Einzelbild herunterladen
 

Arn V Dörnberg, bei unserm Sabines thun läßt, „aa'en 'gleichfalls durchaus einen versöhnlichen Cha­rakter In dem heute Mittag um 12 Uhr abge- baltenen Ministerralh wurden die Erklärungen deö kurbesslschen Ministeriums einer reiflichen Erörterung unt rstellt und zugleich ein endgiltiger Beschluß da. rüber gefaßt, welche Grundsätze Graf Brandenburg in Warschau zu vertreten und darzulegen habe. Unmöglich ist eS immer noch nicht, wenn auch vor- erst wenig wahrscheinlich, daß unser König mit seinem Schwager irgendwo zusammentriffl, zumal da die Kaiserin herzliches Verlangen trägt, ihren ältesten Bruder nach so langer Trennung auch wie- der einmal zu sehen. Diese Zusammenkunft wäre iedenfallS nur dann ausführbar, wenn die kriege­rischen Aussichten in etwas nachgelassen haben. Eine eigenthümliche Rolle bei den gegenwärtigen Verwickelungen spielt jedenfalls daS Pariser Elysee, daS ohne alle diplomatischen Traditionen, von den Wellen und Winden der Tagesbewegung hin und her geschaukelt wird und so gut als gar keinen Einfluß auf die Gestaltung der europäuchen Ver­hältnisse übt. Unter LouiS Philipp war dies aller­dings ganz anders.

Berlin, 14. Oktbr. Morgen tritt der Mini­sterpräsident, Graf Brandenburg, mit seiner Ge­mahlin die Reise nach Warschau an, um dort den Kaiser und die Kaiserin zu begrüßen. Trotz drin­gender Einladungen seitens der Kaiserin verlautet bis jetzt nichts Gewisses darüber, daß der König sich in Person nach Warschau begeben werde. Da­gegen ist auch der preußische Gesandte v. Rochow daselbst aus Petersburg eingetroffen, und wie es heißt, werden auch die Vertreter der anderen Mächte dem Hoflager deS Czaaren folgen. Auf das ungewöhn­liche Ereigniß dieser Verlegung der kaiserlichen Re­sidenz blickt man von hier aus noch immer mit der Erwartung eben so ungewöhnlicher Dinge; theils glaubt man, daß sich in Warschau ein Kongreß vor­bereite, der über verschiedene europäische Fragen eine Entscheidung herbeiführen solle, theils erwartet man, daß von Warschau aus auch für Rußland selbst wichtige Entscheidungen auSgehen werden, und in erster Linie dieser Erwartungen steht wieder daS Gerücht einer bevorstehenden Proklamirung des zwei­ten Sohnes deS Kaisers, deS Großfürsten Constan­tin, zum Nachfolger an Stelle des Erstgebornen.

Berlin, 14. Okt. Die preußischen Vorschläge sollen, nachdem im Eingänge eine Uebersicht der Sachlage gegeben und hierbei die Begründung eines parlamentarischen Bundesstaats als Endziel be­zeichnet worden, am Schluß in den folgenden drei Punkten enthalten sein: 1) Das Bündniß wird bei- behalten; 2) die verbündeten Regierungen handeln gemeinschaftlich rücksichtlich der Organisation deS weiteren Bundes; 3) eS findet eine Vereinbarung in Bezug auf die zur Ausführung deS DefinitivuinS nothwendigen Modifikationen statt. Der letztere Punkt ist uns unklar. Es ist übrigens leicht ein­zusehen, daß, wenn ein Compromiß unter den ver­schiedenen Richtungen im preußischen'Ministerium stattgefunden, dasselbe in diesem dritten Punkt lie­gen müßte: und darin würde die Vermuthung lie­gen, daß dieser dritte Punkt sich nicht auf die Ge­genwart beziehen, sondern eine der Thätigkeiten des Fürstenkollegiums nach Verlängerung des Bündnisses bezeichnen soll. Gerade auf diesen Punkt nun scheint sich die Clausel zu richten, mit welcher nach den obigen Angaben der UnionSregie- rungen ihre BcitrittSurkundcn versehen.

Die Konst. Korr, berichtet, der Landrath von Selchow werde nicht in'S Deffauische Ministerium eintreten. Dagegen refleklire bereits eine große An­zahl von Mitgliedern des hiesigen Gemeinderaths auf Hrn. v. Selchow, um ihn zum Oberbürgermei­ster der Residenz zu wählen.

Rendsburg, 12. Oktbr. Ueber den Vize-Feld- webel Fröhlich ist die zuverlässigste Nachricht einge­troffen, daß er in Ketten nach FlenSburg gebracht und mit Ketten an das Schiff geschmiedet worden, worin er nach Kopenhagen tranSportirt ist. Bei seiner Gefangennahme ging es folgendermaßen zu: Er hatte häufig Briefe dänischer Gefangener in der Weise befördert, daß er ohne Waffen zu den däni­schen Patrouillen ging und ihnen die Schreiben über­gab. In ähnlicher Veranlassung ließ er nach Kropp hinein den Wachtmeister einer dänischen Patrouille fragen, ob tr unbehindert mit ihm reden könne. Der Däne erklärte sich bereit, hierauf einzugehen, alS aber Fröhlich im Dorfe ohne Waffen vor dem Feinde erschien, zog der Letztere ein Pistol auS der Tasche und überwältigte ihn. Der gefangene Hauptmann Peß wird als FestungS.Arrestant deö strengsten Gra- deS behandelt. Wir vernehmen, daß man nicht länger gesonnen sei, solche Barbareien ohne Retorsion zu dulden.

Wien, 13. Oktbr. Der Minister Bach ist zu- rückgekehrt. Die Gerüchte einer Differenz im Mi­nisterium sind grundlos.

Wien, 12. Oktbr. (N. B.) Der Minister des Kunern, Dr. A. Bach, wurde vom Kaiser zum Ge-

heimerath ernannt. — Die bis zur Einberufung beurlaubten Mannschaften und Unteroffiziere des in Böhmen dislozirlen Armeekorps erhielten den Befehl zur Einrückung.

Wien, 12. Oktbr. (Allg. Ztg.) Man hat in letzterer Zeit von einer beabsichtigten Reise deS Fürsten v. Schwarzenberg nach Warschau gesprochen. Neuerdings will man wissen, Se. Maj. der Kaiser selbst werde sich, gleich dem König von Preußen, dahin begeben. Mag die Sage sich bestätigen oder nicht, jedenfalls scheint eine Verständigung mit Preußen wieder viel näher gerückt.

Mit dem Telegraphen ist die neue Metamor­phose der preußischen Union heute hier bekannt ge­worden. Die Oesterr. Korr, zeigt sich sehr zu. frieden mit dieser Wendung. „DaS Definitivum im Provisorium", heißt eS dort, „sei nichts anderes als eine Erhebung deS Provisoriums zum Defini- tivum. So fange Preußen an der Form der Union festgehalten, habe eS den Begriff deS deutschen Bun­des, aber ohne Form gewollt, jetzt werde eS diese Form zugcstehen, seit eS sich mit dem Begriff der Union ohne Form begnüge".

Dänemark

Kopenhagen, 12. Okt. (H. C.) Der König hat ein großes Avancement in der Armee vorge­nommen. Der Oberst vom Generalstabe, v. FlenS- borg, ist zum Generalmajor ernannt. Dannevirke spricht jetzt von 180 Tobten und Verwundeten bei Friedrichstadt; die Zahl der lebenden Gefangenen ist 33, die der todten 162. Die Subskriptionen für Friedrichstadt haben einigen Fortgang. Der König hat 1000 Sp. Thaler dazu gegeben.

B e l g i e n.

Brüssel, 14. Okt. Unter Kanonendonner und Gewehrsalven, die seine Ankunft verkündigten , traf heute Nachmittags 20 Minuten vor 4 Uhr der Trauer-Konvoi mit dem Sarge, der Die Leiche der Königin enthielt, an dem Bahneinschnitte zu Lacken ein, wo die zur Bildung deS Trauerzuges nach der Kirche eingeladenen Personen und eine ungeheure Volksmenge feiner harrten. Die Bürgergarbe bil- bete von bem AnkunftSplatze bis mitten in das Dorf Laeken Spalier ; nie war sie in allen ihren Waffen­gattungen zahlreicher versammelt gewesen. Der Bürgergarde schlossen sich die Zöglinge der Militär- schule, 3 Bataillone Karabiniers und das 4. Linien, Regiment bis zur Kirche an, deren Zugänge daS Grenadier-Regiment besetzt. DaS Regiment Gulden und die Artillerie zu Pferde mit angeschirrten Ge­schützen setzten daS Spalier bis zum Schlosse fort. Um 3'/4 Uhr langten von dort her in schwarz be­hängten Equipagen der König und seine zwei Söhne, Die Prinzen Nemours, Joinville und Aumale im Dorfe an. DaS entstellte Antlitz und der ganz zu­sammengefallene Körper des Königs machten einen schmerzlichen Eindruck; fast nicht weniger angegriffen schienen seine Söhne und seine Schwäger zu sein. Als der Konvoi angelangt war, trugen 12 Unter» offnere der Bürgergarbe den Sarg auS dem zu einer beleuchteten Kapelle gemachten Wagen nach dem Leichenwagen, welcher ihn nach der Kirche bringen sollte. Derselbe war ganz mit schwarzem Sammt umhüllt, auf welchem silberne Sterne glänz­ten, und wurde von 6 ganz mit schwarzem Tuch bedeckten Pferden gezogen. Auf dem schwarzen Sammt des Sarges erblickte man ein großes st Iber» neS Kreuz und oben die Königskrone., Während der Sarg nachdem Leichenwagen getragen warb, näherte sich der Erzbischof von Mecheln dem Könige und hielt eine kurze Anrede, auf welche der König aber nur da­durch zu antworten vermochte, daß er sich mit unauS sprechlicher Betrübniß verbeugte. ES war fast vier Uhr, als sich der Traucrzug langsam und feierlich nach der Kirche in Bewegung setzte. Mehrere Truppen- abtheilungen eröffneten denselben; dann kamen die gestimmte Geistlichkeit, zuletzt der Erzbischof und hinter diesem der Leichenwagen. Die Enden deS Leichentuches hielten die Präsidenten beider Kam­mern, drei Minister und der General-Lieutenant und General-Inspektor der Bürgergarde. Unmittelbar hinter dem Wagen schritten der König und seine Söhne, die drei französischen Prinzen und Der Her­zog von Sachsen-Koburg-Kohary einher, worauf die Minister, das diplomatische Korps und die unzäh­ligen übrige!: Leidtragenden in langer Reihe folgten. An der Thür Der ganz mit schwarzem Tuche auS- geschlagenen Kirche, in welcher man vor dem Chor einen mit zwei Reihen brennender Wachskerzen um­gebenen Katafalk auf einer Plattcform errichtet hatte, machte der Zug Halt. Der König trat mit den Prinzen zuerst ein und nahm seine Stellung hinter dem Katafalk, Den sodann Die Minister, daS diplomatische Korps rc. umgaben. Die Unteroffiziere hoben nun den Sarg vom Wagen und setzten ihn, unter VorauStritt deS Erzbischofs, unter denKata. falk nieder, über dem sich ein weiter Baldachin wölbte. Die hierauf folgende feierliche Handlung

dauerte kaum 10 Minuten. Nachdem mit Orgetbe> gleitung daS de profundis gelungen worden war, ertheilte der Erzbischof den Segen und geleitete sodann den König feierlich bis an die Kirchenthür, wo derselbe mit den Prinzen in die Equipagen stieg und nach dem Schlosse zurück fuhr. Morgen und übermorgen bleibt die Leiche in der Kirche ausgestellt.

Frankreich

Paris, 14. Okt. Die Spalten der heutigen Journale sind fast ganz mit Einzelnheiten über den Tod der Königin der Belgier angefüllt. Die legi, timistische „Opinion Publique" will Nachrichten auS FrohSdorf erhalten haben, denen zufolge man dort mit der größten Spannung günstigeren Nachrichten über den Zustand der Königin Der Belgier entgegen sah. Die Gemahlin deS Grafen Chambord habe Die größte Sympathie für die Unglücksfälle, die in der letzten Zeit Die jüngere Linie der Familie Bour- bon betroffen, gezeigt. Die „Opinion" versicherte alsdann, daß der frühe Tod der Fürstin Louise von Orleans die ganze königliche Familie in die tiefste Trauer versetze und dieser großen Familie, die nicht aufgehört habe, die erste Frankreichs zu sein, ge- meinschafilich fei. Das tiefe Bedauern, welches die legiiimistischen Organe an den Tag legen, fällt um so mehr auf, Da gerade die verstorbene Königin dasjenige Mitglied Der Familie Orleans war, daS einer Fusion der beiden Linien und einer Anerken­nung der Rechte des Grafen von Chambord am feindlichsten gesinnt war.

Paris, 14. Oktbr. Der Conftitutionnel ist über Den Tabel der Permancnzkommission so empört, daß er ihn für unmöglich erklärt. „ES wäre ja ein Staatsstreich Der Kommission", ruft er auS, „die ihre Mission verkannt, ihre Vollmachten überschrit, ten und Die Konstitution verletzt hätte. Die Kom- Mission kann nichts, als die Nationalversammlung zusammenberufen, und wenn sie jufammengetreten ist, ihr erklären, weßhalb sic eS gethan hat. DaS st uD die Schranken ihrer Stellung, über die sie nicht hinauskann, ohne straffällig zu werden. ES ist mög, lich, baß im Protokoll bemerkt ist, der General La- mvriciere und Andere hätten einen Tadel gegen die Regierung ausgesprochen, die Kommission selbst aber als solche kann sich kein solches Vergehen zu Schul­den kommen lassen". Auf diese Weise macht der Conftitutionnel Die Ankläger zu Angeklagten.

Nach dem „Morning Chronicle" soll der Admi­ral Le Prebour Die argentinische Flagge, bei seiner Abreise von Buenos AyreS, mit 21 Kanonenschüssen begrüßt, daS argentinische Stationsschiff aber diesen Gruß mit nur 17 Kanonenschüssen erwiedert haben. Heute zeigt nun Der Minister deS Stetigeren im Moniteur an, daß die Regierung feine Nachrichten erhalten habe, welche Die vom englischen Journale erzählte Thatsache bestätigen, daß sie im Nebligen aber den Vorfall für unmöglich halte, weil er nicht ungeahndet bleiben könnte.

LouiS Napoleon soll sich in einer Unterredung, die er vorgestern mit Herrn Dupin gehabt, über daS TadelSvotum der Permanenzkommission bitter beschwert und die Erklärung beigefügt haben, daß er, wenn man einen solchen Antrag wirklich vor Die Nationalversammlung brächte, zur Repressalie einen Tadel gegen diejenigen Abgeordneten beantra­gen lassen werde, Die sich an den Aufwartungen in Claremont und Wiesbaden beseitigt haben.

Gegen drei Journale deS Elsasses sind gericht­liche Verfolgungen wegen nicht richtiger Unterzeich, nung Der Artikel auS Deutschland eingeleitet wor. Den. Der „Courier du BaS-Rhin" wird verfolgt, weil er seinen Artikel über Deutschland einfach alS „Auszug auS deutschen Blättern" bezeichnet hatte; Der „Democrate" hatte ihn mit Dem Namen seines Redakteurs en chef unterzeichnet, weil er den Nach­richten noch einige Betrachtungen beigefügt hatte. Der „Elsacien" endlich wird verfolgt, weil er den über denselben Gegenstand handelnden Artikel mit den Worten: „Für Die Nichtigkeit der deutscher Artiksl", von dem Namen seines Redakteurs en chef unterzeichnet, überschrieben hatte.

Italien.

Turin, 10. Oktbr. Man versichert, daß Die französische Regierung die letzten Dekrete deS Groß- Herzogs von ToSkana mi billigt habe und daß des­sen Abdankung jeden Tag wahrscheinlicher erscheine. Pinelli wird hier gegen Ende deS Monats erwartet; ob feine Mission dann beendet sein wird, oder ob er nur zur Eröffnung der Kammern hierher zurück­kehrt, ist noch nicht entschieden.

Turin, 11. Okt. Heute Morgen hat der Graf Camille Cavour vor dem König den Diensteid alS Minister deS Handels und Ackerbaues abgelegt.

Turin, 10. Oktbr. Nach einem in Turin um« laufenden Gerüchte, daS jedoch sehr der Bestätigung bedarf, solle der Graf della Cisterna mit einer be­sondern Sendung an den Präsidenten der französi­schen Republik betraut werden.