begraben sind, daß von Handhabung einer Straßen- und Wirthshaus-Polizei durchschnittlich keine Rede mehr ist, indem natürlich die Polizeistunde allenthalben abgeschafft wurde, daher nächtliche Straßen- und WirthshauSerzesse in großen und kleinen Orten an der Regel sind, das Wirthshausleben und die damit Hand in Hand gehende Verarmnrt^der Handwerker, Landleute und Taglöhner sich immer großartiger entwickelt re.
' ES müßte auch Jedem, der unsere Gesetzgebung nur oberflächlich kennt, Wunder nehmen, wenn cs anders wäre! Wie kann man auch von einem Bürgermeister — sehr häufig daS Produkt der Wahl derjenigen, welche die Herbeiführung des Gegentheils von gedeihlicher Gestaltung der Gemeinden, wie der Einzelnen sich zu ihrer Lebensaufgabe gemacht —vernünftiger Weise erwarten, daß er die Gesetze gegen seine Gesinnungsgenossen und Wähler, in deren Hand nach Ablauf seiner kurzen Wahlzeit sein ganzes Schicksal liegt, zur Anwendung bringen werde? wie kann man von dem an Händenund Füßen gefesselten Kreisbeamten, der noch außerdem die Aufsicht oft über mehr alS hundert Gemeinden führen soll, irgend eine gerichtliche Wirksamkeit erwarten ?
UnS dünkt übrigens, daß eS Zeit, hohe Zeit wäre, daS Erperimentiren in den Tag hinein einzustellen, daß eS Pflicht der Regierung wäre, sich eine klare umfassende Uebersicht über die bisherigen Resultate der neuen Gesetzgebung und der sogenannten, aber wahrlich nicht diesen Namen verdienende Lok a iver wal tung zu verschaffen, und dann schleunigst — unbekümmert um Gunst oder Ungunst demokratischer Idioten und Stänker — zur Abstellung der hierdurch an den Tag gekommenen Uebelstände zu schreiten. Wir glauben, der einfachste und sicherste Weg zu diesem Ziele wäre die Ernennung einer besonderen Kommission, worin vorzugsweise die Kreisbeamten durch die anerkannt Befähigsten derselben vertreten wären, welche über die dermaligen Zustände Bericht zu erstatten, die neuen Gesetze auf den Grund der inzwischen gemachten Erfahrungen einer Revision zu unterwerfen, und Vorschläge zur Herstellung eines geregelten gesetzlichen, dem Wohle des Einzelnen wie des Ganzen entsprechenden Zustandes zu machen hätten. Zum Schlüsse wollen wir einige Vorschläge beifügen, wodurch unserer Ansicht nach dieser Zweck wohl 1 erreicht werden würde:
1) Vermehrung der Kreisämter, am besten, bis auf die Zahl der Justizämtcr, dagegen Besetzung jedes derselben mit nur Einem Beamten und einem Rechnungsverständigen, wodurch die Ausgaben kaum vermehrt, der Dienst unendlich gefördert, und verhindert würde, daß die KreiSamtSangestellten nicht, wie bisher, den größten Theil ihrer Zeit auf den Chausseen zubringen,
2) Uebertragung der Strafpolizeigewalt, etwa bis zu 7 Tagen Gefängniß, an die Kreisämter, jedenfalls wegen Vergehen gegen das Amtspersonal im Dienst.
3) Uebertragung der Funktionen der Staatsanwaltschaft bei den Gerichten erster Instanz an die KrciSämter mit einem RekurSrecht zur Wahrung des StaatSinteresseS.
4) Größere Einwirkung der Kreisämter auf daS Materielle der Gemeindeverwaltung; dagegen natürlich Revision und Abschluß der Gemeinderechnungen durch die Rechnungskammer.
5) Modifikation deS Instituts der Kreisamts- Räthe sowohl in seiner Kompetenz als Zusammensetzung.
6) Abschaffung des allgemeinen Wahlrechts für Gemeindewahlen, und Einführung eines auf Steuerabstufungen basirten Wahlgesetzes.
7) Mitwirkung der Staatsbehörde bei der Ernennung der Bürgermeister, Bestellung derselben auf Lebenszeit, dagegen Möglichkeit, dieselben wegen schlechter Dienstsührung ex officio zu entfernen.
Wir sind überzeugt, daß eine Reform der Gemeinde- und Lokalverwaltung in diesem Sinne mit so vielen andern Uebelständen, worüber allenthalben täglich und mit Recht geklagt wird, auch die häufigen und verheerenden Brände beseitigen würde. —
Ueberhaupt werden diese Vorschläge, denen wohl noch manche, vielleicht ebenso wichtige, beizufügen wären, der Begründung und Rechtfertigung bei jedem Unbefangenen, der Verhältnisse, wie sie sich in unserm neuen Gemeindeleben gestaltet haben, einigermaßen Kundigen nicht bedürfen. Für Schwächlinge, die sich vor Schlagwörtern und demokratischer Ungunst fürchten, haben wir ebensowenig geschrieben, als für jene Freibeuter selbst, welche auf das Unerträglichwerden aller Verhältnisse förmlich spekuliren, weil sie davon allein Realistrung ihrer Partei- oder vielmehr Privatinteressen hoffen können! —
Frankfurt, 12. Okt. (F. I.) Der kurfürstlich hessische Geschäftsträger am k. preußischen Hofe, Frhr. v. Dörnberg ist mit einem eigenhändigen Schreiben deS Kurfürsten nach Berlin abgereist. Wie verlautet, soll dieses Schreiben sehr versöhnlichen Inhalts sein.
t* Frankfurt, 14. Okt. Gestern brachte eine Extrabeilage der „Deutschen Zeitung" die Nachricht: der Kurfürst von Hessen habe zu Gunsten des Prinzen Friedrich von Hessen abgedankt. In Wilhelmsbad und Hanau eingezogenen Erkundigungen zu. folge soll dieser Schritt zwar angeregt, bis nun aber noch nicht erfolgt sein.
Wilhelmsbad, 13. Okt. Die Kasseler Zeitung bringt heute an der Spitze des Blattes die Nachricht, daß der Kurfürst den StaatSminister deS In- nern und der Justiz Hassenpflug von der ihm aufgetragenen einstweiligen Verfehung deS Finanzministeriums entbunden und den Bd^rkSdirektor Otto Heinrich Iulius Leopold Volmar zu Eschwege zum Geheimenrath und Vorstand des Finanzministeriums ernannt hat.
Fulda, 11. Oktbr. (F. I.) Gestern Abend haben sich die Offiziere des ersten Bataillons des hier garnisonirten zweiten Regiments in der Kaserne zu einer Berathung über die Schritte versammelt, die ihnen in Folge der jüngsten Vorgänge zu Kassel zu thun obliegen. Sie haben einstimmig beschlossen, ihre Entlassung zu nehmen. Ihr Entlassungsgesuch ist heute nach WilhelmSbad abgegangen. Das zweite Bataillon deS hiesigen Regiments ist vermalen von hier abwesend und liegt in der Umgegend von Kassel.
6 Mannheim, 12. Okt. Wegen Betheiligung an dem letzten Aufstande wurde Wirth I. Fröst- mann und Theobald Betz von hier, ersterer zu 4 und letzterer zu 8 Jahren Zuchthaus vcrurlhcilt. Beide sind schon seit August v. J. in Haft. — Die hiesige Harmoniegesellschaft veranstaltet zur Feier deS Geburtssestes deS Königs von Preußen am 14. d. M. einen großen Festball.
München, 11. Okt. Nachrichten aus Hohenschwangau zufolge ist Se. Majestät der Kaiser von Oesterreich gestern daselbst angelangt , und hat sich heute mit Sr. Maj. unserm Könige nach Bregenz zu einer Zusammenkunft mit dem Könige von Wür- temberg begeben. Im Gefolge befinden sich die Ministerpräsidenten Fürst Schwarzenberg und v. d. Pfordlen.
München, 11. Oktbr. Der König Otto, bei welchem diesen Mittag große Vorstellung statifand, soll schon am 24. d, M. seine Rückreise nach Griechenland antreten. — Prof. v. Hermann hat in Folge seiner Reaktivirung als Mtnisterialrath die Rektorwürde an hiesiger Hochschule abgelehnt, weß- halb bereits vom Ministerium eine neue Wahl für kommendes Studienjahr angeordnet werden ist.
Leipzig, 4. Okt. (N. C.) Die Verhöre der 21 Professoren durch die mit besondern Auftrage dazu versehene Kreisdirekliou nehmen ihren ungestörten Fortgang. Charakteristisch für den jammervollen RechtSboden, auf dem sich das Ministerium, wel- cheS die Untersuchung angeordnet, befindet, und überhaupt sehr bezeichnend für unsere öffentlichen Verhältnisse ist gewiß schon der eine Umstand, daß die Professoren verhört werden über die Gründe, weßhalb sie die Wahl eines Vertreters der Universität zur gegenwärtigen Ständevcrsammlung verweigert haben, nachdem eine Denkschrift der Majorität des Senats, in welcher diese Gründe ausführlich dargelegt waren, und welche der Senat gleich beim Beginne seines Konflikts mit dem Kultusministerium diesem übersenden wollte, von dem Herrn v. Beust schon im Voraas zurückgewiesen worden ist, weil man keine Gründe hören wollte! — Die „renitenten" Mitglieder der 2. Kammer sind nunmehr zum brittenmale aufgefordert worden, einzutreten , unter der Androhung , daß ihnen im Falle fortgesetzter Weigerung bad Recht der Wählbarkeit für alle Folgezeit entzogen werden würde. Großen Unmuth erregt gegenwärtig das Einschreiten deS hiesigen Polizeiamtes gegen die Veranstalter der kleinen Privallotterie zu Gunsten der SchleSwig-Holsteiner, von welcher ich seiner Zeit Meldung machte. Die Behörde stützt sich auf eine alte, kaum noch Jemanden bekannte Verordnung, welche Privatlotterieu, nämlich in ihrer Eigenschaft alS verführerische Glücksspiele, von der Genehmigung der Polizei abhängig macht, und hat die Veranstalter jener mit unendlicher Mühe verknüpften patriotischen Lotterie in eine Geldstrafe zu nehmen für gut befunden. Wie ich höre, haben diese dagegen Einspruch erhoben. Doch würde man mit Vergnügen diese kleine Geldbuße über sich ergehen lassen, wenn nicht damit ein großer Verlust für die braven Kämpfer im Norden eng zusammenhinge. Durch jene Intervention der Polizei ist nämlich die auch bereits von mir erwähnte großartige Lotterie, wozu die gejammten Meßfremden beitragen sollten, unmöglich gemacht worden, und wir können die innige Freude nicht genießen, eine bedeutende Summe von gewiß mehreren tausend Thalern nach Kiel zu senden.
Hannover, 11. Okt. Vom Hamburger HilfS- Komile war vor einigen Wochen der Vorschlag ausgegangen, zur Verabredung wirksamer HilfS-
maßregeln für die Herzogthümer eine Zusammen« kunft der deutschen Hilfsvereine und bewährter Freunde der holsteinischen Sache zu veranlassen. Da die Zeit drängte, so war eine Ver. tagung der Angelegenheit über den anfänglich bestimmten 11. Okt. nicht ratsam, obgleich über den Vor-Derhandlungen fast vierzehn Tage vergangen waren und daher die Einladungen an Vereine und Freunde erst so spät abgehen konnten, daß sie die entfernteren eben nur noch zu rechter Zeit erreichen möchten. Dieser Kürze der Zeit ungeachtet begrüß, ten wir heute über 200 Freunde auS allen Theilen, auch den entferntesten des Vaterlandes, meist Ver, tretet von Vereinen, die mithin eine ansehnliche Seelenzahl repräsentirten. Auch auS Holstein waren theure Gäste gekommen: Bargum, der Präsident der Landesversammlung, Bürgermeister Balemann, Karl Lorenzen, der Hardesvoigt I o- chenS aus Flensburg und Hr. v. Krogh aus Gravenstein. Beide letztere vertriebene fchleSwig'« sche Beamte. Von sonstigen Bekannten erwähnen wir, die vollständige Liste vorbehaltend, den vormaligen wurtembergischen Minister Duvernoy, den früheren nassauischen Minister Hergenhahn, die Professoren Falla ti auS Tübingen, Dunker von Halle, W u r m von Hamburg,' Z acha riä von Göttingen, Wibel, Zedelius und Rüder von Oldenburg, Roderich Benedix von Köln u. s. w. Andere namhafte Männer hatten, ihr Ausbleiben entschuldigend, zustimmende Briefe gesandt, unter diesen Ernst Moritz Arndt. — Ueber die eigentlichen Verhandlungen später daS Nähere.
Berlin, 11. Okt. (K. Z.) Den hiesigen Abendblättern zufolge wird Radowitz den hiegen Gesandten dreier Mächte eine preußische Erklärung bezüglich ihres PazifikationSvertragS für Schleswig-Holstein zufertigen.
Berlin, 10. Okt. In Betreff der Vorfälle in Jnowraclaw ist sowohl von Seiten deS Hrn. Ministers des Innern, als dem deö Krieges eine Untersuchung angeordnet worden. Die beiden Chefs sollen sehr unzufrieden mit jenen Vorgängen fein.
Schleswig - Holstein. Ueber die Schwierigkeiten, die dem Sturme auf Friedrichstadt entgegen- standen, wird dem Hamb. Corr, noch weiter mitgetheilt : „Schon die Bewegung auf die mit Wassergraben umzogenen Außendeichcn , da außer diesen kein anderer Weg zu betreten war, hatte ihre Schwierigkeiten, den Schanzen und dem Blockhause des Feindes gegenüber. Vor diesen hatten die Dänen schräge Pallisaden angebracht, hinter welchen nach der Stabtseite hin ein Wald von in der Erde befestigten Bajonetten den Uebergang über dir Pallisadm bedeutend erschwerte. Nach BLjeiligung dieser Hindernisse befand man sich erst wWittelbar »or, den Schanzen und dem Blockhause. Nach Stürmung derselben gelangte man endlich an die erste Häuserreihe der Stadt, aus denen der Feind nicht nur ein starkes Gewehrfeuer unterhielt, sondern von denen er auch noch brennende Balken auf unsere vordringenden Soldaten herabstürzte. In die Straßen, die alle in gerader Richtung zum Marktplatz führen, war eS vollends unmöglich hineinzudringen ; hier hatten die Dänen überall Barrikaden errichtet, und auf dem Marktplatze selbst stand ein mit Kanonen bespicktes und beinahe 2000 Mann umfassendes Blockhaus, von wo sämmtliche Straßen bestrichen werden konnten.
Auf der andern Seite des Blockhauses, nach Norden und Westen hin, war der Feind aufsNeue durch den Burggraben gedeckt, hinter welchem abermals Erdwälle feiner Position Schutz und Deckung gewährten. Wäre er selbst aus diesen Stellungen vertrieben worden, boten ihm noch am jenseitigen Ausgange der Stadt nach Husum hin bedeutende Schanzen nebst Blockhaus einen abermaligen festen Haltpunkt". Von tapferen Thaten einzelner Kämpfer bei dem Sturm wird besonders das Verhalten des F. Weidemann, Trompeters bei der dritten 12pfd. Batterie, gepriesen. Derselbe sprang von seinem Pferde, als der Sturm begann, in die Reihen ' der Stürmenden und im dichtesten Kartätschenregen hörten seine Kameraden seine Trompete („Schleswig-Holstein meerumschlungen blasend") und sein Stentorstimme: „Vorwärts! Vorwärts"!
Schleswig-Holstein. Aus St, Annen geht der „Ztg. für Nordd." ein erhebender Aufruf an die Frauen und Mädchen Deutschlands zu „von einer Mutter,- die ihre zwei Söhne beweint, und von einer Frau, die ihre Brüder und ihren Mann für Deutschlands Ehre und Schleswig-Holstein in den Kampf und wohl alle drei in den Tod gehen sah".
Der Schluß dieses Aufrufes lautet: „Deutsche Frauen und Mädchen! Geht in Trauerkleidern von Thür zu Thür im Lande herum, sammelt Almosen im Namen Eures Vaterlandes für Eure Brüder und Schwestern in unserem Lande, die da leiden, weil sie deutsch sind und deutsch bleiben wollen. Klopft an jedes Herz — und indem Ihr christliches Frauenwerk thut, weckt Ihr vielleicht Eure Männer auf zu deutscher Mannesthat. St, A n n e n, den 6. Okt. 1850".
