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zu sehen glaubt, wo blos ihre eigene mangelhafte, durch daS Interesse getrübte Einsicht vorliegt, wo sie vielleicht überdieß durch üble Proceßführung selbst sich Nachtheile zugefügt hat? Aber sie soll ihre Aeußerungen halten in den Grenzen der Ordnung ; sobald sie ihre Richter schmäht, wird sie strafbar, sie verfällt dem Gesetze; hiernach werden Sie die vorliegende Frage beurtheilen.

Was nun den Angeklagten Buchhändler Rit­ter insbesondere betrifft, fo versteht eS sich von selbst, daß von einer Schuld desselben keine Rede sein kann, wenn gegen den Präsidenten Naht ein freisprechender Ausspruch erfolgen sollte.

Im Falle der Verurtheilung deS Präs. Naht werden Sie erwägen , ob in der Aufnahme deS in Frage befangenen Aufsatzes in die „Freie Zeitung" eine solche Theilnahme der strafbaren That enthal­ten ist, wie sie die Anklage, welche ich Ihnen noch­mals verlese, bezeichnet. ES ist viel darüber mit Bezug auf die Gesetze verschiedener auswärtiger Staaten gesagt worden, ob der Verleger neben dem Verfasser zur Strafe gezogen werden könne. .Offen­bar ist diese Erörterung eine zwecklose, da eS hier sich nicht um fremde Legislationen, sondern um die unsrige handelt. In unserm bisher nicht berührten Gesetze vom 4./5. Mai 1814 werden nach §. 3 Verfasser und Drucker gleichzeitig verantwortlich erklärt.

Wenn ich auch dieses zwar nicht aufgehobene, aber doch in Folge der Verfügungen des Bundes­tages in langen Nichtgebrauch gekommene Gesetz nicht geradezu für anwendbar halten möchte, da daS neue Gesetz vom 7. März 1848 hinsichtlich der Be­strafung der Preßvergchen nicht auf daS alte, son­dern auf die allgemeinen Strafgesetze verweist, so geht doch daraus die Ansicht hervor, welche die Ge­setzgeber deö HerzogthumS früher hatten; sie kann durch Citate aus fremden Legislationen nicht wider­legt werden.

Jedenfalls erscheint auch diese Frage Ihrer Beurtheilung fremd. Sollten Sie den Buchhändler Ritter der erhobenen Anklage als Miltheilnehmer von dem Angeklagten Naht gemachter Schmähun­gen schuldig erklären, so wird daS Gericht nach den allgemeinen Grundsätzen der Theilnahme an Ver, brechen die Strafe zu finden wissen. Daß der An­geklagte Ritter dem Aussatze nicht recht traute, haben Sie aus den Aussagen deS Zeugen Lim- barth entnommen. Es dürfte daher umsomehr seine Pflicht gewesen sein, sich mit der einfachen Zusicherung deS Verfassers, er hafte für jAlleS, nicht zu begnügen , sondern eine nähere Prüfung vorzunehmen.

Die Bemerkung deS Herrn Vertheidigers , daß der Drucker eines strafbaren Aufsatzes darum nicht verantwortlich fein könne, weil der Verfasser ihn ja anderSwo hätte drucken lassen können, kann schwer­lich auf rechtliche Begründung Anspruch machen. Findet ein solcher Verfasser keinen Drucker, der Lust hat, seine Verantwortlichkeit zu theilen, so bleibt der Aussatz ungedruckt. ES ist hier der nämliche Fall, wie bei allen Verbrechen, wo der zur Bege­hung entschlossene eines Gehilfen bedarf. Nie kann ein solcher Gehilfe mit Grund sich damit entschul­digen, hätte ich eS nicht gethan, so wäre eS ein Anderer gewesen. (Folgt die Verlesung der Fragen.)

* Wiesbaden, 10. Sept. (Assienverhandlung gegen Phil. Christiane Schepp, 22 Jahre alt, von Wallrabenstein, Tochter des dortigen Zimmermeisters Heinrich Schepp, wegen Meineides) Am 16. Januar 1851 wurde zu Wallrabenstein ein neuer Bürgermeister gewählt und aus diesem Anlaß viel in den Wirthshäusern gezecht. Der Henriettentha- ler Müller Phtl. Kade sch wurde auf dem Heim­wege nach seiner Mühle mehrmals angefallen, ge­schlagen und nicht unbedeutend verwundet.

Auf die Aeußerung der Angeklagten, sie habe in jener Nacht gegen 12 Uhr 3 Personen an der Wohnung deS Schuhmachers Ruppert, wo sie sich zu Besuch befand, vorübergehen sehen, in ihnen den zweiten Sohn deö Christian Roth, sodann den Conrad Sprenger und den Drescher deS Bürger­meisters Rau erkannt und gehört, daß einer der­selben zu den Andern gesagt habe: „Jetzt gehn wir da hinauf und wenn wir ihn kriegen, so knüppeln wir ihn", wurde gegen die drei genannten Personen eine Untersuchung eingeleitet. In dieser als Zeugin eidlich vernommen lâugnete die Angeklagte alle frü­her angegebenen Umstände und behauptete, schon um 10 Uhr nach Hause und zu Bett gegangen zu sein.

Der alS AuSkunfiSperson vernommene Vater der Angeklagten bestätigt, daß seine Tochter so früh nach Hause gekommen.

Der Leumund der Angeklagten lautet günstig.

Die Verhandlung leitet Asstsenprâsieent Flach, alS Staatsanwalt fungirt StaatSprocurator - Sub, stitut Moritz, als Vertheidiger Procurator Wil­helmi junior.

4- Wiesbaden, 9. Sept. Wie wir aus sicherer Quelle vernehmen, ist das Oraniensteincr Volksfest, dessen Abhaltung auf den 15., 16. und 17. dieses Monats beabsichtigt war, von der her­zoglichen Regierung verboten worden.

* Biebrich, 9. September. Hier macht ein in der Nähe vollführter Raub anfall viel Aufsehen. Der hiesige Dachdecker Schmitt, ein bejahrter Mann, ist der Beraubte. Er gibt an, Freitag AbendS auf dem Heimweg von Castel im Vorüber­gehen an einem Weingarten plötzlich von rückwärts einen Hieb über den Kopf erhalten zu haben, der ihn bewußtlos nieverstreckte. Was weiter mit ihm geschah, wisse er nicht anzugeben, er habe sich, als ihm daS Bewußtsein wieverkehrte, im Rhein gefun den, seine Uhr und sein Geld waren ihm abge- nommen.

Indessen kreisen allerlei Gerüchte über die Ver­anlassung und die Umstände deS Angriffes, die hauptsächlich dadurch Nahrung erhalten, daß der Beraubte gar nicht Willens war, oder wenigstens zögerte, eine Anzeige zu machen. Seine Wunde soll ziemlich bedeutend, aber nicht gefährlich sein.

tz Vom Westerwald, Anfang Sept. Man hat eS mit Recht ganz passend gefunden, daß in der Welthalle zu London mit den Gewerberzeugnissen fremder Länder auch die Vegetation derselben zur Anschauung gebracht wurde; denn die Pflanzenwelt einer Zone steht in unverkennbarem Zusammenhang mit der Ornamentik und dem ganzen Geschmack, welcher sich in einer Industrie geltend macht. In diesem Sinne hat man auch bereits darauf gedrun­gen, daß wir unsere eigene Pflanzenwelt mit Be­wußtsein erfassen und für unsere Ornamentik besser auSbeuten lernen, als dies in den letzten Jahrhun­derten von uns geschehen ist, in denen wir den Sinn für die heimischen Formen gar zu sehr ver­lernt hatten. Wir wußten nur nachzuahmen, wie fremde Völker ihre eigene Vegetation künstlerisch aufgefaßt hatten. Der Unterricht unserer sämmt­lichen Schulen wird dahin arbeiten müssen, eine selbstständige, schöpferische Auffassung der deutschen Pflanzenwelt in dem jugendlichen Geiste zu ent­wickeln. Der Sinn für die heimischen Formen wird aber natürlich durch Vergleichung mit den fremden geschärft, wie sich denn die Bedeutung des compe- rativen Elementes neuerdings in allen Gebieten der Wissenschaft geltend gemacht hat. Pflanzenhäuser, Pflanzengärten, Rundgemälde rc. sind in dieser Be­ziehung bereits empfohlen worden. Es hat dieS zu­gleich daS Gute, daß wir den Geschmack und die Weltanschauung der fremden Völker besser verstehen lernen und bei der Ausfuhr unserer Gewerbserzeug- Nisse darauf Rücksicht nehmen können, da manche Völker, besonders die orientalischen, fest an ihren Eigenthümlichkeiten halten. AuS Westphalen und vom Niederrhein gehen schon bedeutende Sendungen nach der Levante. Hoffentlich wird sich auch der Mittelrhein bald diesen Bestrebungen anschließen. Die österreichische Regierung theilt durch die neu- organisirten Consulate ihren Gewerbtreibenden Muster orientalischer Erzeugnisse mit. In der Welthalle zu London ist immer eine große Masse von Menschen um eine Sammlung auSgestopfter Thiere vereinigt, welche auS Würtemberg gesendet wurde und die Geschichte Retnecke'S darstellt. Auch solche Samm­lungen hat man als wichtig für den Gewerbstand erkannt; denn der Sinn für die eigenthümlichen Thierformen ist fast noch weniger entwickelt als für die Pflanzengestaltungen, und doch ist derselbe so wichtig für eine lebensvolle charakteristische Orna­mentik. Allgemeine Bewunderung erregen in Lon­don die nach Kaulbachischen Vorlagen gemalten Sce­nen aus Reinecke auf Porcellantellern, welche Mün­chen gesendet hat. Man kann nicht läugnen, daß solche frische, sinnliche, kecke Darstellungen sich be- soncerS zur Verzierung deS TafelgerâtheS eignen. Wir Deutsche zeichnen uns vor allen Nationen durch einen tiefen Natursinn aus, wie denn auch kein an­deres Volk eine so herrlich ausgebildete Thiersage besitzt alS daS unsrige. Aus diesen Grundlagen müssen wir fortbauen, um zu einem selbstständigen Styl in der Industrie zu gelangen. DaS Gewerbe muß unsere großen ästhetischen Errungenschaften und den poetischen Sinn deS Volkes zu benutzen wissen. Die Kunst muß durch die Industrie inniger mit dem Leben verbunden werden. Die gegenwär- tige Münchener Ausstellung leistet in dieser Hinsicht Vorzügliches. ES war ein Lieblingsgedanke deS genialen Ministers Bruck, daS mitteleuropäische Gewerbe von der oft launenhaften Pariser Diktatur zu befreien.

Mainz, 4. Sept. Die gestrige Mainzer Abend­post bringt folgende weitere Notizen über den Auf­enthalt deutscher politischer Flüchtlinge: .Wesendonck ist in Neuyork im Geschäft seines Bruders in Bro­adstreet als Kaufmann thätig ; Dr. Guttmann, Ba- taillonSarzt der Hanauer Turner, hat die Schweiz verlassen und ist nach Amerika auSgewanvert; F. Schârtner , Commandant der Hanauer Turner, lebt in London, 27 Long-Acre Leicester , als Gastwirth ; Damerow, sein Adjutant (ein Zögling deS preußi­schen Annaburger Instituts) ist ebenfalls in London. Ferner sind daselbst der StaatSprocurator Heinz­mann als Kaufmann etablirt, Dr. jur. I. B. Op­penheim beschäftigt mit literarischen Arbeiten. In Neuyork prakticirt alS Arzt Dr. Grevel auS Hagen. Kaspar Butz aus Hagen lebt als Buchhändler in Detroit und gibt daselbst die Michigantribüne her­

aus ; Karl Post auS Hagen wohnt nicht weit von Detroit als Farmer; Graf Görtz-Wrisberg ist Far­mer in Milwaukie; Anneke hat einen Ruf als Pro­fessor und StaatSbibliothekar nach Milwaukie an­genommen ; Eduard Pelz redigirt in Neuyork daS Journal die Hummel; Dr. Bertling auS Leipzig ist nach Detroit gezogen, um sich daselbst als Advocat niederzulassen; Bürgermeister Finke aus Crimmitz- schau arbeitet in Neuyork auf dem GeschäftSbureau des Hrn. W. A. Soely und widmet sich der Advo- catur; Advocat Erbe auS Altenburg siedelt sich auf einer Farm zu Clarkstown in Rockland Country an; Advocat Gustav Grahl aus Leipzig ist in Neuyork; Hohlfeld von Löbau, Stellvertreter Heisterbergk'S im Frankfurter Parlament, beabsichtigt in Neuyork eine Zeitung herauszugeben; die Maler Heine, Kummer und Müller aus Sachsen sind in Neuyork und Heine ist zur Zeil auf einer Reise nach dem Nicaragua im Auftrag eines Anglo Amerikaners be­griffen , um Zeichnungen für ein Werk anzufertigen. In Paris lebt Advocat Höchster auS Elberfeld. in Antwerpen als Bankier L. Bamberger von Mainz, in Brüssel Dr. Saß als Dirigent der Taubenpost, in London Fr. Schütz von Mainz

Kassel, 8. September. (K. 3 ) Die Mitglieder der Direktion der Hauptstaatskasse, Geh. Rath Schotten, Geh. Obersinanzrath Hoen und Ober- finanzassesior v. Schmerfelv, welche vom permanen­ten Kriegsgericht wegen Widerstands gegen die Ve - ordnung vom 4. September v. I. durch einen, dre Notirung der Wege- und Brückengelder anordnendeiw Erlaß zu Festungsstrafen und Schadenersatz verur- theilt waren, sind in zweiter Instanz freigesprochen worden. Die Freisprechung beruht auf der Be­stimmung der Verordnung vom 26. Juni d. I., die Bewilligung einer Amnestie betreffend, wonach die in einfacher Unfolgsamkeit bestehenden Contraven- tionen gegen die vorjährigen Septemberverordnun­gen verziehen sein sollen.

Karlsruhe, 8. Sept. (KarlSr. Z.) Der Groß­herzog wird Mittwoch, den 10. d., eine Reise in die untern Landesgegenden antreten, zunächst sich nach Bruchsal und Mannheim begeben, dort Don­nerstag und Freitag verweilen, Samstag Morgen sich nach Weinheim begeben, gegen Mittag in Hei, delberg eintreffen, und am Abend wieder hierher zurückkehren.

Freiburg, 8. Sept. (N. F. Z.) Unsere Univer­sität ist wieder um einen bedeutenden Mann ärmer geworden. Letzte Nacht gegen 12 Uhr starb der Prosessor der Philologie, Hofrath Dr. Anselm Feuerbach, noch in seinen besten Jahren.

München, 7. Sept. (Fr. I.) Die Abreise dèr Königin von Griechenland, welche ick Ihnen gestern in derselben ausfallenden und mysteriösen Weise mit* theilte , wie sie als allgemeines Gerücht im Publi, fum und in der TageSpreffe coursirte, wird gestern von der „Neuen Müncherin" in einer Weise er­wähnt, als wenn sie blos die Anwesenheit bei einem in Oldenburg stattfindenden Familienfeste zur Ver­anlassung und zum Zwecke hätte. Ich muß diese wie die andere Variante auf sich beruhen lassen und kann nur bemerken, daß alsbald nach der Rückkunft König Otto'S nach Athen französische Blätter die Nachricht brachten: es seien sofort zwei Damen auS dem Hofstaate der Königin entlassen worden, und diese habe sich alsbald nach Nauplia begeben. Neben­bei scheint eS nun mit der Reise des etwa 23jâhri- gen Prinzen Adalbert, jüngster Bruder deS Königs, und seiner Succession auf den griechischen Thron Ernst zu werden, während man annimmt, daß daS nnlängst von König Ludwig gekaufte Leopoldskron bei Salzburg zum künftigen Wohnorte König Otto'S bestimmt fei.

Der französische Athlet Foureau, der mit großer Ostentation und unter Preisaussetzung zum Ringkampfe aufforderte und die zwei freilich nicht sehr ebenbürtigen Ringer vor acht Tagen warf, wurde gestern zur großen Freude deS PublilumS von einem rüstigen Metzgergesellen geworfen, und da er noch zweimal seine Kraft versuchte, begeg, nett ihm dasselbe noch zweimal. ES gab etwas Spectakel in und außer der Schaubude, jedoch ohne weiteren Erceß.

Augsburg, 8. Sept. Gestern Mittag zwischen 12 und 1 Uhr (um 12 Uhr 30 Minuten) und Nach, mittag zwischen 2 und 3 Uhr wurden am ElkyS- mometer dahier bedeutende Schwingungen beobach­tet ; wir würden daher baldige Nachrichten von Erd, flößen erwarten.

Hannover, 4. Sept. (Pr. Z.) Man unter­hält sich hier viel von harten Kämpfen, welche es gekostet habe, Se. Maj. den König zu vermögen, trotz seiner Abneigung, das kürzlich vollzogene Gesetz wegen der Provinciallandschaften durch seine Unterschriften zu sanctioniren. Da von verschie­denen Seiten so eifrig versucht wird, auf die königlichen Entschließungen einzuwirken, so mag eS um so mehr sein, daß der König in einigem Maße gezögert hat; allein das kann versichert werden, daß