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vielfach besprochene gräflich v. Bentick'sche Erbfolge, frage entschieden.

Gestern hielt auch der SiebenerauSschuß der Bundesversammlung eine Sitzung, in welcher er sich u. A. mit der Frage der beizubchaltenden oder zu entlassenden, einstweilen übernommenen Beamten der aufgelösten provisorischen BundeSzentralkommis- sion beschäftigt haben soll. ES ist eben nicht thun- lich, daß alle Beamten definitiv angestellt werden können. — Die Marineabtheilung bleibt vorerst unversehrt, da von einer Entscheidung der Frage von Erhaltung ober Auflösung der deutschen Flotte uoch gar keine Rede sein kann und die Vereini­gung der Marineabtheilung mit der neu organi- firten BundeSmilitärkommisston unthunlich ist. Die Unterhaltung der deutschen Marine bietet vorerst noch keine Schwierigkeiten dar, da eineStheilS Oester­reich und Preußen dazu Vorschüsse geleistet haben, anderntheilS die Matrikularbeiträge von den Regie­rungen prompt eingezahlt werden.

Wenn aus Berlin gemeldet worden, eS werde sich der kön. preuß. BundestagSgesandte, General­lieutenant von Rochow, Ende dieses Monats nach Petersburg zurückbegeben, so ist darauf zu entgeg­nen, daß derselbe so eben im Begriffe steht, eine große Privatwohnung zu miethen, somit von seiner Abreise keine Rede sein kann. Der Repräsentant Rußlands, Fürst Gortschakoff ist vor einigen Tagen auS Baden-Baden hierher zurückgekehrt.

Kassel, 11. Juni. (K. Z.) Gestern Abend war glänzender Hofball aus dem Schlosse zu Wilhelms­höhe, morgen wird die Vermählung Ihrer Erlaucht der Gräfin Alerandrine, Tochter Sr. königl. Hoheit deS Kurfürsten, mit Sr. Durchlaucht dem Prinzen von Hohenlohe-Oehringen stattfindcn.

Der unter dem Namen eines Grafen von An­dechs reisende Prinz Adalbert von Bayern ist vor­gestern von Lippe-Detmold wieder hierher zurück­gekehrt und im Hotel zum „König von Preußen" abgestiegen.

München, 9. Juni. Die „Augsb. Poftztg." schreibt; ES ist nun ganz gewiß, daß dem hiesigen Kabinette aus Wien Depeschen über die zu Olmütz aufgestellten Hauptpunklationen der künftigen Or­ganisation Deutschlands zugekommen sind. Die neuen Projekte sollen nicht ohne überraschenden Ein­druck vernommen worden sein. Einige wollen wis­sen, daß die nächste Zukunft manches Unerwartete, aber durchaus Nothwendige bringen dürfte. — DaS erste Stadium der Heilung der Wunde deS Frhrn. v. Lerchenfeld ist ohne besondere Zufälle regelmäßig verlaufen. Hoffentlich wird die kräftige Konstitu­tion deS edlen Verwundeten die keineswegs ganz unbedeutende Verletzung glücklich überwinden. Ein Theil der Münchener Bürgerschaft (deren Abgeord­neter bekanntlich Frhr. v. Lerchenfeld ist) soll über Fürst Wrede sehr erbittert sein.

Dresden, 9. Juni. Vorgestern ist der Groß Herzog von Hessen nebst Gemahlin auf seiner Rück­kehr von seiner Begleitung des Königs Otto von Griechenland, aus Prag kommend, bei dem hiesigen Hofe zum Besuche eingetroffen. Eine Bekannt­machung deS Finanzministeriums theilt mit, daß die telegraphische Verbindung mit Würtemberg her- gestellt ist.

Dessau, 7. Juni. Der „Staatsanzeiger" ver- öffentlicht eine Verordnung vom 5., durch welche der Herzog während der Dauer seiner Abwesenheit — er begibt sich ins Bad nach Kreuznach — dem Ministerium die Regierungsrecht überträgt. ES soll befugt sein, Gesetze zu sanktioniren und zu pub- liziren , den vereinigten anhalt, dessau-kölhenschen Landtag einzuberufen, zu entlassen, zu vertagen, aufzulösen u. s. w.

Hannover, 7. Juni. Die „Nieders. Z." be­richtet heute, daß die Zusammenkunft so vieler „Fürstlichkeiten" unb vor Allem die deS Königs von Preußen und deS Kurfürsten von Hessen, einen wichtigen politischen Moment für die Geschichte Deutschlands in sich schließe. Der König von Preußen habe mit dem Kurfürsten in Hannover lange Konferenzen gehabt, bei denen sie sich äußerer Wahrnehmung nach auf das Zuvorkommendste ent­gegen kamen. Die „Nieders. Z." glaubt sich nicht tu irren, wenn sie aus'Beobachtungen dieses per­sönlichen Verkehrs den Schluß zieht, daß der 5. Juni eine Ausgleichung der politischen Ansichten deS Königs von Preußen und des Kurfürsten von Hess sen herbeigeführt habe.

Hannover, 9. Juni. Bei Hrn. Weinhagen in Hildesheim wurde heute auf Requisition des Kri­minalgerichts zu Bremen sorgsame Haussuchung nach Papieren gehalten, welche auf die Unter­suchung des Pastor Dulon in Bremen wegen (hoch- verrätherischen) Bestrebungen etwa Bezug haben möchten. — Nach dem OSnabr. Tageblatt ist am 7. d. auch bei dem Abgeordneten Detering in Os­nabrück durch den Stadtrichter Westerkamp in Be­gleitung eines StadtgerichtSauduorS und zweier Polizeibeamten Haussuchung gehalten. Diese Haus­

suchungen bei Bueren, Mensching, Detering, Wein- hagen, sollen sämmtlich auf Requisition deS Bremer Senats erfolgt sein, der zugleich besonders darum gebeten haben soll, daß die Haussuchungen — wie auch geschehen — möglichst gleichzeitig vorgenommen werden sollten.

Auch bei dem Abgeordneten Gerding zu Celle ist am 7. Haussuchung gehalten worden, jedoch sollen auch hier nur unverfängliche Papiere ge­sunden und Theile davon mit Beschlag belegt sein.

Berlin, 10. Juni. Die Nat.-Z. schreibt: Die alten Kreistage verstärken sich zum Theil durch Zuziehung der Kreiskommissionen oder durch Ver- Mehrung der bäuerlichen Abgeordneten. Demohn- geachtet aber bleiben die Rittergutsbesitzer in der Majorität und geben deßhalb allein die entscheidende Stimme ab, selbst wenn man die vollständige Un­abhängigkeit der bäuerlichen Abgeordneten vorauS- setzt. Die Opposition gegen die Ministerialreskripte beginnt sich jetzt unter fast allgemeiner Betheiligung der Presse zu konsolidiren, und eS scheint, als be­trachte man die Herbeiführung einer richterlichen Entscheidung als den zunächst anstrebenden Punkt.

In Folge der Opposition, welche sich unter einem Theile derjenigen Beamten, welche bei den Vorarbeiten für den Wiederzusammentritt der Pro­vinziallandtage zunächst mitzuwirken haben, gegen daS Reskript deS Ministers kundgibt, soll in den letzten Tagen innerhalb deS StaatsministeriumS der Beschluß gefaßt worden sein, rücksichtslos diese Opposition im Keime zu ersticken und daher mit aller Strenge in dem Falle einer etwaigen Reni­tenz gegen die betreffenden Beamten einzuschreiten. Man fügt hinzu, daß dieser Entschluß leicht zu einem Personenwechsel in mehreren Oberpräsiden- turen führen dürfte, da man den betreffenden Ober- präsidenten, deren Namen ja die öffentlichen Blät­ter widerholentlich genannt haben, bedeuten werde, wie eS daS einzige Angemessene für sie fei , ihren Abschied zu fordern, falls sie die Ausführung der ministeriellen Anordnungen nicht mit ihren Ueber­zeugungen sollten vereinbaren können.

Eine im österreichischen Sinne gehaltene Kor­respondenz der H. B. glaubt auö den Umstand, daß Lord Cowley und Hr. v. Talenay am 16. d. M. in Frankfurt dem Bundespräsidenten ihre Kreditive alS außerordentliche Gesandte Englands und Frank­reichs bei dem deutschen Bunde übergeben haben, darauf schließen.zu dürfen, daß die genannten Mächte jetzt dem Eintritt Gesammtösterreichs günstiger ge­stimmt sind. Es ist freilich schwer abzusehen, weß- halb man aus diesem Umstande nicht eben so gut auf daS Gegentheil schließen sollte.

Die königl. Akademie der Künste hatte gestern im Saale der Singakademie zu Ehren deS Schöpfers des Friedrichsdenkmales, unseres Christian Rauch, eine Festfeier veranstaltet. In der Mitte deS Saals war Rauch's Marmorbüste, welche in dem SitzungS- lokale der Akademie eine bleibende Stelle erhalten soll, unter reichem Blumenschmuck aufgestellt. Vor ihr hatten in einem Halbkreise die Festordner und die Mitglieder der Akademie Platz genommen. Kurz vor 12 Uhr erschienen auch der König nebst den hier anwesenden Prinzen deS königlichen Hauses. Gleich darauf begann die Feier mit der von A. Kopisch gedichteten und von Meyerbeer komponirten Fest-Hymne, mit welcher der Gefeierte des TageS bei seinem Erscheinen, während die ganze Versamm­lung sich erhoben hatte, begrüßt wurde. Dann er­hob sich der Vizedirektor der Akademie, Professor Herbig, und hielt die Festrede an den Gefeierten. Rauch erhob sich und sprach mit, tiefer Rührung in einigen ergreifenden Worten seinen Dank aus. Hierauf ertönte ein zweiter Festgesang, eine von Kopisch gedichtete und von dem Kapellmeister Dorn komponirtejKantate. Ihr folgtefdie Ueberreichung deS Ehrengeschenkes, bestehend in der von A. Fischer verfertigten Medaille. Gleich nach Ueberreichung dieser Medaille Zieß der König den Gefeierten zu sich bescheiden und gab demselben unter dem Beifall der Versammlung nochmals seine allerhöchste Theil, nähme zu erkennen.

Wien, 7. Juni ES verlautet das Gerücht, daß in der österreichischen Marine Reduktionen uud verschiedene Ersparungen vorgenommen werden sol­len. Jedenfalls dürften aber die Vergrößerung^ unb Vermehrungsprojekte für unsere Flotte nicht übereilt werden. Das durch verschiedene Korrespon- ten verbreitete Gerücht vom Rücktritte oes Vizead­mirals Dahlerup findet, wie das ,,C. BI. a. B." wissen will, keineswegs seine Bestätigung.

Allgemeine Verwunderung erregt eS, daß der Feldmarschalllieutenant v. Kempen nur zum Militär­gouverneur (und Hiebt zugleich zum Civilgouverneur) ernannt wurde ; außerdem ist der offizielle Akt nicht vom Militärkommando zur Knndmachung gelangt, waS also, wenn auch nicht auf förmliche Aufhe­bung deS Belagerungszustandes, doch auf eine große Milderung, man könnte fast sagen stillschweigende Aufhebung schließen läßt.

DaS Gerücht, Hr v. Bruck sei zum Gesaudten nach Turin ernannt, bestätigt sich nicht.

Die Redaktion der in Triest erscheinenden belle­tristischen Monatsschrift „Familienbuch deS Lloyd"

hat für die besten, bis Ende September b. J. ein­zusendenden Novellen zwei Pretse ausgeschrieben, und zwar besteht der erste Preis in dreißig Duka­ten, daS Akzessit in zwanzig Dukaten, außer dem Honorar von 40 fl. per Bogen. Grillparzer, Heb­bel und HermannSthal sollen die Preisrichter sein.

Dänemark.

Kopenhagen, 6. Juni. Die „Berlingsche Z." bringt unter der -Form eines Briefes auS Flens­burg einen heftigen Angriff gegen die holsteinischen Notabeln, in welchem nebenbei bemerkt wird, daß sämmtliche dänische und schleswigsche Notabeln die Gegenerklärung unterzeichnet und die Holsteiner sich bereits wieder zur Ruhe begeben hätten und an den Verhandlungen Theil nähmen. Dasselbe Blatt po- lemisirt wieder gegen die Bedeutung deS beim Frie­densschluß vom 2. Juli 1850 geschehenen Vorbehalts in Bezug auf den Bundesbeschluß vom 17. Septbr. 1846. — DaS Finanzministerium hat eine Bekannt­machung erlassen, betreffend die Rücklieferung deS während deS Kriegs freiwillig eingelieferten Silbers.

U r a n k r e i eh

Paris, 10. Juni. In der heutigen Sitzung der gesetzgebenden Versammlung wird zur zweiten Berathung deö Entwurfs über Grundkredit-An­stalten geschritten, und ein Kredit von 75,750 Fr. bewilligt. Sodann folgt die dritte Berathung des Kaffee- und ZuckerlarifS, die ohne alles Inter­esse ist.

Die Budgetkommission hat heute beschlossen, Streichung der Subvention für Odeon und italie­nische Oper, ferner Streichung eines Kredits von 300,000 FrS. für politische Flüchtlinge zu be­antragen.

Die Kommission für VerfassungSreviston hat heute Hrn. v. Broglie zum Präsidenten und Hrn. Moulin zum Sekretär ernannt. Eine Unterkom- mission, bestehend aus den Abgg. Baze, Charras, v. Melun, v. CorcelleS und Dufour ist mit der Prüfung der Revistonspetitionen beauftragt wor­den. Herr von Boglie gehört zu dem Verein der Pyramidenstraße. Herr Moulin ist Fusionist.

ES soll dieser Tage ein Antrag eingebracht wer- gen,"fürdie eventuelle Konstitution oder für die nächste Legislative und die Präsidentenwahl im Jahr 1852 nach dem alten Wahlgesetz von 1848 zu stimmen, der nächstes Jahr ciniretenden gesetzgebenden Ver­sammlung aber die Entscheidung zu überlassen, ob daS neue Wahlgesetz abgeschafft werben soll oder nicht. Den Antrag soll ein Mitglied der Mehrheit kinbringen wollen.

„Pays" erklärt sich ermächtigt, die Nachricht, Abbalucci der Aeltere sei mit der Bildung eines Ministeriums beauftragt, für falsch zu erklären.

General Randon soll an HautpoulS Stelle Ge­neralgouverneur von Algier werden und Aupick ihn als Kriegsminister ersetzen.

Die Mitglieder der Familie Bonaparte scheinen, in der Voraussicht eines größern Kampfes, ihre Waffen einstweilen im Duell üben zu wollen. Kaiivr ist Karl Bonaparte, .Prinz von Canino, dem Pi­stolenkampfe mit dem Grafen Rossi unverletzt ent­gangen und schon hat der durch seinen übersprudeln- ben „Muth" bekannte Volksvertreter Peter Bona­parte, in Folge eines von ihm veranlaßten Wort- streites mit dem Generaldirektor der Museen, von Nieuwerkerque, mit dem Degen im Bonlogner Ge­hölz sich geschlagen. Nach mehreren Gängen, wobei zwei Degen zerbrochen wurden, erhielt der Direktor einen Stich in den rechten Schenkel. Die beidersei­tigen Secundanten schritten sogleich ein, indem sie erklärten, daß den Forderungen der „Ehre" voll­kommen Genüge geleistet sei. Das über diesen Vor, gang in allen hiesigen Zeitungen veröffentlichte Aktenstück ist unterzeichnet von den Abgeordneten Ducour und Labrouffe für Peter Bonaparte, wie von dem Fregattenkapitain Pothuan und dem Kü- rassierrittmelster v. SillegueS für v. Nieuwerkerque. Im Uebrigen herrscht auf der Oberfläche große Ruhe. Der Minister des Innern bestrebt sich soviel als möglich die öffentlichen Arbeiter, namentlich die Bauarbeiter zu beschäftigen, zu welchem Zweck er der hiesigen Stadtbehörde die Verlängerung der Rivolistraße und die Errichtung von Zentralhallen, vorzugsweise jedoch erstere in Vorschlag bringt, weil dabei nicht nur die Thätigkeit einer größern, sondern auch einer vielfachern Arbeiterzahl in Anspruch ge­nommen werden kann. Der Vorschlag ist gut ge­meint, seine Ausführung wird aber der Stadt wieder sehr große Ausgaben aufbürden.

Herr Forth Royen, der neu ernannte franz. Gesandte am griechischen Hof, ist in Marseille ein­getroffen, wo er sich sofort an Bord eines Re- gierungSvampfbootS nach Athen einschiffen sollte. — Marschall Narvaez ist von Paris abgereist. Er begibt sich nach London, um die WeltindustrieauS- stellung zu besuchen.

ES ist daS Gerücht im Umlauf, die spanischen CorteS würden nach der Vorlegung des Budgets und des Gesetzentwurfs für Regelung der StaatS-