Einzelbild herunterladen
 
  

Berlin, 29. Nov. Daß dem Minister so bald ein naher Verwandter, der Major v. Manteuffel, Flügeladjuiant deS Königs , nachgeschickt wurde, steht mit der allgemeinen Sage um die im höchsten Grade angegriffene Gesundheit des Ministers in Verbindung. Herr v. Manteuffel hat unter den be< sorgnißerweckenben Symptomen eineS heftigen Fie- berS die verhängnißvolle Mission angetreten, zu wel­cher ihn der persönliche Wunsch deS Königs be­stimmte. — Es sollen Herrn v. Manteuffel die Grenzen der Befugnisse so bestimmt angcbeben sein, daß schwerlich wiederum ein ähnliches Mißverstand- „jß die Verhältnisse trüben dürfte, wie die Muston deS Grafen Brandenburg nach Warschau zur Folge hatte, in Betreff einer vermeintlich zugestandenen einseitigen Räumung KurhessenS.

Mit den Finanzen Berlins steht es so schlecht, daß außer der zweiprozentigen Einkommensteuer in aller Eile eine zweite Steuer von 5 Prozent vom Mielhwerlhe ausgeschrieben werden muß, um die Einquarlicrungskosten zu decken.

Hamburg, 28 November. Admiral Brommy Hat sich nicht auf der „Eckernförde" eingeschifft, son­dern ist von hier nach Bremen zurückgekehrt.

Kiel, 29. Nov. In der heutigen Sitzung der LandeSversammlung ist ein Antrag Lafaurie'S auf sofortige Widereinführung des allgemeinen Wahl­rechts mit großer Majorität verworfen worden.

Der Ditmarscher und Elderstädlor Bole berich­tet aus Friedrichstadt vom 19. Nov.: Am 16. Nov. gegen 10 Uhr Abends, sand ein förmliches Bom­bardement statt, welches wohl eine Stunde dauerte und mehrfache Verwüstungen entrichtete; namentlich eine in daS Gebäude der Mennonilenkirche gefallene Bombe. In Folge dessen haben bereits mehrere Ein- wohncr wieder die Stadt verlassen.

Rendsburg, 29. Nov. (N. fr. Pr.) Gestern Morgen hat die Avantgarde eine kleine RekognoS- zirung über Osterbye und Hummelfeld hinaus unter­nommen; in beiden Dörfern kam eS zum Gefecht, und wurden von ersterem Orte zwei Gefangene vom dänischen 4. Linienbataillon, welche unser 2. Jäger- korPS gemacht hatte, eingebracht; die Dänen sollen einen Todten und mehrere Verwundete bei diesem Zusammentreffen gehabt haben. — Leider sind in Hummelseld wieder mehrere Bauerstellen ein Raub der Flammen geworden, welche von den Dänen mit Brandraketen während des Gefechts angezündet wurden.

Wien, 27. Nov. Graf Bernstorff hatte gestern spät Abends noch eine mehrstündige Audienz mit dem Fürsten von Schwarzenberg, welche besonders durch den Umstand eine besondere Bedeutung er­hält, daß Fürst Schwarzenberg kurz vorher mehrere Stunden im Kabinet deS Kaisers gearbeitet hatte. Auch scheint die Sistirung der bereits auf heute be­stimmten Abreise des Marschalls Radetzky die un­mittelbare Folge dieser Besprechung gewesen zu sein, in welcher preußischerseits auf daS Festhalten an dem freien Konferenzen gedrungen worden jein soll.

Wien, 27. Nov. Die „Presse" sagt: Eine Sage, deren Richtigkeit wir übrigens nicht verbürgen wollen, beunruhigt in diesem Augenblicke nicht nur die Geschäftswelt, sondern auch einen großen Theil der hiesigen Bevölkerung. Es heißt nämlich, daß Hr. ».Schmerling in Folge der von dem Kriegs­minister erlassenen Verfügung wegen Aufhebung des Verfassungseides in der Armee seine Entlassung an, beboten haben soll. Die Annahme, daß über diesen Erlaß des Kriegsministers im Kabinet einige miß- billigende Stimmen laut geworden sind, enthält dadurch noch einige Wahrscheinlichkeit, daß der Druck des militärischen Verordnungsblattes, in welchem dieses Aktenstück zuerst kundgemacht wurde, als die unschuldige Veranlassung der ministeriellen Dishar­monie vorderhand eingestellt worden ist.

Der Aufstand in der türkischen Provinz Her­zegowina ist nicht nur allgemein geworden, son­dern auch daS kriegerische Albanien hat sich in Masse gegen die Pforte erhoben. Die letzte Stunde der Türkenherrschaft in Europa scheint hereinzu­brechen und damit tritt denn auch die orientalische Frage in das Stadium ihrer definitiven Entscheidung. DaS Interesse Rußlands geht darin aber einzig und allein auf, und Alles, was im Westen vorgeht, tritt dagegen weit zurück.

Wien, 29. November. Herr von Manteuffel ist gestern Abends 6 Uhr in Olmütz eingetroffen. So­fort nach feiner Ankunft begannen die Konferenzen und dauerten bis tief in die Nacht. Man kam sich bezüglich der Wahrung des Friedens beiderseits ent­gegen. Die Aussichten werden daher als gut be­trachtet. Indessen schildern unsere Berichte aus Berlin die Kriegspartei als tm Wachsen begriffen. Die Konferenzen in Olmütz werden fortgesetzt. Hier in Wien wurde das Theatergesetz verkündet, nach den Grundzügen, welche die Oesterr. Korrespondenz davon gegeben. Die Börsenordnung macht den besten Eindruck. (Wie sehr die Börse die wachsenden Fric- denshoffnungen theilte und wie schnell sie sich von ihrem Schrecken erholte, zeigt eine Vergleichung der

heutigen Kurse mit denen vom 26, Nov. An letz­terem Tage standen die 5pCt. Metall. auf 86'/. (heute 95); die 4'/, pCt. 75 (heute 81); das Sil­beragio 50 (heute 35).

In einer S chw ur g er ich tS si tzung in Graz ergab sich in den Zeugenverhören ein interessanter Inzidenzfall. Militärpersonen wurden durch ihre Kommandanten als Zeugen vorgeladen. Sie er­scheinen unter Begleitung eines Offiziers im Par- quet. Der Staatsanwalt legt sein Veto ein gegen diese Verletzung des Gesetzes. Der Gerichtshof scheint unentschlossen. Erst sprach er sich für baS Verbleiben deS Offiziers im Parpuct auS; über wiederholten Einspruch deS StaatSanwaltS und Vertheidigers deS Beschuldigten zieht er seinen Spruch zurück, beschließt ein Ersuchen an den Militärkommandanten, von der Begleitung deS Sol­daten durch einen Offizier abzustehen und vertagt die Sitzung. Nachmittags ist daS Remißschreiben ange­langt. DaS Militärkommando, auf einen Befehl des Kaisers alS obersten Armeckommanbanten gestützt, verweigert das Ansuchen. Der Staatsanwalt und die Vertheidiger des Beschuldigten beharren auf ihrem durch die Strafprozeß-Ordnung begründeten Proteste. Der Gerichtshof entscheidet, daß der Of­fizier auf der Tribune der Zuhörer der Verhandlung beiwohnen könne. Die Prinzipiensrage bleibt unent- schieden der Staatsanwalt Hat den Schriftführer be­auftragt , von seinem Protest in dem Protokoll Akt zu nehmen. Es wurde nun nach Wien lelegraphirt, worauf von dort die Antwort deö Justizministers wiederkam , daß der Offizier als Begleiter des Sol­daten im vollen Waffenschmucke während der Ver­nehmung deS Militärs innerhalb der Schranken deâ Gerichts zuzulassen sei!

Von der bosnischen Gränze meldet die „Agramer Zeitung": Omer Pascha soll sich mit den Insurgenten bereits dreimal geschlagen haben, und zwar bei Vranduk und Doboi. Da Doboi an der BoSna liegt und Omer Pascha am 12 d. dort lagerte, so müssen sich die Insurgenten über die BoSna zurückgezogen haben. Daß sich die Bosni­aken tapfer schlugen, auch den regulären Truppen sechs Kanonen abgenommen, wird von mehreren Seiten bestätigt. Der Verlust der Insurgenten in den drei Gefechten wird auf 600, jener der Truppen auf 1200 Mann angegeben. In der Kraina ist AlleS zum Aufstand bereit und eS scheint, daß bloS der gün­stigste Zeitpunkt zur Erhebung in Massa abgewartet wird. Inder vergangenen Woche verlangte der Befehls­haber von Bihac, Habgy Jakup Bei, die alsbaldige Entrichtung ter Steuern für das vergangene Jahr; so sollte die Nahie Buzim 670 Beuteln (1 Beutel = 150 Stück Zw.) — die Nichte Ostracac 1200 und jene von Bihac auch 1200 Beuteln zahlen; allein die Krainer Türken entsendeten nach Bihac eine Deputation unter Führung des Dizdar von Vra- nograc und erklärten, daß sie auf keinen Fall die Abgabe entrichten werden, auch wenn der Großherr selbst kommen und es verlangen würde. Ucbrigens werden sie von ihren alten Rechten nicht lassen, und daran ihr Blut und Leben setzen Der Miralai be­richtete dieses sogleich an Omer Pascha, und ersuchte um Verhaftungsbefehle. Soeben verlautet, daß am 16. d. bei einer Berathung zu Zasiu die Häupter der Krainaer beschlossen haben, alles Wehrhafte aufzubieten, und gegen TuSla zu ziehen, um sich dort mit den Insurgenten zu vereinigen und Omer Pascha'S Truppen mit einem Schlage zu vernichten. Die Bewohner von Bihac verhalten sich bis nun noch ruhig. _

D ä n e ur a r k

Kopenhagen, 27. November. Kapitän C. van Dockum, Ehender Seeakademie, ist vom König zum Marincminister ernannt. Er soll ein tüchtiger Of­fizier und wohlgesinnter Mann sein, der wenigstens allgemein für freisinniger gilt, als der bisher zum Marincministcr bestimmt bezeichnete Kammerherr Steen-Bille. Kammerhe.r Jrmingcr hatte gebeten, ihn der interimistisch übernommenen Verwaltung deS MarineminlsteriumS zu entheben.

F r a n k r e i ck

Paris, 29. November „Moniteur" veröffent­licht den Bericht an die Rathskammer deS Gerichts­hofes erster Instanz in Paris, in Gemäßheit dessen der Anzeige von einem Komplott zur Ermordung der HH. Dupin und Changarnier keine weitere Folge gegeben wird. AuS demselben geht hervor, daß der Polizeiagent AllaiS ein unmoralischer, eraltirter und keineswegs der Wahrheit ergebener Mann ist; daß der Polizeikommissär Zion ihn selbst als einen Mann geschildert Hal, dem er kein Vertrauen schenken könne; daß Herr Aon die Anzeige von einem so er­heblichen Komplott gegen vierzehn Tage verzögert und während dieser Zeit den Agenten Allais in sei, ner Wohnung verborgen gehalten und sich bemüht habe ihm Geld und einen Paß in daS Ausland un­ter dem Namen des Thürhüters Lebregal zu ver­schaffen ; daß endlich eine Versammlung der Ver­schworenen in den angedeuteten Lokalen eine mate­rielle Unmöglichkeit gewesen wäre.

Türkei.

Konstantinopel, 18. Nov. (Wand.) In den asiatischen Provinzen beginnen sehr bedenkliche Symp­tome der Aufregung aufzutauchen. Der Geist deS Aufruhrs hat vorzüglich die PafchalikS von Sulei- mania und Bagdad ergriffen. Bedeutende Streit­kräfte sind nach Alexandrien entsendet worden, welche sich von dort nach Aleppo oder Damaskus je nach Bedürfniß begeben sollen; auch ist ein Kourier nach Harpout abgegangen, welcher dem Muschir der anatolischen Armee den Befehl überbringt, mit sei­nen Truppen nach Suleimania zu marschiren und seine Bewegungen mit jenen der Korps von Irak und Arabistan in Verbindung zu setzen. Ueber haâ zweideutige Benehmen deS Pascha von Aleppo, Saris Mustafa Pascha, welcher während der furchtbaren Katastrophe vom 17. v. M. mit seinen Truppen auS der Stadt gezogen ist, den Rebellen freie Hand gelassen und gleichgültig ihrem Morden und Plün­dern zugesehen hat, herrscht im Divan die höchste Entrüstung und veranlaßte die strengsten Maßregeln. Vorläufig ist Mehemeb Pascha au seine Stelle er­nannt worden, eS ist derselbe, welckicr auS Veran­lassung deS Prozesses seiner Gattin hierher von seinem Londoner Gesandtschaftsposten gekommen ist. Eine bedeutende Streitmacht ist mittelst Dampf­schiffen direkt nach Aleppo abgegangen, die Provinz mird in Belagerungszustand erklärt und eine Unter« suchungSkommission den Thatbestand erheben; ein abschreckendes Beispiel soll gegeben werden.

Aus den Mittagspoften.

Mannheim, 3. Dezember. DaS Hauptquar­tier deS Generallieutenants v. Schreckenstein wird morgen von hier nach Biberich verlegt und am 12. Dezember in Koblenz sein. Ein Korpsbefehl vom 29. d. M. erklärt daS Armeekorps in Baden — nachdem die Mehrzahl der Regimenter bis dahin ihre neue Bestimmung erreicht hat, während der Rest die Grenzen des GroßherzogthumS heimwärts als­dann nbcvichrilten haben wird — mit dem 4. Dez. d. I. vollständig aufgelöst.

Kassel, 27. November. Man ist vollständig da­von überzeugt, daß es ein Glück für daS Land fein werde, wenn die Truppen beider Theile, Oester­reichs und Preußens, daS Land verlassen, und geht man damit um, eine Adresse an den Kurfürsten zu richten, worin der Wunsch einer baldigen Rückkehr lebhaft ausgesprochen wird. Ob die Bemühungen des Hrn. GeheimrathS Niebuhr, eine Adresse deS Kasseler Stadtraths an den Kurfürsten in der zu WilhelmSbad gewünschten Form zu Stande zu brin­gen, gelingen wird, bleibt noch dahingestellt.

Die Kasseler Ztg. stellt die Nachricht, daß der Kurfürst an der Spitze seiner LanveStruppen in Kassel einzuziehen gedenke, entschieden in Abrede; die D. Reform wiederholt sie auch in ihrer Num­mer vom 29. November unter „Berlin" aufS ent« schiedenste.

Gotha, 26. Novbr. (Leipz. Ztg.) Von der österreichischen Regierung ist dem Vernehmen nach in neuester Zeit an die thüringischen Ministerien die Aufforderung ergangen, die wegen politischer Ver­gehen aus den kaiserlichen Staaten entweichenden österreichischen Iluterihanen an daS requirirende öster­reichische Gericht auSzuliefern.

Beruburg, 26. November. (Ztg. für Nordd.) Auf dem hiesigen Landtage wurde so eben ein Gesetz wegen Einführung der preußischen LandeS- Gesetze über die Rechtsverhältnisse der Militär- personen ohne Aenderung angenommen; eben so ein Gesetz über Einführung der preußischen Maße und Gewichte.

Berlin, 30. Novbr. Die Reise deS russischen Gesandten von Meyendorff nach Olmütz erfolgte nur wegen der schlcSwig - holsteinischen Angelegenheit. Bekanntlich bat Hr. v. Manteuffel schon vor zehn Tagen eine Note an daS österreichische Kabinet ge­richtet, in welcher erklärt worden , daß man die Weigerung Braunschweigs, VundeS-ErekutionSIrup- pen nach Schleswig-Holstein zu senden, mit aller Kraft unterstützen werde. Diese Note hat natürlich ebenso dem Fürsten Schwarzenberg, wie dem Baron v. Meyendorff auf das Entschiedenste mißfallen. Man versichert übrigens, daß Hr. v. Manteuffel auf der in der Note eingenommenen Stellung ent­schieden beharren und keinesfalls ein fremdes und feindliches Korps im Rücken operiren lassen werde.

Berlin, 30. Nov. Heute Mittag ist Herr v. Manteuffel von Olmütz hier wieder eingetroffen. Ueber den Erfolg seiner Reise vernimmt man frei­lich bis jetzt nur Andeutungen, diese aber schon lassen auf einen friedlichen AuSgang der deutschen Krisis schließen.

Nach der offiziellen „D. Reform" hat^dle Koii- ferenz in Olmütz in Bezug auf die kurhesfischen wie