umstoßen kann; ob sie auch gültig ist für den Fall, daß das rechtliche Dasein deS Bundestags selbst von den „Abwesenden" nicht anerkannt wird, und endlich ob der Bundestag über sein eigenes Recht der rechte Richter ist.
Ueber die von dem Präsidenten der Republik in Cherbourg gehaltene Rede äußerte sich „Siecle" folgendermaßen: „Wir wiederholen cs, Hr. Ludwig Bonaparte hat mehr gesagt, als er sagen wollte, man darf daher seine Worte nicht einer allzustrengen Prüfung unterwerfen. Er möge unS aber erlauben, ihm zu sagen, daß seine gewagten Stegreifreden Niemand schaden, als ihm selbst. DaS Unmögliche wollen, kann wohl schön sein, aber damit macht man keine Staatsmänner. Tcrreö peitschte daS Meer, aber er war nicht Präsident einer Republik. Hr. Ludwig Bonaparte liebt die Gewalt, er möchte sie stark, dauerhaft, ausgedehnt, das ist ein erlaubter Ehrgeiz; aber er ist nicht der einzige, der diesen Geschmack hat. Die Gewalt gehört heutzutage nicht demjenigen, der sie liebt und wünscht, sondern demjenigen, den Frankreich für den würdigsten hält. Die Mitbewerber deS Hrn. Bonaparte find zahlreich. Eine gewandte und einflußreiche Partei bereitet im Geheimen eine Kandidatur, welche, wie man sagt, viele Anhänger finden dürste. Die Neffen des Kaisers sind nicht die einzigen Prinzen, welche eine Gewalt, sogar beschränkte-, wie die cincö Präsidenten der Republik, in Versuchung führen konnte. Es gibt solche, deren Vorgänge ehrenwerth, deren Dienste glänzend find; cS gibt deren, welche Frankreich, seinem Willen gehorsam, hat mit Adel und Würde in die Verbannung gehen sehen. Alles dieses kann auf nutzbringende Weise auSgebeutet werden, und wenn Hr. L. Bonaparte ferner so handelt, wie bisher, wenn er ferner so rückhaltlos spricht, wie in Cherbourg, so arbeitet er seinen Konkurrenten offen in die Hände".
Deutschland.
* Wiesbaden, 13, Sept. Der Preuß. StaatS- Anzeiger beginnt mit der Veröffentlichung der dem provisorischen Fürstenkollegium angezeigten ableh, nennen Erklärungen der in dem Kollegium vertretenen Regierungen auf die Einladung Oesterreichs, den repristinirten Bundestag zu beschicken. Diese Zusammenstellung wird einen neuen Beitrag erhalten, indem nun auch von Seite der nassauischen Regierung die Aufforderung zur Beschickung des erneu erten Bun deS ta- geS in Frankfurt ablehnend beantwor, tet wurde.
* Wiesbaden, 12. Sept. (Assisenverhandlung gegen Conrad Pop per t, 25 Jahre alt, Drehorgelspieler aus Loßheim in Kurhessen wegen Tödtung.)
Conrad Poppe rt ist angeklagt, am Abend deS 26. April L I. bei Gelegenheit eines im Wirthshause der Wittwe Kumpf zu Nied entstandenen Streites, und eines Handgemenges mit dem Geschäftsführer der Wirthin , Jakob Stephan, der ihn unter bedeutenden Mißhandlungen zum Hause hinauswerfen wollte, diesen mit seinem eisen- beschlagenen Stock über den Kopf geschlagen und da derselbe am 14. Mai ungeachtet der sorgfältigen ununterbrochenen ärztlichen Behandlung und einer am 13. Mai l. Js. vorgenommenen Trepanation starb, dadurch getövtet zu haben.
Als mildernder Umstand tritt für den Angeklagten ein, daß er die That, (wie cS sich von selbst versteht, ohne Vorbedacht) in einem durch grobe Beleidigungen deS Getödteten hervorgcrufenen Affekte verübte und ferner die körperliche Beschaffenheit des Letzteren, indem sich bei der Sektion zeigte, daß dessen Schädelknochen ungewöhnlich dünn waren, und eS auffallend erschien, daß bei dieser Beschaffenheit deS Schädelknochens die Verletzung nicht be- deutender und gefährlicher ausfiel, daß somit die Dünne des SchädelknochenS als mitwirkende Ursache des Todes angesehen werden müßte, und ferner, daß sich in beiden Lungen Tuberkeln vorfanden, waS ebenfalls zu dem traurigen AuSgange beigetragen hat.
Der Verwundete war nach dem Schlage noch bis zu seinem Ableben bei Bewußtsein und konnte gerichtlich vernommen werden. Die Wunde war drei Zoll über dem Ohre auf der Höhe deS linken Scheitelbeins. Ihre Länge betrug einen starken Zoll.
Für die Staatsbehörde fungirt der StaatSpro- kurator Flach; Vertheidiger des Angeklagten ist Prokurator Dr. Großmann. Die Verhandlung leitet Präsident Langhans.
Frankfurt, 12. Septbr. Wir sind, schreibt die Deutsche Zeitung, seit lange gewohnt, die Nachrichten über die in Frankfurt tagende Bundesversammlung über Wien, München, Hannover, Dresden und Stuttgart zu beziehen: so eben bringt der Schwäb. Merk, die neuesten Mittheilungen über den Stand der Bundesverfassungsfrage im Thurn- und TariS'fchen PalaiS. Der Verfassung, welche
Deutschland glücklich machen soll, liegt, wie nicht anders zu erwarten, im Großen und Ganzen die Münchener Aufstellung zum Grunde: als Erckutiv- behörde ein Direktorium, in welchem Oesterreich und Preußen abwechselnd den Vorsitz führen unv die übrigen Bundesregierungen nach Maßgabe ihrer politischen und materiellen Bedeutung gruppenweise vertreten sind, eine sogenannte Nanonalvertretung, aus den Kammern der Einzelstaaten und, größerer Sicherheit halber, „Unter Mitwirkung der resp. Regierungen" hervorgegangen, endlich der Eintritt der gejammten österreichischen Monarchie mit alleiniger Ausnahme der italienischen Kronländer — das sind die Grundzüge des Neubaues von Deutschland.
Darmstadt, 11. Sept. Seite Kammern der Landstände haben sich heute vorläufig konstiluirt, und morgen wird wahrscheinlich die Eröffnungssitzung stattfinden. Auch die zweite Kammer ist diesen Morgen zur vorläufigen Wahlprüfung zu- sammengetreten. Bei der oberflächlichen Prüfung der Wahlakten wurde nur die Wahl des Abg. Hrn. Reh (Wahlbezirk Langen) beanstandet und dieser mußte bis zur definitiven Wahlprüfung auStreten. Nach der Prüfung der Wahlakten trat heute Nachmittag die Kammer unter dem AlterS- präsidium des Abg. Spanagel, der am Morgen schon eine recht ansprechende Rede an seine Herren Kollegen gehalten hatte, zusammen. Die Präsidenten, wähl fiel auf KreiSgerichtspräsiventen Dr. Mohr, 1. Vizepräsident wurde Herr Professor Hillebrand,
2. Vizepräsident Herr Lehne. Zu Schriftführern wurden die Herren Steinberger und Müller-Mel- chiorS, zu deren Stellvertreter die Herren Büchner und Bogen erwählt.
Speyer, 8. Sept. Die Geistlichkeit des Land- kapitelS Zweibrücken hat in einer am 2. d. M. abgehaltenen Pastoralkonferenz den Pfarrer Tafel „da er-sich von den Grundsätzen, die sie für die der kath. Kirche hält (nach seiner politischen Richtung) faktisch loSgesagt" aus ihrer Gemeinschaft aus. geschlossen.
Stuttgart, 11. Sept. Der „StaatSanzeiger" von heute Abend bringt die Ernennung deS eben vom StaatSgerichtöhofe freigesprochenen Frhrn. von Wächter-Spittler zu Präsidenten veS evangelischen Konsistoriums nebst folgendem Handschreiben Seiner Maj. deS Königs an denselben: „Mein lieber Staatsrath v. Wächter-Spittler! Mit der lebhaftesten Befriedigung habe Ich den AuSgang vernommen, welchen die von der aufgelösten Landesversammlung gegen Sie anhängig gemachte Klage gefunden hat. Der Ausspruch des StaatsgerichtShofS, daß Ihr seitheriges Wirken im öffentlichen Dienste keinen Grund zu einer solchen Anklage darbiete, wird, wie Ich hoffe, nur ein weiteres Motiv für Si^ fein, auch ferner dem Vaterlande Ihre erprobten', treuen und nützlichen Dienste zu widmen und, unbekümmert um Leidenschaft und Parleianfechtung, fest und standhaft in Erfüllung Ihrer Dienstpflichten zu beharren. Indem Ich darauf zähle, Ihre Dienste auch künftig dem Staate erhalten zu sehen, ergreife Ich gerne diesen Anlaß, Sie Meines fortdauernden Wohlwollens zu versichern, und verbleibe im klebrigen, Mein lieber StaatSrath von WächterSpiltler, Ihr gnädiger König Wilhelm."
Berlin, 10. Sept. In Betreff der an Seine Majestät den König abzuscndcnden Deputation aus Mitgliedern deS Zentralausschusses der konservativen Gesammtpartei, welche außer der deutschen Frage auch den Wunsch aussprechen soll, daß eS dem König gefallen möge, feinen bleibenden Sitz in der Hauptstadt Berlin wieder zu nehmen, hören wir, daß Se. Majestät bereit ist, die Deputajion zu empfangen, falls das Ministerium sich damit einverstanden erklärt. Der König erinnerte das an ihn gesendete Mitglied deS Zentralausschusses daran, daß, wie gern er von seiner Seite solche liebe Freunde empfange, nicht zu vergessen sei, daß er konstitutioneller^ König sei und mithin die Meinung des Mi, nisteriumS vorher hören müsse.
Berlin, 10. Sept. Der Minister v. Manteuffel wird, nachdem er noch der auf morgen be# vorstehenden Sitzung deS MinisterratHS, welcher der König präsidiren wird, beigewohnt, übermorgen, nämlich am Donnerstag Abend, seine Rheinreise an, treten. Auch Frankfurt wird wohl von ihm berührt werden und er wird dort, wahrscheinlich schon Sonnabend, spätestens aber Sonntag eintreffen. — Hier in Berlin herrscht, wenn man die geringe Zahl der sich noch so nennenden Demokraten auSnimmt, die größte Befriedigung über die Wahl der Gemeinde- räthe. Sie waren unrecht berichtet, wenn Ihnen gemeldet wurde, die Demokraten hätten sich nicht an den Wahlen betheiligt; dte Demokratie hat ihr Möglichstes aufgeboten , um wenigstens diesen oder jenen Kandidaten durchzubringen; eö ist aber nur mit einem einzigen gelungen.
Die Zeitungen beschäftigen sich fast ausschließ, lich mit der hessischen Frage. Von mehreren Mitgliedern der Linken beider Kammern ist an daS DtaatSministerinm eine Eingabe gerichtet worden,
worin um eine Einberufung der Kammern vor k
1. November gebeten wird. An der Spitz- terzeichner steht Graf Dyhrn. Als Motiv ber« zeitigen Einberufung wird besonders der Stands deutschen Frage gellend gemacht. °
Berlin, l0. Sept. Die Haltung der vrei.ei schen Regierung in der kurhessischen Verfass»».»' frage scheint leider nicht Die Richtung zu nehm Die dem preußischen Namen in Deutschland Sympalhieen zuführen könnte. Wir fühle« versucht, der Const. Z. beizustimmen, die i« jß,, heutigen Leitartikel die Haltung der Regierung „absolute Verlegenheit bezeichnet. Alle Anaab ° stimmen freilich darin überein, daß in höh„" Kreisen die größte Entrüstung über die Hessisch" Vorgänge herrsche. WaS vermag aber diese Reue gegen den Fehler, zu HaffènpflugS Erhebt beigetragen zu haben, einen Fehler, den, wie Berichterstatter der Köln. Ztg. sagt^ nicht einJ eine Intervention zu Gunsten des verfassungsnâ gen RechtS der Stände wieder gut machen kaW Sogar die Nene Preußische Zeitung muß sagen hätte ihrerseits „allerdings gewünscht, daß Die U fische Regierung von Hause aus weniger hastig eigenwillig zu Werke gegangen wäre, und namentlich der einen oder der andern der lösten Kammern Zeit gelassen hätte, ihrePriiM zur Vollendung zu führen, und sich selbst alStz, vent oder etwas dergleichen zu fonftituiren, wLq so dem ständischen Ausschusse ein scheinbar Ä formelles Recht nicht abzusprechen sei". i Lilh. Korr, enthält übrigens die gerüchtweise & theilung, die den Umständen nach nicht gerade» wahrscheinlich ist, daß bei einer privaten Besprecht der Mitglieder des Frankfurter engern Rathes st eine sehr schwankende Stimmung in Betreff e« Einschreitens deS „Bundestags" in Kurhessen herM gestellt habe. Vornämlich hätten der österreichist und hannoversche Bevollmächtigte in Ansehm der Wichtigkeit der Frage ein Abwarten speziell: Instruktionen der resp. Höfe für unerläßlich gt halten.
Wir haben schon mitgetheilt, daß die zweit: Verhandlung des Hassenpflug'schen Prozesses inte Appellationsinstanz Donnerstag den 12. Sept, ii Greifswalde statthaben wird. Die Const. Ztg. sagt darüber, der Oberstaatsanwalt werbe, wie man m dort höre, nachdem er sich zuvor der völligsten Ueber« einstimmung mit feinen höchsten Vorgesetzten w sichert, daS „Nichtschulbig" beantragen. Man seü nämlich an betreffender ^Stelle der, um eS gefin» auszudrücken, eigenthümlichen Ansicht sein, dah d'u Fälschung, welche allerbings unzweiftlhafl vgriiegt, bei einem Manne w1ddM"rpflng- nicht aus meinem Eigennutze hervorgegangen und deèhM nicht sträflich sei.
Berlin, 10. Sept. (K. Z.) Ueber die Plam deS Bundestages auf Schleswig-Holsteins höre ich heute Präziseres: 1) der Frieden soll ratifizirt werden, unter Vorbehalt der durch Bundesbeschluß M 1846 gewahrten Rechte. Die Rechte aber wer» schwerlich erplicite erwähnt werden; 2) der Kamps wird lnhibirt, indem der bis jetzt nur in englisch« Depeschen vertretene Grundsatz ausgestellt wird,!« der Friede den Hèrzogthümern die Fortführung te Krieges verbiete; 3) ein Interimistikum wirb Herz: stellt, wobei der Status quo ante in Den Herz« ihümcrn maßgebend sein soll, b. h. der Zusta: vor dem März 1848. Dies umfaßt zweierlei: ? erst die Aufhebung der Konstitution, dann, inM Theorie, die Wiederherstellung der seit der dänisch!« Okkupation Schleswigs faktisch unterbrochenen â ministrativen Vereinigung der Herzogthümer. Adn dieser scheinbar günstige Punkt wird auch noch i« anderer Beziehung gleichzeitig wieder aufgegeben, indem eingestanvener Maßen zugleich SchlesW unter dänischer Okkupation bleiben soll; denn hifl' auS folgt, daß entweder die administrative Genitiv samk.it mit Holstein noch immer zerrissen bleibt, ober aber etwa auch Holstein gleich ausgeliesefl werben müßte; 4) eine materielle Lösung der Streit' frage soll demnächst statt finden. Dies alles wird, wie schon gestern erwähnt, in ter Form Modifi'a' tionen erleiden und mit einigen beschönigenden Phrasen umkleivet werden. In ter Mehrheit aber wird eS dahin kommen, daß Schleswig sofort au:' gegeben wird, indem ihm der Bund das Recht konstitutioneller Verbindung mit Holstein abspricht, daß die Erbfolge-Frage nach dänischem Wunsch und nach Maßgabe des Londoner Protokolls ttledig' wird; daß endlich durch alle diese Mittel früh oder spät Holstein einem dänischen Gcsammtstaate ein» verleibt und Deutschland entrissen wird.
Hannover, 9. Sept. (H. Z.) Se. Erc-W F.-Z.-M. Baron Haynau ist gestern Abend , $ Honten kommend, hier eingetroffen und wird, w verlautet, einige Zeit hier verweilen.
Altona, 9. Sept. Major Klaproth kehrte gestern Abend von Rendsburg zurück, um im ra dieser Woche noch in den aktiven Dienst eiuzutre '
Außer Den beiden Gefechten bei Süderstapp und Breckendorf, von welchem bereits ge»"t
