gen, von 300 Einwohnern, binnen vierundzwanzig Stunden nicht weniger als sechszehn Personen ihr erlagen. AuS Halberstadt flüchteten bereits mehrere Familien, um dem furcht, baren Feinde zu entgehen. Die Behörden thun alles Mögliche, die Seuche zu bekämpfen; es sind Aerzte in die Städte und Dörfer gesandt, da die dort vorhandenen nicht ausreichen; Medizin wird den Bedürftigeren gratis verabreicht: — Alles umsonst! Die Krankheit wächst an Intensität und wird, nach der Ansicht der Aerzte, nicht eher Nachlassen, als bis wohlthätige Regen- und Gewitter-Schauer die brennend heiße, mit Höhenrauch geschängerte Luft kühlen und ihr das Drückende, welches wie ein Alb auf jedem sich in jener Gegend Befinden« den lastet, benehmen. Die dort herrschende Cholera hat das Eigenthümliche, daß kein anderes Symptom, als ein heftiges Erbrechen auf den Beginn der Krankheit deutet. Nach kürzester Zeit, of schon nach einer Viertelstunde, erfolgt unter unersättlichem Dursten ein Erkalten der Extremitäten und — der Tod. Die geöffneten Leichen an der Cholera Verstorbener sollen viel den am Milzbrände gestorbenen Thieren Analoges zeigen.
Berlin, 14. Juni. Bulletin. Se. Maj. der König haben in dieser Nacht ruhig geschlafen. Die in der Vernarbung begriffene Wunde hat ein vollkommen gutes Aussehen.
Hamburg, 13. Juni. Die Erbgesessene Bürgerschaft ist heute dem Anträge des Senats, die konstituirende Versammlung für aufgelöst zu erklären, beigetreten. Die Oberalten und SechSziger hatten sich schon vorher zustimmend erklärt.
Wien, 11. Juni. Eine telegraphische Depesche auS Triest von heute 10 Uhr Vormittags besagt: Der Lloyddampfer „Wien" mit Graf Stürmer am Bord, ist in der Nacht angekommen. Er bringt folgende Nachrichten: Am 31. Mai pas- firte die türkische Flotte unter dem Befehl des Kapudan Pascha die Dardanellen in der Richtung nach dem Archipel. Sie besteht auS 2 Dreideckern , 2 Zweideckern, 1 Fregatte, 3 Korvetten, 2 Kuttern und 1 Kanonierschaluppe. Am 2. Juni folgte der Sultan mit der Richtung nach Smyrna, Scio und Rhodus. Er war von 3 festlich geschmückten Dampfern begleitet.
Frankreich
Paris, den 13. Juni. ES wird uns versichert, daß etwa 300 der bedeutendsten pariser Banquiers und Geschäftstreibenden entschlossen sind, die für den Präsidenten der Republik verlangten Repräsentations-Kosten vom 1. Januar 1850 an bis zum Ende seines Mandats (Mai 1852) durch Subscription unter sich zusammenzubringen. Die Gesammtsumme würde sich nahe auf 6 Millionen belaufen.
Hr. Guizot ist nach Deutschland abgereist.
Der Ausschuß für Begutachtung des Vorschlags zur Ein- führung einer Theater,Zensur wird die Annahme desselben und und sogar die DringlichkeitS-Erklärung empfehlen. Es wird uns versichert, daß auch Maßregeln gegen das Umsichgreifen der sozialistischen Propaganda in Romanen, Feulletonö u. s. w. beabsichtigt werden. ES sind namentlich die in Lieferung zu 4 SouS veröffentlichten illustrirten Romane, die in der neuesten Zeit die Aufmerksamkeit der Regierung auf sich gezogen haben sollen.
Paris, 14. Juni. In wenigen Tagen werden die bedeutendsten Männer der orleanistischen Partei zu St. Leonards bei LouiS Philippe versammelt sein. Hr. Guizot, der gestern Abend Paris verlassen hat und als dessen Reiseziel Deutschland angegeben wurde, wird sich, wie eS heißt, wenigstens zu, erst auch nach St. Leonards begeben, und Hr. de Broglie soll ihm heute ebenfalls dahin folgen. Der angebliche Zweck dieser Pilgerschaft, die an die nach Belgrave Square erinnert, ist die Mittheilung des von Louis Philipp entworfenen politischen Testaments. In gut unterrichteten Kreisen wird jedoch behauptet, daß eS sich vorzugsweise darum handle, die Herzogin von, Orleans, die der Hauptwiderstand bei der beabsichtigten Ver- ; söhnung der beiden Bourbonen-Familien ist, zum Nachgeben: zu bewegen. 1
Die verschiedensten Gerüchte zirkuliren über die Vorgänge in der gestrigen Sitzung deS Ausschusses für daS Dotations- Gesetz, dessen Mitglieder sich bekanntlich versprochen haben, daS strengste Geheimniß über ihre Verhandlungen zu bewahren. Die Minister des Innern, der Justiz und der Finanzen haben, wie die glaubwürdigsten Angaben melden, daS Verlangen einer Gehalts-Zulage für den Präsidenten der Republik auf daS entschiedenste vertheidigt, jedoch in Bezug auf die Form, in welcher die Bewilligung derselben erfolgen soll, der Einsicht und der Einsicht und dem versöhnlichen Geiste des Ausschusses daS Nöthige überlassen. Es wird uns versichert, daß im Ausschüsse und in der Majorität der Nationalversammlung selbst jetzt die Ansicht vorzuherrschen beginnt, den verlangten Kredit für ein Jahr zu bewilligen und stillschweigend die Verpflichtung zu übernehmen, diese Bewilligung alljährlich ans besonderes Kreditverlangen der Regierung zu wiederholen. Es heißt, daß mehrere Legitimisten, welche die politischen Konsequenzen der Gewährung einer beträchtlichen Zivilliste für den Präsidenten der Republik fürchten, den Wunsch geäußert haben, daß die Linke auf eine geheime Abstimmung über diese Angelegenheit antragen möge. Sie würden auf diese Weise gegen daS Do- tationS-Gesetz votiren können, ohne namentlich bekannt zu werden und sich damit den Vorwürfen ihrer versöhnlicher gestimmten Parteiführer auszusetzen. Die Linke soll jedoch auf diesen Wunsch nicht eingehen wollen. — Der Ausschuß hielt heute Sitzung, ohne jedoch einen Beschluß fassen zu können.
In den Kasernen von Paris ist abermals eine Schrift der sozialistischen Propaganda mit Beschlag belegt worden. Dieselbe zeigt weder den Namen des Druckers, noch des Verfassers, und führt den Titel: „Handlungen der nächsten provisorischen Regierung". Sie enthält ein Dekret, daS in allen Truppenkörpern die Grade der Armee von den Korporals- Treffen bis zu den Obersten-EpauletteS der Wahl der Soldaten übergibt. Die Brigade<Generale werden von den Offizieren und Unteroffizieren jeder Brigade gewählt, die DivisionS-Ge« nerale von denen der Division. Der Erekutiv-Gewalt bleibt blos die Ernennung der Oberbefehlshaber vorbehalten.
Die „Voir. du Peuple" ist gestern durch den Assisenhof der Seine von der dreifachen Anklage auf Aufreizung zum Haß und zur Verachtung der Regierung, auf Aufreizung der Staatsbürger gegen einander und auf versuchte Verleitung deS Militärs zum Ungehorsam gegen ihre Führer in einem Artikel über die Wahl vom 28. April freigesprochen worden. Der Unterzeichner deS Artikels, Proudhon, war aus DoullenS hie- hergebracht worden, um neben den Geranten des Journals als Mitschuldiger gerichtet zu werden.
Dem „Constitutionnel" zufolge haben die indirekten Steuern während der verflossenen 5 Monate einen Mehrertrag von über 10 Millionen gegen die entsprechende Periode deS vorigen Jahres gezeigt; eine Thatsache, die überhaupt eine bedeutende Wiederaufnahme in der ökonomischen Thätigkeit der Nation voraussetzen läßt.
Der Kaiser von Rußland hat für den Fall, daß Lord Palmerston in ToScana und Neapel gewaltsam einschreite und den Forderungen Euglands durch die Kanonen seiner Flotte Nachdruck gebe, mit beschränkenden Maßregeln gegen den Aufenthalt der Engländer in Rußland gedroht.
• Rußland.
Petersburg!, 6. Juni. Durch einen UkaS vom 14. Mai wird dem Reichskanzler Grafen v. Neffelrode, für den Sommer Urlaub ertheilt und die Leitung der Geschäfte deS Ministeriums der auswärtigen Angelegenheiten dem Geh. Rathe und Senator Seniavin übertragen.
Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.
Die erste Ausgabe des politischen Blattes wird an jedem Werktage, Nachmittags um 3 Uhr, ausgegeben oder kaun im Expeditionslokale abgeholt werden.
Die Expedition der Nass. Allg. Zeitung.
Druck und Verlag der 2» Schellenberg'schrn Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.
