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Deutschland

Frankfurt, 23. Juni. (D. A. Z.) Vor einer Zeit wur- den die Sitten der schwurgerichtlichen Verhandlungen von Hanau in dem Prozesse AuerSwalb-Lichnowsky in beglaubigter fran­zösischer und englischer Uebersetzung nach Paris und London geschickt, nebst einem Gesuche an die französische und englische Regierung, um Auslieferung mehrerer bei der Ermordung der beiden ReichstagSabgeordneten betheiligten Individuen. Beide Regierungen haben nun dem Auslieferungsbegehren Folge geben zu wollen erklärt, nachdem sie durch die Akten die Ueberzeu­gung erhalten, daß es sich hier nicht um ein politisches Ver­gehen, sondern um einen Mord handle. Nispel (von Bocken- heim), welcher den tödlichen Schuß auf Lichnowsky und (wenn wir nicht irren) auch auf AuerSwalv gethan zu haben durch Zeugenaussagen beschuldigt ist, wird in diesen Tagen von Paris, wo er in letzter Zeit in einer Portefeuillefabrik arbeitete, nach Hanau gebracht werden, ebenso Buchswciler, der heuch­lerische Aufwiegler zum Aufstande und feige Aufhetzer zum Mord, von Hull, wo er sich aufgehalten.

Mannheim, 25. Juni. (Mannh. I.) Bei der Erstür­mung von Ludwigshafen durch die Preußen flüchteten sich be­kanntlich mehrere Legionäre, da die Schiffbrücke bereits abge­brochen war, in die jenseitigen Pontons der Brücke, wo sie sich theilweise bis zum Einrücken der bayerischen Truppen in Ludwigshafen verborgen hielten. Einigen derselben glückte es jedoch, schon zuvor, nach zwei Hungertagen, Nachts einen der Pontons von dem Ankertau loszulösen und damit rhcinab- wârtö bis zum Mühlauschlößchen zu schwimmen. Hier ange­langt, mußte einer der Legionäre, um sich und seine LeidenSge- nossen vor den Kugeln der befreundeten Freischärler zu sichern, ins Wasser springen und dem auf der Mühlau wachhabenden Posten der Freischärler entgegengehen. Da er nicht deutsch verstand, konnte er sich Jenen nicht verständlich machen, und wurde daher, bei der Dunkelheit, als er kaum das Land betre­ten, mit Kugeln begrüßt; eine schwere Wunde in die rechte Schulter war die Folge davon, woran er bis jetzt, also ein Jahr lang, krank im hiesigen Spital darniedergelegen hat. Nach seiner Genesung durch die Gnade Sr. königl. Hoh. des Großherzogs begnadigt, ist der Legionär vorgestern nach Frank, reich abgreiSt.

Stuttgart, 25. Juni. (O.-P.-A.-Z.) Heerbrandt von Reutlingen wurde am 23. Juni vom Hohenasperg unter der Bedingung entlassen, daß er in Vierteljahrs frist nach Amerika auswandere, und es sollen unter dieser Bedingung auch alle gegen ihn anhängigen Untersuchungen niedergeschlagen werden.

Freiburg a. d. Unstrut, 25. Juni. Obgleich der hier seß­hafte alte Turner F. L. Jahn seit seinem Austritte auS dem deutschen Parlamente alle Sympathie des Volks und jede po­litische Bedeutung verloren hat, so hatten doch die hiesigen Turner die kleinen Turnvereine der Umgegend zu einem Turn­feste auf den 23. Juni hierher geladen. Ehe aber noch ein fremder Turner die Stadt betrat, rückten von dem mindestens 3'A Meilen von hier in Halle a. d. S. stehenden 19. Infan­terieregiment 150 Füsiliere hier ein, und die Behörden erklär­ten, baß das beabsichtigte Turnfest nicht abgehalten werden dürfe. Ob es der Wille des Königs ist, daß man mit den von ihm begünstigten jugendlichen Turnern in dieser Weise verfährt, wird von vielen Einheimischen und Auswärtigen stark bezweifelt.

Den Lehrern im Regierungsbezirk Merseburg ist die Theil­nahme an demokratischen Vereinen bei sofortiger Dienstent­lassung von der Regierung untersagt worden; an Missionsver­einen dürfen sie sich jedoch betheiligen.

Dresden, 24. Juni. Als Bevollmächtigter Sachsens bei dem Zollvereinskongreß in Kassel wird der Geh. Rath Weinlig, der frühere Minister, erscheinen.

München, 23. Juni. DaS Generalaudiloriat hat das über den Junker v. Fach vom Kriegsgerichte von Landau ge­fällte Todesurtheil bestätigt, zugleich aber auch ein Begnadi­gungsgesuch an den König eingereicht.

In Würzburg ist aus Grund deS Gesetzes über die Ver­eine und Versammlungen laut amtlicher Bekanntmachung im „Jnt.-Bl. für Unterfranken" die Studentenverbindung „Johan­niter" durch Beschluß deS königl. Direktoriums der UnversilätS- und Stadipolizei geschlossen worben.

München, 19. Juni. (W. Z.) Interessant ist die Art, wie Lcrchenfelb die früheren Gesandten- und Diplom a- t e n-W ir th sch a ft geißelt, die sich nur mit Hofiniriguen, - Kabineisgehcimnissen und kleinlichen Ränken beschäftigt; jene I Diplomaten seyen nichts gewesen, als ein „mehr oder minder ; bedeutenver Theil der Gesellschaft in den Hauptstädten, wo sie, ohne eigentliches Geschäft, ihre Stellung benutzten um zu er­fahren und zu berichten, was man allerhöchsten oder höchsten Orts denke, beabsichtige und treibe oder zu denken, zu beab­sichtigen und zu treiben scheine rc." Aus dem Bericht geht hervor, daß Bayern gegenwärtig, trotz der Reduktion, noch 15 Gesandtschaften unterhält, welche zusammen jährlich 288,895 fl, kosten; die theuersten sind die in Frankreich und Rußland, deren jede zwischen 31 und 32,000 fl. in Anspruch nimmtj

Berlin, 24. Juni. (D. Z.) Nachdem man sich hier eine Zeit lang mit der Hoffnung getragen, Oesterreich werde auf die preußischen Vorschläge eingehen, soll jetzt die letzte Aussicht dazu verschwunden seyn. DaS Wiener Kabinel will von seinen Ansprüchen auf den Vorsitz im deutschen Bunde nicht abgehen und versagt sogar dem Prinzip der freien Ver­einbarung, auf dem die Union beruht, seine Anerkennung, WaS wird zuletzt auS diesem Hin- und Herhandeln werben? Für einen Trost mitten in diesen diplomatischen Wirren kann eS angesehen werden, daß General v. Radowitz in wenigen Tagen wieder den Vorsitz im Fürstenkollegium übernehmen wird. Auch hat Oldenburg ven hannoverschen Verlockungen kräftig widerstanden und erklärt, es wolle nicht vertragsbrüchig werden.

In einigen Blättern ist deS Gerüchts Erwähnung gethan worden, der russische Gesandte in London habe Herrn Bunsen angeklagt, weniger die preußische Politik als die Ansichten Lord Palmerstons durch seinen Einfluß zu unterstützen und deßhalb auf die Abberufung unseres Gesandten in England angetragen. An dem Allen ist kein Wort wahr. Hr. v. Meyendorff soll dagegen, im Auftrage seines Kabinets, in Wien eine Vermitte­lung zwischen Oesterreich und Preußen versuchen. Wozu kann aber diese, nach den vielen in der letzten Zeit gemachten Er­fahrungen, führen? Oesterreich wird nur dem Zwange und der Noth, aber nicht den Eingebungen des Rechts und der Billigkeit weichen. Seine ganze Geschichte ist da, um diese Meinung zu bestätigen.

Berlin, 26. Juni. (Telegraphische Depesche der Kölni­schen Zeitung.) Die halb-offiziellen Blätter melden auS zikvrr- lässtger Quelle, daß Lord Palmerston in einem offiziellen und in einem zweiten vertraulichen Schreiben an bas hiesige Kabinel AlleS gethan hat, was zur Beseitigung jeder weiteren Folge geeignet war, welche das insolente Benehmen Lord Brougham's gegen unsern Gesandten nach sich ziehen könnte.

Prag, 21. Juni. Bakunin wird auf dem Hradschin ge­fangen gehalten und häufig verhört. Eine Korrespondenz in der ministeriellen „Reichs - Zeitung" erklärt es für eine abge­schmackte Fabel, daß Oesterreich den in Sachsen begnadigten Russen in Oesterreich hinrichten oder an Rußland ausliefern wolle. Wir nehmen Akt davon. Bakunin ist kein gewöhnlicher Charakter, sonvergi ein Mann von ungeheurer Energie deS Geistes und des Willens.

Wien, 22. Juni. (A. Z.) Der Ban ist heute nach Agram abgereist, um den Kroateu die neue Lanvesverfassung sowie die neue Organisation für die Mililärgränze persönlich zu über­bringen. Vorzüglich war eS diese letztere, welche große Schwierig­keiten bargeboten hat gegenüber den streng an ihren patri­archalischen Gewohnheiten hängenden Gränzern. Auf der Reise nach Agram wird der Ban einen Tag in Warasdin verweilen, welche Srabt er seit seiner Erhebung zur Banalwürde, noch nicht betucht hat. Die beabsichtigte Rundreise desselben in Dalmatien wird für jetzt nicht stattfinven. Sein Aufenthalt in Kroatien wird nur von kurzer Dauer seyn, da derselbe schon im Laufe deS nächsten Monats hierher zurückkehrt, um feine junge Braut, die Gräfin Stockau, dann als Gatlin heimzuführen.

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Straßburg, 24. Juni. Die Uebereinfunft wegen Rege« lung des RheinlaufS längs der franchsisch-badischen Grenze endlich festgestellt worden. Seit Langem war eine solche Ueber-