Einzelbild herunterladen
 

heute konstituirt und ihre Geschäfte begonnen. DaS Weitere in Betreff des Ausschusses der LandeSver- sammlung wird nun beim hiesigen Kriminalamt be­handelt und dürfte wohl nach dem Wunsche deS Ausschusses vor die Geschwornen kommen.

Gotha, 5. Dezbr. Der Gedanke, die thürin- gischen Staaten inniger als bisher mit einander zu zu verschmelzen, tritt nach den Olmützer Konseren­zen wieder bedeutend in den Vordergrund. Auch scheint die Reise unseres Herzogs nach Berlin nicht außer Verbindung mit dieser Lebensfrage der ge, dachten Staaten gestanden zu haben, und die nahe Verwandtschaft des Herzogs mit dem englischen Kö­nigshause, sowie seine besonders in letzterer Zeit am schärfsten hervorgetretenen freundschaftlichen Bezie­hungen zu dem Berliner Kabinele die Ausführung der schon früher angeregten Idee eines thüringischen Einheitsstaates nicht als durchaus unmöglich er­scheinen lassen.

Leipzig, 6. Dez. Die heutige D. A. Z. ver­öffentlicht eine Generalordre vom 30. Nov., durch welche die in Berlin erscheinende konstitutionelle Zei- tung in Sachsen verboten wird.

Braunschweig. iDer Konst. Z. zufolge hat die braunschweigische Regierung auf ihr Gesuch um Hilfe gegen den eventuellen Durchmarsch einer Ere- kutionSarmee nach SchleSwig-Holstein noch immer keinen Bescheid erhalten.

Düsseldorf, 6. Dez. (A. Z.) Briefen vom Rhein zufolge hatte sich Kinkel (der keineswegs in der Schweiz gewesen) bereits nach Amerika ein­geschifft, wohin ihm seine Gattin mit den Kindern in den ersten Tagen deS Frühlings folgen will.

Berlin, 3. Dezember. Am Schluß der Adreß- debatte erhielten noch die Herren von Vincke und von BiSmark das Wort zu einer persönlichen Bemerkung. WaS der letzte sprach, ist ohne jallcs weitere Interesse, und auch der Abgeordnete von Vincke, der bekanntlich stark ist in persönlichen Be­merkungen, verbreitete sich über einige sehr unter­geordnete Details seiner Privatansichten. Von Inte­resse war nur ein Aufschluß, welchen ser über die Ereignisse in der verhängnißvollen Nacht vom 18. auf den 19. März 1848 zu geben sich veranlaßt fand. Er habe, erklärte er, damals dem König ge­sagt, daß sich allgemein die Ueberzeugung kund gebe, eS könnten, wenn die ermüdeten und nicht einmal verpflegten Truppen den Kampf fortsetzten , bekla- genSwerthe Folgen rintreten wie in Paris; und er habe, um seinen Rath gefragt, was denn zu thun sein möchte, diesen dahin gegeben, man solle die Truppen von den Barrikaden zurückziehen unb sie zum Schutze der Person des Königs um das Schloß konzentriren; leider habe man seinen Rath nicht be. folgt, sondern die Truppen auS der Stadt geschickt. Schließlich rechtfertigte er sich gegen den Vorwurf, daß er eine Wahl angenommen auf Grund eines Wahlgesetzes, dessen Rechlsbeständigkeit er nicht zu­gebe. „Ich habe, sagte er, nie die Consequenz bis zu dem Grundsatz ausgedehnt: Fiat justitia et pe- reat mundus! Ich habe geglaubt, wenn das Va­terland um seine Eristenz kämpfe, so habe jeder Preuße die Pflicht an den Platz zu treten, wo er sich nützlich zu machen vermöge. Und deßhalb stehe ich hier".

Berlin, 5. Dezbr. Ueber die Vervollständi­gung deS Ministeriums, meldet die „N. Pr. Ztg.", sind Beschlüsse noch nicht gefaßt, doch dürfte dies in Kürze geschehen und nicht, wie hier und dort gewünscht wird, erst gegen den Wiederzusammentritt der Kammern. Welcher Art diese Vervollständigung sein dürfte, dafür geben die Namen Zeugniß, die dicserhalb heute in gut unterrichteten Kreisen zirku- Uren: der Minister v. Manteuffel, Ministerpräsident und Auswärtiges, Präsident v. Manteuffel oder Präsident v. Raumer (in Frankfurt) Inneres, Ober, Präsident v. Witzleben Unterrichtsministerium. — Gestern Abend soll übrigens Herr v. Ladenberg noch bei einer hohen Person Versuche gemacht haben, eine Ministerliste durchzusetzen , auf der sich neben ihm als Präsidenten die Namen v. Jtzenplitz, v. Usedom und v. Rittberg befanden.

Berlin, 5. Dez. Die „Deutsche Reform" bc- richtitg einige Angaben der „Const. Ztg." in Betreff der Olmützer Beschlüsse. ES sei ungegründet, daß nur an Schleswig-Holstein die kategorische For­derung werde gestellt werden, sein Heer auf ein Drittheil zu reduziren. Von Dänemark werde daS Gleiche verlangt. Man werde den Bun- VeSbeschluß vom 17. September 1846 zur Grund­lage der Verhandlung nehmen, nicht blos Holstein, auch der dänischen Regierung gegenüber. Es seien daher verschiedene Eventualitäten inS Auge gefaßt worden, nicht blos wenn die Statthalterschaft, son­dern auch wenn Dänemark sich gegen den Bundes- bcschluß erkläre. Ferner habe Preußen sich nicht im Voraus verpflichtet, auf dem Wege der freien Konferenzen den engern Rath des alten Bundes­tages mit seinen 17 Stimmen wieder herzustellen.

Oesterreich und Preußen werden vereint sämmtliche Regierungen Deutschlands zur Beschickung der freien Konferenzen auffordern. Die Lith. Korr, bemerkt, daß, auch wenn Graf AlvenSleben als preußischer Bevollmächtigter nach Dresden gehe, doch der Ein­tritt deS Hrn. v. Manteuffel in die Konferenzen werbe vorbehalten bleiben.

Die Const. Korrelp. meldet die Abreise deS Freiherrn von Meysenbug nach Karlsruhe. Das Resultat seiner Sendung sei ein günstiges für die künftigen Beziehungen Badens zu Preußen gewesen.

Der Nat. Ztg. wird berichtet, daß morgen noch eine Sitzung des Fürstenkollegiums stattfinden solle; sie werde wahrscheinlich die letzte sein. Von Schwerin ist nach demselben Blatte eine Erklärung cinge- gangen: wenn eS sich auch von der Union , die Preußen selbst aufgegeben, formell losgesagt habe, werde eS doch auf den freien Konferenzen mit Preußen stimmen.

Kiel. 2. Dez. (H. C.) Am 1. Dezember ist eS in der Umgegend von Lollors 8 bis 9 schleSwig- holsteinischen Jägern gelungen, sich bis an die dort belegenen Baracken eines feindlichen Kavallerie- und Jnfanterie-DetaschementS durch die dänischen Vor­posten heranzuschleichen , und, nachdem sie die Mannschaft in Verwirrung gebracht, die Lagerstät­ten anzuzünden und sich ohne Verlust wieder zu­rückzuziehen.

Wien, 2. Dez. Feldmarschall Radetzky trifft alle Anstalten, welche auf einen verlängerten Aufent­halt schließen lassen. Die Bureaus seines Armee­hauptquartiers sind nun alle hierher übergesiedelt und in folgender Weise eingetheilt: Prästdialbü« reau, Oberintendantur , SanitätSdirektion, Spital- direktion, Justiz, Platzkommando, OberverflegungS» amt, Transportwesen, Detailkanzlei, Feldkriegskom- miffariat unb Militärpresse.

Die Leistungsfähigkeit des Telegraphen hat sich am 21. d. MkS. aufs beste bewährt. Um 117« Uhr eröffnete nämlich der König von Preußen zu Berlin mit der Thronrede die Kammern. Ein eige­ner Kourier war mit einer Kopie dieser Rebe Tags vorher von Berlin abgegangen und am 21. Mittags beim Grafen von Bernstorff eingelroffen, Als sich letzterer dann sogleich zum Ministerpräsidenten ver­fügte, um den Inhalt der Thronrede miizutheilen, hatte ihn der Telegraph dieser Mühe bereits über­hoben; ja, die Rede war schon ihrem vollen Jn- I halte nach in Druck gelegt, auch weiter telegraphirt worden.

Wien, 5. Dez. (Tel. Dep. d. Allg. Z.) Der 5 ReichSrath tritt inS Leben. Zum Präsidenten bep j selben ist Baron Kübeck ernannt. (Der Abschnitt I IX der Reichsverfassung vom 4. März besagt: §. 96. i An die Seite der Krone und der vollziehenden ReichS- I gewalt wird ein jReichSrath eingesetzt, dessen Be- I stimmungen ein berathender Einfluß auf alle jene I Angelegenheiten sein soll, worüber er von der voll- I ziehenden Reichsgewalt um sein Gutachten ange-

S gangen wird. §. 97. Die Mitglieder des ReichS- I rathS werden von dem Kaiser ernannt; bei deren 5 Ernennung ist aus die verschiedenen Theile deS Reichs mögliche Rücksicht zu nehmen. §. 98. Ein besonderes Gesetz wird die Einrichtung unb den Wirkungskreis des ReichsrathS regeln.)

Die bereits im Gange befindliche Rekrutirung von 80,000 Mann ist zurückgenommen. Weitere Reduktionen der Armee sollen in kürzester Zeit er­folgen. __

Frankreich

Paris, 4. Dezember. Man sprach gestern im Konferenzsaale viel von einer Note der römi­schen Regierung an den Fürsten Schwarzen­berg, in weichem sie von diesem die Vermin- derung deS im Kirchenstaate ßalionirten Armee­korps verlangt. Dieses Armeekorps, 20,000 Mann stark, muß ausschließlich von der römischen Re­gierung unterhalten werden. Dasselbe kostet ihr jährlich sechs Millionen Franken. Ein ähnliches Ansuchen wurde zwar schon vor einigen Monaten an die österreichische Regierung gestellt, damals aber verweigert. Jetzt besteht die römische Regierung darauf. Sie will die Vermittlung Frankreichs in Anspruch nehmen, wenn Oesterreich wieder eine aus­weichende Antwort geben sollte.

PariS, 5. Dez. In der heutigen Sitzung der Nationalversammlung erklärte Minister Lahilte, die Olmützer Konvention bestimmt ein gemeinschaftli­ches Einschreiten Oesterreichs und Preußens gegen Kurhessen und Schleswig, welches letztere durch eine gemeinschaftliche Kommission zur Entwaffnung auf« zufordern sei. Arago nannte die fernere Neutrali­tät ein Aufgeben deS französischen Interesses, und wollte die Diskussion vertagt haben, da neue Ver­wicklungen durch die Dresdener Konferenzen möglich seien. — Der für die Rüstungen verlangte Kredit wurde bewilligt.

ES ist die Rede von einer neuen diplomatischen Mission, mit welcher Hr. v. Persigny an einen der deutschen Höfe betraut werden solle; der Minister

der auswärtigen Angelegenheiten weigerte sich jedoch entschieden, seine Zustimmung zu geben. General de la Hitte besorgt ohne Zweifel, daß Hr. v. Per­signy abermals Verwirrung anrichten werde, wie bei seiner Sendung nach Berlin.

Paris, 6. Dezemb. Die Montagne deckt die Geldstrafe deS „Bote Universel" durch einen Tag Entschädigung. — Der Staatsrath hat die Prüfung des Maire-Gesetzes beendigt. — Cavaiguac erklärte sich in der National-Versammlung gegen den Rü- stungökredit.

Großbritannien.

London, 2. Dezember. Weekly Chronicle theilt Einiges aus dem Testament Louis Philipp's mit. Daß an Grundeigenthum nicht mehr als 100,000 Pf. St. vorhanden, wurde bereits vorgestern ge­meldet. Das Aktenstück ist datirt: Claremont, 16. Oklbr. 1848, und ist äußerst bündig. Haus und Gärten zu Palermo fallen der Königin Marie Amalie zu; ferner vermacht er feinen ganzen Grund­besitz in England und Amerika, feine Bücher, fein Silbergeschirr, Porzellan, MeubleS ic. der Erköni, »in, mit der Befugniß, zum Besten der Kinder nach eignem Ermessen zu verfügen. Das Vermögen zer­fällt im Falle die Erkönigin nicht andere Bestim­mungen treffen sollte, in neun Theile, wovon zwei an den Herzog von Nemour fallen, einer an den Grafen von Paris und den Herzog von Chartres, die übrigen an die Königin der Belgier, den Prin­zen von Joinville, den Herzog von Aumale, die Herzogin von Sachsen-Koburg-Gotha, dem Herzog von Monipensier und an Philipp Alexander (Enkel), Herzog von Württemberg. Zur Testamentsvoll­streckung ist die Erkönigin berufen, nach ihrem Ab­leben die HH. W. E. Majoribanks, Sir E. Antro« buS, Coulthurst und Parkinson.

Der Advertiser zeigt an: Lord I. Russell werke gleich zu Anfang der nächsten Parlamentssession eine förmliche Bill zur Abschaffung der römischen Hierarchie in England einbringen.

Nach Neuyorkcr Nachrichten vom 20^ Novbr. hat Präsident Fillmore ein Schreiben veröffentlicht, in welchem er seinen festen Entschluß auSspricht, daS Gesetz gegen fl üch ti ge S kl av en zu voll­strecken.

London, 3. Dez. (Tel. Dep. d. D. Allg. Z.) Die Morning-Post hält eS für möglich, daß gegen den Kardinal Wiseman, wegen verkündigten all­gemeinen Ablasses eine Verfolgung eintrete.

Spanien.

Madrid, 29. Nov. Der Austritt Hrn Mu, ' rillo'S aus dem Ministerium veranlagte die übrigen * Mitglieder desselben gleichfalls ihre Entlassung ein­zureichen, welche die Königin jedoch nicht annahm. Sie erklärte, nur die Entlassung des Hrn. Murillo annehme» zu wollen. Ueber dessen Nachfolger weiß man noch nichts Gewisses, man glaubt, der Mini, ster der öffentlichen Arbeiten werde ihn interimistisch I ersetzen.

Madrid, 1. Dez. Der englische, holländische, belgische und preußische Gesandte dringen bei der spanischen Regierung auf Schuldenrcgulirung.

Amerika

Nach Berichten and Bolivia hatte am 6. Sept, ein mörderischer Angriff auf den Präsidenten Ge­neral Belzu staitgrhabl. Derselbe ging in Beglei- miß des Senatspräsidenten Obersten Laguna auf der Alameda spaziren, als zuerst Don Angustin Morales zu ihnen trat, hernach auS einer in der Nähe stehenden Gruppe ein Student NamenS Juan Sotomayor auf jenen zuging und einen Schuß auf ihn ab feuerte, der ihn ins Gesicht traf. General Belzu fiel zu Boden, und in diesem Au­genblicke entlud MoralcS eine zweite Pistole, eS war jedoch nur ein Streifschuß. In der Meinung Belzu sei todt, verkündigten die Verschworenen den Sturz deS „Tyrannen", und wollten sich bet Ka­serne des Illimani-Bataillons bemächtigen, dessen Befehlshaber Don Pedro Villamil zu den Waffen greifen und die Thore schließen ließ. Nun ergrif­fen sic die Flucht. So wurde der Präsident Belzu gerettet, denn die Chirurgen versicherten, die Wunde sei nicht tödlich. BiS zu seiner Herstellung übertrug der Kongreß dem Ministerrath präsidentschaftliche Gewalt, und erklärte die Mörder und ihre Mit­schuldigen außer dem Gesetz. Zu den letztern gehört auch Oberst Laguna, er wurde mit den beiden an- dern zum Tode verurteilt und am 13. September erschossen.