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Minorität waren. Leidenschaftliche Opposition führt jetzt keineswegs zum Ziele. Gefährlicher aber auch im Grunde höchst verächtlich ist die Kreuzzeitung: die Masse der Persönlichkeiten, die darin vorkommten, erinnert unS an jeglicher Zeit, da Saphir mit sei­nem Courier das Publikum amusirte, nur daß er seiner war. Daß der Absolutismus sich mit solcher Unsittlichkeit paaren mag, richtet ihn^übrigenS am raschesten zu Grunde.

Berlin, l0. Dezember, Abends. (Tel. Dtp. d. K. Z.) Ein königlicher Erlaß, welcher heute er­schienen, ordnet an, daß bei der Mobilmachung der Armee Reduktionen eintreten sollen.

* Aus Schleswig, 8. Dez. Die D. A. Ztg. schreibt: Mit dem heutigen Mittagszuge ist Gene­ral V. Willisen auch bereits nach dem Süden, zu­nächst nach Altona, abgereist, sein Bestimmungsort ist jedoch noch unbekannt; wahrscheinlich wird er sich noch einige Zeil in Hamburg aufhalten. — (Willisen begibt sich, der Kola. Ztg. zufolge, vor­läufig über Köthen, wo sein Bruder sich befindet, nach Schlesien zu seinem Schwager, dem Grafen Aork, bei dem er auch gelebt, als der Ruf der Statthalterschaft an ihn gelangt war. — Seine zwei Adjutanten und noch ein Offizier begleite; ten den General bis Hamburg. Er ist unter- wegeS, von Rendsburg nach Altona, erkannt, bei Elmshorn (wie auch an anderen Punkten der Route) von der versammelten Menge zwar mit lautem Hoch, aber auch mit einem Steine begrüßt worden, der in sein Coupe flog.)

Nachträglich erfahren wir, daß der Grund deS Abganges deS Generals v. Willisen darin zu suchen ist, daß derselbe fich unter den gegenwärtigen Um­ständen, wo Preußen und Oesterreich gemeinsam gegen die Herzogthümer vorschreiten und wo bis zum 15. Dez. sämmtliche preußische Unterthanen, die der Reserve oder Landwehr angehören, die fchleS- wig-holsteinische Armee verlassen müssen, gegen eine fernere Fortführung des Kriegs und gegen einen Widerspruch gegen die beiden Großmächte, entschie­den ausgesprochen hat. Die Statthalterschaft blieb jedoch bei ihrem Grundsätze unverbrüchlich fest und wollte eine energische Fortführung der Sache. Hier- auf erklärte der General, da Dies mit seinen An­sichten nicht vereinbar, seinen Abschied nehmen zu müssen, der ihm denn auch ertheilt wurde.

(Wir entnehmen noch der Köln. Ztg., daß, als General-Mojor (jetzt General-Lieutenant) v.d. Horst das Oberkommando zu übernehmen sich bereit er­klärte, er von demjenigen Verlangen, das Willisen in die Alternative bracht , ihm zu entsprechen oder abzutreten, nicht. unterrichM flSÄÄ.M. EL. stand also von dem jetzt Kommandirenden noch eine sehr folgenreiche Entschließung zu erwarten.)

cf Rendsburg, 8. Dezember. Ich übersende Ihnen hier drei Proklamationen, welche Sie von der bei unserer Armee vorgenommenen wichtigen Aenderung unterrichten werden. Ich bin noch nicht in der Lage über den Grund des Rücktritts des Ge­nerals von Willisen Näheres offenbaren zu dür­fen; vorläufig die Andeutung, daß General v. Wil- liseu sich für eine friedliche und gütliche Betlegung unserer Sache gegen die Ansicht der Statthalter- schaft entschied, deren Ausdruck Sie in den letzten Worten der von ihr erlassenen Proklamation finden können.

An die Armee! Die Statthalterschaft macht der Armee bekannt, daß in der Person des kommandireudcn Generals ein Wechsel eingetreten ist. Der Generallieulenanl v. Willisen hat daS Kommando niedergelegt, dasselbe ist dem General­major Frciherrn v. d. Horst übertragen worden. Die Statthalterschaft dankt dem scheidenden General für seine mit großem Muthe urd unermüdeter Thä­tigkeit dem Heere geleist.ten Dienste, und spricht gegen die Armee die Erwartung auS, daß sie ihre erprobte Tapferkeit, ihre Disziplin, ihre Ausdauer in Ertragung aller Beschwerden deS Krieges auch unter dem neuen Führer bewähren wird. A u f d e r Armee beruht b i e H o f f u u n g d e S Landes. Rendsburg, den 7. Dezbr. 1850. Die Statt­halterschaft der Herzogthümer Schleswig-Holstein. Revcntlow. Befeler.

An die Armee! Die Hohe Statthalterschaft hat mich von dem Oberbefehl der Armee entbun­den. Es zeigte sich eine Differenz der Ansichten, die nicht anders zu lösen war, als durch meinen Rücktritt. Ich scheide mit der Ueberzeugung auch bei diesem letzten und schwersten Schritte nur meine Pflicht gethan zu haben. Ein kommandirender General kann und darf nur seiner eignen Ueber­zeugung folgen. Der Abschied ist ein schwerer für mich. Nach so großen gemeinsamen Erlebnissen zu­mal im Unglück fühlt man sich fcstgcbunden und reißt sich nur mit Schmerzen los.

Ich danke der Armee für AlleS, was sie unter meinen Augen geleistet hat. Wer die Verhältnisse, die erschwerenden Umstände kennt, wer die Schwierig­keiten, besonders den Mangel an Offizieren gesehen, mit dem täglich zu kämpfen war, der muß gestehen, daß die Armee Außerordentliches geleistet hat. Die Schlacht von Idstedt, gegen einen an Zahl und

alter Organisation'weit überlegenen Feind geliefert, ist die blutigste und best bestrittene der neuesten Kriegsgeschichte. Der Sturm auf Missunde und Friedrichsstadt waren tapfere männliche Thaten. Der 9te Mann der Armee hat die Schlachtfelder mit seinem Blute benetzt. DaS Unglück hat unS keinen Augenblick gebeugt, immer standen wir kampf­bereit wieder da. Ich lasse die Armee stärker und besser zurück, als sie je gewesen , .sie ist auf das Beste gerüstet und große Forlifikalionen, welche ihr Werk sind, stehen ihr zur Seite. — Soldaten! Seid eurem künftigen Führer gehorsam, wie ihr es mir gewesen, und was auch kommen mag, bewahrt euch den Ruhm bis zuletzt ausgeharrt zu haben in strengem Gehorsam, in fester Ordnung. Nächst der Tapferkeit, die ihr zeigt, wird dqs euer größter Ruhm sein. Gott sei mit euch und eurer gerechte» Sache. Rendsburg, den 8. Dezember 1850.

v. Willisen, General-Lieut.

An die S ch les w ig-Holst ei nische A r - mee. Nachdem durch Beschluß der Hohen Statt­halterschaft daS erledigte Generalkommando der Ar­mee auf mich übergegangen ist, begrüße ich Euch, meine Waffengefährlen, als Euer neuer komman- dirender General, mit dem herzlichen Wunsche, daß es mir gelingen möge, Eure Achtung und Euer Vertrauen zu gewinnen. Je größer die Ehre ist in so verhängnißvoller Zeit zum Kommando berufen zu werden, je schwerer wiegen auch die übernom­menen Pflichten. Ich bin mir dessen im Hinblick auf die ausgezeichneten Eigenschaften meines Vor­gängers um so mehr bewußt; aber ich vertraue auf Gott, daß er mir helfen werde, sie zu erfüllen und durch Euch, meine braven Schleswig - Holsteiner, unsere gerechte Sache mit Ehren zu Ende zu führen. Und so laßt uns denn in Vertrauen und Eintracht, ungebeugten Muthes, und nicht achtend der drohen­den Gefahren, unseren ehrenvollen Weg verfolgen. Vertrauet mir, wie ich Euch vertrau«. RcnbS, bürg, den 8. Dezember 1850. Der kommandirende General Freiherrr v. d. H o r st.

Großschönau, 6. Dezbr. (N. Dr. I.) Soeben erhalte ich die zuverlässig Nachricht, daß in Warns­dorf, dem böhmischen Gränzdorfe, 900 Mann Kro­aten vom reinsten Wasser angelangt sind und Quar­tier bezogen haben.

Wie», 5. Dezbr. Die Mission deS badischen LegationSrathes Freiherrn von Andiaw an den hie­sigen Hof beschäftigt einigermaßen die Vermuthun­gen aller, denen die Lösung der deutschen Frage am Herzen liegt. Dem Vernehmen nach handelt es sich um die Eventualität eineS Thronwechsels und zu- gleich zim ein entschiedenes Euiüe^enwriken gegen gewisse groß-deutsche ZerstückelungS - Plane , falls eS zu einer Einigung zwischen Oesterreich und Preu- ßen käme.

Wien, 7. Dez. Wer zu den Dresdener Kon­ferenzen von hier aus abgeordnet werden wird, ob der Ministerpräsident Fürst Schwarzenberg selbst, oder der in dieser Beziehung schon mehrfach genannte Geh. Rath v. Werner, ist noch unentschieden; doch bestätigt sich die Mittheilung, daß die Konfe­renzen im Laufe der nächsten Woche beginnen und mit dem Ende deS Jahres geschlossen werden. — Trotz aller Vorbereitungen zu einem längeren Au­fenthalte hier, will man in wohlunterrichteten Krei­sen wissen, daß Feldmarschall Radetzky schon in der nächsten Woche nach Italien die Rückreise wieder antreten werde. — In Bezug auf den Grafen West­moreland vernimmt man, daß seine Sendung an den hiesigen Hof nur eine zeitweilige sein, und er demnächst nach Berlin zurückkehreu werde.

Von dem Hermanstädter Kreiögrricht wurden zu Ende des vorigen Monats Urtel gegen ehemalige f. k. Offiziere wegen Hochverraths bekannt gemacht. Bei 17 lauteten sie auf Tod durch den Strang, welche Strafe aber auf dem Gnadenwege in mehr oder minder langwierigen FcstungSarrcst umgrwan- delt wurde. Auch die auf Kerker lautenden Urtheile gegen komprowillirle Beamte wurden im Gnaden­wege sämmtlich gemildert.

Wien, 7. Dezbr. Die Truppenbewegungen scheinen noch nicht eingestellt zu sein. Wie ich eben höre, wird unS die Südbahn dieser Tage abermals 15,000 Mann Truppen zusenden.

Wien, 7. Dez. Das Gesetz wegen Einführung deS Tabackmonopols in Ungarn liegt be.citS dem Kaiser zur Sanktion vor. Die Bestimmungen dessel­ben sollen noch vor diesjähriger Bestellung der Fel­der Wirksamkeit erlangen.

Wien, 9. Dez. Die Abendausgabe des Lloyd berichtet, daß morgen beiderseits reduzirt wird zum früheren StatuSquo.

Krankreicb

Paris, 7. Dezember. Man spricht heute wie. der von der nahe bevorstehenden Abreise deS Herrn Persigny nach Berlin.

Paris, 7. Dezember. Der Porsteber d# So# zartsten - Klosters zu Aleppo ist zum Zwecke von Sammlungen für die dortigen Opfer des Aufstandes hier eingetroffen.

Paris, 8. Dezbr. Der Ausschuß, welcher von der Nationalversammlung mit der Prüfung deS An­trages deS Herrn Viktor Lefranc für Revision des Wahlgesetzes vom 31. Mai beauftragt worden, hat sich in feiner gestrigen Sitzung gegen diesen Antrag ausgesprochen.

DaS Fest, welches am 10 Dezember, als am Jahrestage der Wahl Louis Napoleons zum Präsi­denten der Republik, im Stadthause gegeben werden soll, wird nach den dazu getroffenen Vorbereitungen höchst glänzend werden. Der Präfekt des Scine- Departements, Herr Berger, hat über 25,000 Ge­suche um Einladungskarten erhalten. Mehrere Tausend Engländer haben durch Vermittelung der britischen Botschaft sich um Karten zu diesem Feste beworben.

Hr. Mon wird heute Paris, wo er seit einiger Zeit feinen Aufenthalt genommen, verlassen, um sich nach Madrid zurückzubegebrn. Es heißt, er sei durch Depeschen der Königin von Spanien zur Rückkehr nach Spanien veranlaßt, und es sei nicht unwahrscheinlich, daß er das Finanzportcfeuille übernehmen werde.

Paris, 9. Dez. (K. Z.) Der öffentliche Ver- kauf von zwei Millionen Renten wirkt ungünstig auf die Börse ein. — Zu Toulon sind zahlreiche Verhaftungen vor sich gegangen. — Der russische Czaar hat mehrere Verbannte begnadigt. — Der PelitionSberichl über die Angelegenheit der Simplon- Mönche ist vertagt.

Großbritannien.

Loudon, 7. Dez. Eine Note der Regierung der vereinigten Staaten ist an die britische Regie­rung in Betreff Kaliforniens eingegangen. In der­selben beklagt sich daS Kabinel in Washington dar­über, daß der englische Gouverneur von Sirnev die Emigration von Sträflingen nach Kalifornien be­günstige. Diese Reklamation ist begründet, obgleich sie erst ziemlich spät kommt, denn augenblicklich bc, finden sich in Kalifornien mehr als 3000 britische Sträflinge, welche allen Ausschweifungen sich über­lassen. — An den Grenzen des Kaplandes sind abermals Unruhen auSgebrochen. Der Angriff ist von den eingebornen Stämmen ausgegangen. Die Sache erschien so ernsthaft, daß der Generalgouver­neur Sir H. Smith sich sofort an Ort und Stelle begab, um sich von den Ursachen und dem Umfang der Revolte zu unterrichten und die passendsten Maßregeln zur Unterdrückung derselben zu ergreifen.

London, 8. Dez. Lord Palmerston soll der brasilianischen Regierung erklärt haben, daß er, im Falle des AuSbruchS eines Krieges zwischen Brass, lien und der argentinischen Republik, eine Blockade deS Hafens von BuenoS-AyreS nicht anerkennen würde. — Die Fahrt deS hiesigen Gemeinderaths, den Lordmajor und die Sheriffs an der Spitze, nach Windsor zur Ueberreichung seiner anli-pachistifchen Adresse an die Königin wird übermorgen mit mög­lichster Feierlichkeit und in langer Wagenreihe vor sich gehen. Eine große Anzahl von Banquiers, Kaufleuten und anderen angesehenen Personen wird dem Gemeigderalhe bis zur Eifcnbahn-Stalion das Geleite geben.

Italien.

In der Sitzung des Turiner Senats vom 3. Dez. ging man einfach zur Tagesordnung über die Interpellationen in Betreff der römischen Angelegen- üdcr. Graf de la Tour, der biete Interpellationen gestellt hatte, bedauerte den zwischen Rom und Sar, binien ausgebrochenen Kampf, der mit etwas Klug­heit hätte vermieden werden können. Der päpstliche RunciuS hatte ihm gesagt, daß, wenn man die Aus­führung des Gesetzes verschoben hatte, der Heilige Stuhl mit einigen Veränderungen dasselbe gebilligt haben würde. DaS Gesetz sei zwar von denKammern sanktivnirl worden, er sehe aber nicht ein, warum man ein schlechtes Gesetz nicht ändern solle. Schließlich sagte er, man habe nicht das Recht, die geistlichen Ge. setze und die abgeschlossenen Konkordate zu brechen. Der Justizminister antwortete Herrn de la Tour, indem er im Namen deS Ministerium die gemachten Vorwürfe zurückwieS. Die Kammer stimmte ihm bei, indem sie sofort die einfache TageS-Ordnung annahm.

Turin, 6. Dezember. Die Kammer hat ein Gesetz über die Abschaffung deS Zehentes und die Durchführung einer neuen Grundlage auf der In­sel Sardinien angenommen In einem Rund, schreiben des Ministers des Innern wird die Sper­rung aller Kaffeehäuser bedroht, in welchen Spiel­höllen bestehen.

Verona, 30 Nov. Herr Ritter von Negrelli ist heute nach Ferrara abgereist, um bei den Ver­handlungen über die freie Schiffahrt auf dem Po den Vorsitz führen.