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Ri»' minder alS nie erhaben die politischen Aussichten sich aufgebellt. M m Hi, im August eine Intervention deS Myrten ^Bundestages zu Glmsten Dänemarks befürchtet werden, so ist diese Befürchtung jeßt so Jut wie beseitigt; Preußen hat den Frieden geschlo,- S "bamit der Streit durch den Einzelkampf ter »nächst Beth-iligten gefchitchtet werde. Daß Preu­ßen den Kampfplatz unter allen Umständen fre, Hal- ten wird, daran zweifelt man nicht. England hatte sich eingelassen, damit Rußland nicht allein c.nschreue; der für den Gesämmtstaat rutsilcher Snts desigmrle Thronfolger verlangt die volle An-p eunung der Reckte der Herzogthümer ; die öffentliche Meinung in England und Frankreich neigt auf die Sei e ^eblcswia Holsteins; in Dänemark selbst will die Partei welche seit dem März 1848 am Ruder ist, welche'den Krieg begonnen hat und fonführt, weder Holstein noch den Gesammlstaat, sondern Schleswig und Schleswig allein; sie fürchtet die Intervention Rußlands, weil diese zugleich der Verfassung und ihrer eigenen Herrschaft ein Ende machen würde.

Kiel, 19. Okt. (F. I.) Vorgestern wäre bei­nahe ein großer Theil des dänischen Generalstabs in unsere Gefangenschaft gerathen. Derselbe war längs der ganzen Vorpostenlinie herunterg-ritten und hatte sich in einem, unsern Vorposten nahcbelegenen Dorfe unweit Osterbyl gemüthlich zum Frühstücke niedergesetzt, als eine Dragonerpatrouille der Unsri- gen von der anderen Seite in das Dorf rückte. Nur die verrätherische Dazwischenkunft eines Bauern, der die schmausenden Herren von der sie bedrohenden Gefahr benachrichtigte, verhinderte unsere Reiter, diese glänzende Beute zu machen. Der Generalstab hatte nur eben Zeil, sich auf die Pferde zu werfen und sein Heil in der Flucht zu suchen. Der Bauer, welcher ihnen diese unpatriotische Gefälligkeit er­wiesen, ist gefangen nach Rendsburg cingebracht worden. Sonst ist Alles still auf dem Kriegsschau­platz. Es scheint, als wenn in diesem Augenblick alle Kraft und Thätigkeit mehr nach Innen, als nach Außen gerichtet ist.

Wien, 17. Okt. Die heutige amtliche Zeitung bringt drei lang erwartete wichtige Gesetze, die be­reits vor ein paar Tagen durch den Telegraphen gemeldet sind; daS erste betrifft die Errichtung eines Tilgungsfonds in jedem Kronlande für die Entschä­digungen, welche in Folge der Grundentlastung den früher Berechtigten gewährt werden. Das zweite verordnet die einzelnen Bestimmungen, nach welchen die Grundentlastung in Galizien vorgenommen wer­den soll. Ohne Entschädigung aufgehoben, werden alle Leistungen, welche aus dem frühern Unter« thansverbande, überhaupt aus einem persönlichen Nexus entsprangen, das obrigkeitliche Weiderecht, der Bier- und Branntweinzwang, die Jagd auf fremdem Boden und die Jagdfrohnben, die Robot . und Robotgelder der Jnnleute und der Häusler 2C. Dafür entfallen aber auch alle Gegenleistungen der früher Berechtigten. Zur Werthermitilnng der Ab­lösungssumme bei Naturalleistungen wird das Jahr 1820 als Norm angenommen. Nach Abzug der Gegenleistung werden den Berechtigten im ganzen „ zwei Drittel der frühern Bezüge vergütet. DaS dritte Gesetz ordnet die Zollerhebung der direkten Steuern für das Verwaltungsjahr 1851 an. Die StaatSbedürfnisse, heißt cs darin, ließen keine Ver­minderung der alten Steuersätze zu. Die Fonds sind in Folge der Publikation des ersten Gesetzes gefallen. — Vorgestern kam der Patriarch Rajachich hier an und wird in der Synode der griechischen Bischöfe präsidiren.

Wien, 18. Oktober. Daß die Regierung die Steuern für das Jahr 1851 einseitig, ohne die ver­fassungsmäßige Genehmigung deS Reichstages aus­geschrieben hat, darüber sich wundern wollen, daS hieße Scherz treiben. Aber daß die Regierung bei jener Ausschreibung eS nicht mehr nöthig gehalten hat, darüber wie bei ähnlichen Gelegenheiten doch zu geschehen pflegt, ein Wort der Entschuldigung auszusprechen, das bezeichnet unsere Lage so deut­lich, daß nachgerade auch die Blinden sehen müssen.

Wien, 18. Okt. Der Neuigkeitsbote meldet: Seit einigen Tagen wiederholen sich hier Gerüchte von Einsetzung eines obersten ReichSrathö; nach Andern wäre die sofortige Errichtung einer PairS- kammer zu gewärtigen, ohne daß die Provinzial« Landtage früher einberufen würden. — Major Babarczi wurde zum Adjutanten deS Erzherzogs . Joseph ernannt. — Henie ist Ministerbcralhung, eS soll daS Statut für Ungarn zur Entscheidung kommen.

Wien, 19. Okt. (Tel. C.-B.) Die Landes- Verfassung für Galizien ist erschienen. Die Re«

gierungSgebiete Krakau, Lemberg, Stanislawow erhalten abgesonderte Vertretungen — Curien ge­nannt —, die nie zusammentreten dürfen. Nur für allgemeine Landesangelegenheiten wird ein auS 33 Mitgliedern bestehender ZentralauSschuß gebildet, der sich blos zeitweilig zu versammeln hat und na­mentlich dann entscheidend eingreifen soll, wenn 2 Curien ein allgemeines Landesgesetz beantragen. Uebrigens erhalten die sanktionirten Kurialbeschlüsse auch die Kraft von Landesgesetzen. In den Curien erscheint die bäuerliche Bevölkerung vorwiegend ver­treten, wie etwa zwei Drittheile zu einem Drittheile der Höchstbesteuertcn und Stabtgemeinden. — Der Kaiser ist gestern zurückgekehrt, gleichfalls der Fürst Schwarzenberg. Die Reise nach Warschau steht bevor. Die kurhessische Angelegenheit wird ernsthaft ventilirt.

Wien, 17. Okt. (Lloyd.) Der Ministerpräsi­dent Fürst Schwarzenberg ist heute hier eingetroffen. König Otto von Griechenland wird am 27. d. M. in Baden bei Wien erwartet; er verläßt, wie wir hören, München am 24. d. M. Der herzoglich Parmasche Ministerpräsident, Baron v. Ward, ist gestern von hier nach Dresden abgereist.

Die immer lauter werdenden Wünsche eines Theiles der Finmaner Bevölkerung nach einer Tren­nung von Kroatien und einer Wiedervereinigung mit Triest haben das Ministerium bestimmt, diesen Gegenstand neuerdings in Berathung zu ziehen.

Wien, 17. Okt. (C. Bl. a. B.) Ich beeile mich, Ihnen auf das Zuverlässigste mitznlheilen, daß die italienische Anleihe nicht durch Zwang, sondern durch Bankiers gemacht wird, und daß die bedeutendsten Häuser Mailands schon Anerbietun­gen gemacht haben. Herr v. KrauS hält sich je­doch ziemlich zurück, weil er von anderen Seiten bessere Vorschläge zu erhalten hofft.

Ungarn.

Dem in einem magyarishen Blatte veröffent­lichten Schreiben eines ungarischen Emigranten auS Konstantinopel entnehmen wir die nachfolgenden Stellen: „Die Gebildeten unter uns üben, beson­ders feit sie die türkische Sprache erlernt, einen so großen Einfluß auf die Bewohner deS Landes, daß diese unsere Abreise gewiß bedauern werden. Wann diese stattfindet , ist jedoch unbestimmt; eS heißt ziemlich allgemein, daß Einige von uns am 7. Okt. nach England und von da nach Amerika gehen sol­len.... Wer von uns arbeiten oder alS Soldat dienen wollte, der hatte sich gewiß nicht zu bekla­gen. Ich hatte, als ich daS türkische Gebiet betrat, nicht mehr als 2 Dukaten, und feit kaum einem Jahre habe ich mir mehr als 2000 Fl. C.-M. er­spart , theils von meinem Verdienste, theils von Geschenken, die ich annehmen mußte, da der Türke keine größere Beleidigung kennt, als wenn seine Geschenke zurückgewiesen werden.... DaS Volk ist noch immer im höchsten Grade bigott; die Generale Bem, Stein, Kmely worden als Mohamcd'S Ver­wandte betrachtet, dagegen Kossulh, Perczel u. s. w., die nicht zum Islam übertraten, für blind gehalten. Die Türken setzen in daS Wort eines Ungarn un­bedingtes Vertrauen; man leiht ihm Geld ohne irgend eine Schrift, ja, man bietet eS den Dürfti­geren sogar an; sie sagen, ein Ungar könne nicht betrügen. Mein Vorgesetzter M. Pascha bot un­serem Freunde B. erst kürzlich 2000 Piaster an, und freute sich kindisch, als dieser daS Geld annahm. So machte ein bei uns ganz gewöhnlicher Vorfall hier ungeheure Sensation. Ein gewisser H. auS K. im S. Komitat war einige Gulden schuldig ; sein Vater sandte kürzlich daS Geld mit vielen Dankes- Äußerungen an den betreffenden Gläubiger. Die Türken waren ganz entzückt, alS sie dies erfuhren; sie sagen, wenn bei unS dem Vater an der Ehre seines so jungen kaum neunzehnjährigen SohneS so viel gelegen sei, so müsse die ungarische Nation eine grundehrliche fein." — Wie ungarische Blätter melden, haben die siebenbürger Behörden Befehl er­halten, ihre amtlichen Korrespondenzen in keiner an­dern alS in der deutschen Sprache zu führen. — Des Kontrastes halber erwähnen wir einer andern Notiz, welche daS „Pesti Naplo" bringt, daß näm­lich in Pesth Viele Tag und Nacht Russisch lernen, und darunter auch solche, die früher keinem der sla­wischen Dialekte sonderlich gewogen waren. — Ba­ron Nikolaus Vay, der mehrseitig als der künftige Statthalter Ungarns bezeichnet ward, ist von Wien nach Pcsth zurückgekehrt und wird sich von da auf sein Landgut begeben.

F r a « k r e i ch

Paris, 20. Okt. Es heißt, Marschall Soult habe zu wiederholten Malen die Einladung erhalten sich nach Paris zu dem Präsidenten Louis Napo­leon zu begehen; er habe jedoch diese Einladung abgelehnt, da sein schwacher Gesundheitszustand und sein vorgerücktes Alter ihm eine weite Reise nicht mehr erlaube.

Die Generale Lamoricière und Bedeau haben seit einigen Tagen häufige Zusammenkünfte mit dem General Changarnier gehabt.

Die türkische Flotte, welche in den letzten Mo­naten im Archipel kreuzte, ist am 4. d. nach Kon­stantinopel zurückgekehrt.

Spanien.

Madrid, 15. Oktober. Der Kaiser Soulouque soll an die spanische Regierung daS Gesuch gerichtet haben, ihm Beistand gegen die Invasion zu leisten, welche Lopez und dessen Genossen vorbereiten. Deren Plan soll dahin gehen, von Sanio Domingo auS ihre Operationen gegen den Kaiser Soulouque zu wenden, um nach der Eroberung Haiti'S eine neue Expedition nach Cuba zu unternehmen.

Italien.

Florenz, 11. Okt. DaS Gerücht von der Re­organisation des MaltheserordenS taucht wieder auf. Ein diplomatischer Agent, der sich seit einiger Zeit hier aufhält, soll sehr eifrig damit umgehen und Emissäre zur Anwerbung von Mitgliedern in ganz Italien Hcrumsenden. Der Orden soll eine politisch­militärisch-geistliche Organisation erhalten.

DaS Risorgimento schreibt über dieses Gerücht: „Die Zeitungen fabelten vor einigen Monaten von dem Plan, daß der Malteserorden wieder hergestcllt werden sollte. In allen katholischen Staaten sollte Mannschaft für den päpstlichen Dienst angeworben und den Maltesern daS Kommando derselben über­geben werden. Obgleich man den Gedanken an Wiederbelebung jener ecclesia militans aufgegeben hat, so verfolgt man doch eifrig den Plan, die Malteser-Ritter für kirchlich - politisch - militärische Zwecke zu gewinnen. ES handelt sich jetzt um Be« gründung eines Vereins zur Vertheidigung von „Thron und Altar", dessen Leitung die Malteser übernehmen sollen. Agenten durchreisen dafür schon Italien. Sie haben seiner Zeil gewiß im Moni­tore ToScana gelesen, daß unserm Großherzog ein Kavalier in der Eigenschaft eines „diplomatischen Agenten deS Malteserordens" Aufwartung gemacht hatte. Dieser Herr hat nun in Toscana bereits seine Leute gefunden, und unter diesen den bekann­ten Grafen Orsini. Auch in Piemont wirkt man im Stillen ; man hat Geld in den Händen und verspricht Würden und Anstellungen.

Turin, 16. Okt. Gestern Abends versammel­ten sich viele Neugierigen auf dem Bahnhöfe der Eisenbahn, um die Ankunft deS Herrn Pinelli ab. zuwarten. Um 8 Uhr traf er denn auch mit dem Abendzuge von Moncaliere ein, und wurde von seinen Freunde» und Bekannten unter der anwe­senden Menge freudig begrüßt. Auf dem königlichen Schlosse zu Moncaliere war er bereits am Vormit­tage des gestrigen TageS angelangt. Fast sâmmt. liehe Minister waren bei dem Könige versammelt, und die Unterredung, welche Herr Pinelli mit ihnen und dem Könige über die Angelegenheit mit Rom halte, währte über drei Stunden. Gerüchtweise erfährt man, daß der päpstliche Hof Herrn Pinelli seine Pässe zugesandt habe. Vorher hatte eS gehei- ßen, daß Herr Pinelli dieselben gefordert habe. Noch am Abende des gestrigen TageS verbreitete sich daS Gerücht, daß Herr Pinelli, nach vorhergängigem Rücktritte deS Hrn. v. Galvagno, als Minister deS Innern in das Kabinct treten werde. Dieses Ge­rücht wird in sehr verschiedener Weise argumentirt. Vielleicht will das Kabinct durch die Ernennung des Hru. Pinelli zum Minister deS Innern, welches Ministerium er bereits früher verwaltet hat, dem römischen Hofe zu erkennen geben, daß cö durch das Mißlingen der Pinelli'fchen Mission nicht eben empfindlich berührt worden ist. Im Uebrigen ist man völlig im Unklaren darüber, ob die päpstliche Kurie nunmehr mit entschiedenen Akten gegen Pie, mont hervorlretcn wird. Daß Rom nicht zum Nach­geben geneigt ist, geht unzweideutig auS einem eigenhändigen Schreiben an einen piemontesischen Erzbischof hervor, worin letzterer ermahnt wird, ge­treulich und fest in dem Kampfe mit den Feinden der Kirche auSzuharren.

In Betreff deS Turiner KabinetS wird ver­sichert, daß eS bis zur Wiedereröffnung deS Parka- ment<d sich jedes bedeutenderen Schrittes in der Streitfrage mit Rom enthalten wolle; denn es will in der größten Uebereinstimmung mit den Kammern hierin zu Werke gehen. DaS Ministerium sieht i nicht minder ungeduldig alS daS Land dem Tage der Parlaments-Eröffnung entgegen. Nach einem ziemlich vagen Gerücht hat Hr. v. Cavour eine weitere Prorogation der Kammern von 20 Tagen vorgeschlagen, um während dieser Zeit die noch un­geordnete Bndget-Frage zu regeln. So viel wir darüber indeß erfahren haben, ist dieses Gerücht unbegründet, und die Gewißheit vorhanden, daß die Kammern am 4. November zusammenrrelen werden. — Die offizielle Zeitung theilt mit, daß daS Depar­tement der Kriegs- und HanvelS - Marine vom Kriegsministerium getrennt und dem Ministerium