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kann es ferner für die Nassauischen Verhältnisse ehrenvoll erscheinen, wenn Leute, welchen in andern Bundesländern öffentliches Auftreten in den Frei- gemeinschasten bereits um ihrer politischen Wühle- reien und Hohnrcden wider Heilige Glaubensver« Hällnisse willen untersagt war, mitten im Lande, in den Versammlungen zu Diez und Freiendiez unge- stört einige Zeit lang ihr Wesen treiben konnten. Oder glaubt man vielleicht, Hierdurch die AuS- eiterung deS inneren Geschwürs der evangelischen Kirchengemcinschast^es HerzogthumS zu erleichtern und zu beschleunigen? — Sehe man dann nur zu, daß nicht auch die noch gesunden, oder doch noch zu rettenden und zu bewahrenden Glieder »»nöthiger Weise in diese umsichgreifende Fâulniß sittlicher Auflösung und religiösen Zweifels hineingezogen, — hierdurch aber nicht blos der christlichen Kirche, sondern auch dem Bestände des Staates in Nassau tiefe und schwer zu heilende Wunden geschlagen werden! — __________

Deutschland.

* Wiesbaden, 31. Oktbr. (22. Sitzung des Landtages.) Gegen die beantragte Verwilligung von 3000 fl. für Korrektion der Chaussee am MoS- berger Kopf bemerkt der Abg. Z o l l m ann , daß seit Erbauung der Chaussee auf dem linken Rhein- User die Frequenz auf der Kölner Straße sehr her­abgesunken , kaum nennenswerth sei, und sich nur auf die nähere Umgegend beschränke. Er beantragt, den Posten auSzusetzen, bis über Anlage einer Ei­senbahn durch'S Herzogthum entschieden sei; der Betrag wird indeß verwilligt.

Abg. Heydenreich erstattet Bericht über den Gesetzentwurf die Vermehrung dsS Landjäger­korps betreffend. — Sein und des Abg. Zoll­mann Antrag geht auf Genehmigung der Regie­rungsvorlage, somit auf eine Vermehrung um 40 Mann , da die Zahl von 127 Mann noch immer das Minimum gegen jeden anderen Staat sei, und Mannschaft und Pferde sonst durch den angestreng­ten Dienst zu Grunde gehen würden.

Von den übrigen Kommissionsmitgliedern be­antragt Müller II. und Wenckenbach die Verwerfung der Gesetzesvorlage, weil man die Vor­kehrung treffen kann, daß die Mannschaft durch Patrouillendienst nicht so sehr in Anspruch genommen werde; Abg. Schmidt will dagegen Vermehrung des Korps um 6 Mann, die an verschiedenen Or­ten einzeln stationirt werden sollen; und ferner die Abänderung der über Begehung der einzelnen Gemeinden bestehenden, den Dienst deS Landjäger­korps sehr erschwerenden gesetzlichen Bestimmungen.

Regierungskommissär Werren unterwirft die beiden letztangeführten Anträge einer Kritik und empfiehlt die Regierungsvorlage.

An der Debatte über diesen Gegenstand bethei­ligen sich nebst den Kommissionsmitgliedernr Raht, Wimpf, Snell, Fresenius; letzterer für die Regierungsvorlage. Snell beantragt, die Regie­rung um Erlassung der Bestimmung zu ersuchen, daß jede Gemeinde blos einmal wöchentlich von den Landjägern besucht werde, und daß eS dem Vor, stände deS betreffenden KreiSamteS freistehe, Aus­nahmen davon zu machen.

Abg. Haupt meint, daß die Errichtung eines Arbeitshauses den Dienst der Landjäger erleich­tern müßte.

Wenckenbach beantragt, die Regierung um Vorlage der Instruktion für die Landjäger zu ersuchen.

Bei der Abstimmung wird der Antrag der Abg. Müller II. und Wenckenbach, die Gesetzvor­lage der Regierung zur näheren Erwägung zurück­zugeben, mit 20 Stimmen angenommen.

Auf Erinnerung deS RcgierungSkommissärs Schepp wird die namentliche Abstimmung vorge­nommen. T)iese gab dasselbe Resultat.

Der Antrag des Adg. Snell wird ebenfalls und zwar mit 21 Stimmen angenommen.

Wenckenbach zieht seinen letzterwähnten An­trag zurück.

In den Ausschuß zur Prüfung des Domänen­budgets wird an die Stelle des ausgetretenen Abg. Creutz gewählt der Abg. Haupt.

Nächste Sitzung: Samstag den 2. November, 11 Uhr Vormittags. Tagesordnung: Umänderung deS Klosters Marienstadt in ein DetentionShauS; Berathung des Gesetzentwurfes die Penstonirung der Relikten von Offizieren und Militärbeamten betreffend.

O Von der Lahn, 29. Okt. In Nro. 253 Ihres Blattes bespricht ein von Hadamar aus datirter Artikel den in der Kammer „vorgekommenen j Antrag wegen Aufhebung der Fideikommisse, der in der Gegend des Korrespondenten mit beson­derem Beifalle ausgenommen worden sei. Di« bei­den mitgetheilten Beispiele, daß bei der Veräuße­rung von Fideikommißgütern die Steigerer einmal wirklich in Verlust gerathen sind, das andere Mal beinahe gerathen wären, haben eingezogener Er­kundigung zufolge ihre Richtigkeit. Daraus folgt aber noch lange nicht, wie der gedachte Korrespon­dent folgern zu wollen scheint, daß nun alle zu Recht bestehenden Fideikommisse aufzuheben seien.

Vernünftigerweise kann nur verlangt werden, daß der Staat gegen etwaige Nachtheile der Fideikom­misse Sicherheit gewähre und dazu hat er das Mit­tel durch die Gesetzgebung in der Hand. „W e n n, wie in andern Staaten, die Fideikom­misse sals solches in den Lager- oder Hy­pothekenbücher eingetragen werden müß­ten, so wären die Berechtigten gegen den Verkauf gesichert, und andere Leute nicht der Gefahr auögcsetzt, ein solches Gut zu kaufen ".

Dieser gewiß richtige Ausspruch findet sich, wo man ihn nicht erwartet: in der Broschüre deS Nass. Abgeordneten Dr. L. „ Die Wiederberufung deS Nass. Landtags auf den 25, Sept. 1850" S. 16. Trotzdem kommt aber der Verfasser zu dem Schlüsse, zu dem er einmal kommen will, daß die Fideikom­misse aufgehoben werden müßten. Seine Beweis­führung freilich ist ebenso unhaltbar, beruht ebenso sehr auf falschen Voraussetzungen und maßlosen Uebertreibungen — anderer Mittel nicht zu geden­ken — wie Anderes, was er zur Begründung seiner übrigen Ansichten beibringt. Ich würde daher auch kein Wort weiter über die L.-sche Arbeit verlieren, wüßte ich nicht, daß sie hier und da auf dem Lande — in Wiesbaden scheint sie keine Beachtung ge­funden zu haben — mit ihren pomphaften, wenn auch abgenutzten, volksfreundlichen Phrasen und Schlagwörtern, einigen Eindruck machte. AuS die­ser Rücksicht hatte sie eine gründliche Zurechtweisung verdient. Hier vor der Hand nur so viel, daß die L.-schen Finanzpläne nach meiner festen Ueberzeu­gung die Verschleuderung des Domanial-Grundver- mögenS 2C. und den Ruin unserer Finanzen zur Folge haben würden, und daß diese Verschleuderung wohl Einzelnen, sicher aber nicht der Gesammtbe, völkerung unseres HerzogthumS zu gute käme. Der Herr Doktor scheint in einer argen Selbsttäuschung besangen zu sein. Er ist aber auch rücksichtlich An­derer im Irrthum, wenn er S. 11 meint, daß seine Vorschläge für patriotische P h a n t a s i e e n ge nommen werden würden. Ich wenigstens kann ver­sichern, daß ich darin keinen Patriotismus, sondern eher jeden andern Ismus gefunden habe; von Phantasie dagegen ist ziemlich viel darin, auch etwas Spekulation, natürlich — staatS- philosophische, keine merkantile oder finanzielle.

Es steht zu erwarten, baß sich unsern übrigen Abgeordneten durch die L.-sche Deduktion nicht täu­schen lassen. Sie sind wohl auch nicht alle so große Feinde der Bäume und so warme Freunde der radikalen Flachheit — nämlich des BodenS —, daß sie sich zur Theilnahme an dem Vernichtungs­kriege gegen unsere Waldungen verleiten lassen soll­ten, um â L.-schen Finanxprojekte ausführen zu helfen. Vielleicht denkt daran auch kein Mensch bei Ihnen; anders aber ist's auswärts, wo sich der schlichte Landmann, besonders wenn eS das mate­rielle Interesse gilt, leicht durch Zahlen bethören läßt, sollten diese auch auf noch so irrigen Voraus­setzungen beruhen. Möglich daher, daß ick später noch einmal auf die L.-sche Broschüre zurückkomme.

*t* Frankfurt, 3l. Oktober. AuS Baden verlautet die Absicht des neuen Ministeriums, jeden­falls einstweilen am alten System zu verharren, da der Eintritt in den sogenannten Bundestag nicht die mindeste Sympathie im Lande finden dürfte, sowie auch auS Bayern gemeldet wird, daß man bei einem Kriege gegen Preußen zu Gunsten des Bundestags in Franken und in der Pfalz Unruhen befürchten muß; gleichzeitig heißt eS aus Hanno­ver, daß eS dem neuen Ministerium nicht eiufallcn wird, ErekutionStruppen gegen Kurhessen oder gegen Holstein zu schicken. Diese hier eingelaufenen Be- J richte sind wichtiger als die Drohungen deS Herrn v. Blittersdorff, welcher unS vorspiegelt, die Kom- ] muniften würden sich der preußischen Politik an- z schließen. In Bregenz hat man allerdings beschlossen, Preußen zu brechen und die Verfassung zu beseiti­gen, wo möglich sollen auch auswärtige Mächte über Preußen herfallen, allein in Norbdeutschland würde doch Alles mit Preußen gehen, und das schleSwig-holsteinische Heer ist eine Vorhut gegen solche Gelüste. Inwiefern am 2. November die Bayern in Kurhessen einrücken, weiß man noch nicht, gewiß ist, daß man die noch restirende kurhessische Armee nach Hanau verlegt hat, um sie nicht da stehen zu haben, wo Preußen einrücken, Jm Groß- herzogthum und im Kurfürstenthum Hessen sind die durchmarschirenden preußischen Truppen (eine De­monstration sehr bedeutsamer Art) mit großem Ju­bel empfangen worden. Ob nun die Thatsache, daß Preußen nicht isolirt dastcht, den Frieden erhalten wird, wissen wir freilich nicht im Voraus, allein den Krieg verabscheut man allgemein, und wenn er ausbricht, Hal ihn das hiesige Rumpf- Parlament verschuldet.

Karlsruhe, 30. Oktbr. Wie wir aus guter Quelle versichern können (sagt die offizielle „Karlsr. Ztg.") sind alle in neuester Zeit über eine Vermin­derung der preußischen Beiatzungstruppen in Baden verbreiteten Nachrichten gänzlich unbegründet. An kompetenter Stelle ist bis zur Stunde weder von einem Zurückziehen deö preußischen Armeekorps aus Baden auch nur im Mindesten die Rede.

Ferner berichtigt die „Karlsr. Ztg." wie folgt; „Die „Frankfurter OberpostamtS-Zeitung" enthielt jüngst einen Artikel , wonach Oldenburg, Brau», schweig und Baden im Begriffe seien, sich am „Bundestage" in Frankfurt zu betheiligen. bemerken einfach, daß, waS Baden betrifft, diese Nachricht eine völlig unbegründete ist. Ueber sein Verhältniß zur Versammlung in Frankfurt hat Ba­den sich gelegentlich der Einladung zur Beschickung derselben ausgesprochen, und eS ist kein Wechsel der Ansicht eingetreten".

Kassel, 29. Okt. (D. Z.) Heute früh ist der General Haynau mit dem Eeneralstabe nach Ha­nau abgegangen. Auch General Bauer ist gefolgt. Die noch zurückgebliebene Kavallerie hat ebenfalls den Marsch nach Hanau angetreten, während die Infanterie und eine l2pfündigc Batterie Artillerie mittelst Ertrazügen nach Gießen befördert wurden. Es ist übrigens faktisch, daß Haynau den HauS- und Staatsschatz mitnehmen wollte. StaalSrath Scheffer (soll wohl heißen Schotter?) hat ihm erklärt, daß er die Schlüssel nicht erhalte, so lange er noch am Leben sei. Die Bürgerwehr hatte sich die verwichene Nacht in der Nähe deS Staatsschatzes im Rathhause aufgehalten, die Kommandeure wa­ren auf dem FricdrichSplatze und hatten durch Po­lizeidiener eine VerbindungSkette zwischen der Bür­gerwehr , welche scharf geladen hatte, und dem Schlosse Bellevue. Der von Hassenpflug eingesetzte Bezirksdirektor Wachs hat den Oberbürgermeister ■ um Aufstellung einer Bürgerwehrwache zum Schutze f der SchwurgerichtSsitzungen ersucht. Der jetzige ! Stadtkommandant Starck hat dem Bürgerwehrkom­mandeur Seidler Vorstellungen gemacht, wie er die Bürgerwehr, die doch aufgelöst sei, auf Wache zie, hen lassen könne. General Starck hat sich jedoch überzeugen lassen, daß die Bürgerwehr nicht auf­gelöst sei.

Kassel, 29. Okt, (N. Hess. Z.) Heute Morgen hat auch der Rest der hiesigen Garnison bis auf das Schützenbataillon und die Handwerkerkompagnie mit dem Oberbefehlshaber und seinem Stabe unsere Stadt verlassen.

Heute Nachmittag hat Herr Lieutenant von Verschuer von den Kurfürst-Husaren, derselbe, wel­cher das Ständehaus stürmen wollte, feine zweite große Waffenthat vollbracht. Erbefahl der Wache, welche das Druckereilokal deö Herrn Hotop besetzt hielt und welche dieser bei einer passenden Gelegen­heit ausgeschlossen hatte, einen Schlosser herbeizu­holen, um die Thüre mit Gewalt zu öffnen. Nach­dem sich alle Meister geweigert hatten, fand sich endlich, gegen 'überwäßigäLlühuunA-ein Gesell, der die Thüre öffnete. *

Seit gestern sind sämmtliche Druckereien wieder frei. Kurz vor dem Abzug der Truppen wurden die Wachen zurückgezogen. Die Freilassung des ObergerichtS-Anwalts Fr. Oetker erfolgte ebenfalls vor dem Abzug des Militärs. Auf die Frage des Verhafteten, wer die Freilassung verfügt habe und auf welchem Grunde sie erfolgte, erwiderte der Kastellkommandant, daß die Entlassung „auf Befehl" (des Oberbefehlshabers von Haynau?) stattfinde. Ein Grund wurde nicht angegeben; ein Verhör ist nicht erfolgt.

Durch die fortwährenden Truppen transporte sind die Kommunikationen in und mit unserem Lande, namentlich auf den beiden großen Bahnstrecken fort­während gestört, und in Folge dessen die neuesten Nachrichten ausgeblieben. Der gestrige letzte Zug der Friedrich-Wilhelms-Nord und Thüringer Bahn ist erst heute Vormittag und der heutige Morgen Zug der Staatsbahn gar nicht eingetroffen.

Kassel, 29. Okibr. Dem ObergerichtSanwall Oetker toll seine gestern erfolgte Freilassung schon gegen 6 Uhr Morgens angekündigt worden sein, ohne alle gerichtliche Mitwirkung und Förmlichkeit, ohne Angabe von Gründen, gerade wie die Ver­haltung stattgefunden hatte. Wie es heißt, ist Hr. Oetker noch mit dem Kastellkommandanten in Wortwechsel gerathen , weil dieser wiederholt auf schnelle Räumung drang, jener aber meinte, er habe sich nicht selbst eingeführl und eingedrängt und fände jetzt keine Veranlassung, sich in der gewohn­ten Zeit des Schlafens, Ankleidens und Kaffeetrin- kenö stören zu lassen. Als Grund der Freilassung wurde nur der „Befehl" deö „Oberbefehlshabers" angeführt.

München, 28. Okt. Heute wurde dem Konst mando der hiesigen reitenden Artillerie eröffnet, die Dienstschreiben an die dctachirte Batterie Lutz bis auf Weiteres nach Alzenau zu adressiren; ein neuer­licher Beweis, daß vorläufig die lleberschrcitung der bayerischen Grenze noch nicht beabsichtigt wird. Die Offiziere sind der Ansicht, daß man vorerst die österreichischen Truppen in Bayern einrsufen lasten will, ehe im Kurhessischen einmarschirt oder über­haupt Bayerns Grenze überschritten werden soll.

Leipzig, 28. Okt. (Fr. I.) Der Befehl zur Mobilmachung- soll an zwei Brigaden ergangen fein. Auch ist ein sächsischer GeneralstabSoffiM