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Kassel, 15. Aug. Ueber die Einbringung des Dr. Kellner wird von Augenzeugen noch folgendes Nähere berichtet: Von Warburg bis Mönchehof, der letzten Station vor Kassel, wurde die Friedrich- Wilhelms Nordbahn benutzt, von da aber der Ver­haftete in einem dicht verschlossenen Wagen nicht auf der gewöhnlichen Landstraße, sondern auf einem Waldwege nach WilhelmShöhe gebracht, und dort von der GardegenSdarmeric , ein Corps, das foult nur den Dienst bei der Person deS Landesherrn hat, unter persönlicher Anführung eines Adjutanten d-S Kurfürsten, deS Rittmeisters v. Eschwege, nach Kassel geführt. Hier war ein ganzes Bataillon Infanterie und eine Schwadron Cavallerie aufgestellt, theils um den Wagen durch die Stadt zu geleiten, theils um etwaige Zusammenläufe in der Gegend deö Ca­stells zu hindern. Die Fuldabrücke war eine Zeit, lang durch Militär gesperrt. Bei der Ankunft vor dem Castell ereignete sich noch ein Unglücksfall. Der Führer deS ZugcS, Flügeladjutant v. Eschwege, streifte beim Herabsteigen vom Pferde seine Pistole, wodurch sich der Schuß entlud und dem Hrn. v. Eschwege durch daS Bein fuhr; die Kugel wurde bald herausgeschnitten, die Wunde selbst soll nicht gefährlich sein. — An die StaatSprocuralur, welche dir Redacteure der „Hornisse" steckbrieflich verfolgt, ist die Anzeige gekommen, daß Dr. Kellner zunächst vor daS Kriegsgericht gestellt worden sei. Es hat bereits gestern ein Verhör mit demselbeen Statt­gehabt.

Man erzählt sich von einer Unterredung der Prinzessin' Caroline, Schwester deS Kurfürsten, mit dem Oberbürgermeister Hartwig (über die grauen­vollen Zustände unseres Landes. Die hohe Dame soll sich dabei in einer Weise ausgesprochen haben, welche die hohe Verehrung, die sie, gleich ihrer Mutter, der unvergeßlichen Kurfürstin, bei der Bürg­schaft Kassels stets gefunden chat, nur noch vermeh­ren kann. — DaS LooS deS VerbotenwerdenS wird nun auch wohl die AuSgöburger „Allgemeine Ztg." treffen.

Stuttgart, 14. August. (K. Z.) Gegen den neuen Entwurf deS BürgerwehrgesetzeS laufen von allen Seiten Beschwerden ein, aus denen hervorgeht, daß man eine gänzliche Aufhebung dieses Instituts, nicht aber eine bloße Umgestaltung desselben erwar­tete. Man möge sich aber trösten, denn sicher wird das Ministerium dem Lande die Bürgerwehr nicht aufdrängen, wenn Niemand sie haben will und auch die Kammer sie ganz oder nur in der zukünfti­gen Form verwirft, waS so undenkbar nicht wäre, da die Linke dem RegierungSentwurfe sicher ihren Beifall nicht schenkt, und vielleicht auch die Mittel­partei damit nicht einverstanden ist.

München, 14. Aug. Nach heute hier eingc- troffenen Nachrichten ist am Abhang deS bayerischen | Gebirges, gegen den Inn zu, ein bedeutender Berg­sturz im Gange; mehrere Bauernhöfe mußten Plötz- j lich verlassen werden, um daS nackte Leben der Ein- * wohner zu retten. Man fürchtet sogar für das schöne und zum Theil neue Schloß Brannenburg, welches der Kurfürstin Leopolbide gehörte und von ihren Erben unlängst käuflich an Marquis Palla- vicini überging. — Heute früh erercirten zwei Bat­terien des reitenden Artillerieregiments Königin und sollten ein Scheingefecht auSführen. Durch einen noch nicht aufgeklärten Verstoß gerielhen die Reiter beider Batterien so hart aneinander, daß nach einer Version 30, nach der mindesten Zählung 8 Mann und ein Offizier schwer verletzt wurden. — Die vielen hier verweilenden auffälligen Söhne AlbionS mahnen mich, Ihnen die durch alle Zeitungen lau­fende Anecdote mitzutheilen, daß fünf Engländer auf einem kleinen Boote von Rotterdam bis Würz­burg sich schleppen ließen und von da mit Benütz­ung deS Ludwigkanals die Donau gewinnen und dann auf ihrem schwachen Fahrzeuge allein die Fahrt bis inS schwarze Meer zurücklegen wollen. — Nach Lokalblättern erhalten zwei Münchener in London erste Preise; März, Inhaber deS berühmten Frauen- Hofer-Utzschneider'schen Instituts für einen Riesenre- sractor und Ertl, Besitzer eines mechanischen Insti­tuts, für eine neu erfundene TheilungSmaschine.

Ein fränkisches Blatt hat kürzlich gemeldet, daß umfassende Instructionen an den bayerischen BundeStagSgesandten, Herrn Generalmajor von Tylanver, abgegangen sind, die sich auf alle dem­nächst in der Bundesversammlung zur Entscheidung kommenden Fragen beziehen sollen. Zur weiteren Ergänzung wird der „Augsb. Postz." mitgetheilt, daß jene Instructionen in der Hauptsache dahin gehen: allen Anträgen, welche die Verfassung der Einzelstaalen bedrohen, entschieden entgegen zu treten.

München, 15. Aug. Der am österreichischen Hofe neuester Zeit beglaubigte sardinische Gesandte Graf Revel ist gleichzeitig in derselben Eigenschaft auch am hiesigen Hofe accrebitirt worden. Bayeri- scherseitS ist schon früher Graf Sparer .in Rom zu­gleich mit der gesandschaftlichen Mission in Turin allerhöchst betraut worden.

Aus Thüringen, 12. August. Nach Allem, waS man über die bereits vollzogenen Landtags­

wahlen im ' Großherzogthum Weimar vernimmt, dürfte die große Mehrheit der nächsten Versamm­lung auS Männern von monarchisch-constitutioneller Richtung bestehen, und die Regierung in ihrer, auf die Revision einiger neueren Institutionen, nament­lich der Strasproceßordnung, der demokratischen Gemeindeordnung und deö demokratischen Wahlge­setzes, gerichteten Absicht unterstützen. DaS Volk hat bei den jetzigen Wahlen meistens sein Augen­merk aus verständige Bürger und Landleute gerich­tet, und wo eS RechtSgelehrte und namentlich Ad­vocate« wählte, meistens den Männern von ge­mäßigt - constitutioneller Richtung den Vorzug ge­geben.

Berlin, 15. August. Gegenüber den verschie­denen Mittheilungen über die Möglichkeit einer Zu­sammenkunft der beiden Monarchen von Preußen und Oesterreich sind wir im Standefzu berichten, daß eine Zusammenkunft schon bei Gelegenheit der Reise, welche Se. Maj, der König morgen antritt, bestimmt statifinden wird. Ob der Ort deS Zu- sammeiureffens Ischl sein werde, ist noch nicht bestimmt. Wir können ferner mit Bestimmtheit nrit- theilen, daß in diesem Herbste die drei Monarchen Preußens, Oesterreichs und Rußlands an einem für jetzt noch nicht bestimmten Orte zusammentreffen werden. ES würde dies vielleicht schon jetzt gesche­hen sein, wenn nicht die Feier deS 25jährigen Re- gierungSjubiläumS deS russischen Kaisers vorlâge, welche, wie bekannt, in großartiger und solenner Weise statifinden wird. Der gegenwärtig alS Bun- deStagSbevollmächtigter Preußens fungirende Ge­sandte, Hr. v. Rochow, wird sich im höheren Auf trage nach Petersburg begeben. Zu dem Ende ist die Bestallung deS Hrn. v. Bismark-Schönhausen alS Nachfolger des Hrn. v. Rochow bereits nach Frankfurt abgegangen und Hr. v. Rochow wird, wenn er Hrn. v. Bismark in Frankfurt eingeführt hat, gegen Ende der nächsten Woche wieder hier eintreffen und sodann seine Reise nach Rußland an­treten.

Der H. C. meldet ganz ernsthaft „von durch­aus glaubwürdiger Seite, Hannover hege die Ab­sicht, die von Preußen aufgegebene Unionsidee wie, der aufzunehmen und mit den nördlichen Staaten eine Union zu gründen, wenn auch in kleinerem Maßstabe alS die preußische". Diese hannoversche Union würde dann allerdings sehr klein ausfallen.

Wie die öffentlichen Blätter bereits gemeldet haben, ist der Kreisrichter Martiny, welcher wegen seiner Theilnahme an den Verhandlungen deS nach Stuttgart übergesiedelten Parlaments und we­gen Mitwirkung an dem badischen Aufstande als Hochverräther angeklagt war, nicht nur von den Geschwornen für unschuldig erklärt, sondern auch in dem vor dem ÄppellativnSgerichte zu Marienwerder anhängig gemachten DiSciplinarversahren sreigespro- chen worden. Damit ist jedoch die Sache noch nicht beendigt. Vielmehr hat der Justizministcr ein sehr mißbilligendes Rescript über die letztere Freisprechung an daS Gericht zu Marienwerder erlassen und die Uebersendung derActen an das Berliner Obertribunal besohlen, damit diese Behörde definitiv in der DiS- ci'plinarsache gegen Hrn. Martiny beschließe. Wie daS Erkenntniß deö Obertribunals ausfallen wird, ist nach bekannten Vorgängen gar nicht zeweifelhaft. Dieser Prozeß droht noch für Andere ungenehme Nachwehen zu haben, und zwar infolge der Freu- denbezeigunen, welche sehr viele Damen zu erken­nen gegeben haben, als Herrn Martiny'S Frei­sprechung von dem Schwurgerichte zu Coniy verkün­digt wurde. Nach einem von den« dortigen Landrath an die Regierung zu Marienwerder erstatteten Be­richte ist Herr Martiny bei seiner Entlassung von der Bank der Angeklagten mit Blumen überschüttet worden, und als etwas ganz besonders Anstößiges wurde vom Landrathe hervorgehoben, daß sogar Frauen von Richtern Bouquets geworfen haben. In Marienwerber schien man auf diese Denunciation kein besonderes Gewicht legen zu wollen; jedoch ist, wie versichert wird, jetzt auS Berlin verfügt wor­den , nähere Recherchen über jenen bedenklichen Vorfall einzuleiten ; nicht unwahrscheinlich werden die unschuldige« Ehemänner für die mißliebigen* De­monstrationen ihrer Frauen verantwortlich gemacht werden.

Danzig, 13. August. Viel Aufsehen erregte die letzte Sitzung deS hiesigen Gemeinderalhö. Ein Mitglied desselben hatte beantragt, der Gemeinde- rath Danzigs möge die bekannten Verordnungen deS Ministeriums über Wiederherstellung der Provinzial- landtage für ungesetzlich erklären. Statt diesen An­trag zur Abstimmung zu bringen, erklärte der Ge- nieindevorstehcr Trojan, er werbe über denselben nicht abstimmen lassen. Gegen dieses ungewöhnliche Verfahren deS Vorstehers Trojan wurde von 20 Gemeindeverordneten Protest eingelegt. AlS letztere sich TagS darauf ini Saale deS Gewerbehauses zu einer gemeinsamen Berathung und Unterschreibung ihres Protestes versammelt hatten, wurde die Ver­sammlung polizeilich aufgelöst.

Oldenburg, 12. August. (H. P.) Eine Pro­klamation des GroßherzogS verkündet heute allen

Einwohnern deö GroßherzogthumS die am 8. er­folgte Verlobung des ErbgroßhcrzogS mit der Pin- zessin Elisabeth von Sachsen- Altenburg, (Schwester der Kronprinzessin von Hannover).

Schwerin, 12. August. Vom 14. bis 26. September wird beim Heselholze ein großes Lager errichtet und sollen zu biefem Zwecke sämmtliche Bernlaubte einberufen werden; auch,die Garnison der Städte Rostock und WiSmar, sowie die Caval­lerie werben an den Uebungen lheilnehmcn. Beim Kammercollegium ist einer der entlassenen schlcöw.« holst. Offiziere (als Oberauffeher) angestellt worden. Sein Name ist Negenstein.

Hamburg, 14. August. Die Räumung unserer seit dem 9. Juni von den österreichischen Truppen occupirten Vorstadt St. Pauli ist nach einer Kor­respondenz der Kölner Zeitung noch keineswegs eine so ausgemachte Sache, wie jüngst der „Preuß. Z." mitgetheilt wurde. Die Sendung deS General­majors und General-Adjutanten des Kaisers, Baron Kellner v. Köllenstein, hatte u. A. den Zweck, über die erwähnten BesatzungSverhältnisse die oberste Militärstelle in Wien genau zu unterrichten. Bei dem durchaus ruhigen und friedlichen Benehmen der Bevölkerung konnte Generalmajor v. Köllenstein sich nur dahin aussprechen, daß die Räumung der Vorstadt zulässig sei, aber in Uebereinstimmung mit dem Generalcommando hielt er Maßnahmen für nöthig, wodurch die Verbindung der in Hamburg und Altona stehenden Truppen vor jeder Unter­brechung gesichert sei. Diesen strategischen Zweck erreicht man, sobald St. Pauli geräumt ist, nur durch die Besetzung der Millernthors-Wache. Die, selbe ist seit längerer Zeit die Hauptwache unserer Garnison, und unzweifelhaft die wichtigste aller städtischen Wachlocale, von denen bereits diejenigen am Steinthore (zur Hälfte) und auf dem Gänse­markte ebenfalls in den Händen des fremden Mili­tärs sind. Wir können unmöglich annehme«, daß der Senat auf die Bedingung, die Räumung St- Pauli's von der Uebergabe der Millernthorwache abhängig sei« zu lassen, eingehen werde. Er könnte dann fast eben so gut die städtische Garnison ganz in ihre Caserne zurückzichen, die Bürgergarde außer Thätigkeit setzen und dem fremden Militär, so sehr besorgt für seine eigene Sicherheit, auch die unsrige gänzlich anheimstellen! 1 —

Der in den Blättern so oft genannte Barbier- gehülfe, welcher beschuldigt war, ein Mitveranlasser der St. Pauli Pfingstereignisse zu sein, heißt Herm­stedt und ist- auS Schwarzburg - Sondershausen. Seine zweimonatliche Untersuchungshaft endete mit seiner völligen Freisprechung. Derselbe hat sich rmf— den freundlichen Rath unserer Polizei von hier weg- beneben und ist nach Bremen gereist. — Zu dem großen Diner, welches am 18. zu Ehren des Ge­burtstags deS Kaisers von Oesterreich im Rainale, schen Garten zu Ottensen stattfindet, sind auch dä­nische Offiziere geladen. Ein sicherer Beweis der Freundschaft, die zwischen Oesterreich und Dänemark herrscht. Schleswig - Holstein wolle davon Akt nehmen.

Die vorgestern bereits erlangte polizeiliche Ge­nehmigung zur Abhaltung deS „Melchert'schen Sân» gerfesteS" in Heuß' Hof ist gestern Nachmittag, alS eS sich nur noch um Feststellung des TagS handelte, aus bisher unbekannten Gründe« wieder rückgängig geworden, und wird somit daS Fest trotz aller An­strengungen vorläufig unterbleiben müssen.

Der „Altonaer Zeitung" wird aus Kopenhagen geschrieben, daß der Familiencongreß in Rumpen- heim durchaus keinen Bezug auf die dänische Thron­folge habe und sich lediglich auf die hessischen Erb, schäften beziehe.

Aus Holstein, 12. August. (H. N.) I« Schleswig werden die sämmtlichen zum Militär­dienste neu AuSgehobenen jetzt einberufen, ohne daß deshalb die ältere Mannschaft permiltirt wird. ES bestätigt sich, waS man früher nicht recht glauben wollte, daß diejenigen, welche in der schleswig-Hol­steinischen Armee Officiere gewesen sind, vorzugs­weise alS Traiukntscher verwandt werden. Im Uebrigen erscheint die einberufene Mannschaft, we­nigstens südwärts von FlenSburg, nirgends freiwil­lig , sondern muß aller Orten durch Militärcvm« mandos eingeholt werden. Wenn die Einberufenen den Fahneneid ablegen sollen, enlschulbigen sie sich damit, daß sie nicht dänisch verstehen/ Gleichr'ivffl müssen sie den Eid nachsprcchen.

Rendsburg, 12. August (R. W.) Vergan­genen Sonntag, Mittags 12 Uhr, war in Folge der Anwesenheit deS k. preuß. CommissârS, General- lieutenant v. Thümen, Parade der hier garnisoni- renden österreichischen und preußischen Truppen, au welcher auch die beiderseitige Artillerie Theil nahm. Außer dem österreichischen, preußischen und schlcS- wig-bolsteinischen Offiziercorps waren gleichfalls dänische Offiziere anwesend, um dem BundeScom- miffâr ihre Aufwartung zu machen. Auch befichtigtr derselbe, in Begleitung deS Generalmajors Signo­rini und des Gouverneurs Grafen v. Schliessen, das Kronwerk.