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Birt. Die Antworten nach Wien und London sind ertheilt. Man zweifelt nicht, » die Depeschen nach Wien unS wesentlich fördern werden. Man wird im Stande seyn, die Union ihrem Prinzipe nach und so weil sie zum Schutze der kleineren Staaten erforderlich ist, zu erhalten, man wird dieß im Stande seyn, indem man sich gleichzeitig mit Oesterreich wie mit allen deutschen Staaten über die Form für den weilern Bund, der seine Stellung als Staatenverband in dem europäischen Staaten- komplere beibehalten muß, verständigt. ES erscheint Unterrichteten als gewiß, daß Oesterreich sich bereit finden lassen werde, eine Uniirung einzelner Staa­ten innerhalb des Bundes anzuerkenncu. Es wird sich darum handeln, der Union Gränzen anzuweisen, welche der Union als solcher, offen gestanden, in politischer" Beziehung keinen großen Spielraum gewähren, und die ihr außerhalb deS weitern Bun­des ein Auftreten sehr erschweren. Die Union wird zunächst in der unabweiSlich zu erwartenden Refor- mirung ein Verband deutscher Regierungen in ma­terieller und administrativer Beziehung seyn. Man wird vielleicht nicht viel mehr zu thun haben, alS die Möglichkeit einer Kriegsführung durch die Union aus dem UnionSvertrage zu beseitigen. So lange dies nicht geschieht wird man in Wien voraussicht­lich nicht eine ordentliche Neugestaltung der Bun- deSverhâltnisie herbeiführen oder ihnen nur zustim­men. Die Lord Palmerston zugefertigte ablehnende Depesche hat zur Zeit ihre Antwort noch nicht ge­funden. Man glaubt aber, daß man in London davon abstehen wird, von Preußen die Pazifikation der Herzogthümer zu verlangen.

Berlin, 2. Sept. Die Konst. Z. widerspricht der Nachricht, die durch einige Blätter gegangen, daß zwischen Dänemark und den Herzogihümern neuerdings Unterhandlungen eingelcitct seien, auS bester Quelle auf das Entschiedenste. Baron Pech, lin soll in Berlin, wie man der Z. f. Nordd. schreibt, ebensowohl Beschwerde geführt haben über die Un­terstützungen an Geld und Mannschaft, welche un­behindert auS Preußen nach Kiel gehen, wie über die Stockung, in welche die Ratifikation des Berliner Friedens bei den übrigen deutschen Staaten gera­then ist. Die Antirort wird jedenfalls nicht so aus­fallen , wie man in Kopenhagen sie wünscht. In die Privatwohlthätigkeit kann man nicht eingreifen, ohne die bitterste Mißstimmung, die groß genug ist, zu vermehren, waS aber den Frieden anbelangt, so kann Preußen um so weniger irgend eine weitere Mitwirkung zusagen, nachdem derselbe zur Bun- deStagSsache gemacht, in der Berliner Note am 25. aber auf'S Entschiedenste erklärt worden ist, daß Preußen nimmermehr am restaurirten Bundestage theilnehmen werde.

Berliu, 2. Sept. (C. B.) Bei den so im Ganzen etwas wirren auswärtigen Beziehungen ist eS erfreulich, mit welcher Zuvorkommenheit man nunmehr auch in London darauf eingegangen ist, in der Neuenburger Angelegenheit mit den übrigen europäischen Großmächten eine Entscheidung und Vermittelung anzunehmen. ES ist bekannt, daß Preußen sein gutes Recht bei der Eidgenossenschaft gewahrt hat. Wie wir bereits vor einiger Zeit mitgetheilt haben, hat daS Wiener wie daS Peters­burger Kabinet seine Bereitwilligkeit zu erkennen gegeben, dem Wunsche Preußens, auf dem unblu­tigen Wege einer Entscheidung der Großmächte die Neuenburger Angelegenheit zu ordnen, einzugehen. Die Großmacht, die, obschon aufgefordert, noch keine Antwort über die zu gewährende Mitwirkung ertheilt hat, ist Frankreich. ES findet dies zum Theil in äußerlichen Zufälligkeiten seinen Grund. Die Antwort wird wohl in kurzer Zeit eintreffen. Gerüchte, welche ihren Inhalt bereits wiedergeben, erscheinen somit unbegründet.

Nachdem von sämmtlichen UnionSregierungen der Beschluß deS provisorischen Fürstenkollegiums wegen der bei Außer-KourSsehung von Papiergeld einzuhaltenden Fristen in Kraft gesetzt worden ist, wird derselbe auch in der preußischen Gesetzsamm­lung demnächst veröffentlicht werden.

Berlin, 2. Sept. (K. Z.) Dem Fürstenkol­legium ist die Anzeige davon gemacht worden, daß Hamburg nach Wien eine Note erlassen hat, die einem Absage-Briefe an den Bundestag gleichkommt. In dem österreichischen Plane sollte Frankfurt die Stimme für die Hansestädte führen. Hamburg legt dagegen Verwahrung ein, daß es von irgend ei­nem Staate dort vertreten seyn solle, wo eS selbst zu erscheinen sich weigert. Ueber den Sinn dieser Verwahrung möchte ich mir übrigens noch Erkun­digungen vorbehalten. Sicher ist, daß Hamburg von Frankfurt nicht vertreten seyn, und daß es über­haupt an dem Bundestage sich nicht betheiligen will. Die übrigen UnionS - Regierungen werden in einer Note, die dem Sinne nach der preußischen gleich­kommt, Hamburgs Beispiel folgen oder sind dem­selben schon gefolgt. Man hofft dies auch von Nassau. (Siehe die Telegraphische Depesche vom 3, September.)

Berlin, 3, Sept. (Telegraph. Depesche.) Halb- offizielle Organe melden, daß in Folge eines vom

Fürsten-Kollegium am 26". August gefaßten Beschlus­ses sämmtliche Unions-Negierungen eine ablehnende Antwort auf Oesterreichs Einladung zum beabsich­tigten Bundestage haben ergehen lassen.

Kiel, 30. August. (Hamb. N.) Unter den Gaben, welche auS Deutschland für unser bedräng­tes Vaterland einlaufen, sind auch einige, welche die Wiederherstellung des Schrauben-DampfbooteS von der Tann" erleichtern wollen. Ein Geschenk, zwar nicht zu diesem Zweck, aber doch an den Lieu­tenant Lange gleich in den ersten Tagen nach dem 21. Juli auS Travemünde von einer edlen Ham­burgerin gesendet:ein neues Schwerdt zu kaufen, oder einen Verwundeten zu pflegen", möchten wir besonders hervorheben. ES ist der schöne Schmuck jener Dame, bestehend auS einer Busennadel und einer Schnalle, reich mit Steinen verziert und leicht einige Hundert Thaler an Werth.Ehre und Preis der Geberin" ! Lieutenant Lange überlie­ferte das Geschenk seiner vorgesetzten Behörde. Die Statthalterschaft hat entschieden, daß der Schmuck zum Besten der wackern Besatzung deSvon der Tann" verwerthet werden soll.

Rendsburg, 31. August. (H. C.) In der letz­ten Zeit ist der vorgeschobene linke Flügel der Dä­nen fast täglich durch untere Truppen beunruhigt worden. Ein lebhafter kleiner Krieg ist zwischen dem Schnellmarkerholz, Kropp und Friedrichstadt geführt. Unsere Parteien sind bis gegen Selk und Osterbye vorgedrungen; in ersterer Richtung nament­lich wurden am 28. b. die feindlichen Vorposten durch daS zweite Bataillon zurückgeworfen. In der Nacht vom 28. auf den 29. d. M. hat der Fähn­rich v. Motz mit 50 Jägern eine feindliche Kavalle­rie-Feldwache zwischen Gottorf und Breckendorf un­bemerkt umgangen. Er ging dann in ihrem Rücken bis auf nahe Entfernung an dieselbe heran und forderte sie anschlagend auf, abzusitzen. Nur der Umstand, baß die Feldwache zu Pferde hielt, hat dieselbe vor gänzlicher Vernichtung bewahrt, indem sie durch eine Barrikade jagte, welche sie selbst vor sich aufgerichtet; doch ist ein schwerverwundeter Dragoner vom 4. Regiment, welcher nicht fort zu schaffen war, auf dem Platze geblieben, und meh­rere zurückgelassene Helme und Waffen zeugen von der Verwirrung deö Feindes. Aehnliche Vorfälle kommen vor, und wenn sie auch nichts entscheiden, so hat doch daS überall behauptetes Uebergewicht im kleinern Kriege eine größere Wirkung bereits gehabt. Der Feind hat seine Vorposten bis dicht an seine verschanzten Stellungen zurückgezogen und selbst die Brigade bei Kocheudorf nicht mehr sicher geglaubt, indem er sie gegen Missnnde zurückverlegt und das Lager bei Kochendorf größtentheils geräumt hat. Bei diesem Zustande, der Dinge scheint der moralische und physische Zustand des feindlichen Heeres in eben dem Maaße zu sinken, wie sich we­nigstens der erstere deS unseren hebt, und eS steht zu hoffen, daß, wenn Schleswig-Holstein den jetzi­gen Zustand noch eine Weile mit der hochherzigen Art der Energie erträgt, welche wir als eine ent­schlossene Geduld bezeichnen möchten, alSdann schließ­lich ein entscheidender Sieg der gerechten Sache er­folgen wird.

Rendsburg, 1. Sept. (D. Z.) Der gestrige Tag brachte uns viel Lärm um Nichts; sogar die Besatzung der Stadt war durch daS Signal von 4 Kanonenschüssen allarmirt, ohne daß es zu einem ernsthaften Gefecht gekommen wäre. Früh 7 Uhr ward eine Patrouille von 25 Mann des Hei Sorg- brück stehenden 10 Bataillons, die sich bis über eine Meile vor die Vorposten vorgewagt hatte, von überlegener dänischer Macht angegriffen und zog sich fechtend zurück. Der Kommandeur des Batail­lons, der das Schießen hörte, ging nun mit 2 Kom­pagnien über die Sorge, nahm seine Patrouille auf und vertrieb den Feind, der jetzt rasch zurückging. Um 10 Uhr Morgens schien eS dem kommandiren- den General, der von der zweiten Brigade ein klei­nes Feldmanöver bei Bunge auSführen lassen wollte, alS wenn der Feind die Absicht hätte, ihn hier mit überlegener Macht anzugreifen. Er schickte daher den M ajor Heinrich v. Gagern in die Stadt, um dem General v. d. Horst den Befehl zu über­bringen, mit dem disponiblen Theil der 3. Brigade auS dem 9., 11., 14. Jnfanteriebataillvn und dem 4. Jägerkorps bestehend, sich bei Rickert aufzustellen, um so daS zweite Treffen zu bilden. Die in der Stabt liegenden Truppen wurden nun gegen 12 Uhr ebenfalls allarmirt, um nöthigenfallS zur Re­serve dienen zu können. Die Dänen scheinen aber ihre Absicht, angreifen zu wollen, aufgegeben zu haben, alS sie uns so gerüstet sahen, uno cs kam leider zu keinem Gefechte. Aus dem rechten Flügel der Armee sind aber wieder einige Vorpostenschar- mützel vorgefallen und wurden gestern Nachmittag einige gefangene Dänenen wie auch einige leicht verwundete Soldaten von unserm 3. Jägerkorps in Rendsburg eingebracht. Ueberhaupt kommen sich seit einigen Tagen die Patrouillen immer näher und besonders die unsrigen streifen immer weiter bis nahe an Schleswig und Eckernförde hin.

Innsbruck, 26. August. (Brest. Z.) Die si, bendige Theilnahme für das Schicksal der Herzog, thümer spricht sich fortwährend hülfrcich aus. Hall hat sich eine Schützenkompagnie gebildet, die jeden Augenblick bereit ist, nach rem Norden auf, zubrechen, sobald nur von Seiten der Regierung die hierzu erforderliche Bewilligung erfolgt sein wird - allein die von einem ehemaligen Schützenlieutenant an den Statthalter gerichtete Anfrage in dieser Be­ziehung ist bis jetzt ohne Antwort geblieben.

Wien, 31. August. (D. Ztg.) DieWiener Zeitung" ist ermächtigt, die Mittheilung, daß das Justiz-Ministerium damit umgehe, aus verschiede­nen deutschen Ländern und insbesondere auS Rhein- Preußen Justizbeamte zu berufen, um sie bei öster­reichischen Justizbehörden anzustellen, als eine voll- ständige Erfindung zu erklären.

Wien, 30. August. (D. Z.) In der Mitte deS nächsten MonatS wird Se. Maj. der Kaiser wieder eine Reise unternehmen, man weiß jedoch noch nicht, ob zur Jnspizirunq deS böhmischen oder des voralbergischen Armeekorps. Graf Nesselrode ist nur Einen Tag in Ischl gewesen, wo er von dem Kaiser empfangen wurde. Unmittelbar nach der Abreise deS Kaisers setzte auch er in Begleitung deS Fürst» Schwarzenberg die Reise nach Salzburg fort, um dann über Linz , Prag rc. nach Petersburg zurüi zukehren.

Wien, 30. August. Man sagt, das russische Kabinet habe beschlossen, bei den befreundeten Hö­fen dahin zu wirken, daß ein großer diplomatischer Kongreß, ähnlich dem 1815 in Wien versammelten, abgehalten werde. In diesem Kongresse sollen alle schwebenden europäischen Fragen entschieden und neue Grundlage» deS europäischen StaateusystemS definitiv festgestellt werden. Der Reise deS ©rasen Nesselrode nach Ischl wird nun die Absicht unter» gelegt, vorerst den österreichischen Kaiser und sein Kabinet für jene russische Idee zu gewinnen und dahin zu bewegen, daß Oesterreich in Gemeinschaft mit Rußland für das Zustandekommen eines euro, pâischen Kongresses wirke.

Dänemark

Kopenhagen, 31. August. DaS Gesetz über die Aufhebung der Zollgrenze zwischen Dänemark und Schleswig ist nunmehr erschienen. In der Einleitung ist der Wunsch ausgesprochen, eine völ­lige Zollgleichheit sobald als möglich zu Stande zu bringen. Doch ist diese Frage späterer verfassungs­mäßiger Bestimmung vorbehalten. DaS Gesetz daher nur provisorisch. Der beigefügte Tarif ent­hält wichtige Veränderungen und Reduktionen. Der Zollstempel für Spielkarten ist beibehalten, desglei­chen der Brantweinzoll zwischen Neujütland und Schleswig. Holstein wird einstweilen als zollfrei angesehen. Durch Verordnung vom 22. d. M. hat Kammerherr Tillisch mehrere seit dem 17. März 1848 erlassene Gesetze aufgehoben, nament­lich die Märzerrungenschaften (Preßfreiheit, Bür­gerbewaffnung, Pereinsrechte rc.)

Frankreich.

D Paris, 2. Sept. Ein interessantes Lich, auf die Stellung der Parteien wirft der Umstand! daß, so weit bis jetzt bekannt, überall die Orleans sten und Bonapartisten es gewesen find, welche für die Verfassungärevision gestimmt haben, wâhreud die Legitimisten sich meistens passiv verhielten, oder dagegen stimmten. Die Letzteren haben allerdings von der Zeit Alles und jedenfalls mehr zu erwarten, als die Bonapartistische und Orleanistische Partei, die eigentlich nur ephemere Erscheinungen sind. Die Republikaner haben natürlich überall gegen die Ver- saffungSreviston gestimmt, da sie mit der Verfassung von 1848 wenigstens die Form der Republik zu er­halten hoffen. Im Eure-Departement haben sogar 12 Mitglieder des GeneralratHS, den alten Dupont (de l'Eure) an der Spitze, gegen daS Votum zu Gunsten der Verfassungsrevision alS ungesetzlich, unzeitgemäß und unkonstitutionell protestirt und ihre Entlassung eingereicht.

Der Doktor Chomel, den die königl. Familie von Clairemont durch einen erpressen Courier von hier hatte rufen lassen-, ist zurückgekehrt, nachdem er den listen Seufzer LouiS Philipps empfangen hat. Er erzählt, daß bei seiner Ankunft d. h. we­nige Augenblicke vor dem Tode LouiS Philippe nicht mehr bei vollen geistigen Kräften war. Der berühmte Arzt schreibt den Ursprung der Krankheit der müthScrschülterung und dem tiefen Kummer in Folge der Februar-Revolution zu. Nach ihm haben bie moralischen Leiden der Krankheit, an der Louw Philippe gestorben ist, ihre eigentliche Richtung ge' geben und sie entwickelt.