Einzelbild herunterladen
 

morsten am Sonntag, Friedrichshafen mit einem Besuche beehren. Der König von Wnrtemberg reist schon heute Abend dahin ab, der Kaiser wird wohl am Montag Bregenz verlassen und seinen Weg gegen Feldkirch nehmen, um die dort befindlichen Truppen zu inspiziren.

Wien, 11. Oktbr. (A. A. Z.) Eine der näch­sten Schöpfungen unserer Regierung wird der viel­fach vermißte Reichsrath sein. Diese wichtige Jn- stilution würde um vieles unsere jetzigen Zustande und noch das Vertrauen auf ihre Dauer befestigen. Während die neuesten unerwarteten Ereignisse in Deutschland einerseits den Abschluß des lombardisch- venezianischen AnlehenSparalysirten, wirken sie leider anderseits auch hemmend auf die beabsichtigten Er­sparnisse im Armeebudget. Der für den Monat Oktober gemachte Voranschlag soll beinahe wieder die Höhe längst verflossener Monate erreicht haben, wo die so vielfach besprochene Reduktion des Hee- reS noch nicht beschlossen war. Freilich hat man alle Hoffnung , daß Oesterreichs große Hilfs, quellen auch diesen Anforderungen Genüge lei­sten werden, da sich die StaatS - Einnahmen be­reit» nicht unbedeutend heben: allein mehr als je mahnt die Zeit dringend: allen Ernstes an die Beschränkung der StaatSauSgaben zu denken und unsere Finanzen nicht länger blos dem Talisman „ministeriellerVerantwortlichkeit" anzuvertrauen. Die Schwierigkeiten, welche der Einführung des neuen Steuersystems in den östlichen und südlichen Theilen der Monarchie entgegentreten, hält man nicht für unüberwindlich und glaubt mit einigen Modifika­tionen, die eben im Werke sind, doch zum Ziele zu gelangen. Mittlerweile lieferten die indirekten Steu­ern allein im verflossenen Steuersemester ein Mehr- erträgniß von fiebenthalb Millionen im Vergleich zum vorigen Jahr, wobei zu bemerken ist, daß die neue Stcmpeleinnnahme nur für zwei Monate im Budget erscheint, und daß auch die Salzpreise seit einem halben Jahr bedeutend herabgesetzt worden sind. Man erwartete heute Abends die Rückkehr deS Ministerpräsidenten, doch hörte ich, daß dieselbe erst in den nächsten Tagen erfolgen dürfte. Auch der Minister des Innern, Dr. Bach, sollte heute wieder in Wien eintreffen. An unserer Börse zir« kulirten heute abermals (falsche) Gerüchte, daß unsere Truppen bereits die Grenze überschritten hätten.

Wien, 9. Oktbt. Major von Babarczy, der zu den berüchtigten Bekenntnissen eines Soldaten, in dem die Reaktion ihren höchsten Triumph feiert, seinen Namen hergegeben hat, ist keinesweS aus der Zentralkanzlei deS Grafen Grünne entfernt, im Gegentheil, er befindet sich im Gefolge des Kaisers auf der Reise nach Vorarlberg. Wie ich nun aus glaubwürdiger Quelle vernehme, hat die Reise des Ministers des Innern nach Vorarlberg keinen andern Zweck, als den Kaiser aufmerksam zu machen auf daS Unpassende, einen Mann in seiner Nähe zu dulden, welcher die Reichsverfassung geschmäht, zu deren Umsturz aufgefordert und mit der Selbsthülfe der Armee gegen dieselbe gedroht hat. Der Mini­ster deS Innern ist überdieß persönlich so scharf an­gegriffen, daß er sogar entschlossen sein soll, wenn die Entfernung Babarczy's nicht erfolgt, seine Ent­lassung einzureichen. Noch zweifeln wir jedoch keinen Augenblick, daß nicht der Minister, sondern Herr v. Babarczy, oder jene, die hinter ihm stehen, vor- läufig das Feld räumen werden. Unsere Juristen beschäftigen sich schon mit der Frage, ob nicht eine Anklage auf Hochverrath gegen Hrn. v. Babarczy, wenn er sich schon zu der alleinigen Autorschaft bekennen will, anhängig zu machen sei, da auch deS Kaisers Ferdinand auf ungebührliche Weise in seiner Broschüre erwähnt wird. Eine Klage bei dem Ge- neralauditoriat ist übrigens jedenfalls statthaft, da auch der Armee das Preßgesetz verkündet wurde, doch wäre kaum anzunehmen, daß von dem Kriegs­gerichte daS „Schuldig" über einen Militär erfol- gen würde, der noch überdies der Meinung einer großen Anzahl Offiziere nur Worte geliehen hat, und da ein entschieden reaktionärer Geist in der Armee von den meisten Führern angestrebt wird. Wie ich vernehme, soll auch eine Gegenbroschüre vor. bereitet seyn.

B e l g i e n.

Brüssel, 13. Okt. Gestern Nachmittag 2 Uhr der Justizminister von Tesch, in Begleitung mehrerer anderer Minister und BeanUen, in seiner Elgenschaft als Zivilstandsbeamter deS königlichen ^âufess, -ie urkundliche Bescheinigung deS Todes der Königin Louise auf. Die Todtenkapelle, wozu der Saal besonders eingerichtet wurde, ist schwarz ausgeichlagen , dem Pâradebette gegenüber ein Al- tnr errichtet und das Ganze durch gelbe Wachskerzen erleuchtet. Die Königin ist wie in den letzten Tagen ihrer Krankheit gekleidet, ihre Züge sind unverän­dert; ein Zeichner, Herr von Cuyck, von Ostende, Hirt daS Bild der Verblichenen gezeichnet. DaS Publikum wurde noch nicht zugelassen , weil der Körper vorher einbalsamirt werden soll, womit Dr.

Krepl gestern Abend den Anfang machte. Morgen Vormittag um 10 Uhr wird die Leiche von Ostende nach Lacken gebracht werden, wo sie dem letzten Wunsche der Verstorbenen gemäß (und nicht in der Kirche Sainte-Gudule in Brüssel) beigesetzt wird. Man versichert, die Königin Amalie habe ihre ge­liebte Tochter bis zu ihrer letzten Ruhestätte beglei­ten wollen; sie soll nun aber den Wunsch ausge­drückt haben, einer Feierlichkeit nicht beizuwohnen, welche mit ihrer gegenwärtigen Lage in lebhaftem Widerspruch stehe. Die Landestrauer dauert ein halbes Jahr, vom 11. Oktober 1850 bis ll. April 1851. Von allen Seiten gehen Nachrichten von Un­terzeichnungen für ein der Verstorbenen zu errich­tendes Denkmal ein.

F r K u k r e i ch

Paris, 13. Okt. Dem Vernehmen nach hat sich eine neue englische Gesellschaft, welche über große Kapitalien zu verfügen hat, zur Bewerbung um die Paris,Lyoner Eisenbahnlinie gebildet.

Dr. Dupin, Präsident der Nationalversamm­lung, wird in den nächsten Tagen nach Brüssel ab­reisen, um dem Begräbnisse der sterblichen Ueber* reffe der Königin der Belgier beizuwohnen.

Die Familie Orleans soll wegen Verkaufs mehrerer ihrer großen Güter in Frankreich mit rei­chen englischen Kapitalisten in Unterhandlung stehen.

Die ostindische Kompagnie hat zur Disposition des Gesandten von Nepaul ein Dampfschiff gestellt, daS ihn in Suez erwartet, um iijn nach Bom bay, Ceylon, Madras und Calcutta zu bringen, wo er in den berühmten Tempeln Brahmas sich erst von den Vergehungen gegen seine Religion, als Folgen seiner Berührung mit Europäern , reinigen will, ehe er sein Land wieder betritt.

Großbritannien.

London, 12. Okt. Die Königin und Prinz Albert find von ihrem Hofe begleitet gestern Abend aus Schottland zurück wieder in Buckinghampalast eingetroffen.

Italien.

Turin, 9 Okt. Die Mission deS Hrn. Pinelli in Rom soll, wie aus Genua vom 8. Oktbr. mit* getheilt wird, lediglich zum Zwecke haben, den päpstlichen Stuhl zu veranlassen, daß jene beiden Erzbisthümer neu besetzt würden.

Turin, 8. Oktober. Nach Wiener Blättern, sagt die A. A. Z., hat England den piemontest- schen Rhedern in allen Häfen Britanniens und In­diens dieselben Rechte zugestanden, welche die na­tionale Flagge genießt. Als Erwiederung dafür hob Sardinien alle bisherigen Beschränkungen auf, denen die britische Flagge in sardinischen Häfen un­terworfen war. Dadurch, schreibt man der Oesterr. Reichsztg., gewinnen Manchester und Birmingham zu Genua einen Stapelplatz, um von dort auS schier unabweisbar durch Vermittelung deS Lago maggiore Oesterreich mit ihren Waaren zu über­schwemmen; auch später Süddeutschland, wohin durch die Thäler der Schweiz eine Eisenbahn zu führen der Ingenieur Stephenson im Begriff steht. Das Projekt der Luckmanierbahn ist aber noch im weiten Felde.

Aus den Mittagsposten.

Frankfurt, 15. Okt. Von Bregenz sind gestern Abend wichtige Depeschen hier eingetroffen; Sega* lionsralh Detmold ist von Hannover wieder ange* kommen, und wohnt heute einer Berathung im BunbeSpalaste bei. Auch Graf v. Rechberg, früher k. k. Bevollmächtigter bei der deutschen Zentralgc- walt, befindet sich seit gestern wieder hier.

* Kassel, 14. Oktober. General Amelunren hat ebenfalls seine Entlassung begehrt.

âöeimar, 13. Oktbr. Für Schleswig-Holstein ertönen fortwährend die Hülferufe der KomiteS, und namentlich fordert das in Eisenach zusammengc- tretene dringend die Beschaffung von Lazarethgegen­ständen, (wollenen Decken, Binden, Jacken und Socken), da hieran nach der neuesten Zuschrift der LazarethkomMission in Altona besonders Mangel sei. 1 An mehreren Orten Thüringens haben sich bereits zu diesem Zwecke Frauenvereine gebildet.

Hannover, 13. Okt. Die Minister erwarten jeden Augenblick ihre Entlassung und es ist sehr möglich, daß unS schon die neue Woche auch ein neues Ministerium bringt. DaS neue Ministerium wird natürlich zum Theil wenigstens aus den Mit­gliedern der vielbesprochenen Zivilkommission ge­bildet werden. Herr Detmold wird die Seele des neuen KabineiS sein, Herr Lindemann der persönliche Nachfolger Stüve'S im Amte.

Berlin, 14. Okt. Gestern ist Se. k. Hoh. der Prinz non Preußen hier eingetroffen und hat sich sofort nach Potsdam begeben. Heute haben dem Prinzen mehrere Minister ihre Aufwartung gemacht. Morgen begibt sich der Ministerpräsident Graf Brandenburg nach Warschau, deßhalb trat heute der Ministerralh im StaalSministerium zusammen.

Oldenburg, 13. Okt. Gütiger Mittheilung verdankt der Hamb. Corr, folgende Notizen über den Hauptmann Basson, welcher bei dem An­griff auf Friedrichstadt die 1. Kompagnie deS jetzt berühmt gewordenen 6. Bataillons führte: „Schon am 29. September erstürmte er mit Eifolg eine Schanze, verlor von seiner Kompagnie 54 Mann, blieb aber selbst glücklicherweise verschont, obwohl vor ihm eine Bombe zersprang, neben ihm sieben Mann von einer Kartätsche niedergeschmettert wur­den, eine andere seine Säbelscheide von seiner Seite riß, eine Spitzkugel das Oberleder vom linken Stiefel riß, ohne den Fuß zu verletzen, und ein Schädelknochen seinen rechten Arm fast lähmte. Wahrlich, ihm warb Gottes gnädiger Schutz im reichsten Maße zu Theil.

Beim großen Sturm vom 4. zum 5. Oktober warb ihm wieder der gefahrvollste, aber auch ehren­vollste Auftrag, der Erste beim Angriff auf die Schanzen zu sein und er löste seine Aufgabe so glänzend, caß er wirklich unter dem fürchterlichsten Kugelregen mit seiner Kompagnie der Erste hinter den Wällen in Friedrichstadt war. Da bekam er einen Schuß in den Oberschenkel und mußte auS dem Kampfe gebracht werden, nach Süderstapel. Wie eS nach Allem scheint ist die Wunde nicht le­bensgefährlich, der Knochen wohl nicht verletzt".

Wien, 10. Okt. (N. C.) In Theresienstadt hat die voreilige Nachricht von dem Vorrücken der Truppen nach Deutschland in der dortigen Garnison so viel freudige Sensation erregt, daß mehrere Mannschaften die Kasernen illuminirten. Auch hier, besonders bei den Offizieren, zeigt sich unverholen und laut der Eifer und der Wunsch, den Preußen gegenüber zu stehen, die zu besiegen man als Ba­gatelle betrachtet.

Paris, 13. Okt. Unsere Regierung soll da­mit umgehen, die Häfen von Bona und Oran zu Freihäfen zu erklären. Diese Maßregel, welche den Einfluß Gibraltars schwächen und dem Seehandel Algeriens erhöhte Thätigkeit verleihen würde, ist von der oberen Verwaltung Algeriens sehr dringend an* gerathen worben.

Paris, 14. Okt. (K. Z.) Hr. v. Persigny ist gestern Abends auf seinen diplomatischen Posten nach Berlin zurückgekehrt, doch glaubt man nicht, daß sein Aufenthalt in der preußischen Hauptstadt von langer Dauer sein werde.

Nach Berichten auS Madrid vom 9. Oktober hat die Königin Isabella daS EntlassungS -Gesuch des Herzogs von Valencia nicht genehmigt. General Cordova ist seiner Stelle als General-Kapitän von Madrid entsetzt und ist dieselbe dem General Nor- zagaray übertragen worden. Der halboffizielle „Heraldo" erklärt die Regierung weder jetzt noch künftig zur Annahme von PrivatProjekten wegen Regelung der Staatsschuld für verpflichtet, und warnt vor Börsengerüchten und Zeitungsnachrichten.

Turin, 7. Oktober. Als Gerücht zirkulirt die Nachricht, daß unsere Regierung beschlossen habe, die Freihafengerechtigkeit von Genua auf die ganze Stadt auszuvehnen.

Parma. In Pontremoli hat der Herzog einem Kaufmann, der einen in die neu eingeführte Uni« form gekleideten Invaliden ausgelacht haben sollte, 25 Slockprügel auf öffentlichem Platze ertheilen lassen. Die Mailänder Scenen vom vorigen Jahre machen, wie eS scheint, Propaganda.

Lucca. Mehrere hiesige Bürger, welche die Medaille für Treue erhalten hatten, haben dieselbe nach dem Bekanntwerden des großh. Dekrets vom 23. Septbr. (über Aufhebung der Verfassung) mit einem Schreiben zurückgeschickt, worin sie erklären, mit diesem Ministerium nichts gemein haben zu wollen.

Rom, 10. Okt (Telegr. Dep. d. K. Z. über Berlin.) Der außerordentliche Gesandte PiemoulS, Ritter Pinelli, hat seine Pässe begehrt, weil der römische Hof in Bezug auf die Differenzen mit Pie­mont Bedingungen gestellt, auf die er nicht eilige* Herr zu können glaubte.

New-Jork, 29. Okt. Der türkische Gesandte ist zu Washington dem Präsidenten feierlich vorge­stellt worden. In seiner Begrüßungsrede erklärt er, wie Se. kaiserl. Maj. erfreut seien, daß daS Be­nehmen der Pforte gegen die flüchtigen Ungarn den Beifall des amerikanischen Volkes gefunden habe, und er bezeichnete cs. als feinen Auftrag, die Ein­richtungen dieses Landes, namentlich daS Schnlive- sen, kennen zu lernen und das seinem Vaterlande Nützliche davon anzuerkennen.

Verantwortlicher Redakteur: Dr. 2L Boczek.