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schuldigten Diebstahls und der Landstreicherei schul­dig erkannt und als rückfälliger Verbrecher zu einer achtjährigen Zuchthausstrafe verurtheilt.

* Wiesbaden, 14. Dez. (Assisenverhandlungen gegen Rudolph Braubach, 56 Jahr alt, Revi- sionSralh wegen Veruntreuung). Rud. Braubach ist angeklagt, daß er während seiner Dienstführung als Rezepturbeamter zu ,'Kronberg aus^ der feiner Verwaltung übergebenen Rezeptur-Kaste sich einen Geldbetrag von 1821 fl. zugeeignet, und in der Absicht, um diese verübte Veruntreuung im Dienste zu verstecken, au Herzogliche SlaatSkaffendirektion falsche Kaffenberichte der Art erstattete, daß er den Baarvorrath der Herzoglichen ^Rezeptur um obige 1821 fl. zu hoch angegeben; eventuell, daß er Diese falschen Kaffenberichte in der Absicht erstattet bat, einen von ihm in der Rezeplurkasse entdeckten Ab­gang von 1821 fl. zu verstecken.

Bei der am 16. November vorigen JahreS vor­genommenen Visitation seiner Rezeplurkasse gab der Angeklagte an, daß ihm der Vorgefundene Defekt nicht unbekannt sei, daß ihm dieser Betrag als er einmal über Nacht ohne Urlaub abwesend war, entwendet worden sein müsse, und daß er in Hoff­nung, den Betrag im Stillen zu decken, den Defekt verschwiegen habe, um wegen der Entfernung ohne Urlaub keinen Verweis zu erhalten.

AuS der Untersuchung ergibt sich, daß der An- geklagte vor der Kassenvisitation zu wiederholten Malen und zwar wie er angibt in der 2. Hälfte des MonatS Oktober, unmittelbar nach Entdeckung des Defektes, um Übersendung einer bedeutenden Geldsumme an seine Gattin, welche damals gerade in Kaub bei Verwandten zu Besuch war, geschrie- den habe.

*5* Wiesbaden, 12 Dez. Vor einigen Ta­gen sind die Mitglieder des hiesigen Komites für Erbauung einer Eisenbahn über den Westerwald nach Deutz, welche sich auf Veranlassung unse­rer Regierung zur Betreibung dieser Angelegenheit nach Berlin begeben hatten, von dort zurück­gekehrt. Der Erfolg ihrer Mission soll über alles Erwarten günstig sein. Von dem Hrn. Geh. Rath Voll Pracht in jeder Weise auf daS Zuvorkom­mendste unterstützt, und bei allen jenen Staatsbe­amten eingeführt, auf deren Gutachten eS bei der Frage um Ertheilung einer Konzession zur Erbau­ung jener Bahn ankommen wird, ist eS den eifrigen Komitemitgliedern gelungen, die Vortheile deS frag­lichen Projektes am gehörigen Orte geltend zu.ma, chen. DaS Resultat ihrer Bemühungen soll die Gewißheit sein, daß Preußen sowohl in kommer­zieller als strategischer Hinsicht der Bahn über den Westerwald vor allen anderen in Vorschlag gebrach­ten den Vorzug geben und nach erfolgter Ausser- ligung der erforderlichen Pläne dem Bau nicht hin- derlich sein wird. Da die -Bahnlinie Nassau der Länge nach durchschneiden soll, und zwei Drittheile derselben auf nassauischem Gebiete liegen werden, so wird eS vorzüglich von unserer StaatSregierung abhängen, ob dieser für daS Land so wichtige Bau ausgesührt wird oder nicht. Wir glauben, daß eine schleunige Beschlußfassung in dieser Angelegen­heit erforderlich ist, indem eine Verzögerung leicht der Regierung die Entscheidung der Frage auS den Händen winden könnte. DaS wäre aber um so mehr zu bedauern als in diesem Falle, Nassau viel, leicht kaum berührt von dem großen Eisenbahnnetze Deutschlands, der unermeßlichen Vortheile auf lange, wenn nicht ans immer entbehren würde, welche ein durch daS Herz des Landes führender Schienenweg bieten muß.

§§ Aus dem Nassauischen. Auch die armen Waisenkinder leiden durch den unglückseligen 4ten März 1848. Früher wurden in den ersten Tagen eines jeden Quartals den Pflegern der Waisenkin­der ihre Pfleggelder vom abgelaufenen Quartal durch die Rezepturen ausbezahlt und jeder Pfleger konnte schon bestimmte Zusage machen, dann und dann bezahle ich dies und jeneS; aber jetzt, hören Sie, am 12. November 1850 wurden erst die mei­sten Pfleggelder fürs 3. Quartal 1850 ausbezahlt. Ob die Verspätung an dem KreiSamt, den Bürger­meistern, Rezepturen oder Revisoren bei dem Mini­sterium liegt, mag dahin gestellt bleiben, nur so viel wäre wohl alS billiger Wunsch nieder zulegen, daß daS sich als betroffen fühlende KreiSamt in der Folge um schnellere Beförderung dieser Angelegen­heit Bedacht nehmen möge.

B. Bon der Lahn, 13. Dezember. Daß sich ein Rezepturbeamter, weil er um den Verlust seiner Fruchtprozente besorgt ist, mit einer eindringlichen Vorstellung an die Ständekammer gewendet hat, finden wir ganz in der Ordnung, und wir wollen hoffen, daß unsere Negierung die Herabsetzung deS Einkommens der Herzogl. Rentmeister sowohl für unbillig als auch für unzweckmäßig erkennen wird. Doch haben wir eine Stelle der in Nro. 292 d. Bl. abgedruckten offenen Vorstellung eines Nezep- turbeamten mit Mißbehagen gelesen. ES ist die, wo eS heißt: Während Sie den Steuerkommissären je. Wir glaubten, hier zwischen den Zeilen lesen zu

können l seht da ihr Stände, da ist zuviel, die Steuerkommissgre Md Landoberschultheißen haben so übermäßige Einkommen, daß ihr ihnen abstrei, chen, aber uns Rezepturbcamten, was wir haben belassen oder lieber noch mehr geben könnt. Obgleich wir hierbei nicht eine schlechte Absicht, sondern nur eine Unkenntniß der Verhältnisse erkennen wollen, so finden wir unS doch veranlaßt, auf daS Unhalt, bare dieses Satzes, welche schon die Red. b. Bl bemerkte, wie auS der von ihr beigefügten Anmer­kung erhellt, kurz aufmerksam zu machen.

WaS die Landoberschultheißen betrifft , so ist daS Einkommen dieser Beamten vor und nach un­serer glorreichen Erhebung so sehr beschnitten wor­den, daß eS wohl Wenige mehr glauben, wenn be, hauptet wird, es sei Dasselbe noch unverhältnißmâßig hoch. Diese Stellen haben die Holzversteigerungen, die Budget- und Rechnungsstellung eingebüßt, was ge­rade da, wo die Einkünfte am größten waren, auch die bedeutendsten Ausfälle gab. Wer hat aber auch nur ein Wort darüber verloren, als man diesen Herren mit einem Federstrich Hunderte von ihrem Einkommen hinwegnahm? Und ebenso ist eS mit deu Stcuerkommissâren, welchen man die Gebühren für daS Ab- und Zuschreiben in den Lagerbüchern und Grunvzinsregistcrn entzogen hat, ohne sich nur zu der Frage herbeizulassen, ob die Billigkeit, die Gechtigkeit nicht eine Entschädigung erheischen. Was deren Aversionalsumme bei Miethe eines Lo­kals zum Bureau und zur Registratur, die bedeu­tend ist, für sämmtliche Gehülfen, für Schreibmate, rialien und die nicht geringen Reisekosten betrifft, so behaupten die Herren Steuerkommissâre, daß die­selben bei Weitem nicht ausreiche, und daß sie von ihrem Dienstgehalte zusetzen müßten bei Be­streitung dieser Kosten.

Der Verfasser der offenen Vorstellung hat, wie unS scheint, noch nicht genau erkannt, in welcher Zeit wir leben. Hätte er dieß, so würde seine Vor, stellung in mancher Beziehung anders geworden sein. Wie? werden wir vielleicht später aussprechen. Jetzt sei nur bemerkt, wie gegenwärtig die Meinung allgemein ist, daß die Angestellten zu hoch besoldet seien. Es ist diese Ansicht durch manche früher allerdings zu hohe Einkommen entstanden und wird nun auf fast alle ausgedehnt, dieß mit so größerem Vergnügen, als man dadurch glaubt, die StaatS- auSgaben und den Druck, worüber die Leute (heute wie immer) klagen, zu mindern. Daß aber den rei­chen Bauern mit dem Zehenlablösungsgesetze Millio­nen geschenkt worden, daran denkt Niemand.

y Vom Westerwald, Anfang Dezember. Die neueste Nummer deö nassauischen VereinSblatteS bringt einen erlisten Artikel über die gewerblichen Zustände unseres KrugbäckerlandeS. Da auch und diese Verhältnisse bekannt ^sind , wollen wir noch Einiges Hinzufügen, denn eS ist wahrhaft schimpf­lich für unS, daß wir diese Angelegenheit nicht früher ins Auge gefaßt, und den Uebelständen nicht früher abzuhelfen gesucht haben. Die überaus reichen La­ger deS trefflichsten Thons auf dem westlichen Ab­hänge deS WesterwaldeS haben schon seit langen Zeiten her eine sehr umfassende Töpferei und Krug­bäckerei in6 Leben gerufen; deren Erzeugnisse über einen bedeutenden Theil von Europa hin verführt werden. In neuerer Zeit jedoch hat diese Jndustrit im Umfang eingebüßt. Unternehmende Köpfe in benachbarten preußischen Rheinstädten haben viele Gruben an sich zu bringen gewußt, und verführen nun Millionen Thonblöcke nach England, woselbst die Industrie die größten Vortheile auS diesem treff­lichen Material zieht. Leider hat zwischen den Krug­bäckern ost nicht der Geist der Brüderlichkeit und des GemeinsinnS geherrscht. Wenn ein Kannen­bäcker auf „schwachen Füßen" stand, ward er ab­sichtlich durch Vertheuerung seines Holzes auf der Versteigerung rc. ganz todt gemacht. Seine Gru­ben wurden aber dann meist von Fremden gekauft. So könnte das ganze Kannebâckerland zu Grunde gerichtet werden,' indem alle Industrie zerstört wurde, und am Ende nur noch die Thongräbe für fremde Fabriken übrig bliebe. Das Vereinöblatt weist bitter darauf hin, daß dann die gütige Natur durch die reichen Mineralquellen deö Landes wenigstens noch einen Zweig der Industrie vor völligem Ver­fall bewahren werde. Herzog Wilhelm ward auf den Verfall des KrugbäckerlandeS aufmerksam und beabsichtigte, wie das Vereinsblatt richtig bemerkt, durch eine Musterfabrik dem für unser Land so wichtigen Gewerbe einen neuen Aufschwung zu ge­ben. Er nahm aber diese schöne Absicht mit inS frühe Grab. Ueber die darauf erfolgenden bureau« statischen Untersuchungen und schultheißlichen Be­richte erzählt man sich Wunderbares von volkSwirth- schaftlicher Einsicht; z. B. wollte man den Fuhrlohn der Ausfuhr nicht schmälern, indem man nicht be­dachte, daß die Verarbeitung im Lande zehnmal mehr einbringen würde. ES ist zu erwarten, daß die Regierung diesen großen Reichthum unseres Gebir­ges würdige und durch „Zeichenschulen, Mittheilung neuer Muster, Konsularbcrichte über Nachfragen in fremden Handelsplätzen" ic. unterstützen werde.

Frankfurt, 11. Dez. Dem Schwâb. Merknr wird von hier geschrieben! Bis gestern Abend war

dem"iSenat noch keine Einladung zu den freien Konferenzen zugegangen. Inzwischen bezeichnet man vorläufig den Schöffen u. SvndicuS, Dr. jur., Har- nier als diesseitigen Bevollmächtigten.

In der Allgemeinen Ztg. werden auS Frank­furt a. M., folgende Vermuthungen über die auf den Dresdener Konferenzen beabsichtigte Gestaltung der Dinge gemacht: Die Grundsätze der Bundes« akte würden danach, sowohl waS die Souveräne unter sich, als was die staatsrechtlichen Verhältnisse im Innern betrifft , keine erhebliche Abänderung erleiden, aber eö würde zum Vollzug eine Bundes, regierung und ein Bundesgericht eingesetzt werden. Die Bundesregierung würde von Oesterreich, von Preußen und von den übrigen Bundesländern be­stellt, indem diesen drei Körpern — von denen der dritte noch zu organisiren ist — die Exekutive zu­gesprochen würde, woraus die Bestellung der Bun­desregierung folgte. Für gewisse Fälle, die, ohne in die Gesetzgebung überzugreifen, ihrer Wichtigkeit wegen eine allgemeinere Berathung und Beschluß­nahme foderten und soviel möglich zu spezifiziren Wären, träte der BundeSrath ein. Derselbe wäre zusammengesetzt auS den Bevollmächtigten sämmt­licher deutschen Regierungen und zerfiele wie bisher in den engern Rath und daS Plenum. DaS letz­tere wäre in den Fällen thätig , wo eine Vorberei­tung der Gesetze durch die Versammlung der Ab­geordneten beim Bundestage statutenmäßig nöthig sei; alSdann bildete das Plenum, ohne diesen Na­men zu führen, gewissermaßen ein Staatenhaus ober einen zweiten Faktor der Gesetzgebung, und den dritten, daS mit der Exekutive betraute Organ. Auch zur Vornahme derjenigen Akte der Gesetzge­bung , welche eine parlamentarische Mitwirkung nicht erfoderten, sei der weitere Rath berufen.

Die Bevollmächtigten der zu einer Stimme im engern Rath vereinigten Regierungen könnten die­selbe abwechselnd führen. Im Plenum würden sie jede besonders vertreten sein, um die Versammlung der Zahl und den Kräften nach ansehnlicher zu machen. Den Bedenken wegen der Kostspieligkeit lasse sich begegnen, wenn man die Bevollmächtigten nicht alS Gesandte charakterisire und nicht den Maß­stab für ihre Lebensweise von diesem gewohnten Begriff entnehme. In dieser Hinsicht lasse sich durch den Einfluß der größern Mächte und daS Beispiel ihrer Bevollmächtigten, vielleicht auch durch regle« mentarische Bestimmungen wirken. ES bedürfe üb­rigens nur der periodischen Anwesenheit von Be­vollmächtigten aller Regierungen. Dagegen sei die Bundesregierung und das BundeSgericht permanent, und der Zusammentritt deS engern und deS weitern Raths, sowie der Abgeordnetenversammlung statuten­mäßig festzusetzen mit der Befuqniß der BundeS- Regierung zu außerordentlichen Einberufungen

Coblenz, 11. Dezbr. Es scheint nunmehr lei­der gewiß zu sein, daß der hier weilende Hof der Frau Prinzessin von Preußen unS in Kurzem ver­lassen wird. Dem Vernehmen nach würde dies so­gar schon gegen Mitte dieses MonatS erfolgen.

Kassel, 11. Dezember. DaS 7. Armeekorps , welches bekanntlich seinen Rückmarsch bereits ange­treten hat, soll bei Paderborn als Observationskorps ausgestellt werden.

Kassel, 12. Dezember. Die bayerisch-österre!« chischen ErekutionStruppen haben nunmehr auch mit der „Vergewaltigung" deS erst seit etwa 2 Jahren bestehenden, höheren OrtS früher wiederholt als ausgezeichnet anerkannten ObergerichtS zu Roten­burg den Anfang gemacht. Vorerst sind Dem Direk­tor 10, den Räthen je 8, den Assessoren je 6 Mann als zehrendes Kapital eingelegt worden und ist nur ein zu den „Frommen" gehöriges Mitglied, welches schleunigst dem Treubund beigetreten war, verschont geblieben.

Die Nachricht, der Stadtkommandant General, Major von Starck (nicht Storch) sei bereits auS Bockenheim hierher zurückgekehrt, hat sich als un­gegründet erwiesen.

Kassel, 12. Dezbr. Der kön. Preuß. General­lieutenant v. Peucker und der k. k. österreichische F.-M.-L., Graf von Leiningen, werden heute hier erwartet. Oesterreichische oder bayerische Besatzungs­truppen sind bis jetzt noch nicht eingeiroffen, dage­gen sind solche in Rotenburg eingerückt.

Stuttgart, 12. .Dezember Der Würtemberg. Staatsanzeiger bezeichnet die Gerüchte, welche man verbreitet hat, als ob unsere StaatSregierung gegen die Olmützer Punktation protestirt habe oder Prote­stiren wolle, alS vollkommen ungegründet.

Dresden, 10. 5)ej. Der Lehrer Thürmer auS Meißen, dessen Flucht wir gestern aus der D. Ztg. berichteten, hat Diese dadurch bewerkstelligt, daß er in Abwesenheit deS Gefängnißaufsehers mit Hilfe seiner Frau und mehrerer Freunde sich entfernte, ohne daß eine Spur von Verletzung an der Gc- fângnißthür zu bemerken gewesen wäre. Er soll sich aus den Oberboden der Frohnveste geflüchtet, über daS Dach des Hauses Hinweggeklettcrt fein und