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spätere Arretirung in WiSmar sind von letzterer Stadt auS verschiedene Mittheilungen in öffentliche Blätter übergegangen, welche eine theilweise Berichtigung und Vervollständigung durch Ihr in Schleswig-Holstein vielgelesenes Blatt als wünschens- werth erscheinen lassen. Aktengemäß ist über den Hergang die­ses allerdings höchst seltsamen Vorfalles vas Folgende: Vor etwa 14 Tagen hatte sich kurz vor dem Abgang deS Obetrit von Kopenhagen ein junger Mensch in dänischer Uniform auf daS bezeichnete Schiff geschlichen, welcher erst auf See bemerkt und von zwei dänischen Offizieren, die als Passagiere einge­schrieben waren, bei der Ankunft des Schiffes in Wismar dem dortigen Magistrate als dänischer Desertenr denunzirt wurde. Der junge Mann, welcher von sich aussagte, daß er auS Al­tona gebürtig, der Sohn des Majors v. Hagen beim dritten schleswig-holsteinischen Jägerbataillon und bei Frivericia als Fahnenjunker eines holsteinischen Jägerbataillons schwer ver, wundet und in dänische Gefangenschaft gerathen sey, wurde in WiSmar, da die dänischen Offiziere den Magistrat für seine Auslieferung verantwortlich machten, auf die Hauptwache, und als er von dieser einen wiederholten Fluchtversuch gemacht hatte, auf den sogenannten „Thurm", späterhin aber, weil in Folge eines Sprunges aus dem zweiten Stockwerke der Haupt­wache ihm eine Wunde am Fuße wieder aufgebrochen war, in das dortige Krankenhaus gebracht. Mittlerweile hatte der Magistrat zu WiSmar bezüglich der Auslieferung des jeglicher Legitimationspapiere entblößten Arrestanten beim großhcrzogl. Ministerium angefragt, von welchem gestern der Bescheid dahin ergangen ist, daß aus dem Grunde des zwischen Deutschland und Dänemark noch herrschenden Kriegszustandes die zwischen Dänemark und Mecklenburg abgeschlossene Konvention, wegen Auslieferung von Deserteuren, auf den vorliegenden Fall nicht anwendbar und der Arrrstant deßwegen, da er jeglicher Legitimationspapiere entbehre, als Vagabund zu behandeln sey. Bevor jedoch durch Anwendung des letztgedachten Verfahrens die Persönlichkeit deS angeblichen Deserteurs hat ermittelt werden können, ist derselbe auS dem zweiten Stockwerk des Krankenhauses abermals entsprungen, und, so viel wir wissen, bis jetzt nicht wieder zur Haft gebracht worden. Daß er, mit Regierungspässen versehen, von Schwerin in die Arme seines Waters geeilt sey, ist ein Märchen.

Wien, 13. Juni. Die „Oesterr. Korresp." bemerkt; der Bruttoertrag der nun für aufgehoben erklärten ungarischen Zwischenzolllinie sey etwa drei Millionen Gulden gewesen. Die direkte Besteuerung Ungarns werde diesen Ausfall reichlich auf« wägen. Zu bemerken ist, daß die Erhebung der Eingangs­und Ausgangsgebühren von Ochsen, Stieren, Kühen und Käl­bern sogleich aufhört. Nicht geringe Freude wird in Ungarn, Siebenbürgen und Kroatien die Nachricht verbreiten, daß nun auch für die Soldaten auS diesen Theilen deS Kaiserreichs die Dienstzeit auf acht Jahre herabgesetzt ist.

Schweiz

Genf, 12. Juni. (O.-P.-A.'Z.) So eben erfährt man noch weitere Entdeckungen, welche man durch die Geständnisse des gestern Hingerichteten Raubmörders Richard gemacht. An der Grenze des Kanton Genf und des Herzogthums Sa­voyen steht ein vereinzeltes Wirthshaus, daS feit längerer Zeit der Schauplatz dunkler Mordthaten gewesen sein soll. ‘ In dem Keller fanden sich Menschengerippe vor; Wirth und Wirthin sind verhaftet und der Prozeß gegen sie eingeleitet. Richard hat alles eingestanden und Licht über diese Mörderbande ver- breiiet, deren Glieder zum großen Theile in Savoyen zur Haft gebracht wurden. Bei der gestrigen Hinrichtung zählte man 12,000 Menschen und namentlich war das weibliche Geschlecht stark vertreten.

Frankreich.

Paris, 15. Juni. (D. Z.) Hr. Thiers ist bereits von einer Zeheimnißvollen Reise von St. Leonards wieder zurück- lekehrt. Ludwig Philipp befand sich etwas besser. Vielleicht langt diese Besserung mit Hrn. ThierS Ankunft zusammen, 'ielleicht werden wir den alten Exkönig bald wieder bei seinem ikwohnten guten Humor sehen, vielleicht handelt cö sich bei einer Krankheit mehr um eine Irreführung deS Publikums,

als um einen letzten irdischen Willen. Es käme dem alten Herrn wohl nicht darauf an, zur Ableitung von der eigentli­chen Fährte sich bei der Welt krank melden zu lassen und vier Wochen lang das Zimmer zu hüten. Wie gesagt, ganz Paris und die Pariser Journalistik zerbricht sich darüber den Kopf, was die Reise deS Hrn. ThierS und die angekündigte orleani- siische Auswanderung nach St. Leonards wohl eigentlich be­deuten möge.

Großbritannien.

London, 12. Juni. (W.-Ztg.) Die „Season" ist in voller Blüthe; die Liste der Konzerte, der fashionablen Diners und Bälle nehmen in jeder Zeitung beträchtlichen Raum ein, und der Glanz dieser Feste beweist, daß die Handelsfreiheit bis jetzt unsere Aristokratie noch nicht merklich ruinirt hat. Alle ande­ren Feten wurden überstrahlt von derjenigen, welcheinvoriger Woche der Marguis von Londonderry den Offizieren seines Regiments (Leibgarde-Husaren) gab. Auf das Mahl folgte ein Ball, zu welchem über 1500 Personen eingeladen waren; fast alle Herren erschienen in Hofgala; die Damen strahlten von Diamanten; goldene Geschirre, silberne Kandelaber bedeck­ten die Tische; der Garten hinter Dem prächtigen Hause war mit bunten Lampen erleuchtet, und ganz mit feinen Fußmatten belegt. Die hohen Fremden aus Nepal wohnten dem Balle bei; sie bestaunten die Pracht, welche sich vor ihnen entfaltete, aber hüteten sich wohl, Etwas von den dargebotenen Erfri, schungen anzurühren. Der nepalesische Gesandte wird von der Aristokratie bestens fetirt, und er weiß, wenn seine Gesundheit getrunken wird, immer sehr fließend zu antworten, freilich auf hindostanisch. — Unter den Leuten, die zu essen geben, nimmt der Lordmayor, wie sein Amt es erfordert, eine hervorragende Stelle ein. Er muß während der Saison nach der Reihe allen angesehenen Korporationen des Landes ein Diner geben, den Mitgliedern des Unterhauses, den Ministern und Gesandten, den Bischöfen, den Richtern, den Repräsentanten des HeerS und der Flotte, den Aldermen, der ostindischen Kompagnie u. s. w., und die Turtlequelle im Mans ionhouse ist daher jetzt in fast unablässigem Strömen begriffen. Der Reichthum der kauf­männischen und adeligen Aristokratie dieser Stadt ist-so uner­meßlich, daß Die Zurückgezogenheit des Hofes, welcher auf der Insel Wight die reine Seeluft einathmet, gar nicht be­merkt wird.

DaS Gerücht geht, daß Smith O'Brien, der irische Rebellenhäuptling lächerlichen Angedenkens, in Australien ge­storben sey. Irische Blätter verbreiten die Behauptung, der unglückliche Mann werde in seinem Eril von Dem Gouverneur von Sidney mit raffinirter Grausamkeit gefoltert, und er schmachte im schauderhaftesten Elende. In England glaubt Niemand an diese Anschuldigung.

Viel Gelächter erregt hier die Adresse des ehrsamen Stadt- ratheS zu Arbroath an die Königin, in welcher derselben „zu Der Geburt ihres letzten Kindes" Glück gewünscht wird. Ihre Maj. ist entschlossen, die getreuen Arbroathianer durch die That Lügen zu strafen.

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.

Wiesbaden, 18. Juni. Dem in Der heutigen Nummer der Freien Zeitung in einem Schmäh-Artikel * Wiesbaden ent­haltenen, jede Besonnenheit entbehrenden politisch-körperlichen Wuth-Anfall auf mein doch ganz objektiv gehaltenes geschicht­liches Referat im Frankfurter Journal über Die Veranlassung des Verbots des mittelrheinischen Volköfestes auf dem Neroberg, sowie Den etwa heute und später noch folgenden Artikeln ähnlichen Charakters habe ich für heute und immer noch zu entgegnen, daß Herr C. Schapper, der einen ge­schichtlichen Ausdruck hat, sich über seine Handlungsweise und damit zujammenhängende Gerüchte in geschichtlichen- Nachweisen auch die Nennung seines Namens ohne Denun­ziantenfluch gefallen lassen muß.

Der betreffende Korrespondent des Frankfurter Journals.