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Coburg, 4. Januar. (Nat.-Ztg.) Nach dem Vorbilve des hier vor einiger Zeit von demokrati- scher Seite gebildeten Preßvereins hat sich auch in diesen Tagen die hiesige Partei Ver Goihaer, als deren Repräsentant der Hofrath Moriz Briegleb, einst Mitglied der Weivenbusch Partei, zu betrachten ist, unter Voztrilt des Letzteren zu einem solchen für die Presse ihrer Partei vereinigt.

Aus Thüringen, 7. Jan. Dem Vernehmen nach wird der Herzog von Koburg auf einige Tage nach Dresden sich begeben. Diese Reise würde einen doppelten Zweck verfolgen, indem einerseits die in neuester Zeit etwaS locker gewordenen freundschafl, lieben Beziehungen zu dem sächsischen Hof wieder fester geknüpft , anderseits aber auch für die Ver- legung der obersten BunveSgewalt von Frankfurt nach Gotha zu wirken gesucht würde.

Berlin, 5. Jan. (H. C.) Man erzählt heute, daß der Ministerpräsident v. Manteuffel das Ver­halten des Generals v. Peucker in Kassel zu des- avouiren beabsichtige, falls auch dieser Gegenstand innerhalb der Kammer zur Sprache kommen sollte. ES seien, so fügt man motivtrend hinzu, dem er- wâhnten General während der Abwesenheit deS Hrn. v. Manteuffel in Dresden von hier auS anderwei­tige Instruktionen zugegangen, für welche dieser die Perantwortung zu übernehmen entschieden Anstand nimmt. Bekanntlich ist erst nach der Rückkunft des Ministerpräsidenten das begangene Versehen redres- sirf worden.

ES ist eine Thatsache, daß nach einer zwischen Oesterreich und Preußen getroffenen Rerabredung gemeinsame Schritte in Kopenhagen für eine defini­tive Regelung der Sundzoll-Angelegenheiten werben gethan werden.

Berlin, 6. Januar. Man hat zur Erekutionö- Armee gegen Holstein, wie jetzt bekannt ist, vor, sprglich die Regimenter gewählt, welche 1848 und *849 nicht in Schleswig gekämpft haben. (Doch, wie ich höre, mit Ausnahme des 12. Regiments.)

Berlin, 7. Jan. Die zweite Hammer nahm heute die Adreßdebatte wieder auf, für welche, außer dem Antrag auf einfache Tagesordnung, vier Anträge auf motivirte Tagesordnung von Ebert (äußerste Rechte), von der Fraktion Riedel, von der Fraktion Geppert und von Stiehl einge. reicht waren. Die Fraktion S i m so n, v. V i n k e re. hatte ihren Antrag in Form eines Amendements zum ursprünglichen Adreßentwurf gekleidet, indem sie die volle Fortführung der AdreßdiSkussiou vor Augen hatte. Der Präjudizialantrag auf einfache Tagesordnung führte einen Redner für und einen wider dieselbe auf die Tribüne. Abg Reck befür, wortete die einfache Tagesordnung, weil dadurch am einfachsten der Sinn der Majorität ausgespro­chen werbe, daß keine Adresse mehr zu erlassen sei; eS werde dann an der Zeit sein zu reden, wenn die Kammer vollständige Vorlagen erhalten habe. Abg. Simson bekämpfte die einfache Tagesordnung und die Motive deö Vorredners in einer glänzenden, je­doch erfolglosen Weise. Er erblickt in der Präjubi- kialfrage der einfachen Tagesordnung die Absicht, ihn und seine Freunde mundlodt zu machen, und sucht dann der Kammer die Nothwendigkeit einleuch­tend zu machen, noch jetzt mit einem positiven Vo­tum auf die Thronrede zu antworten. Ohne in daS Materielle der politischen Fragen einzugehen, sucht er in scharfen Antithesen die Thatsachen , welche seit der Eröffnung in der Thronrede die gegenwär­tige Situation deriKammer herbeigeführt, einfach zu konßatiren, und hebt die Widersprüche in der Po- litis des Ministeriums hervor. Gegen den vom Vorredner Vorgeschichten Mangel an Vorlagen der Regierung macht er geltend, daß man eS auf diesem Wege völlig der Willkür der Regierung überlasse, die Vorlagen bis anS Ende zu verschieben. Wenn Vorlagen nicht redeten, so sprächen die Thatsachen bereits deutlich genug, und eS sei zu bezweifeln, daß Dene» bei Durchlesung der Vorlagen die Augen au'fgingen, welche jetzt noch nicht sähen. Die einfache Tagesordnung jetzt zu beschließen, würde heißen, daß die Kammer nicht wisse, waS sie zu beschließen habe, und darin würde sie ihre Pflicht gegen den König, gegen die Regierung, gegen das Volk und gegen sich selbst verletzen. Die persönliche Eröffnung der Kammer durch den König mache noch jetzt eine Antwort zur Pflicht, die Ausgaben der Regierung von fast täglich % bis */* einer Million, die Be­theiligung derselben an den Dresdener Konferenzen, deren Resultate verfassungsmäßig der Genehmigung der Kammern bedürfen würden, machten auch hier eine Aeußerung zur Pflicht. Wie könne die Kammer,

Je erst in voriger Session mit großer Majorität n bestimmtes System bewilligt, jetzt schweigen, da

- tS von der Regierung verlassen sähe. Für daö Alte oder für baS Neue müsse die Kammer den Mund öffnen, sei daS Ergebniß nun eine Beseitigung deS Ministeriums oder der Kammer. Dem Volke gegenüber müsse die Kammer sich jetzt äußern, sonst würde man sich dem Urtheile aussetzen, daß die Kam­mer ihr höchstes Recht muthwillig für nichts geachtet habe. Endlich könne die Kammer auch in Rücksicht

auf sich selbst nicht zur Tagesordnung übergehen; eine solche Kammer, die es thue, gehe über sich selbst zur Tagesordnung und schreibe sich zu den Akten. Wenn dieS Schicksal der Kammer drohe, uno von anderer Seite bereitet werde, dann müsse sie demselben unverwandt ins Auge sehen; er und seine Freunde wollten zu diesem „ad act^'-Schrei- ben jedoch nicht einen Strich, nicht einen Punkt zu- fügen, selbst nicht einen Punkt über daS i. Die namentliche Abstimmung bringt hierauf den Antrag auf einfache Tagesordnung vom Abg. Sten­t'eck mit 137 gegen 141 Stimmen, also mit nur sechs Stimmen Majorität zur Annahme. Diese Annahme schließt die sämmtlichen motivieren TageS- ordnungen, unter denen die von Geppert „die schwersten Bedenken" über die Politik der Regierung, die von Riedel eine „offene Mißbilligung" dersel­ben ausgesprochen wissen wollte, aus, und beendet die Abreßdcvatle. Die Annahme der Tagesordnung erfolgte durch die Spaltungen der Fraktionen Bovel, schwingh und Riedel, von deren Mitglieder viele dafür stimmten.

Berlin, 8. Sani (Tel. Dep. d. Köln. Ztg.) In der heutigen Sitzung der ersten Kammer wurde die Adreßdebatte geschlossen. Der Minister erklärte nach einer Rede Camphausen'S, die Regierung habe mit den Revolutionen entschieden gebrochen. Die einfache Tagesordnung wurde mit 92 gegen 35 Stimmen angenommen.

Die Interpellation v. Ammon's wurde vom Ministerpräsidenten unbeantwortet gelassen, weil die­selbe zu allgemein gehalten und ihre Beantwortung schädlich sei.

Mätzke hat seinen Antrag auf provisorische Budgerdewilligung zurückgezogen.

Hamburg, 7. Jauuar. Die beiden Kommiffa, rkn für Holstein, gestern Vormittags 11 Uhr in Kiel angelangt, nahmen dort in Brandt's Hotel ihre Wohnung und fuhren ein paar Stunden später in voller Generals-Unisorm zum Stadtkommandan, ten, Oberst von ZeSko, zum Statthalter, Graf v. Reventlow und zu den Departements - Chefs. Bei Syrer Hinfahrt zum Schlosse , dem Sitze der Regie­rung, woselbst auch die Konferenzen stattfinden, von. netten die Salutschüsse des kleinen KriegSdampf, ichiffes „Bonin". Wir vermuthen jedoch, daß diese Begrüßung nicht den Generalen von Meusdorf- Pouilly und von Thümen, sondern dem braven Marine-Lieutenant von Sondergrond gegolten haben; letzterer kehrte nämlich gestern mit zwei der schleS- wig-bolsteinischen Kanonenböte, die noch im Fehmar­ner Sunde stationirt gewesen, glücklich von dort zu­rück, waS bei der Wachsamkeit feindlicher Kreuzer in jenen Gewässern ein mit seltenem Glück und Ge- schick ausgeführteS Wagestück genannt werden darf. Die Kommissarien sind von der Bevölkerung Kiels, wie wir'S vorausgesetzt hatten, in der passivsten Hal­tung empfangen worden; in Betreff dieser Herren war also daS Erscheinen der von der Statthalter­schaft herangezogenen beiden Kompagnien deS 9. Bataillons jedenfalls überflüssig.

cf Aus der Schleswig-Holsteinischen Armee. Das noch immer anhaltende über alle Begriffe schlechte Wetter macht eS dem kommandirenden General v. d. Horst ganz unmöglich, dem dringen­den Verlangen unserer kampfmuthigen Armee zu genügen und voranzugehen, um den Feind auS Schleswig zu vertreiben. Alle Wege sind durch daS seit Monaten anhaltende Regenwetter so schlecht geworden, daß sogar die Kavallerie höchst beschwer­lich, und Artillerie beinahe gar nicht durchkommen kann. So lange eine Kriegsgeschichte besteht, hat wohl noch keine Armee eristirt, welche sich so nach Kälte und Eiö sehnet, wie die unserige, um dem Feinde entgegen gehen zu können; aber eben so wenig hat wohl jemals eine Armee wie die dänische eristirt, welche allenthalben verschanzet, sich durch Nichts bewegen läßt, seit Monaten auch nur einen Schritt weiter vorzugehen, um uns aus dem noch in unserem Besitze befindlichen Schleswig zu ver­treiben. Alle von unfeter Seite fast täglich vorge­nommenen Alarmirungen und Vorpostengefechte sind nicht vermögend, unsern kaltblütigen und über allen Begriff vorsichtigen Feind zu einer Schlacht zu zwingen. ES will übrigens viel sagen, und spricht doch gewiß für die seltenste Disziplin einer Armee, eine solche Geduld und Ausdauer zu be­währen, bis endlich der ersehnte Augenblick eintrifft, um mit der ganzen Macht den Feind anzugreifen, auf welchen sie durch die Macht der Elemente ver, hindert seit Monaten vergebens hoffet; und selbst durch die angedkohte Intervention eineâ im An­märsche begriffenen österreichischen KorpS von Kroa, ten nicht im mindesten sich einschüchtern läßt. So stehen und so ausharren kann aber auch nur eine Armee, welche von dem Bewußtsein durchdrungen ist, daß sie für eine gerechte Sache und für die Ehre Deutschlands in ihrer letzten Zuflucht kämpft.

Wien, 4. Januar. Die Eisenbahnstrecke -von Prag nach Dresden ist vollendet, und dürfte — wie die österreichische Korrespondenz bemerkt — viel­leicht vom Fürsten Schwarzenberg bei seiner Rück­kehr hierher zum erstenmal benutzt werden. Am 31.

Dezember Nachmittags fand die erste Probefahrt auf der letzten Strecke von Bodenbach nach der säch­sischen Gränze (Krippen) statt.

Wien, 4. Jan. Die Vorarbeiten zur Konsti, tuirung ^eS Reichstags sind soweit beendigt, daß der zum Präsidenten desselben ernannte Hr. v. Kü, beck den Schlußbericht darüber Sr. Maj. dem Kaiser vorzulcqen im Begriff steht. Die Ernennung der vorläufig auf die Zahl von 25 festgesetzten Müqlie, ber dürfte sodann mit nächstem erfolgen.

Die zwischen Oesterreich und Rußland im Jahre 1840 geschlossene Dcnaudampfschifffahrts-Konvention, welche am 22. Sept. v. I. zu Ende ging, ist auf ein weiteres Jahr verlängert worden. DaS Han­delsministerium beabsichtigt, dieses Interim mit Maßregeln in Verbindung zu bringen, welche die Beseitigung der SchifffahrtShinverniffe an der untern Donau anbahnen sollen.

DaS neue Preßgesetz ist bereits im Zuge und man kann der Veröffentlichung desselben bald ent, gegensehen.

Wien, 5. Jan. In ihrer gestrigen'Nummer machte die „Oesterr. Korresp.", bei Gelegenheit der Besprechung deS Urtheils über die Prager Maige­fangenen, die Bemerkung, sie habe die.innige lieber» Zeugung, daß, so gerecht die Urtheil? seien, bis Re, flierung zu geeigneter Zeit Milde walten lassen werde. Nach dieser Aeußerung deS ministeriellen Organs darf man wohl nicht anstehen, einen sichern Schluß auf einen bald bevorstehenden allerhöchsten Gnadenakt zu machen.—Die Herstellung der Eisen- bahnstrecke über den Semmering ist Hereis so weit fortgeschritten, daß der Bau der Stationsgebäude in Angriff genommen werden konnte, welcher auch den Winter über thätigst fortgesetzt wird, — Der Kaiser hat auf Antrag deS HandelsministerS die Errichtung einer Zentral - Kommission in Wien jum Zweck der Erforschung und Erhaltung der Baudenkmäler anzuordnen geruht. In den Kron- lândern werden an geeigneten Orten zum gleichen Zwecke Konservatoren angestellt. — Die Rückkehr deS Fürsten Schwarzenberg nach Wien dürste kaum vor dem 6. ober 7. b. M. stattfinben.

Wien, 5. Jan. Die Mißstimmung ht Fiume, welche durch die ärgerliche und herausfordernde nativ« nale Anmaßung £er dortigen Kroaten gegen den be» weitem größern Theil der andern Bevölkerung ver, ursacht wurde, scheint sich leider noch gesteigert zu haben. Wie von bett gemeldet wird, hätte vor einigen Tagen daselbst ein bedeutender Auflauf statt- gefunden, wobei die österreichische schwarzgelbe Fahne von einem Theil der kroatischen Bevölkerung herab, gerissen, und statt derselben die dreifarbige kroatische aufzustecken veriuchl wurde. Die Ruhe konnte nur nach Einschreiten der bewaffneten Gewalt hergestellt werdet

Dem Vernehmen nach soll die von Fiume nach Vukovar führende Luifenstraße in eine Pferve-Eisen« dahn umgestaltet werden.

Frankreich,

Paris, 7. Januar. (K. Z.) Die MinisterkrifiS ist noch, unbeenbet. Eine Liste, worauf Odilon- Barrot, Fancher und Ranbon genannt werben, fin­det ben meisten Glauben. — Der „Constitutionnel" widerspricht der Nachricht von der Bildung eines Ministeriums Billaul. — Der legilimistische und okleanistische Verein verlangen die Beibehaltung deS Generals Changarnier.

ES ist daS falsche Gerücht verbreitet, der Prä, sident Napoleon wolle abbanfen und an daS Volk a^kUtreu. — Die Regierung löst an den italieni­schen Küsten Fahrzeuge kreuzen. — Nach Berichten aus Lissabon vom 30. Dez. war vort daS Gerücht verbreitet, der Staatsrath verweigere die britische Entschädigung.

Paris, 7. San. 4 Uhr Nachmittags. Die Ab- setzung deS Generals Changarnier sollte nach den ersten, auch Ihnen geworden Nachrichten auf Wv Verstand von Seiten der Minister gestoßen und die- feS der Grund ihres Entlassungs-Gesuchs gewesen fein. Es ist d a S d u rch a u S fa l sch, da über die Nothwendigkeit her Absetzung Cbangarnier'S im Mi­nisterium Einstimmigkeit herrschte, und füge ich noch eine Aeußerung Daroche'S in dieser Beziehung hin« zu, die lautet: „Die Ehre gebietet eS unS, trotz aller Drohungen der Majorität, diese Absetzung auSjusprechen". Heute heißt eS denn auch daß schon morgen bie Absetzung Chan^arnier'S im „Moniteur" erscheinen und daß man demselben keinen Nachfol­ger geben wird. Auck' will man bestimmt wissen, daß die Führer der Majorität — Legitimisten und Orleanisten — nicht allein ihre Zustimmung ertheilt, sondern auch Changarnier anfgrforvcrl hätten, schleu­nigst einen auSgleicheyden Schritt zu lhun,^ um die, ser Maßregel noch vvrzubengen. Es scheint eben­falls. Heute MiltggS als ausgemacht, daß bis mor­gen die ganze Krisis beendet sein und das Ministe­rium mit einer deSfallsigen Erklärung vor die Nationalversammlung treten wird.