Zu dem Komplot gehören: 1) H. K. Altenkirch, 2) dessen Stiefbruder David Fein in Frankfurt, 3) Karl Sch a'fer und 4) Jakob Langenbach, Kaufleute. vHi ebtilba1, o> der ge- nannte Georg, A.ugl âa ^l nsr von Worms, 6) der Makler Johann F fit cd/. Berndt von Frankfurt und 7) der Pumpenmachâ Theop h. Lieb treu von ebenda. Bis auf letzteren sind die, selben des Verbrechens geständig.
Im Monat September kam Blattner zu Langenbach, einem alten Bekannten, und eröffnete ihm, eS fei etwas zu verdienen, eS sei der R. Mai ohne Erben gestorben; Carl Schäfer habe ächte Blanquette von diesen Mai in Handen und man könne wohl auS denselben Wechsel machen. Schäfer hätte diese Blanquette von gieb treu erhalten. Langenbach entwarf nun den Plan, wie er nachher ausgeführt wurde. Blattner versprach den Mann zu finden, der seinen Namen zu dem Wechsel her gäbe. Er ging zu David Fein und beiDe verfielen auf den Altenkirch, den sie nach Frankfurt bcschieden und der sich auch mit dem Plan einverstanden erklärte. Langenbach über- gaö nach einigen Tagen dem Blattner die Konzepte, zu den Urkunden, welche er in Gemeinschaft mit S ch ä s c r und B e"r n d i konzipirt Halle. B l a t t- ner schrieb die Konzepte über die Blanquette ins Reine lind reiste nach einer Üebereinkunft mit Schäfer, Berndl, Siebtreu und Langenbach nach Diedenbergen um die Unterschrift deS Mai be- gläubigen zu lassen.,
Altenkirch brachte im Anfang der Unter- suchung drei Zeugen bei, welche unbeeidet vernom, weil, mit der größten Frechheit bezeugten, daß Mai die Urkuiide.ln ihrer Gegenwart unterzeichnet habe, als Altenkirch aber gestand, bekannten, daß sie gelogen haben. Heinrich Altenkirch ist verhei- rälhet und hat 6 Kinder, er ist sehr verschuldet, hat einen schlechten Ruf, hat schon wegen MeineidS und Falschmünzerei in Untersuchung gestanden, ist jedoch noch nicht bestraft worden.
Unsern Lesern wird Altenkirch auS der Untersuchung gegen Faust und die beiden Dewald alS derjenige bekannt sein, dem ein Theil der ge- stohlenen Geldsachen von Faust verkauft wurde. Bei seiner heutigen Vernehmung gibt Altenkirch an, er habe den Mai nie gesehen, auch sei dieser niemals bei ihm gewesen. Die Verhandlung wirs von dem Assisenpiâsidenten Trcp ka geleitet; i als Ankläger fungirt StaatSprokurator Reichmann j alö Vertheidiger Dr. Leisler sen.
§* Vom nördlichen Abhang des Taunus, Mitte Dezember. Durch die Dienstpragmatik sollte vorzugsweise ein unabhängiger Richterstand : für das Herzögthum geschaffen werden, wie wenig dieß aber durch diesen Gesetzentwurf erreicht wird, sollen die nachfolgenden Bemerkungen zeigen.
Die Tienstpragmatik enthält nichts über die Gehallè der Richter; fie übirläßt daher die Beförderung des, Richlers von dem geringeren zu dem höheren Gèhälte nach wie vor der Regierung; hierdurch bleibt die Unparteilichkeit des Nichterstandes ' sehr gefährdet. Die Regierung hat eS in der Hand, | jeden Richter, der ihr nicht nach ihrem Sinne ur- * theilt, dadurch, daß sie ihn auf dem niedrigsten Gehalte stehen läßt, zu strafen; es bleibt ihr daher ein unter Umständen sehr gefährliches Mittel, auf die Un- abhängigkest der Richter einzuwlrkcn. Diese Einwirkung hätte der Gesetzentwurf wesentlich vermindern können, wenn er entweder dem Richter ein. mal für allemal einen reichlichen Gehalt bestimmt, oder doch wenigstens daS Vorrücken von einem nie, feieren zu einem höheren Gehalt von einer bestimmten Reihe von Dkenstjahreu abhängig gemacht hatte, ähnlich der Einrichtung , wie sie bereits schon längere Mt f^r unsere Offiziere besteht.
Nach T 2 der Dienstpragmatik werden sodann die JustizämtSsekretäre von der Klasse der Richter ganz ausgkschloffen, während sie doch in Wirklichkeit nur selbstständi'ge richterliche Funktionen aus. üben; es muß diese unbegreifliche Bestimmung zur näheren Prüfung der dienstlichen Stellung dieser Beäwtey führen.
Nach 1. 9 der AmtsverwaltungS-Ordnung vom 4. Sunt 1816 sollen die AmtSsekretäre theils als Stellbertketer der Beamten in Verhinderungsfällen, theils als deren Gehilfen erscheinen. Daß nun die Justizantbssèkretâre in der ersten Eigenschaft wirkliche Richter find, kann doch wohl nicht zweifelhaft sein; da sie gerade in die Stole des JüstizaMt- mannS tketen, so oft derselbe durch Krankheit oder Abwesenheit an her Verschling seines,, Geschäfts rssrhindert sie haben also in dkksem Falle ganz dlèselbefi'ilchterlichen Funktionen, wie der Amtmann.
Äbèr auch als Gehilfen beS AmbMänils er- scheinen die AmtSsekretäre, sowohl nach dem Gesetze, als auch nach der bei unsern Ae'mletn bestehenden Errichtung als selbstständige Richter.
Per ÄmtSsekdetär ist Gehilfe ve's Beckmten, W?NN dieser nicht an der Verschung seiner Geschäfte vkrhtnjierl ist. In dieser Eigenschaft insttuirt üffd entscheidet^ èr äste ihm zugetheilten bürgeilichèn Nnv Slräfsachsn 'fe lbst ständig und unter eigener Verantwortlichkeit ganz so, wie Vieß auch der Defimte selber thut; tr unterschreibt daher awch
alle von ihm erlassenen Beschlüsse. Der einzige Unterschied zwischen ihm und dem Justizbeamlen besteht daher lediglich und allein darin, daß dieser als Vorsteher deS Gerichts die VertheUung der Geschäfte besorgt und' dafür verantwortlich ist, daß dieselben rechtzeitig erledigt' werdest. Dieser Unterschied berührt aber die richterlicheü Funktionen nicht und konnte daher auch unmöglich einen Grund abgebcn, die Justizamtssekretäre nicht als Richter anzucrken- nen. ES ist zwar zuweilen die Behauptung ausgestellt worden : der AmtSsekretär habe als Gehilfe deS Beamten ganz dieselben Funktionen wie der Akzessist, d. h. er sei verbunden, in dieser Eigenschaft lediglich nach Instruktion des Beamten zu arbeiten. Wenn diese Behauptung richtig wäre, so ist nicht einzusehen, warum der angezogene 8. 9 der AmtöverwaltungSordnung zwischen den Funktionen deS Amtssekretärs und beö Akzessisten einen Unterschied gemacht hat.
Durch die Dienstpragmatik ist daher die Stel. lung der JustizämtSsekretäre allen Einwirkungen der Regierung preisgegeben. — Dieß muß zur Folge haben, daß jedes Vertrauen auf deren Rechtspflege schwindet besonders, — wenn StaatSprozesse in Frage stehen. Denn wer will nicht lieber von dem unabhängig gestellten Beamten seine Rechtssache verhandele sehen, als von dem möglicherweise allerlei Verfolgungen ausgesetzten Amissekretär !
Ein unabhängiger Richlerstand wird hiernach durch jenen Gesetzentwurf nicht geschaffen.
t Dam Taunus , Anfang Dez. Wir sind am letzten Sonntag in daS neue Kirchenjahr eingetreten. — Wir haben eS immer schmerzlich empfunden, daß dieser wunderbar tiefsinnige, schön geordnete CykluS christlicher Feste und Erlebnisse, dieser wahrhaft künstlerische Organismus dem christlichen Volke fast ganz und gar alS Ganzes, als daS gesammte innere Leben umfassendes und durchdringendes System aus dem Bewußtsein entschwunden ist. Wer spricht viel von dem christlichen NeujahrStag? in welcher Familie wird der erste Advent besonders gefeiert? sind die Kirchen an diesem Tage so gefüllt, wie eS die Würde dieses Festes erfordert? Was uns aber immer besonders schmerzte , war, daß selbst viele Geistliche zu wenig Gewicht auf die Gesammtheit dieses FestorganismuS legten, die Ganzheit und den inneren Zusammenhang zu wenig in dem vollen Reichthum der Bedeutsamkeit derselben zu entwickeln suchten. So ist denn zum großen Schaden deS kirchlichen Lebens und Einflusses seit einigen Menschenaltern geschehen, daß daS Ehristen- Volk sein Kirchenjahr fast ganz vergessen hat. Ein großer Trost für das mit Abgründen aller Art um, gebene Erdenlebeur ist damit,gefaUen. Einen bedeu- tendön Theil' c er Schuld daran irâffen natürlich die Diener der Kirche selbst, indem gar viele von ihnen eS versäumten, der christlichen Gemeinde nachzuwci, sen, wie das Kirchenjahr ihr eignes inneres Leben in geistiger Wiedergeburt und Verklärung darstelle. Die Dogmen wurden nicht, wie es Paulus und Luther wollten, mit dem innern Leben deS Einzelnen vermittelt. So hat unsere Zeit im Allgemeinen die alte religiöse Sprache verlernt. Wiedergeburt, allgemeine Kindschaft Gottes :c. sind ihr dunkle, nl» btrne Ausdrücke geworden, oder sie legt einen oberflächlichen Begriss hinein. Die protestantische Kirche hat eS versäumt, das Leben der Natur und die Geschicke deS Vaterlandes lebendig mit ihrem Kirchenjahre zu verflechten. Im ersten Punkte ist die katholische Kirche voran, wenn die protestantische auch nicht in Allem folgen kann. Das Erntefest wird neuerdings auch in evangelischen Kirchen sinniger begangen. Aber daS Leben der Nation, deS StaaleS , der Gemeinde haben beide Kirchen nicht so mit sich verknüpft, wie eS in ihrem Interesse lag und zum Heil deS VolkSgeisteS gereichen mußte. In diesem Jahr haben wir auS mehreren Kirchen von erfreulichen Adventspredigten gehört. Der Zustand deS Vaterlandes, wo manche Parteien nach Bruder- blut zu dürsten scheinen, wurde ernstlich in Betracht gezogen. Tritt die Kirche wieder alS ernste Rich, terin zwischen Mächtig und Gering auf, wirft sie den befreienden und versöhnenden Inhalt deS Kirchenjahres an jedem Sonntag mit feurigen Worten in feie Gemeinde, so wird der Volkögeist balv edler werden und die Kirche wieder eine wohlthätige Lkbenömacht sein.
X Dillenburg, 12. Dezember. Bei der am 4. und 5. Dezember stattgehabten Neuwahl zur Ergänzung deS Gemeinderathes wurden zu Gemeinde- räthen gewählt:
Im I. Distrikt: Herr Maurermeister Daniel Schmidt; im II. Herr HofgerichtSrath Hehner; im Hl. Herr Metzgermeister Christ. Weber II.; im IV. Herr Garnsabrikant Philipp Braun; im V. Herr Uhrmacher August Krüger; im VI. Hr. Wilhelm HaaS, früherer Rathkassirer.
Ö t Hachenburg, 15. Dez Bei bet gestern und vorgestern hier staltgehabttn GemeinderathSwahl wurden zwei der seitherigen Mitglieder, Heinrich Bierbrauer zum Nassauer Hof und Bäckermeister L ucken ba ch wieder gewählt, und alS neueintretenve Ländwirth Heinr. Altbürger und Maurermeister
Wilhelmi. Wir kennen diese letzteren noch zu wenig, als daß wir uns im Voraus schon ein Urtheil über sie erlauben sollten, hätten eS übrigens lieber gesehen, wenn ihre Mitkanbidatcn, Apotheker Mergler und Steuerkommiffâr Achenbach ge- rrtählt worden wärenda wir «on ihnen wissen, daß sir mit Einsicht und GeschäftSgewandiheit auch die nöthige Energie besitzen.
Unser hiesiger Fruchtmarkt ist in der letzten Zeit sehr bedeutend gewesen. So waren am letzten Donnerstag an 200 hiesige Malter Hafer (ungefähr 500 Mainzer) zum Verkaufe aufaestellt, Korn und Gerste jedoch in weit geringerer Quantität.
O Vom Westerwald, 14. Dezember. Vor einigen Tagen kam in dem Dorfe Großseifen, Ju, stizamis-BezirkS Marienberg, eine Frau mit drei gesunden Mägdlein nieder. Diesen Glücksfall traf wie gewöhnlich einen armen Mann , welcher schon reichlich mit Kindern gesegnet war. Die öffentliche Wohlthätigkeit hat sich aber sogleich ins Mittel geschlagen und alle guten Frauen in der Nähe ließen eS sich nicht nehmen, daS Wunder zu schauen und ihr Scherflein an der Wiege der Drillinge, welche bis jetzt, mit der Mutter ganz munter sind, zu opfern.
Frankfurt, 12. Dez. Graf Rechberg hat, wie eS heißt, wiederholt seine Abberufung von dem Posten eines Bundeskommissärs bei der BundeSver, sammlung beantragt. Diese ist aber weder auf den Antrag deS kaiserlichen Hofes noch auf den deS Grafen Rechberg bis jetzt eingegangen, vermuthlich weil eS sich dabei nicht um einen bloßen Personenwechsel, sondern vielmehr darum handeln würde, anstatt eines Bundeszivilkommissärs auf den Grund der BunbeScrekutionSordnung wie Graf Rechberg barsteUte, einen Kommissär lediglich auf Basis der Olmützer Konvention zu ernennen, also mit ganz anderem Charakter, anderer Kompetenz, anderen Instruktionen. Ehe die Bundesversammlung aber einen Akt vornimmt auf den Grund der Olmützer Konvention, muß sie diese selbst erst genehmigen. DaS ist aber bis diesen Augenblick noch nicht geschehen , weil die von den Regierungen dießhalb erbetenen Instruktionen noch nicht eingetroffen sind.
Kassel, 14. Dezember. (D. Z.) Die Ankunft der Bayern ist den preußischen Soldaten heute auf der Parade notifizirt worden mit dem Bemerken, daß sie dieselben mit Freundlichkeit empfangen und behandeln möchten, damit sich hier nicht die blutigen Szenen wiederholten, welche in neuester Zeit in Frankfurt so viel Aergerniß gegeben hätten. Doch fürchte ich , daß trotz der guten Disziplin der Preußen und der Ermahnungen der OWen, es^ schwerlich gelingen wird, den Frieden zwischen beiden Truppentheilen zu erhalten.
Kassel, 15. Dezemb. Heute Morgen hat das 2. Bataillon des 32. Regiments, der letzte Rest der am 3. Nov. eingerückien Truppen , uns verlassen; dasselbe marschirt über Erfurt nach Halle.
Die Bürgerwehr in Marburg, woselbst seit dem 12. ebenfalls der Kriegszustand proklamirt worden ist, wurde gestern entwaffnet.
Stuttgart, 15. Dez. Der „Beobachter" berichtet r Schnitzer ist verhaftet, und zwar in Folge ergangenen VerweisungSerkenntnisseS, als Angeklagter im Reutlinger Prozeß, der nun dem Rottweiler Prozeß folgt. Er wurde in einer Droschke, um Aufsehen zu vermeiden, noch gestern Abend, eine Stnnde nach seiner Verhaftung, mit dem ebenfalls aus dem gleichen Grunde verhafteten Buchhändler C. Thr. Griesinger nach HohenaSl erg abgeführt, Eine zweite Droschke stand vor dem Kriminalamt, um der ersten zu folgen. Wir wissen noch nicht, wer in ihr befördert werden sollte. Professor Wilhelm Zimmermann, Mitglied der drei verfas- sungberalhenden LandeSversammlungen, ist ohne weiteres entlassen worden.
AuS Thüringen, 12. Dezbr. (D. A. Z.) ES ist schon jetzt kein Zweifel, daß unsere Regierungen sich an den Dresdener Konferenzen betheiligen, und in allen entscheidenden Fragen mit Preußen stimmen werden.
Dresden, 14. Dez. StaatSminister Dr. ZschinSky machte heute der zweiten Kammer die Anzeige, daß nun auch in Sachsen, nachdem man in Preußen eine allmälige Demobilisirung de r Truppen habe eintreten lassen, daS Gleiche stattfinden werde.
Hannover, 13. Dezember. Das Bürgervor- steherkollegium hat auf den Antrag von Schläger und Stechau mit allen gegen zwei Stimmen beschlossen, das Ministerium aufzufordern, den Durchmarsch von ErekutionStruppen gegen Schleswig- Holstein nicht zu gestatten und in Bezug auf die deutschen Angelegenheiten die Beschlüsse deS Bundes vom 30. März und 7. April 1848 jur Geltung zu bringen; ferner zur Dresdener Konferenz einen Mann zu senden, der neben staatlichen Kenntnissen
