paris, 15. Juni. Der Präsident hat einigen Senatoren, die ihm über die Wagen- und Pferde» steuer Vorstellungen machten, erklärt, daß er selbst die Steuer zu bezahlen gesonnen sei. „Entschließen Sie sich meine Herren! eâ ein Act deS Patriotis­mus, das Desizit muß gedeckt werden".

ES circuliren wieder neue Gerüchte über eine Ministerveränderung , denen zufolge Hr. Persigny daS Ministerium des Auswärtigen, Hr. Saleau des Innern, Hr. v. Thorigny daâ der Justiz und Hr. de la ©uéronière das Ministerium des Unterrichts übernehmen soll. Sie sind ebenfoweuig begründet, wie die früheren Combinationen.

Ein legitimistischeS Blatt macht die Bemerkung, daß die Angestellten der Civilliste unter der Restau­ration die Einzigen waren, welche von den nachfol» gendel^)ieaierung ohne alle Unterstützung geblie-

Paris, 16. Juni. Der im vorigen Winter dahier abgehaltene Sanitätscongreß bezweckte, wie bekannt, die Einführung einer neuen gleichförmigen Ouarantaine-Gesetzgebung in allen am Mit.elmeere liegenden Staaten. Nach Beendigung deS Congref- feS wurde Hr. David nach Wien geschickt, um den Beitritt Oesterreichs zu der entworfenen Ueberein- kunst zu bewirken, waâ ihm, wie verlautet, auch vollständig gelungen ist.

Mit Bestimmtheit verlautet, daß am Schlüsse der Session manche Deputirte ihr mit keinem Ein­kommen verknüpftes Mandat gegen besoldete Aem­ter vertauschen werden. Auch heißt es, daß die fast gänzliche Abschaffung deS Gesetzes gegen die gleichzeitige Bekleidung mehrerer besoldeten Stellen beabsichtigt werde, indem mehrere Ministerien, na­mentlich jenes deS Unterrichts, sich wider dasselbe ausgesprochen haben. Nach dem neuen Plane wür­den z. B. Professoren, Mitglieder deS Instituts rc. mehrere Besoldungen bis zum Gesammtdelrage von 20,000 Fr. zu gleicher Zeit beziehen können. — Am Tage vor der Abreise deS Kriegsministers soll der­selbe den Commandanten deS Schlosses Amboise zu 8. Napoleon geführt haben und in der abgehaltenen Conferenz lebhaft über die Frage berathen worden sein, ob eS rathsam sei, Abd-el-Kader in Freiheit zu setzen, waS bekanntlich schon längst eine LieblingS- idee deS Präsidenten ist. Man glaubt aber, daß ihre Ausführung in Anbetracht der jetzigen Bewegung unter den Kabylen vorläufig trotz der eifrigen Ver­wendung Englands oder vielmehr gerade wegen die­ser Verwendung noch unterbleiben werde.

Aus der Budget-Commission kommt nicht viel in'S Publicum. Bin ich recht unterrichtet, so steht Hr. v. Montalembert an der Spitz einer Partei, die gegen die ganze Existenz deS Policei-Ministe- riumS Opposition machen, und die für diesen Ver- waliungSzweig ausgesetzte Summe ganz gestrichen wissen will. ES unterliegt wohl keinem Zweifel, daß die Majorität der Kammer einem solchen An­sinnen nicht beitreten wird, besonders da L. Napo­leon bekanntlich sehr viel auf die von ihm wieder in'S Leben gerufene Einrichtung hält.

Beim Senat sind Petitionen vieler aller Mi­litärs eingelaufen, die schon vor dem Decrete vom 22. Januar den Orden der Ehrenlegion besaßen und nun ebenfalls an der auö den confiScirten Dr# lranö'schen Gütern gestifteten Pension Theil haben

wollen. — Die Beamten deâ SenatS und deS StaatSratheâ sind, da sie als StaatSdiener betrach­tet werden, dieser Tage vereidigt worden. — Die Kutschen-Fabricanten und ihre Arbeiter haben eine Eingabe an die Commission deS gesetzgebenden Kör­pers gerichtet, worin sie darlegen, daß durch eine Kutschensteuer die Geschäfte in LuruSfuhrwerken um 50 pCt. abnehmen würden. — Bis jetzt haben 315 der nach Algier beportirten December-Jnsurgen- «en die Erlaubniß zur Rückkehr nach Frankreich er­halten, wo man ihnen ihren Aufenthaltsort anwei­sen und sie unter Policeiaufsicht stellen wird.

Das Urtheil der betreffenden Section des Staats- rathes in dem über die Confiscation der Güter des Hauses Orleans entstandenen Comtzetenzconflicte ist zwar noch nicht publicirt, allein es ist schon gespro­chen und auch bekannt. Neun Staatsräthe haben sich für die Dekrete vom 22. Januar, acht dagegen erklärt, so daß die Regierung nur eine ganz knappe Majorität erhalten hat. Die Freunde des Hauses Orleans hatten ein verhältnismäßig so günstiges Re­sultat nicht erwartet.

Der Gesetzvorschlag über die Lurussteuer hat vielseitig die Besorgniß erregt, daß die Lurussteuer möglicherweise nur der Vorgänger der Vermögens­und Einkommensteuer seyn konnte. Wohlunterrichtete versichern dagegen, daß sich der Präsident im Staats­rathe entschieden dagegen ausgesprochen habe, obwohl er gleichzeitig erklärt hat, daß für ihn die Steuern nicht eine blose Finanzfrage sind und daß er eine auf den ärmeren Classen weniger lastende Steuer- vertheilung als die Hauptaufgabe eines Finanzplanes betrachte.

Aus Rom berichten Marseiller Blätter, daß drei britische Kriegsschiffe vor Ancona geworfen hätten, um den unter der Anklage des Meuchelmordes zum Tode verurtheilten Engländer Murray zu schützen!

Großbritannien.

London, 15. Juni. In der gestrigen Sitzung deâ Hauses Der LordS zeigte der Graf von Wel- chelsea an, daß er in der nächsten Session deS Parlaments die Ernennung eines ComileS bean­tragen werde, welches eine Untersuchung über Die religiösen und moralischen Grundsätze, die in dem Seminar von Maynooth gelehrt würden, anstel­len solle.

Im Unterhaus interpellirte Lord John Russell die Regierung in Bezug auf die Affaire deS Herrn Malher (welcher bekanntlich in Florenz von einem österreichischen Offiziere beleidigt worden war) und auf die öffentliche Lage im Allgemeinen. Er verlas vorzugsweise eine Darstellung des Vorfalles in Florenz, die den Marschall Radetzky zum Verfasser hat. Darin heißt eS: „Am 29. December deS vorigen Jahres marschirte Oberlieutenant Forsthüber an der Spitze eines Detachements nach dem Palaste, um dort Den Posten zu beziehen. Als er gerade durch eine enge Gasse kam, stellte sich Der Englän­der (Mather) zwischen daS Musikcorps und den Befehlshaber deS Detachements. Dieser, im Vor« wärtömaschiren gestört, bedeute ihm, er möge sich entfernen, erst durch einen gel nden Druck mit der flachen Klinge und dann, alâ dieses nichts half, mit der linken Hand. Als Hr. Maiher dieser Wei­sung Folge leistete, stieß er, anscheinend ohne Ab- sicht, mit dem Lieutenant Baron von Karg zusam­men, der nicht im Dienste war und neben dem Detachement herging. Dieser hatte die Unvorsich­tigkeit (imprudence), ihm einen Faustschlag inS Gesicht zu versetzen. Der Empfänger, hierdurch ge­reizt , wände sich in drohender Haltung und mit nach Art Der Borer erhobener Faust gegen den Oberlieutenant Forsthüber und ging auf ihn loâ. Letzterer, der füchrtete, einer entbehrenden Beleidi­gung ausgesetzt zu sein, vor der er sich nothwen­dig schützen mußte, versetzte ihm sofort mit scharfer Klinge einen Säbelhieb über den Kopf. Herr Mather, dessen Wunde übrigens nicht gefährlich zu sein schien, ward inS Hospital gebracht. Obgleich die von den toScanischen Behörden als Zeugen ver­nommenen Civilisten den Hergang nicht ganz in der eben angegebenen Weise darstellen, in so fern sie vorgeben, Die drohende, von Herrn Maiher gegen Oberlieutenant Forsthüber angenommene Haltung nicht bemerkt zu haben, so ist dieser Umstand nichts destoweniger durch die Aussagen der Soldaten er­wiesen, und er ist um so weniger zweifelhaft, alS alle civilistischen angcben, Herr Maiher sei zwischen dem MusikcorpS und dem Detachement gegangen, und als einer von ihnen ausdrücklich erklärt, eS habe ein scharfer Wortwechsel zwischen ihm und dem commandirenden Offizier Statt gesunden". An einer anderen Stelle heißt eâ: „Da mir Der Cha­rakter und Die bisherige Führung des Oberlieute- nantS Forsthüber nicht erlaubt, anzunehmen, er habe ohne hinreichenden Grund gehandelt, so bin ich der Meinung, daß dieser Offizier vollständig in seinem Rechte gewesen sei und durchaus nichts ge­than habe, als was er zu thun verpflichtet war, um sich vor einer Beschimpfung und deren unaus­bleiblichen Folgen zu schützen". Hierzu bemerkt Lord I. Russell: „DaS ist eine sehr peremtorische

Erklärung von Seiten deâ Marschallâ Radetzky. Er ist ein Mann, den ganz Europa wegen seine- MutheS und ausgezeichneten Charakters achten muß. Allein ich muß doch sagen, daß er in diesem Falle alles Zeugniß, außer dem von ihm selbst gesammel­ten, als gar sticht vorhanden zu betrachten und zu glauben scheint, daß nur die Aussagen seiner Sol­daten Berücksichtigung verdienen (!).

Er tadelte daS Verfahren deS Ministers der auswärtigen Angelegenheiten, des LordS Malmes­bury, als welcher eS für genügend finde, wenn einem britischen Unterthan eine Geldsumme zur Genugthuung für erlittene Gwaltthâtigkeiten ange# boten werde. Lord John Russell richtete sodann einen heftigen Angriff gegen die Regierung wegen ihres Mangels an Principien und wegen der Be­harrlichkeit , mit der sie ihre Absichten dem Lande verberge. Lord Stanley erwiderte in Betreff der Affaire Mather: Es handle sich in diesem Falle keineswegs um die Nationalehre, sondern um eine einfache Privatstreitigkeit ; eS würde unbillig und unpassend fein, Oesterreich allein verantwortlich für solche Vorgänge machen zu wollen und in solcher Weise die Occupation ToScana^S durch Oesterreich anzuerkennen, was England niemals gethan habe. Lord Palmerston entgegnete dem Minister: eS sei absurd, wenn man ToScana, also den Staat ver­antwortlich für die Thatsache, die derselbe nicht be­gangen, mache, bloß zu dem Zwecke, dessen Unab­hängigkeit anzucrkcnnen. Lord Palmerston äußerte daS Verlangen, daß Die Regierung ihre Beziehungen zu den Mächten benütze, um der bedauerlichen Lage ein Ende zu machen, in welcher sich mehrere Theile Italiens besänden. Der Schatzkanzler, Herr D'Jsraeli, schloß sich den Erklärungen Lord Slan- ley'â an; daS Verhalten der britischen Regierung in der Affaire Mather Hänge mit Der allgemeinen Politik Der Regierung bezüglich Italiens und mit dem Grundsätze zusammen, eine Suprematie Oesterreichs in Italien nicht anzuerkennen. Hr. D'Jsraeli wieS den Angriff Lord John Russells, Die gegenwärtige Regierung besitze keine festen Grundsätze und habe ihre früheren staatsökonomischen Ansichten gewechselt, mit Entschiedenheit zurück; er bemerkte, Die Unge­rechtigkeiten von 1846 (gegen die Ackerbauinteressen) würde man abzustellen haben, jedoch mit allen Rück­sichtnahmen , welche man den Interessen schuldig sei, die von den wichtigen Reformen Sir Robert Peel'S Vortheil gezogen. Die Interpellationen Lord John Russels blieben ohne weitere Folgen.

Neueste Nachrichten.

Darmstadt, 17. Juni. Am 20. d. M. wird in Großgerau Die neunte Jahresversammlung deö Hauptvereins der Gustav-Adolph-Stiftung im Groß« herzogthum Hessen gehalten. — In der Kürze soll daS Reglement für Die neue Uniformirung Der StaatSdiener erscheinen.

Amsterdam , 16. Juni. Die russischen Groß­fürsten, welche heute Vormittag im hiesigen Palaste eintrafen, "^diè Merkwürdigkeiten der Stadt besichtig­ten und auch die Wohnung PeterS deS Großen zu Saardam besuchten, find gegen Abend wieder ab­gereist.

Brüssel, 16. Juni. Gestern früh ist dir Her­zogin von Orleans mit ihren beiden Söhnen auf ihrer Reife nach Deutschland in Ostende angekommen und nach kurzem Aufenthalte weiter gereist.

Kopenhagen, 12. Juni. Der König und Ge­mahlin (Gräfin Danner) haben heute Vormittag 9'/, Uhr die Stadt verlassen und sich nach Skovö- borg begeben, von wo sie die Reise nach Jütland anzutreten beabsichtigen.

London, 16. Juni. In der gestrigen Sitzung beS HauseS der Gemeinen war die Debatte über SpoonerS Motion bezüglich der Maynoothfrage wieder auf dem Tapèt , hatte aber kein positives Resultat. Der Urheber des Antrags auf Nieder­setzung einer Prüfungskommission fand die Stim­mung des Haufeâ nicht günstig und zog deßhalb Den Antrag zurück, um ihn in der nächsten Session wieder vorzubringen.

Madrid, 11. Juni. Der Erzherzog Ferdinand Maximilian von Oesterreich ist am 4. d MonatS in Cartagena gewesen und hat am 5. Die alte Seadt Murcia besucht. Er wird sämmtliche Häfen Spa­niens besuchen und von Santander aus Der Köni­gin zu La Granja seine Aufwartung machen; Isa­bella hat ihn dorthin eingeladen.

Madrid, K. Juni. DaS Project der großen Revue 4n Madrid ist definitiv aufgegeben worden. Der neue Kriegsminister General Lara hat bereits der Königin den üblichen Eid seines Amtsantritts geleistet.

Rom, 9. Juni. DaS französische Kriegsgericht in Rom hat im Monat Mai 13, Italiener wegen thätlicher Angriffe auf Die französischen Soldaten und wegen Verheimlichung von Waffen zu verschie­denen Strafen verurtheilt.

Verantwortlicher Redacteup: Dr. A. Boczek.