tu die Zukunft der Unions-Idee zu sichern und auch zugleich dem gegenwärtigen Bunde Bestand und Dauer zu verleihen. Diese Vorschläge wurden von dem Anträge begleitet, dieselben den ver- kündeten Regierungen zur Prüfung mitzutheilen und dieser Antrag von dem Kollegium einstimmig genehmigt.
Berlin, 9. Oktbr. Die „Coustitut. Zeitung« sagt: „Dem Vernehmen nach wäre Folgendes die Veranlassung zu den Gerüchten über eine angebliche Verständigung Preußens und Oesterreichs hinsichtlich der schleöwig-holstemischen Frage. Nach Art. 4 deS Friedensvertrages soll der König von Dänemark, nach erfolgter Ratifikation seitens der deut, schen Regierungen, dem deutschen Bunde Vorschläge zum Zwecke der Pazifikation Holsteins machen. DaS Wiener Kabinet scheint nun die Eventualität in S Auge gefaßt zu haben, daß die dänische Regierung, wie es wahrscheinlich ist, sich nicht begnügen wolle, ihre Vorschläge einer Versammlung zu unterbreiten, in der Preußen und die meisten norddeutschen Staa, ten nicht vertreten seien. In vielem Falle müßte doch ein Mittel gefunden werden ein Organ herzustellen, daS die erwähnten Vorschläge entgegen- nehmen könnte. Und über diesen Punkt soll das Wiener Kabinet mit dem Berliner in Unterhandlung getreten fein."
Berlin, 10, Okr. (Telegr. Dep. d. K. Ztg.) Die preußischen Vorschläge wegen Fortführung der Union nach dem 15. d. Mts. bezwecken, in wesentlicher Uebereinstimmung mit dem Berichte deS Fürsten- KollegiumS, — Feststellung der Unauflöslich« seit des Vertrages und somit der Verpflichtung zur Verfassung und zum Schiedsgerichte. DaS gegenwärtige Provisorium erlischt, aber definitiv werden sofort I) der eben gedachte Ver- trag, 2) Gemeinsamkeit bezüglich der Verständigung über den weiteren Bund, 3) der Fürstenrath.
Schwerin, 7. Okt. Die Mecklenb. Ztg. enthält folgende Verordnung: „Friedrich Franz rc. Durch die Aufhebung deS StaalsgrundgcsetzeS vom 10. Okt. v. I. haben auch die in dasselbe aufgenommenen Bestimmungen deS Reichsgesetzes vom 27. Dezbr. 1848, betreffend die Grundrechte des deutschen Volkes — Nr. 2 deS offiziellen Wochenblattes von 1849 — als Bestandtheile jenes StaatS- grundgesetzeS ihre Kraft verloren. Da eS jedoch zweifelhaft scheinen könnte, ob nicht dem gedachten Reichsgesetze dessenungeachtet noch eine selbstständige Gesetzeskraft verblieben fei ; dasselbe aber nur als ein Theil der beabsichtigten, demnächst nicht zu Stande gekommenen Reichsverfassung im Voraus verkündigt worden ist, daher seine Bedeutung verloren hat, so wird dasselbe hierdurch außer Wirksamkeit gesetzt. Gegeben durch unser Gesammt- ministerium, Schwerin, am 5. Oktober 1850. Friedrich jFranz. Graf v. Bülow, v. Schröter, v. Brock".
Schleswig-Holstein, Der Armeebefehl deS Generals v. WiUisen lautet vollständig:
„Hauptquartier Rendsburg, den 6. Okt. 1850. An die Armee. Die Tage vor Friedrichstadt sind nicht glücklich gewesen, aber sie sind Ehrentage für die Armee geworden. Der Sturm am 4. auf den von Natur und Kunst gleich festen Platz ist eine so schöne Waffenthat, wie irgend eine Amee sie auszuweisen hat. Alle Waffen haben ihre Pflicht gethan. Der Oberst v. d. Tann hat das ganze Unternehmen mit gewohnter Thätigkeit und mit kühnem Unternehmungsgeist geleitet. Das 1. Jägerkorps hat seinen alten Ruhm bewährt, das 11. und 15. Bataillon haben sich ruhmvoll benommen; das 6. Bataillon aber hat zwei Drittheile seiner Offiziere auf dem Platze gelassen. DaS Bataillon darf mit Stolz den Namen „Friedrichstadt" in seine Fahrt schreiben. Die Artillerie Hal sich, wie immer, ausgezeichnet betragen. Die schwierigen Einleitungen, durch das sehr schlechte Wetter ungeheuer erschwert, sind von ihr mit der größten Umsicht angeordnet und mit größter Standhaftigkeit durchgeführt worden. Die Pioniere sind vor keiner Schwierigkeit zu- rückgetreter. Nur uuübersteigliche Hindernisse konnten solcher Tapferkeit Schranken setzen. Zum zweiten Male haben wir versucht, durch weitliegende ge« wagte Unternehmungen den Feind zum gleichen Kampfe aufs freie Feld heraus zu locken; eö hat auch diesmal nicht gelingen wollen. Wir müssen, so scheint es, ferner Geduld haben. Durch das Auf- geben des Angriffs ist gegen die frühere Lage nichts verloren. Unser Verlust ist schmerzlich, aber daS Selbstgefühl der Armee kann nur zunehmen dadurch, daß ste auch vor solchen schweren und gefahrvollen Unternehmungen, wie Die gegen Friedrchstadt, nicht sie vielmehr ruhmvoll, wenn auch nicht glücklich bestanden. Jeder, welcher die Armee in Diesen Tagen gesehen, wird ihr die vollste Auerkeu- nung nicht versagen. Ich danke allen Truppen- theilen, welche an dem Unternehm n haben Theil nehmen können, im Namen des Vaterlandes für das ite dabei geleistet haben. Das Vaterland rechnet auch ferner auf ihre volle Hingebung. Ich erwarte von den Truppen ihre Berichte, um einzelne
hervorstechende Handlungen durch Beförderung belohnen zu können. Der kommandirende General v. Willisen."
Wien, 8. Okt. Ueber die Entschlüsse des Fürsten Schwarzenberg in Betreff der heffenkassel'schen Angelegenheit herrscht selbst in den sonst wohlunterrichteten Kreisen in diesem Augenblicke noch Ungewißheit, doch soll die Ansicht im Kabinet vorherr, schenk sein, durch thatkräftiges Einschreiten die kur- hessische Angelegenheit zu beenden.
Wien, 7. Okt. Die offizielle „Wiener Ztg." erklärt, daß daS Gerücht über daS angeordnete Einrücken österreichischer Truppen in Deutschland jeden GrundeS entbehre.
Der Schriftsteller Dr. Ba ue r n sch in i ed, früherer Abgeordneter zum Frankfurter Parlament, steht wegen Mitarbeiterschaft an der Brünner „Presse" in kriegsrechtlicher Untersuchung.
Wien, 7. Okt. (Allg. Z.) Der Ministerpräsident Fürst Schwarzenberg, der im Laufe der nächsten Tage eintriffi, soll kaum eine Woche hier verweilen, um sich dann sofort zu Sr/Maj. dem Kaiser Nikolaus nach Warschau zu begeben. Entgegen den bisherigen Berichten will man wissen, daß Ihre Maj. die Kaiserin von Rußland vorerst nicht nach Italien gehe, sondern mehrere Monate in Polen verweilen und daselbst die Traubenkur gebrauchen werde, zu welchem Zweck jeden andern Tag ein Courier von Tokay mit frischen Trauben nach Warschau abgehe; dergleichen würden von Preßburg aus zweimal täglich frische Trauben mittelst der Eisenbahn dahin gesendet.
Triest, 6. Okt. (A. A. 3 ) Die Erzherzoge Ferdinand und Karl sind gestern am Bord deS „Vulkan" von ihrer Reise auS dem Orient zurückgekehrt. Am selben Vormittag lief daS Dampfschiff der Lloyd-Gesellschaft „Jmperatrice" vom Stapel, welchem Schauspiel auch die Erzherzoge beiwohnten. Dieser Dampfer von 700 Tonnen Gehalt wurde von den Gebrüdern Polii nach dem Plan des Ingenieurs Morgan aus Bristol erbaut. Die Maschinen von 260 Pferdekraft liefern Müller-Raven- Hill und Komp, aus London. Morgen wird der KriegSdampfer „Volta" vom Stapel laufen, ein Schiff, dessen Länge 190 engl. Fuß mißt und dessen Maschinen 300 Pferdekraft besitzen.
Frankreich
Paris, 9. Okt. Diesen Vormittag machte sich eine große Bewegung im Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten bemerklich. Sie war durch die Absendung mehrerer Kuriere nach Deutschland veranlaßt, wo gewisse Fragen sich mehr und mehr zu entwickeln scheinen. Der Minister der auswärtigen Angelegenheiten hatte bereits gestern Abend zwei Depeschen, die sehr wichtig sein sollen, die eine nach Kassel, die andere an den russischen Staatskanzler Grasen Nesselrode abgeschickt.
Es wird versichert, zwischen dem Elysee-National und dem General Chaugarnier sei aufs Neue eine Spannung cingetreien. Es soll sogar die Rede davon sein, dem General Chaugarnier den Oberbefehl über das Heer von Paris zu entziehen.
Aus den Mittagspofleu
Hanau, 11. Okibr. (O.-P.-A.-Z.) Der seit den jüngsten Tagen mit aller Machtvollkommenheit bekleidete Oberbefehlshaber, Generallieutenant von Haynau, hat eine Ordre an die Offiziere der hier stehenden Truppentheile, einschließlich der Laud- genSb'armcrie (welche in Ansehung ihrer Wirksam, feit und Dienstleistung Dem Ministerium des Innern untergeordnet ist) ergehen lassen, die, deS Breitern die Sachlage und die Stellung des Militärs zu derselben auseinandersetzend, die Offiziere an ihren Eid und ihre Pflicht mahnt und binnen 24 Stunden eine pertinente Erklärung von jedem Einzelnen fordert, ob er den auf Vollziehung der in Mitte liegenden Verordnungen gerichteten Befehlen gehorchen wolle. Sämmtliche Offiziere sind entschlossen, um ihren Abschied zu bitten, und werden die vesfallsi- gen Gesuche noch heule abgehen. Die Feldwebel und Unteroffiziere , sagt man, seien übereingekom- men, beim Austritt ihrer Offiziere keine Beförderung annehmen zu wollen. — Die hier kanloni- rende 6 Geschütze starke Artillericabtheilung ist nach Kesselstadt verlegt. Als Grund dazu werden die schlechten Winterstallungen in der Stadt bezeichnet; die Pferde werden in Dem zum Schlosse Philippsruhe gehörigen Marstallsgebäude eingestellt.
Kassel, 10. Okt. (N. Hcss. Z.) Aus Rottenburg meldet man, daß der „Oberbefehlshaber" den VerwaltungSbeamten von Urff daselbst suspendirt und Herrn Faber auS Melsungen an dessen Stelle gesetzt hat. Während Niemand jene SuSpendirung anerkennt, ist Hr. Faber sogleich wegen seiner unbefugten Vornahme amtlicher Handlungen und wegen
Berfaffungswidrigkeit derselben von dem Stottert# burger Obergericht in Anklagezustand versetzt worden.
— Durch einen Beschluß deS kurfürstlichen Ge- sammtstaatSministeriumS ist dem Oberbefehlshaber Generallieutenant v. Haynau die Vollmacht ertheilt worden, Offizieren den Abschied zu ertheilen, und dieses den Offizieren bekannt gemacht worden. — DaS Erkenntniss des GarnisonSgerichtS auf Freilassung des Hrn. Oetker ist noch immer nicht vollzogen; Hr. v. Haynau verweigert die Freilassung.
— Die Luckhardsche Buchhandlung dahier wurde von Aschaffenburg auS um Zusendung zahlreicher Eremplare der in der genannten Handlung verlegten Hunibert'schen Charte von Kurhessen angegangen; sie hat Die Zusendung verweigert.
Hannover, 10. Okt. Wie die „Zeitung für Nordd." versichert, hat daS Gesammtministerlum seine Entlassung eingereicht mit dem Bemerken, daß die Minister keine Geschäftshandlungen mehr vornehmen werden. Eine königliche Entscheidung ist noch nicht erfolgt.
Berlin, 9. Okt. (K. K.) Im gestrigen Ministerrathe sind die erforderlichen Beschlüsse über Fortführung oder Aufgebung der Union gefaßt worden, und daS Resultat ist: die Union in ihrem erf urt er Sinne, die sogenannte „parlamentarische Union", wird am 1 5. d. M. b e gra« den werden. Die Kreuzzeitung war gut unterrichtet, als sie behauptete, Herr von Radowitz habe die „parlamentarische Union fallen .lassen". Es ist hierbei der Ausweg gewählt, daß man das Aufgeben Der erfurter Union und die Ersetzung derselben durch einen bloßen Fürstenbund auS dem ver, einigten Wunsche deö Fürstenkollegiums selber hat hervorgehen lassen. ES war, wie wir hören, preu- ßischerseitS den Bevollmächtigten der Unionsregie« rungen anheimgestellt worden, das Provisorium am 15. Okt. zu verlängern oder die Union a u fz ul ö- s e n. Die Gründung deS D e f i u i t i v u m S aber war nicht nur für den 15. O k t. ausgeschlossen, sondern eben so auch die Feststellung irgend welches bestimmten Termins, an dem Preußen bereit sein würde, dasselbe — „fei eS mit Vielen oder mit Wenigen" — inS Leben zu rufen. Unter solchen Umständen hat daâ Fürstenkollegium eine Verlängerung des alten Provisoriums auf abermals etwa drei Monate, um dann nach drei Monaten nochmals die Komödie zu wiederholen, nicht vorgeschlagen, sondern sich zu dem von unserer Regierung sicht- I lich am meisten gewünschten unparlamentarischen i „B ündniss e" billig finden lassen.
Wie wir hören, wird der Kaiser von Oesterreich nach der Rückkehr von der Reise nach Vorarlberg sich nach Warschau begeben, um daselbst den Kaiser von Rußland zu begrüßen und auch unser König wird vielleicht schon früher zum Besuche dahin abreifen. Ohne Zweifel werden die deutschen Angelegenheiten dort einen Hauptgegenstand der Berathung ausmachen.
Es ist nunmehr bestimmt, daß die Frankirung der Briefe mittelst aufzuklebender Frei-Marken in kürzester Zeit, längstens am 1. November, beginnen wird. Die Absendung der Frei-Marken an die Oberpcstvirektionen ist bereits erfolgt. Wie wir vernehmen, wird der Verkauf der Frei-Marken nicht allein durch die Postanstalten erfolgen , sondern eS wird auch der Debit Privat-Personen überlassen werden. Wir werden durch Diese Marken gleichsam papierene Scheidemünze zu %, 1, 2 it. 3 Sgr. erhalten.
Berlin, 11. Oktbr. (Tel. Dep. d. Fr. Bl.) Preußen bringt ein Dcfinilivum an Die Stelle deS Provisoriums in Vorschlag. DaS Bündniß mit seinen Zwecken, die Verfassung desselben und daS Schiedsgericht bleiben bestehen, Die Ausführung aber wird Der Zeit und den Umständen untergeordnet. Definitiv auSgeführt werden sogleich mehrere Bestimmungen, unter andern gemeinsame Verständigung über Verhältnisse zum weitern Bunde, sowie über ein dem Fürstenkollegium ähnliches Organ.
Paris, 9. Okt. DaS „Bulletin de Paris" meldet, daß L. Napoleon morgen um 8 Uhr auS dem Elysee nach Versailles abfahren und dort bei Lord Narmanby frühstücken werde. Er habe sich eine Tribune von 25 Plätzen vorbehalten; eine andere Tribune sei dem General Changarniere angewiesen, der Die Befehle zu den Uebungen und Manövern im Einverständnisse mit L. Napoleon entworfen habe und mit letzterem, so wie mit dem Elysee nie in einträchtigerem Verhältnisse gestanden sei, als gegenwärtig.
Es heißt, daß Guizot als Mit-Redakteur beim „Journal deS DebatS" eintreten und seine Artikel unterzeichnen werde. Von der anderen Seite erfährt man, daß Lamartine im „ Siècle " schreiben wird, und daß andere politische Berühmtheiten sich anderen Journalen anschließen werden.
Paris, 10. Okt. Die große versailler Revue verlies ruhig.
Verantwortlicher Redakteur: Dr. A. Boczek.
