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tung will uns aber auch nicht einmal begründet dünken; denn die Demokratie hatte im Jahre 1848, wenn sie damals auch noch nicht so organisirt war, als heut zu Tage, ungleich mehr Rückhalt im Volke, als jetzt, wo die große Masse desselben sich von ihr abgewandt hat. Warum soll daS Nassauische Volk nun, wenn es gilt, eines seiner wichtigsten politi- schen Rechte auszuüben, wenn es seine Vertreter wählen soll, minder besonnen zu Werke gehen, als zur Zeit, wo eS, wie ganz Deutschland, in fieber­hafter Aufregung sich befand? Daß ihm alle Ver­nunft, alle Ruhe und Besonnenheit so gänzlich ab­handen gekommen sei, daß eS sich ruhig der Demo- tratie Preis gebe, kann wenigstens gewiß nicht für eine ausgemachte Sache angenommen werden!

•§* Rennerod, 25. Oktbr. Der Eid gehört, abgesehen von seiner religiösen Bedeutung, zu den Stützender menschlichen Gesellschaft. Ein geistreicher Verstorbener, Graf Gustav von Schlabrendorf, sagt einmal: „ES gibt ein Nahrungsmittel, daS nicht das köstlichste, wohl aber daS unentbehrlichste ist — daS Brod. Der Arme lebt fast nur davon; der Reiche kann eS nicht missen, Galiani sagt in seinem dialogues sur le commerce; Brodmangel bringt, auch beim Ueberfluß von andern Nahrungsmitteln, HungerSnoth hervor, weil ohne Brod keine andere Nahrung so gut verbauet wird. Was im Verkehr der Speisen daS Brod, das ist im Verkehr der Menschen mit Menschen die Ehr, lichkeit; unansehnlich, wenig geachtet und doch daS Wesentliche, waS den menschlichen Verkehr er­hält; keine glänzende Tugend, aber die brauchbarste und unentbehrlichste im geselligen Leben".

Gilt dasselbe nicht von der Wahrheit im Um­gänge, ist sie nicht selbst gewissermaßen Ehrlichkeit im Verkehr mit den Menschen?

Warum aber wird, wenn dieses anerkannt ist, der Meineid so gering bestraft? Will man anerken­nen, daß er weniger die Schuld deS Einzelnen als als die Schuld der Gesellschaft ist? Mag sein! Um so mehr aber sei es Aufgabe, die Krankheit der Ge­sellschaft, die sich im Meineid manifestier, zu heben. An innern und äußern Mitteln fehlt eS nicht. Sie aufzuzählen, ist hier nicht der Ort; wir haben ganze Bücher darüber; nur vergesse man nicht, daß zu den äußern Heilmitteln auch die Strafe gehört und eine schwere Krankheit auch kräftige Heilmittel for­dert. Sapienti sat!

Nachschrift. Unser Nassauisches Strafgesetz­buch sagt Tit. 25, Art. 229 : „der Meineid wird mit Korrektionshaus von ein bis drei oder mit Zuchthaus bis zu fünf Jahren bestraft". Kann nun auch nach Art. 231 eine höhere Strafe eintre# ten (wenn nämlich der Meineid zu dem Zwecke ge­schworen wurde, einen Unschuldigen in Strafe zu bringen und der Unschuldige zu einer Zuchthaus­strafe von zehn oder mehr Jahren verurteilt wor­den ist), so wird doch immerhin der Bedeutung des Meineides als solchen nicht die gebührende Rech­nung getragen.

chDiez, 24. Okt. Vorgestern wurde im Wald- distrikte Fuchsenhöhle die Leiche deS Daniel Schmidt von Liedenbach, welcher Abends zuvor, um eine Last Holz zu freveln, von HauS weggegangen war, anscheinend durch einen Schrotschuß verwundet, ge­funden. Ein der That verdächtiger Förster ist bereits von dem hiesigen Justiz-Amte gefänglich eingezogen worden.

5 Mannheim, 25. Oktbr. Das HandlungS- hauS Reih len, in dessen Fabrik bisher nur Ko­lonialzucker verarbeitet wurde, yat die bei großher- zogt. Regierung nachgesuchte Erlaubniß zur Be­reitung desselben auS Runkelrüben erhalten. Besag­tes Handlungshaus hat sich zur Lieferung derselben bereits mit mehreren Landwirthen Mannheims und der Umgegend ins Vernehmen gesetzt, und somit dürfte bei unS bis kommendes Jahr ein neuer Kul­turzweig entstehen. — Nächsten Samstag und Mon­tag wird Fräulein Rachel als „Phäbra" und „Adrienne Lecouvreur" auf unserer Bühne auftreten. Die Eintrittspreise zu diesen beiden Gastspielen sind um daS Doppelte erhöht worden. — Täglich kom­men beurlaubte bayerische Soldaten hier durch, die sich in die nahe Rheinpfalz zu ihren Regimentern begeben. DaS Gerücht, daß denselben von der diesseitigen Rheinbrückenwache, welche von unserer preußischen Besatzung besetzt ist, der Uebergang ver­weigert wurde, ist unwahr und wurde von jener Partei auSgesprengt, bei welcher das Lügen zum Handwerke geworden ist. Es werden denselbeu daselbst nur ihre Pässe nachgesehen, und dem Ueber­gang weiter kein Hinderniß in den Weg gelegt. , Auch an der Schlägerei, welche, wie man dem „Schwäbischen Merkur" von hier berichtet, zwischen bayerischen und preußischen Soldaten stattgefunden haben soll, ist kein wahres Wort.

Aus Fulda bringt das „Fr. I." folgende Mittheilung: „Die preußischen Offiziere sprechen eS ganz bestimmt aus, daß, wenn Bayern in Kur- heffen einrücken, sie ihnen auf der Stelle den Kampf bieten würden. Eine vorgestern in Geisa eingetrof- fene Nachricht, die Bayern seien in kurhesfischem Ge­

biete eingerückt, hatte die Folge, daß sich die Preu­ßen augenblicklich zum Aufbruch bereitmachten; als jene Nachricht sich irrig erwies, wurden preußischer Seite PiketS nach der bayerischen Grenze hin ab­gesendet. Ein im Städtchen Geisa 'sich aufhalten­der bayerischer Genöd'arm wurde von den Preu­ßen ausgewiesen und nach der bayerischen Grenze gebracht".

Kassel, 28. Oktbr. (T. D. d. Fr. Bl.) Sämmt­liche hiesige Regimenter haben verwichene Nacht Ordre erhalten, in die Provinz Hanau aufzubrechen und sind bereite zum größten Theile abmarschirt. Nur das Schützenbataillon bleibt einstweilen zur Bewachung deS Zeughauses und deS Kastells, hat jedoch Anweisung, sich beim Einrücken fremder Truppen als abgelöst zu betrachten. — Oetker wurde heute Vormittag feiner Haft entlassen.

Kassel, 25. Oktbr. Der Generalstabsarzt hat wegen immer stärkeren Umsichgreifens der Cholera in den Kasernen eine abermalige Beurlaubung deS Militärs beantragt.

Kassel, 27, Oktbr. Die Zahl der Sterbefälle beträgt nach dem gestern erschienen amtlichen Ber- zeichniß vom 18. bis zum 24. ercl. d. M. 182, also in 6 Tagen % Prozent der Bevölkerung, welche mit nur wenigen Ausnahmen sämmtlich Opfer der Cholera sind. Man hatte in den letzten Tagen nicht Hände und Wagen genug, die Leichen zu be­erdigen, und so mußten dieselben oft 3 Tage über der Erde bleiben. Seit dem 25. hat die Seuche in­deß, dem Himmel sei Dank, fast gänzlich aufgehört. Gestern sind nur 3 Erkrankungöfälle und kein To­desfall gemeldet worden.

Von der Wirksamkeit deS Finanzministeriums und der neugebildetcn KommifstonkA seit der ander- weiten Organisation der Finanzverwaltung erfährt man noch nichts; so viel ist indeß gewiß, daß man einen anderweiten Versuch, die Steuern beizutreiben, in der Kürze machen wird, der indeß ebenfalls an der Pflichttreue der untern Beamten und dem Wi- derstanb'der Staatsbürger scheitern wird. — In ver. schiedenen Wahlbezirken, so auch in dem hiesigen städtischen werden bereits Vorbereitungen »zünden demnächstigen Landtagswahlen gemacht, wenn an­ders nach den Beschlüssen im Rath der gewaltigen überhaupt noch Landstände nach dem bestehenden Wahlgesetz znsammenkommen werden.

Stuttgart, 25. Okt. Die Württemberg. Ztg. bezeichnet die Nachricht als unbegründet, „daß zwei würtembergische Brigaden bestimmt seien, an die Grenze oder — sonst wohin zu marschiren.

Dresden, 25. Okt. Das Kriegsministerium macht bezüglich der deutschen Nationalfarben Fol­gendes bekannt: „Den Offizieren außer Dienst, welche die Erlaubniß zum Tragen der Armeeuni­form erhalten haben, und welche die für die Bun- deSarmee im Jahre 1848 festgestellte Kokarde ange­legt haben sollten, wird zur Nachachtung bekannt gemacht, daß die in den Kokarden aufgenommenen deutschen Farben für jetzt wieder wegfallen und nur die Landesfarben in den Kokarden getragen werden sollen, indem erstere Farben als ein allge­meines Erkennungszeichen für den Fall deS AuS- rückenS eines BundeSheereS ungeordnet worden, welcher Fall jetzt aber nicht vorliegt."

Hannover, 26. Oktober. DaS neue Ministe­rium soll gestern Abend wieder bis zu demselben Stadium wie daS vorige Mal zu Stande gekommen sein; eS würde nun wieder auf die Entscheidung des Königs ankommen. Sicher, wie wir hören, fühlte man sich nicht.

Ein Berichterstattter deS „Hamb. Corr." nennt folgende Namen: Münchhausen: Ministerpräsident und auswärtige Angelegenheiten; Lindemann auS Lüneburg: Inneres; v. Rössing, OberappellationS- ralh: Justiz; Landdrost, Theodor Meyer in Hildes- deSheim: geistliche und Unterrichts-Angelegenheiten; Jakobi: Krieg; Finanzen — wir wissen nicht, ob Francke auS Harburg, früher in dieser Beziehung genannt das Ministerium wird übernehmen wollen oder können. Er bezeichnet ferner diese Kombi­nation als einen Personen- aber nicht als einen Systemwechsel.

Berlin, 24. Okt. Die bairischen Geschäfts­träger an deutschen Höfen sollen angewiesen sein, die Vermehrung der Streitkräfte und Zusammen­ziehung von Truppen ihres Landes dahin zu erklä­ren, daß dieselben zu einer Intervention deS Bun­destages in Schleswig-Holstein bestimmt seien. In Hannover wenigstens soll der dortige bairische Ge­sandte eine Erklärung obigen Inhalts abgegeben haben. (H. N.)

Verschiedene Blätter melden, Prinz Karl werde von Cosel nach Warschau gehen. Die N. Pr. Z. sagt, sie habe bis jetzt nur erfahren, daß der Prinz den Kaiser von Oesterreich in Cosel empfangen und bis Myslowitz begleitet habe. Der österreichische Gesandt« Buol-Schauenstein ist hier durch nach Warschau gereist.

Hr. v. Radowitz hat gestern seine Dienstwoh. nung im Gebäude deö Ministeriums des Auswär­tigen bezogen.

Berlin, 26. Oktober. Gestern Abend um io Uhr hatie sich auf dem Potsdamer Eisenbahnhose bei Ankunft deS Kölner Zuges daS Gerücht ver, breitet, der kurhessiische Minister Hassenpflug sei mit dem Zuge angekommen. ES entstand hierüber eine solche Aufregung unter den Anwesenden, daß außer den auf dem Bahnhöfe stationirten Schutzmann- schaften noch Verstärkung requirirt werden mußte um daS Publikum vom Bahnhöfe zn entfernen. '

Auch ein Theil der hiesigen Garderegimenter hat jetzt Ordre erhalten, sich marschfertig zu halten, und daS zweite Garde-Uhlanenregiment, seine Reser, ven einzuziehen.

Nach dem „Magd. Corr." wären in neuester Zeit wieder Annäherungsvorschläge nach Wien ab. gegangen. Dieser neueste Umschwung sei durch dj, Einwendungen deS Grafen BernSdorf, diesseitigen Gesandten am Wiener Hofe hervorgerufen, der schon -früher eine Reise antrat, um nicht der Ueberbringer der bekannten Noten daS Herrn von Radowitz zu sein, und neuerdings erklärt haben soll, er könn, eS nicht mehr über sich gewinnen, der Dolmetsch einer Politik zu sein, welche er seiner Ueberzeugung nach verwerfen müsse. Diese Erklärung habe ihr, Wirkung auch auf Herrn von Radowitz nicht ver, fehlt. (N.-Z.)

Hamburg, 25. Oktbr. (Nrdd. fr. Pr.) Gestern Paffirle hier, wie eS schien inkognito, der General Hahn durch, um sich nach Kiel zur Statthalter­schaft zu begeben. Der genannte General ist, wir Sie wissen, seit dem vorigen Jahre in den Herzog- thümern eine beliebte Persönlichkeit; man flüstert von einer vertraulichen Sendung, deren Inhalt man natürlich nicht kennt. Aber auS der Persön­lichkeit des Gesandten will man schließen, daß man es in Berlin für nöthig gehalten habe, den Ein­druck einer unwillkommenen Sendung durch einen willkommenen Gesandten zu mildern. Man bringt die Sendung des General Hahn in Verbindung mit dem Andringen der Großmächte auf Beendigung der schleswig-holsteinischen, mit gewissen Vorgän­gen im Schooße des preußischen Ministeriums, end­lich mit einem beabsichtigten oder schon getroffenen j Arrangement der deutschen Frage, die für SchleS- I wig-Holstein nichts weniger als günstig sein dürfte.

I Hamburg, 26. Oktober. D«S (erste) Konnte für Schleswig-Holstein hatte schon vor längerer Zeit wegen Zahlung der der Statthalterschaft schuldigen BerpflegungSgelder arf den Senat eine Supplik ein«, gereicht. Ohne alle Antwort gebkssven, hat eSW veranlaßt gesehen, daS Gesuch, in einer weiteren dringenden Vorstellung an den Senat, in diesen Ta­gen zu wiederholen.

Von der Eider, 23. Oktober. (Nordd. fr.Pr.) Am gestrigen Tage haben die Unsrigen wieder einige Kugeln und Bomben nach dem jenseitigen Ufer hin­übergeschickt , wahrscheinlich um die Dänen bei } Schanzarbeiten westlich von Friedrichstadt zu stören. Im Uebrigen ist in der Umgegend der Stadt und wohl allenthalben vollkommene Waffenruhe.

Vom Schleswig-Holsteinischen Heere, 24. Okt. Man glaubte heute die Möglichkeit eines An­griffs von dänischer Seite hoffen zu können und leb­hafte Thätigkeit herrschte daher auf verschiedenen Stellen bei unseren Vorposten. Bei Sorgbrück, auf der großen Straße nach Schleswig, wo bei bet jetzigen schlechten Wegen wohl der Hauptangrif statt finden würde, war daö 10. Bataillon, waS dort seit langen Wochen auf dem Vorposten steht und sich diesen Ehrenplatz nicht nehmen.lassen will, allarmirt und schickte Patrouillen über Patrouillen gegen den Feind aué , die aber weiter nichts ent­deckten, nur eine dänische Dragoncrvedette vom 4. Dragonerregiment mit Sack und Pack gefangen nahmen und einen dänischen Spion unter sehr ver­dächtigen Umständen erwisch.en. Am rechten Flügel gerielh eine starke Patrouille vom 1. Bataillon hart mit einer stärkeren dänischen Jnfanleriepatruoille zu­sammen, wobei wir 3 Tobte verloren.

Ueberhaupt sind wir im kleinen Kriege den Dänen mit geringen Ausnahmen stets überlegen ge­blieben, da der dänische Soldat, so muthig er sich auch in fester Linie , wo er von seinen Offizieren übermalt wird, schlägt, für den nächtlichen Vor­posten sich selten eignet. Bei unS sind besonders unter den 5000 Freiwilligen, die wir auS dem üb­rigen Deutschland haben, viele gewandte, zum klei­nen Krieg trefflich passende Leute. In letztrer Zeit hat sich ein polnischer Unteroffizier hier, der früher alS Offizier bei den Sardiniern gedient, sehr ge­wandt in der Ausführung von kleinen Schleichpi" trouillen gezeigt.

Kiel, 24. Okt. (Fr. I.) Die Besorgniß, daß Dänemark von dem Frankfurter BundeSrath die schmähliche Vollmacht zur Pazifikaiion Holsteins erhalten und dann eine Jnfasion in dieses Bundes­land versuchen werde, scheint noch immer fortzu-